Zwischendurch

Lange habe ich nichts geschrieben, jedenfalls nicht hier, in meinem Blog. Aber außerhalb entstehen natürlich Geschichten, geht ja gar ncht anders. Oma Betty ist mit mir an die Nordsee gereist – wir haben wieder unsere jährlich Muttertagstour gemacht, meine Muter, meine Schwester und ich. Schön war’s und auch das Wetter war uns diesmal gewogen.

Meine Schwester und ich sind jeden Morgen zum Schwimmen gegangen, vor dem Frühstück. Das hat gut getan und hier zu Hause vermisse ich das ein wenig. In Duhnen hatten wir meist das ganze Becken für uns.

Demnächst gibt es also wieder Neues von Oma Betty, zuerst muss ich aber weiter aufräumen, denn das Unwetter gestern hat unseren Garten ganz schön verwüstet. Schade um die Sommerblumen, besonders die Engelstrompete ist vom Hagel zerschossen. Aber ich will mich nicht beklagen – andere hat es weitaus schlimmer getroffen.

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Oma Betty malt Bäume

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Oma Betty malt Bäume

 

„Hast du heute Zeit für mich?“, fragt Oma Betty am Telefon. „Ich möchte gern mit dir zum See fahren und die Malsachen mitnehmen!“
Mein Herz hüpft vor Freude, so gern fahre ich mit Oma zum See. Das ist fast schöner als Kino mit Cola und Popcorn, aber nur fast. Anders eben!
„Fährt Opa auch mit?“, will ich wissen, denn ich habe meinen Opa schon ein paar Tage nicht gesehen.
„Nein, du weißt doch, seit Opa Rentner ist, hat er so viel Arbeit, dass er es kaum schaffen kann!“ Oma lacht. Wie immer, wenn sie über Opas Rentnerdasein spricht. Es stimmt auch, Opa ist ständig unterwegs, aber Oma sagt, dass ihm das guttut und deshalb meckert sie auch nicht.
„Ich frage Mama!“, verspreche ich Oma und sage, dass ich sie anrufen werde, wenn ich mit Mama gesprochen habe.
Mama ist im Garten, sie pflanzt Salat, Mila hilft ihr dabei.
„Darf ich mit Oma zum See fahren? Wir wollen malen!“, frage ich und im gleichen Moment weiß ich, dass ich einen Fehler gemacht habe.
„Mila will auch mit!“, plärrt meine Schwester da auch schon und lässt die Schaufel fallen.
Das hat mir gerade noch gefehlt.
„Aber Mila, du willst mich doch wohl nicht allein die ganze Arbeit machen lassen!“, sagt Mama und ich bin ihr unendlich dankbar.
„Ich will aber mit!“ Mila stampft mit dem Fuß auf und schon rollen die Tränen über ihr schmutziges Gesicht, das gibt lustige Streifen. Trotzdem ist mir nicht zum Lachen. Ich bin aber auch blöd! Ich hätte wissen müssen, dass ich Mama besser heimlich gefragt hätte.
„Am See ist es viel zu langweilig für dich!“, versuche ich die Situation zu retten. In diesem Moment naht Hilfe in Form von Opa Werner.
„Moin“, ruft er fröhlich. Opa sagt immer „Moin“, selbst am Abend noch. Er liebt nämlich die Nordsee und die Menschen dort, und die sagen auch alle „Moin“.
„Ich wollte mir mal ein Kind ausleihen, am liebsten die Mila!“, sagt er grinsend und zwinkert mir zu.
Verdutzt schaut Mila ihn an. Was soll das nun bedeuten?
„Was hast du denn vor, Vater?“, will Mama wissen.
„Ich habe doch einen Bollerwagen gebaut, der muss nun unbedingt ausprobiert werden. Mila, magst du mein erster Fahrgast sein? Wir könnten in Richtung Eisdiele fahren!“, verkündet er.
Sofort versiegen die Tränen.
„Aber du musst dich zuerst waschen, Kind. So schwarz wie du bist, nehme ich dich nicht mit!“ Opa lacht und zwinkert schon wieder.
„Und du …“, sagt Mama, „kannst Oma anrufen und sagen, dass du mitdarfst!“
Ich mache einen Freudensprung und nehme meine kleine Schwester an die Hand. „Komm, Mila, wir machen uns chic!“, sage ich und dann verschwinde ich mit ihr im Badezimmer. Sie lässt sich ohne Murren das Gesicht waschen und schrubbt ihr Hände mit Seife. Dann packe ich meinen Farbkasten und einen Block ein. Dann mache mich auf den Weg zu Oma.

