Die Eselsbrücke

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Die Eselsbrücke              

 

„Was ist denn das? Das ist doch kein Winter!“, sagt Frau Müller kopfschüttelnd. „Wenn ich da so an meine Kindheit zurückdenke … da gab es Schnee, massenhaft. Man konnte noch Schneemänner bauen und Rodelbahnen. Ach, was hatten wir für einen Spaß!“

Die junge Kassiererin lächelt freundlich und nimmt Frau Müllers EC-Karte, steckt sie in das Gerät und dreht eben dieses der Kundin zu. „Bitte geben Sie die Geheimzahl ein!“. fordert sie die Kundin auf.

Diese überlegt, tippt dann schnell vier Zahlen ein und sieht unmittelbar die Nachricht: Falscher Pin Code. Frau Müller versucht es noch einmal, fest davon überzeugt, dass sie sich einfach nur vertippt hat. Es klappt wieder nicht. Da Frau Müller mal gehört hat, dass nach dreimaliger falscher Eingabe die Karte gesperrt wird, traut sie sich nun nicht mehr. An der Kasse hat sich mittlerweile eine Schlange gebildet.

Die Kassiererin ruft durch ihr Mikrophon: „Frau Sauerland, bitte an Kasse 2!“ Frau Müller ist blass geworden, sie überlegt fieberhaft und ihr will die Geheimzahl nun einfach nicht mehr einfallen.

Die Warteschlange wandert geschlossen zu Kasse 2, so dass die freundliche Kassiererin sich ganz auf Frau Müller konzentrieren kann. Sie kennt das, die Kundin ist nicht die Erste, der das passiert.

„Immer mit der Ruhe“, sagt sie deshalb. „Denken Sie einen Moment an etwas anderes, dann fällt Ihnen die Nummer sicher wieder ein!“

Frau Müller hört nicht zu. Sie ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt.  Trotzdem fällt ihr dieser verflixte Pin-Code nicht ein. Nervös blättert sie in ihrem Portemonnaie und zählt den Inhalt. Es reicht nicht, um den Einkauf bar zu bezahlen.

„Was mache ich denn jetzt?“ Frau Müller ist dem Weinen nahe.

„Wir packen Ihre Einkäufe einfach in den Wagen, legen den Kassenzettel dazu und ich bringe den Wagen in unser Lager. Sie gehen eine Tasse Kaffee trinken und versuchen an etwas anderes zu denken, dann wird sicher die Geheimzahl wieder da sein. Ich habe das schon öfter erlebt. Später holen wir dann ihre Einkäufe wieder zurück und sie zahlen. Machen Sie sich keine Sorgen!“

Frau Müller ist dankbar. Das klingt unkompliziert und notfalls muss sie einfach schnell nach Hause fahren, denn sie hat die Zahlen dort notiert – für alle Fälle. Zuerst aber folgt sie dem Rat der netten Angestellten und setzt sich in das kleine Café direkt im Supermarkt. Sie bestellt einen Kaffee und ein dickes Stück Schwarzwälder Kirschtorte. Den Gedanken an die Geheimzahl kann sie aber noch nicht loslassen. Erst als die sahnige Köstlichkeit auf ihrer Zunge zergeht, wandern die Gedanken zurück in die Kindheit. Sie denkt an ihre Mutter, die immer die herrlichsten Torten gebacken hat. Jedes Rezept hatte sie im Kopf gehabt. Sie war eine Meisterin im Backen gewesen. Ach ja, das war eine schöne Zeit, die Kindheit. Damals hatte es ja auch noch jede Menge Schnee gegeben.

Frau Müller lächelt und genießt. In Gedanken sieht sie die Mutter und baut mit ihr zusammen einen großen Schneemann. Auch der Vater ist da, er rollt die größte Kugel für den Unterbau, die Frauen kümmern sich um den Oberkörper und den Kopf. Als der Schneemann steht, nimmt die kleine Elisabeth ihren Schal und bindet ihn dem Schneemann um. Die Mutter holt eine Möhre aus der Küche und zwei Kohlen für die Augen. Mit Mamas rotem Lippenstift malen sie ihm einen Lachmund. Elisabeth ist so stolz. Dann beginnt der Schneemann zu sprechen: „Juli, August, Januar, Februar!“, sagt er.

