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Posts Tagged ‘Reizwortgeschichte’

Pfingstrose – fallen – sammeln – rot – Übermut

Das waren die Wörter, die in der Geschichte vorkommen sollten. Lest bitte auch bei meinen Kolleginnen:

Lores Märchenzauber

Von Herz zu Herz Geschichten
Ole und der Regenbogen
Opa Heinz und Ole saßen im Wintergarten. Gerade hatten sie in noch fleißig Unkraut gezupft im Garten.
Dann war eine dicke Regenwolke gekommen und über dem Grundstück stehen geblieben. Sie hatte ihnen das Sonnenlicht geraubt und sofort die Schleusen für einen tüchtigen Regenguss geöffnet.
Ole hatte gerade genüsslich an einer der dicken, roten Pfingstrosen geschnuppert, als ihm dicke Regentropfen in den Nacken fielen.
„Igittigitt!“, kreischte Ole und rannte aufs Haus zu.
„Was soll das denn heißen? Wir brauchen dringend Regen, jede Menge davon!“, schimpfte Opa, der sich aber trotzdem ebenfalls im Haus in Sicherheit brachte.
„Vielleicht ist es ja nur ein Schauer und wir können gleich wieder raus!“, verkündete Ole voller Hoffnung und Übermut.
Doch davon wollte Opa Heinz nichts wissen.
„Nee, nee, lass mal. Es dürfte eine ganze Woche Tag und Nacht plästern!“, meinte er.
Ole lachte laut auf. Das war wieder so ein Opa-Heinz-Wort, plästern. Dieses kannte Ole schon, aber immer mal wieder tauchte ein neues Wort auf, Ole fand das sehr spannend. Er sammelte diese Wörter und benutzte sie auch mit Vorliebe. Erst neulich hatte er wieder ein neues Wort gelernt: ‚abelig‘. Opa hatte nämlich nicht mit ihm zum Eis essen gehen wollen, weil ihm so abelig war. Das bedeutet, dass einem schlecht ist.
„Was lachst du denn so albern?“, wollte Opa nun wissen.
„Ach Opa, ich finde deine Spezialwörter so toll!“, sagte Ole.
„Das sind keine Spezialwörter, und meine sind es auch nicht. Sie sind alt und kommen teilweise aus dem Plattdeutschen.“
Das fand Ole spannend. „Kannst du mir auf Plattdeutsch mal etwas beibringen, Opa?“
Opa überlegte. Dann nickte er. „Mache ich, muss ich aber erstmal drüber nachdenken!“, versprach er und als Ole den Regenbogen entdeckte, der gerade am Himmel zu sehen war, geriet das Thema zunächst wieder in Vergessenheit.
„Guck mal, Opa, so ein schöner Regenbogen!“, rief er begeistert aus.
„Wat Wunnerbooreres gifft dat nich annen Hevensrieke!“, sagte Opa.
„Was?“, rief Ole, der kein Wort verstand.
„Das war deine erste Lektion und außerdem heißt das ‚wie bitte‘“, Opa lachte.
„Wie bitte ist doch viel kürzer, das kann doch nicht sein!“
„Etwas Wunderbareres gibt es nicht am Himmelreich!“, übersetzte Opa und nachdem Ole es ein paar Mal nachgesprochen hatte, gelang es ihm auch.
„Wat Wunnerbooreres gifft dat nich annen Hevensrieke!“

Ist ja so, oder?

© Regina Meier zu Verl

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Kerl – Angebot – wuschelig – fertig – segnen

Das waren die Wörter, die in der Geschichte vorkommen sollten. Lest bitte auch bei meinen Kolleginnen:

Lores Märchenzauber

Von Herz zu Herz Geschichten

Von Hamstern, Dieben und Toilettenpapier

„Warte nur“, sagte Oma. „Wenn ich den Kerl erwische, dann kann der sich warm anziehen, das garantiere ich dir!“
Oma war selten schlecht gelaunt, ich kann mich kaum erinnern, wann ich sie das letzte Mal so aufgebracht gesehen hätte.
„Welchen Kerl?“, fragte ich vorsichtig.
„Na den Kerl, der mir heute im Drogeriemarkt das Klopapier aus dem Einkaufswagen geklaut hat!“, schimpfte Oma weiter und wurde immer lauter.
„Eine solche Unverschämtheit ist mir ja noch nie untergekommen!“
„Aber wie willst du den „Kerl“ erwischen? Kanntest du ihn denn?“, wollte ich nun wissen.
„Keine Ahnung, wie er heißt. Aber ich habe ihn schon des Öfteren gesehen. Er wohnt zwei Straßen weiter, das glaube ich jedenfalls!“ Oma räumte ihre restlichen Einkäufe weg, schloss die Klappe ihres ‚Hackenporsche‘, so nannte sie ihre fahrbare Einkaufstasche, und stellte ihn hinter den Schrank.
„Soll ich dir Toilettenpapier von Mama holen?“, bot ich Oma an, doch die schüttelte den Kopf.
„Danke für das Angebot, ein paar Tage komme ich noch hin. Aber ich habe gern einen Vorrat und im Moment kaufen die Leute ja Klopapier, als gäbe es nie wieder was.“
Mama hatte das auch schon erzählt, also war da was dran. „Was machen denn die Leute mit dem vielen Papier?“, fragte ich. „Außer den Hintern abzuwischen, kann man damit ja nichts anfangen, oder?“
Oma nickte. „Das ist es ja. Ich frage mich, wofür die 147 Rollen im Keller lagern müssen. Weißt du, bei Nudeln, Mehl und Hefe kann ich das ja noch verstehen. Das hamstern die Leute nämlich auch!“
„Hamstern?“, fragte ich.
„Ja, das sagt man so, wenn man sich einen großen Vorrat anlegt, wie ein Hamster eben, der Nahrung in seinen Backentaschen sammelt, für schlechtere Zeiten!“, erklärte Oma und ich schmolz sofort dahin. Einen Hamster hatte ich mir immer schon gewünscht, ich sah das kleine, wuschelige Wesen vor mir und vergaß das Klopapier.img_20200422_191704
„Mich macht das sowieso ganz fertig, das alles!“, sagte Oma jetzt und ließ sich auf den Küchenstuhl fallen. „So etwas habe ich noch nie erlebt!“
Ich wusste nun auch nicht, was ich dazu sagen sollte, denn ich war ja viel jünger und hatte so etwas nun ganz sicher noch nicht erlebt.
„Alles wird besser!“, versuchte ich Oma zu trösten. „Und dann gibt’s auch wieder Klopapier!“
Oma nickte. „Klar, alles wird besser und wir werden mit Klopapier, Nudeln, Mehl und Hefe gesegnet sein!“
„Und wenn die Leute dann aufhören mit dem Hamstern, dann …“
„Dann?“, Oma schaute mich erstaunt an. „Bekomme ich einen Hamster, einen niedlichen, wuscheligen Hamster und den nenne ich dann Hubert!“
Oma lachte laut auf.
„Das kannst du nicht machen!“, japste sie und rang nach Luft. „Das würde Opa dir nicht verzeihen!“
Ich sah das anders, schließlich hatte ich meinen Opa Hubert superlieb und den Hamster, den würde ich auch lieben, echt wahr.