Wir fahren mit dem Fahrrad zum See. Einen schönen Platz haben wir bald gefunden. Eine halbe Stunde später ist mein erstes Bild fertig, es ist super gelungen, finde ich.
Oma malt Bäume, Oma malt immer Bäume. Es gibt genug davon hier am Ufer, sie spiegeln sich im Wasser. Auf Omas Bild kann man das schön erkennen. So gut kann ich das noch nicht, aber Übung macht den Meister!
„Rate, was ich in meiner Kühlbox habe!“, sagt Oma. Ich wünsche mir, dass es ein Eis ist und was soll ich sagen? Manche Wünsche gehen sofort in Erfüllung, Oma Betty ist eben die Beste und gleich danach kommt Opa Werner. Echt!

 
© Regina Meier zu Verl

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Oma Bettys Liste und die gemixten Socken

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Oma Bettys Liste und die gemixten Socken

 

Meine Oma Betty schreibt Listen. Immer wieder neue Listen! Darauf hält sie fest, was zu tun ist, deshalb nennt man diese Listen auch „To-Do-Listen“. Das ist Englisch und da ich schon ein wenig Englisch kann, verstehe ich das sogar.
„Oma, was ist das für eine Liste?“, frage ich, als Oma gerade wieder einen Eintrag macht.
„Das ist mein Einkaufszettel!“, sagt sie und grinst. Ich weiß warum. Sie schreibt nämlich immer Einkaufszettel und die vergisst sie dann zu Hause. Sie behauptet, dass sie, wenn sie es einmal aufgeschrieben hat, nichts vergisst, weil das geschriebene Wort Macht hat.
„Schreib noch Gummibärchen dazu!“, fordere ich sie auf und hoffe auf diese Macht, die ihr befiehlt, die Süßigkeit für mich einzukaufen. Oma grinst schon wieder.
„Das weiß ich so, ich kauf immer Gummibärchen, das weißt du doch!“
„Stimmt!“, sage ich und mache noch einen Versuch. „Dann schreib doch bitte zwei Paar Socken mit auf, ein Paar in Neongrün, das andere in Zitronengelb!“
„Du bist unverschämt, warum gleich zwei Paar? Reicht nicht erstmal eines?“, will sie wissen und ich erkläre ihr, dass ich die Paare mixe.
„Mixen? Wie jetzt?“ Oma hat deutliche Fragezeichen in den Augen.
„Na, mixen eben. Das ist megacool, ich trage rechts eine grüne Socke und links eine gelbe, das ist heutzutage angesagt!“ Ich ziehe beide Hosenbeine meiner Jeans ein wenig hoch, damit Oma meine Socken betrachten kann. Heute trage ich links eine blaugeringelte und rechts eine rote Socke mit quietschgelben Tupfen.
„Ich werde verrückt!“, sagt Oma, aber das sagt sie oft und bis jetzt ist noch nichts passiert, sie ist ganz normal, glaube ich jedenfalls.
„Warum denn, Oma? Das ist voll der Trend, haste das noch nicht gehört?“, will ich wissen, denn in meiner Klasse tragen alle Kinder gemixte Socken. „Die rotgetupfte habe ich übrigens von Linda bekommen, im Tausch gegen die blaugeringelte!“ Ich zeige auf meinen linken Fuß.
Oma verzieht angewidert das Gesicht.
„Igittigitt, Socken tauschen und dann noch mit fremden Leuten?“
„Linda ist meine Freundin und sie ist gar nicht fremd!“, antworte ich ihr verärgert. Manchmal ist Oma komisch, vielleicht doch ein bisschen verrückt. Aber das denke ich nur und ich schäme mich auch gleich für meinen Gedanken.

