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Archive for the ‘Schreibübungen’ Category

Trennung, Gemurmel, spürbar, überflüssig, wahrnehmen

waren die Wörter, die diesmal verwendet werden mussten. Ich musste dieses Mal ein ganz klein wenig mogeln, hoffe aber, dass es kaum auffällt und euch die Geschichte trotzdem gefallen wird.

Bitte lest auch bei meinen Kolleginnen:

Martina und Lore

Herrenduft

Tosender Beifall setzte ein, als sich der Vorhang nach dem Schlussakkord senkte. Das junge Ensemble hatte sein Bestes gegeben. Der neue Dirigent war eine spürbare Bereicherung und somit die Trennung vom alten Dirigenten eine weise Entscheidung. Ein derartiges Ereignis wurde von der ganzen Dorfgemeinschaft wahrgenommen. Vermutlich waren alle Einwohner der Gemeinde anwesend. Atemlos hatten sie der Aufführung gelauscht. Jetzt brachen wahre Begeisterungsstürme los.
Der Dicke in der Reihe vor mir verausgabte sich dermaßen, dass ihm Schweiß von der Stirn perlte und sich den Weg über die geröteten Wangen suchte, um von dort aus auf seine Schultern zu tropfen. Dieser wohlbeleibte Herr musste es auch sein, der diesen penetranten Geruch von „Russisch Leder“ ausströmte. Bei mir verursachte das einen heftigen Würgereiz. Der Mann war erst nach der Pause gekommen. Die Höhepunkte der Veranstaltung hatte er bereits verpasst. Das hinderte ihn aber nicht daran, seine wurstigen Finger immer wieder zum Mund zu führen und kurze grelle Pfiffe auszustoßen. Widerlich!
„Ist der nicht eklig?“, raunte mir Anja zu. Zustimmend nickte ich und verdrehte die Augen.
„Stimmt, mir ist schon ganz schlecht!“
Anja erhob sich und zog mich am Arm.
„Komm, lass uns gehen!“
Als ich aufstand, erhoben sich wie auf Befehl auch die Leute um uns herum. Sie klatschten im Takt und riefen nach einer Zugabe. Binnen Sekunden standen alle Besucher im Saal. Unmöglich war es, jetzt hinauszugehen. Wir ergaben uns also in unser Schicksal, und ob wir es wollten oder nicht, wir klatschen im Takt der brüllenden Menge.
Einige Mädchen des örtlichen Kinderchores stellten sich vor der Bühne auf. Sie sollten den Darstellern Blumensträuße überreichen. Ungeduldig warteten sie auf ihren großen Einsatz. Nichts passierte, der Vorhang blieb geschlossen. Was war da los?
Der Beifall verebbte, für einen Moment war es still im Theater. Dann wurden unmutige Stimmen laut.
„Was soll das?“
„Die sind sich wohl zu fein, noch einmal auf die Bühne zu kommen!“
„Buh!“
Die Stimmung schlug völlig um. Waren eben noch alle wohlgemut und angetan von der Veranstaltung, schaute man nun in wütende Gesichter und arrogant verzogene Mienen. Auch in mir kroch der Ärger hoch wie eine giftige Schlange.
Der Intendant trat vor den roten Samtvorhang. Er hüstelte und formte mit den Händen einen Trichter wie ein Megafon, um sich Gehör zu verschaffen. Nur langsam kam die Menge zur Ruhe.
„Bitte, meine Damen und Herren! Bewahren Sie Ruhe, ich … ich verstehe Ihren Unmut, aber es gab leider einen Zwischenfall, der unseren Künstlern sehr zusetzt. Haben Sie bitte Verständnis, ich kann das nicht erklären, wir wissen selbst nicht …“
Betroffenes Gemurmel, fragende Gesichter. Alle setzten sich wieder und warteten. Der Dicke vor mir war blass geworden, er atmete schwer und schaute sich immer wieder nach allen Seiten um.
Anja boxte mir in die Seite.
„Sag du doch mal was!“
Was sollte ich sagen, wusste ja auch nicht, um was es ging. Ich zuckte die Achseln. Vermutlich war jemand hinter der Bühne ohnmächtig geworden oder es hatte jemand einen Herzinfarkt bekommen. Spekulationen waren überflüssig, wir würden es schon noch erfahren.
„Meine Damen und Herren, bitte verlassen Sie das Theater. Wir wünschen eine gute Nacht und einen guten Heimweg!“ Der Intendant wirkte hilflos, allein dort oben auf der Bühne. Die Besucher erhoben sich wieder von den Plätzen und strömten heftig lamentierend dem Ausgang zu. Im Foyer versammelten sich kleine Grüppchen, um das Geschehene zu diskutieren.
Ich wollte die Mäntel holen und ärgerte mich darüber, dass ich der Garderobenfrau anfangs ein so hohes Trinkgeld gegeben hatte. Jetzt war nämlich niemand da, der die Sachen aushändigen konnte und ich suchte im Gewühl der Mäntel und Jacken nach den unsrigen. So ein Gewusel, ich hatte Mühe, die richtigen Mäntel zu finden.
„Bloß weg hier!“ Ich schob Anja in Richtung Ausgang. Sie wehrte sich noch ein bisschen, hatte Angst etwas zu verpassen. „Wir werden früh genug erfahren, was hier los war. Spätesten morgen in der Zeitung werden wir was drüber lesen können.“ Anja hakte sich bei mir ein.
„Du hast Recht.“
Wir verließen das alte Gebäude, Regen platschte uns ins Gesicht. Ein Sturm war aufgezogen. Ich zog meinen Mantelkragen hoch und bedauerte, dass wir keinen Schirm bei uns hatten. Außerdem sehnte ich mich nach meinem Sofa und einem Glas Wein.
Anja wühlte in ihrer Handtasche und zauberte einen Miniknirps hervor. Überschwänglich küsste ich sie und versicherte ihr:
„Du bist die klügste und weitsichtigste Ehefrau der Welt!“ Anja strahlte wie ein kleines Kind, das soeben einen Lutscher geschenkt bekommen hatte.
Eng umschlungen trotzten wir dem Regen und gingen nach Hause. Wir stellten noch allerlei Vermutungen an, was denn nun eigentlich im Theater passiert sein könnte und wir beruhigten uns mit der vorläufigen Erklärung, dass es sicher nichts war, bei dem wir hätten helfen können.
Die Woche war schon anstrengend gewesen, der Sonntagabend war eigentlich zur Entspannung gedacht. Mich hielt aber das Ereignis noch lange wach und ich konnte keinen Schlaf finden.

