Urlaub in Sicht

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Nachdem ich mich nun einigermaßen erholt habe und auch wieder lesen kann, freue ich mich auf eine Auszeit der anderen Art – Urlaub. Wie jedes Jahr zum Muttertag fahren meine Schwester und ich mit unserer Mutter an die Nordsee. Das schenken wir uns gegenseitig zum Muttertag. Vom 7. bis 14. Mai werde ich dann endlich wieder Seeluft schnuppern dürfen und darauf freue ich mich schon jetzt sehr.

Eine Mutter, eine Großmutter und eine Urgroßmutter sind dann unterwegs. Wir haben immer eine Menge Spaß miteinander.

Aber nun warten erstmal ein paar Aufgaben auf mich, die unbedingt erledigt werden müssen. Man muss sich den urlaub ja schließlich erst verdienen!

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Nestkontrolle

Osterhase im Magnolienbaum

Nestkontrolle

Heini Hase hatte viele Jahre lang in der Malstube geholfen, so wie es die Familientradition vorschrieb. Bei Familie Hase herrschten nämlich strenge Regeln, die besagten, dass die jüngsten Kinder der Familie Maldienst hatten. Dem ältesten Sohn war eine andere Aufgabe zugedacht. Er war der Kontrolleur und anschließend gründete er seine eigene Familie. Im nächsten Jahr rückte dann der nächstälteste Sohn nach. Endlich war Heini an der Reihe. Oh, er war so gespannt!

Und was ist mit den Mädchen, könnte man sich nun fragen. Das weiß ich auch nicht so genau, aber ich weiß, dass die Mädels nicht unglücklich waren. Geduldig widmeten sie sich der Malerei und genossen es, immer wieder neue Muster für die Eier zu erfinden. Während der Arbeit lachten und sangen sie und machten Witze über die Hasenjungs, die eher widerwillig in der Malstube halfen. Diese warteten sehnlichst darauf, endlich zum Kontrolleur zu werden, denn, auch wenn sie nicht genau wussten warum das so war, die Hasenkontrolleure der Vorjahre kamen stets singend und lachend von ihrer Arbeit heim.

Ihre Aufgabe bestand darin, die Nester für die Kinder zu überprüfen. Das war eine verantwortungsvolle Arbeit. Zunächst mussten sie zählen, ob die Eier gerecht verteilt waren. Schließlich sollte kein Kind benachteiligt werden. Des Weiteren mussten sie die Nester nach so genannten Fremdeiern überprüfen. Das kam viel häufiger vor, als man denkt. Verschiedene Fremdeier fand man da und die mussten wiederum überprüft werden. Waren es einfach Schokoladeneier, dann durften sie liegenbleiben. Stand aber so etwas wie „Knickebein“ oder „Eierlikör“ drauf, dann waren sie gefährlich. Sehr gefährlich sogar! Eier mit diesen gefährlichen Inhalten sammelten die Kontrolleurhasen in ihren Kiepen. Die ganze Nacht durchstreiften sie das Städtchen, schauten in jeden Garten und jedes Nest und sammelten auf diese Weise Eier namens Eierlikör, Himbeergeist, Cognactraum und Kirschwasser ein. Natürlich musste jedes dieser Eier durch ein Hühnerei ersetzt werden, sonst war es ja wieder ungerecht, nicht wahr?

Am Ende der langen Nacht vor dem Ostersonntag versammelten sich dann alle Kontrolleure an einem geheimen Platz im Wald. Dort vernichteten sie die gefährlichen Eier und bei jedem Ei, das sie aufaßen, um es für die Kinder unschädlich zu machen, sagten sie laut: „Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss!“ Man könnte es das Fest ihres Junggesellenabschieds nennen und wie sehr sie sich darüber freuten, nun bald eine eigene Familie zu haben, das merkte man an ihrem Lachen, an den Liedern, die sie anstimmten. Später konnte man sie dann nicht mehr verstehen, so hatten sie sich angestrengt, dass sie nicht einmal mehr richtig sprechen konnten.

