Wie Jonathan zu seinen bunten Socken kam

Gestern Abend habe ich noch lange gestrickt, Wollsocken. Stricken hat für mich etwas Meditatives und so versank ich in Gedanken und irgendwann war ich so müde und zufrieden, dass ich einschlief, ganz entspannt. Heute wachte ich mit einer Geschichte auf, die mir wohl im Traum zugefallen ist. Ich habe sie schnell aufgeschrieben, damit ich sie nicht wieder vergesse. Die Namen in der Geschichte habe ich allerdings austauschen müssen. Vorsichtshalber, sonst erkennt sich noch jemand🙂

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Wie Jonathan zu seinen bunten Socken kam

 

Der kleine Engel Jonathan stapfte mit nackten Füßen durch den Schnee. Ihm war kalt und seine Füßchen schmerzten. Er hatte sich verlaufen und fand den Weg zur Himmelsleiter nicht mehr. Nur einen kurzen Ausflug in den Wald hatte er machen wollen und dabei vergessen, sich die Richtung zu merken. Er hätte nun seine goldene Trillerpfeife benutzen können, die sogleich Hilfe schicken würde, aber das wollte er nicht. Bedeutete es doch für ihn, dass er noch nicht die notwendige Reife besaß, ein Schutzengel zu sein und das war sein allergrößter Wunsch. Helfen wollte er, ein Menschenkind beschützen und immer für es da sein.

Jonathan war den Tränen nahe, als er plötzlich ein jämmerliches Weinen hörte. Er legte sein Köpfchen auf die Seite und lauschte. Da, da war es wieder. Es musste ganz in der Nähe sein. Langsam ging er in die Richtung, aus der das Weinen kam. Er gelangte zu einer Holzhütte, deren Fenster erleuchtet waren. Aus dem Schornstein stieg eine dicke Rauchwolke in den Himmel. Vorsichtig näherte sich Jonathan einem der Fenster. Er schaute in eine warme Stube, in der ein Feuerchen im Kamin prasselte. In einer hölzernen Wiege lag ein Kind. Es strampelte mit den Beinen und weinte zum Herzerbarmen. Niemand kam, um das Kind zu trösten. Wo war denn nur seine Mutter? Jonathan ging um die Hütte herum und suchte nach ihr, indem er in jedes Fenster schaute. Aber da war niemand. Er musste eingreifen, jetzt!

Mit klopfendem Herzen drückte er die schwere Klinke der Tür hinunter und betrat die Hütte. Geschwind ging er auf die Wiege zu und streichelte die tränennassen Wangen des Kindes. Es erschrak, denn die Hände des kleinen Engels waren eiskalt. Doch als es in Jonathans Augen schaute, beruhigte es sich sofort, denn es erkannte seinen Engel. Sorgfältig deckte Jonathan das Kind zu und dann begann er zu singen, so, wie er es von seinen Lehrmeistern gelernt hatte. „Stille Nacht, Heilige Nacht“ sang er. „alles schläft, einsam wacht, nur das traute hochheilige Paar, holder Knabe im lockigen Haar …“ Jonathan verschluckte sich, er kicherte und dann lachte er frei heraus. Das Kind dort in der Wiege hatte gar keine Haare, geschweige denn Locken und sicherlich war es auch kein Knabe, denn es trug einen rosaroten Strampelanzug und es gluckste nun vor Vergnügen. Von Schlaf war nicht die Rede.

Knarrend öffnete sich in diesem vergnüglichen Augenblick die Tür. Eine Frau betrat die Hütte, sie trug ein Bündel Feuerholz auf dem Arm.

„Marie, du bist ja so fröhlich“, rief die Frau, legte das Feuerholz ab und trat an die Wiege. Jonathan verhielt sich ganz still, doch auch wenn er genau neben der Frau stand, so sah sie ihn doch nicht. Das glaubte er jedenfalls. „Ich wasche mir nur schnell die Hände und dann nehme ich dich!“, sagte die Frau zu Marie. „Und wir bedanken uns bei deinem Schutzengel, der so schön auf dich aufgepasst hat. Zum Dank lege ich ihm ein Paar Socken hin, denn draußen ist es kalt und etwas Anderes kann ich ihm nicht anbieten.“ Sie griff in einen großen Korb, der mit Wolle gefüllt war und beförderte ein buntes Paar Socken zutage. Das legte sie auf den Rand der Wiege, dann verließ sie das Zimmer.

