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Archive for the ‘Geschichten für Erwachsene’ Category

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Wie die vier Kerzen zu ihren Namen kamen

„Die haben mich vergessen!“, schimpfte die vierte Kerze auf dem Adventskranz.
„Ach was, du kommst schon noch dran!“, meinten die anderen einstimmig.
„Aber es ist doch schon dunkel und wenn ich das richtig sehe, ist kein Mensch zu Hause“, sagte nun wieder die Nummer Vier.
„Wir sind denen gar nicht wichtig, sie haben uns nicht einmal einen Namen gegeben!“, sagte die Nummer Drei traurig. „Menschen geben denen, die sie lieben einen Namen. Denk mal an den Hund!“
„Du hast recht. Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, aber es stimmt. Wir sind einfach nur Nummern. Oh je, ist das traurig!“ Das war die zweite Kerze.
„Wir sind eben nur Kerzen!“, flüsterte die Nummer Eins, die immer ein wenig leiser war als die anderen. Dabei hatte sie doch das Glück gehabt, als allererste von ihnen entzündet zu werden. Sie wusste aber, dass das ein Zufall war, es hätte ebenso gut eine von den anderen sein können.
Die vier Kerzen schwiegen, jede für sich war in Gedanken versunken. Im Haus war es mucksmäuschenstill, nur das Ticken der großen Wanduhr war zu hören.
Plötzlich wurde die Tür zum Wohnzimmer geöffnet und jemand schaltete das Licht ein.
„Jetzt ist es endlich soweit!“, dachte die vierte Kerze und wagte kaum zu atmen vor lauter Aufregung. Tatsächlich, da kam Tina, die hier wohnte und setzte sich aufs Sofa.
„Schatz!“, rief sie und noch einmal: „Schahatz!“
„Was ist denn, Tina?“, rief Alex, Tinas Liebster.
„Heute ist der vierte Advent, wir wollen noch die Kerzen anzünden und ein Weihnachtslied singen!“, rief Tina.
„Boah, du bist so altmodisch! Muss das denn unbedingt jetzt sein, ich habe solchen Hunger!“, maulte Alex. Da er aber seine Tina liebte, machte er sich auf den Weg ins Wohnzimmer.
„Ich bin übrigens nicht altmodisch, man nennt das romantisch, mein Lieber und ein wenig Romantik stände dir auch ganz gut zu Gesicht!“, meinte Tina und hielt Alex die Streichhölzer hin. „Mach du!“, ordnete sie an.
Gerade wollte Alex die vierte Kerze anzünden, deren Docht noch ganz unbenutzt war, als Tina rief: „So nicht, es muss in der richtigen Reihenfolge angezündet werden, die vierte ist die letzte Kerze, fang mit der Nummer Eins an!“, schimpfte sie.
„Demnächst werden wir den Kerzen noch Namen geben und ihnen später einen Gutenachtkuss geben!“, witzelte Alex.
„Blödmann!“, schimpfte Tina und schob schmollend die Unterlippe vor.
„Das ist aber kein schöner Name, lass dir was besseres einfallen!“, konterte Alex und brachte Tina damit wieder zu lachen.
„Okay, die erste heißt Chris – nun bist du dran, mein Lieber!“
Alex zündete die erste Kerze an. „Ich taufe dich auf den Namen Chris!“, sagte er feierlich. Dann hielt er das Streichholz an die zweite Kerze. „Und du heißt … Aua!“ Alex hatte sich den Finger verbrannt, das tat ganz schön weh.
„Aua kann sie aber nicht heißen“, meinte Tina, nachdem sie Alex einen Kuss auf den schmerzenden Finger gegeben hatte. „Ich schlage vor, sie heißt Aurelia, okay?“
Zu Chris und Aurelia kamen dann noch Luke und Mara dazu.
Die Kerzen waren glücklich und strahlten heller als je zuvor. „Sie haben uns Namen gegeben“, flüsterte Mara. „Das heißt, dass sie uns lieben!“
„Ja!“, flüsterten Chris, Aurelia und Luke.
Tina kuschelte sich an ihren Alex und schaute glücklich ins funkelnde Licht der Adventskerzen.

© Regina Meier zu Verl

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Das Märchen vom Apfelglück stammt aus dem letzten Jahr, hier habe ich es noch nicht vorgestellt, deshalb heute

