Oma Betty regt sich auf

Oma Betty regt sich auf

 

Wenn Oma Betty morgens ihre erste Tasse Kaffee getrunken hat, setzt sie die Lesebrille auf und macht sich über die Tageszeitung her.
Liest sie was Nettes, grinst sie, manchmal ärgert sie sich und ab und zu regt sie sich auf. Gestern zum Beispiel!
Ich dachte schon, dass etwas furchtbar Schlimmes passiert ist, noch furchtbarer als die schlechten Nachrichten, über die sich Oma sonst so ärgert. Sie wurde puterrot im Gesicht und atmete ganz schnell.
„Oma, was ist denn los?“, fragte ich vorsichtig, bekam aber keine Antwort. „Soll ich dir ein Glas Wasser holen?“, hakte ich nach, weil sie so heftig schnaufte.
„Wasser?“ Sie schrie es fast, ich bekam es so langsam mit der Angst zu tun.
„Wasser hilft nicht und Schnaps darf ich nicht, du weißt ja, mein Herz! Ich könnte jetzt aber einen gebrauchen!“ Oma nahm die Lesebrille ab, setzte sie wieder auf und las noch einmal das, was sie so aufregte.
„Das kann ja wohl nicht war sein!“, schimpfte sie. Dann hielt sie mir die Seite hin, die wohl Anlass für den Ärger war. Eine ganzseitige Werbeanzeige des Kaufhauses in der Nachbarstadt.
„Das machen die doch extra!“, schimpfte Oma Betty.
„Was denn? Ich verstehe nicht …“, warf ich ein, obwohl ich mir wirklich Mühe gegeben hatte, gleich zu erkennen, was denn so schrecklich war.
„Na da!“ Oma klopfte mit der flachen Hand auf die Anzeige. Als ich noch immer nicht reagierte, nahm sie den Zeigefinger und tippte auf einen Topf. So langsam schwante mir, was passiert sein könnte.
„Dein neuer Slow-Cooker?“, fragte ich vorsichtig.
„Genau der! Eine Unverschämtheit ist das, ich sag’s ja, die machen das extra!“
„Aber was denn, Oma?“
„Die verkaufen doch das gleiche Modell für 49 Euro und ich habe letzte Woche 79 Euro bezahlt!“ Oma war jetzt den Tränen nah.
„Aber du hast ihn doch gar nicht dort gekauft, Oma!“
„Nein, habe ich nicht. Ich wollte den unbedingt haben und da bin ich zum Haushaltswarenladen bei uns gefahren, da gab es den für 79 Euro und die Verkäuferin sagte noch, dass es ein Sonderangebot sei!“
Mir fiel nichts ein, was Oma hätte trösten können, also blieb ich lieber still. Plötzlich sprang Oma auf und rannte in den Keller. Mit der Gebrauchsanweisung des neuen Topfes kam sie zurück in die Küche. Diese studierte sie dann ganz genau, las dann noch einmal die Anzeige und endlich entspannten sich ihre Züge.
„Ich nehme alles zurück!“, sagte sie leise.
„Warum?“, wollte ich nun wissen.
„Mein Slow-Cooker ist für fünf Liter ausgerichtet, der in der Anzeige nur für drei Liter!“ Sie strahlte.
„Oma?“
„Ja, was ist denn?“
„Sagst du nicht immer zu mir, dass ich erstmal ganz genau nachdenken soll, bevor ich jemanden beschuldige?“, fragte ich sie und freute mich, dass mir das gerade eingefallen war.
„Das ist ja ganz was anderes …“, sagte sie. „Aber …“
„Aber?“
„Aber du hast doch ein bisschen recht, nein, du hast hundertprozentig recht, entschuldige!“, sagte sie und die Entschuldigung habe ich natürlich angenommen. Auch Omas können sich mal vertun, nicht wahr?“

© Regina Meier zu Verl

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Was Christian Anders und Jethro Tull gemeinsam haben

Ein Kindheitserinnerung

Wir wohnten auf einer Etage mit einer Familie, deren zwei Töchter schon erwachsen waren. Die beiden Mädchen kümmerten sich um uns, wenn meine Eltern mal nicht zu Hause waren und eine der beiden, Doris, hatte mich so ins Herz geschlossen, dass sie mich immer einlud, wenn ihre beste Freundin Käthe auch zu Besuch war.