Waren alle Eier vernichtet, wankten die Kontrolleure nach Hause. Am ersten Ostertag sah man sie nie, komisch.

Aber nun wissen wir, wie es kommt, dass in Osternestern niemals Liköreier liegen. Solltet ihr doch mal eins finden, dann lasst es schnell verschwinden. Diese Eier sind gefährlich!

 

© Regina Meier zu Verl

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Das Blaue vom Himmel

ist plötzlich wieder blau. Nicht nur wegen des schönen Wetters der letzten Tage, sondern nach der Augen-OP am letzten Mittwoch. Leider ist es bei mir nicht so ganz komplikationslos abgelaufen, d.h. die OP war okay und auch gar nicht schlimm.  Aber nach zwei Tagen suchte mich eine dicke Entzündung im Auge heim, die jetzt auskuriert werden muss.

Positiv ist aber, dass der Himmel tatsächlich wieder blau ist und der „Geputzte-Fenster-Effekt“ eingetreten ist. Schaue ich mit dem operierten Auge, dann ist das Blau strahlend schön, mit dem noch zu oerierenden hat die Welt einen Sepia-Charakter. Ich hätte nie gedacht, dass der Unterschied so gravierend ist.

Ich fasse mich kurz, da ich das Auge noch schonen muss, wollte nur kurz mal ein Lebenszeichen von mit geben. Es geht mir also soweit gut und die Entzündung wird sicher bald wieder verheilt sein. Am Montag war ich ein wenig verzweifelt, heute hat mich meine gute Laune aber wieder erreicht und ich freue mich auf alles, was kommt. (Das Diktiergerät habe ich schon vollgeplaudert. Weil ich ohne schreiben und lesen einfach nicht gut kann musste ich auf Hörbücher und das Diktiergerät zurückgreifen)

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Die Eselsbrücke

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Die Eselsbrücke              

 

„Was ist denn das? Das ist doch kein Winter!“, sagt Frau Müller kopfschüttelnd. „Wenn ich da so an meine Kindheit zurückdenke … da gab es Schnee, massenhaft. Man konnte noch Schneemänner bauen und Rodelbahnen. Ach, was hatten wir für einen Spaß!“

Die junge Kassiererin lächelt freundlich und nimmt Frau Müllers EC-Karte, steckt sie in das Gerät und dreht eben dieses der Kundin zu. „Bitte geben Sie die Geheimzahl ein!“. fordert sie die Kundin auf.

Diese überlegt, tippt dann schnell vier Zahlen ein und sieht unmittelbar die Nachricht: Falscher Pin Code. Frau Müller versucht es noch einmal, fest davon überzeugt, dass sie sich einfach nur vertippt hat. Es klappt wieder nicht. Da Frau Müller mal gehört hat, dass nach dreimaliger falscher Eingabe die Karte gesperrt wird, traut sie sich nun nicht mehr. An der Kasse hat sich mittlerweile eine Schlange gebildet.

Die Kassiererin ruft durch ihr Mikrophon: „Frau Sauerland, bitte an Kasse 2!“ Frau Müller ist blass geworden, sie überlegt fieberhaft und ihr will die Geheimzahl nun einfach nicht mehr einfallen.

Die Warteschlange wandert geschlossen zu Kasse 2, so dass die freundliche Kassiererin sich ganz auf Frau Müller konzentrieren kann. Sie kennt das, die Kundin ist nicht die Erste, der das passiert.

„Immer mit der Ruhe“, sagt sie deshalb. „Denken Sie einen Moment an etwas anderes, dann fällt Ihnen die Nummer sicher wieder ein!“

Frau Müller hört nicht zu. Sie ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt.  Trotzdem fällt ihr dieser verflixte Pin-Code nicht ein. Nervös blättert sie in ihrem Portemonnaie und zählt den Inhalt. Es reicht nicht, um den Einkauf bar zu bezahlen.