Am nächsten Morgen

Ich hatte bereits Kaffee gekocht, als Anja verschlafen in die Küche schaute.
„Mensch, bin ich gerädert. Da denkt man, es wird ein schöner Konzertabend und dann so was. Ich habe kein Auge zugetan!“
„Dafür, dass du nicht geschlafen hast, hast du aber ziemlich heftig geschnarcht, meine Liebe!“, frotzelte ich.
„Ich werde mal das Radio anschalten, vielleicht muntert mich ja die Musik ein wenig auf.“ Anja tat, als habe sie nicht gehört, was ich gesagt hatte. Sie suchte den Lokalsender.
„Sicher kommen gleich die Nachrichten, vielleicht erfahren wir ja, was gestern los war.“
Mit dem Zeitzeichen der vollen Stunde vernahmen wir die Stimme des Nachrichtensprechers.
Im Theater von Isinghausen machte man gestern nach der Aufführung der Oper Carmen eine grausige Entdeckung. Eine der Garderobenfrauen wurde ermordet in einer Abstellkammer aufgefunden. Ihre Kolleginnen hatten sie erst kurz vor Ende der Oper vermisst. Vom Täter fehlt bisher jede Spur. Da man versäumte, die Theaterbesucher festzuhalten, werden diese gebeten, sich heute in der Zeit zwischen 10.00 und 11.00 Uhr im Theater einzufinden. In der Kammer, in der man die Getötete fand, habe es auffällig nach dem Herrenduft „Russisch Leder“ gerochen …