Ich besuchte damals die Sexta des Städtischen Gymnasiums und fühlte mich mit meinen zehn Jahren schon sehr erwachsen, wenn ich zum Damenkränzchen mit Eierlikör und Salzstangen eingeladen wurde.

Der Abend wurde traditionell mit der Hitparade eingeläutet und wie gebannt starrten wir alle drei auf die Schwarz-Weiß-Mattscheibe.

Ich vergesse nie den Abend, an dem Christian Anders das erste Mal auftrat. Ich war hin und weg als er sang: „Geh nicht vorbei, als wär nichts geschehn, es ist zu spät um zu lügen!“

Sofort verkündete ich den beiden anderen, dass Christian von nun an der meine war und sie sich auf den Kopf stellen könnten, mir das auszureden.

Vier Wochen sparte ich für die Single, und ich hörte sie von da an täglich mindestens zwanzig Mal.

Meine Mutter fand das anfangs ganz amüsant, später durfte ich dann nur noch auf Zimmerlautstärke drehen und kostete es schamlos aus, wenn ich mal allein in der Wohnung war. Meine Zimmerwände waren beklebt mit Bildern und Postern, die ich sammelte und Doris, die damals schon die Bravo lesen durfte, schnitt mir jeden Artikel aus und sammelte sogar den Super-Star-Schnitt. Meine Güte, war ich glücklich.

Später änderte sich mein Musikgeschmack, spätestens, als „Eloise“ von Barry Ryan die Nummer eins in den Charts war. Aber auch diese Phase hielt nicht lange an.

Meine Mutter trauerte der Christian Anders Zeit hinterher, als ich anfing mich für Pink Floyd, Jethro Tull und Exception zu begeistern. Diese Begeisterung hat bis heute angehalten.

Die Schwärmerei für Christian Anders muss wohl mit dem Eierlikörchen zu tun gehabt haben, das ich schon damals trinken durfte.  Dass mir das aber ja niemand meinen Kindern verrät, denn den beiden habe ich kein Likörchen erlaubt bevor sie sechzehn waren…

© Regina Meier zu Verl

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Des Sommers Abschied

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Des Sommers Abschied

 

Der Sommer sagt: Auf Wiedersehen,
es wird Zeit, ich muss jetzt gehen.
Hab mein Bestes gegeben mit aller Kraft
und denke mir: Ich habe viel geschafft!

Die Sonne war meine beste Freundin,
sie schickte ihre Wärme überall hin
und lachte uns an für Tage und Wochen,
es wurde gegrillt, statt lange zu kochen.

Im Schwimmbad war stets ein reges Treiben,
niemand wollte zu Hause bleiben.
Es wurde geplantscht im kühlen Nass,
ach, was hatten die Kinder Spaß!

Ich komme ja wieder im nächsten Jahr,
auch wenn es noch so herrlich war,
ist’s Zeit für mich nun, ich mache Platz
dem Herbst mit seinem Farbenschatz.

Möge der Regen, den ich euch verwehrte,
obwohl sich so mancher darüber beschwerte,
nun kommen und tränken die Felder und Bäume,
genießt es und träumt bunte Träume.

Vergesst mich nicht und bleibt mir gewogen,
ich bin irgendwo – hinter dem Regenbogen.

 
© Regina Meier zu Verl 2018

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Zum Schulanfang 2018

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Schulanfang

 

Lebt wohl, ihr alle im Kindergarten,
ihr müsst nun nicht mehr auf mich warten.
Ich bin ein Schulkind, wirklich wahr,
der große Tag ist endlich da.

Ich lerne rechnen, schreiben, lesen,
bin kürzlich schonmal dagewesen
und fand es dort recht angenehm,
ob das so bleibt, werden wir sehn.

Mein toller Tornister ist eine Wucht,
Mama und ich haben lange gesucht,
er ist kunterbunt mit Glitzerkristallen,
sicher ist er der schönste von allen.

Am meisten freue ich mich auf die Pausen,
da werde ich über den Schulhof sausen
und hüpfen und singen, fröhlich lachen,
genauso werde ich das wohl machen!

Ich bin jetzt ein Schulkind, konnt’s kaum erwarten!
Lebt wohl dann, ihr alle im Kindergarten!