Als Oma später vom Einkaufen zurückkommt, hat sie mir tatsächlich zwei Paar Socken mitgebracht.
„Eines für dich und eines für Linda, kannst ja vorher mixen!“, sagt sie und fügt hinzu: „Aber nur unter einer Bedingung!“
„Welche?“
„Du tauschst nie wieder getragene Socken ein, ich meine so von Fuß zu Fuß!“
„Okay!“, verspreche ich und halte die Hand hoch. „High five!“, sage ich und Oma klatscht ab.
Und was für Listen sonst noch schreibt, das erzähle ich beim nächsten Mal.

© Regina Meier zu Verl

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Löwenzahnhonig


Löwenzahnhonig

„Kommst du mit mir in den Wald? Ich möchte Löwenzahnblüten sammeln!“, sagt Mama nach dem Mittagessen. Ich habe eigentlich keine Lust, aber ich kann Mama das nicht abschlagen, also raffe ich mich auf.
„Hier am Straßenrand wachsen doch auch Pusteblumen! Können wir die nicht nehmen?“, frage ich aber vorsichtshalber nach.
„Nein, ich möchte Löwenzahnhonig zubereiten. Die Blüten hier am Straßenrand haben zu viele Autoabgase abbekommen. Am Waldrand sind sie einfach besser!“, erklärt Mama und das leuchtet mir ein. Außerdem mag ich Löwenzahnhonig sehr gern.
„Wir nehmen uns ein kleines Picknick mit, dann macht das Ganze doppelt Spaß!“, schlägt Mama vor und da bin ich natürlich sofort dabei. Picknick klingt gut und vor allem lecker.
Mama packt einige Stück vom Topfkuchen ein, den sie am Wochenende gebacken hat. Auch etwas zu trinken nehmen wir mit und dann ziehen wir los.
„Warum heißt der Löwenzahn eigentlich so?“, frage ich Mama, denn unter den Zähnen eines Löwen stelle ich mir gefährliche Hauer vor, die stark genug sind, in der Wildnis eine Antilope auseinander zu reißen.
„Schau dir die Blätter, sie sind gesägt und sehen aus wie Zähne, findest du nicht?“
„Ja, stimmt und die Blüten sehen ein bisschen wie eine Löwenmähne!“, fällt mir ein.
„So habe ich das noch nicht gesehen, aber du hast recht, lauter kleine Löwengesichter!“, Mama lacht.
Mittlerweile sind wir am Waldrand angekommen. Die kleinen gelben Sonnen leuchten. Ich finde es fast zu schade, sie abzupflücken.
„Wir brauchen gar nicht so viele, drei Hände voll sollten genügen“, sagt Mama und ich frage mich, ob sie wieder einmal meine Gedanken gelesen hat.
Blüte für Blüte legen wir in den Korb. Wir pflücken aber nicht alle Blüten an einer Stelle ab, sondern lassen immer einige stehen. Die können dann zu Pusteblumen werden und ihre Samen weiter verteilen, damit wir auch im nächsten Jahr wieder ernten können.
„So eine Pusteblume hat ungefähr achtzig Samenschirmchen“, erzähle ich Mama, denn gerade in der letzten Woche haben wir in der Schule im Sachunterricht darüber gesprochen.
„Aha!“, sagt Mama. Sie staunt, das sehe ich ihr an. Deshalb versuche ich sie noch weiter zu beeindrucken.
„Die Federkrone der Pusteblume nennt man auch Pappus und jedes einzelne Schirmchen des Pappus trägt einen Fruchtkörper, der mit kleinen Widerhaken versehen ist, damit er sich besser am Boden festhalten kann. Klasse, nicht wahr?“
Das hat geklappt, Mama ist beeindruckt von meinem Wissen. Wie man aber Löwenzahnhonig herstellt, das weiß Mama besser. Sie schlägt vor, dass ich zu Hause ein schönes Bild vom Löwenzahn malen soll und dann das Rezept dazu könnte.
Drei Hände voll sind schnell gesammelt und den Kuchen vertilgen wir genüsslich im Gras sitzend. Dann treten wir den Heimweg an und ich setze mich gleich an den Küchentisch und male ein Rezeptbild. Mama diktiert mir die Zutaten für den Honig und morgen werde ich das Bild mit in die Schule nehmen.