© Regina Meier zu Verl

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Hier kommt die nächste Reizwortgeschichte. Bitte lest auch bei meinen Kolleginnen Lore und Martina:

Lores Märchenzauber
Von-Herz-Herz-Geschichten

Osterfest – Ergebnis – zufrieden – rostig – fangen

Das sind die Wörter, die zu verarbeiten waren!

Besser oder schlechter?
„Anders muss ja nicht unbedingt schlechter sein!“, meinte Gerda, als sie mit ihrer besten Freundin Moni telefonierte.
„Ja, das stimmt schon, aber mal ehrlich, dieses Osterfest, das war doch … nichts!“, erwiderte Moni, der offensichtlich die richtigen Worte fehlten.
„Wenn mir die Verwandtschaft auch manchmal tüchtig auf die Nerven geht, so haben mir Tante Gisela und Onkel Herbert in diesem Jahr doch tatsächlich gefehlt!“, fügte sie dann aber an.
Gerda, die mit ihrer Familie in der gleichen Stadt lebte, hatte die Ruhe genossen.
„Weißt du, sonst habe ich zu Ostern immer den halben Tag in der Küche gestanden, um alle meine Lieben zu versorgen. Ich hätte mir gewünscht, dass ich auch einmal eingeladen werde, aber es war Tradition, dass sich alle bei uns trafen. In diesem Jahr hatten Heinz und ich eine Menge Zeit für uns und ich habe keine Dreigängemenüs gekocht. Das hat mir gefallen.“
Moni nickte bestätigend, gleich fiel ihr aber ein, dass Gerda das gar nicht sehen konnte. Unwillkürlich musste sie lachen.
„Was lachste?“, fragte Gerda irritiert.
„Ach, ich habe gerade genickt und dann fiel mir ein, dass wir zwei uns ja gar nicht gegenübersitzen. Selbst ans Telefonieren sind wir nicht mehr gewöhnt, weil wir uns ja häufig sehen, jedenfalls unter normalen Voraussetzungen!“
„Stimmt auch wieder!“, Gerda stimmte in Monis Lachen ein.
„Was meinst du? Wie lange wird dieser Zustand noch dauern?“, fragte Moni dann aber wieder ernst.
„Wie soll ich das wissen. Irgendwann fangen sie sicher wieder an, die Wirtschaft anzukurbeln. So kann es nicht weitergehen. Meiner Meinung nach sollten sie die kleinen Geschäfte wieder öffnen lassen. Die gehen doch sonst alle vor die Hunde.“, meinte Gerda.
„Heute haben sie irgendwelche Konferenzen, bin auf das Ergebnis gespannt! Ich möchte nicht in deren Haut stecken, diese Verantwortung wäre mir zu groß!“ Moni seufzte und ganz wie es ihre Art war, wechselte sie schnell das Thema.
„Sag mal: wie zufrieden bist du eigentlich mir der neuen Frisörin bei Schneiders Haarsalon?“
„Du hast Sorgen!“, lachte Gerda. „Aber ich bin ganz zufrieden, ich gehe sogar so weit zu sagen: ICH VERMISSE SIE!“
Moni kicherte. „Siehst du auch aus wie ein Wischmopp?“, fragte sie.
„Nein, das nicht, aber meine Haarfarbe sieht leicht rostig aus und die grauen Ansätze sind auch nicht sehenswert. Gut, dass mich außer Heinz niemand sieht!“
„Vielleicht ist das deine Chance, das Grau rauswachsen zu lassen. Das wolltest du doch schon im letzten Jahr!“, schlug Moni vor.
„Außerdem: anders muss ja nicht unbedingt schlechter sein! Sagtest du das nicht eben selbst?“
Gerda lachte wieder.
„Klugscheißerchen, aber wo du recht hast …“
„Habe ich recht!“, freute sich Moni.

© Regina Meier zu Verl

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Wischmoppfrisur #happypainting

 

 

 

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Hier kommt nun die nächste Reizwortgeschichte. Zu verarbeiten waren die Wörter:

Frühling, Luft, bunt, übermütig, glücklich

Mein Ergebnis lest unten, schaut bitte auch bei meinen Kolleginnen rein!

