Taufsonntag

Zwischen den beiden Fotos (unten)  liegen ca. 65 Jahre. In dieser schönen Kirche wurden gestern unsere Zwillingsenkelkinder getauft. Mein Mann und ich sind nicht nur die Großeltern, sondern auch die Taufpaten der beiden. Ein sehr emotionaler Tag war es, ein wunderschön gestalteter Gottesdienst von Pastor Rottmann, den wir schon von der Hochzeit unseres Sohnes und der Schwiegertochter kannten. Die Kinder, die ja erst vor kurzem zwei Jahre alt geworden sind, waren einfach bezaubernd und haben neugierig alles aufgenommen, was in einer Kirche so passiert. Beide waren weiß gekleidet, Maila im hübschen weißen Kleidchen sowie Glitzerballerinas und Lio in weißen Hosen und Oberhemd mit putzigen grauen Chucks (schreibt man das so?) Bilder möchte ich lieber nicht hier zeigen.

Alles in allem war es ein wunderschöner Tag, den wir sicher alle nicht vergessen werden. Besonders schön war, dass meine Mutter (Uroma der beiden) dabei war. Einige Gernerationen Familie – das ist einfach wunderbar und ich bin sehr dankbar!

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Sonntags im Café

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Sonntags im Café

Lieber Frank,

es ist Sonntag und wieder sitze ich in unserem Café. Ich habe mir ein Stückchen Käsekuchen bestellt und einen Kaffee mit Milchschaumwölkchen. Es ist Oktober. Der Herbst zeigt sich in seinen herrlichen Farben, die gerade von der Sonne ins rechte Licht gesetzt werden. Ich schaue aus dem Fenster und denke an dich.

Es geht mir gut heute, denn gestern haben mich die Kinder besucht und wir hatten einen schönen Tag. Ich habe die Gesellschaft genossen und als am Abend alle wieder nach Hause fuhren war ich erschöpft, aber glücklich.

Du weißt ja noch gar nicht, dass Linda wieder schwanger ist. War das eine Freude, als sie es uns erzählte. Endlich wird Henry ein Geschwisterchen bekommen und ich werde zum zweiten Mal Uroma. Ich empfinde es als ein großes Geschenk, dass ich das erleben darf.

Am Tisch nebenan sitzt das Paar, das schon immer da war, als wir noch zusammen in dieses Café kamen. Sie reden kaum miteinander, trinken ihren Kaffee, genießen ihren Kuchen und gleich wird sie die Serviette nehmen, ihren Mund abtupfen und dann wird sie seine Hand nehmen und sagen: „Wollen wir nach Hause gehen, mein Lieber?“ Dann wird er nicken, der Kellnerin winken und zahlen. So war es schon immer und ich wünsche ihnen, dass es noch lange so bleiben möge. Das Schicksal meint es gut mit ihnen, sie haben sich und das ist wunderbar. Was gäbe ich dafür, wenn du mir nun gegenüber säßest und ich deine Hand halten dürfte.

Aber ich will nicht undankbar sein. Wir hatten ein gutes Leben, wir zwei. Weißt du noch, wie glücklich wir waren, als wir unser Häuschen am Stadtrand bekamen und den ersten eigenen Garten anlegten. Wie groß war die Freude, als wir die erste Portion Kartoffeln ernten durften. Ich habe damals einen großen Topf Gemüsesuppe gekocht, mit Mettwurst drin. Das mochtest du doch so gern. Manchmal bringt mir Linda etwas Eintopf von zu Hause mit. Der schmeckt mir sehr gut, auch wenn sie ganz anders kocht als ich das früher machte.

Der Gemüsegarten ist nicht mehr da. Linda sagt, dass sie dafür keine Zeit hat, deshalb ist da, wo früher die Kartoffeln standen, nun eine Rasenfläche entstanden. Henry hat viel Platz zum Spielen. Markus hat sogar eine Rutsche aufgebaut.

