Freundschaft

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Irgendwo hier verstecken sich Hummel und Käfer, sie wollten nicht aufs Foto! 🙂

Freundschaft

Die Hummel und das Käferlein,
die mochten sich gern leiden.
„Wir wollen immer Freunde sein!“,
versprachen sich die beiden.

Das waren sie für kurze Zeit,
dann kam, wie das so häufig ist,
ausgelöst durch blanken Neid,
ihr allererster Freundschaftszwist.

Die Hummel fand, sie sei sehr wichtig,
im Gegensatz zum Käferlein.
Der Käfer rief: „Das ist nicht richtig!
Das ist nicht so und kann nicht sein!“

Beleidigt schwieg die Hummel jetzt,
‚nen ganzen Tag und noch zwei Stunden,
dann sprach sie: „Hab ich dich verletzt?“
Endlich hatt‘ sie sich überwunden.

„Du mein Freund bist mir sehr wichtig,
ich möchte ohne dich nicht sein.
Was ich dir sagte war nicht richtig!
Kannst du mir das bitte verzeihn?“

„Das kann ich, doch versprich,
mich nie wieder so zu kränken.
Du weißt, Hummel, ich liebe dich,
daran sollst du immer denken!“

Sie blieben Freunde, unsre beiden,
die Hummel und das Käferlein,
mögen sich noch immer leiden,
und das wird wohl von Dauer sein.

© Regina Meier zu Verl 2017

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Musik berührt

Vor ein paar Tagen bat mich eine ehemalige Kollegin, Noten zu einem Lied aufzuschreiben, damit sie es mit ihren Schülern mit der Flöte spielen kann. Sie selbst konnte die Melodie nicht so richtig vorsingen, kannte aber eine Mutter, die das kann. Sie gab meine Telefonnummer an diese Mutter weiter, die mich daraufhin anrief und mir die Melodie vorsang.

Irgendwie tat sich da was in meinem Hinterkopf. „Kenn ich irgendwo her!“, dachte ich, kam aber nicht drauf, wo ich das schon gehört hatte. Da es mir spontan nicht gelang, die Melodie in Noten umzusetzen, sang die Mutter es mir am Telefon, indem ich mein Handy vor das Mikro hielt, um es aufzunehmen. War keine Ideallösung, ging aber.

Jetzt habe ich die Noten aufgeschrieben und als ich sie dann auf verschiedenen Instrumenten immer wieder gespielt habe, fiel mir auch ein, woher ich das Lied kannte. Während eines langen Krankenhausaufenthaltes vor einigen Jahren haben wir es im Rahmen der Musiktherapie gesungen. Es hat mich damals sehr berührt, seltsam, dass ich es danach völlig vergessen hatte. War wohl eine Ausnahmesituation, ich weiß gar nicht mehr viel aus dieser Zeit.

Mit der Melodie im Ohr bin ich dann gestern eingeschlafen und auch heute wieder damit erwacht. Es berührt mich wieder sehr – seltsam, das ist doch kein Zufall, oder?

Ich habe es sogar bei youtube gefunden, wäre hilfreich gewesen, wenn ich vorher danach gesucht hätte. Aber nun hat es ja auch so geklappt und ich kann den Schülern die Noten geben. (Der Text ist ein wenig anders in diesem Video, auch die Melodie weicht ein wenig ab, aber grundsätzlich ist es das Lied. Mir gefällt es sehr!)

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Glück gehabt

Von Stürmen und Unwettern sind wir in unserer Region gestern verschont geblieben. Wenn ich da so an die Hagelschäden vor ein paar Jahren denke, dann haben wir wirklich Glück gehabt. Damals waren unsere Autos, die Terassenmöbel und die Dachrinnen heftig beschädigt. Es tut mir leid für Alle, die gestern nicht so viel Glück hatten!

Es hat sich merklich abgekühlt, was gut tut. Ich nutze also die Zeit, mit „kühlem“ Kopf meine Schreibarbeiten anzugehen, die in den letzten beiden Tagen ruhen mussten. Irgendwie war ich doch ein wenig träge durch die Hitze.

Auf geht’s!

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Punktlandung

Elfenlandplatz

Elfenlandeplatz (das Bild hat mit dem Artikel eigentlich nichts zu tun, aber es ist ein Landeplatz, so dass es im weitesten Sinne doch dazu passt! 🙂

Als mein Mann ein neues Auto angeschafft hat, einen Siebensitzer, damit wir unsere Enkelschar auch mitnehmen können, habe ich sein „altes“ Auto übernommen und meinen kleinen Flitzer verkauft. Ich fahre also nun einen alten Mercedes, an den ich mich zuerst gewöhnen musste. Mittlerweile komme ich ganz gut klar damit und ich liebe es, ihn zu fahren.