Lores Märchenzauber
Von-Herz-Herz-Geschichten

Opa, Timo und die Frühlingskinder

„Gestern habe ich den Frühling gesehen. Er huschte übermütig durch den Garten und zupfte mal hier, mal da. Ich habe ihn gefragt, was er da macht, aber ich bekam keine Antwort. Als ich ihn nämlich ansprach, verschwand er, schnell wie der Wind!“, erzählte Opa seinem Enkel Timo.
„Den Frühling hast du gesehen? Den kann man doch gar nicht sehen!“, behauptete Timo. Er war ein bisschen verärgert, weil Opa ihn schon wieder mal auf den Arm nehmen wollte. Aber dieses Mal würde es ihm nicht gelingen. Das wäre ja noch schöner!
„Wie sah er denn aus, dein Frühling?“, fragte er und in seiner Stimme schwang ein lauernder Ton mit.
„Es ist nicht mein Frühling, es ist auch deiner!“, meinte Opa. „Es war ja nur ein kurzer Augenblick, aber ich erinnere mich, dass er eine gelbe Latzhose trug und grüne Gummistiefel und ja, er hatte blonde Locken.“
„War es denn etwa ein Mädchen? Wegen der blonden Locken, meine ich.“, fragte Timo.
„Gibt es nicht auch Jungen mit blonden Locken? Ich vermute, dass es ein Junge war, aber sicher bin ich nicht!“, stellte Opa fest. „Geh doch selbst mal nachschauen, vielleicht triffst du ihn ja auch, den Frühling!“
„Ich wollte sowieso gerade nach draußen, frische Luft tanken, dann kann ich ja mal gucken!“ Er glaubte Opa nicht, wusste doch jeder, dass der Frühling wie eine Fee aussah mit einem weiten, bunten Umhang, goldenen Haaren, einer Krone und einem warmen Lächeln und so; jedenfalls bestimmt nicht wie ein Junge oder Mädchen. Timo zog Jacke, Mütze und Stiefel an und stapfte in den Garten hinaus. Man konnte nie wissen, ob Opa vielleicht doch recht haben könnte. Aufmerksam schlenderte er durch den Garten, blickte hinter jeden Strauch und sogar in den verwaisten Hühnerstall. Dann suchte er in den Blumenbeeten und plötzlich stutzte er. Gelb blinkte es ihm zwischen den verdorrten Herbstblättern aus zu. Gelb und grün. Ein kleines Gelb und ein kleines Grün. Die Farben des Frühlings, aber doch viel zu klein für ihn. Der Frühling, überlegte sich Timo, der musste doch viel größer sein. Groß und schlank und zauberhaft. Nicht winzig klein unter alten Blättern verborgen. Er musste sich auch nicht verstecken, gerade, wo doch alle schon auf ihn warteten!
Timo schnupperte, irgendwie roch es plötzlich so anders. War das etwa der Frühling, der so duftete? Er beugte sich zum kleinen Gelb und Grün hinunter schnupperte wieder; und als er sein Gesicht so nah am Boden hatte, sah er viele Gelbs und Grüns und sogar ein Lila und es duftete so schön wie Mamas Blütenparfüm, nur noch besser.
„Wer seid ihr?“, flüsterte er voller Andacht.
„Frühlingskinder“, wisperten viele Stimmchen. „Sieht man doch! Wir sind die Boten des Frühlings. Aber noch kann nicht jeder uns sehen.“
„Ich sehe euch. Ein bisschen. Eure Farben sehe ich. Und euren Duft rieche ich.“ Timo war ganz aufgeregt.
Er erhob sich, setzte vorsichtig einen Fuß vor den anderen, um nicht am Ende noch eines der zarten Frühlingskinder zu zertreten. Als er auf dem gepflasterten Weg zum Haus ankam, rannte er glücklich, so schnell er konnte, ins Haus.
„Opa, du hattest recht!“, rief er freudig. „Der Frühling war da und er hat ganz viele Frühlingskinder in unserem Garten untergebracht!“
Opa schmunzelte. Wusste er doch, dass sein Junge einen Blick für das Schöne hatte. Vielleicht hatte er ihm das vererbt, wer weiß?
© Regina Meier zu Verl

 

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Die Reizwörter: Zitteraal – Klagelied – ungerecht – zufrieden und vergiften waren für eine Geschichte zu verarbeiten. Hier folgt meine Version.

Weitere Geschichten findet ihr bei meinen beiden Mitstreiterinnen:

Lore und Martina

 