Apfelglück

Es war einmal, vor langer Zeit, ein Mädchen, das in einem kleinen Dorf lebte. Es hatte sieben Geschwister, drei Brüder und vier Schwestern. Das Mädchen hieß Anna und sie war die Älteste.
Die Familie hatte nicht viel Geld und oft genug war es schwer, alle Kinder satt zu bekommen.
„Ach“, klagte die Mutter oft. „Es tut mir so leid, dass ich euch kein reichhaltiges Mahl anbieten kann, ihr hättet es verdient!“
Anna wollte der Mutter so gern helfen, immer wieder versuchte sie, bei den Nachbarn etwas Nahrhaftes zu ergattern, indem sie kleine Dienste für sie verrichtete. Aber es war nicht viel, was sie dafür bekam, mal ein Stück Brot, oder auch mal einen Kanten Speck.
Einmal, es war kurz vor dem Weihnachtsfest, erhielt sie von der alten Tilde einen Korb voller Äpfel, die schon leicht verschrumpelt waren.
„Nimm, Kind, aber teile sie gut ein!“, hatte die Alte gesagt.
Anna suchte sieben Äpfel aus, die noch fest und knackig waren. Die wollte sie ihren Geschwistern zu Weihnachten schenken. Sie versteckte sie im Keller an einem sicheren Platz. Die restlichen Äpfel gab sie der Mutter, die daraus Kompott zubereitete. Das reichte jedoch nicht lange und jeden Abend gingen die Kinder hungrig zu Bett.
Eines Abends, die Eltern waren nicht zu Hause, weinte die kleine Anina so herzzerreißend, dass Anna in den Keller ging, einen der Äpfel nach oben trug und ihn in acht Stücke teilte. Sie erzählte ihren Geschwistern, dass es sich um einen Wunderapfel handelten und dass der, wenn man nur fest genug daran glaubte, die Hungerschmerzen für eine Nacht besänftigen konnte. Gemeinsam aßen sie, jeder sein Achtel, kauten genüsslich und schliefen dann zufrieden ein. Die Kerne sammelte Anna in ihrer Schürzentasche, nachdem sie sie sorgfältig in ein Taschentuch gewickelt hatte.
So ging das ein paar Tage, bis zum Schluss nur noch ein einziger Apfel übrigblieb. Es war der Tag vor dem Heiligen Abend. Wieder weinte Anina vor Hunger und bat ihre große Schwester um ein Stück vom Wunderapfel. Was sollte sie machen? Sie schnitt den letzten Apfel auf, der schmeckte süßer als all die Äpfel vorher und schon bald schliefen die Kinder zufrieden ein.
In dieser Nacht träumte Anna von der alten Tilde und den wunderbaren Äpfeln, die sie einige Tage lang gegessen hatten. ‚Hast du sie gut eingeteilt?‘, fragte Tilde in Annas Traum. ‚Das habe ich!‘, antwortete Anna traurig. ‚Aber jetzt haben wir keine Äpfel mehr und werden zu Weihnachten hungern müssen.‘ Tilde schüttelte den Kopf. ‚Du hast mit deinen Geschwistern geteilt, gerecht, und ohne ein Stückchen zu verschwenden. Selbst die Kerne hast du sorgsam verwahrt.‘
Anna wunderte sich, woher die alte Tilde das wissen konnte … und erwachte aus ihrem Traum. Verwirrt setzte sie sich im Bett auf. Was hatte Tilde denn nur gemeint? Anna schlüpfte aus dem Bett und holte das Taschentuch mit den Kernen aus ihrer Schürzentasche. Als sie diese in ihrer Hand hielt, fingen sie an zu leuchten, denn sie waren aus purem Gold.
Und da in jedem Apfel fünf Stübchen sind, in denen jeweils zwei Kerne wohnen, besaß Anna nun achtzig goldene Kerne, die gab sie am nächsten Tag ihrer Mutter und die kaufte dafür Lebensmittel und kleine Geschenke für das Weihnachtsfest.
Das ist natürlich ein Märchen, goldene Apfelkerne, die gibt es nicht – oder vielleicht doch?

© Regina Meier zu Verl

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Zum Plätzchen backen bin ich in diesem Jahr gar nicht gekommen. Aber das macht nichts, ich habe nämlich immer mal wieder ein Tütchen Selbstgebackene geschenkt bekommen und die landen nun alle auf unserem Weihnachtsteller. So einfach von der Hand, wie dem Zauberer in der nächsten Geschichte geht es mir nämlich nicht, besser gesagt: mir fehlte die Zeit in diesem Jahr.

Der Zauberer Theodosius

„Ich bin ein Zauberer!“, rief der Weihnachtsmanngehilfe Theodosius und sprang einen halben Meter in die Höhe. „Ein großer Zauberer bin ich, jaja!“
Die anderen Gehilfen kicherten.
„Jetzt fängt er wieder mit diesem Blödsinn an!“, schimpfte Ambrosia, die das schon aus den vergangenen Jahren kannte. „Gleich zaubert er Weihnachtsgebäck und wir dürfen die Sache dann wieder ausbaden, weil wir, wie immer, in Verzug geraten werden!“
„Nun lass ihn doch, vielleicht hat er das Zaubern ja gelernt mittlerweile und wenn das so wäre, dann würde er uns jede Menge Arbeit ersparen“, meinte Klarina, die ein bisschen verliebt in Theodosius war.
Dankbar schaute Theodosius zu ihr hin und lächelte sie strahlend an und Klarina war hin und weg.
„Ihr nun wieder!“ Das war Ambrosia, die kopfschüttelnd die Backstube verließ. Sicher wollte sie wieder beim Weihnachtsmann petzen.
„Dann lass doch mal sehen!“, schlug Klarina vor und klopfte Theodosius aufmunternd auf die Schulter. „Was zauberst du uns zuerst?“
„Ja, ja!“, riefen auch die anderen. „Zeig, was du kannst!“
„Okay, dann mal los!“, sagte Theodosius. „Man stelle fünf Schüsseln auf den Tisch, alle müssen die gleiche Größe haben!“, ordnete er an.
Sogleich stellten die neugierigen Gehilfen fünf Schüsseln bereit. Dann sahen sie Theodosius erwartungsvoll an.
Der murmelte ein paar unverständliche Worte, hielt die Hände über jede Schüssel und wartete.
Dann rief er: „Okay, nun brauche ich eine riesige Schüssel, viel größer als die fünf anderen!“
Klarina holte eine große Schüssel aus dem Regal und stellte sie zu den anderen.
„Danke, du Liebe!“, schmeichelte Theodosius. „Nun werden die kleinen Schüsseln befüllt, in eine kommt viel Butter, in die nächste viel Zucker, in die nächste doppelt so viel Mehl, in die vierte gemahlene Mandeln und in die fünfte eine Prise Salz, ein wenig Vanillemark, etwas Zimt und Kardamom!“, ordnete er an.
„Der schmiert uns doch an!“, flüsterte Bella, eine der Kleinsten.
„Pst!“, machte Klarina und legte den Zeigefinger auf die Lippen. „Stör ihn nicht!“
Als alle Zutaten verteilt waren, die Gehilfen hatten sich echt beeilt, murmelte Theodosius ein paar Worte in die leere Riesenschüssel, hob die Hände, schloss die Augen und rief dann:
„Vereinigt euch, ihr leckeren Dinge, dass euer Geschmack uns Freude bringe!“
Dann wurde es ganz still, man hätte eine Stecknadel fallen hören können, so still wurde es. Aber – es geschah nichts.
„Und jetzt?“, fragte Klarina in die Stille hinein.
Theodosius kratzte sich am Kopf. „Mmh, da muss ich wohl eine wichtige Zutat vergessen haben!“, murmelte er und ging die Zutatenliste im Kopf noch einmal durch.
„Ich hab’s, alles muss nun in die große Schüssel!“, rief er.
„Klar, das hätte ich dir auch sagen können!“ Klarina schüttelte den Kopf. Wollte er sie etwa für dumm verkaufen? So viel Frechheit hatte sie ihm nun doch nicht zugetraut und ein Fünkchen Hoffnung, dass der Zauber noch käme, wenn erst alle Zutaten in der Riesenschüssel wären, blieb noch. Also füllte sie alles, Butter, Zucker, Mehl, Mandeln und Gewürze in die Riesenschüssel und wartete.
Und sie wartete und wartete, nichts tat sich. Wie auch?
Klarina fing an, den Teig zu kneten, dann formte sie kleine Kugeln und die anderen Gehilfen gingen ihr zur Hand. Sie rollten den Teig aus, stachen Sterne aus und legten die Teigstücke auf die großen Backbleche. Der Ofen wurde angeheizt und nach und nach wurden die Bleche in den heißen Ofen geschoben. Ein köstlicher Duft breitete sich aus, der weit bis über die Backstube hinaus zu riechen war.
Während alle zusammen mit dem Verzieren der Plätzchensterne beschäftigt waren, kam auch Theodosius zurück.
„Es hat funktioniert!“, rief er begeistert aus. „Plätzchen backen, ohne einen Finger zu bewegen! Ich bin ein großer Zauberer!“

