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Archive for the ‘Geschichten für Erwachsene’ Category

Pfingstrose – fallen – sammeln – rot – Übermut

Das waren die Wörter, die in der Geschichte vorkommen sollten. Lest bitte auch bei meinen Kolleginnen:

Lores Märchenzauber

Von Herz zu Herz Geschichten
Ole und der Regenbogen
Opa Heinz und Ole saßen im Wintergarten. Gerade hatten sie in noch fleißig Unkraut gezupft im Garten.
Dann war eine dicke Regenwolke gekommen und über dem Grundstück stehen geblieben. Sie hatte ihnen das Sonnenlicht geraubt und sofort die Schleusen für einen tüchtigen Regenguss geöffnet.
Ole hatte gerade genüsslich an einer der dicken, roten Pfingstrosen geschnuppert, als ihm dicke Regentropfen in den Nacken fielen.
„Igittigitt!“, kreischte Ole und rannte aufs Haus zu.
„Was soll das denn heißen? Wir brauchen dringend Regen, jede Menge davon!“, schimpfte Opa, der sich aber trotzdem ebenfalls im Haus in Sicherheit brachte.
„Vielleicht ist es ja nur ein Schauer und wir können gleich wieder raus!“, verkündete Ole voller Hoffnung und Übermut.
Doch davon wollte Opa Heinz nichts wissen.
„Nee, nee, lass mal. Es dürfte eine ganze Woche Tag und Nacht plästern!“, meinte er.
Ole lachte laut auf. Das war wieder so ein Opa-Heinz-Wort, plästern. Dieses kannte Ole schon, aber immer mal wieder tauchte ein neues Wort auf, Ole fand das sehr spannend. Er sammelte diese Wörter und benutzte sie auch mit Vorliebe. Erst neulich hatte er wieder ein neues Wort gelernt: ‚abelig‘. Opa hatte nämlich nicht mit ihm zum Eis essen gehen wollen, weil ihm so abelig war. Das bedeutet, dass einem schlecht ist.
„Was lachst du denn so albern?“, wollte Opa nun wissen.
„Ach Opa, ich finde deine Spezialwörter so toll!“, sagte Ole.
„Das sind keine Spezialwörter, und meine sind es auch nicht. Sie sind alt und kommen teilweise aus dem Plattdeutschen.“
Das fand Ole spannend. „Kannst du mir auf Plattdeutsch mal etwas beibringen, Opa?“
Opa überlegte. Dann nickte er. „Mache ich, muss ich aber erstmal drüber nachdenken!“, versprach er und als Ole den Regenbogen entdeckte, der gerade am Himmel zu sehen war, geriet das Thema zunächst wieder in Vergessenheit.
„Guck mal, Opa, so ein schöner Regenbogen!“, rief er begeistert aus.
„Wat Wunnerbooreres gifft dat nich annen Hevensrieke!“, sagte Opa.
„Was?“, rief Ole, der kein Wort verstand.
„Das war deine erste Lektion und außerdem heißt das ‚wie bitte‘“, Opa lachte.
„Wie bitte ist doch viel kürzer, das kann doch nicht sein!“
„Etwas Wunderbareres gibt es nicht am Himmelreich!“, übersetzte Opa und nachdem Ole es ein paar Mal nachgesprochen hatte, gelang es ihm auch.
„Wat Wunnerbooreres gifft dat nich annen Hevensrieke!“

Ist ja so, oder?

© Regina Meier zu Verl

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Kerl – Angebot – wuschelig – fertig – segnen

Das waren die Wörter, die in der Geschichte vorkommen sollten. Lest bitte auch bei meinen Kolleginnen:

Lores Märchenzauber

Von Herz zu Herz Geschichten

Von Hamstern, Dieben und Toilettenpapier

„Warte nur“, sagte Oma. „Wenn ich den Kerl erwische, dann kann der sich warm anziehen, das garantiere ich dir!“
Oma war selten schlecht gelaunt, ich kann mich kaum erinnern, wann ich sie das letzte Mal so aufgebracht gesehen hätte.
„Welchen Kerl?“, fragte ich vorsichtig.
„Na den Kerl, der mir heute im Drogeriemarkt das Klopapier aus dem Einkaufswagen geklaut hat!“, schimpfte Oma weiter und wurde immer lauter.
„Eine solche Unverschämtheit ist mir ja noch nie untergekommen!“
„Aber wie willst du den „Kerl“ erwischen? Kanntest du ihn denn?“, wollte ich nun wissen.
„Keine Ahnung, wie er heißt. Aber ich habe ihn schon des Öfteren gesehen. Er wohnt zwei Straßen weiter, das glaube ich jedenfalls!“ Oma räumte ihre restlichen Einkäufe weg, schloss die Klappe ihres ‚Hackenporsche‘, so nannte sie ihre fahrbare Einkaufstasche, und stellte ihn hinter den Schrank.
„Soll ich dir Toilettenpapier von Mama holen?“, bot ich Oma an, doch die schüttelte den Kopf.
„Danke für das Angebot, ein paar Tage komme ich noch hin. Aber ich habe gern einen Vorrat und im Moment kaufen die Leute ja Klopapier, als gäbe es nie wieder was.“
Mama hatte das auch schon erzählt, also war da was dran. „Was machen denn die Leute mit dem vielen Papier?“, fragte ich. „Außer den Hintern abzuwischen, kann man damit ja nichts anfangen, oder?“
Oma nickte. „Das ist es ja. Ich frage mich, wofür die 147 Rollen im Keller lagern müssen. Weißt du, bei Nudeln, Mehl und Hefe kann ich das ja noch verstehen. Das hamstern die Leute nämlich auch!“
„Hamstern?“, fragte ich.
„Ja, das sagt man so, wenn man sich einen großen Vorrat anlegt, wie ein Hamster eben, der Nahrung in seinen Backentaschen sammelt, für schlechtere Zeiten!“, erklärte Oma und ich schmolz sofort dahin. Einen Hamster hatte ich mir immer schon gewünscht, ich sah das kleine, wuschelige Wesen vor mir und vergaß das Klopapier.img_20200422_191704
„Mich macht das sowieso ganz fertig, das alles!“, sagte Oma jetzt und ließ sich auf den Küchenstuhl fallen. „So etwas habe ich noch nie erlebt!“
Ich wusste nun auch nicht, was ich dazu sagen sollte, denn ich war ja viel jünger und hatte so etwas nun ganz sicher noch nicht erlebt.
„Alles wird besser!“, versuchte ich Oma zu trösten. „Und dann gibt’s auch wieder Klopapier!“
Oma nickte. „Klar, alles wird besser und wir werden mit Klopapier, Nudeln, Mehl und Hefe gesegnet sein!“
„Und wenn die Leute dann aufhören mit dem Hamstern, dann …“
„Dann?“, Oma schaute mich erstaunt an. „Bekomme ich einen Hamster, einen niedlichen, wuscheligen Hamster und den nenne ich dann Hubert!“
Oma lachte laut auf.
„Das kannst du nicht machen!“, japste sie und rang nach Luft. „Das würde Opa dir nicht verzeihen!“
Ich sah das anders, schließlich hatte ich meinen Opa Hubert superlieb und den Hamster, den würde ich auch lieben, echt wahr.