Hier das Rezept: 3 (Mutter)Hände Löwenzahnblüten unter fließendem Wasser abwaschen, in einen großen Topf geben. Zwei in Scheiben geschnittene Biozitronen mit in den Topf legen, dann 2 Liter Wasser dazu. 15 Minuten kochen, dann 24 Stunden lang ruhen lassen.
Am nächsten Tag wird alles durch ein Küchenhandtuch in einen anderen Topf gegossen, so dass man eine gelbe, klare Flüssigkeit erhält. Diese wird dann mit 1,5 Pfund Zucker erwärmt und bei kleiner Hitze eingekocht. Das kann bis zu 5 Stunden dauern – immer wieder umrühren zwischendurch, das ist wichtig. Nach und nach entsteht ein Sirup, den man dann heiß in kleine Gläser füllt. Deckel drauf, kalt werden lassen, fertig!
Guten Appetit!

© Regina Meier zu Verl

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Oma Betty, der Ausflug und Frau Weidewe

Oma Betty, der Ausflug und Frau Weidewe

Manchmal macht Oma Betty mit uns Enkelkindern einen Ausflug. Mila und ich thronen dann hinten in unseren Kindersitzen und vorn sitzt Oma Betty am Steuer. Frau Weißdenweg hat neuerdings ihren Platz auf dem Armaturenbrett.
Eigentlich war Oma der Ansicht, dass sie so ein Ding nicht braucht und da ihr der Name „Navi“ nicht so gefällt, hat sie es eben umgetauft. Die Stimme ist weiblich, also Frau Weißdenweg oder kurz Weidewe
Papa hat zum Geburtstag ein neues Navi bekommen und er hat Oma Betty sein altes geschenkt.
„Also gut!“, hat Oma gesagt. „Ich kenne den Weg zwar immer, aber wer weiß, wofür es gut ist!“ Man muss dazu sagen, dass Oma selten fremde Strecken fährt und auf ihren gewohnten Wegen weiß sie Bescheid.