„Was mache ich denn jetzt?“ Frau Müller ist dem Weinen nahe.

„Wir packen Ihre Einkäufe einfach in den Wagen, legen den Kassenzettel dazu und ich bringe den Wagen in unser Lager. Sie gehen eine Tasse Kaffee trinken und versuchen an etwas anderes zu denken, dann wird sicher die Geheimzahl wieder da sein. Ich habe das schon öfter erlebt. Später holen wir dann ihre Einkäufe wieder zurück und sie zahlen. Machen Sie sich keine Sorgen!“

Frau Müller ist dankbar. Das klingt unkompliziert und notfalls muss sie einfach schnell nach Hause fahren, denn sie hat die Zahlen dort notiert – für alle Fälle. Zuerst aber folgt sie dem Rat der netten Angestellten und setzt sich in das kleine Café direkt im Supermarkt. Sie bestellt einen Kaffee und ein dickes Stück Schwarzwälder Kirschtorte. Den Gedanken an die Geheimzahl kann sie aber noch nicht loslassen. Erst als die sahnige Köstlichkeit auf ihrer Zunge zergeht, wandern die Gedanken zurück in die Kindheit. Sie denkt an ihre Mutter, die immer die herrlichsten Torten gebacken hat. Jedes Rezept hatte sie im Kopf gehabt. Sie war eine Meisterin im Backen gewesen. Ach ja, das war eine schöne Zeit, die Kindheit. Damals hatte es ja auch noch jede Menge Schnee gegeben.

Frau Müller lächelt und genießt. In Gedanken sieht sie die Mutter und baut mit ihr zusammen einen großen Schneemann. Auch der Vater ist da, er rollt die größte Kugel für den Unterbau, die Frauen kümmern sich um den Oberkörper und den Kopf. Als der Schneemann steht, nimmt die kleine Elisabeth ihren Schal und bindet ihn dem Schneemann um. Die Mutter holt eine Möhre aus der Küche und zwei Kohlen für die Augen. Mit Mamas rotem Lippenstift malen sie ihm einen Lachmund. Elisabeth ist so stolz. Dann beginnt der Schneemann zu sprechen: „Juli, August, Januar, Februar!“, sagt er.

Frau Müller lacht begeistert auf. Das ist es. So hat sie sich die Geheimzahl eingeprägt. Dass sie das vergessen konnte! Juli, August, Januar und Februar stehen für die Zahlen. Es ist doch ganz einfach. Schnell isst sie das letzte Stückchen Torte, trinkt noch einen kräftigen Schluck Kaffee und bezahlt. Ein großzügiges Trinkgeld gibt sie, dann eilt sie zur Kasse zurück. Strahlend!

„Sehen Sie, ich wusste es doch!“, empfängt sie die freundliche junge Dame. Sie rechnet noch schnell ab und schließt dann die Kasse. Dann holt sie Frau Müllers Einkaufswagen aus dem Supermarktlager. Mit dem Bezahlen gibt es nun auch keine Schwierigkeiten mehr. Wie gut, dass es diese Eselbrücke gab und dass sie Frau Müller rechtzeitig genug wieder eingefallen ist. Oder hat etwa der Schneemann tatsächlich gesprochen?

 

© Regina Meier zu Verl 2016

 

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Alles im Griff

Patentanten-Hochzeitsoutfit gefunden – in meinem Kleiderschrank. Das war ja einfach, hätte den Schrank vorher schonmal durchforsten sollen. Bei der Gelegenheit sind ein paar Teile rausgeflogen, die ich sicher nicht mehr anziehen werde. Prima, das hat Luft gegeben und ich bin zufrieden. (Zeige ich erst nach der Hochzeit!)

Gleich habe ich noch einen Termin im Krankenhaus, Narkosegesprüch für meine Katarakt-OP in zwei Wochen. Danach werde ich dann hoffentlich wieder den Durchblick haben, der mir momentan ab und zu fehlt. So oder so!

