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Posts Tagged ‘Wichtelgeschichte’

 

Hier geht es los             Fortsetzung 1      Fortsetzung 2

3.

Abends hatten wir echt schon eine Menge geschafft. Hungrig und erschöpft saßen wir in der Küche, dem einzigen Raum, in dem noch fast alles an seinem Platz stand. Mama hatte uns ein leckeres Abendbrot gezaubert aus den Resten von Raclette am Silvesterabend. Wir aßen schweigend, irgendwie war jeder von uns mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt.
Ich war gespannt, was es mit der Wahl des Zimmers auf sich hatte, konnte aber mit niemandem darüber reden. Papa dachte wohl darüber nach, was er nach dem Essen noch erledigen konnte und Mama stand die Panik im Gesicht.
„Die Küche muss dann morgen nach dem Frühstück ausgeräumt werden. Das wird noch viel Arbeit. Was für ein Glück, dass wir die Küchenmöbel nicht mitnehmen müssen. Die bleiben für den Nachmieter stehen!“, sagte sie und seufzte.
„Dann haben wir ja gar keine Küche mehr!“, jammerte Jule und brach in Tränen aus. „Was sollen wir denn dann essen? Müssen wir verhungern?“, fragte sie.
„Aber nein, Kind. Das müssen wir nicht. Oma hat doch eine schöne große Küche, die dürfen wir erstmal mitnutzen. Später bekommen wir dann eine eigene Küche. Das Haus hat ja viele Zimmer, da werden wir uns ganz schön einrichten und du bekommst sogar ein eigenes Zimmer für dich ganz allein!“, versprach Mama.
„Ihr werdet sehen wie toll es bei Oma ist!“, schwärmte Papa. Der musste es ja wissen, denn er war dort aufgewachsen. „Am schönsten ist es im Frühling und Sommer, denn der Garten ist ein Paradies. Es gibt dort noch Elfen, ich habe selbst mal eine gesehen!“, behauptete er. Jule machte große Augen, Elfen fand sie toll. Gerade hatte sie noch zu Weihnachten zwei neue Elfen für ihre Sammlung bekommen. Ich stand nicht so auf Märchen und hatte mir lieber einen Scooter gewünscht. Das ist so ein Roller, mit dem man Kunststücke machen kann, ihr wisst schon. Ich habe auch einen bekommen, dazu einen Sturzhelm und Knieschoner sowie Handschuhe, albern, aber wohl nicht zu ändern. Meine Eltern meinten, dass ich den Scooter nur benutzen darf, wenn ich dieses ganze Gedöns anziehe. Was bleibt mir übrig, vielleicht haben sie sogar recht.
„Und jetzt ab ins Bett!“, ordnete Mama an.
Der erste Tag des neuen Jahres war schon wieder vorbei und morgen, an Tag Zwei, würde ich mit Papa zu Oma fahren und hoffentlich endlich erfahren, was in „meinem“ Zimmer so besonders war.

Fortsetzung folgt
© Regina Meier zu Verl

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Anfang

Fortsetzung 1

 