Nelli und die Blaumeiseimg_20191014_202614

Nelli zerknüllte das Papier, auf dem sie gerade noch einige Gedanken niedergeschrieben hatte.
„Wozu mache ich das eigentlich und für wen?“, dachte sie und stand auf. Sie ging in die Küche, füllte den Wasserkocher mit frischem Leitungswasser, drückte auf den Knopf und wartete, bis ihr das Blubbern verkündete, dass es kochte. In ihrer Lieblingstasse hing schon der Teebeutel, den sie nun mit dem Wasser übergoss. Sofort breitete sich der Duft von Zimt und anderen Gewürzen in der Küche aus. Nelli legte ein paar Kekse auf einen Teller und trug Teetasse und Plätzchenteller ins Wohnzimmer. Sie setzte sich wieder an ihren Schreibtisch und blickte aus dem Fenster in den herbstlichen Garten. Auf der Fensterbank saß eine winzige Blaumeise. Nelli hielt ganz still, um sie nicht zu verjagen.
„Na, kleines Vögelchen? Bist du auch einsam?“, fragte sie. Die Meise legte das Köpfchen zur Seite und betrachtete die Frau am Fenster. Ob sie hoffte, dass wieder ein paar Krümel für sie abfallen würden?
Nelli lächelte. ‚Ich habe einen Vogel‘, dachte sie. ‚Nun unterhalte ich mich schon mit Blaumeisen!‘
Das Vögelchen blieb sitzen, beinahe sah es so aus, als schaute es Nelli in die Augen und wartete darauf, dass sie weiter mit ihm sprach. Nelli nahm es als Aufforderung und begann zu erzählen:
„Weißt du, kleine Meise, mir geht es gerade nicht so gut. Ich habe alles, was ich zum Leben brauche und könnte zufrieden sein, aber mir fehlen die Menschen. Als ich noch täglich in mein Büro ging, da hatte ich viele Menschen um mich herum, und auch wenn wir unsere Arbeit erledigen mussten, so hatten wir doch eine Menge Spaß dabei. Besonders die Pausen waren immer sehr schön, wenn wir alle gemeinsam in der Kantine saßen und uns ausgetauscht haben. Viele meiner Geschichten sind aus diesen Begegnungen gewachsen. Immer wieder war da ein Satz, ein Wort, eine Begebenheit, die in mir eine Geschichte wachsen ließen. Manchmal waren es nur kurze Episoden, aber auch meine lange Erzählung vom König, der heimkehrte, entstand auf diese Weise. Es ist beinahe so, wie wenn man in mir das Gedankenkarussell anwirft. Das habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Ist das nicht traurig?“
Die kleine Meise verharrte unbeirrt auf ihrem Platz auf der Fensterbank. Nelli hatte sich nun warm geredet und sprach weiter:
„Weißt du, ich war immer angepasst, fast schüchtern. Ich habe nur selten gestritten, weil ich mich immer zurückgezogen habe, wenn es Ungereimtheiten gab. Wenn irgendwer versuchte, das Klima zu vergiften, dann habe ich versucht, wieder Harmonie herbeizuführen, was mir oft gelungen ist. Wenn man mich persönlich angegriffen hat, dann habe ich geschwiegen und bin in mein Schneckenhaus gekrochen. Ich fühlte mich ungerecht von Gott und der Welt behandelt. Dabei wäre ich gern einmal aus der Haut gefahren und hätte, wie ein Zitteraal, elektrische Stöße ausgesendet, um mich zu wehren und zu schützen.“
Nelli schob sich einen Keks in den Mund und genoss die leicht nussige Süße. Als sie das Fenster öffnete, um der kleinen Meise ein paar Krümel abzugeben, flog diese aufgeregt davon. Doch es dauerte gar nicht lange, da ließ sie sich erneut auf der Fensterbank nieder und pickte ein Krümelchen nach dem anderen auf.
„Du hast es gut, Kleine!“, sagte Nelli und seufzte. „Ich singe dir hier Nellis Klagelied und wenn ich es mir recht überlege, bin ich undankbar. Anderen geht es schlechter als mir, ganz sicher. Du machst dir über dein Leben keine Gedanken, oder doch?“, fragte sie und sah den Vogel aufmerksam an. Konnten Vögel denken, sich Sorgen machen? Wohl nicht!
„Weißt du was? Ich fahre jetzt ins Gartencenter und kaufe ein Vogelhaus für euch. Der Winter steht vor der Tür und bevor ich hier weiter herumjammere, sorge ich nun für euch. Wie findest du das?“
Es sah fast so aus, als nicke die kleine Blaumeise, aber das konnte Nelli sich auch eingebildet haben. Auf jeden Fall hielt sie ihr Versprechen. Sie trank ihren Tee aus und machte sich dann auf den Weg zum Gartenmarkt.
Die kühle Herbstluft tat ihr gut. Nun gut gelaunt marschierte sie im flotten Tempo durch den Park, erfreute sich an den bunten Bäumen und sog gierig die Herbstdüfte ein. Herrlich!
Auf einer Bank am kleinen See saß eine Frau, die ein aufgeschlagenes Buch in den Händen hatte. Sie las aber nicht, sondern schaute in die Weite. Nelli grüßte und fragte, ob sie sich einen Moment zu ihr setzen dürfte. Die Frau freute sich offensichtlich, denn sofort schlug sie das Buch zu, steckte es in ihre Handtasche und wandte sich Nelli zu.
„Nur zu!“, sagte sie und deutete auf den Platz neben sich. „Ich freue mich immer über ein kleines Gespräch, wissen Sie!“
„Danke schön!“, sagte Nelli und erzählte von ihrem Vorhaben, ein Vogelhaus zu kaufen. Und sie erzählte auch, wie sie auf die Idee gekommen war. „Ich bin zu oft allein!“, schloss sie ihren Redefluss und die Frau nickte wissend.
„Ich weiß, wovon Sie reden, mir geht es ja nicht anders!“, sagte sie. „Wenn ich darf, begleite ich sie ins Gartencenter und dann trinken wir dort gemeinsam eine Tasse Kaffee. Was halten Sie davon?“
„Viel!“ Nelli lachte. „Davon halte ich viel! Gibt es dort auch Kuchen?“ Sie lachte wieder, fröhlich und unbeschwert und die Frau reichte ihr die Hand und stimmte in das Lachen ein. „Ich heiße Erika!“, sagte sie und dann marschierten die beiden Frauen Richtung Gartencenter.
Von da an trafen sie sich regelmäßig einmal in der Woche auf einen kleinen Plausch. Erika besuchte Nelli, um das Vogelhaus zu bewundern und die kleine Blaumeise freute sich, dass Nelli nun nicht mehr so traurig dreinblickte. Es kann so einfach sein …

© Regina Meier zu Verl

 

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Paradies, Adlerhorst, Abenteuer, vorwitzig, laufen

Das sind die Reizwörter für den heutigen Artikel. Lore und Martina haben ebenfalls Geschichten zu den Wörtern verfasst. Damit lassen wir unsere alte Tradition der Reizwortgeschichten wieder aufleben. Monatlich, jeweils am 15. wird ein neuer Beitrag dazu erscheinen.