© Regina Meier zu Verl

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Oma und Lio ärgern Opa
„Dieses ist der Bleistift, den ich am meisten liebe. Mit ihm habe ich meine bisher längste Geschichte geschrieben!“, sagt Oma. Sie zeigt Lio einen klitzekleinen Bleistiftstummel, nicht größer als ein Daumennagel.
„Oh ja, der ist klein! Das muss eine sehr lange Geschichte geworden sein. Erzählst du sie mir?“, bittet Lio.
„Sicher, aber nicht heute!“, sagt Oma und legt den winzig kleinen Stift zurück in die Vitrine. Dort hat er seinen Platz neben unzähligen anderen Stiften. Alle sind mit einem Bändchen versehen, an dem ein Zettel hängt, auf dem Titel und ein Datum der Geschichte steht.
„Oma?“
„Ja, Lio, was ist denn?“
„Warum schreibst du deine Geschichten mit einem Bleistift?“
„Ich schreibe sie nur vor und anschließend tippe ich sie ab. Mit einem Bleistift in der Hand kann ich besser nachdenken. Außerdem kann ich radieren und ändern so viel ich will.“
„Das kannst du doch am Laptop auch.“
„Das stimmt wohl, aber ich kann den Computer nicht mit ins Bett nehmen, wohl aber einen Stift und einen Schreibblock.“
Oma lacht und erklärt, dass Opa sowieso schon verärgert ist, wenn die Nachttischlampe die halbe Nacht brennt. Wenn er auch noch das Rauschen des Laptops ertragen müsste, dann gäbe es sicherlich Ärger. So richtigen Ärger!
„Oma, warum schreibst du denn im Bett? Du könntest doch auch am Tage an deinem Schreibtisch schreiben!“
„Nachts habe ich die besten Einfälle und es ist so schön ruhig. Niemand stört mich, es klingelt kein Telefon und es fahren nur wenige Autos. Ruhe ist das A & O!“
„Das A & O?“
„Ja, das sagt man so: der Anfang und das Ende.“
„Aber das Ende vom Alphabet ist doch das Z, Oma!“
„Das stimmt wohl, doch diese Redewendung kommt aus dem griechischen Alphabet und sie taucht sogar in der Bibel auf: „Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, spricht der Herr, der da ist, der da war und der da kommt, der Allmächtige.“
Auf Bibelgeschichten hat Lio keine Lust. Er möchte liebe eine von den spannenden Geschichten hören, die Oma sonst so auf Lager hat. Hechelnde Hunde, tobende Pferde und gefährliche Piraten sollen drin vorkommen. Oder Räuber, die ein Dorf in Angst und Schrecken versetzen. Das wäre eher nach seinem Geschmack. Eigentlich ist er für alles offen, nur spannend soll es sein.
Oma macht auch keine weiteren Versuche, ihm aus der Bibel zu erzählen. Sie holt einen weiteren Bleistiftstummel aus der Vitrine, schaut kurz auf den Zettel, der daran hängt und will gerade anfangen die entsprechende Geschichte zu erzählen, als Opa aus dem Garten kommt.
„Na, ihr Zwei!“, sagt er und holt sich ein Mettwürstchen aus dem Kühlschrank. Das Glas mit dem Senf bringt er mit an den Tisch, taucht die Wurst hinein und beißt genussvoll in die Köstlichkeit. Dabei schmatzt er laut.
„Möchtest du auch mal?“, fragt der den Lio, doch der verzieht das Gesicht. Mettwürstchen mag er nicht und Senf schon gar nicht. Aber er hat eine Idee, gerade ist sie in seinem Kopf angekommen und schon sprudelt es aus ihm heraus:
„Du Opa, darf ich heute bei euch schlafen?“
„Musst du denn morgen nicht in die Schule?“, fragt Opa.
„Nein, es ist Elternsprechtag, da könnte ich hierbleiben, wenn Mama es erlaubt!“
„Was sagt Oma dazu?“, fragt Opa, mehr an Lio, als an Oma gewandt.
„Du kannst mich einfach fragen, ich sitze ja hier neben dir!“, schimpft sie mit Opa.
„Also gut, Oma, was meinst du dazu?“, Opa grinst, er weiß genau, dass es gleich ein Donnerwetter geben wird, denn wenn Oma eines nicht leiden kann, dann ist es, wenn Opa Oma zu ihr sagt,
„Ich bin nicht deine Oma!“, sagt sie auch schon und Lio findet es superlustig, wie die Großeltern sich necken. Genau das ist ja auch seine Idee, er will bei den beiden schlafen und dann soll Oma den Laptop mit ins Bett nehmen, damit er mal sehen kann, wie es aussieht, wenn Opa so richtig verärgert ist. Das hat er nämlich noch nie gesehen.
Als Opa wieder nach draußen gegangen ist, weiht Lio seine Oma in den Plan ein und gemeinsam rufen sie dann Mama an, die erlaubt, dass Lio bleiben darf.
„Das wird toll!“, jubelt der Kleine und Oma freut sich auch. Die Zeit mit den Enkelkindern liebt sie besonders. Opa wird sich auch gar nicht richtig ärgern, aber das muss Lio ja nicht wissen. Sie wird ihren Mann einweihen, ja, das wird sie.
„Und wenn Opa wieder so laut schnarcht, darf ich ihn dann anstoßen und sagen: ‚Opa, nun ist es aber gut!‘, so wie beim letzten Mal?“
„Darfst du!“, sagt Oma und schraubt den Deckel wieder auf das Senfglas. Dabei schimpft sie: Opa und die Mettwürstchen, nein, nein, nein!“
© Regina Meier zu Verl
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Hier kommt die nächste Reizwortgeschichte. Bitte lest auch bei meinen Kolleginnen Lore und Martina:

Lores Märchenzauber
Von-Herz-Herz-Geschichten

Osterfest – Ergebnis – zufrieden – rostig – fangen

Das sind die Wörter, die zu verarbeiten waren!

Besser oder schlechter?
„Anders muss ja nicht unbedingt schlechter sein!“, meinte Gerda, als sie mit ihrer besten Freundin Moni telefonierte.
„Ja, das stimmt schon, aber mal ehrlich, dieses Osterfest, das war doch … nichts!“, erwiderte Moni, der offensichtlich die richtigen Worte fehlten.
„Wenn mir die Verwandtschaft auch manchmal tüchtig auf die Nerven geht, so haben mir Tante Gisela und Onkel Herbert in diesem Jahr doch tatsächlich gefehlt!“, fügte sie dann aber an.
Gerda, die mit ihrer Familie in der gleichen Stadt lebte, hatte die Ruhe genossen.
„Weißt du, sonst habe ich zu Ostern immer den halben Tag in der Küche gestanden, um alle meine Lieben zu versorgen. Ich hätte mir gewünscht, dass ich auch einmal eingeladen werde, aber es war Tradition, dass sich alle bei uns trafen. In diesem Jahr hatten Heinz und ich eine Menge Zeit für uns und ich habe keine Dreigängemenüs gekocht. Das hat mir gefallen.“
Moni nickte bestätigend, gleich fiel ihr aber ein, dass Gerda das gar nicht sehen konnte. Unwillkürlich musste sie lachen.
„Was lachste?“, fragte Gerda irritiert.
„Ach, ich habe gerade genickt und dann fiel mir ein, dass wir zwei uns ja gar nicht gegenübersitzen. Selbst ans Telefonieren sind wir nicht mehr gewöhnt, weil wir uns ja häufig sehen, jedenfalls unter normalen Voraussetzungen!“
„Stimmt auch wieder!“, Gerda stimmte in Monis Lachen ein.
„Was meinst du? Wie lange wird dieser Zustand noch dauern?“, fragte Moni dann aber wieder ernst.
„Wie soll ich das wissen. Irgendwann fangen sie sicher wieder an, die Wirtschaft anzukurbeln. So kann es nicht weitergehen. Meiner Meinung nach sollten sie die kleinen Geschäfte wieder öffnen lassen. Die gehen doch sonst alle vor die Hunde.“, meinte Gerda.
„Heute haben sie irgendwelche Konferenzen, bin auf das Ergebnis gespannt! Ich möchte nicht in deren Haut stecken, diese Verantwortung wäre mir zu groß!“ Moni seufzte und ganz wie es ihre Art war, wechselte sie schnell das Thema.
„Sag mal: wie zufrieden bist du eigentlich mir der neuen Frisörin bei Schneiders Haarsalon?“
„Du hast Sorgen!“, lachte Gerda. „Aber ich bin ganz zufrieden, ich gehe sogar so weit zu sagen: ICH VERMISSE SIE!“
Moni kicherte. „Siehst du auch aus wie ein Wischmopp?“, fragte sie.
„Nein, das nicht, aber meine Haarfarbe sieht leicht rostig aus und die grauen Ansätze sind auch nicht sehenswert. Gut, dass mich außer Heinz niemand sieht!“
„Vielleicht ist das deine Chance, das Grau rauswachsen zu lassen. Das wolltest du doch schon im letzten Jahr!“, schlug Moni vor.
„Außerdem: anders muss ja nicht unbedingt schlechter sein! Sagtest du das nicht eben selbst?“
Gerda lachte wieder.
„Klugscheißerchen, aber wo du recht hast …“
„Habe ich recht!“, freute sich Moni.

© Regina Meier zu Verl

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Wischmoppfrisur #happypainting

 

 

 

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Hier kommt nun die nächste Reizwortgeschichte. Zu verarbeiten waren die Wörter:

Frühling, Luft, bunt, übermütig, glücklich

Mein Ergebnis lest unten, schaut bitte auch bei meinen Kolleginnen rein!