Jonathan zögerte noch, dann aber zog er die bunten Wollsocken an und machte sich wieder auf den Weg. Nun würde er die Himmelsleiter sicher finden, denn er hatte bewiesen, dass er ein guter Schutzengel sein würde, für Marie!

© Regina Meier zu Verl 2016

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Weihnachtspost

So langsam aber sicher trudelt erste Weihnachtspost bei mir ein und erinnert mich daran, dass ich mich ebenfalls daran machen sollte, meine Karten/Btiefe zu schreiben. Da ich meist ein wenig dazu zeichne, sind die Stifte gespitzt, es kann losgehen.

Ich schreibe ja noch sehr gern von Hand und bewahre ebenfalls alle handschriftlichen Briefe auf, die ich jemals bekommen habe. Manchmal stöbere ich darin und fühle mich zurückversetzt in die Zeit, als sie geschrieben wurden. Das macht Spaß und immer wieder fallen mir dabei Geschichten ein.cropped-img_1541.jpg

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Nikolaustag

Das nachfolgende Gedicht ist schon älter, denn heute würde es nicht geschrieben werden können, weil ich heute morgen in meinem Stiefel einen kleinen Weihnachtsstollen fand, der beste Schwiegersohn von allen hat ihn dort im Auftrag des Nikolaus‘ hinterlegt. Ach, ich hab’s gut!

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Ich sah im Traum den Nikolaus,

im Schnee ging er vo

n Haus zu Haus,

verteilte seine Gaben.

Er trug den großen Jutesack

auf seinen Schultern Huckepack,

auch ich wollt gern was haben.

„Halt an!“ rief ich ihm hinterher,

„dein Jutesack ist viel zu schwer,

ich helfe dir beim Tragen.“

Doch hatte er mich längst durchschaut,

„Psst“, rief er, „sei doch nicht so laut!“

Ich konnte nichts mehr sagen.

Vorbei der Traum, ich schlief noch tief,

als jemand meinen Namen rief.

War’s Nikolaus, der Gute?

Sprang freudig aus dem Bett im Nu,

schaut vor die Tür in meinen Schuh

und fand nur eine Rute.

© Regina Meier zu Verl 2010
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2. Advent – Barbaratag

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Früher hatten wir einen prächtigen Kirschbaum im Garten. Am Barbaratag haben wir Zweige geschnitten, die dann zu Weihnachten aufblühten. Leider musste der Baum vor ein paar Jahren weichen, denn er war von innen hohl geworden und bei einem heftigen Sturm hätte das gefährlich werden können. Ich war sehr traurig, als er gefällt wurde. Mittlerweile wächst nahe der Stelle, an der er stand, ein kleiner Kirschbaum, der sich dort selbständig angesiedelt hat, sein Kind. Um Zweige zu schneiden ist er noch zu klein, aber er ist da und das ist toll!

Ich wünsche allen einen wunderbaren zweiten Advent!

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30.11.2016 Ende des 30-tägigen Schreibprojektes

Das ist nun also die vorläufig letzte Folge von Claras Geschichte. 30 Tage lang habe ich jeweils ein kleines Stückchen davon gepostet und so den Schreibmonat November mit euch zusammen durchgeführt. Es sind keine 50.000 Wörter geworden, aber das war mir von Anfang an klar. Immerhin sind es aber bis heute 18.430 Wörter, es ist doch einiges zusammengekommen, wenn man bedenkt, dass ich nebenbei noch vier Geschichten und ein Gedicht geschrieben habe, eine Lesereise gemacht habe und alles, was sonst noch so auf dem Plan stand ebenfalls geschafft habe. Claras Geschichte wird weiterwachsen, ich habe noch so viele Ideen. Wenn sie fertig ist, lasse ich euch das wissen. Danke vielmals für eure Begleitung!