Am Neujahrstag hätte ich gern länger geschlafen, doch Jule war schon früh putzmunter. Kein Wunder, denn am Silvesterabend war sie schon zeitig eingeschlafen und Papa hatte sie ins Bett getragen. Ganz ehrlich: am liebsten habe ich meine Schwester ja wenn sie schläft!
Trotzdem haben wir dann gemeinsam Frühstück für unsere Eltern vorbereitet, das hat Spaß gemacht und die beiden haben sich gefreut, glaube ich. Mama guckte zwar nicht so glücklich, das kann aber daran gelegen haben, dass sie einfach noch zu müde war.
„Ich gehe nun erstmal duschen!“, verkündete Papa gut gelaunt. „Anschließend machen wir eine Familienkonferenz!“
Oh je, ich mochte diese Familienkonferenzen so gar nicht leiden. Warum? Na, weil da immer Aufgaben verteilt wurden, es roch nach Arbeit, und diesen Geruch mochte ich noch nie.
Genauso kam es dann auch. Die Umzugspläne waren das Thema und es wurden Aufgaben verteilt, wusste ich es doch.
Jule und ich sollten zuallererst mal unser Spielzeug in Kisten packen, fein säuberlich und platzsparend.
„Ich zeige euch, wie man das macht!“, versprach Papa. Er selbst und Mama würden im Wohnzimmer anfangen und das Geschirr sorgsam einpacken.
„Am 3. Januar kommt der Umzugswagen, pünktlich um Acht. Dann werden alle Kästen und Kisten eingeräumt und die Möbel. Ich selbst fahre morgen Abend schon zu Oma und bereite dort alles vor“, sagte Papa.
„Ich könnte doch schon mitfahren!“, schlug ich vor und dachte dabei an das Versprechen, das ich Oma gegeben hatte. Ich wollte auf jeden Fall sicherstellen, dass ich in das Zimmer mit der blauen Tür einziehen konnte. Mama und Jule könnten ja dann mit Mamas Auto nachkommen, wenn die Umzugsleute alles verstaut hätten.
„Gute Idee!“, meinte Mama, die etwas nervös war und sicherlich erleichtert war, wenn sie ein Kind weniger hatte, um das sie sich kümmern musste. Jule war ja schon anstrengend genug.
Das hatten wir also zu meiner Zufriedenheit geregelt, jetzt ging es ans Einpacken. Puh, das war anstrengend …

Fortsetzung folgt
© Regina Meier zu Verl

 

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Teil 1 – Der Anfang (Klick)

Fortsetzung 1

Der Abend war dann doch noch sehr schön. Um Mitternacht gingen wir auf den Balkon und schauten uns das Feuerwerk an. Wir selbst hatten keine Feuerwerkskörper gekauft. Mama hatte uns erklärt, dass sie davon gar nichts halte.
„Da wird viel Geld in die Luft geschossen, das ist nicht gut für unsere Umwelt und schon gar nicht für die Tiere, die fürchten sich nämlich sehr!“
So eine winzige Rakete hätte ich schon gern abgeschossen, oder auch zwei oder drei. Aber, wie ich schon sagte: Wenn Erwachsene was beschließen, dann haben wir Kinder keine Chance, immerhin gab es ein paar Wunderkerzen, das war auch schön und in unserer Siedlung wurde genügend geballert, da hatten wir dann alle was davon.
Nach dem Feuerwerk riefen wir dann Omi an, die schon auf unseren Anruf gewartet hatte.
„Hier ist es sehr ruhig!“, sagte sie, nachdem sie uns ein frohes neues Jahr gewünscht hatte.
„Das ändert sich bald, Mutter. Nach Neujahr fangen wir an, unsere Sachen zu packen und dann sind wir schon bald bei dir!“, sagte Papa und er zwinkerte mir zu. Ich ließ mich dazu hinreißen, zurück zu zwinkern, denn Omi freute sich so auf uns, das wollte ich ihr nicht verderben.
„Lisa, ich muss dir dringend was sagen“, meinte Oma, als ich an der Reihe war, Neujahrsgrüße auszusprechen. „Es ist aber ein Geheimnis und du musst mir versprechen, niemandem etwas davon zu erzählen!“
Oh, ich liebte Geheimnisse und natürlich würde ich das für mich behalten, was Oma mir sagen wollte.
Ich ging also mit dem Telefon aus dem Zimmer, damit uns niemand belauschen konnte.
„Jetzt kann es losgehen, Oma!“, sagte ich und lauschte gespannt.
„Hier im Haus gibt es viele Zimmer, das weißt du ja“, legte Oma los. „du musst darauf bestehen, dass du den Raum oben, gleich neben der Treppe bekommst. Weißt du, welchen ich meine?“, fragte sie.
„Klar weiß ich das! Opas ehemaliges Arbeitszimmer meinst du doch, oder?“
„Genau, das Zimmer mit der blauen Tür! Sieh zu, dass es dein Zimmer wird. Das ist wichtig!“, sagte Oma noch und dann mussten wir auflegen, denn Papa wollte unbedingt noch seinen Freund anrufen.
Gespannt wie ein Flitzebogen war ich, was es mit dem Zimmer auf sich hatte. Beinahe freute ich mich nun auf den Umzug.