Lores Märchenzauber
Von-Herz-Herz-Geschichten

Opa, Timo und die Frühlingskinder

„Gestern habe ich den Frühling gesehen. Er huschte übermütig durch den Garten und zupfte mal hier, mal da. Ich habe ihn gefragt, was er da macht, aber ich bekam keine Antwort. Als ich ihn nämlich ansprach, verschwand er, schnell wie der Wind!“, erzählte Opa seinem Enkel Timo.
„Den Frühling hast du gesehen? Den kann man doch gar nicht sehen!“, behauptete Timo. Er war ein bisschen verärgert, weil Opa ihn schon wieder mal auf den Arm nehmen wollte. Aber dieses Mal würde es ihm nicht gelingen. Das wäre ja noch schöner!
„Wie sah er denn aus, dein Frühling?“, fragte er und in seiner Stimme schwang ein lauernder Ton mit.
„Es ist nicht mein Frühling, es ist auch deiner!“, meinte Opa. „Es war ja nur ein kurzer Augenblick, aber ich erinnere mich, dass er eine gelbe Latzhose trug und grüne Gummistiefel und ja, er hatte blonde Locken.“
„War es denn etwa ein Mädchen? Wegen der blonden Locken, meine ich.“, fragte Timo.
„Gibt es nicht auch Jungen mit blonden Locken? Ich vermute, dass es ein Junge war, aber sicher bin ich nicht!“, stellte Opa fest. „Geh doch selbst mal nachschauen, vielleicht triffst du ihn ja auch, den Frühling!“
„Ich wollte sowieso gerade nach draußen, frische Luft tanken, dann kann ich ja mal gucken!“ Er glaubte Opa nicht, wusste doch jeder, dass der Frühling wie eine Fee aussah mit einem weiten, bunten Umhang, goldenen Haaren, einer Krone und einem warmen Lächeln und so; jedenfalls bestimmt nicht wie ein Junge oder Mädchen. Timo zog Jacke, Mütze und Stiefel an und stapfte in den Garten hinaus. Man konnte nie wissen, ob Opa vielleicht doch recht haben könnte. Aufmerksam schlenderte er durch den Garten, blickte hinter jeden Strauch und sogar in den verwaisten Hühnerstall. Dann suchte er in den Blumenbeeten und plötzlich stutzte er. Gelb blinkte es ihm zwischen den verdorrten Herbstblättern aus zu. Gelb und grün. Ein kleines Gelb und ein kleines Grün. Die Farben des Frühlings, aber doch viel zu klein für ihn. Der Frühling, überlegte sich Timo, der musste doch viel größer sein. Groß und schlank und zauberhaft. Nicht winzig klein unter alten Blättern verborgen. Er musste sich auch nicht verstecken, gerade, wo doch alle schon auf ihn warteten!
Timo schnupperte, irgendwie roch es plötzlich so anders. War das etwa der Frühling, der so duftete? Er beugte sich zum kleinen Gelb und Grün hinunter schnupperte wieder; und als er sein Gesicht so nah am Boden hatte, sah er viele Gelbs und Grüns und sogar ein Lila und es duftete so schön wie Mamas Blütenparfüm, nur noch besser.
„Wer seid ihr?“, flüsterte er voller Andacht.
„Frühlingskinder“, wisperten viele Stimmchen. „Sieht man doch! Wir sind die Boten des Frühlings. Aber noch kann nicht jeder uns sehen.“
„Ich sehe euch. Ein bisschen. Eure Farben sehe ich. Und euren Duft rieche ich.“ Timo war ganz aufgeregt.
Er erhob sich, setzte vorsichtig einen Fuß vor den anderen, um nicht am Ende noch eines der zarten Frühlingskinder zu zertreten. Als er auf dem gepflasterten Weg zum Haus ankam, rannte er glücklich, so schnell er konnte, ins Haus.
„Opa, du hattest recht!“, rief er freudig. „Der Frühling war da und er hat ganz viele Frühlingskinder in unserem Garten untergebracht!“
Opa schmunzelte. Wusste er doch, dass sein Junge einen Blick für das Schöne hatte. Vielleicht hatte er ihm das vererbt, wer weiß?
© Regina Meier zu Verl

 

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Wie die vier Kerzen zu ihren Namen kamen