Hier geht es weiter:
Die beiden Elfen, deren Aufgabe es war auf das Mädchen aufzupassen, hatten vom Fenster aus das Treiben in Claras Zimmer beobachtet. Sie waren froh, dass Mama Gisela das Fenster einen Spalt geöffnet hatte, um frische Luft hereinzulassen.
„Wir müssen ihr helfen“, flüsterte Enya Rosenduft, die größere von den beiden zarten Wesen.
Aufgeregt bebten ihre duftigen Flügel. Auch die Freundin Nelli Himmelstreu war ihrer Meinung.
„Lass uns schnell zur alten Elli fliegen und etwas Balsam holen, damit Clara recht schnell wieder gesund wird.“
Die alte Elli war die Frau, die von den Leuten im Ort als Hexe bezeichnet wurde. Sie kannte sich in der Kräuterheilkunde aus wie keine zweite. Die Menschen, oder nur wenige von ihnen, wussten das nicht mehr zu schätzen.
Sie konnte, wie die kleine Clara auch, die Wesen des Waldes sehen und mit ihnen sprechen. Vor vielen Jahren war sie selbst nämlich bei Hilda und Hermann gewesen und hatte die Kräuterheilkunde erlernt. Doch nicht nur die Kräuter waren es, die bei Krankheiten halfen. Vor allem waren es die Selbstheilungskräfte, die sich nur entwickeln konnten, wenn ein Mensch im Einklang mit der Natur war und ein gutes Herz hatte. Davon war nicht nur die alte Elli überzeugt, denn immer wieder hatte sie erlebt, wie diese Dinge wirkten. Das heißt nicht, dass alles mithilfe eines guten Herzens und einiger Kräuter geheilt werden konnte, aber es gab viele Krankheiten, die man so heilen konnte.
Die Elfen trafen die alte Elli in ihrem Waldhäuschen an, die Eule hatte sie bereits besucht und davon erzählt, dass Clara krank war. Also hatte Elli sich schon an die Arbeit gemacht und eine Salbe hergestellt, die dem Kind Linderung und Heilung verschaffen sollte. Gerade, als Enya und Nelli bei ihr eintrafen, füllte sie ein wenig davon in ein Tiegelchen ab.
„Nehmt, ihr Elfen und tragt es zu der kleinen Clara. Reibt ein wenig davon an ihre Schläfen und ebenfalls nur wenig auf ihre Brust. Ihr werdet sehen, dass sich das Kind schnell erholen wird.“, sagte sie. Die Elfen dankten ihr und machten sich auch gleich wieder auf den Weg. Glücklicherweise war das Fenster noch immer geöffnet, so dass sie ungehindert wieder in Claras Zimmer gelangen konnten.
Vorsichtig rieben sie dem Kind die Schläfen ein, doch wie sollten sie es anstellen, auch ein wenig Salbe auf die Brust zu reiben, ohne Clara zu wecken?
„Das schaffen wir niemals“, sagte Enya verzweifelt. Doch ihre Freundin machte sich weniger Sorgen. „Sie kennt uns und wird nicht erschecken, wir sollten sie kurz aufwecken. Das schadet ihr sicher nicht!“ Vorsichtig zupfte sie an Claras Ohrläppchen und sofort war das Kind wach und schaute erstaunt auf die Elfen.
„Was macht ihr denn hier, oder träume ich?“, fragte sie. „Und was riecht denn hier so gut?“
Nelli kicherte. „Das ist die Salbe, die wir an deinen Schläfen gerieben haben und nun würden wir gern noch ein wenig davon auf deinen Brustkorb reiben, ist das in Ordnung, Clara? Du sollst doch schnell wieder gesund werden!“
Clara schlug die Decke zur Seite und zog das T-Shirt aus, Liebevoll massierten die Elfen die Salbe auf Brust und Rücken. Schnell zog clara sich wieder an und ließ sich in die Kissen sinken.
„Mmh, das duftet so gut!“, sagte sie noch und dann schlief sie umgehend wieder ein. Zufrieden verließen die beiden Elfen das Zimmer. Clara würde nun schlafen und sicher war schon morgen alles wieder gut.
Später kam die Mutter noch in Claras Zimmer und sah ihre Tochter glücklich lächelnd schlafen. Sie schloss das Fenster, drückte der Tochter behutsam einen Kuss auf die Stirn, schnupperte … und wunderte sich über den herrlichen Duft, der von Clara ausging. Nach Rosen duftete es, nach Veilchen und Lavendel, betörend. Mama Gisela konnte sich das zwar nicht erklären, aber mittlerweile nahm sie die Dinge so hin, wie sie waren. Ändern konnte sie sie ja doch nicht und außerdem erschien es immer eher hilfreich als gefährlich.