Frau Müller lacht begeistert auf. Das ist es. So hat sie sich die Geheimzahl eingeprägt. Dass sie das vergessen konnte! Juli, August, Januar und Februar stehen für die Zahlen. Es ist doch ganz einfach. Schnell isst sie das letzte Stückchen Torte, trinkt noch einen kräftigen Schluck Kaffee und bezahlt. Ein großzügiges Trinkgeld gibt sie, dann eilt sie zur Kasse zurück. Strahlend!

„Sehen Sie, ich wusste es doch!“, empfängt sie die freundliche junge Dame. Sie rechnet noch schnell ab und schließt dann die Kasse. Dann holt sie Frau Müllers Einkaufswagen aus dem Supermarktlager. Mit dem Bezahlen gibt es nun auch keine Schwierigkeiten mehr. Wie gut, dass es diese Eselbrücke gab und dass sie Frau Müller rechtzeitig genug wieder eingefallen ist. Oder hat etwa der Schneemann tatsächlich gesprochen?

 

© Regina Meier zu Verl 2016

 

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Alles im Griff

Patentanten-Hochzeitsoutfit gefunden – in meinem Kleiderschrank. Das war ja einfach, hätte den Schrank vorher schonmal durchforsten sollen. Bei der Gelegenheit sind ein paar Teile rausgeflogen, die ich sicher nicht mehr anziehen werde. Prima, das hat Luft gegeben und ich bin zufrieden. (Zeige ich erst nach der Hochzeit!)

Gleich habe ich noch einen Termin im Krankenhaus, Narkosegesprüch für meine Katarakt-OP in zwei Wochen. Danach werde ich dann hoffentlich wieder den Durchblick haben, der mir momentan ab und zu fehlt. So oder so!

Es regnet mal wieder – ich bete, dass es morgen und übermorgen trocken bleibt, damit mein liebes Patenkind trocken zum Standesamt (morgen) und zur Kirche (übermorgen) kommt. (Ich habe mal vorsichtshalber meine Wimpern färben lassen, damit mir beim Weinen die Tusche nicht abregnet. Clever, nicht wahr?)

(Oh, ich habe ein so schönes Hochzeitsgeschenk – kann ich aber nicht zeigen, da das „Kind“ mitlesen könnte. Verschenken macht so viel Freude, viel mehr noch, als beschenkt zu werden!)

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Und nun?

Oh, ich kann böse gucken, wenn ich mich in ein Outfit gepresst fühle und mir das so gar nicht behagt. So gucke ich immer, schon in Kindheitstagen war das so. Seht selbst:

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Ungefähr so habe ich wohl gestern auch geguckt, als ich mein Outfit für die Hochzeit am Freitag anprobiert hatte. Mit der Taille verhielt es sich genaus so wie auf dem Foto und das hat der kleinen Regina schon nicht gefallen. Was tun? Was anderes überlegen, ich werde berichten. Fotos gibt es erst dann, wenn ich zufrieden bin. Das kann dauern!

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Erinnerungen

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„Schau, Opa, ich habe dir ein paar Muscheln vom Meer mitgebracht! So richtig kann ich mich nicht mehr an dich erinnern. Aber Mama erzählt so viel von dir und ich habe die Fotos. Ich werde dich niemals vergessen, das verspreche ich dir!“

(Meine Tochter war erst zweieinhalb, als mein Vater starb. Nun ist sie schon erwachsen. Wir reden noch oft von ihm und sie erinnert sich besonders an das Pflaster, das er an der Stirn hatte, als man ihm zwei Tage vor seinem Tod noch eine Gewebeprobe genommen hatte. Ich höre noch immer seine Stimme und manchmal stehe ich an seinem Grab und frage ihn um Rat. Ich bekomme immer eine Antwort – auf irgendeine Art und Weise.Das tröstet ein wenig.)

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Selbstbildnis

 

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Beim Durchsehen meiner alten Zeichnungen fiel mir dieses Bild in die Hände. Es ist schon ein paar Jahre alt und irgendwie komme ich ihm immer näher. Die Oma im Lehnstuhl, die Geschichten erzählt. Das passt zu mir! Andererseits kann ich das eigentlich nicht sein, denn hinter der Dame auf der Fensterbank steht ein Alpenveilchen. Warum? Na, ich kann mit Alpenveilchen nicht umgehen, jedenfalls nicht in der Wohnung. Die lassen schon nach einem Tag in meiner Obhut die Köpfe hängen. Das ist traurig und deshalb kaufe ich keine mehr.