© Regina Meier zu Verl
 

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17. Dezember

Den zweiten Teil der Geschichte des kleinen Engels hatte ich euch vorgestern versprochen. Hier ist er nun: (Teil 1 ist HIER)

Silver, der kleine Engel (Teil 2)

Hoch am Himmel flog Silver, der kleine Engel. Nach langer Zeit der Traurigkeit fühlte er sich heute richtig wohl, nachdem ihm die Begegnung mit dem Fuchs die Augen geöffnet hatte. Er schaute hinab auf die kleine Stadt unter ihm, die weihnachtlich beleuchtet war, denn es waren nur noch ein paar Tage bis zum Weihnachtsfest. Überall in den Gärten standen beleuchtete Tannenbäume und in den Fenstern strahlte heller, warmer Kerzenschein.
Silver ließ sich ein wenig mehr nach unten gleiten, weil ihm so gefiel, was er da sah. Plötzlich hörte er seinen Namen.
„Silver“, rief eine leise Stimme. „Flieg hinab zur Erde, du wirst gebraucht!“
„Aber wohin soll ich fliegen?“, fragte Silver aufgeregt. Er spürte, dass sich Gabriels Vorhersage nun bald erfüllen würde.
„Lass dich einfach fallen, dann wirst du schon wissen, was zu tun ist“, sagte die Stimme.
Silver tat, wie ihm geheißen. Langsam sank er immer tiefer und tiefer hinab und plumpste plötzlich in den weichen Schnee direkt am Rand des Marktplatzes.
War das ein Trubel, viele Menschen gab es hier, Buden mit Süßigkeiten, sogar ein Kinderkarussell. ‚Das muss ein Weihnachtsmarkt sein!‘, dachte Silver und schaute sich neugierig um.
Mitten auf dem Platz tanzten Kinder auf einer Eisfläche einen Schlittschuhtanz. Wie lustig das aussah, gern hätte Silver ein wenig mit den Kindern herumgetollt, aber er hatte auch ein wenig Angst davon, was passieren würde, wenn man ihn entdeckte.
Ein kleines Mädchen saß am Rand der Eisbahn. Es weinte. Niemand kümmerte sich um die Kleine.
Sofort spürte Silver, dass er eingreifen musste. Wo waren denn nur die Eltern des Mädchens und warum bemerkte niemand, dass es weinte?
Sanft nahm er die Hand des Mädchens und sprach es an.
„Warum weinst du? Hast du dir weh getan?“, fragte er leise.
„Nein, aber ich bin ganz allein!“, stammelte die Kleine.
Das war nicht gut, gar nicht gut. Er flüsterte dem Mädchen etwas ins Ohr, hob sich in die Luft und versuchte, die Eltern des Kindes ausfindig zu machen. Er würde sie schon erkennen, ganz bestimmt.
Er entdeckte eine Frau, die sich suchend umschaute. Silver landete neben ihr und sprach sie an, doch die Frau hörte ihn nicht. Er zupfte an ihrem Mantel. Die Frau reagierte nicht.
„Silvia!“, rief sie laut. „Wo bist du denn nur?“
„Aha!“ rief Silver. „Dann bin ich wohl Silvias Schutzengel!“ Er nahm die Hand der Frau und zog sie über den Marktplatz in Richtung Eisbahn. Die Frau folgte ihm und rief immer wieder Silvias Namen und endlich sah sie ihre Tochter, die ihr aufgeregt zuwinkte.
„Mama!“, rief sie. „Ich war hier ganz allein und wusste nicht wo du bist!“
Die Frau schloss das Kind in ihre Arme.
„Ich habe so geweint, doch dann kam dieser Engel und da wusste ich, dass alles wieder gut wird!“, sagte Silvia.
„Engel?“, fragte die Frau. „Welcher Engel denn, fantasierst du wieder?“ Sie fühlte die Stirn ihrer Tochter. „Fieber hast du aber nicht!“
„Der Engel, der da neben dir steht, du hattest ihn an der Hand, als du mich gefunden hast!“, erklärte Silvia.
Die Mutter lachte. „Engel, die gibt es nur im Märchen!“, sagte sie. „Aber jetzt ist ja alles wieder gut!“
Silver lächelte. Das Kind hatte ihn gesehen, die Mutter nicht. Das war wohl das Zeichen dafür, dass er, Silver, wirklich der Schutzengel der Kleinen war.
„Silvia und Silver!“, flüsterte er und hauchte dem Mädchen einen zarten Kuss auf die Wange.
„Ja, wir beide!“, flüsterte das Kind. „Bleibst du jetzt bei mir?“
„Ja, immer!“, versprach Silver.
„Mit wem redest du?“, fragte die Mutter verwundert.
„Das ist mein Geheimnis“, antwortete Silvia und sie hat niemandem verraten, dass von da an der Engel Silver stets an ihrer Seite war.
Ja, so war das!

