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Trennung, Gemurmel, spürbar, überflüssig, wahrnehmen

waren die Wörter, die diesmal verwendet werden mussten. Ich musste dieses Mal ein ganz klein wenig mogeln, hoffe aber, dass es kaum auffällt und euch die Geschichte trotzdem gefallen wird.

Bitte lest auch bei meinen Kolleginnen:

Martina und Lore

Herrenduft

Tosender Beifall setzte ein, als sich der Vorhang nach dem Schlussakkord senkte. Das junge Ensemble hatte sein Bestes gegeben. Der neue Dirigent war eine spürbare Bereicherung und somit die Trennung vom alten Dirigenten eine weise Entscheidung. Ein derartiges Ereignis wurde von der ganzen Dorfgemeinschaft wahrgenommen. Vermutlich waren alle Einwohner der Gemeinde anwesend. Atemlos hatten sie der Aufführung gelauscht. Jetzt brachen wahre Begeisterungsstürme los.
Der Dicke in der Reihe vor mir verausgabte sich dermaßen, dass ihm Schweiß von der Stirn perlte und sich den Weg über die geröteten Wangen suchte, um von dort aus auf seine Schultern zu tropfen. Dieser wohlbeleibte Herr musste es auch sein, der diesen penetranten Geruch von „Russisch Leder“ ausströmte. Bei mir verursachte das einen heftigen Würgereiz. Der Mann war erst nach der Pause gekommen. Die Höhepunkte der Veranstaltung hatte er bereits verpasst. Das hinderte ihn aber nicht daran, seine wurstigen Finger immer wieder zum Mund zu führen und kurze grelle Pfiffe auszustoßen. Widerlich!
„Ist der nicht eklig?“, raunte mir Anja zu. Zustimmend nickte ich und verdrehte die Augen.
„Stimmt, mir ist schon ganz schlecht!“
Anja erhob sich und zog mich am Arm.
„Komm, lass uns gehen!“
Als ich aufstand, erhoben sich wie auf Befehl auch die Leute um uns herum. Sie klatschten im Takt und riefen nach einer Zugabe. Binnen Sekunden standen alle Besucher im Saal. Unmöglich war es, jetzt hinauszugehen. Wir ergaben uns also in unser Schicksal, und ob wir es wollten oder nicht, wir klatschen im Takt der brüllenden Menge.
Einige Mädchen des örtlichen Kinderchores stellten sich vor der Bühne auf. Sie sollten den Darstellern Blumensträuße überreichen. Ungeduldig warteten sie auf ihren großen Einsatz. Nichts passierte, der Vorhang blieb geschlossen. Was war da los?
Der Beifall verebbte, für einen Moment war es still im Theater. Dann wurden unmutige Stimmen laut.
„Was soll das?“
„Die sind sich wohl zu fein, noch einmal auf die Bühne zu kommen!“
„Buh!“
Die Stimmung schlug völlig um. Waren eben noch alle wohlgemut und angetan von der Veranstaltung, schaute man nun in wütende Gesichter und arrogant verzogene Mienen. Auch in mir kroch der Ärger hoch wie eine giftige Schlange.
Der Intendant trat vor den roten Samtvorhang. Er hüstelte und formte mit den Händen einen Trichter wie ein Megafon, um sich Gehör zu verschaffen. Nur langsam kam die Menge zur Ruhe.
„Bitte, meine Damen und Herren! Bewahren Sie Ruhe, ich … ich verstehe Ihren Unmut, aber es gab leider einen Zwischenfall, der unseren Künstlern sehr zusetzt. Haben Sie bitte Verständnis, ich kann das nicht erklären, wir wissen selbst nicht …“
Betroffenes Gemurmel, fragende Gesichter. Alle setzten sich wieder und warteten. Der Dicke vor mir war blass geworden, er atmete schwer und schaute sich immer wieder nach allen Seiten um.
Anja boxte mir in die Seite.
„Sag du doch mal was!“
Was sollte ich sagen, wusste ja auch nicht, um was es ging. Ich zuckte die Achseln. Vermutlich war jemand hinter der Bühne ohnmächtig geworden oder es hatte jemand einen Herzinfarkt bekommen. Spekulationen waren überflüssig, wir würden es schon noch erfahren.
„Meine Damen und Herren, bitte verlassen Sie das Theater. Wir wünschen eine gute Nacht und einen guten Heimweg!“ Der Intendant wirkte hilflos, allein dort oben auf der Bühne. Die Besucher erhoben sich wieder von den Plätzen und strömten heftig lamentierend dem Ausgang zu. Im Foyer versammelten sich kleine Grüppchen, um das Geschehene zu diskutieren.
Ich wollte die Mäntel holen und ärgerte mich darüber, dass ich der Garderobenfrau anfangs ein so hohes Trinkgeld gegeben hatte. Jetzt war nämlich niemand da, der die Sachen aushändigen konnte und ich suchte im Gewühl der Mäntel und Jacken nach den unsrigen. So ein Gewusel, ich hatte Mühe, die richtigen Mäntel zu finden.
„Bloß weg hier!“ Ich schob Anja in Richtung Ausgang. Sie wehrte sich noch ein bisschen, hatte Angst etwas zu verpassen. „Wir werden früh genug erfahren, was hier los war. Spätesten morgen in der Zeitung werden wir was drüber lesen können.“ Anja hakte sich bei mir ein.
„Du hast Recht.“
Wir verließen das alte Gebäude, Regen platschte uns ins Gesicht. Ein Sturm war aufgezogen. Ich zog meinen Mantelkragen hoch und bedauerte, dass wir keinen Schirm bei uns hatten. Außerdem sehnte ich mich nach meinem Sofa und einem Glas Wein.
Anja wühlte in ihrer Handtasche und zauberte einen Miniknirps hervor. Überschwänglich küsste ich sie und versicherte ihr:
„Du bist die klügste und weitsichtigste Ehefrau der Welt!“ Anja strahlte wie ein kleines Kind, das soeben einen Lutscher geschenkt bekommen hatte.
Eng umschlungen trotzten wir dem Regen und gingen nach Hause. Wir stellten noch allerlei Vermutungen an, was denn nun eigentlich im Theater passiert sein könnte und wir beruhigten uns mit der vorläufigen Erklärung, dass es sicher nichts war, bei dem wir hätten helfen können.
Die Woche war schon anstrengend gewesen, der Sonntagabend war eigentlich zur Entspannung gedacht. Mich hielt aber das Ereignis noch lange wach und ich konnte keinen Schlaf finden.