© Regina Meier zu Verl

 

Photo by Monica Silvestre on Pexels.com

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Meist schreibe ich Geschichten oder Gedichte und male dann ab und zu Bildchen dazu. Momentan mache ich es andersrum. Ich male und dann schreibe ich dazu. Eine ganz neue Erfahrung, die mir sehr viel Freude macht. Demnächst kommen die Geschichten dann in einem Schwung dazu …img_20190610_164247

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Eigentlich sind ja alle Monate des Jahres Schreibmonate für mich, aber der November nimmt nochmal einen ganz besonderen Stellenwert für mich ein. Früher habe ich beim NANOWRIMO mitgemacht, 50.000 Wörter in einem Monat. Davon habe ich mich aber verabschiedet, denn außer ganz viel „heißer Luft“, ist bei mir nie viel dabei herausgekommen. Seit dem letzten Jahr nutze ich diesen Monat verstärkt dafür, einen Adventskalender zu schreiben und der muss keine 50.000 Wörter haben, denn das will ja niemand lesen. Im letzten Jahr war es der Tieradventskalender „Weihnachten im Stall“, der ca. 10.000 Wörter verbraten hat. Lang genug, finde ich.

Heute geht es also wieder los. Ich habe ja schon erzählt, dass mein Konzept bereits steht, ab heute geht es asns Schreiben und pünktlich zum 30.11. werde ich dann fertig sein und euch meinen Kalender präsentieren dürfen.

Heute, als kleiner Vorgeschmack, mein erstes Mindmap dazu. Ich arbeite gern mit Mindmaps, weil ich da so schön meine Gedanken fließen lassen kann. Die Methode hat sich für mich bewährt.

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Mindmap Dezember RMzV

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Die nachfolgende Geschichte ist im Rahmen einer Schreibübung entstanden. Aufgabe war es, einen Dialog zu schreiben, in dem nur einer der Beteiligten zu hören/lesen ist.