Neulich sprang zum ersten Mal meine Tanknadel auf Reserve. „Du kannst locker noch 50 Kilometer fahren!“, sagte mein Mann. Ich bin aber ein eher vorsichtiger Mensch und hätte das sicher nicht ausprobiert, also fuhr ich vorgestern zur Tankstelle, um dem Gefährt ein paar Schlucke Benzin zu gönnen. Das Schiebedach geöffnet, spritzige Musik im Radio und bester Laune fuhr ich zu meiner Lieblingstankstelle.

Dort war es voll, Autos standen in Zweierreihen an und ich reihte mich ein, stellte den Motor ab und wartete. Als der erste Tanker abgefahren war und wir aufrücken konnten, wollte ich den Motor wieder starten. Wie gesagt, ich wollte – aber er wollte nicht. Ruhe bewahren, Regina! Da ich bestens gelaunt war, gelang das ganz gut. Also erst mal einen Moment warten, vielleicht gefiel meinem Auto die Hitze ja auch nicht so. Ich redete also beruhigend auf den Wagen ein und versuchte es erneut. Nix! Gar nix!

„Jetzt nur die Batterie nicht leerorgeln!“, dachte ich. Mittlerweile war der letzte Tanker vor mir zum Bezahlen in den Verkaufsraum gegangen. Als er rauskam und abfuhr unternahm ich einen weiteren Versuch. Aber es klappte nicht. Wehmütig dachte ich an mein altes Auto, das hätte ich nun locker zur Tanksäule schieben können, denn mir war mittlerweile klar, dass ich eine Punktlandung erlebte, drei Meter vor der Zapfsäule zwar, aber immerhin nahe genug, um nicht mit dem Benzinkanister kilometerweit zu laufen. Doch schieben konnte ich den schweren Wagen nicht (hab ich versucht, ging nicht). Kurz entschlossen schaute ich mich um, entdeckte einen jungen Mann, der gerade in seinen Sportwagen steigen wollte und bar um Hilfe. „Könnten Sie mir kurz helfen?“, bat ich ihn.

Er konnte, schob mit mir zusammen den Mercedes zur Zapfsäule, ich bedankte mich, tankte, bezahlte, ließ den Wagen an und fuhr (immer noch bestens gelaunt) davon. Cool, oder?

Der junge Mann wird das hier nicht lesen, trotzdem hinterlasse ich ein dickes Dankeschön auch hier! 🙂

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Sammeldank und Träume

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Für all die netten Kommentare zur letzten Reizwortgeschichte danke ich euch von Herzen.

Auch wenn ich nicht verreise, befinde ich mich irgendwie im (Vor)Urlaubsmodus und gern nähme ich auf der Bank meinen Platz ein, um auf’s Meer zu schauen und zu träumen. Ich tu das in Gedanken und genieße das wunderbare Sommerwetter und ich stöhne auch gar nicht, weil es mir evtl. zu heiß ist. Lieber nutze ich die kühleren Stunden am Vormittags fürs Schreiben und am Nachmittag genieße ich den Sommer.

 

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Kindheitserinnerungen

Das sind die heutigen Reizwörter:

Krämerladen – Bierflaschen – suchen – lesen – staubig.
Bitte lest auch bei meinen Kolleginnen:
Lore