Am nächsten Morgen

Ich hatte bereits Kaffee gekocht, als Anja verschlafen in die Küche schaute.
„Mensch, bin ich gerädert. Da denkt man, es wird ein schöner Konzertabend und dann so was. Ich habe kein Auge zugetan!“
„Dafür, dass du nicht geschlafen hast, hast du aber ziemlich heftig geschnarcht, meine Liebe!“, frotzelte ich.
„Ich werde mal das Radio anschalten, vielleicht muntert mich ja die Musik ein wenig auf.“ Anja tat, als habe sie nicht gehört, was ich gesagt hatte. Sie suchte den Lokalsender.
„Sicher kommen gleich die Nachrichten, vielleicht erfahren wir ja, was gestern los war.“
Mit dem Zeitzeichen der vollen Stunde vernahmen wir die Stimme des Nachrichtensprechers.
Im Theater von Isinghausen machte man gestern nach der Aufführung der Oper Carmen eine grausige Entdeckung. Eine der Garderobenfrauen wurde ermordet in einer Abstellkammer aufgefunden. Ihre Kolleginnen hatten sie erst kurz vor Ende der Oper vermisst. Vom Täter fehlt bisher jede Spur. Da man versäumte, die Theaterbesucher festzuhalten, werden diese gebeten, sich heute in der Zeit zwischen 10.00 und 11.00 Uhr im Theater einzufinden. In der Kammer, in der man die Getötete fand, habe es auffällig nach dem Herrenduft „Russisch Leder“ gerochen …

© Regina Meier zu Verl

 

Photo by Monica Silvestre on Pexels.com

Seit Weihnachten war ich nicht hier, mit dem letzten Tag des Adventskalenders hier im Blog. Jetzt wird es aber langsam Zeit, hier mal durchzuwischen und ein wenig frischen Wind ins Bloghaus zu bringen. Nebenan im Geschichtenblog gab es keine so große Pause. Ich bin also nicht „faul“, plane gerade mehrere Dinge, die mich geschichtenmäßig weiterbringen.

Hier gibt es ja ohnehin nur noch Dinge aus meinem Leben und vorläufig noch die Reizwortgeschichten, die dann aber später auch ins Geschichtenblog wandern.

Mit meinen Drabbles habe ich weitergemacht, weil es mir sehr gut gefallen hat, diese kleinen, in sich geschlossenen Episoden zu schreiben. Meine Geschwister hatten auch Spaß daran, weil ich die beiden ja häufig zum Mittelpunkt gemacht habe. Also: auch dort geht es weiter.

Ich wünsche euch allen ein frohes neues Jahr und danke für eure Treue im letzten Jahr!