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Ordnung im Kopf
So viele Wörter tummeln sich In meinem Kopf. Ich muss sie sortieren, denn sonst nimmt die Unordnung In meinem Kopf überhand. Aber Ich weiß nicht, wie ich das machen soll. Man könnte die Wörter nach Fachgebieten sortiere, also zum Beispiel alle Tiere in eine Schublade oder alle Schulsachen in eine andere Schublade, alle Farben zusammen in eine Box und alle Namen, die ich so kenne in eine weitere Box. Es gäbe noch eine Schublade für Kleidung und Schuhe, eine weitere für alles, was man so zum Wohnen braucht. Dann hätte ich zwar meine Wörter schön sortiert, aber beim nächsten Satz, den ich aufschreibe, habe ich alle wieder durcheinander geworfen. Kannst du dir vorstellen wie ich das meine? Pass auf, ich erkläre es dir.
Angenommen, ich möchte einen Brief an meine Freundin Isabella schreiben. Ich möchte von meinem Urlaub erzählen, das wäre dann folgendermaßen: Die Überschrift lautet:
Liebe Isabella.
Die Isabella nehme ich aus meiner Namens-Box.
Ich habe mir ein wunderschönes rotes Kleid gekauft.
Somit musste ich aus der Farb-Box das Rot nehmen und aus der Kleidungsschublade das Kleid.
Verstehst du, was ich meine?
Ich sehe schon, du findest mich verrückt. Vielleicht hast du ja sogar ein bisschen recht damit, aber das sind eben diese Gedanken, die mich umtreiben.
Als ich mit meinem Freund Jan mal darüber diskutiert habe, hat er mich angesehen, als täte ich ihm ganz furchtbar leid. Er hatte aber auch keine Lösung für mich. Er sagte nur, dass Wörter sich immer wieder erneuern, genauso wie der Schwanz der Eidechse oder die Beine bei einigen Weberknechtarten. Ich könne die Wörter also ruhig benutzen, da sie sich nicht verbrachen, sondern immer wieder erneuern.
Lange habe ich darüber nachdenken müssen und mittlerweile bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es richtig ist, was Jan sagt. Sogar die Wörter, die ich so gar nicht mag erneuern sich und sind immer präsent. Ich sollte einmal eine kleine Geschichte mit fünf Reizwörtern schreiben. Eigentlich mache ich das sehr gern, aber die Reizwörter, die gestellt wurden, gefielen mir gar nicht so gut. Abenteuer, Paradies, vorwitzig und laufen waren gute Wörter. Dazu fiel mir auch umgehend etwas ein, das ich dazu schreiben könnte – allein das Wort Adlerhorst stellte für mich eine große Herausforderung dar. Es gefiel mir nicht, nicht auf Anhieb und schon gar nicht mehr, als ich es googelte. So ein Wort wollte ich nicht haben für meine Geschichte, denn weder hatte ich jemals ein Adlerhorst gesehen, noch gefiel mir das, was ich darüber erfuhr. Ein geschichtsträchtiges Wort, aus einer Zeit, die wir alle zwar nicht vergessen sollten, über die wir aber lieber nicht nachdenken möchten. Es wäre also für mich ein Wort, das ich gern aussortieren würde. Weg damit, für immer und ewig.
Aber, und jetzt kommt’s: Was kann der Adler dafür, dass ein Mensch mit vielen Anhängern dieses Wort benutzt hat, um sein Quartier danach zu benennen? Nichts, rein gar nichts kann er dafür. Aus diesem Grunde habe ich beschlossen, den Adlerhorst in meine Schublade „Wohnen“ einzusortieren. Da gehört es hin, genauso wie Meisennest oder Sofakissen, nicht wahr?

Und da bin ich auch schon am Ende meiner Gedankenkette angekommen. Es ist wie es ist und es bleibt auch so und ich schreibe halt Geschichten über Meisennester oder Bärenhöhlen und den Adler, den lasse ich am Himmel seine Bahnen ziehen und bewundere ihn respektvoll.

© Regina Meier zu Verl

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Kuchen am Stiel
Brimborium, Film versprechen, ärgern, wichtig

das waren die Reizwörter zur heutigen Geschichte, die ich nun mit Verspätung nachreiche. Viel Spaß!