Letzte Woche wollten wir zum Tierpark fahren.
„Da waren wir lange nicht!“, hat Oma gesagt und sich die Strecke dorthin schnell nochmal auf der Karte angesehen.
„Mutter, du hast doch das Navi!“, meinte Papa und er half ihr, die Adresse des Tierparks einzugeben.
„Jetzt kannst du dich einfach leiten lassen. Du wirst sehen, das funktioniert ganz wunderbar!“, sagte er noch. Man sollte meinen, dass er seine Mutter besser kennt. Auf jeden Fall besser und länger als ich und ich hatte so meine Zweifel, ob Oma tatsächlich auf Frau Weidewe hören würde.
Es ging schon beim Verlassen des Hofes los.
„Biegen Sie rechts ab!“, sagte Frau Weidewe.
„Nee, das ist ein Umweg!“, antwortete Oma Betty und fuhr nach links.
„Wenn möglich, bitte wenden!“, sagte das Navi, gleichbleibend freundlich.
„Mach ich nicht!“, schimpfte Oma. Die Dame im Navi fügte sich, denn eine Weile sagte sie gar nichts mehr.
„Gleich müssen wir rechts!“, erklärte uns Oma. Frau Weidewe wusste das auch.
„Biegen Sie nach zweihundert Metern rechts ab!“
„Sag ich doch!“, rief Oma begeistert.
„Folgen Sie dem Straßenverlauf etwa drei Kilometer!“, war die nächste Anweisung.
„Und woher soll ich wissen, wann die drei Kilometer erreicht sind?“, fragte Oma, bekam aber keine Antwort.
„Sind wir bald da?“, jammerte Mila. Ich suchte ein Bilderbuch aus meinem Rucksack, damit sie sich beschäftigen konnte und erklärte ihr, dass sie schön still sein müsse, damit Oma sich konzentrieren kann.
„So langsam könnte die mal wieder was sagen!“, meinte Oma. „Die drei Kilometer sind bestimmt schon erreicht!“
„Haste auf den Tacho geguckt?“, wollte ich wissen.
„Ich kann meine Augen ja nicht überall haben, schließlich muss ich …“, Oma brach den Satz ab, denn Frau Weidewe meldete sich zu Wort.
„Biegen Sie nach 200 Metern links ab!“, ordnete sie an.
„Links?“, schrie Oma. „Die spinnt doch!“
Ich hatte es doch geahnt, dass die Sache mit dem Navi keine so gute Idee war. Ich verhielt mich aber vorsichtshalber still. Mila quengelte schon wieder.
„Oma, ich muss mal!“, jammerte sie.
Natürlich war Oma geradeaus weitergefahren und nun kannte sie sich gar nicht mehr aus. Also setzte sie den Blinker und fuhr rechts ran.
„Wenn möglich, bitte wenden!“, sagte Frau Weidewe.
„Du kannst mich mal!“, rief Oma verärgert. Das hätte ich mal sagen sollen, das hätte ein Donnerwetter gegeben.
Oma stieg aus, befreite Mila aus ihrem Kindersitz und verschwand mit ihr hinter einem kleinen Busch. Sichtlich erleichtert kamen die beiden zurück, dann ging es weiter.
„Vielleicht solltest du doch zurückfahren und in die Straße einbiegen, die Frau Weidewe wollte!“, schlug ich vor.
„Ich schalte das Ding jetzt aus, bis jetzt bin ich immer noch überall angekommen, auch ohne diesen blöden Kasten!“, schimpfte Oma.
Irgendwann haben wir den Tierpark dann auch wirklich gefunden, nachdem wir in der Bäckerei nachgefragt hatten, wo wir Kinder ein Croissant bekamen. Als nächstes fuhr Oma an die Tankstelle und erkundigte sich nach dem Weg. Dort kaufte sie uns eine Limo und dann endlich erreichten wir den Tierpark. Ein bisschen komisch kam es uns vor, dass nicht ein einziges Auto auf dem Parkplatz stand, der normalerweise immer gut gefüllt ist.
„Wahrscheinlich haben die alle ein Navi und irren noch in der Gegend rum!“, meinte Oma. Leider war das aber nicht so, der Park hatte geschlossen. ‚Montags Ruhetag‘ stand auf dem Schild am Eingang.
„Mist!“, sagte Oma.
„Das war nun schon der zweite Fluch!“, bemerkte ich und Oma schlug erschrocken die Hand vor den Mund.
„Okay, dann hast du jetzt zwei gut!“, schlug sie vor.
„Kann ich die in Eis eintauschen, eins für Mila und eins für mich?“ Ich kicherte, als sie zustimmte. Ich habe meine Oma fest im Griff. Das Eis war übrigens lecker, superlecker!

© Regina Meier zu Verl

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Oma Betty, der Star und der Wasserfall