„Die haben mich vergessen!“, schimpfte die vierte Kerze auf dem Adventskranz.
„Ach was, du kommst schon noch dran!“, meinten die anderen einstimmig.
„Aber es ist doch schon dunkel und wenn ich das richtig sehe, ist kein Mensch zu Hause“, sagte nun wieder die Nummer Vier.
„Wir sind denen gar nicht wichtig, sie haben uns nicht einmal einen Namen gegeben!“, sagte die Nummer Drei traurig. „Menschen geben denen, die sie lieben einen Namen. Denk mal an den Hund!“
„Du hast recht. Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, aber es stimmt. Wir sind einfach nur Nummern. Oh je, ist das traurig!“ Das war die zweite Kerze.
„Wir sind eben nur Kerzen!“, flüsterte die Nummer Eins, die immer ein wenig leiser war als die anderen. Dabei hatte sie doch das Glück gehabt, als allererste von ihnen entzündet zu werden. Sie wusste aber, dass das ein Zufall war, es hätte ebenso gut eine von den anderen sein können.
Die vier Kerzen schwiegen, jede für sich war in Gedanken versunken. Im Haus war es mucksmäuschenstill, nur das Ticken der großen Wanduhr war zu hören.
Plötzlich wurde die Tür zum Wohnzimmer geöffnet und jemand schaltete das Licht ein.
„Jetzt ist es endlich soweit!“, dachte die vierte Kerze und wagte kaum zu atmen vor lauter Aufregung. Tatsächlich, da kam Tina, die hier wohnte und setzte sich aufs Sofa.
„Schatz!“, rief sie und noch einmal: „Schahatz!“
„Was ist denn, Tina?“, rief Alex, Tinas Liebster.
„Heute ist der vierte Advent, wir wollen noch die Kerzen anzünden und ein Weihnachtslied singen!“, rief Tina.
„Boah, du bist so altmodisch! Muss das denn unbedingt jetzt sein, ich habe solchen Hunger!“, maulte Alex. Da er aber seine Tina liebte, machte er sich auf den Weg ins Wohnzimmer.
„Ich bin übrigens nicht altmodisch, man nennt das romantisch, mein Lieber und ein wenig Romantik stände dir auch ganz gut zu Gesicht!“, meinte Tina und hielt Alex die Streichhölzer hin. „Mach du!“, ordnete sie an.
Gerade wollte Alex die vierte Kerze anzünden, deren Docht noch ganz unbenutzt war, als Tina rief: „So nicht, es muss in der richtigen Reihenfolge angezündet werden, die vierte ist die letzte Kerze, fang mit der Nummer Eins an!“, schimpfte sie.
„Demnächst werden wir den Kerzen noch Namen geben und ihnen später einen Gutenachtkuss geben!“, witzelte Alex.
„Blödmann!“, schimpfte Tina und schob schmollend die Unterlippe vor.
„Das ist aber kein schöner Name, lass dir was besseres einfallen!“, konterte Alex und brachte Tina damit wieder zu lachen.
„Okay, die erste heißt Chris – nun bist du dran, mein Lieber!“
Alex zündete die erste Kerze an. „Ich taufe dich auf den Namen Chris!“, sagte er feierlich. Dann hielt er das Streichholz an die zweite Kerze. „Und du heißt … Aua!“ Alex hatte sich den Finger verbrannt, das tat ganz schön weh.
„Aua kann sie aber nicht heißen“, meinte Tina, nachdem sie Alex einen Kuss auf den schmerzenden Finger gegeben hatte. „Ich schlage vor, sie heißt Aurelia, okay?“
Zu Chris und Aurelia kamen dann noch Luke und Mara dazu.
Die Kerzen waren glücklich und strahlten heller als je zuvor. „Sie haben uns Namen gegeben“, flüsterte Mara. „Das heißt, dass sie uns lieben!“
„Ja!“, flüsterten Chris, Aurelia und Luke.
Tina kuschelte sich an ihren Alex und schaute glücklich ins funkelnde Licht der Adventskerzen.

© Regina Meier zu Verl

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Das Märchen vom Apfelglück stammt aus dem letzten Jahr, hier habe ich es noch nicht vorgestellt, deshalb heute

Apfelglück

Es war einmal, vor langer Zeit, ein Mädchen, das in einem kleinen Dorf lebte. Es hatte sieben Geschwister, drei Brüder und vier Schwestern. Das Mädchen hieß Anna und sie war die Älteste.
Die Familie hatte nicht viel Geld und oft genug war es schwer, alle Kinder satt zu bekommen.
„Ach“, klagte die Mutter oft. „Es tut mir so leid, dass ich euch kein reichhaltiges Mahl anbieten kann, ihr hättet es verdient!“
Anna wollte der Mutter so gern helfen, immer wieder versuchte sie, bei den Nachbarn etwas Nahrhaftes zu ergattern, indem sie kleine Dienste für sie verrichtete. Aber es war nicht viel, was sie dafür bekam, mal ein Stück Brot, oder auch mal einen Kanten Speck.
Einmal, es war kurz vor dem Weihnachtsfest, erhielt sie von der alten Tilde einen Korb voller Äpfel, die schon leicht verschrumpelt waren.
„Nimm, Kind, aber teile sie gut ein!“, hatte die Alte gesagt.
Anna suchte sieben Äpfel aus, die noch fest und knackig waren. Die wollte sie ihren Geschwistern zu Weihnachten schenken. Sie versteckte sie im Keller an einem sicheren Platz. Die restlichen Äpfel gab sie der Mutter, die daraus Kompott zubereitete. Das reichte jedoch nicht lange und jeden Abend gingen die Kinder hungrig zu Bett.
Eines Abends, die Eltern waren nicht zu Hause, weinte die kleine Anina so herzzerreißend, dass Anna in den Keller ging, einen der Äpfel nach oben trug und ihn in acht Stücke teilte. Sie erzählte ihren Geschwistern, dass es sich um einen Wunderapfel handelten und dass der, wenn man nur fest genug daran glaubte, die Hungerschmerzen für eine Nacht besänftigen konnte. Gemeinsam aßen sie, jeder sein Achtel, kauten genüsslich und schliefen dann zufrieden ein. Die Kerne sammelte Anna in ihrer Schürzentasche, nachdem sie sie sorgfältig in ein Taschentuch gewickelt hatte.
So ging das ein paar Tage, bis zum Schluss nur noch ein einziger Apfel übrigblieb. Es war der Tag vor dem Heiligen Abend. Wieder weinte Anina vor Hunger und bat ihre große Schwester um ein Stück vom Wunderapfel. Was sollte sie machen? Sie schnitt den letzten Apfel auf, der schmeckte süßer als all die Äpfel vorher und schon bald schliefen die Kinder zufrieden ein.
In dieser Nacht träumte Anna von der alten Tilde und den wunderbaren Äpfeln, die sie einige Tage lang gegessen hatten. ‚Hast du sie gut eingeteilt?‘, fragte Tilde in Annas Traum. ‚Das habe ich!‘, antwortete Anna traurig. ‚Aber jetzt haben wir keine Äpfel mehr und werden zu Weihnachten hungern müssen.‘ Tilde schüttelte den Kopf. ‚Du hast mit deinen Geschwistern geteilt, gerecht, und ohne ein Stückchen zu verschwenden. Selbst die Kerne hast du sorgsam verwahrt.‘
Anna wunderte sich, woher die alte Tilde das wissen konnte … und erwachte aus ihrem Traum. Verwirrt setzte sie sich im Bett auf. Was hatte Tilde denn nur gemeint? Anna schlüpfte aus dem Bett und holte das Taschentuch mit den Kernen aus ihrer Schürzentasche. Als sie diese in ihrer Hand hielt, fingen sie an zu leuchten, denn sie waren aus purem Gold.
Und da in jedem Apfel fünf Stübchen sind, in denen jeweils zwei Kerne wohnen, besaß Anna nun achtzig goldene Kerne, die gab sie am nächsten Tag ihrer Mutter und die kaufte dafür Lebensmittel und kleine Geschenke für das Weihnachtsfest.
Das ist natürlich ein Märchen, goldene Apfelkerne, die gibt es nicht – oder vielleicht doch?