Ich war aber lange nicht mehr dort. Es ist so umständlich, wenn sie mich erst holen müssen. Ich verstehe das und sie haben ja auch ihr eigenes Leben. Das Haus ist nicht allzu groß, wir haben ja damals auch ganz schön zusammenrücken müssen, als deine Eltern noch bei uns waren. Du weißt ja, wie sensibel ich bin. Wenn ich dort bin, dann muss ich ständig weinen und das möchte ich den Kindern nicht zumuten. Ich komme schon zurecht, wirklich. Du musst dir keine Sorgen um mich machen.

Das Paar vom Nebentisch ist gegangen. Er hat ihr in den Mantel geholfen und nun wandern sie Hand in Hand nach Hause. Beneidenswert!

Am Dienstagnachmittag kommt wieder der nette Herr vom Gesangverein mit seinem Akkordeon zu uns ins Heim. Dann sitzen wir alle zusammen im Speisesaal und singen miteinander. Darauf freue ich mich schon sehr. Es erinnert mich an die Zeit, in der wir noch im Chor gesungen haben. Ach, war das schön! Du hattest eine so schöne Stimme und manchmal hatte ich das Gefühl, dass du nur für mich allein gesungen hast. Ich singe aus vollem Herzen mit und freue mich daran, dass viele Bewohner das ebenso machen. Es geht nicht allen so gut wie mir, manche von ihnen sind verwirrt und erkennen nicht mal ihre Kinder. Aber wenn gesungen wird, dann sind sie dabei und Frau Müller, die sonst nie ein Wörtchens sagt, singt dann alle Strophen der alten Lieder mit. Das ist sehr berührend und ich bin dankbar, dass ich noch so gut beieinander bin.

Ich muss nun diesen Brief beenden, mein lieber Frank. Gleich kommt der nette junge Mann, der seinen Zivildienst in unserem Haus leistet. Er holt mich ab, denn allein schaffe ich es nicht mehr. Es sind nur ein paar Meter, aber im Herbst sind die Bürgersteige manchmal rutschig und ich möchte nicht fallen. Nächsten Sonntag werde ich wiederkommen und dann schreibe ich dir, so wie jeden Sonntag, mein Liebster. Pass ein wenig auf mich auf, bitte! Machst du das?

 

Deine Anni

© Regina Meier zu Verl

 

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Schnell geklärt

„Du Oma?“

„ja?“

„Weißt du eigentlich, ob Gott da oben im Himmel ist und auf uns aufpasst?“

„Ich weiß das nicht, aber ich glaube fest daran!“

„Gut, dann sind wir ja schon zwei!“

 

 

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Omas Kartoffelsalat (Reizwortgeschichte)

Schon wieder ist es Zeit für unsere Reizwortgeschichte, folgende Wörter waren diesmal zu verwursten:
Kartoffelsalat Treppenstufeverschwindenödeglühend
Bitte lest auch bei meinen Kolleginnen:
Lore
Martina
Eva
Christine