Es regnet mal wieder – ich bete, dass es morgen und übermorgen trocken bleibt, damit mein liebes Patenkind trocken zum Standesamt (morgen) und zur Kirche (übermorgen) kommt. (Ich habe mal vorsichtshalber meine Wimpern färben lassen, damit mir beim Weinen die Tusche nicht abregnet. Clever, nicht wahr?)

(Oh, ich habe ein so schönes Hochzeitsgeschenk – kann ich aber nicht zeigen, da das „Kind“ mitlesen könnte. Verschenken macht so viel Freude, viel mehr noch, als beschenkt zu werden!)

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Und nun?

Oh, ich kann böse gucken, wenn ich mich in ein Outfit gepresst fühle und mir das so gar nicht behagt. So gucke ich immer, schon in Kindheitstagen war das so. Seht selbst:

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Ungefähr so habe ich wohl gestern auch geguckt, als ich mein Outfit für die Hochzeit am Freitag anprobiert hatte. Mit der Taille verhielt es sich genaus so wie auf dem Foto und das hat der kleinen Regina schon nicht gefallen. Was tun? Was anderes überlegen, ich werde berichten. Fotos gibt es erst dann, wenn ich zufrieden bin. Das kann dauern!

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Erinnerungen

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„Schau, Opa, ich habe dir ein paar Muscheln vom Meer mitgebracht! So richtig kann ich mich nicht mehr an dich erinnern. Aber Mama erzählt so viel von dir und ich habe die Fotos. Ich werde dich niemals vergessen, das verspreche ich dir!“

(Meine Tochter war erst zweieinhalb, als mein Vater starb. Nun ist sie schon erwachsen. Wir reden noch oft von ihm und sie erinnert sich besonders an das Pflaster, das er an der Stirn hatte, als man ihm zwei Tage vor seinem Tod noch eine Gewebeprobe genommen hatte. Ich höre noch immer seine Stimme und manchmal stehe ich an seinem Grab und frage ihn um Rat. Ich bekomme immer eine Antwort – auf irgendeine Art und Weise.Das tröstet ein wenig.)

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Selbstbildnis

 

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Beim Durchsehen meiner alten Zeichnungen fiel mir dieses Bild in die Hände. Es ist schon ein paar Jahre alt und irgendwie komme ich ihm immer näher. Die Oma im Lehnstuhl, die Geschichten erzählt. Das passt zu mir! Andererseits kann ich das eigentlich nicht sein, denn hinter der Dame auf der Fensterbank steht ein Alpenveilchen. Warum? Na, ich kann mit Alpenveilchen nicht umgehen, jedenfalls nicht in der Wohnung. Die lassen schon nach einem Tag in meiner Obhut die Köpfe hängen. Das ist traurig und deshalb kaufe ich keine mehr.

Nun frage ich mich aber: Wer ist die „Alte“ da auf meinem Bild? Sollte ich vielleicht den Alpenveilchentest machen und gucken, ob sich etwas verändert hat? Ich weiß, ich rede wirres Zeug, liegt an meiner Verfassung heute. Bin etwas durcheinander. Keine Sorge, es ist soweit alles in Ordnung, gibt halt so Dinge, über die ich hier nicht schreiben kann!

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So bin ich

Ich bin die, die ich immer bin,

was anderes macht keinen Sinn.

Ich mag mich nicht so gern verkleiden,

als ICH mag ich mich lieber leiden.

Bin nicht Elfe im Glitzergewande,

gehör nicht zu einer Cowboybande.

Trag weder Schnurrbart noch Perücke,

mir fehlt kein Schmuck zu meinem Glücke.

Ich bin kein Miesepeter, nein,

ich kann so richtig fröhlich sein.

Ich bin die, die ich immer bin,

was anderes macht keinen Sinn!