Martina
Eva

Christine

Tante Käthes Krämerladen

Alle nannten das Geschäft von Tante Käthe stets den Krämerladen. Dabei hieß Tante Käthe mit Nachnamen gar nicht Krämer. Dass der Begriff von den Worten Kram oder kramen abgeleitet wurde, habe ich erst viel später verstanden. Heute sehne ich mich hin und wieder nach so einem Laden wie Tante Käthe ihn damals betrieben hat. Man muss aber danach suchen, denn es gibt sie nur noch vereinzelt. Ich glaube in unserem Ort ist davon keiner mehr zu finden. Bei Tante Käthe war immer Zeit für einen kurzen Plausch und wie oft haben wir Kinder einen Lutscher oder ein Bonbon geschenkt bekommen. Tante Käthe stand fein frisiert und mit ihrer steif gestärkten und gebügelten Schürze hinter dem Tresen und begrüßte jeden Kunden mit persönlichen Worten.
„Na, junge Dame, wie geht es dir heute. Bist ein bisschen blass um die Nase!“, sagte sie einmal zu mir. Ich versicherte ihr, dass ich aber ganz gesund sei. Ich reichte ihr meinen Einkaufsbeutel über den Tresen, in dem zwei Bierflaschen klimperten, die ich zurückgeben sollte.
„Soll ich die wieder auffüllen?“, wollte sie wissen. Ich schüttelte den Kopf.
Bier kauften wir nur am Wochenende. Während der Woche gab es Tee in allen Variationen. Wir Kinder bekamen am Samstag eine Flasche Apfelsinchen, die mussten wir uns einteilen. Oh, wie habe ich das Getränk geliebt. Noch heute genehmige ich mir ab und zu eine Flasche dieser knallorangen Zuckerbrause und dann denke ich zurück an die Zeit, als ich Kind war. Was gab es Schöneres als eine Scheibe frisches Graubrot mit Butter und Leberwurst, garniert mit Gewürzgurkenscheiben und dazu ein Glas Apfelsinchen? Nichts!
Neben Tante Käthes Laden war eine Gastwirtschaft, in der Onkel Heinrich, Käthes Ehemann, das Regiment hatte. Er stand dort hinter seiner blitzblank geputzten Theke und versorgte die Gäste mit frisch gezapftem Bier, Limonaden, Frikadellen mit Senf und sauren Gurken. Manchmal gingen unsere Eltern mit uns dorthin und wir durften jeweils für einen Groschen Erdnüsse aus den Kugelautomaten ziehen, die früher in jeder Gastwirtschaft zu finden waren. Bei Onkel Heinrich gab es sogar zwei verschiedene Sorten, gesalzene Nüsse und Erdnüsse, die mit einer roten Zuckerschicht überzogen waren. Meine Mutter nahm für jeden von uns einen Bierdeckel und kniffte die vier Seiten ein wenig nach oben, so dass ein kleines Schälchen entstand, da hinein legten wir die Nüsse und genossen sie, langsam, eine nach der anderen.
In der Kneipe gab es auch eine Musikbox. Für 50 Pfennig konnte man drei Schlager wählen, wenn ich mich richtig erinnere. Während ich das hier schreibe, kriecht mir der Geruch der alten Kneipe in die Nase. Es duftet nach Bohnerwachs, Bier und Tabak. Ganz leise höre ich Rita Pavone singen: Arrividerci Hans. Ich kann den Text noch heute auswendig. Ich fand den Schlager toll. Später hat sich mein Musikgeschmack deutlich verändert, trotzdem war es so eine schöne Zeit mit dem Lied von Hans, den zwei kleinen Italienern, die nach Napoli reisen wollten und den roten Lippen, die zum Küssen da sind.
Meine Freundin und ich sangen diese Schlager mit Begeisterung, wenn wir unsere täglichen Spaziergänge machten.
Während ich das hier geschrieben habe, fühlt sich alles ganz frisch an. Es sind keine staubigen Erinnerungen mehr und nachdem ich nun nachgelesen habe, was mir da innerhalb der letzten Stunde auf die Tastatur gehüpft ist, habe ich große Lust, weitere Erinnerungen aufzuschreiben. Mal sehen, was da noch so kommt!

© Regina Meier zu Verl 2017

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Die Muse

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Die Muse

Schreib mir bitte ein Gedicht!
Auf Befehl kann ich das nicht,
denn wenn ich etwas schreiben muss,
brauch ich einen Musenkuss.

Ein Musenkuss, was ist denn das?
Ein Küsschen einfach, oder was?
Nein, einfach nicht – dann würd ich küssen
und nicht lang überlegen müssen.

Die Muse kann so vieles sein,
ein Geistesblitz bei Kerzenschein
oder ein wunderschöner Ort,
da findet sich das erste Wort.

Sie kann ein Mensch sein, auch ein Tier,
ein Baum, ein Blümchen, eine Tür,
Feuer, das im Ofen knistert
und dir Zauberworte flüstert.

Ein Quell, der durch das Erdreich springt,
ein Kind, das Kinderlieder singt,
Die Muse lässt sich nicht erzwingen,
und doch ruht sie in vielen Dingen.

Lausche, schaue, nimm dir Zeit,
mach dich für ihren Kuss bereit,
dann lass sie frei, mit etwas Glück
kehrt sie schon bald zu dir zurück.