Geschichtenblog

1. Dezember 2020
In meinem diesjährigen Adventskalender geht es um Wörter. Die präsentiere ich euch fast täglich und ich freue mich über jeden Besucher und Leser. Es wird sich daran auch wohl nichts ändern, denn das bin ich, eine Quasselstrippe. Hier möchte ich euch in 24 Episoden ein wenig von mir erzählen und zwar immer genau 100 Wörter am Tag. Das sind dann so genannte Drabbles, kleine Kurzgeschichten mit genau 100 Wörtern, die eine in sich geschlossene Geschichte erzählen und eine Pointe haben. Ob meine Lebensdrabbles eine Pointe haben werden, das kann ich noch nicht versprechen, aber ich werde mich bemühen. Viel Spaß! (100 Wörter)

2. Dezember 2020

Ein Nachbar hatte für Schwesterchen Elke und mich ein „Eheschlafzimmer“ gebaut, weiß lackiert. Ehebett, Kleiderschrank, Frisierkommode und zwei Nachschränkchen gehörten dazu. Mein Bruder hatte ein eigenes Zimmer, wollte aber nicht da schlafen, sondern bei uns in der Mitte. Wir wehrten uns gern dagegen, aber Uwe gewann meist und lag dann selig in der Besucherritze. „Gina, erzählst du uns eine Geschichte?“, bat er, und ich erzählte. Immer aus dem Kopf und immer lustig. Wir lachten und kicherten um die Wette, bis unsere Mutter Einhalt gebot und wir leise weitermachten. So kommt es, dass ich schon mein ganzes Leben lang Geschichten erzähle. (100 Wörter)

Mein Rotkehlchen

3. Dezember 2020

Mein Vater machte an den Wochenenden Tanzmusik. Damit besserte er das Familieneinkommen auf. Es hieß aber für uns, dass wir am Samstag und am Sonntag leise spielen mussten, weil Papa den versäumten Schlaf nachholen musste. Früher gingen Hochzeiten noch über den ganzen Tag, dann spielte meine Mutter nachmittags ein paar Stunden Klavier zur Unterhaltung und am Abend kam dann Papa mit seiner „Kapelle“ zur Ablösung. Waren sie mal beide unterwegs, passte Tante Strothmann auf uns auf. Sie war für uns Kinder wie eine dritte Oma. Die beiden anderen Omas wohnten in Bielefeld und konnten nicht mal eben auf uns achten.

Schlagzeugsolo

4. Dezember 2020
An einem Weihnachtstag kamen immer die Großeltern zu Besuch. Meine Mutter war tagelang aktiv, legte Sauerbraten und Heringe ein. Sie verteidigte die mühsam gebackenen Weihnachtsplätzchen vor uns, damit Omas und Opas die Fülle des süßen Gebäcks bewundern konnten. Nach dem Mittagessen machte Opa Erwin den obersten Hosenknopf auf und legte sich für ein Mittagsschläfchen auf die Eckbank in der Küche. Opa Wilhelm ging mit uns nach draußen, oft hatte es geschneit damals zu Weihnachten. Die Frauen spülten und brachten die Küche wieder auf Vordermann, für den Nachmittagskaffee mit Stollen. Opa Erwin machte den Hosenknopf wieder zu und trank ein Schnäppschen.
100 Wörter

5. Dezember 2020

Onkel Siegfried war einmal Bäcker gewesen, in Bethel. Dort hatte er die leckersten Stollen der Welt gebacken. Den Beruf des Bäckers hatte er zwar aufgegeben, wegen des frühen Aufstehens, denke ich. Aber Stollen hat er weiter gebacken, jedes Jahr viele davon und einen bekamen immer wir. Ich habe nie wieder einen solch köstlichen Stollen gekostet. Als Marzipanliebhaberin kam ich auf meine Kosten. noch heute habe ich den knirschenden Zucker, der außen rum war, auf der Zunge. Mein Onkel backt keinen Stollen mehr, gerade geht es ihm ganz schlecht und heute Abend wird in meinem Fenster ein Licht für ihn brennen.

100 Wörter

6. Dezember 2020

Wie groß war meine Angst vorm Nikolaus. Der kam in echt und er brachte den Knecht Ruprecht mit. Der hatte einen Sack auf dem Rücken, aus dem ein Paar Kinderbeine herausschauten. Beine mit schwarzen Strümpfen und Lederschuhen baumelten bei jeder Bewegung. Und der schwarze Knecht schwang die Rute und schaute grimmig drein. Das war grausam, ich kann die Angst noch immer spüren, die ich hatte. Mama machte dem ein Ende, indem sie mich aufklärte und mir erzählte, wer im Nikolauskostüm stecke, und dass es natürlich nicht „echt“ sei und ich keine Angst haben müsse. Ich fand’s doof, so oder so.