© Regina Meier zu Verl

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Luftschlangen gehören dazu

Luftschlangen gehören dazu

Ein weiches Kissen liegt auf der Fensterbank und die Kaffeemaschine faucht und brodelt. Frau Meyer legt zwei frische Berliner auf einen Teller, dann zieht sich ihre Strickjacke an.
Gleich geht es los. Vielleicht kommen schon die ersten Kinder. Sie schenkt sich eine große Tasse Kaffee ein und öffnet das Fenster, damit sie besser sehen kann. Es ist kalt an diesem Montagmorgen, aber nicht zu kalt. Im letzten Jahr lag sogar Schnee am Rosenmontag, heute wird sie es gut aushalten können an ihrem Fensterplatz.
Sie schaut auf den Schulhof und da kommen auch schon die ersten Kinder. Es sind zwei Cowboys.
„Ach, sind die süß“, denkt Frau Meyer und erinnert sich an Jochen, der auch immer so gern Cowboy-Kostüme getragen hat.
„Was er wohl heute macht? Ob er frei hat?“ Frau Meyer weiß es nicht, denn ihr Sohn wohnt weit weg mit seiner Familie.
„Sicher hat er viel zu tun …“, denkt sie und nimmt einen großen Schluck Kaffee. Das tut gut.
Eine Indianerin betritt den Schulhof und die Cowboys begrüßen sie mit lautem Yippi Yeah Geschrei. Es ist eine der Lehrerinnen, für einen Schüler ist sie viel zu groß. Frau Meyer kann aber nicht erkennen, welche Lehrperson sich im Indianerkostüm versteckt. Dabei kennt sie das Kollegium gut. Schließlich wohnt sie seit vielen Jahren hier und es ist ihre einzige Freude, in den Pausen den Kindern zuzusehen. Da merkt man sich Gesichter und manche Lehrer winken ihr morgens freundlich zu.
Eine Mutter hat eine Prinzessin in einem rosafarbenen Kleidchen an der Hand. Das Kind trägt eine goldene Krone und geht majestätisch über den Schulhof.
Frau Meyer wischt sich eine Träne von der Wange. Sie denkt an ihre Tochter Anja. Das ist ihre Prinzessin.
„Ach, wäre das schön, wenn du jetzt hier wärst, Kind. Ich fühle mich so einsam“, seufzt die alte Dame. Dann beißt sie beherzt in den Berliner und kleckert prompt einen dicken Marmeladenklecks auf die Strickjacke. Berliner gehören einfach dazu am Rosenmontag und Luftschlangen. Wo hat sie denn nur die Luftschlangen wieder hingelegt?
Als Frau Meyer in den Schubladen kramt, schellt es an der Haustür.
„Moment, ich komme!“, ruft sie und eilt in die Diele. Dort drückt sie auf den Türöffner und vernimmt gleich darauf Kinderlachen. Kleine Füße trippeln die Treppe hoch und dann stehen zwei Schlümpfe, ein rosa Schweinchen, ein Bäcker und eine Königin vor ihr.
„Guten Morgen, Mama!“, sagt die Königin und die Schlümpfe und das Schweinchen rufen im Chor „Oma, wir wollen dich überraschen!“
Der Bäcker nimmt Frau Meyer in den Arm und führt sie in die Stube, er drückt sie in ihren Sessel und zieht ein Päckchen Luftschlangen aus seiner Schürzentasche.
„Weil doch Luftschlangen zum Rosenmontag dazu gehören“, sagt er und Frau Meyer wischt sich heimlich noch eine Träne aus den Augen.
Anja ist gekommen, mit der ganzen Familie. Ist das eine Freude.
„Ich freu mich so!“, ruft Frau Meyer und steht auf. Sie geht zum Fenster und ruft auf den Schulhof. „Bis morgen, feiert schön! Ich habe heute keine Zeit, meine Kinder sind da!“

© Regina Meier zu Verl

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