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16. Dezember
In einem der Türchen von Oma Bettys Adventskalender war eine prächtige Schneelandschaft zu sehen. Ich warte auch sehnsüchtig auf Schnee, gern meterweise hoch, oder besser doch nicht?
Egal, auf jeden Fall hatte Oma wieder eine Geschichte zum Schnee anzubieten, doch lest/oder hört selbst!

Jonas und das Schneechen

In der Nacht hatte es endlich geschneit. Jonas merkte es schon beim Aufwachen, denn es war viel heller im Zimmer als sonst.
„Lisa“, flüsterte Jonas. „Lisa, wach auf, ich glaube, es hat geschneit!“
„Dann schau erstmal nach, bevor du mich weckst, du kleine Nervensäge!“, murmelte Lisa und drehte sich auf die andere Seite, wobei sie ihre Bettdecke über den Kopf zog.
Jonas tappte mit nackten Füßen zum Fenster, kletterte auf den Stuhl, der davorstand und schaute hinaus.
„Yippie! Schnee, jede Menge Schnee!“, rief er begeistert.
„Boah!“, stöhnte Lisa. „Bruder, du nervst! Und jetzt sei leise, du weckst Mama und Papa noch auf.“
Jonas zog seinen Schlafanzug aus, stieg in seine Jeans, schnappte seinen dicken Pulli und die Socken und verließ das Kinderzimmer. Sollte Lisa doch liegenbleiben. Er würde nun jedenfalls sofort raus in den Garten gehen, bevor der Schnee wieder weg war. Man wusste ja nie!
Am Schlafzimmer seiner Eltern schlich er leise vorbei und die vorletzte Treppenstufe ließ er aus, weil sie so knatschte. Dass der Sprung beinahe genauso viel Lärm machte wie das Knatschen hatte er nicht bedacht. Schon hörte er die Stimme seiner Mutter.
„Jonas, was machst du da unten?“
„Ich hole mir was zu trinken, Mama. Schlaf ruhig weiter!“, antwortete er und grinste.
Mama hatte sich wohl auf die andere Seite gedreht, jedenfalls machte sie keine Anstalten aufzustehen. Vorsichtshalber wartete Jonas noch ein Weilchen, bevor er leise die Haustür öffnete und endlich im Garten stand.
War das eine Pracht. Noch völlig unberührt lag eine dicke Schneedecke auf dem Rasen. Jona rieb sich die Hände und fasste dann vergnügt in das kalte Nass. Er formte einen Schneeball und wollte gerade ansetzten, den Ball durch den Schnee zu rollen, um ihn zu vergrößern, als er eine feine Stimme hörte:
„Lass das! Das ist mein Schnee!“
Jonas ließ vor Schreck den Schneeball fallen.
„Bist du verrückt?“, kreischte die Stimme nun lauter. „Zuerst klaust du meinen Schnee und dann schüttest du mich damit zu! Hilf mir sofort wieder hier raus!“
Jonas bückte sich und versuchte, den Schnee, den er gerade hinuntergeworfen hatte, wieder aufzunehmen und was kam darunter zum Vorschein? Nichts! Jedenfalls war nichts zu sehen und trotzdem schimpfte dieses ‚Nichts‘ laut weiter.
„Guck nicht so blöd!“
Jonas schluckte, dann fragte er vorsichtig: „Wer bist du und wo bist du? Ich sehe dich nicht!“
Die Stimme kicherte. „Du musst schon genauer hinschauen, Jonas!“
Jonas ließ sich auf die Knie nieder und blickte konzentriert auf den Schnee und dann sah er in all dem Weiß ein kleines rosa Herzchen, so winzig klein wie die Zuckerherzen auf den Weihnachtsplätzchen. Er streckte die Hand aus, um es aufzunehmen.
„Nicht anfassen!“, kreischte die Stimme. Erschreckt zog Jonas seine Hand zurück, nun hatte er sich so über den Schnee gefreut und jetzt durfte er ihn nicht anfassen. So gern hätte er einen Schneemann gebaut.
Plötzlich bewegte sich das Herzchen und dann sah Jonas, dass es gar kein Herzchen war, sondern ein winzig kleines Schnäuzchen.
„Siehst du mich nun endlich, Jonas?“
Jonas schaute noch genauer hin und erblickte zwei winzige Äuglein und ja, Augen und Herzschnäuzchen gehörten zu einem Tier mit weißem Fell. Oh, war das niedlich!
„Bist du ein Mäuschen?“, fragte Jonas.
„Nein, bin ich nicht. Rate nochmal!“, sagte das Tierchen vergnügt. Offensichtlich machte es ihm Spaß, das Kind hinzuhalten.
„Bist du vielleicht ein … Schneechen?“, fragte Jonas
„Ein Schneechen? Was soll das denn sein? So ein Unsinn!“, schimpfte das Kleine. „Rate noch einmal, aber wehe, wenn du es nun nicht errätst, dann lasse ich den Schnee schmelzen, jawohl, das mache ich!“
Das wollte Jonas auf keinen Fall, deshalb strengte er sich an und ging in Gedanken alle Tiere durch, die er so kannte und die ein rosa Schnäuzchen haben konnten. Das Tierchen bewegte sich, hüpfte ein wenig vor ihm herum und dabei erkannte Jonas zwei verhältnismäßig lange Ohren. Sein Herz tat einen Hüpfer, denn sofort fiel ihm ein, um was für ein Tier es sich handeln könnte.
„Du bist ein …“, sagte er ganz langsam und dabei betonte er jedes Wort.
„Nun sag schon!“, trieb das Tierchen ihn an.
„Schneehäschen!“, posaunte Jonas aus und grinste.
„Genau!“, rief das Häschen und hüpfte freudig im Kreis. Dabei hinterließ es winzige Spuren im Schnee, Schneehäschenspuren eben.
„Mit wem sprichst du denn da?“, rief Lisa vom Kinderzimmerfenster aus.
„Verrate mich nicht“, flüsterte das Häschen.
„Abgemacht!“, versprach Jonas und dann rief er laut: „Ach, ich führe Selbstgespräche, Lisa. Ich komme jetzt auch ins Haus, es ist ganz schön kalt!“