© Regina Meier zu Verl

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Kinderfeste sind out

Elan – Triumph – kümmern – provozieren – neidisch
Das sind die Reizwörter zur nachfolgenden Geschichte. Ich melde mich zurück und werde nun wieder regelmäßig mit von der Partie sein.
Bitte lest auch bei meinen Kolleginnen:
Lore

Martina

Eva

Christine

Kinderfeste sind out

„Morgen feiern wir ein Kinderfest!“, verkündete Onkel Erich und grinste wie ein Honigkuchenpferd.
Max und Tim schauten sich an und rollten mit den Augen. Onkel Erich war lieb, aber seine Ideen waren meist langweilig. Ein Kinderfest fanden beide blöd. Sie konnten sich lebhaft vorstellen, was der Onkel im Schilde führte und das gefiel ihnen nicht. Über Sackhüpfen, Eierlauf und derartige Albernheiten waren sie längst hinausgewachsen.
„Was guckt ihr denn so?“, fragte Onkel Erich nun. „Feiern ist doch toll!“
„Nö!“, riefen beide wie aus einem Mund und ließen den Onkel stehen. Sollte er doch sein blödes Kinderfest allein feiern.
Onkel Erich war verblüfft. Er hatte den Jungs doch was Gutes tun wollen. Schließlich waren sie nicht so oft bei ihm und er wollte jede Minute mit ihnen genießen. Er selbst hatte keine Kinder, aber das hieß ja nicht, dass er nicht wusste, was Kindern gefiel. Das dachte er jedenfalls.
Betrübt ging er ins Haus, setzte sich in die Küche und wartete auf seine Frau, die jeden Moment nach Hause kommen würde. Vielleicht konnte sie ihm sagen, was den beiden Jungen nicht an einem Kinderfest gefiel. Erich hatte es sich so toll vorgestellt. Die Kinder aus der Nachbarschaft wollte er einladen und Marita sollte Kuchen backen und Wackelpudding kochen. Er wollte mit ihnen Spiele machen, die er selbst früher geliebt hatte. Völkerball auf der Wiese hinter dem Haus, das wäre doch toll.