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29.11.2016

Ich melde mich ab bis Freitag, da ich keine Gelegenheit haben werde zu posten oder ins Internet zu schauen. Hier kommt Teil 29 von Claras Geschichte.

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Als Clara am Morgen erwachte, kratzte es im Hals und die Nase lief. Sie fühlte sich gar nicht wohl und mochte das Bett nicht verlassen. So blieb sie einfach liegen, bis die Mutter nach ihr schaute.
„Clara, du kleine Schlafmütze. Willst du gar nicht aufstehen?“
Clara versuchte etwas zu sagen, aber die Stimme klang nur wie ein Krächzen. Da hatte sie sich wohl eine Erkältung eingefangen.
„Ach je, auch das noch. Du arme Maus, ich hole mal das Fieberthermometer und koche dir einen schönen Tee, mit viel Honig drin, dann wird es sicher bald besser werden.“
Nach ein paar Minuten kam sie zurück und steckte Clara das Fieberthermometer unter die Zunge, bis es zu piepen anfing.
„Ach herrjeh, 39 Grad, das ist Fieber. Du musst schön im Bett bleiben, mein Kind.“
Clara gefiel das nicht, sie musste gesund werden, heute Nacht wollte sie doch wieder in den Wald und das nächste Türchen öffnen. Das konnte sie der Mutter natürlich nicht verraten, also schwieg sie und ergab sich in ihr Schicksal. Tapfer trank sie ihren Tee und ließ es sich gefallen, dass Mama ihr Wadenwickel anlegte. Dann setzte sie sich zu Clara ans Bett und las ihr eine Geschichte vor. Clara lauschte der beruhigenden Stimme ihrer Mama und schlief irgendwann ein. Sie träumte nicht, jedenfalls konnte sie sich nicht daran erinnern, als sie am späten Nachmittag wieder erwachte. Das Fieber war etwas gesunken und sie fühlte sich etwas besser. Sogar ein wenig Hunger machte sich bemerkbar.
„Ich habe einen großen Topf Hühnersuppe gekocht, davon bekommst du jetzt etwas, das wirkt wahre Wunder!“, erklärte die Mutter und verschwand nach unten, um die Suppe zu holen, die Clara anschließend in kleinen Schlucken trank. Das tat gut, wohlig legte Clara sich zurück in die Kissen und schlief augenblicklich wieder ein. Alles würde gut werden, vielleicht schon morgen, dachte sie noch und dann schlief sie sich gesund.

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28.11.2016

Heute kommt Folge 28, das Internet scheint weitgehend wiederhergestellt zu sein. Gut so! Der Schreibmonat ist nun fast geschafft, die Geschichte geht aber noch weiter, vielleicht nicht mehr täglich, aber doch in kurzen Abständen.
Ab Mittwoch bin ich dann auf Reisen und melde mich erst am Freitag wieder. Also, morgen noch einmal eine Folge und dann gibt es eine Pause!