Nur nichts anbrennen lassen

Paul Struck wischt sich die Hände in seiner Schürze ab.
„Dieses verflixte Telefon klingelt immer dann, wenn ich keine Zeit und auch keine Lust habe zu telefonieren!“, schimpft er vor sich hin, macht sich aber auf den Weg ins Wohnzimmer und nimmt den Hörer ab:
„Struck“
„Erika, wie schön, dass du anrufst. Warte einen Moment, ich muss gerade das Nudelwasser abstellen.“
„Nein, du störst mich nicht. Wie gesagt, das Nudelwasser …“
„Hackfleischsauce, du weißt ja. Ich liebe Hackfleischsauce.“
„Also bitte, Erika. Es kann ja nicht sein, dass ich nun auch kein Fleisch mehr essen darf. Ich erinnere mich gut daran, dass du immer gern ein Zigeunerschnitzel gegessen hast.“
„Das kann nicht dein Ernst sein. Warte, wir kennen uns …, ich bin zweiundvierzig, also wir kennen uns zweiundzwanzig Jahre. Beinahe hätte ich …“
„Wie, du hättest mich sowieso nicht geheiratet. Davon war ja auch gar keine Rede!“
„Jetzt werde aber nicht beleidigend, Erika. Warum rufst du eigentlich an?“
„Dachte ich es mir doch! Das kannst du getrost vergessen!“
„Es ist nicht nötig, dass du mich beschimpfst, ich werde nicht für den Kleingartenverein musizieren.“
„Ach so, das wusste ich nicht. Tut mir leid. Wie viel Gage gibt es denn?“
„Na, da könnte ich es mir doch glatt noch einmal überlegen. Wirst du auch da sein?“
„Das ist schade, ich hätte dich so gern mal wieder gesehen.“
„Wie meinst du das, ich hänge meine Fahne nach dem Wind?“
„Du wirst immer unverschämter, ich spiele nicht. Das lasse ich mir doch nicht sagen: Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing!“
„Lass gut sein. Ich kann dem lieben Herrgott nur danken, dass er mich davor bewahrt hat, dich zu heiraten.“
„Ja, ja, ich weiß. Der Manni hatte ja schließlich damals schon einen Porsche.“
„Das sagst du, dass es auf das Auto nicht ankommt. Männer, die ein dickes Auto fahren sind sexuell eine Niete.“
„Erika, warum weinst du denn? Ich habe es doch so nicht gemeint, bitte beruhige dich doch wieder.“
„Ich wusste ja nicht, dass …“
„Ach Mensch, Erika. Es tut mir so leid. Ist da denn gar nichts zu machen?“
„Das kann ich nicht beurteilen, ich hatte es nie nötig, diese Pillen zu versuchen.“
„Sag ihm, er soll zu einem guten Arzt gehen, nicht zu diesem alten Knopp, der hat sowieso kein Verständnis für solche Nöte.“
„Ach, und was hat er gesagt?“
„Interessant, ich hätte nicht gedacht, dass Ärzte solche Tipps geben. Ungeheuerlich!“
„Bist du ganz sicher, dass er nicht zu der Prostituierten gegangen ist?“
„Dann ist ja gut, man weiß ja nie in der heutigen Zeit.“
„Wie ich? Ich habe das nicht nötig, Erika. Ich genüge mir selbst.“
„Du brauchst gar nicht so blöd lachen. Du wolltest mich ja nicht!“
„Siehst du, jetzt gefällst du mir schon wieder besser. Freut mich zu hören, dass du dir auch schon so deine Gedanken gemacht hast.“
„Nein, meine Liebe. Es ist niemals zu spät.“
„Ja, können wir machen. Wann denn?“
„Mittwoch ist gut, und was wird Manni dazu sagen?“
„Na ja, nach zwanzig Jahren legt sich das mit der Eifersucht. Ich habe mich all die Jahre gefragt, warum ihr keine Kinder habt.“
„Gut, Erika. Lassen wir es bei Mittwoch. Treffen wir uns am alten Treffpunkt?“
„Ja, ich bin sicher, dass die alte Mühle noch steht. Ich fahre nämlich jede Woche dorthin. Nostalgie, weißt du.“
„Also dann, tschüss, Bussi, ich freu mich!“

Paul legt den Hörer auf und eilt in die Küche, die völlig unter Dampf steht. Im Topf brodelt nur noch ein kleiner Rest des Nudelwassers und die köstliche Hackfleischsauce ist angebrannt.
„Weiber“, denkt Paul und nimmt sich ein Bier aus dem Kühlschrank.

© Regina Meier zu Verl

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sachsen 020

Manchmal ist es ein Wort, das meine Geschichtenregion im Kopf anklickt. Ein anderes Mal ist es ein Satz in einem Buch, der eine Geschichte auslöst. Dann wieder kann es ein Foto sein, oder ein Mensch, der mir auf der Straße begegnet.

Oft sind es auch Lieder, die ich im Radio höre. Meist im Auto, wenn ich gerade keine Möglichkeit habe, die Gedanken aufzuschreiben. Da ich die Hände vom Handy lasse, wenn ich fahre, kann ich meine Idee auch nicht schnell aufnehmen. Also singe ich sie vor mich hin, solange, bis ich wieder zu Hause bin oder an einem anderen Ziel.

Wenn mich also jemand unterwegs im Auto sieht, laut singend, dann mag er mich ruhig für verrückt erklären. Vielleicht bin ich das im gewissen Sinne ja auch. Aber schön verrückt, mir gefällt’s und das ist doch die Hauptsache, oder?

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Das ist übrigens Jessy, Hauptrolle in meiner nächsten Geschichte!