Sein Erlebnis mit dem Schneehasen hat Jonas für sich behalten. Vermutlich hätte ihm sowieso niemand geglaubt, aber das machte nichts. Er wusste ja, dass er es erlebt hatte und nur das zählte für ihn. Der Schnee blieb eine ganz Woche liegen und wenn Jonas im Garten war, dann bewegte er sich ganz vorsichtig und schaute bei jedem Schritt, ob er nicht aus Versehen auf ein rosa Herzchen trat.
Später hat Jonas die Geschichte aufgeschrieben, sonst könnte ich sie ja jetzt nicht erzählen, nicht wahr?

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Engelshaar, Stern, glitzern, jubeln, glücklich

Das waren die Wörter für den heutigen Tag, die ich in einer kleinen Engelgeschichte verarbeitet habe und in den Adventskalender einfüge, weil es gerade so schön passt.

Lest bitte auch bei meinen Kolleginnen: Lore und Martina

Lores Märchenzauber

Von-Herz-Herz-Geschichten

Silver, der kleine Engel

Es war ein paar Tage vor Weihnachten. Der kleine Engel Silver trottete traurig durch den verschneiten Winterwald. Eiskalte Füße hatte er, daran konnten auch seine heißen Tränen nichts ändern. Er hätte fliegen können, doch dazu fehlte ihm die Kraft.
Es war Nacht. Glücklicherweise schien aber der Vollmond hell auf den glitzernden Schnee. So schön sah das aus, doch Silver nahm es nicht wahr.
„Nun sag mal“, sagte der kleine Fuchs, der plötzlich mitten auf dem Weg stand. „Was ist denn nur mit dir los? Du weinst ja zum Herzerbarmen!“
„Stimmt“, schluchzte der Engel. „Es ist aber auch alles so furchtbar traurig!“
„Kann ich dir helfen?“, fragte der Fuchs.
„Mir kann niemand helfen!“, heulte Silver und schon wieder tropfen dicke Tränen in den Schnee.
„Lass es mich doch versuchen“, schlug der Fuchs vor. Er setzte sich vor die Füße des kleinen Engels und schlug seinen buschigen Schwanz um seine Vorderpfoten. Sehr anmutig sah das aus. Silver, der noch nie einen Fuchs aus der Nähe gesehen hatte, war beeindruckt von dessen Eleganz.
„Wie schön du bist!“, rief er bewundernd aus und das meinte er auch ganz ehrlich.
Der Fuchs lächelte, das Kompliment freute ihn.
„So schöne Worte für mich von einem so schillernden Wesen wie dir“, schmeichelte er. „Dabei bist du viel schöner als ich. Dein silbernes Engelshaar leuchtet im Dunklen. Jeder Stern müsste vor Neid blass werden.“
Silver überlegte einen Moment. Sollte der Fuchs etwa recht haben? Doch mit dem winzigen Hoffnungsfünkchen stellten sich schon im nächsten Augenblick heftige Zweifel ein.
„Das mag sein, aber alles an mir ist falsch. Alle anderen Engel sind von goldener Farbe, ihr Haar, ihre Gewänder, ihr Sternenschmuck im Haar. An mir ist alles Silber. Das ist nicht richtig und deshalb bin ich so unglücklich!“
„Tja“, sagte der Fuchs. „Du musst lernen, dich selbst zu lieben. So mache ich das auch und deshalb bin ich ein glücklicher Fuchs.“
„Ich werde es versuchen“, versprach der kleine Engel halbherzig.
„Gut“, sagte der Fuchs. „Denk immer an meine Worte! Mach‘s gut, kleiner Engel!“
Der Fuchs erhob sich und ging seines Weges. Erst jetzt bemerkte Silver, dass der hübsche Fuchs das linke Hinterbein schwerfällig hinter sich herzog.
Lange schaute er ihm nach und er schämte sich. Er jammerte und jammerte, nur wegen seiner Farbe und der Fuchs, der offensichtlich ein schweres Schicksal zu tragen hatte, strahlte Zuversichtlichkeit und Glück aus.
„Warte, Fuchs!“, rief Silver laut. „Lass mich ein Stück mit dir gehen!“
Doch der Fuchs drehte sich nicht um und er wartete auch nicht auf den kleinen Engel. Also ging Silver allein weiter. Er hatte aufgehört zu weinen. Auch die Last auf seinen Schultern schien ihm plötzlich nicht mehr so schwer zu sein. Vorsichtig hof er seine Flügel an und hob sich in die Luft.
„Ich kann es wieder“, jubelte er. „Ich bin gut, so wie ich bin. Das werde ich von nun an beherzigen und dann wird sich erfüllen, was mir mein Freund Gabriel prophezeit hat, der gesagt hatte: „Kleiner Engel Silver, Engel werden mit ihrem Namen geboren und wie dein Name, ist auch alles weitere an dir silbern. Das ist kein Zufall, sondern Bestimmung. Eines Tages wirst du wissen, was das zu bedeuten hat.“

Was es damit auf sich hatte, das werden wir auch schon bald erfahren, denn das ist schon wieder eine neue Geschichte von Silver, dem kleinen silbernen Engel.