 

© Regina Meier zu Verl

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Urlaubsende, Pfunde und die Löffelliste

So langsam aber sicher kehren wir wieder zum alltäglichen Leben zurück. nachdem Enkel 1 fast vier Wochen bei uns wohnte und wir mit ihm ein paar Tage an der Nordsee waren, geht für ihn am Mittwoch die Schule wieder los. Enkel 2 wird dann am Donnerstag eingeschult. Das wird gefeiert. Die Hochzeit, auf die wir alle lange gewartet haben (Patenkind 2) ist vorbei, es war ein schönes Fest.

Nun werde ich mich wieder ein wenig mehr um mich selbst kümmern, Schreibprojekte fertigstellen und allerdei Sachen erledigen, die lange schon darauf warten.

Während des Urlaubs habe ich aber mein Löffelliste fertiggestellt und mache mich nun daran, Punkt für Punkt abzuhaken. Den ersten Haken konnte ich bereits machen und das macht mich gerade sehr froh. Die Aufgabe hieß nämlich: Bring deinen Körper in Form! Habe ich gemacht, vierzehn Wochen habe ich mich damit beschäftigt (nebenbei natürlich) und habe es geschafft, die Pfunde, die ich zum einen durch Nascherei, zum anderen durch Cortisongaben angesammelt hatte, wieder loszuwerden. Hat geklappt, 30 Pfund sind runter und ich fühle mich wohl wie lange nicht mehr. Sogar meinen zu hohen Blutdruck habe ich überreden können zu sinken, weil er nun nicht mehr so viel damit zu tun hat, meinen Körper in Schwung zu halten.

Löffelliste? Kennt ihr nicht? Das ist eine Liste mit 100 Punkten, die ich alle erleben/erledigen möchte, bevor ich „den Löffel abgebe“. Mit 63 kann man darüber schonmal nachdenken – ich werde mir aber Zeit lassen und immer wenn ich einen Punkt abhake, dann werde ich hier davon berichten. Die ganze Liste? Die bekommt niemand zu sehen … ist geheim!

 

 

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Vom Feiern, Ferien machen und Sonstiges

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Nun hat es schon lange keinen Eintrag mehr gegeben und auch Oma Betty schweigt beharrlich. Sicher leidet sie unter der Hitze, so wie ich auch. Wobei „leiden“ eigentlich nicht der richtige Ausdruck ist, ich leide nicht, bin einfach nur ein wenig träge(r als sonst).

Das heißt nicht, dass ich gar nichts täte. Mit meiner Gießkanne ziehe ich ums Haus und tränke meine Blumen, damit sie nicht verdursten. Auch ich selbst schütte Mengen an Wasser in mich hinein, weil man (gerade als älterer Mensch) viel trinken soll. Meinen 63-ten Geburtstag habe ich ohne Zipperlein hinter mich gebracht und diverse andere Feste auch. Jetzt folgt noch die Hochzeit meines zweiten Patenkindes am 18.8., dann haben wir für dieses Jahr genug gefeiert.

Ach, stimmt ja gar nicht – Enkel 2 „, Djamila kommt in die Schule, das wird natürlich auch gefeiert, zumal sie sich schon sehr freut. Gerade gestern hat sie ihre erste Medaille beim Reiten gewonnen, auch ein Grund zum Feiern! (Enkel 3 + 4, Lio und Maila haben ihren dritten Geburtstag am 23.7. gefeiert)
Ab morgen kommt dann Enkel 1 – Lukas für einige Zeit zu uns. Mit ihm fahren wir dann am 13.8. für ein paar Tage an meine geliebte Nordsee. Diesmal ist auch mein Mann mit von der Partie, wir freuen uns schon sehr. Oma Betty nehmen wir auch mit, ganz bestimmt!

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Oma Bettys Tränen und die seligen Geister von Herrn Gluck

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Oma Bettys Tränen und die seligen Geister von Herrn Gluck

Manchmal weint Oma Betty. Oft kommt das nicht vor, aber gelegentlich schon. Ich versuche sie dann aufzuheitern und erzähle ihr Witze. Sie lacht aber meist aus Höflichkeit. Das merkt man ja, wenn ein Witz gar nicht so richtig ankommt, entweder weil er nicht richtig witzig ist, oder wenn derjenige, der ihn hört einfach nicht in der Stimmung ist.

Oma Betty ist selten traurig. Ich bin dann sehr betrübt, lieber habe ich die Tränen, die sie vor Freude lacht, oder vor Rührung.