© Regina Meier zu Verl

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Zum Plätzchen backen bin ich in diesem Jahr gar nicht gekommen. Aber das macht nichts, ich habe nämlich immer mal wieder ein Tütchen Selbstgebackene geschenkt bekommen und die landen nun alle auf unserem Weihnachtsteller. So einfach von der Hand, wie dem Zauberer in der nächsten Geschichte geht es mir nämlich nicht, besser gesagt: mir fehlte die Zeit in diesem Jahr.

Der Zauberer Theodosius

„Ich bin ein Zauberer!“, rief der Weihnachtsmanngehilfe Theodosius und sprang einen halben Meter in die Höhe. „Ein großer Zauberer bin ich, jaja!“
Die anderen Gehilfen kicherten.
„Jetzt fängt er wieder mit diesem Blödsinn an!“, schimpfte Ambrosia, die das schon aus den vergangenen Jahren kannte. „Gleich zaubert er Weihnachtsgebäck und wir dürfen die Sache dann wieder ausbaden, weil wir, wie immer, in Verzug geraten werden!“
„Nun lass ihn doch, vielleicht hat er das Zaubern ja gelernt mittlerweile und wenn das so wäre, dann würde er uns jede Menge Arbeit ersparen“, meinte Klarina, die ein bisschen verliebt in Theodosius war.
Dankbar schaute Theodosius zu ihr hin und lächelte sie strahlend an und Klarina war hin und weg.
„Ihr nun wieder!“ Das war Ambrosia, die kopfschüttelnd die Backstube verließ. Sicher wollte sie wieder beim Weihnachtsmann petzen.
„Dann lass doch mal sehen!“, schlug Klarina vor und klopfte Theodosius aufmunternd auf die Schulter. „Was zauberst du uns zuerst?“
„Ja, ja!“, riefen auch die anderen. „Zeig, was du kannst!“
„Okay, dann mal los!“, sagte Theodosius. „Man stelle fünf Schüsseln auf den Tisch, alle müssen die gleiche Größe haben!“, ordnete er an.
Sogleich stellten die neugierigen Gehilfen fünf Schüsseln bereit. Dann sahen sie Theodosius erwartungsvoll an.
Der murmelte ein paar unverständliche Worte, hielt die Hände über jede Schüssel und wartete.
Dann rief er: „Okay, nun brauche ich eine riesige Schüssel, viel größer als die fünf anderen!“
Klarina holte eine große Schüssel aus dem Regal und stellte sie zu den anderen.
„Danke, du Liebe!“, schmeichelte Theodosius. „Nun werden die kleinen Schüsseln befüllt, in eine kommt viel Butter, in die nächste viel Zucker, in die nächste doppelt so viel Mehl, in die vierte gemahlene Mandeln und in die fünfte eine Prise Salz, ein wenig Vanillemark, etwas Zimt und Kardamom!“, ordnete er an.
„Der schmiert uns doch an!“, flüsterte Bella, eine der Kleinsten.
„Pst!“, machte Klarina und legte den Zeigefinger auf die Lippen. „Stör ihn nicht!“
Als alle Zutaten verteilt waren, die Gehilfen hatten sich echt beeilt, murmelte Theodosius ein paar Worte in die leere Riesenschüssel, hob die Hände, schloss die Augen und rief dann:
„Vereinigt euch, ihr leckeren Dinge, dass euer Geschmack uns Freude bringe!“
Dann wurde es ganz still, man hätte eine Stecknadel fallen hören können, so still wurde es. Aber – es geschah nichts.
„Und jetzt?“, fragte Klarina in die Stille hinein.
Theodosius kratzte sich am Kopf. „Mmh, da muss ich wohl eine wichtige Zutat vergessen haben!“, murmelte er und ging die Zutatenliste im Kopf noch einmal durch.
„Ich hab’s, alles muss nun in die große Schüssel!“, rief er.
„Klar, das hätte ich dir auch sagen können!“ Klarina schüttelte den Kopf. Wollte er sie etwa für dumm verkaufen? So viel Frechheit hatte sie ihm nun doch nicht zugetraut und ein Fünkchen Hoffnung, dass der Zauber noch käme, wenn erst alle Zutaten in der Riesenschüssel wären, blieb noch. Also füllte sie alles, Butter, Zucker, Mehl, Mandeln und Gewürze in die Riesenschüssel und wartete.
Und sie wartete und wartete, nichts tat sich. Wie auch?
Klarina fing an, den Teig zu kneten, dann formte sie kleine Kugeln und die anderen Gehilfen gingen ihr zur Hand. Sie rollten den Teig aus, stachen Sterne aus und legten die Teigstücke auf die großen Backbleche. Der Ofen wurde angeheizt und nach und nach wurden die Bleche in den heißen Ofen geschoben. Ein köstlicher Duft breitete sich aus, der weit bis über die Backstube hinaus zu riechen war.
Während alle zusammen mit dem Verzieren der Plätzchensterne beschäftigt waren, kam auch Theodosius zurück.
„Es hat funktioniert!“, rief er begeistert aus. „Plätzchen backen, ohne einen Finger zu bewegen! Ich bin ein großer Zauberer!“