„Was war das noch für ein Vogel, den sie dir aus dem Auge operiert haben?“, fragt Mila ihre Oma Betty. Die lacht laut auf.
„Milakind, das war ein grauer Star!“
„Und was ist daran so lustig?“ Mila zieht eine Schüppe, sie mag nicht ausgelacht werden.
„Eigentlich ist das nicht lustig!“, gibt Oma zu. „Weißt du, Mila, es ist der Name für eine Augenkrankheit. Fast alle Menschen bekommen die, wenn sie älter werden. Es ist auch nichts Schlimmes! Aber es ist auch der Name für einen Vogel.“
„Aber wenn das nicht schlimm ist, warum weinst du dann dauernd?“, will Mila wissen.
„Ich weine ja gar nicht, mein Auge ist gereizt, deshalb tränt es. Das wird aber bald wieder besser werden, denn der Augenarzt hat mir Tropfen verordnet.“ Oma Betty zeigt Mila das kleine Fläschchen.
„Ich hatte auch keinen Vogel im Auge, Star ist die Bezeichnung für eine Linsentrübung. Der Fachbegriff dafür lautet ‚Katarakt‘ und das bedeutet übersetzt ‚Wasserfall‘!“, erklärt Oma.
„Wieso Wasserfall? Und was ist mit den Linsen? Solche Linsen wie in der Suppe, die ich so gern mag?“ Oma Betty lacht schon wieder.
„Da bringst du mich auf eine Idee, wir kochen heute Linsensuppe und während ich die Kartoffeln schäle, erkläre ich dir, was es mit den Linsen und dem Wasserfall auf sich hat, okay?“
Damit ist Mila einverstanden, schon die Aussicht auf Oma Bettys Linseneintopf macht gute Laune. Oma ist die beste Linsensuppenköchin der Welt.
„Also dann, zuerst der Wasserfall. Du hast doch schon einmal einen Wasserfall gesehen, stimmt’s?“
„Ja, aber nicht in echt. In meinem Sachgeschichtenbuch ist aber einer drin!“ Mila springt auf und holt das Buch aus dem Wohnzimmer. Dort hat Oma für die Enkel ein Extraregal eingerichtet, nur mit Kinderbüchern.
„Hier ist er!“, Mila zeigt auf ein Bild mit einem herrlich schäumenden Wasserfall.
„Wenn du dir nun vorstellst, dass du hinter dem Wasserfall ständest, also direkt dahinter …“, sagt Oma.
„Dann würde ich pitschnass werden!“, ruft Mila begeistert. „Das wäre ein Spaß!“
„Ja, das auch! Aber was würdest du sehen? Könntest du durch das schäumende Wasser hindurchsehen?“
Mila schüttelt den Kopf. „Nein, das wäre sicher nicht möglich!“
„Gut erkannt. Genauso ist das bei den Augen, wie ein Wasserfall schiebt sich der graue Star vor die Linse, ganz langsam, praktisch in Zeitlupe. Und irgendwann ist die Sicht dann so trüb, dass man nur noch milchige Bilder sieht. Dann muss man operiert werden.“, erklärt Oma Betty.
So ganz richtig hat Mila das noch nicht verstanden, doch nachdem sie noch einmal nachfragt, wird ihr klar, was Oma meint.
„Das ist ziemlich blöd, nicht wahr, Oma?“
„Zuerst merkt man es gar nicht, aber im Laufe der Jahre wird es immer deutlicher, dass da was nicht in Ordnung ist. Wenn man dann die neue Linse bekommen hat, sieht man wieder klar, ohne Wasserfall!“

„Super!“, findet Mila das. „Und weil meine Augenlinsen prima sehen können, helfe ich dir jetzt beim Kartoffelschälen, okay?“

© Regina Meier zu Verl

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Tulpen für Oma Betty

2017-02-16-10-23-50
Tulpen für Oma Betty

Meine Oma Betty liebt Tulpen. Jedes Jahr im Herbst versteckt sie Tulpenzwiebeln im Garten und dann kann sie es kaum erwarten, dass der Frühling kommt.
„Das Schöne ist“, sagt Oma immer, „dass ich nicht weiß, wo ich sie versteckt habe. Die Überraschung ist dann viel größer!“
Das verstehe ich, denn mir geht das auch so, wenn ich unerwartet in meiner Hosentasche noch einen Euro finde, den ich völlig vergessen hatte.

Erst neulich ist es mir passiert, dass ich beim Aufräumen sogar einen Fünfeuroschein gefunden habe. War das eine Freude!
Nun war es so, dass mir dieser Schein praktisch in der Tasche brannte, ich meine, dass ich ihn unbedingt sofort ausgeben wollte. Ich habe hin und her überlegt, was ich damit anstellen könnte. Ich entschied mich dafür, für Oma Tulpen zu kaufen, im Supermarkt, da sind die nämlich ziemlich billig. Also holte ich mein Fahrrad aus der Garage und steuerte den nächsten Supermarkt an. Knapp zwei Euro kosteten zehn Tulpen. Ich rechnete nach, mir blieben noch drei Euro. Also kaufte ich auch für Mama zehn Tulpen und für den letzten Euro genehmigte ich mir ein Eis. Noch besser als das Eis schmeckte aber die Vorfreude, meinen beiden Lieblingsfrauen etwas zu schenken.
Die würden Augen machen!