Fortsetzung folgt
© Regina Meier zu Verl

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Lisa und Jule ziehen um. Da Oma allein in ihrem Haus lebt, liegt es nah, dass man zu ihr zieht, dann ist sie nicht so allein. Außerdem liebt sie die Mädels sehr. Lisa ist aber nicht glücklich. All ihre Freunde wird sie zurücklassen, das stimmt sie traurig.

Es ist Silvester, als die Eltern ihren Töchtern die Neuigkeit eröffnen, die Stimmung ist auf dem Nullpunkt … Lisa erzählt:

Das Zimmer mit der blauen Tür

 

Wenn ich geahnt hätte, was mich in Omas Haus erwarten würde, dann hätte ich mich auf den Umzug gefreut. Aber das konnte ich ja nicht wissen, also reagierte ich zuerst mit Gemaule.

„Das ist doch nicht euer Ernst!“, fuhr ich meine Eltern an. „In diese verlassene Gegend kriegen mich keine zehn Pferde!“

Papa grinste, es war ein böses Grinsen. Jedenfalls empfand ich das so und es machte mir sogar ein wenig Angst.

„Dir wird wohl nichts anderes übrig bleiben!“, verkündete er und damit war das Thema für ihn vom Tisch. Mama machte immerhin noch den Versuch, mir den Umzug schmackhaft zu machen.

„Sieh es doch mal so: Du wirst neue Freunde finden und wir werden einen schönen Garten haben. Da kannst du dann im Sommer ein Plantschbecken aufstellen, das hast du dir doch immer so gewünscht!“

Ich schüttelte entschieden den Kopf. Das einzig Schöne war, dass wir näher bei Oma leben würden. Ansonsten gab es wirklich keine Vorteile, gar keine. Außerdem war jetzt Winter und bis zum Sommer  dauerte es noch lange.

„Die Silvesterparty könnt ihr ohne mich feiern! Ich gehe um Acht ins Bett!“, sagte ich und heiße Tränen liefen über mein Gesicht. Schnell wollte ich in meinem Zimmer verschwinden, damit das niemand merkte. Doch meine kleine Schwester Jule hatte es längst gesehen.

„Die Lisa heult mal wieder! Heulboje, Heulboje!“, rief sie und das machte mich erst recht wütend.

Ich schlug die Tür hinter mir zu und sprang mit einem Satz in mein Bett. Dort zog ich die Decke über meinen Kopf.

Als später Mama in mein Zimmer kam, um mich zum Essen zu holen, hatte ich mich wieder ein wenig beruhigt und ließ mich überreden, an den Silvesterspielen teilzunehmen. Es nützte ja sowieso nichts. Wenn die Erwachsenen eine Entscheidung getroffen hatten, dann war das so und irgendwie sah ich ja auch ein, dass Oma einsam war und wir uns um sie kümmern mussten. Ich hatte meine Oma ja lieb, sie sollte nicht traurig sein.

Kurz vor dem Jahreswechsel starteten wir mit dem Bleigießen. Das war spannend und es entstanden wundersame Gebilde. Ich hatte eine Tür gegossen, das konnte man auf den ersten Blick erkennen. Papa meinte, dass es ein sicheres Zeichen dafür war, dass sich eine Tür in ein anderes Leben öffnen würde. Wie recht er damit hatte, erfuhr ich erst viel später …

 

Fortsetzung folgt

© Regina Meier zu Verl

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