17. Kapitel

Clara und Schnurrli hatten den Weg zu Hilda und Hermann gefunden. Natürlich gab es von Hermann eine Standpauke.
„Ich dachte, dass wir uns klar ausgedrückt hatten, von hier darf nichts mitgenommen werden. Es ist einfach zu gefährlich, ihr hättet uns verraten können und dann wäre es vorbei gewesen mit den Traumbesuchen. Hilda und ich, wir kennen das zu Genüge.“
Schnurrli strich Hermann zärtlich um die Beine und ließ auch Hilda nicht aus. Die kleine Katze hatte ein schlechtes Gewissen, wusste sie doch, dass Clara rein gar nichts dafür konnte. Aber so ist das eben, als Freund steckt man immer mit im Schlamassel, wenn der andere Dummheiten macht. Clara schien es aber gar nicht so viel auszumachen. Sie entschuldigte sich bei den beiden Kobolden und die konnte auch gar nicht lange böse sein. Hilda hatte sogar wieder einen leckeren Kuchen gebacken, den sie sich nun schmecken ließen. Dazu gab es Pfefferminztee mit Waldblütenhonig.
„Du Hilda, wie machst du eigentlich diesen leckeren Tee? Zu Hause habe ich noch nie so herrlichen Tee bekommen, obwohl Mama auch immer Pfefferminztee zum Abendessen kocht“, schmeichelt Clara der mütterlichen Freundin und traf damit genau Hildas Nerv.
„Weißt du Clara, es ist ein großer Unterschied, ob man die frische Waldminze für den Aufguss nimmt oder Teebeutelchen, wie es sie bei euch gibt. Das ist einfach kein Vergleich.“
„Das schmeckt man ja deutlich! Wo findet man denn die Waldminze?“
„Na, im Wald, wo sonst?“, brummte Hermann dazwischen. Alle lachten, selbst Schnurrli kicherte schon wieder, langsam aber sicher verzog sich das schlechte Gewissen und die Unternehmungsfreude zurück.
„Wisst ihr, dass meine Oma abgereist ist?“, fragte Clara kauend, sie hatte sich bereits das zweite Stückchen Kuchen vorgenommen. „Sie hat sich vor diesem niedlichen Kätzchen gefürchtet, ob man es glaubt oder nicht!“
Hilda lachte und auch Hermann konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
„Seid ihr jetzt alle traurig?“, fragte er.
Clara schüttelte den Kopf. „Nein, nicht so richtig traurig. Oma ist anstrengend, obwohl ich sie doch sehr lieb habe. Sicher kommt sie bald mal wieder oder wir besuchen sie einfach.“
„Ja, ja, das macht ruhig. Alte Leute soll man ehren, sie haben das verdient!“ Hermann ging raus zum Rauchen. Hilda konnte den Rauch nicht vertragen, deshalb musste er seine Pfeife immer auf der Bank vor der Wohnung anzünden.
„Warte, Hermann, ich komme mit“, Clara erhob sich und folgte dem Alten, auch Schnurrli schloss sich an. Hilda blieb zurück, sie räumte den Tisch ab und kümmerte sich um das Feuer im Ofen, es war schon sehr kühl geworden und bald kam die ungemütliche Zeit des Jahres.
„Hermann, soll ich heute die nächste Tür öffnen?“, fragte Clara neugierig.
Hermann schüttelte den Kopf.
„Heute nicht, Clara, es ist kein guter Tag für Abenteuer. Schau nur, es wird immer dunstiger, der Nebel wird sich bald wie eine dichte Decke über den Wald legen, da mag ich dich nicht allein dort draußen wissen!“
„Ich kann doch mitgehen, ich bin eine gefährliche Raubkatze!“, rief Schnurrli.
„Du bist vorläufig mal still, hast du etwas schon vergessen, was du angestellt hast?“ Hermann war nun ehrlich verärgert. So eine freche Katze war ihm ja lange nicht mehr begegnet.
„Wir plaudern noch ein wenig, dann gibt es Pilzsuppe zum Abendbrot und anschließend schicken wir Clara wieder nach Hause, sie muss mal ausschlafen. Morgen ist auch noch ein Tag.“
Wenn Clara damit auch nicht so recht einverstanden war, so wagte sie nicht, Hermann zu widersprechen. Sie wusste doch, was sich gehörte und alte Leute sollt man ehren, das hatte Hermann selbst gesagt vorhin und daran wollte sie sich halten. Morgen wollte sie Mama vorschlagen, dass sie für die Oma etwas Schönes basteln könnten und einen langen Brief würden sie dazu schreiben und ein Bild malen, eines vom Wald, aber ohne Katze.