Omas Kartoffelsalat
 
Wenn bei uns zu Hause gefeiert wurde, dann bereitete meine Oma immer eine Riesenportion Kartoffelsalat zu. Keiner konnte das so gut wie sie. Alle hatten es schon versucht, Mama, Tante Lisa, sogar Onkel Matthias, ihre Salate kamen nicht annähernd an den herrlichen Kartoffelsalat meiner Oma heran. Das Rezept rückte sie aber nicht raus und wenn mal einer versuchte, sie auszuspionieren, dann hat sie es stets gemerkt und den Spion aus ihrer Küche verwiesen. Oma wurde dann zum Feldwebel. „Verschwindet aus meiner Küche, aber zackig!“, rief sie dann und niemand widersetzte sich, schon weil alle fürchteten, dass sie dann keinen Salat mehr machen würde.
Oma sah nicht mehr so gut. Sie hatte eine Brille, aber die war ihr beim Kochen lästig. „Immer beschlägt das blöde Ding!“, behauptete sie und setzte sie nur auf, wenn sie die Zeitung las, oder das Haus verließ. Und natürlich sonntags, wenn sie in die Kirche ging, wo sie mit Inbrunst die Lieder mitsang. Oma war textsicher, jedenfalls in den ersten drei Strophen, für die restlichen brauchte sie die Brille.
An einem Sonntag im Herbst war ich mit Oma in der Kirche. Wir saßen immer ganz hinten, weil Oma dann besser sehen konnte, wer so alles in die Kirche kam. So ein Gottesdienst war ja ein gesellschaftliches Ereignis und da musste sie doch sehen, wer daran teilnahm. Leise kommentierte sie, damit ich auch was davon hatte. „Guck, das ist Försters Grete, die kennst du doch, ne?“, sagte sie zum Beispiel. Wenn ich das verneinte, dann lieferte sie der Erklärung nach: „Die ist doch eine geborene Schlüter, von Schlüters, die hinten bei den Fichten wohnen! Die hat dann den Förster geheiratet, den wollte sonst keine!“ oder „Nun guck dir die alte Meiersche an, den Hut hat sie doch schon dreißig Jahre, unglaublich!“ Ich musste mir oft das Lachen verkneifen, das kann man sich sicher vorstellen! Öde waren die Besuche mit Oma in der Kirche auf keinen Fall, sie wusste über jeden etwas zu berichten und ich hörte brav zu.
Manchmal buffte sie mich in die Seite, dann musste ich genau hinschauen, wer da gerade an uns vorbei durch den Mittelgang marschierte. Die meisten Leute aus unserem Dorf kenne ich ja, aber es war auch immer mal einer dabei, den ich noch nie gesehen hatte. Also verkniff ich mir „Aua“ zu rufen und schaute genau hin.
„Der Tonius, der war in meiner Klasse!“, sagte sie einmal. „Wenn du mir versprichst, es keinem Menschen weiterzusagen, dann verrate ich dir was!“ Ich hob drei Finger zum Schwur und war gespannt. „Du darfst es aber wirklich nicht sagen, vor allem dem Opa nicht, der wird verrückt, wenn er das hört!“ Ich schüttelte heftig den Kopf. „Du kannst dich drauf verlassen, heiliges Ehrenwort!“, sagte ich, weil ich das in der Kirche für angemessen hielt. „Der war mal ein glühender Verehrer von mir und beinahe …“ Jetzt wurde es spannend. „Ja?“, fragte ich. „Beinahe hätte ich den geküsst!“ Oma errötete ein kleines bisschen. Verschämt sah sie sich um. „Das hat doch wohl keiner gehört, oder?“, wollte sie von mir wissen. „Nee, bestimmt nicht, ich habe es selbst kaum hören können!“, beruhigte ich sie. Vor lauter unterdrücktem Lachen hatte ich einen Schluckauf bekommen. Die Leute schauten schon auf mich und das war Oma natürlich sehr unangenehm, wo sie mir doch gerade so ein geheimes Geheimnis anvertraut hatte.
Als der Gottesdienst zu Ende war, hatte sie es dann plötzlich sehr eilig nach Hause zu kommen. Sie wartete nicht einmal mehr den Segen ab und zog mich zum Ausgang. Und wie das so ist, wenn man nicht mehr so gut sieht und die Brille in der Handtasche ruht und man es zudem noch eilig hat, man wird unvorsichtig und es passierte, was passieren musste. Oma übersah die letzte Treppenstufe vor dem Kirchenportal und stürzte.
Ich versuchte ihr aufzuhelfen, aber das war nicht möglich. Schmerzverzerrt fluchte Oma: „Heiliges Kanonenrohr! Der Kartoffelsalat!“ Ungläubig sah ich sie an. Was hatte denn der Kartoffelsalat damit zu tun?
„Da ist bestimmt was gebrochen!“, heulte sie. „Und ich habe den Kartoffelsalat noch nicht fertig, heute Abend kommen doch Tina und Jörg zum Essen!“
„Also Oma, wenn du keine anderen Sorgen hast!“, schimpfte ich. Die anderen Gottesdienstbesucher kamen nun auch aus der Kirche und sahen die Bescherung. Hilfe nahte in Form von Tonius, dem glühenden Verehrer.
„Nicht bewegen!“, rief er besorgt. „Ich rufe einen Krankenwagen!“ Er zückte sein Handy und wählte den Notruf an.
Eine Viertelstunde später saßen Oma und ich im Krankenwagen. Glücklicherweise war nichts gebrochen, nur der Knöchel war verstaucht und Papa konnte uns aus dem Krankenhaus wieder abholen. Oma saß dann in der Küche, Papa bettete ihren Fuß auf einen Hocker und dann mussten alle die Küche verlassen. Nur ich durfte bleiben und unter Omas Anleitung den Kartoffelsalat fertigstellen.
Ja, so war das!