Nun frage ich mich aber: Wer ist die „Alte“ da auf meinem Bild? Sollte ich vielleicht den Alpenveilchentest machen und gucken, ob sich etwas verändert hat? Ich weiß, ich rede wirres Zeug, liegt an meiner Verfassung heute. Bin etwas durcheinander. Keine Sorge, es ist soweit alles in Ordnung, gibt halt so Dinge, über die ich hier nicht schreiben kann!

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So bin ich

Ich bin die, die ich immer bin,

was anderes macht keinen Sinn.

Ich mag mich nicht so gern verkleiden,

als ICH mag ich mich lieber leiden.

Bin nicht Elfe im Glitzergewande,

gehör nicht zu einer Cowboybande.

Trag weder Schnurrbart noch Perücke,

mir fehlt kein Schmuck zu meinem Glücke.

Ich bin kein Miesepeter, nein,

ich kann so richtig fröhlich sein.

Ich bin die, die ich immer bin,

was anderes macht keinen Sinn!

© Regina Meier zu Verl

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Luftschlangen gehören dazu

Luftschlangen gehören dazu

Ein weiches Kissen liegt auf der Fensterbank und die Kaffeemaschine faucht und brodelt. Frau Meyer legt zwei frische Berliner auf einen Teller, dann zieht sich ihre Strickjacke an.
Gleich geht es los. Vielleicht kommen schon die ersten Kinder. Sie schenkt sich eine große Tasse Kaffee ein und öffnet das Fenster, damit sie besser sehen kann. Es ist kalt an diesem Montagmorgen, aber nicht zu kalt. Im letzten Jahr lag sogar Schnee am Rosenmontag, heute wird sie es gut aushalten können an ihrem Fensterplatz.
Sie schaut auf den Schulhof und da kommen auch schon die ersten Kinder. Es sind zwei Cowboys.
„Ach, sind die süß“, denkt Frau Meyer und erinnert sich an Jochen, der auch immer so gern Cowboy-Kostüme getragen hat.
„Was er wohl heute macht? Ob er frei hat?“ Frau Meyer weiß es nicht, denn ihr Sohn wohnt weit weg mit seiner Familie.
„Sicher hat er viel zu tun …“, denkt sie und nimmt einen großen Schluck Kaffee. Das tut gut.
Eine Indianerin betritt den Schulhof und die Cowboys begrüßen sie mit lautem Yippi Yeah Geschrei. Es ist eine der Lehrerinnen, für einen Schüler ist sie viel zu groß. Frau Meyer kann aber nicht erkennen, welche Lehrperson sich im Indianerkostüm versteckt. Dabei kennt sie das Kollegium gut. Schließlich wohnt sie seit vielen Jahren hier und es ist ihre einzige Freude, in den Pausen den Kindern zuzusehen. Da merkt man sich Gesichter und manche Lehrer winken ihr morgens freundlich zu.
Eine Mutter hat eine Prinzessin in einem rosafarbenen Kleidchen an der Hand. Das Kind trägt eine goldene Krone und geht majestätisch über den Schulhof.
Frau Meyer wischt sich eine Träne von der Wange. Sie denkt an ihre Tochter Anja. Das ist ihre Prinzessin.
„Ach, wäre das schön, wenn du jetzt hier wärst, Kind. Ich fühle mich so einsam“, seufzt die alte Dame. Dann beißt sie beherzt in den Berliner und kleckert prompt einen dicken Marmeladenklecks auf die Strickjacke. Berliner gehören einfach dazu am Rosenmontag und Luftschlangen. Wo hat sie denn nur die Luftschlangen wieder hingelegt?
Als Frau Meyer in den Schubladen kramt, schellt es an der Haustür.
„Moment, ich komme!“, ruft sie und eilt in die Diele. Dort drückt sie auf den Türöffner und vernimmt gleich darauf Kinderlachen. Kleine Füße trippeln die Treppe hoch und dann stehen zwei Schlümpfe, ein rosa Schweinchen, ein Bäcker und eine Königin vor ihr.
„Guten Morgen, Mama!“, sagt die Königin und die Schlümpfe und das Schweinchen rufen im Chor „Oma, wir wollen dich überraschen!“
Der Bäcker nimmt Frau Meyer in den Arm und führt sie in die Stube, er drückt sie in ihren Sessel und zieht ein Päckchen Luftschlangen aus seiner Schürzentasche.
„Weil doch Luftschlangen zum Rosenmontag dazu gehören“, sagt er und Frau Meyer wischt sich heimlich noch eine Träne aus den Augen.
Anja ist gekommen, mit der ganzen Familie. Ist das eine Freude.
„Ich freu mich so!“, ruft Frau Meyer und steht auf. Sie geht zum Fenster und ruft auf den Schulhof. „Bis morgen, feiert schön! Ich habe heute keine Zeit, meine Kinder sind da!“