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27.11.2016 (verspätet wegen Internetausfall)

Teil 27
Heute muss ich schnell die Zeit nutzen, solange das Internet läuft, wer weiß, wie lange das andauert!

Nachdem sie eine Runde „Mensch ärgere dich nicht“ gespielt hatten, wollte Mama das Abendessen vorbereiten.
„Ich gehe mal in die Küche und schaue, was der kleine Tiger macht“, sagte sie und erhob sich.
„Das kann ich doch machen.“ Clara sprang auf und lief zur Küche. Sie öffnete vorsichtig die Tür, schob sich durch den Spalt und schloss sie gleich wieder hinter sich.
„Schnurrli?“, flüsterte sie und siehe da, die kleine Katze schaute unter dem Schrank hervor.
„Was machst du denn hier, hat dir jemand erlaubt, mit mir mitzukommen?“ Clara versuchte, mit Schnurrli zu schimpfen, hatte aber gleichzeitig ein schlechtes Gewissen, denn sie war ja nicht unschuldig an der Sache. Sie hätte einfach besser aufpassen müssen. Aber was passiert war konnte man nicht ungeschehen machen, jetzt konnte nur noch der Schaden begrenzt werden und das versuchte Clara.
„Du musst zurück in den Rucksack, damit ich dich später wieder mit zu Hilda und Hermann nehmen kann, hörst du?“
„Ja, ja, ist schon klar. Also, lass mich raus, ich springe dann schnell nach oben in dein Zimmer und verschwinde in dem furchtbaren Beutel!“
Die Küchentür wurde geöffnet, Schnurrli verschwand schnell wieder unter dem Schrank und Clara tat so, als habe sie die ganze Zeit nach dem gefährlichen Tier gesucht.
„Mit wem redest du denn eigentlich?“, fragte Mama erstaunt.
„Ich rede mit mir selbst, Mama. Das machst du doch auch manchmal, stimmt’s?“
Mama lachte, ja, sie redete auch manchmal mit sich selbst. Das schärfte die Sinne, zum Beispiel wenn man nach etwas suchte und konnte es nicht finden. Dann sagte sie zu sich: „Ich weiß ganz genau, dass ich meine Brille da hingelegt habe. Ich werde jetzt noch einmal den ganzen Weg zurückgehen, den ich gegangen bin, als ich sie noch hatte, irgendwo muss sie doch sein, ich bin doch nicht blöd!“
Also machte sie sich keine weiteren Gedanken über Claras Selbstgespräche, fühlte sich aber ein wenig ertappt und nahm sich vor, demnächst nur noch ganz leise mit sich selbst zu reden oder möglicherweise gar nicht mehr.
„Ich sag noch schnell Papa Bescheid, dass wir gleich essen wollen.“ Sie verließ die Küche und ließ die Tür offen stehen. Diese Gelegenheit nutzte Schnurrli, um wie vom Blitz geölt das Zimmer zu verlassen und nach oben zu sprinten. Dort kroch sie sofort in den verhassten Beutel und gab keinen Mucks mehr von sich.