7. Dezember 2020

In der Schule probten wir ein Theaterstück „Mareili im Märchenwald“. Ich wurde Dornröschen. Wie jedes Mädchen freute ich mich, eine Prinzessin sein zu dürfen. Meine Mutter gestaltete mein Kostüm, das aus einem rosa Nachthemd bestand, auf das rote Rosen aus Krepp-Papier aufgenäht waren. Rote Schuhe und eine Krone aus Pappe rundeten das Bild ab. Was gäbe ich für ein Foto aus dieser Zeit, gibt es aber leider nicht. Es war 1962, da fotografiert man nicht wild in der Gegend rum, sondern musste jedes Foto gut bedenken. Die Schuhe waren zu groß, man behalf sich mit Toilettenpapier, das vorn reingestopft wurde.

100 Wörter

8. Dezember 2020

Im Krippenspiel spielte ich die Maria. Das habe ich sogar drei Mal gemacht, einmal mit neun, später dann zwei Mal als Erwachsene in der Waldorfschule in niederdeutscher Sprache. Eine ganz neue Erfahrung war das. Als Kind saß ich mit meinem Josef hinter der Krippe und sollte eine Kerze anzünden, wenn Richard anfing zu singen: Ich steh an deiner Krippen hier. Tagelang habe ich geübt, ein Streichholz anzuzünden. Bei der Aufführung hatte ich nur Augen und Ohren für Richard, der wunderbar singen konnte. Das mit dem Zündholz klappte nicht. Richard, ich schicke dir einen Gruß in den Himmel, du bist unvergessen.

100 Wörter

9. Dezember 2020

Das Haustier unserer Kindheit war „Hansi“, ein Kanarienvogel. Er passte gut zu uns, denn es wurde bei uns zu Hause immer gesungen und musiziert. Hansi war dann voll in seinem Element. Er gab sein Bestes, um uns zu übertönen. Manchmal reichte es auch, einfach den Wasserhahn aufzudrehen, damit er vom Plätschern animiert wurde. Er nahm dort auch gern mal eine Dusche, war überhaupt sehr zutraulich und gar nicht menschenscheu. Er pickte auch gern am Butterbrot mit Leberwurst, das wir alle gern zum Abendbrot aßen. Hier füge ich ein Stilleben unseres Abendbrottisches ein. Von links nach rechts, Mama, Ich, Elke, Uwe.

100 Wörter

altes Dia, ca. 1964

10. Dezember 2020

„Gina, sing mal!“, sagte meine Mutter und ich sang: „Kommet ihr Hirschen, ihr Männer und Frau’n“. Davon gibt es eine Tonbandaufnahme. Ich habe immer gesungen und das war wohl der Anfang, damals muss ich vier gewesen sein. Etwas später dann kam der erste Auftritt bei einer Weihnachtsfeier auf der Donnerburg in Bielefeld. Dazu gibt es hier eine kleine Erinnerungsgeschichte. Das Lied vom kleinen Apfel habe ich seitdem sicher hunderte von Malen gesungen, zuerst als Kind, dann mit Kindern, heute mit den Enkelkindern. So war das! Ich habe zwanzig Jahre in der Folkband Quietschfidel gespielt. Das fehlt mir manchmal, sehr sogar.

100 Wörter

Die Enten laufen Schlittschuh

11. Dezember 2020

Im Stadttheater in Bielefeld sahen meine Oma, Cousine Petra und ich das Weihnachtsmärchen, das dort in jedem Jahr aufgeführt wurde. Ich kann mich gut erinnern, wie aufgeregt ich war. Mein erster Theaterbesuch. Ich war so begeistert, dass ich an einer Stelle, die nicht für Applaus vorgesehen war, klatschte und sehe noch Oma vor mir, die den Finger auf die Lippen legte, damit ich damit aufhörte. Ich habe mich dann so geschämt, dass ich den Rest der Vorstellung nicht mehr richtig genießen konnte, weil ich mich darauf konzentrieren musste, wann ich wieder klatschen durfte. Der Applaus ist das Brot des Künstlers!

100 Wörter

Meine Geschwister, Uwe, Elke und ich

12. Dezember 2020

Wir sind eine musikalische Familie. Beide Eltern spielten Klavier, es lag nahe, dass ich Klavierunterricht bekommen sollte. Mit Mama klappte das nicht gut, mit Papa aber auch nicht, weil der einfach zu wenig Zeit hatte. Also beschloss die kleine Regina, ein anderes Instrument zu erlernen, eines, das die Eltern nicht konnten und somit auch nicht dazwischen reden würden. Eine Geige musste her. Die fand sich auf dem Dachboden eines guten Freundes meiner Eltern und wurde für mich restauriert. Mein Bruder wollte auch, deshalb teilten wir uns das Instrument eine Weile. Darauf komme ich noch zurück, 100 Wörter reichen hier nicht!