© Regina Meier zu Verl

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13. Dezember
In einem weiteren Türchen fand sich ein Notenschlüssel, hier ist die Geschichte dazu:

Ohne Fleiß kein Preis
Tim hat Jule bei Frau Müller kennen gelernt. Frau Müller ist die Musiklehrerin und Jule hat immer eine Stunde vor Tim Klavierunterricht.
Er wartet vor der Tür, damit er nicht stört. Erst, wenn sie aufgehört haben zu spielen, klopft er leise an die Tür.
„Komm nur herein, Tim“, sagt Frau Müller dann und Tims Herz klopft ein bisschen schneller.
Er reicht Frau Müller die Hand und macht einen kleinen Diener und dann begrüßt er Jule, die er heimlich bewundert. Sie kann nämlich nicht nur wunderbar Klavier spielen, sie ist auch noch das schönste Mädchen, das er je gesehen hat.
„Hast du vielleicht Lust, einmal mit Jule gemeinsam ein Weihnachtslied einzuüben?“, fragt Frau Müller ihn heute, doch Tim hat gar nichts verstanden. Er schaut das Mädchen an und vergisst die Welt um sich herum.
„Tim, ich habe dich etwas gefragt!“
„Wa-wa-was denn?“, stammelt Tim und wird rot im Gesicht. Frau Müller tut so, als habe sie das nicht bemerkt.
„Ich möchte wissen, ob du mit Jule gemeinsam ein Stück spielen möchtest, vierhändig.“ Jule lächelt und nickt Tim aufmunternd zu. Er hat sich mittlerweile ein wenig gefangen und antwortet:
„Ja, gern. Aber kann ich das denn schon?“
„Sicher kannst du es, wenn du fleißig übst. Ich gebe dir heute die Noten und wir arbeiten gemeinsam daran. Nächste Woche kommst du dann einfach eine Stunde früher und ihr beide habt gemeinsam Unterricht. Ist das in Ordnung?“
„Von mir aus gern“, sagt Jule und packt ihre Notenhefte in die Tasche.
Tim ist vor Freude ganz aufgeregt und nimmt sich vor, diese Woche tüchtig zu üben, damit er mit Jule mithalten kann. Das Mädchen verabschiedet sich und Frau Müller stellt Tim das neue Lied vor. Es klingt wunderbar und Tim ist Feuer und Flamme. Am Ende der Klavierstunde gelingt es ihm schon ganz gut, im Takt zu bleiben und das Musikstück mit Frau Müller gemeinsam zu spielen.
In der folgenden Woche übt er jeden Tag eine halbe Stunde mittags, wenn er aus der Schule kommt und am Abend noch einmal ein paar Minuten.
Mama und Papa staunen, weil sie doch sonst immer sagen müssen:
„Tim, du musst noch Klavier üben!“, worauf Tim dann meist maulend und unlustig auf den Tasten herumklimpert. Plötzlich ist alles anders. Tim hat ein Ziel und es fühlt sich ganz wunderbar an zu spüren, dass man mit Fleiß eine Menge erreichen kann. Den Preis für seine Arbeit bekommt er, als er in der nächsten Woche gemeinsam mit Jule am Klavier sitzt und ihr so nah ist wie noch nie.
Frau Müller ist begeistert und klatscht vor Freude in die Hände.
„Kinder, das machen wir jetzt öfter!“, jubelt sie und ahnt nicht, welche Freude sie Tim damit macht. Oder doch?

Beim Weihnachtskonzert in der Schule treten Jule und Tim gemeinsam auf. Sie spielen die schönsten Weihnachtslieder und bekommen eine Menge Applaus.

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12. Dezember

In einem weiteren Türchen fand Oma einen Tannenzapfen, folgende Geschichte erzählte sie dazu:

Kiefernzapfen, jede Menge

Leo und Lina haben Kiefernzapfen gesammelt. Sie tun geheimnisvoll, als Mama fragt, was sie denn mit den vielen Zapfen basteln wollen.
„Das wirst du dann schon sehen!“, sagen sie und kichern. „Auf jeden Fall wird nichts gebastelt, wir helfen der Umwelt!“, behaupten sie und ziehen sich mit ihren Zapfen ins Gartenhaus zurück.
„Mama wird staunen“, freut sich Lina. „Und Papa und Oma und Opa auch.“
Leo kichert wieder. „Alle werden sie staunen. Bald.“
Lina schüttelt entschieden den Kopf.
„Von bald kann keine Rede sein. Du hast doch gehört, was Herr Norden gesagt hat, es braucht viel Geduld!“
Jetzt kommen die Jogurtbecher zum Einsatz. Tagelang haben Lina und Leo gesammelt.
„Dann erfüllen sie wenigstens noch einen Zweck!“, hatte Leo gemeint, denn zu viele Plastikbecher sind nicht gut für unsere Umwelt und Mama war dazu übergegangen, Jogurt in großen Gläsern zu kaufen, die man wiederverwenden konnte. Gut so.
Die Geschwister haben jeden Becher, den sie noch erwischen konnten, an sich genommen, denn sie haben viele Tannenzapfen gesammelt, die verarbeitet werden wollen. Wenn sie Glück hatten, dann würde aus jedem Zapfen in den Joghurtbechern ein kleines Tannenbäumchen heranwachsen. So viele Tannen!
„Ob unsere Becher da überhaupt reichen?“ Besorgt blickt Lina auf die Bechersammlung.
Die beiden Kinder füllen die Becher mit Gartenerde und legen dann jeweils einen Tannenzapfen auf die Erde. Anschließend besprühen sie jeden Zapfen mit Mamas Blumenspritze, die sie heimlich „ausgeliehen“ haben und schon bald ist ein kleines Tannenzapfenwäldchen entstanden. Jetzt kommt das Moos zum Einsatz, das sie im Garten gefunden haben und nun liebevoll auf die Erde rundum die Zapfen legen.
„Sie sollen sich doch wohlfühlen!“, meint Lina.
„Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen“, sagt Leo und Lina grinst.
„Leo, du weißt doch, dass wir viel Geduld brauchen werden, das geht nämlich nicht so ruckzuck, es braucht Zeit!“, klärt Lina ihn nochmals auf.
„ Stimmt!“ Leo nickt und klatscht voller Vorfreude in die Hände.
„Mama wird staunen. Ein tolles Geschenk wird das sein. Ein wundertolles sogar. Ich …“ Er bricht ab, blickt über den Gartentisch, der fast ganz zugestellt ist mit Bechern, in denen auf Erde Tannenzapfen thronen, und wird blass. „Wo sollen wir die denn vor Mama verstecken? Es sind ja so viele!“
Aufgeregt blickt er seine Schwester an.
„Wir erteilen ganz einfach „Gartenhausverbot“, bis Weihnachten sind es ja noch ein paar Wochen, vielleicht zeigen sich dann schon die ersten Sprösslinge.“, sagt Lina bestimmt.
„Und du meinst, dass Mama sich einfach so an das Verbot halten wird?“ Leo ist skeptisch.
„Sie muss!“, ruft Lina. „Wir machen ein Schild an die Tür und wir bitten Opa um Hilfe, der muss aufpassen, dass Mama nicht heimlich ins Häuschen geht!“
„Puh! Das wird schwer!“ Leo blickt seine Schwester zweifelnd an. „Was, wenn Mama nochmal im Garten arbeiten will?“
„Es ist Winter! Da hat Mama nichts mehr im Garten zu tun.“ Lina ist sich sicher.
Leo ist es nicht. Er denkt an die Tulpen- und Narzissenzwiebeln, die gestern in einem Paket gekommen sind und die Mama noch „in die Erde bringen will“, wie sie selbst gesagt hat.
„Dann decken wir den Tisch einfach ab mit einer großen Plane! Ich frage mal Opa, der hat immer gute Ideen!“, sagt Lina und Leo ist stolz auf seine Schwester. Meist hat sie eine Lösung, wenn ein Problem auftritt, auch wenn die Lösung immer wieder Opa heißt!
„Bei den Blumenzwiebeln können wir ja helfen!“, beschließen die Geschwister und dann machen sie sich auf zu Opa.
„Kinder! Kinder!“, sagte Opa später. „Ihr macht Sachen! Hmm! Lasst mich nachdenken.“
Er runzelt die Stirn und denkt nach. Lange. Und Lina und Leo runzeln auch die Stirn und denken auch nochmal nach.
„Wie viele Bäumchen habt ihr nochmal gepflanzt?“, fragte Opa dann. „Und wo im Garten wollt ihr sie später, nach Weihnachten, pflanzen?“
„24 sind es!“, sagt Lina stolz.
„Hinter dem Rasen in die Blumenbeete. Dort ist Platz!“ sagt Leo.
„Hm!“ macht Opa wieder. „Und wie groß werden eure Tannen einmal sein? Übrigens sind es keine Tannen, sondern Kiefern!“
„Sehr groß!“, freut sich Lina.
„Wie ein kleiner Wald!“, ruft Leo.
„Hm!“ Mehr sagt Opa nicht mehr und Lina sieht plötzlich einen großen, dichten Wald, der hinter dem Rasen hoch und dunkel aufragt. Gigantisch sieht der aus. Ein bisschen unheimlich auch. Und plötzlich gefällt ihr die Idee mit den vielen Tannen gar nicht mehr.
„Hm!“, sagt auch sie. „Ich glaube, so viele große Tannen würden Mama keine Freude machen.“
„Aber 24 kleine schon“, wirft Leo schnell ein. „Ein paar könnten wir ja auch verschenken.“
„Das ist eine gute Idee“, findet Lina. „Da es genau 24 Zapfen sind, können wir an jedem Tag im Advent eines verschenken.“
Genauso machen es die Geschwister und viele, viele Leute in der Nachbarschaft freuen sich, als es bei ihnen klingelt und die beiden Kinder mit einem Zapfenbecher vor der Tür stehen und singen:
„Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, wie treu sind deine Blätter!“

 

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10. Dezember

Fortsetzung 1 (Der Schatz im Schreibtisch)