Eine kluge Frau

„Hans-Werner, mach doch nicht immer so ein Brimborium um einen Filmabend mit den Enkelkindern. Das ist ja nicht auszuhalten!“
Oma Gerlinde schüttelt unwillig den Kopf. Auf dem Tisch stehen verschiedene Schalen und Schachteln mit Süßigkeiten, Chips und Popcorn. Dann eine ganze Batterie Limonadeflaschen in allen Sorten. Zitrone, Orange, Mandarinen-Brause und Dunkelbier gibt es da.
„Wieso? Wenn wir nachher zusammen den Film anschauen, dann will niemand in die Küche laufen und für Nachschub sorgen. Ich denke halt mit!“ Opa Hansi stöhnt. Dass seine Gerlinde das einfach nicht verstehen will.
„Aber wir machen doch einen Filmabend, keine Süßigkeiten Verkostung und außerdem ist doch dieser ganze Süßkram ungesund. Das weißt du doch!“ Oma greift nach der Schale mit den Gummibärchen.
„Halt!“, ruft Opa Hansi verärgert. „Die bleiben stehen! Ich habe Kira versprochen, dass es Gummibärchen geben wird!“
„Also gut“, Oma Gerlinde stellt die Schale wieder hin und greift nach den Schokoküssen.
„Halt!“, ruft Opa. „Die sind für Flory, du weißt doch, dass er die so gerne mag!“
„Stimmt, hatte ich vergessen“, seufzt Oma. Ihre Augen wandern über den Tisch und bleiben bei den roten und schwarzen Zuckerhimbeeren hängen. Die kann sie unmöglich wegnehmen, Amelie liebt diese megasüßen Dinger so sehr.
„Hans-Werner“, sagt Oma nachdenklich.
„Ja, Gerlinde?“
„Ich glaube unsere Enkelkinder lieben uns auch ohne diesen ganzen Kram!“
„Das stimmt, aber …“
„Aber?“
„Mit diesen Leckerchen lieben sie uns noch ein bisschen mehr!“
„Das ist Quatsch, ganz großer Quatsch!“
„Wir machen eine Probe. Wir stellen alle Süßigkeiten weg und schnippeln schnell einen Teller voll Gemüse. Möhren, Gurken, Paprika und Stangensellerie. Dazu gibt es Kräuterquark und Cracker.“ Opa Hansi grinst, er könnte sich vor Freude selbst auf die Schulter klopfen, so toll findet er seine Idee.
„Okay!“, sagt Oma und kommt binnen zwei Minuten zurück mit einer riesigen Gemüseplatte und diversen kleinen Dippschälchen.
„Hier, bitte!“
Opa Hansi staunt. Seine Gerlinde ist flink wie ein Wirbelwind, und das in ihrem Alter.
„Wie hast du das denn so schnell hinbekommen?“, fragt Opa stolz.
„Hatte ich schon fertig!“, sagt Oma und lächelt still vor sich hin. Sie verrät Opa Hansi auch nicht, dass sie genau das bereits beim Mittagessen vorgeschlagen hatte. Das hatte Opa aber wohl vergessen, oder verdrängt und da es ihm so wichtig ist, dass es seine Idee war, schweigt Oma Gerlinde. Kluge Frau, oder?

© Regina Meier zu Verl

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Rettung, Buch, ungenau, verstehen, reden

Das sind die Reizwörter, die diesmal eingebaut werden mussten. Ich bin etwas verspätet heute, habe gestern eine wunderbare Hochzeit gefeiert und bin noch etwas müde.

Bitte schaut auch bei meinen Kolleginnen, ob sie etwas geschrieben haben zum Thema:

Lore
Martina
Christine

 

Der Buchstabentick

 

Angefangen hatte alles, als Gitte und Gerd ihre Hochzeitskarten gestalteten.

„Guck mal, wie schön das aussieht, wenn sich die beiden G ineinander verschlingen.“, meinte Gitte, als sie die Anfangsbuchstaben ihrer Namen kunstvoll gezeichnet hatte.

„Schön auch, dass wir in Gütersloh wohnen, das passt!“, Gerd hatte gelacht und in seinen nächsten Satz baute er wieder ein G-Wort ein. „Was für ein Glück!“

„Genau!“, hatte Gitte begeistert ausgerufen. „Das ist ein gutes Zeichen!“

Die Gästeliste wies 101 Personen aus. „Das geht nicht!“, sagte Gitte. „Es muss eine gerade Zahl sein, sonst bringt es kein Glück!“

„Genau!“, Gerd war ihrer Meinung. „Dann laden wir noch Gisela dazu ein, auch wenn wir das zuerst nicht wollten. Bist du einverstanden?“

„Aber sicher, Gisela ist unsere Rettung. Wer würde besser zu uns passen als sie?“ Gitte kicherte albern. „Ich verstehe gar nicht, warum wir sie nicht gleich auf unsere Liste gesetzt haben!“

„Allerdings …“, gab Gerd zu bedenken, „sie hat doch einen Gatten, oder nicht?“

„Ach was, die reden doch schon lange nicht mehr miteinander. Giesbert wohnt im Gartenhaus und zwitschert sich jeden Abend einen. Gisela will nichts mehr mit ihm zu tun haben. Sie kocht noch für ihn und wäscht seine Wäsche, das war es dann aber auch. Gruselig, so eine Beziehung!“

Nachdenklich kaute Gitte auf ihrer Unterlippe. „Meinst du, dass es mit uns auch einmal so enden könnte?“

Gerd legte das Buch „Hundert Tipps für eine gelungene Hochzeitsfeier“ zur Seite.

„Niemals, wir haben ja gar kein Gartenhaus!“, sagte er und nahm seine Gitte in den Arm.

„Wir zwei, wir kriegen das hin, ganz sicher!“

„Was, das mit dem Gartenhaus?“ Gitte schaute ihn entsetzt an.

„Quatsch, das mit der glücklichen Ehe meinte ich doch!“

„Gott sei Dank! Du musst dich aber auch nicht immer so ungenau ausdrücken, mein Lieber!“ Nun strahlte Gitte wieder.

„Gehen wir die Gästeliste noch einmal durch, oder ist nun alles okay?“, fragte Gerd.

„Das ist sicher nicht nötig, lass uns lieber ein Glas Wein trinken und den Abend gemütlich ausklingen lassen. Wir haben ja noch etwas Zeit bis zur Hochzeit.“

„Genau, außerdem kommt gleich meine Serie ‚Gute Zeiten‘ …“

„Schlechte Zeiten …“, ergänzte Gerd den Satz und schüttelte missmutig den Kopf. „Wie kann man nur, vielleicht sollte ich mir doch ein Gartenhaus bauen, für alle Fälle!“ Vorsichtshalber zog er schonmal den Kopf ein, denn Gitte drohte mit dem Glasaschenbecher.

 

© Regina Meier zu Verl

 

 

 

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Junggesellenabschied – Wasserbett – toben – helfen – bedenklich
Das sind die Reizwörter, die in der heutigen Geschichten unterzubringen waren.
 