Onkel Erich erinnerte sich, wie viel Freude ihm das gemacht hatte. Oder eine Schnitzeljagd mit Schatzsuche. Um einen Schatz wollte er sich kümmern, da gab es jede Menge Möglichkeiten. Machte das den Kindern von heute denn gar keinen Spaß mehr?
„Ich werde mir das nicht verderben lassen!“, beschloss der Onkel und machte sich mit etwas gedämpftem Elan wieder an die Planung. Dazu hatte er einen großen Bogen Papier bereitgelegt, auf dem er sich Notizen machte.
Wo blieb Marita denn nur? Sonst kam sie doch immer pünktlich nach Hause. Das Mittagessen war längst fertig und wartete im Backofen. Onkel Erichs Magen knurrte laut.
„Ruhe!“, schimpfte er. „Nun knurrst du auch noch rum!“
„Na, sprichst du etwa mit dir selbst?“ Das war Tante Marita, die lachend die Küche betrat.
„Hier riecht es aber köstlich, was gibt es denn heute?“, fragte sie und stellte ihre Tasche auf einen Stuhl.
„Hackbraten, Kartoffelbrei und Gurkensalat!“, antwortete Onkel Erich. „Ich weiß allerdings nicht, wo Tim und Max sind. Sie haben mich stehenlassen wie einen begossenen Pudel, als ich ihnen von meinen Plänen mit dem Kinderfest erzählt habe!“
„Kinderfest?“, fragte Tante Marita. „Davon weiß ich ja gar nichts! Erzähle!“
„Also“, begann Onkel Erich, „ich hatte mir gedacht, dass ich den beiden Jungen eine Freude machen möchte. Da fiel mir ein, wie viel Spaß wir früher hatten, wenn wir ein Kinderfest gefeiert haben.“
Tante Marita stellte die Teller auf den Tisch und legte Besteck dazu.
„Ich fand das auch immer toll. Max und Tim können sich sicher gar nicht so richtig etwas drunter vorstellen. Wir sollten ihnen mal zeigen, wie toll wir im Garten feiern können. Aber zuerst habe ich Hunger. Ruf du doch bitte die Jungs und sag nichts mehr vom Fest. Ich habe da so eine Idee!“., sagte Tante Marita geheimnisvoll und zwinkerte ihrem Mann zu. „Und, lieber Erich, lass dich nicht provozieren, wenn sie doch davon anfangen, letztendlich wirst du den Triumph auskosten können, das verspreche ich dir!“
Erich seufzte. Seine Marita war eine kluge Frau, sicher würde es ihr gelingen, die Kinder zu begeistern. Ein wenig neidisch war er schon, ließ sich das aber nicht anmerken.
Er fand die Jungen auf dem Spielplatz gegenüber, wo sie gelangweilt auf dem höchsten Punkt des Klettergerüstes saßen und die Beine baumeln ließen.
„Hey, ihr Zwei, kommt zum Essen!“, rief Erich ihnen zu und wartete auf sie, bis sie ihn erreicht hatten.
Als alle zusammen am Tisch saßen, schlug Tante Marita vor, dass Onkel Erich mit den Kindern in die Stadt fahren sollte.
„Ihr könnt die Räder nehmen und euch ein Eis gönnen. Ich lade euch ein.“ Begeisterung sah allerdings anders aus. Max und Tim hatten wohl einen schlechten Tag. Nicht einmal ein Eis konnte sie locken. Sie wollten es sich aber mit Tante Marita nicht verderben und Onkel Erich hatten sie ja am Morgen schon geärgert, also nickten sie ergeben und radelten dann nach dem Mittagessen zusammen mit dem Onkel los.
„Lasst euch nur ein wenig Zeit!“, ordnete Tante Marita an. „Ich habe noch jede Menge zu tun und für heute Abend überlegen wir uns dann was Schönes, okay?“
Tante Marita räumte den Geschirrspüler ein und klapperte laut mit dem Geschirr. Onkel Erich war etwas beleidigt, dass sein geliebter Mittagsschlaf ausfallen sollte, aber er fügte sich. Eine Viertelstunde später waren die Drei unterwegs in die Stadt und Marita konnte schalten und walten wie sie wollte.
Zuerst rief sie ihre Freundin Anna an und organisierte einige Zweimann-Zelte. Anna und ihr Mann machten des Öfteren Freizeiten mit Kindern und waren dementsprechend gut ausgerüstet. Anna würde ihren Mann überreden, beim Aufbau behilflich zu sein, da Erich ja noch eine Weile unterwegs sein würde. Vorsichtshalber schickte Marita ihm eine Nachricht auf sein Handy, dass er auf keinen Fall vor 18.00 Uhr wieder zu Hause sein sollte. Er solle doch ins Kino gehen, oder sich etwas Anderes einfallen lassen, schlug sie ihm vor.
Dann folgten Telefonate mit den Nachbarinnen, die Kinder oder Enkel im Alter von Tim und Max hatten. Marita lud die Kinder zu einem Fest mit Übernachtung ein. Eine Stunde später hatte sie sechs Zusagen.
„Das wären dann vier Zelte mit jeweils zwei Kindern und ein Zelt für Erich und mich. Das wird ein Spaß!“, kicherte sie. Beim Metzger bestellte sie Bratwürstchen und den Bäcker in der Nachbarschaft überredete sie, eine große Schüssel mit Hefeteig vorzubereiten. Stockbrot sollte es geben und gegrillte Marshmallows. Das würden die Kinder mögen, da war Marita ganz sicher. Wie gut, dass Erich im letzten Jahr die große Feuerschale angeschafft hatte. Das würde ein herrliches Feuer geben.
„Habe ich an alles gedacht?“, fragte sich Marita, während sie in der Küche Gemüse schnippelte und Schalen mit Nüssen und Knabbereien vorbereitete.
Die Lichterketten fielen ihr ein. Schnell holte sie diese aus dem Keller und verteilte sie überall im Garten, legte Batterien ein und ließ sie probeleuchten.
„Alles Paletti!“, lobte sie sich selbst.
„Sprichst du mit dir selbst?“, fragte Roland, der gerade mit den Zelten in den Garten kam.
Marita lachte. „Ja, das habe ich von Erich übernommen, der spricht gern mit sich selbst, wenn gerade niemand da ist. Schaffen wir beiden das mit den Zelten?“
„Klar, das ist eine meiner leichtesten Übungen!“
Tatsächlich standen nach einer Dreiviertelstunde fünf Zelte im Garten, im Kreis angeordnet und in der Mitte die Feuerschale. Toll sah das aus!
„Gut, dass wir so viel Platz in unserem Wildgarten haben!“
Marita war zufrieden. „Kommt ihr heute Abend auch zu uns, wir würden uns sehr freuen und ein leckeres Bratwürstchen gibt es auch!“
Roland versprach’s und machte sich auf den Weg nach Hause.
Um fünf Uhr trudelten die ersten Kinder bereits ein. Verschwörerisch weihte Tante Marita sie ein, dass es sich um eine Überraschung für Tim und Max handelte und sie doch in die Zelte gehen und mucksmäuschenstill sein sollten, wenn die drei „Männer“ nach Hause kamen.
„In jedem Zelt sind zwei Luftmatratzen und Schlafsäcke. Sucht euch doch schon eure Schlafplätze aus und dann zeige ich euch Bad und Toiletten im Haus, okay?“
Dann war es soweit, um kurz vor sechs kamen Onkel Erich, Tim und Max nach Hause. Sie stellten ihre Fahrräder in der Garage ab und betraten das Haus durch die Haustür.
Die Zelte im Garten bemerkten sie nicht, weil Tante Marita vorsorglich die Vorhänge am Wohnzimmerfenster, das in den Garten zeigte, zugezogen hatte.
„So, meine Lieben!“, sagte Tante Marita. „Dann wollen wir uns mal einen gemütlichen Abend machen! Zieht doch eure Jogginganzüge an und dann setzen wir uns ein wenig auf die Terrasse, einverstanden?“
Sie zwinkerte Onkel Erich zu und erstaunlicherweise hatten auch die beiden Jungen nichts zu meckern. Während die Herren sich umzogen, schaltete Tante Marita die Lichterketten an, dann versteckte sie sich schnell in einem der Zelte.
Als Onkel Erich, Tim und Max den Garten kamen, sprangen die Gäste aus ihren Zelten und riefen: „Überraschungsfest!“
Tante Marita rief am lautesten und Onkel Erichs Augen leuchteten fast heller als die Lichterketten.
„Super, was für eine coole Idee!“ Tim und Max waren begeistert.
Es wurde ein toller Abend, mit Stockbrot und Würstchen, mit Gesang am Lagerfeuer und Märchen, die Tante Margret erzählte. Roland und seine Frau waren auch gekommen. Es wurde gelacht und gefeiert und als später alle in ihren Zelten verschwunden waren, hörte man noch lange fröhliche Stimmen und Gekicher.
„So ein Kinderfest ist ja doch ganz schön!“, stellte Tim fest und schämte sich ein bisschen, dass er den Onkel am Morgen so geärgert hatte.
„Du bist toll, Tante Marita und du auch, Onkel Erich, echt wahr!“, sagte Max und genauso meinte er es auch.