© Regina Meier zu Verl

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Wenn du erstmal …

Wenn du erstmal … so beginnen viele Sätze im Laufe des Lebens.
Wenn du erstmal – in den Kindergarten kommst,
wenn du erstmal – in die Schule kommst
wenn du erstmal – die Schule beendet hast
wenn du erstmal – den Führerschein hast
wenn du erstmal – Geld verdienst
wenn du erstmal – verheiratet bis
wenn du erstmal – Kinder hast

Dann geht es viele Jahre um die Kinder:

wenn die erstmal – trocken sind, im Kindergarten sind, in der Schule … etc.

Dann wenden wir uns oft wieder uns selbst zu, oder den Enkeln und wieder kommen die berühmten „wenn du“ Sätze.

Einen ganz wichtigen Satz habe ich vergessen:
Wenn du erstmal in Rente bist.
Heute ist es nämlich soweit – mein Mann hat seinen allerletzten Arbeitstag. Wir werden das was kommt nun genießen und keine „Wenn du“ Sätze mehr aufstellen. Ihr wisst schon, die nächsten sind blöd – sehr blöd! Also: erstmal freuen! Punkt

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Ungeschicklichkeiten

Andenken, Topflappen, werfen, rosa, berühmt

Das sind die Reizwörter zur nachfolgenden Geschichte, direkt aus dem Leben gegriffen und so oder ähnlich passiert.
Bitte lest auch bei meinen Kolleginnen:

Lore
Martina
Christine
Eva V

Ungeschicklichkeiten

Heidi warf die rosa Topflappen, ein Andenken an ihre Großmutter, auf den Küchenschrank. Verflixt, sie hatte sich trotz dieser nützlichen Teile schon wieder die Hand verbrannt. Sie drehte das kalte Wasser auf und hielt mit schmerzverzerrtem Gesicht ihren rechten Zeigefinger unter den Strahl.

Als nach einer Weile der Schmerz ein wenig nachließ schaltete sie den Backofen aus und betrachtete den Kuchen, den sie gebacken hatte. Köstlich sah er aus und er duftete ebenso köstlich. Gut, dass sie wenigstens ein Holzbrett bereitgestellt hatte, als sie ihn aus dem Ofen geholt hatte. Eine unschöne Brandstelle gab es nämlich schon auf der Küchenarbeitsplatte und die ärgerte sie seitdem.

In der letzten Zeit passierten ihr immer wieder solche Sachen. Das hatte es früher nicht gegeben. Stets hatte sie alle Arbeiten im Haushalt sehr umsichtig erledigt und nur darüber gegrinst, wenn Heinz sagte: „Die meisten Unfälle passieren im Haushalt!“

War das so? Hatte sie bisher nur Glück gehabt, oder ließ ihre Aufmerksamkeit nach? Wurde sie etwa alt?

Quatsch, Heidi hatte vor ein paar Monaten ihren Fünfundsechzigsten gefeiert. Sie war im besten Alter, wie sie gern behauptete. Trotzdem gaben ihr die kleinen Ungeschicklichkeiten zu denken. Vielleicht war es einfach die Routine, sie musste eben etwas vorsichtiger sein, dann würde sich das wieder geben.

Während sie darüber nachdachte, fiel ihr der Sturz im Badezimmer ein. Letzte Woche war sie aus der Dusche gekommen und so unglücklich ausgerutscht, dass seitdem ein dicker blauer Fleck ihren Allerwertesten zierte. Das war nochmal gut ausgegangen, sie hatte sich nichts gebrochen. Heinz hatte sie es wohlweislich verschwiegen, weil sie sich seine Schimpftirade nur zu gut vorstellen konnte.