Beim Abendessen machte Papa Witze über die Großmutter, doch Mama konnte darüber gar nicht lachen. So verärgert wie heute hatte sie ihre Mutter noch nie gesehen, es würde eine Weile dauern, bis man wieder normal miteinander umgehen konnte. So schwieg Mama Gisela und Papa hörte auf, Witze zu machen und Clara wurde plötzlich sehr müde.
„Uaaah“, gähnte sie. Ich glaube ich muss in mein Bett, die viele frische Luft und die ganze Aufregung, das macht ganz schön schlapp.“
Die Erwachsenen sahen das ein, Mama Gisela brachte Clara noch nach oben, doch vor der Zimmertür verabschiedete sich Clara: „Ich bin ja schon groß, Mama, ich kann allein ins Bett!“
„Also gut, dann schlaf gut, meine Große und träum was Schönes!“
„Sicher, Mama, ich träume doch immer was Schönes!“, Clara zwinkerte der Mutter zu und verschwand in ihrem Zimmer.
„Zähne putze ich gleich auch noch, geh ruhig schon runter!“, rief sie und dann fiel ihr ein, dass Schnurrli sicher Hunger und Durst haben würde.
„Kann ich noch ein Glas Milch haben?“
„Bringe ich dir gleich hoch“, versprach die Mutter und kam nach einer Minute mit einem Glas zurück.
„Bitte sehr, die Dame“, sie reichte Clara das Glas durch den Türspalt. Gleich darauf verschwand Clara wieder im Zimmer.
„Nachti“, rief sie noch. Mama wunderte sich immer mehr. Was war das für ein seltsamer Tag gewesen. Zuerst die Müllsammelaktion, dann das gefährliche Tier im Badezimmer mit der ängstlichen Oma, die es mit einer Toilettenbürste in Schach gehalten hatte. Dann die Tochter, die mit sich selbst sprach und mit einem Mal freiwillig ein Glas Milch trinken wollte. Gisela musste laut lachen, so dass Rolf, der sich zu einem kleinen Nickerchen niedergelassen hatte erschreckt vom Sofa hochfuhr und rief: „Was ist los, ist das Raubtier wieder aufgetaucht?“
Gisela lachte und lachte bis ihr die Tränen kamen.
„Das Raubtier sitzt sicher noch unterm Küchenschrank, ich werde ihm mal ein Schälchen Milch hinstellen und dann warten wir mal bis morgen ab, ob es sich daran bedient hat. Und du, möchtest du ein Schälchen Bier, mein Lieber?“
Diese Idee gefiel Rolf und so saßen Gisela und er noch ein paar Stunden im Wohnzimmer und sprachen über den Tag und sie machten Pläne für die Zukunft und überhaupt waren sie guter Dinge, auch wenn die Großmutter nun wieder zu Hause war, oder gerade deswegen. Wer weiß das schon?