100 Wörter

13. Dezember 2020

Wir wohnten in einer Werkswohnung. Diese war sehr geräumig und es gab einen großen Balkon. Unsere Küchentür, sowie das Wohnzimmerfenster der Nachbarn führten auf den Balkon. Und: das Fenster der gemeinsamen und zunächst einzigen Toilette. Nun waren wir fünf Personen, die Nachbarn vier Leute. Und wenn alle mal aufs Klo mussten, dann konnte man sich keine langen Sitzungen erlauben. Die Klobrille wurde praktisch nicht kalt. Ich erinnere mich, dass ich einmal im Toilettenraum war, die Tür abschloss und dann aus dem Fenster auf den Balkon stieg und verschwand. Die Schlange vorm Klo löste sich erst, als jemand meine „Schandtat“ bemerkte.

100 Wörter

Hier wurde gespült, aber auch Körperpflege gemacht, wie man sieht

14. Dezember 2020

Da wir etwas außerhalb der Ortschaft wohnten, kam werktags ein Verkaufswagen in unsere Straße. Das war der Milchtönne, so nannte man ihn jedenfalls. Eigentlich hieß er Anton Niehüser. Er hatte neben den Molkereiprodukten aber auch andere Dinge des täglichen Bedarfs dabei, wie Zahnpasta und Klopapier. Bei uns besonders beliebt waren die Zuckerplätzchen, Mürbeteiggebäck mit Hagelzucker, was ganz vorzüglich zu einem Glas frischer Milch schmeckte. Die Milch wurde noch in eine Blechdüppe gefüllt, erst später gab es Milchtüten. Wenn unsere Eltern mal nicht da waren, kauften wir Zuckerplätzchen und Milch und ließen anschreiben. Mama und Papa fanden das später nicht so lustig.

100 Wörter

15. Dezember 2020

Ich hatte ehrlich gedacht, ich mache meiner Mutter eine Freude, wenn ich die hässlichen Luftwurzeln der großen Philodendron Pflanze abknibbele. Ich fand jedenfalls, dass sie so viel schöner aussah. Mama fand das nicht, sie liebte ihr Philodendron. Auch der Pflanze gefiel es nicht, sie reagierte nach ein paar Tagen mit gelben Blättern, die Pflanze. Mama war direkt beleidigt, auch, weil das nicht die einzige wohlgemeinte Hilfe war an diesem Tag. Elke und ich hatten feinsäuberlich die Teppichfransen im Wohnzimmer teils geflochten, teils verknotet. Mann, war das eine Arbeit gewesen und dann dieser Undank! Ich mag heute weder Teppichfransen noch Philodendren.

100 Wörter

16. Dezember 2020

In der Straße, in der wir wohnten, gab es ein Lebensmittelgeschäft und eine Gaststätte. Beides im gleichen Haus, links Lebensmittel, rechts der Gastraum. Die Kneipe hieß „Zum sanften Heinrich“, ich kann mich noch an den Geruch von Bohnerwachs und Zigarrenrauch erinnern. Auf der Theke standen zwei riesige Tontöpfe, im einen waren Heringe, im anderen saure Gurken. Auch ein Teller mit Frikadellen stand dort. Für uns Kinder waren am spannendsten die Automaten mit Erdnüssen, gesalzen oder rot kandiert. Für 10 Pfennig eine Viertelstunde Glück. Oft gab’s das nicht. Meine Eltern teilten sich lieber eine Flasche Bier zu Hause, das war billiger.

100 Wörter

17. Dezember 2020

Fast täglich spielte ich mit meiner Freundin Anneliese. Bei schlechtem Wetter durften wir auf der Ladefläche des kleinen LKW ihres Vaters spielen. Er lud uns extra Sand auf, da konnten wir nach Herzenslust Sandkuchen backen, oder Straßen für Autos bauen. Bei gutem Wetter machten wir Spaziergänge bis zum nahe gelegenen Wald und zur Sandkuhle. Dort trafen wir auch andere Kinder und alle zusammen bauten wir Buden im Wald oder kletterten auf Bäume. Jeder hatte einen eigenen Baum, ich den kleinsten, weil ich Angsthase nicht gut klettern konnte. Heute ist die Eiche so groß, da käme ich wohl nicht mehr rauf.

100 Wörter

18. Dezember 2020

„Braves Hündchen!“, soll ich gesagt haben, als ich mich, ungefähr vierjährig, in die Hütte des angeketteten, sehr gefährlichen Schäferhundes begeben hatte, um ihn mit meiner Liebe zu überschütten. Der Hund gehörte zu der Gaststätte. Ich selbst kann mich daran nicht mehr erinnern, aber Mama erzählte, dass ihr fast das Herz stehen geblieben ist, denn alle hatten furchtbare Angst vor dem Hund. Mit leisen Worten versuchte man mich dann aus der Hütte zu locken, was erst nach langem Hin und Her gelang. Mit hat’s da wohl gefallen. Angst vor fremden Hunden habe ich erst später entwickelt, hält sich aber in Grenzen.