© Regina Meier zu Verl 2017

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Froschliebe

Froschliebe
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Der dicke Frosch steigt aus dem Teich
und spricht zum Fröschefräulein:
„Schau, dieser Teich, er ist mein Reich
und du sollst meine Frau sein!“

 
Das grüne Fräulein wundert sich,
bekommt leicht rote Wangen
und denkt sich: „Meint er etwa mich?
Dann muss er mich erst fangen.“

 
Mit einem kühnen Satze springt
das Froschfräulein ins Wasser.
„Komm her, wenn dir das auch gelingt!“
Der Frosch wird blass und blasser.

 
„Die krieg ich nicht, sie schwimmt rasant!“
denkt er ganz irritiert,
da sieht wie vom Teichesrand
ein Storch heranspaziert.

 
„Fräulein! Du bist in Gefahr!“
ruft er, so laut er kann.
„Sieh doch, Meister Adebar!
Er schleicht sich an dich ran!“

 
Das Fröschlein kann sich schnell verstecken
unter einem großen Blatt.
Hier würd der Storch sie nicht entdecken.
Welch ein Glück sie heute hat!

 
Später küsst sie ihren Retter
mitten auf die breite Schnute.
„Ach“, sagt sie, „Du bist ein netter
und so klug, das ist das Gute!“

 
Sie sind Freunde nun fürs Leben
und leben beide voller Glück.
Manchmal fällt die Liebe eben
dir zu erst auf den zweiten Blick!

 
© Regina Meier zu Verl 2017

 

 

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Fensterblicke

2017-05-20 11.43.23

Ich schaue so gern durchs Fenster, am liebsten durch solche wie oben auf dem Bild zu sehen sind. Warum? Weil dahinter Geschichten versteckt sind, man sieht sie, wenn man lange genug schaut, echt wahr!

Aber auch die Blicke in den Garten erzeugen Geschichten in meinem Kopf. Es ist schön, dass ich das nach der OP auch wieder viel klarer sehen kann. Ich bin sehr dankbar!

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