Bitte lest auch bei meinen Kolleginnen:
Lore
Martina
Eva
Christine

Sowas gab es früher nicht

„Ich will ja nichts sagen, aber ich finde diese neumodischen Junggesellenabschiede doch ein wenig bedenklich!“ Maren Müller hakte sich bei ihrem Mann ein und rümpfte angewidert die Nase. Gerade waren sie auf eine Truppe junger Frauen getroffen, die auffällig gekleidet und geschminkt, bewaffnet mit einem Bauchladen, kleine Schnapsfläschchen anboten. Alex hatte natürlich eine gekauft und an Ort und Stelle ausgetrunken, unter dem Gejohle der jungen Frauen, die ihm zur Belohnung noch Küsse auf die Wangen gedrückt hatten. Unglaublich!

„Lass sie doch. Sie wollen sich noch einmal austoben, bevor es in den Hafen der Ehe geht!“ Alex grinste, sein Gesicht war lippenstiftverschmiert. Er genoss diesen Zustand sichtlich.

„War schon klar, dass du das gut findest!“, schimpfte Maren beleidigt. „Hätte noch gefehlt, dass dir eine von denen die Zunge in den Hals geschoben hätte!“

„Schatz, du übertreibst mal wieder ordentlich!“ Alex wühlte in seiner Hosentasche nach einem Taschentuch. Maren würde keine Ruhe geben, bis er die Kussspuren beseitigt hätte.

„Ich habe gelesen, dass manche Wirte derartige Gruppen gar nicht mehr in ihre Bars lassen.“, sagte Maren. „Früher gab es sowas nicht!“

Alex grinste. Das wusste er besser. Seinen Junggesellenabschied hatte er jedenfalls in lebhafter Erinnerung behalten. Allerdings wusste Maren davon nichts, die war nämlich zu dem Zeitpunkt mit ihrer Freundin in Spanien gewesen. Gott sei Dank. Wüsste sie, dass er und seine Freunde damals ordentlich die Puppen hatten tanzen lassen, wäre es wohl nicht zu einer Eheschließung gekommen. Seitdem war er seiner Maren treu geblieben und das würde auch so bleiben. Geschadet hatte es ihrer Beziehung jedenfalls nicht.

„Sollen wir einen Kaffee trinken?“, fragte Maren jetzt und steuerte ein Café an. Alex wollte sie nicht verärgern, obwohl er keine Lust auf Kaffee hatte. Er ließ sich also bereitwillig ins Café führen und nahm brav an Marens Seite Platz. Gerade hatte die Kellnerin den Kaffee gebracht und ein herrliches Stück Käsekuchen für Maren, als Jenny, Marens Freundin, das Café betrat.

Sofort hatte sie Alex und Maren entdeckt.

„Huhu!“, rief sie. „Das ist ja eine Überraschung, wir haben uns ja ewig nicht gesehen!“ Sie zog einen Stuhl vom Nebentisch heran und setzte sich. „Habt ihr auch diese verrückten Weiber gesehen, die Junggesellenabschied feiern?“, wollte sie wissen.

Margret hustete, hatte sie sich doch an diesem blöden Käsekuchen verschluckt vor Schreck. Ausgerechnet Jenny mussten sie hier treffen, und ausgerechnet dieses Thema musste präsent sein. Hoffentlich würde Jenny das nicht ausweiten, denn dann würde Alex erfahren, dass sie selbst auch ausgiebig gefeiert hatte, bevor sie ihn geheiratet hatte. Warum hatte sie auch so geschimpft auf die jungen Frauen? Das war blöd und unnötig; keine von denen hätte ihr Alex weggenommen und so ein bisschen Lippenstift im Gesicht war ja nicht wirklich schlimm gewesen.

Jenny klopfte ihr auf den Rücken. „Mensch Maren, was ist denn los? Kann ich dir helfen?“, fragte sie und zwinkerte ihr zu. „Hast du einen Geist gesehen?“

„Nein, es ist alles gut, sorry, habe mich wohl verschluckt!“, stammelte Maren. In ihrem Hinterkopf zeterte ein kleiner Kobold und er gab keine Ruhe. ‚Ich hab‘ ein knallrotes Wasserbett‘, sang er und ließ in Margrets Kopf das Bild einer schaukelnden Luftmatratze aufleuchten, auf der ein Paar innig miteinander knutschte. Sie, Maren, und dieser …, wie hieß er noch?

Jenny grinste, sie kannte ihre Freundin zu gut und wusste genau, was da gerade in ihrem Kopf vor sich ging. Aber verraten hätte sie Maren niemals.

Alex schaute irritiert von der einen zur anderen und er hoffte inständig, dass keine von beiden das leidige Junggesellenabschiedsthema noch einmal aufnehmen würde.

„Darf ich die Damen auf einen Prosecco einladen?“, fragte er geschäftig, obwohl er sich eigentlich wünschte, dass Jenny sich verabschieden würde.

Die tat ihm den Gefallen aber nicht.

„Klar, warum nicht?“, zwitscherte sie und zwinkerte Maren zu. „Trinken wir auf die Liebe!“

Maren hob ihr Glas und prostete Alex zu. „Auf die Liebe!“, sagte sie und der kleine Kobold in ihrem Kopf gab endlich Ruhe. Jedenfalls vorläufig.