100 Wörter

19. Dezember 2020

Unser Vater kam in der Frühstückspause und Mittagspause nach Hause. Es war ja nicht weit, einmal über den Hof und dann die Treppe rauf. Wenn wir Ferien hatten, fanden wir das besonders toll, denn er brachte für uns drei Kinder jeweils eine Halbliterflasche Kakao mit. Lecker! Mittags füllte meine Mutter sein Essen um Punkt 12.30 Uhr auf den Teller, damit es passend von der Temperatur war, wenn er fünf Minuten später erschien. Meine Mutter kochte wirklich sehr leckeres Essen, außer Bratkartoffeln, die konnte ich nicht essen, weil fetter Speck dran war, da knödelt‘s mir heute noch den Hals zu. Igitt!

100 Wörter

20. Dezember 2020

Im Lebensmittelgeschäft von Tante Käthe wurde die Ware nicht per LKW angeliefert. Es war ja nur eine kleine Verkaufsfläche. Anlieferung erfolgte über PKW oder auch Bullis. Ein Bulli der Firma Vox Kaffee parkte vor dem Laden, als meine Freundin Anneliese und ich auf dem Weg davor mit Rädern unterwegs waren, Anne fuhr, ich schob das Rad. Der Bulli war braun und ziemlich schmutzig, so dass die Beschriftung kaum zu erkennen war. Fand ich nicht gut und schrieb deshalb groß „Putzfrau gesucht“ auf die Rückseite. Der Fahrer kam raus, drohte mit der Polizei – nie zuvor bin ich so gerannt vor Angst.

100 Wörter

21. Dezember 2020

Am Heiligabend fuhr Papa mit uns nach Bielefeld zu Oma und Opa. Mama blieb zu Hause und bereitete den Abend vor, kümmerte sich um das Festmenü der nächsten Tage, wischt nochmal durch, bügelte das Lametta (Scherz) damit es schön ordentlich am Baum hing. Das sah tatsächlich so aus, alles schön ordentlich. Natürlich gab es echte Kerzen am Baum, die dann jeden Tag des Festes für eine halbe Stunde angezündet wurden und mit Argusaugen bewacht wurden. Da die Großeltern uns ordentlich mit Süßigkeiten gefüttert hatten, hielt sich unser Hunger in Grenzen, wenn wir nach Hause kamen. Aber etwas Kartoffelsalat ging immer.

100 Wörter

Ein Geschenk

22. Dezember 2020

Süßigkeiten spielten für mich eine große Rolle. Bei den Großeltern bekamen wir am Heiligabend eine riesige Tüte mit all den Leckereien, die unser Herz erfreuten. Jeder von uns! Wir fühlten uns wie im Schlaraffenland. Auch zu Hause unter dem Weihnachtsbaum, standen drei bunte Teller für uns mit Schokolade, Nüssen, Plätzchen und Mandarinen. Am tollsten fand ich das recht groß ausfallende Marzipanstück, mal war es ein Marzipanapfel, auch mal eine Banane oder ein niedliches rosa Schweinchen. Eigentlich zu schade zum Essen, aber lecker, saulecker sozusagen. Schokozigaretten rauchend lag ich später auf dem Fußboden und las glücklich in meinen neuen Büchern, herrlich!

100 Wörter

23. Dezember 2020

Jedes Mädchen träumt den Traum von langen Haaren. Ich auch, besonders, weil meine Mutter meinte, meine Haare seien zu dünn, zu verwirbelt. Ein wenig stimmte das, trotzdem trage ich meine Haare heute eher lang als kurz und fühle mich damit sehr wohl. Heute gibt es sogar, ich benutze sie nicht, Extensions. Damals gab es stattdessen Pelzmützen mit langen Bindebändern dran, wenn man die nicht zuband, sondern offen hängen ließ, dann sah das aus, als habe man lange Haare. Himmel, waren wir schick! Alternativ nutzten wir Strickröcke, die man auf dem Kopf tragen konnte, die „Ersatzhaare“ gingen dann bis zum Po.

100 Wörter

24. Dezember 2020

„Hey“, rief das 24. Drabble verärgert, „hast du mich vergessen? Auch, wenn ich das letzte bin in dieser Reihe, habe ich das nicht verdient!“ Natürlich hatte es das nicht verdient und vergessen hatte ich es nicht. Aber ich tu mich schwer, etwas zu beenden oder etwas gehen zu lassen, eine Schwäche von mir. Deshalb besitze ich auch tausendeinhundertfünfunddrölfzig Bücher und fünfhundertsechsundelfzig CD. Demnächst werde ich hundertundwasweißich Drabbles haben, alle werden über mein Leben erzählen und was die, die nach mir kommen, damit machen – was kümmert’s mich? Ich schreibe weiter; und CD und Bücher miste ich mal aus. Versprochen! Frohe Weihnachten!