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1. Advent

Ich wünsche allen Freunden und Lesern einen schönen ersten Advent!

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26.11.2016

Da hat Schnurrli ja was angerichtet in der letzten Folge, Oma is not amused, sie … lest selbst in  neuen Teil 26 von Claras Geschichte

„Ich geh durch einen grasgrühünehen Wald und höre die Vögelein singen“, sang Mama Gisela. Clara schaute sie staunend an.
„Der Wald ist doch gar nicht grasgrün, er ist noch etwas bunt und schon bald werden alle Blätter weg sein“, bemerkte sie.
„Also gut“, Mama setzte neu an: „Ich ging durch einen herbstbuhunten Wald und hörte die Vögelein singen, sie sangen so jung, sie sangen so alt, die kleinen Vögelein in dem Wald …“ Clara unterbrach sie schon wieder.
„Mama, ich höre keine Vögelein!“
„Du nimmst es aber auch ganz genau, es ist doch nur ein Lied“, Mama zog eine Schnute und stellte den Gesang ein. Clara lauschte.
„Hört doch mal, die Spatzen, sie zirpen ganz aufgeregt!“
Die Eltern hörten es auch und gemeinsam gingen sie in die Richtung, von wo der Lärm kam. Clara wusste natürlich, dass es ihre Freunde waren, die ihr den Weg weisen wollten und tatsächlich, als sie weiter herangekommen waren, sahen auch die Eltern den Berg von Müll, den Clara in der letzten Nacht schon entdeckt hatte.
„Das ist ja wohl die Höhe“, schimpfte Papa Rolf. „Da hat doch jemand seinen Unrat abgeladen, mitten im Wald“, er war entrüstet und trat mit dem Fuß nach dem Müll.
„Rolf, das hilft auch nicht, wir laden einfach alles auf, gut, dass wir den Bollerwagen mitgenommen haben“, schlug Mama vor und die drei machten sich an die Arbeit. Im Nu war alles vom Waldboden aufgelesen und das war eine Freude für die Waldbewohner, die im sicheren Abstand zu den Menschen alles beobachtet hatten.
„So, ihr Lieben“, rief Clara. „Jetzt ist der Wald wieder aufgeräumt!“
Rolf und Gisela schauten sich an und grinsten. Ihre Tochter hatte wirklich eine rege Fantasie, aber das war in Ordnung. Sie hatte auch einen ausgeprägten Sinn dafür, die Natur zu schützen und das gefiel den Eltern sehr.
Fröhlich singend zogen sie den Bollerwagen nach Hause und oben auf dem Müll thronte Clara und sang aus vollem Herzen mit.
Als das Haus in Sichtweite kam, ahnten sie noch nicht, was sie darin gleich erwarten würde. Sie hatten ein paar wundervolle Stunden gehabt und der weite Weg machte ihnen auch gar nichts aus. Er hatte einen Sinn gehabt und das fühlte sich einfach wunderbar an.
„Oma, wir haben den Wald aufgeräumt“, rief Clara und stürmte ins Haus. „Oma, warum sitzt du da auf der Treppe und was ist mit deinem Koffer?“
Schlagartig sprang Oma auf. „Rolf, hol sofort den Wagen aus der Garage und bring mich zum Bahnhof, ich bleibe keine Minute mehr in diesem verrückten Haus und nur zur Kenntnis: in der Küche ist eine wilde Katze, die faucht und brüllt und beißt. Ich habe sie eingesperrt, sie hat mich zu Tode erschreckt!“ Vorwurfsvoll klang das, so, als habe Rolf eine Katze auf seine Schwiegermutter gehetzt. Ratlos schauten sich Clara und ihre Eltern an.
„Beruhige dich doch, Mutter!“ Gisela wollte die Mutter umarmen, doch die ließ das nicht mit sich machen.
„Lass das doch, ich will weg und daran kannst du nichts mehr ändern!“
Claras Magen grummelte, sie fühlte sich schuldig, denn ihr war klar, dass es Schnurrli gewesen sein musste, die Oma so erschreckt hatte. Erst jetzt fiel ihr ein, dass sich das Kätzchen in ihrem Rucksack versteckt hatte und wohl darin geblieben war, als sie sich zurückgeträumt hatte in ihr Bett. Verflixt, sie musste demnächst besser aufpassen, sonst würde irgendwann auffallen, dass sie zwei Leben hatte, eines am Tag und eines in der Nacht, wenn sie in ihrem Wald war. Dort warteten noch viele Aufgaben auf sie und Hermann und Hilda wären enttäuscht, wenn sie nicht mehr zu ihnen kommen könnte.
Jetzt verstand Clara, dass es ihr Geheimnis bleiben musste und irgendwie würde sie es sicher schaffen, Schnurrli wieder mit zurückzunehmen, die hatte sich bestimmt auch gefürchtet, arme kleine Katze.
Oma reiste tatsächlich noch am gleichen Abend ab, die Eltern und Clara waren traurig. Aber irgendwann würde sie sich wieder beruhigen und dann würden sie alle zu ihr fahren und dann wäre alles wieder gut.
Vorher gab es aber noch einige Aufgaben zu lösen und Clara freute sich darauf, Hermanns und Hildas Gesicht zu sehen, wenn sie später von der Müllsammelaktion berichten würde. Stolz würden sie sein, ja, und auch Clara war stolz auf ihre Eltern und auf sich selbst und auch wenn sie traurig war, dass Oma abgereist war, so hatte der Tag doch den Erfolg gebracht, den Clara sich gewünscht hatte.
„Jetzt wollen wir uns mal duschen und dann machen wir es uns im Wohnzimmer gemütlich“, schlug Mama vor und das machten sie dann auch. Die kleine Katze saß noch immer unter dem Küchenschrank und traute sich nicht raus.

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