 

© Regina Meier zu Verl

 

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Schon wieder ist es Zeit für unsere Reizwortgeschichte, folgende Wörter waren diesmal zu verwursten:
Kartoffelsalat Treppenstufeverschwindenödeglühend
Bitte lest auch bei meinen Kolleginnen:
Lore
Martina
Eva
Christine

Omas Kartoffelsalat
 
Wenn bei uns zu Hause gefeiert wurde, dann bereitete meine Oma immer eine Riesenportion Kartoffelsalat zu. Keiner konnte das so gut wie sie. Alle hatten es schon versucht, Mama, Tante Lisa, sogar Onkel Matthias, ihre Salate kamen nicht annähernd an den herrlichen Kartoffelsalat meiner Oma heran. Das Rezept rückte sie aber nicht raus und wenn mal einer versuchte, sie auszuspionieren, dann hat sie es stets gemerkt und den Spion aus ihrer Küche verwiesen. Oma wurde dann zum Feldwebel. „Verschwindet aus meiner Küche, aber zackig!“, rief sie dann und niemand widersetzte sich, schon weil alle fürchteten, dass sie dann keinen Salat mehr machen würde.
Oma sah nicht mehr so gut. Sie hatte eine Brille, aber die war ihr beim Kochen lästig. „Immer beschlägt das blöde Ding!“, behauptete sie und setzte sie nur auf, wenn sie die Zeitung las, oder das Haus verließ. Und natürlich sonntags, wenn sie in die Kirche ging, wo sie mit Inbrunst die Lieder mitsang. Oma war textsicher, jedenfalls in den ersten drei Strophen, für die restlichen brauchte sie die Brille.
An einem Sonntag im Herbst war ich mit Oma in der Kirche. Wir saßen immer ganz hinten, weil Oma dann besser sehen konnte, wer so alles in die Kirche kam. So ein Gottesdienst war ja ein gesellschaftliches Ereignis und da musste sie doch sehen, wer daran teilnahm. Leise kommentierte sie, damit ich auch was davon hatte. „Guck, das ist Försters Grete, die kennst du doch, ne?“, sagte sie zum Beispiel. Wenn ich das verneinte, dann lieferte sie der Erklärung nach: „Die ist doch eine geborene Schlüter, von Schlüters, die hinten bei den Fichten wohnen! Die hat dann den Förster geheiratet, den wollte sonst keine!“ oder „Nun guck dir die alte Meiersche an, den Hut hat sie doch schon dreißig Jahre, unglaublich!“ Ich musste mir oft das Lachen verkneifen, das kann man sich sicher vorstellen! Öde waren die Besuche mit Oma in der Kirche auf keinen Fall, sie wusste über jeden etwas zu berichten und ich hörte brav zu.
Manchmal buffte sie mich in die Seite, dann musste ich genau hinschauen, wer da gerade an uns vorbei durch den Mittelgang marschierte. Die meisten Leute aus unserem Dorf kenne ich ja, aber es war auch immer mal einer dabei, den ich noch nie gesehen hatte. Also verkniff ich mir „Aua“ zu rufen und schaute genau hin.
„Der Tonius, der war in meiner Klasse!“, sagte sie einmal. „Wenn du mir versprichst, es keinem Menschen weiterzusagen, dann verrate ich dir was!“ Ich hob drei Finger zum Schwur und war gespannt. „Du darfst es aber wirklich nicht sagen, vor allem dem Opa nicht, der wird verrückt, wenn er das hört!“ Ich schüttelte heftig den Kopf. „Du kannst dich drauf verlassen, heiliges Ehrenwort!“, sagte ich, weil ich das in der Kirche für angemessen hielt. „Der war mal ein glühender Verehrer von mir und beinahe …“ Jetzt wurde es spannend. „Ja?“, fragte ich. „Beinahe hätte ich den geküsst!“ Oma errötete ein kleines bisschen. Verschämt sah sie sich um. „Das hat doch wohl keiner gehört, oder?“, wollte sie von mir wissen. „Nee, bestimmt nicht, ich habe es selbst kaum hören können!“, beruhigte ich sie. Vor lauter unterdrücktem Lachen hatte ich einen Schluckauf bekommen. Die Leute schauten schon auf mich und das war Oma natürlich sehr unangenehm, wo sie mir doch gerade so ein geheimes Geheimnis anvertraut hatte.
Als der Gottesdienst zu Ende war, hatte sie es dann plötzlich sehr eilig nach Hause zu kommen. Sie wartete nicht einmal mehr den Segen ab und zog mich zum Ausgang. Und wie das so ist, wenn man nicht mehr so gut sieht und die Brille in der Handtasche ruht und man es zudem noch eilig hat, man wird unvorsichtig und es passierte, was passieren musste. Oma übersah die letzte Treppenstufe vor dem Kirchenportal und stürzte.
Ich versuchte ihr aufzuhelfen, aber das war nicht möglich. Schmerzverzerrt fluchte Oma: „Heiliges Kanonenrohr! Der Kartoffelsalat!“ Ungläubig sah ich sie an. Was hatte denn der Kartoffelsalat damit zu tun?
„Da ist bestimmt was gebrochen!“, heulte sie. „Und ich habe den Kartoffelsalat noch nicht fertig, heute Abend kommen doch Tina und Jörg zum Essen!“
„Also Oma, wenn du keine anderen Sorgen hast!“, schimpfte ich. Die anderen Gottesdienstbesucher kamen nun auch aus der Kirche und sahen die Bescherung. Hilfe nahte in Form von Tonius, dem glühenden Verehrer.
„Nicht bewegen!“, rief er besorgt. „Ich rufe einen Krankenwagen!“ Er zückte sein Handy und wählte den Notruf an.
Eine Viertelstunde später saßen Oma und ich im Krankenwagen. Glücklicherweise war nichts gebrochen, nur der Knöchel war verstaucht und Papa konnte uns aus dem Krankenhaus wieder abholen. Oma saß dann in der Küche, Papa bettete ihren Fuß auf einen Hocker und dann mussten alle die Küche verlassen. Nur ich durfte bleiben und unter Omas Anleitung den Kartoffelsalat fertigstellen.
Ja, so war das!

Nun tut mir bitte einen Gefallen und erzählt die Sache mit dem Verehrer nicht weiter, ich habe es ihr versprochen!

© Regina Meier zu Verl 2017

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