Nachdem sich nun eine nach der anderen von den Reizwortgeschichten verabschiedet hat, ist die Zeit gekommen, diese Sache zu beenden. Es war eine gute Zeit, lehrreich und fruchtbar, da viele, viele Geschichten entstanden sind, die es sonst nicht gegeben hätte.

Wie hat Martina so treffend geschrieben: Eine Tür schließt sich und woanders tut sich wieder eine auf. So sehe ich das auch. Schreiben werde ich sowieso und wenn mir mal nach Reizwörtern ist, bitte ich einfach euch, meine Blogleser, darum. Ist ja kein Problem, so ein paar Wörter habt ihr sicher für mich übrig, oder?

Allerdings habe ich momentan genug zu tun, so dass ich (noch) nicht in Verlegenheit kommen werden. Es steht ja immer noch der NANOWRIMO an, ich werde das am Wochenende entscheiden, ob ich mitmachen werde. Ich könnte mich ja schonmal anmelden, vorsichtshalber.

 

 

 

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Eigentlich fängt es bereits im September an, im Oktober aber nimmt das  Grübeln richtig Fahrt auf.

Worum es geht? Nein, es ist nicht der Herbstblues, den kenn ich nicht, weil ich ein Herbstkind bin. Ich liebe den Herbst, mit all seinen Farben und Facetten.

Es geht um etwas Anderes, den NANOWRIMO.  Ich gehe davon aus, dass die meisten meiner Leser wissen, was das ist. Für die anderen kurz erklärt: es ist der NationalNowelWrirtingMonth, der immer vom 1. – 30. November eines Jahres stattfindet. Fünf Mal habe ich mich daran beteiligt, im November also geschrieben was das Zeug hielt und jedes Mal habe ich gesagt: Das war das letzte Mal!

50.000 Wörter innerhalb von 30 Tagen zu schreiben, das geht und es ist sogar jedes Mal etwas Nützliches dabei herausgekommen, also Texte, die ich anschließend verwenden konnte. Aber es sind keine Romane im eigentlichen Sinne entstanden.

Diesmal mache ich (wahrscheinlich) nicht mit, oder vielleicht doch? Ich weiß es noch nicht. Erstmal den Adventskalender fertigschreiben (Das wollte ich auch seit Jahren „eigentlich“ nicht mehr machen). Ach, egal, was kümmert mich der Quatsch, den ich gestern erzählt habe. Einfach machen! Weil’s Spaß macht!

Ich lasse euch dann wissen, ob (welches Thema) ich diesmal mitschreibe beim NANO.

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So eine richtige (anhaltende) Schreibblockade hatte ich eigentlich noch nie. Irgendwas geht immer, manchmal nur ein paar Zeilen, ein anderes Mal ein paar Seiten sogar und das Highlight sind die Tage, an denen es „fließt“.

Manchmal kommt aber auch so ein Gefühl auf: Jetzt fällt mir nichts mehr ein – alles ist irgendwie schonmal geschrieben worden (wenn nicht von mir, dann von jemand anderem). Diesem Gefühl begegne ich mit einem einfachen Trick:

Ich wechsel den Schreibplatz. Das wirkt! Immer! Heute sitze ich im Wohnzimmer, mit Blick auf den Garten, träume vor mich hin und versuche zu schreiben – geht nicht. Ich packe meine sieben Sachen und ziehe in mein Zimmer um … nach zwei Stunden komme ich wieder raus, mit hochrotem Kopf und sehr zufrieden. Das Ergebnis: eine Geschichte fertig überarbeitet, zwei Elfchen geschrieben und die neu angedachte Geschichte skizziert. Ist ’ne Weihnachtsgeschichte, die schreibe ich am liebsten im Sommer. 🙂

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Hier könnt ihr eine Sommer-Weihnachtsgeschichte anhören, wenn ihr mögt:

Weihnachten im Sommer

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Kneipe, Fest, glücklich, raten, folgen
Das sind die Reizwörter zur heutigen Geschichte. Schaut bitte auch bei meinen Kolleginnen:

Lore
Martina
Eva
Christine

Drei Mal darfst du raten

„Die alte Kneipe, la la la la lala …“, singt Giesbert, ein wenig schief, aber doch erkennbar. Hilda ist genervt.
„Kannst du nicht mal einen anderen Schlager singen? Dieser kommt mir bald zu den Ohren wieder raus!“, schimpft sie. Aber Giesbert lässt sich nicht beirren, munter singt er weiter.
„Aber die Kneipe in unserer Straße gefällt mir so gut, weil’s dort wunderbar ist!“
„Der Text ist aber falsch!“ Hilda schaltet das Bügeleisen ab und rollt mit den Augen.
„Es ist mein Text und der ist genau richtig – und wahr! Wir sollten heute Abend mal was trinken gehen, in unserer Kneipe, was meinst du?“, fragt er und faltet die Küchenhandtücher zusammen, die Hilda nach dem Bügeln über die Stuhllehne gehängt hat. Ganz akkurat macht er das, ganz so, wie Hilda es wünscht.
„Also gut, du hast mich überredet!“ Hilda nickt zustimmend mit dem Kopf. Es ist immer lustig, wenn sie am Abend in die Kneipe gehen und Freunde treffen und dass sie welche treffen, dafür würde Giesbert schon sorgen.
„Aber ich habe eine Bedingung!“, sagt sie. „Wir machen nicht wieder so ein weinseliges Fest daraus wie beim letzten Mal, ich habe nämlich morgen früh einen Termin und da darf ich nicht verkatert erscheinen!“
Giesbert lacht, als er sich daran erinnert, wie schlecht es Hilda nach ihrem letzten Kneipenbesuch ergangen war. Sie verträgt keinen Alkohol.
„An mir soll es nicht liegen!“, sagt er deshalb. „Was für einen Termin hast du denn?“
„Dreimal darfst du raten!“ Hilda grinst. Sie macht sich gern einen Spaß daraus, Giesbert auf die Folter zu spannen.
„Warte, ich überlege kurz – du hast einen Friseurtermin!“ Giesbert strahlt seine Hilda erwartungsvoll an. Die aber verzieht die Miene.
„Da war ich gestern bereits, hast du wieder nicht bemerkt, aber egal!“
Etwas peinlich ist es Giesbert und mit seiner zweiten Antwort lässt er sich mehr Zeit.
„Du bist mit Margot im Café verabredet?!“, fragt er unsicher.
„Nein, Margot ist doch zur Kur. Das habe ich dir letzte Woche erzählt. Hast du mir wieder nicht zugehört?“
Oh je, zielsicher ist er in das zweite Fettnäpfchen getreten. Was jetzt? Nun darf aber ein Fauxpas mehr folgen.
„Ach, Hilda, das ist blöd. Was soll ich jetzt noch sagen? Blamiert habe ich mich für heute schon genug!“, stöhnt Giesbert.
„Dann denk mal nach! Kleiner Tipp: Farbe!“
Giesbert fällt nichts zu dem Stichwort ein. Vorsichtig fragt er:
„Du gehst doch nicht etwa ins Solarium?“
„Du weißt doch genau, was ich von dieser Hautbraterei halte! Nein, ich gehe nicht ins Solarium, ich bin braun genug, findest du nicht?“
Stimmt, Giesbert weiß ja, dass Hilda gar nichts davon hält. Sie hat sogar mal gesagt, dass sie den Hautkrebs nicht herausfordern will mit so einem Blödsinn. Und wenn Hilda was meint, dann meint sie das!
„Dann sag jetzt endlich, was du für einen Termin hast, dieses blöde Raten hat mir noch nie Spaß gemacht!“
Hilda nimmt den Stapel Geschirrhandtücher und räumt ihn ins Fach über dem Kühlschrank. Anschließend klappt sie das Bügelbrett zusammen und bringt es in den Abstellraum.
„Ich geh mich mal umziehen!“, verkündet sie und als sie schon in der Küchentür steht, dreht sie sich noch einmal um.
„Ich gehe übrigens morgen früh in die Volkshochschule zum Malkurs, den du mir zum Geburtstag geschenkt hast!“, sagt sie. „Oder hast du das auch vergessen?“
Hat er nicht, wie könnte er? Es ist ihm einfach gerade nicht eingefallen, dabei war sie so glücklich über dieses Geschenk und da sie das wohl immer noch ist, nimmt sie es ihrem Giesbert auch gar nicht übel, dass er so daneben lag mit seinen Lösungen.
„Bunt, bunt, bunt sind alle meine Farben …“, singt Hilda und schließt die Tür hinter sich.
„Der Text stimmt nicht!“, ruft Giesbert ihr hinterher, aber das hört Hilda nicht mehr.