100 Wörter

Wald – Schneesturm – erfrieren – glitzern – wunderschön
Das waren die Wörter, die in diesem Monat zu verarbeiten waren. Mir ist nur eine kleine Geschichte dazu eingefallen, lest bitte auch bei meinen Kolleginnen:
Martina und Lore

Weihnachten mal anders

Erfrieren müssen wir jedenfalls nicht!“, sagte Papa und zeigte grinsend auf die bunten Socken, Schals und Mützen, die Oma für uns gestrickt hatte. Ein riesiges Paket war kurz vor Weihnachten bei uns angekommen und für jeden in der Familie war eine von Omas Strickgarnituren, liebevoll verpackt, zum Vorschein gekommen. Die Socken, Schals und Mützen für die Mädels glitzerten sogar und auch die Farben waren wunderschön.
Für uns Männer hatte sie die Farben ihrer jeweiligen Fußballclubfavoriten gewählt, was natürlich auch sehr gut ankam. Jeder von uns verehrte einen anderen Fußballclub, so gab es auch kein Problem mit dem Verwechseln.
„Wie sie das immer schafft, unglaublich“, meinte Mama, die wusste, wie viel Arbeit so ein Paar Stricksocken macht und wir waren immerhin drei Mädels und drei Jungs, die Eltern eingerechnet.
„Vermutlich fängt sie bereits im Sommer damit an!“, sagte Mia, die älteste von uns Kindern. „Na ja, und in diesem Jahr hatte sie ja viel mehr Zeit als sonst:“
„Warum das denn?“, wollte Benni, unser Küken, wissen.
„Wegen Corona!“, antworteten die Zwillinge Merle und Mona wie aus der Pistole geschossen. Alle lachten, irgendwie war die Antwort auf viele Fragen eben „Wegen Corona“. Warum gehen wir nicht ins Weihnachtsmärchen? – Wegen Corona – Warum machen wir keine Silvesterparty? – Wegen Corona – Warum fahren wir zu Weihnachten nicht zu Oma und Opa? Wegen … na, ihr wisst schon.
Wir Kinder hatten sogar befürchtet, dass Weihnachten ausfallen könnte, aber das war nicht der Fall, im Gegenteil. Wir hatten spannende Weihnachten vor uns, das kam so:
Papa meinte, dass wir doch einmal ein ganz anderes Weihnachtsfest feiern sollten, eines, das er immer schon ausprobieren wollte, ein Weihnachtsfest im Wald. Darunter konnten wir uns nun gar nichts vorstellen und Mamas Gesicht nach zu urteilen, war es auch nichts Tolles. Sie jammerte dann auch sofort los, was uns Kinder aber dazu anreizte, uns auf Papas Seite zu stellen.
„Lass Papa doch erst einmal erzählen!“, bat Mia gespannt. „Also, Papa, leg los!“
„Also, ich stelle mir das so vor: wir gehen am Heiligabend zeitig in den Wald, nehmen Punsch mit und Kekse, sowie Kerzen und Baumschmuck mit. Dann suchen wir uns eine schöne Tanne, schmücken sie mit Äpfeln, Strohsternen und Lichtern und dann singen wir Weihnachtslieder und trinken heißen Punsch, naschen von den Keksen und erzählen uns Geschichten. Am schönsten wäre es, wenn es schneite, aber das Wetter können wir uns ja nicht selbst machen. Das müssen wir nehmen wie es kommt!“
Wir Kinder fanden die Idee super und Mama ließ sich ebenfalls überreden.
„Wenn es keinen Schneesturm gibt, dann bin ich dabei!“, versprach sie. „Aber ich habe eine Bedingung!“
„Welche?“, fragte Papa.
„Wir drehen ein Video für die Großeltern, damit sie auch ein wenig dabei sein können!“, bat Mama und das werden wir natürlich machen, ist doch Ehrensache und geht trotz Corona!

© Regina Meier zu Verl


Photo by Karolina Grabowska on Pexels.com

Freitagabend

Schon wieder Freitag, die Wochen rasen. Stimmt eigentlich nicht, aber es kommt mir so vor. Mit Weihnachten hat das eher nichts zu tun, denn es geht mir seit Monaten schon so, dass die Zeit an mir vorbeifliegt. Auch das stimmt nicht, denn ich war wirklich sehr fleißig in den letzten Monaten, habe viel geschafft und bin manchmal sogar ein wenig zufrieden mit mir.

Das Geschichtenbloghaus wird nun auch schon mehr besucht, das hatte ich mir ja gewünscht. So nach und nach werden die Geschichten von hier auch umziehen und mein Klatschmohnrotblog wird eher ein digitales Tagebuch, oder ein Platz zum Plaudern über dies und das werden. Übergangsweise kündige ich mal mit an, was sich im anderen Blog gerade so tut.