Neulich zum Beispiel, da hat sie so herzlich gelacht, dass dicke Tränen über ihre Wangen kullerten. Das war toll und man kann einfach nicht anders und muss mitlachen, bis einem der Bauch wehtut.

Und die Rührungstränen, die weint sie, wenn etwas ganz besonders schön für sie ist. Als Mila letzte Woche zu ihr gesagt hat, dass sie die allerbeste Oma der ganzen Welt ist, da hat sie auch geweint, vor Freude halt.

Ich habe mir vorgenommen, viel öfter solche Tränen bei Oma Betty hervor zu kitzeln. Sicher tut ihr das gut. Mir auch! Denn ich liebe meine Oma sehr.

Wenn Oma schöne Musik hört, dann kann es auch passieren, dass sie sich das ein- oder andere Tränchen verdrückt. Ihre Lieblingsmusik kenne ich schon sehr gut und deshalb war ich voll begeistert, als ich von meinem Klavierlehrer neulich ein neues Stück bekam, das zu Oma Bettys Lieblingsmusik gehört. Ich glaube, ich habe noch nie so fleißig geübt, wie in dieser Woche.

Ihr hättet ihr Gesicht sehen sollen, als ich ihr das Stück dann vorgespielt habe. Prompt nahm sie ihre Geige aus dem Koffer und hat mitgespielt. Zusammen haben wir dann den Reigen seliger Geister so schön gespielt, dass sogar unser Hund mitgesungen hat. Opa hat es wohl nicht so gefallen, er hat sich schnell in den Garten verzogen. Ist halt nicht so sein Ding, die klassische Musik.

Mein Ding eigentlich auch nicht, aber für Oma kann man das wohl mal machen, nicht wahr? Dieser Herr Gluck hat einfach schöne Musik komponiert, da gibt es nichts zu meckern.

Ich habe mich übrigens total gefreut, dass sie die Geige dazu genommen hat. Das hat sie lange nicht gemacht und wenn mich nicht alles täuscht, dann wird sie nun wieder öfter spielen. Finde ich gut!

Jetzt müssen wir nur noch Mila überreden endlich den Flötenkurs zu besuchen, den sie vom Christkind bekommen hat. Bisher weigert sie sich noch. Aber es wäre doch schön, wenn wir zu dritt musizieren könnten. Vielleicht gefällt’s dann auch Opa!

 

© Regina Meier zu Verl

 

 

 

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Oma Betty und die Samenbomben

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Oma Betty und die Samenbomben

Manchmal hat Oma so richtige coole Ideen. Gerade letzte Woche haben wir beide etwas Spannendes gemacht, Bomben gebaut, Saatbomben. Kennt ihr das?

Oma hatte im Gartenmarkt Sämereien für Wildblumen gekauft und Lehmpulver. Wir haben dann zu Hause Gartenerde mit dem Lehmpulver und den Blumensamen vermischt und ordentlich nass gemacht. Das war beinahe so, wie beim Plätzchen backen vor Weihnachten. Viele kleine Kugeln haben wir aus dem Erde-Ton-Samenteig geformt Das war eine ganz schöne Mantscherei, aber es hat Spaß gemacht.

Die Samenbomben haben wir dann auf der Fensterbank zwei Tage trocknen lassen, durch das Lehmpulver wurden sie ganz hart. Dann kam der spannendste Teil der Aktion, das Verteilen der Bomben im Garten. Überall hin haben wir sie geworfen, waren ja schließlich Bomben. Nun sind wir gespannt, wann wir die ersten Blumen entdecken werden. Oma hat gesagt, dass das etwas dauern wird. Geduld ist nicht so meine Stärke, aber was soll’s, warten wir halt ab.

Einige Kugeln habe ich mir gesichert und mit in die Schule genommen. Dort habe ich sie ebenfalls in die Beete geworfen. Heimlich, damit mich keiner dabei erwischt. Ich weiß nämlich gar nicht, ob man das darf. Egal, alle werden sich wundern wenn dort demnächst überall Wildblumen blühen und die Bienen, die werden sich freuen. Das ist nämlich der Sinn der Sache. Manchmal kann Nützliches so viel Spaß machen, probiert es doch auch einmal aus.

Ich werde berichten, wann ich die erste Kornblume, Margerite, Kleeblüte oder Ringelblume im Garten entdeckt habe, versprochen!