© Regina Meier zu Verl

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Wieder ein kleines Häppchen der Clara-Geschichte. Viel Spaß beim Lesen und danke für Eure Begleitung!

Teil 5

Die Waldbewohner hatten diese bedenkliche Entwicklung lange beobachtet und sie hatten sich große Sorgen um die Menschen gemacht, die sie liebten und mit denen sie gemeinsam, Seite an Seite, leben wollten.

Man wird sich nun fragen, wie denn die Waldwesen von der Existenz Claras erfahren hatten. Das ist ganz einfach. Immer wieder wurden Boten ins Menschenreich geschickt, die erkunden sollten, ob da nicht doch jemand wäre, der noch ein offenes Herz und ein sehendes Auge hatte. Dabei waren einige Elfen auf Erkundung in den Garten von Claras Eltern gekommen waren und das kleine Mädchen am Küchenfenster hatten sitzen sehen. Sie erkannten sofort, dass dieses Kind sie sehen konnte und seitdem besuchten sie es immer und immer wieder, besonders am Abend und in seinen Träumen. Sie sorgten auch dafür, dass die Mutter am Abend die richtigen Geschichten vorlas, damit Clara immer mehr erfahren konnte und ein Grundwissen zur Verfügung gestellt bekam.

Irgendwann hatten die Elfen der großen Eule gemeldet, dass sie das Kind gefunden hätten, das Einzug in ihr Reich nehmen könnte. Man traf sich auf der großen Waldlichtung und schon da wurde ein großes Fest gefeiert. Das war nun lange her und mittlerweile war das Kind so weit, dass nichts mehr passieren konnte, denn sein Denken und Fühlen war so weit gefestigt, dass die Waldbewohner keine Angst in ihm auslösen würden, wenn sie ihnen endlich persönlich begegnen würde. Bald war es soweit, sehr bald.

 

  1. Kapitel

 

Mit Stürmen und Regen hatte der Herbst sich angemeldet, die bunten Blätter schneiten von den Bäumen und die Zeit, die man draußen verbringen konnte, wurde immer kürzer. Schon früh am Abend wurde es dunkel und an den Abenden prasselte schon wieder ein lustiges Feuer in den Wohnzimmern oder Küchen. Auch im Haus von Claras Eltern war es gemütlich warm. Die Familie hatte zu Abend gegessen und Clara gähnte schon vor Müdigkeit.

„Kind, es ist doch erst sechs Uhr, ein bisschen kannst du doch noch aufbleiben. Komm, wir kuscheln und ich erzähle dir eine Geschichte“, bat die Mutter.

Clara kletterte auf ihren Schoß und schmiegte sich an sie. So warm und weich war die Mutter und sie duftete so gut nach Kamillenseife. Clara liebte diesen Duft so sehr. Beinahe schmerzhaft war dieses intensive Gefühl, denn sie wusste, dass sie die Eltern bald verlassen würde und das würde ihnen großen Kummer machen.

Aber zunächst begann die Mutter zu erzählen:

 

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