© Regina Meier zu Verl
 

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17. Dezember

Den zweiten Teil der Geschichte des kleinen Engels hatte ich euch vorgestern versprochen. Hier ist er nun: (Teil 1 ist HIER)

Silver, der kleine Engel (Teil 2)

Hoch am Himmel flog Silver, der kleine Engel. Nach langer Zeit der Traurigkeit fühlte er sich heute richtig wohl, nachdem ihm die Begegnung mit dem Fuchs die Augen geöffnet hatte. Er schaute hinab auf die kleine Stadt unter ihm, die weihnachtlich beleuchtet war, denn es waren nur noch ein paar Tage bis zum Weihnachtsfest. Überall in den Gärten standen beleuchtete Tannenbäume und in den Fenstern strahlte heller, warmer Kerzenschein.
Silver ließ sich ein wenig mehr nach unten gleiten, weil ihm so gefiel, was er da sah. Plötzlich hörte er seinen Namen.
„Silver“, rief eine leise Stimme. „Flieg hinab zur Erde, du wirst gebraucht!“
„Aber wohin soll ich fliegen?“, fragte Silver aufgeregt. Er spürte, dass sich Gabriels Vorhersage nun bald erfüllen würde.
„Lass dich einfach fallen, dann wirst du schon wissen, was zu tun ist“, sagte die Stimme.
Silver tat, wie ihm geheißen. Langsam sank er immer tiefer und tiefer hinab und plumpste plötzlich in den weichen Schnee direkt am Rand des Marktplatzes.
War das ein Trubel, viele Menschen gab es hier, Buden mit Süßigkeiten, sogar ein Kinderkarussell. ‚Das muss ein Weihnachtsmarkt sein!‘, dachte Silver und schaute sich neugierig um.
Mitten auf dem Platz tanzten Kinder auf einer Eisfläche einen Schlittschuhtanz. Wie lustig das aussah, gern hätte Silver ein wenig mit den Kindern herumgetollt, aber er hatte auch ein wenig Angst davon, was passieren würde, wenn man ihn entdeckte.
Ein kleines Mädchen saß am Rand der Eisbahn. Es weinte. Niemand kümmerte sich um die Kleine.
Sofort spürte Silver, dass er eingreifen musste. Wo waren denn nur die Eltern des Mädchens und warum bemerkte niemand, dass es weinte?
Sanft nahm er die Hand des Mädchens und sprach es an.
„Warum weinst du? Hast du dir weh getan?“, fragte er leise.
„Nein, aber ich bin ganz allein!“, stammelte die Kleine.
Das war nicht gut, gar nicht gut. Er flüsterte dem Mädchen etwas ins Ohr, hob sich in die Luft und versuchte, die Eltern des Kindes ausfindig zu machen. Er würde sie schon erkennen, ganz bestimmt.
Er entdeckte eine Frau, die sich suchend umschaute. Silver landete neben ihr und sprach sie an, doch die Frau hörte ihn nicht. Er zupfte an ihrem Mantel. Die Frau reagierte nicht.
„Silvia!“, rief sie laut. „Wo bist du denn nur?“
„Aha!“ rief Silver. „Dann bin ich wohl Silvias Schutzengel!“ Er nahm die Hand der Frau und zog sie über den Marktplatz in Richtung Eisbahn. Die Frau folgte ihm und rief immer wieder Silvias Namen und endlich sah sie ihre Tochter, die ihr aufgeregt zuwinkte.
„Mama!“, rief sie. „Ich war hier ganz allein und wusste nicht wo du bist!“
Die Frau schloss das Kind in ihre Arme.
„Ich habe so geweint, doch dann kam dieser Engel und da wusste ich, dass alles wieder gut wird!“, sagte Silvia.
„Engel?“, fragte die Frau. „Welcher Engel denn, fantasierst du wieder?“ Sie fühlte die Stirn ihrer Tochter. „Fieber hast du aber nicht!“
„Der Engel, der da neben dir steht, du hattest ihn an der Hand, als du mich gefunden hast!“, erklärte Silvia.
Die Mutter lachte. „Engel, die gibt es nur im Märchen!“, sagte sie. „Aber jetzt ist ja alles wieder gut!“
Silver lächelte. Das Kind hatte ihn gesehen, die Mutter nicht. Das war wohl das Zeichen dafür, dass er, Silver, wirklich der Schutzengel der Kleinen war.
„Silvia und Silver!“, flüsterte er und hauchte dem Mädchen einen zarten Kuss auf die Wange.
„Ja, wir beide!“, flüsterte das Kind. „Bleibst du jetzt bei mir?“
„Ja, immer!“, versprach Silver.
„Mit wem redest du?“, fragte die Mutter verwundert.
„Das ist mein Geheimnis“, antwortete Silvia und sie hat niemandem verraten, dass von da an der Engel Silver stets an ihrer Seite war.
Ja, so war das!

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16. Dezember
In einem der Türchen von Oma Bettys Adventskalender war eine prächtige Schneelandschaft zu sehen. Ich warte auch sehnsüchtig auf Schnee, gern meterweise hoch, oder besser doch nicht?
Egal, auf jeden Fall hatte Oma wieder eine Geschichte zum Schnee anzubieten, doch lest/oder hört selbst!