„Sie sind in unseren Herzen, das ist das Wichtigste!“, hatte die Mutter am Abend gesagt, und das stimmte auch. Linda hatte das Gefühl, dass die beiden ganz nah waren, besonders der Großvater, mit dem sie so viel Zeit verbracht hatte. Wenn im Haus alles still war, dann glaubte sie sogar, seine Stimme hören zu können. Immer wieder las sie die kleinen Gedichte und Geschichten, die sie gemeinsam erdacht und aufgeschrieben hatten.
Großvater Josef hatte sie alle handschriftlich in einem Büchlein zusammengefasst und mit kleinen Zeichnungen ergänzt, um sie für Linda zu erhalten. Es lag stets griffbereit in der obersten Schublade des Schreibtisches, gleich neben der Geheimschublade, die immer verschlossen war. Was sich darin befand, wusste Linda nicht, auch hatte sie nie versucht, das Schubfach zu öffnen, denn es gab keinen Schlüssel und sie wollte den wertvollen Schreibtisch nicht beschädigen. Sicher wäre es dem Großvater auch nicht recht gewesen.
Andererseits hatte er ihr ja den Schreibtisch zugedacht und es hätte sein können, dass der Inhalt für sie, Linda, bestimmt war.
Auch an diesem Abend blätterte Linda wieder in dem Buch ihres Großvaters, las die Gedichte und fühlte sich zurückversetzt in die Kindheit. Sie erinnerte sich daran, dass sie in einem Jahr aus stabiler Goldfolie Engel ausgeschnitten hatten, die später den Weihnachtsbaum schmückten. Jeder Engel spielte ein Instrument. Es gab Geigen-, Flöten– und Harfenengel, singende und tanzende, lachende und ernste Figürchen, ein jedes für sich wunderbar. Im Licht der Kerzen bewegten sie sich und wenn man ganz genau hinhörte, dann konnte man ihrer Musik lauschen. Linda erinnerte sich sehr gut daran, als sie die Geschichte der vierundzwanzig musizierenden Engel las. Einer von ihnen hatte die Engelschar mit einem Streich ganz schön durcheinandergewirbelt. Beim Krippenspiel des Kindergartens hatte er sich einfach in die Krippe gelegt und Maria und Josef völlig aus dem Konzept gebracht. Nur diese beiden Kinder hatten ihn sehen können, deshalb konnte sich auch niemand erklären, warum die Kinder ihren Text plötzlich vergessen hatten. Bei der Generalprobe war doch alles noch so gut gelaufen. Natürlich nahm ihnen niemand ab, dass das Christkind höchstpersönlich in der Krippe gelegen hatte. Erwachsene glaubten nur, was sie sahen. Nicht einmal der Pastor hatte ihnen geglaubt. Die beiden Kinder, die Maria und Josef darstellten, hatten es aber wirklich gesehen, das Christkind, und es hatte sie sogar angelächelt.
Linda war es ganz warm ums Herz geworden, als sie auf der letzten Seite des Buches angekommen war. Unzählige Male hatte sie es gelesen und immer wieder war es wie ein Ausflug in die Kindheit gewesen. Zärtlich strich sie über die Seiten, und plötzlich fühlte sie eine Unebenheit auf der allerletzten Einbandseite.

Fortsetzung folgt morgen

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9. Dezember
Die folgende Geschichte ist ein wenig länger geraten. Im Adventskalender war ein kleiner Schlüssel versteckt. Was es damit auf sich hat, erfahrt ihr in den nächsten drei Tagen, denn zu viel Text in einem Kalendertürchen ist auch nicht gut, oder?
Als, hier geht es los:

Der Schatz im Schreibtisch

In Lindas Zimmer stand seit Jahren der alte Schreibtisch ihres Großvaters. Eigentlich war dieses Möbelstück viel zu groß und zu wuchtig für den kleinen Raum. Doch Linda hatte entschieden, dass er in ihr Zimmer gehörte und sie lieber auf etwas anderes verzichten wollte. Sie liebte den Schreibtisch mit seinen vielen Schubladen und Geheimfächern, beinahe so sehr, wie sie ihren Großvater geliebt hatte. Ihre Eltern sagten, dass da wohl ein Generationensprung vorliegen müsste, denn das Mädchen glich in vielen Dingen ihrem Großvater. Sie schrieb Gedichte, sie malte, sie interessierte sich für Pflanzen und Tiere und sie war eine richtige Weihnachtstante.
Großvater Josef war Zeit seines Lebens ebenfalls an all diesen Dingen interessiert gewesen und er hatte ein großes Wissen über Flora und Fauna gehabt. Das ganze Jahr über war er aktiv im Garten, oder er machte lange Spaziergänge. Er wanderte mit seiner hölzernen Staffelei zu den verschiedensten Orten und malte stundenlang Landschaften, Bäume, Pflanzen und Tiere. Dazu hatte er immer Lust, und als seine Enkeltochter ebenfalls ihre Liebe zum Malen entdeckte, nahm er sie mit. So lernte Lina schon früh, wie man einem Bild Tiefe verleihen konnte, so dass man anschließend das Gefühl hatte, mit einem Schritt in die Landschaft einzutauchen und immer wieder dort sein zu können, wo es einem besonders gut gefallen hatte.
Wenn die Abende länger wurden und es auf die Adventszeit zuging, erwachte die nächste gemeinsame Leidenschaft. Es wurde gebastelt, gemalt, gesungen und gedichtet. Während die Großmutter in der Küche Plätzchen backte, saßen Opa Josef und seine Enkelin Linda im Wohnzimmer an dem klobigen Schreibtisch und stellten die wunderbarsten Dinge her. Manchmal waren es geheime Dinge, die niemand sehen durfte, Geschenke für Oma oder für die Eltern zum Beispiel. Die wurden dann in den Schubladen des Schreibtisches versteckt. Andere Basteleien wiederum kamen sofort zum Einsatz, etwa für die Weihnachtsdekoration in den Fenstern des gesamten Hauses. Immer wieder hatten die beiden neue Ideen, und wenn dann das Weihnachtsfest gekommen war, dann glitzerte und strahlte das ganze Haus. Ach, wie gemütlich das war.
Wenn Linda später, als sie längst erwachsen war, mal wieder ein paar Tage bei den Eltern verbrachte, saß sie oft an dem Schreibtisch und erinnerte sich an die glückliche Zeit mit den Großeltern. Auch in diesem Jahr hatte sie wieder ein paar Tage im Haus ihrer Kindheit eingeplant. Mit ihren Eltern hatte sie einen gemütlichen Abend verbracht. Die Mutter hatte den alten Weihnachtsschmuck aufgehängt und alles war so wie früher, als Linda noch ein Kind gewesen war. Nur die Großeltern fehlten.

Fortsetzung folgt morgen …

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