© Regina Meier zu Verl

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Oma Betty und das verflixte Biest

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Irgendwo da muss es sich aufgehalten haben, das Biest …

Oma Betty und das verflixte Biest

Ich lag gerade so schön mit Opa auf dem Sofa, als plötzlich ein lauter Schrei aus dem Badezimmer zu hören war.
„Ach herrjemine!“, rief Opa. „Oma Betty!“ Er sprang so schnell auf, dass sein Weinglas auf dem Tisch umkippte. Dann rannte er ins Bad, ich hinterher.
„Betty, was ist passiert?“, fragte er durch die geschlossene Tür. Ich wäre ja sofort reingegangen, aber Opa ist eben höflich. Er stört nicht, wenn eine Dame duscht.
„Mich hat eine erwischt!“, kreischte Oma. „Kommt rein, ihr müsst gucken!“
„Wer hat dich erwischt?“, fragte ich aufgeregt. Es konnte doch gar niemand reingekommen sein.
Vorsichtig öffnete Opa die Tür. Oma hatte sich ein großes Badehandtuch umgelegt und sie machte ein sehr verschrecktes Gesicht.
„Hier!“, sagte sie und stellte ihr Bein auf den Badewannenrand.
„Ich sehe nichts!“, sagte Opa. „Philip, hol bitte schnell meine Brille!“
Das war ja mal wieder typisch. Immer wenn es spannend wurde, dann schickte man mich weg. Ich sauste so schnell ich konnte ins Wohnzimmer und hastete dann mit der gewünschten Brille wieder ins Bad.
„Dann lass mich mal gucken!“ Opa setzte die Brille auf und nickte. „Stimmt, da hat dich eine angefallen!“, sagte er. Angefallen? „Ich will auch mal sehen!“, rief ich und schaute mir Omas Oberschenkel genauer an. Dann sah ich sie, eine dicke Zecke hatte sich dort festgebissen. Die hätte Opa nun auch ohne Brille erkennen können. Also wirklich.

„Und jetzt?“, fragte ich. „Müssen wir ins Krankenhaus?“
„Quatsch mit Soße!“, lachte Opa. „Hol den Zeckenhaken, der liegt auf dem Schrank neben dem Hundekörbchen.
Als ich zurückkam, erfolgte die Operation „Zecke“ umgehend. Konzentriert setzte Opa den Haken an und zog. Oma hatte wohl die Luft angehalten, sie war schon ganz weiß im Gesicht. Der Zeckenhaken rutschte ab und die Zecke steckte noch immer in Omas Bein.
„Dieses verflixte Biest!“, kreischte Oma. Opa versuchte es erneut. Es funktionierte, das Tier war raus. Es zappelte noch mit den Beinen und wie es aussah, war es noch vollständig. Das war gut, denn wenn noch etwas in Omas Bein geblieben wäre, das wäre schlecht gewesen.
Oma atmete nun wieder, sie war froh, dass sie den kleinen Vampir los war.
„Ich desinfiziere das ein bisschen und dann ist alles wieder gut!“, sagte sie und schickte uns wieder ins Wohnzimmer zurück. Opa ließ schnell das Weinglas verschwinden, das beim Umkippen kaputt gegangen war und ich wischte die Weinflecken weg, so gut es ging.
Jetzt könnte man meinen, es sei alles gut ausgegangen – stimmt leider nicht. Am nächsten Morgen war Omas Bein geschwollen und es tat ihr weh.
„Morgen gehe ich zum Arzt!“, beschloss sie. Es war ja Sonntag und in die Notaufnahme wollte sie nun auch nicht.
Am Montagmorgen war die Schwellung noch gewachsen, in der Mitte war ein roter Flatschen und außen rum war es weiß und geschwollen. Eine Wanderröte nennt sich das. Hat der Arzt Oma erklärt und ihr eine Medizin verschrieben, die sie nun 21 Tage lang einnehmen muss. Oma gefällt das nicht, aber sie fügt sich und sie schimpft auf diese verflixten Biester jeden Tags aufs Neue. Kann ich verstehen, ihr auch?

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Oma Betty, das Watt und der Hofhund

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Oma Betty, das Watt und der Hofhund

Ich war für ein paar Tage mit Oma Betty an der Nordsee. Wir hatten so ein Glück mit dem Wetter, besser hätte es nicht sein können.