Jonas und das Schneechen

In der Nacht hatte es endlich geschneit. Jonas merkte es schon beim Aufwachen, denn es war viel heller im Zimmer als sonst.
„Lisa“, flüsterte Jonas. „Lisa, wach auf, ich glaube, es hat geschneit!“
„Dann schau erstmal nach, bevor du mich weckst, du kleine Nervensäge!“, murmelte Lisa und drehte sich auf die andere Seite, wobei sie ihre Bettdecke über den Kopf zog.
Jonas tappte mit nackten Füßen zum Fenster, kletterte auf den Stuhl, der davorstand und schaute hinaus.
„Yippie! Schnee, jede Menge Schnee!“, rief er begeistert.
„Boah!“, stöhnte Lisa. „Bruder, du nervst! Und jetzt sei leise, du weckst Mama und Papa noch auf.“
Jonas zog seinen Schlafanzug aus, stieg in seine Jeans, schnappte seinen dicken Pulli und die Socken und verließ das Kinderzimmer. Sollte Lisa doch liegenbleiben. Er würde nun jedenfalls sofort raus in den Garten gehen, bevor der Schnee wieder weg war. Man wusste ja nie!
Am Schlafzimmer seiner Eltern schlich er leise vorbei und die vorletzte Treppenstufe ließ er aus, weil sie so knatschte. Dass der Sprung beinahe genauso viel Lärm machte wie das Knatschen hatte er nicht bedacht. Schon hörte er die Stimme seiner Mutter.
„Jonas, was machst du da unten?“
„Ich hole mir was zu trinken, Mama. Schlaf ruhig weiter!“, antwortete er und grinste.
Mama hatte sich wohl auf die andere Seite gedreht, jedenfalls machte sie keine Anstalten aufzustehen. Vorsichtshalber wartete Jonas noch ein Weilchen, bevor er leise die Haustür öffnete und endlich im Garten stand.
War das eine Pracht. Noch völlig unberührt lag eine dicke Schneedecke auf dem Rasen. Jona rieb sich die Hände und fasste dann vergnügt in das kalte Nass. Er formte einen Schneeball und wollte gerade ansetzten, den Ball durch den Schnee zu rollen, um ihn zu vergrößern, als er eine feine Stimme hörte:
„Lass das! Das ist mein Schnee!“
Jonas ließ vor Schreck den Schneeball fallen.
„Bist du verrückt?“, kreischte die Stimme nun lauter. „Zuerst klaust du meinen Schnee und dann schüttest du mich damit zu! Hilf mir sofort wieder hier raus!“
Jonas bückte sich und versuchte, den Schnee, den er gerade hinuntergeworfen hatte, wieder aufzunehmen und was kam darunter zum Vorschein? Nichts! Jedenfalls war nichts zu sehen und trotzdem schimpfte dieses ‚Nichts‘ laut weiter.
„Guck nicht so blöd!“
Jonas schluckte, dann fragte er vorsichtig: „Wer bist du und wo bist du? Ich sehe dich nicht!“
Die Stimme kicherte. „Du musst schon genauer hinschauen, Jonas!“
Jonas ließ sich auf die Knie nieder und blickte konzentriert auf den Schnee und dann sah er in all dem Weiß ein kleines rosa Herzchen, so winzig klein wie die Zuckerherzen auf den Weihnachtsplätzchen. Er streckte die Hand aus, um es aufzunehmen.
„Nicht anfassen!“, kreischte die Stimme. Erschreckt zog Jonas seine Hand zurück, nun hatte er sich so über den Schnee gefreut und jetzt durfte er ihn nicht anfassen. So gern hätte er einen Schneemann gebaut.
Plötzlich bewegte sich das Herzchen und dann sah Jonas, dass es gar kein Herzchen war, sondern ein winzig kleines Schnäuzchen.
„Siehst du mich nun endlich, Jonas?“
Jonas schaute noch genauer hin und erblickte zwei winzige Äuglein und ja, Augen und Herzschnäuzchen gehörten zu einem Tier mit weißem Fell. Oh, war das niedlich!
„Bist du ein Mäuschen?“, fragte Jonas.
„Nein, bin ich nicht. Rate nochmal!“, sagte das Tierchen vergnügt. Offensichtlich machte es ihm Spaß, das Kind hinzuhalten.
„Bist du vielleicht ein … Schneechen?“, fragte Jonas
„Ein Schneechen? Was soll das denn sein? So ein Unsinn!“, schimpfte das Kleine. „Rate noch einmal, aber wehe, wenn du es nun nicht errätst, dann lasse ich den Schnee schmelzen, jawohl, das mache ich!“
Das wollte Jonas auf keinen Fall, deshalb strengte er sich an und ging in Gedanken alle Tiere durch, die er so kannte und die ein rosa Schnäuzchen haben konnten. Das Tierchen bewegte sich, hüpfte ein wenig vor ihm herum und dabei erkannte Jonas zwei verhältnismäßig lange Ohren. Sein Herz tat einen Hüpfer, denn sofort fiel ihm ein, um was für ein Tier es sich handeln könnte.
„Du bist ein …“, sagte er ganz langsam und dabei betonte er jedes Wort.
„Nun sag schon!“, trieb das Tierchen ihn an.
„Schneehäschen!“, posaunte Jonas aus und grinste.
„Genau!“, rief das Häschen und hüpfte freudig im Kreis. Dabei hinterließ es winzige Spuren im Schnee, Schneehäschenspuren eben.
„Mit wem sprichst du denn da?“, rief Lisa vom Kinderzimmerfenster aus.
„Verrate mich nicht“, flüsterte das Häschen.
„Abgemacht!“, versprach Jonas und dann rief er laut: „Ach, ich führe Selbstgespräche, Lisa. Ich komme jetzt auch ins Haus, es ist ganz schön kalt!“

Sein Erlebnis mit dem Schneehasen hat Jonas für sich behalten. Vermutlich hätte ihm sowieso niemand geglaubt, aber das machte nichts. Er wusste ja, dass er es erlebt hatte und nur das zählte für ihn. Der Schnee blieb eine ganz Woche liegen und wenn Jonas im Garten war, dann bewegte er sich ganz vorsichtig und schaute bei jedem Schritt, ob er nicht aus Versehen auf ein rosa Herzchen trat.
Später hat Jonas die Geschichte aufgeschrieben, sonst könnte ich sie ja jetzt nicht erzählen, nicht wahr?

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