Mei Hauptaugenmerk liegt gerade auf dem Vertonen von Texten, habt ihr sicher schon gemerkt, nicht wahr? Es macht mir eine unbändige Freude und Übung macht ja bekanntlich den Meister. Also übe ich weiter und stelle euch die Ergebnisse auch immer mal wieder vor.

Ich wünsche euch einen schönen Beginn des Advents am Sonntag!
Im Geschichtenblog ist heute die Geschichte vom Weihnachtsnachthemd eingezogen, diese Geschichte werde ich heute Abend noch vertonen, wenn es hier etwas ruhiger geworden ist.

Irgendwie fühlte ich mich heute beobachtet, als ich so durch die Weihnachtsabteilung eines kleinen Kaufhauses ging. Überall glitzerte es und hunderte Augenpaare waren auf mich gerichtet, Engel, Weihnachtsmänner, Märchenfiguren … und ja, ein paar Menschen waren auch da. Deshalb bin ich dann auch schnell wieder gegangen, nachdem ich gefunden hatte, was ich suchte.

Drüben in meinem Geschichtenblog ist es schon weihnachtlich. Hier bei mir zu Hause aber noch nicht, da warte ich immer gern den Totensonntag ab, bevor ich dekoriere. 

Wärmflasche – Stillstand – versorgen – weinrot – schräg

Das waren die Wörter, die heute in unsere Geschichten eingebaut werden sollten.

Lest bitte auch bei meinen Kolleginnen:

Martina und Lore

Zu früh für den Hundehimmel

Es hatte sich angefühlt, als ob jemand die Welt zum Stillstand gebracht hätte. Er hatte das Licht ausgeschaltet und eine große Käseglocke über meine kleine Hundewelt gestülpt, die jedes Geräusch fernhielt und jedes Eindringen verhinderte.

Die Geschichte ist umgezogen in mein Geschichtenblog, siehe hier KLICK

Ankündigung

In meinem Geschichtenblog geht es ab heute los mit adventlichen und weihnachtlichen Geschichten und Gedichten, da ich so viele neue geschrieben habe, die dann im Dezember zum Vorschein kommen werden und aktuell schon viel nach „Weihnachten“ gesucht wird.

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr drüben mal reinschaut und mir auch dort evtl. folgt (einige tun das schon, vielen Dank!)

Hier gehts lang … KLICK

Der Weihnachtskaktus blüht ja auch schon, warum also keine Weihnachtsgeschichten jetzt?

Danke vielmals für Eure netten Kommentare, Likes und den Zuspruch, den ich hier erfahren durfte.
Leider hat sich die Situation nur insofern verändert, als dass ich mich an den Gedanken gewöhne, der höchstwahrscheinlich unabänderlich ist. Irgendwann kann ich vielleicht drüber schreiben, momentan geht das noch nicht.
Also stürze ich mich in Arbeit, versuche einmal täglich einen langen Spaziergang zu machen und lese am Abend so lange, bis mir die Augen zufallen. Es kann dann trotzdem noch sein, dass ich nachts grüble, aber in der letzten Nacht habe ich tatsächlich einmal wieder richtig „durchgeschlafen“.

Was mir gerade gut hilft, ist das Aufnehmen von Geschichten, dabei vergesse ich alles um mich herum und da ich sehe, dass es in unserem Herbstblog super angenommen wird (die Klickzahlen sprechen für sich), ist das sehr ermutigend! Also, weiter geht es.

Euch allen noch einmal vielen Dank für Euren Zuspruch, die Besuche und für jedes Like, es tröstet wirklich sehr!

Photo by Ann H on Pexels.com

Er begann eigentlich gut, dieser Mittwoch. Ich fühlte mich ausgeruht und ausgeschlafen, mit tat nichts weh, als ich aufstand heute morgen, was ja auch immer was wert ist. Ich hatte Pläne, was heute so erledigt werden sollte/musste und ich freute mich auf Textarbeit, an Texten, die fast fertig sind und in der Vorweihnachtszeit veröffentlicht werden sollen.
Das Wetter, hier regnet es, ist gerade gut für solche Unternehmungen. Es ist warm in meinem Zimmer, schön hell und ich habe mir einen leckeren Tee gekocht, als ein Gespräch auf mich zukommt, dass den Tag von einer Minute zur anderen zu einem schrecklichen Tag macht!
Und nun sitze ich hier und heule und kann noch nicht einmal erzählen, worum es geht … denn, wenn ich es ausspreche, dann wird es vielleicht noch wahrer und so bleibt mir ein Fünkchen Hoffnung, dass sich alles wieder richten wird. Irgendwie!

P.S. Ich bin nicht krank, auch niemand in meiner Familie! Also sorgt euch nicht, ich kann nur nicht drüber reden! Es musste aber raus!