An einem der heißesten Sonnentage haben wir einen Strandkorb gemietet. Schließlich wollte Oma sich ja auch mal etwas ausruhen, das verstehe ich gut. Auch wenn ich das eher langweilig finde. Ich bin lieber auf Achse und erkunde die Gegend.
An diesem Strandkorbtag hatte ich aber auch meinen Spaß. Zuerst haben wir es uns im Korb gemütlich gemacht und unser Frühstück genossen. Oma hatte Brötchen mitgenommen und allerlei leckere Sachen, frische Erdbeeren, Melonenstückchen und Wackelpudding. Ich liebe Wackelpudding, besonders den grünen mit Waldmeistergeschmack. In unserer kleinen Kühlbox blieb alles schön frisch.

Dann haben wir das Meer gesucht, es war nämlich gerade nicht da. Ich wäre ja gern ganz weit ins Watt hineingelaufen, aber Oma hat sich nicht getraut. Außerdem rutschte sie ständig aus. Einmal ist sie sogar auf dem Hintern gelandet. Fand ich lustig, sie nicht!
„Die armen Wattwürmer!“, rief ich. „Jetzt sind sie platt!“
Omas Gesicht nahm schon einen leicht säuerlichen Ausdruck an und da wusste ich, dass ich es besser nicht übertreiben sollte. Also reichte ich ihr beide Hände, um ihr aufzuhelfen. Doch Oma war zu schwer, es funktionierte nicht. Trotz aller Mühe landete ich ebenfalls auf dem Po und dann saßen wir beide da im Watt und lachten uns kaputt.
„Siehste!“, sagte ich. „Jetzt lacht du mich auch aus. Sind wir nun quitt?“
„Das sind wir wohl, und dreckig sind wir auch!“ Oma hatte sich mühevoll aufgerichtet und ihre weiße Hose war von hinten schlammschwarz, ebenso die Hände und, weil sie sich die Lachtränen abgewischt hatte, sah auch ihr Gesicht so aus wie letztens, als sie sich die Moorschönheitsmaske ins Gesicht geschmiert hatte und mir damit einen Riesenschreck eingejagt hatte.

Wir säuberten uns dann notdürftig, ist ja gar nicht einfach, den Po unter einer Fußdusche zu waschen. Für mich war es kein so großes Problem, aber Oma tat sich schwer, das kann man sich ja vorstellen. Glücklicherweise hatte ich eine Badehose an, aber Oma Betty eben nicht. Sie hätte ja die Hose ausziehen können, doch im Schlüpfer wollte sie nun auch nicht rumlaufen, auch wenn ich das nicht so schlimm gefunden hätte. Dann hatte ich aber eine Superidee, ich füllte meine kleine Gießkanne und duschte Omas Hinterteil so nach und nach ab. Das wäre gar nicht aufgefallen, wenn Oma Betty nicht so laut gekreischt hätte, das Wasser war nämlich eiskalt. Manchmal ist Oma peinlich, aber nur ein bisschen!

Zurück am Strandkorb hat Oma dann die Hose doch ausgezogen und sie zum Trocknen in die Sonne gehängt.
„Wenn sie trocken ist, gehen wir Pommes essen!“, versprach sie. „Solange mache ich ein Vormittagsschläfchen, okay?“
Was sollte ich dazu sagen, Langweile war angesagt, oder doch nicht? Ich beschloss, eine Sandburg zu bauen und das machte mir viel Spaß, so dass ich beinahe die Zeit vergaß. Ich schaufelte eine Art Mauer rundum unseren Strandkorb, in dem Oma ruckzuck eingeschlafen war. Sie schnarchte leise vor sich hin, was mich nicht weiter störte, weil ich das ja kenne.
Dann blieb ein Mann stehen und bewunderte meine Burg.
„Na, baust du ein Schloss für die Prinzessin im Strandkorb?“, fragte er und versuchte einen Blick in den Korb zu werfen. Da wurde der Beschützer in mir wach. Empört sprang ich auf. „Hören Sie denn nicht? Da drin ist der Hofhund, er knurrt schon laut!“ In diesem Moment machte Oma so einen tiefen Schnarcher, wie sie das manchmal auch nachts macht. Ich kann euch sagen, dass das wirkte. Sofort drehte sich der Mann um und suchte das Weite. Ich bin ein guter Beschützer, ja, das bin ich!
Als ich Oma später davon erzählte, lachten wir zum zweiten Mal an diesem Tag Tränen und das war nicht das letzte Mal. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte!

© Regina Meier zu Verl

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