Nun tut mir bitte einen Gefallen und erzählt die Sache mit dem Verehrer nicht weiter, ich habe es ihr versprochen!

© Regina Meier zu Verl 2017

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Aus dem Fotoalbum (3)

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Das ist die Stiftskirche in Schildesche, die Aufnahme ist von ca. 1952 und wieder aus dem Album meiner Eltern gemopst. In genau dieser Kirche werden am Sonntag unsere Zwillingsenkelkinder getauft.

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Von Erntehelfern und dicken Bären

Meinste denn wir kämen nun zum Lesen? Nein! Lukas hat sich den Stroherntehelfern angeschlossen und wenn er abends nach Hause kommt, dann ist er todmüde und sackt nach dem Duschen in mein Bett, schläft im Nu und macht sich breit wie ein dicker Bär. Gestern Nacht musste ich aufs Sofa ausweichen, weil mein Kopf schon auf dem Nachtschrank gelandet war … ts, ts, ts
Aber gut – er ist glücklich und wenn das Enkelkind glücklich ist, dann ist Oma das auch, ne?

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Was wir so lesen (2)

Heute war ich in der Stadt, um eine Hörgeschichte aufzuznehmen. Anschließend bummle ich immer noch ein wenig durch eine Buchhandlung. Heute habe ich ein Buch für Lukas gekauft. Es sprang mir ins Auge und ich habe erstmal in Ruhe das erste Kapitel gelesen. Da wir Lippels Buch gestern zu Ende gelesen haben, brauchen wir für heute neuen Stoff. Lukas und das Geheimnis der sprechenden Tiere heißt es und ist geschrieben von Joachim Friedrich und Minna McMaster.

Es klingt sehr vielversprechend und ich bin gespannt, was wir da so erfahren werden. Was ich bisher gelesen habe, hat mir auf jeden Fall gefallen, ich werde berichten.

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Aus dem Fotoalbum 2

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Hier noch einmal die Hauptstraße in Verl von der gegenüber liegenden Seite, Aufnahme meines Vaters ca. 1955.

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Aus dem Fotoalbum

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Ein Foto aus dem Album meiner Eltern, aufgenommen ca. 1955 – die Hauptstraße in Verl. Das Fachwerkhaus links ist heute Teil unserer Bibliothek, dahinter der Park am Kriegerdenkmal. Es ist schön, in alten Alben zu blättern. (Mein Vater hat die Fotos beschriftet, sehr ansehnlich, wie ich finde.)

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Immer diese Knipserei

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Enkelhund Senta

Ich guck nicht hin, wenn du mich knipst. Ich mag diese Knipserei gar nicht, vor allem, weil du die Fotos dann auch noch ins Internet stellst!

Ja, ich weiß, ich bin grau geworden. Da haben wir wieder was gemeinsam – schau dich selbst an.  Und was die Spaziergänge angeht, die liebe ich – aber bitte: nicht so schnell. du pustest ja auch, wenn du längere Strecken gehen musst, stimmt’s?

(Recht hat sie, die Senta (10), aber es nützt ja nichts, wir müssen uns bewegen und das tun wir auch, jetzt gleich wieder, 3. Runde für heute. Aber langsam!)

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