Außerdem war es auch gar nicht ihre Schuld gewesen, sondern zurückzuführen auf das neue Duschgel mit dem berühmten Namen. Wie hieß das nochmal? Heidi fiel es nicht ein, verflixt, nun auch das noch.

Auf jeden Fall war es so eine neuartige Duschcreme, die man auf die nasse Haut auftrug, am ganzen Körper, einen Moment einwirken ließ und anschließend abspülte. Man brauche sich danach nicht mehr eincremen, sagte die Werbung, die die Beschaffenheit der Haut anschließend mit den schönsten Adjektiven beschrieb und einfach Lust auf so eine Dusche machte. Allerdings war im Anschluss nicht nur die Haut schön cremig, auch die Duschwanne bekam davon etwas mit und war glatt und seidig, besser gesagt: Sie war glitschig. Kein Scherz! Es war so gewesen und „zack“, hatte Heidi den Halt verloren und in ihrer nackten Schönheit im Badezimmer gelegen.

Die Duschcreme hatte sie ihrer Tochter geschenkt. „Für mich ist das nichts, vielleicht gefällt sie dir. Aber vorsichtig, sie macht die Duschwanne glatt!“

Heidi betrachtete die Brandwunde m rechten Zeigefinger. Das würde eine Weile schmerzen. Wie gut, dass sie Brandsalbe im Kühlschrank hatte. Sie trug die Salbe dick auf und klebte ein wasserfestes Pflaster um den Finger. Sie musste ja noch die Küche aufräumen und die Backutensilien spülen.

Heidi seufzte. Irgendwie war ihre Laune im Keller gerade. Als dann noch Heinz die Küche betrat und fragte, was es denn mittags zu essen gäbe, platzte sie.

„Andere Sorgen hast du wohl nicht?“, fragte sie bissig, öffnete den Deckel des Mülleimers und warf die Topflappen hinein.

„Sie haben ein Loch!“, behauptete sie und schob ihren Mann aus dem Raum.

„Und nun lass mich in Ruhe, sonst gibt es nämlich heute Mittag gar nichts!“, schimpfte Heidi. Es tat ihr aber sofort leid, denn Heinz konnte nun wirklich nichts dafür. Also lenkte sie ein und versprach ihm Bratkartoffeln, die würde sie sicher unfallfrei hinbekommen. Das glaubte sie jedenfalls.

© Regina Meier zu Verl 2017

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Vogelgezwitscher – eine kleine Geschichte zum Valentinstag

2016-12-14-06-20-32-1               Vogelgezwitscher

Ein Blaumeisenpaar sitzt auf dem Hortensienbusch vor meinem Fenster. Ich bewege mich kaum, damit ich sie nicht verjage. Sie nehmen mich aber gar nicht wahr, weil sie mit sich selbst beschäftigt sind. Angeregt „reden“ sie miteinander. Ich lausche!
„Am Dienstag ist Valentinstag“, sagt er.
Sie wippt mit dem Köpfchen und schweigt.
„Hast du gehört?“, fragt er nach. „Am Dienstag ist Valentinstag!“
„Ja, das sagtest du bereits!“, antwortet sie.
„Schenkst du mir was?“, will er nun wissen.
„Du hast doch einen Vogel!“, schimpft sie. „Diese blöden erzwungenen Feiertage immer. Du weißt doch, dass ich davon nichts halte!“
„Ja, aber Valentinstag ist doch schön. Da schenken sich die Verliebten etwas. Mir gefällt das!“, behauptet er. „Wenigstens ein Würmchen könntest du mir schenken. Ich habe auch etwas für dich!“
Sie wäre keine Frau, wenn sie jetzt nicht neugierig geworden wäre.
Ich lächle vor mich hin und will nun unbedingt wissen, wie das Gespräch ausgeht. Ich wage kaum zu atmen.
„Was ist es denn?“, will die Meisenfrau nun wissen, aber er gibt keine Auskunft.
„Dann ist es ja keine Überraschung mehr, meine Liebste!“
„Stimmt auch wieder!“, gibt sie zu und putzt verlegen ihr Gefieder.
Sie schweigen und wenn ich nicht plötzlich einen Niesanfall bekommen hätte, dann hätte ich sicher erfahren, um welche Geschenke es sich handelte. So aber habe ich sie verjagt! Schade!

© Regina Meier zu Verl

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