Die beiden Tulpensträuße hatte ich auf den Gepäckträger geklemmt, da waren sie sicher verstaut. An der Fußgängerampel drückte ich auf den Knopf und wartete auf das grüne Männchen. Ich schaute noch kurz nach links und rechts, dann schob ich mein Fahrrad auf den Zebrastreifen. Plötzlich quietschten Bremsen, vor Schreck ließ ich mein Fahrrad fallen. Ein Mann stieg aus seinem Wagen.

„Junge, das war knapp!“, rief er. Ich konnte mich vor Schreck nicht bewegen, mir wurde übel und ich hatte das Gefühl, dass ich jeden Moment spucken musste.
„Geht es dir gut, Junge?“, fragte der Mann. Er hob mein Fahrrad auf und legte den Arm um meine Schulter. „Komm!“, sagte er und schob mein Fahrrad und mich auf den Bürgersteig.
„Aber …“, stotterte ich, „aber es war doch grün!“
„Du hast recht, es war meine Schuld!“, sagte der Mann. „Ist alles in Ordnung mit dir?“, wollte er wissen. Dann fragte er mich, wo ich wohne. Ich nannte ihm die Adresse und meinen Namen und er gab mir eine Karte mit seinem Namen und seiner Adresse.
„Mir ist nichts passiert, alles gut!“, sagte ich.
„Warte hier, ich parke nur den Wagen, dann bringe ich dich nach Hause. Es ist ja nicht weit!“, schlug er vor. „Wir müssen ja noch nachschauen, ob mit deinem Rad alles okay ist.“

Als wir zu Hause angekommen waren, kam auch Papa gerade nach Hause. Er muss einen Riesenschrecken bekommen haben, denn er wurde ganz weiß im Gesicht, oder grün, ich weiß es nicht mehr so ganz genau.
„Ach du liebe Güte!“, rief Papa. „Was ist passiert?“
Der Mann, Herr Frisch, schilderte Papa kurz, was los war. Nachdem Papa erleichtert war, dass mir kein Haar gekrümmt wurde, nahmen die beiden Männer mein Fahrrad in Augenschein. Auch das war auf den ersten Blick okay, aber die Blumen! Jetzt kamen mir die Tränen. Die schönen Tulpen, die meisten Tulpenköpfe hatten wir wohl unterwegs schon verloren, denn nicht eine einzige Blüte war auf ihrem Stängel geblieben, alle waren abgeknickt.
„Die waren für Oma und Mama!“, heulte ich los und konnte mich gar nicht mehr beruhigen. Fast finde ich das im Nachhinein etwas peinlich. Ein Junge heult nicht, schon gar nicht wegen ein paar abgeknickter Tulpen, oder doch?
Herr Frisch machte ein sehr betroffenes Gesicht, damit hatte er wohl nicht gerechnet.
„Ich mach das wieder gut!“, versprach er. Dann wandte er sich an Papa: „Ihr Sohn hat meine Karte, wenn noch etwas sein sollte mit dem Rad, melden Sie sich bei mir!“, sagte er und als Papa ihm sagte, dass sicher alles in Ordnung sei, zückte er einen Zehneuroschein und reichte ihn mir.
„Das ist für dich, ich melde mich aber noch!“

So richtig Freude hatte ich nicht an dem Geldschein. Ich befreite die Tulpensträuße von der Plastikfolie und warf den jämmerlichen Rest in die Biotonne. Dann wischte ich meine Tränen ab und ging in mein Zimmer. Mama war nicht zu Hause und zu Oma brauchte ich ja nun auch nicht fahren, ohne die Überraschung, die ich mir so schön ausgemalt hatte. Auch saß mir der Schreck noch ganz schön in den Gliedern.

Etwa eine halbe Stunde später schellte es an der Haustür.
„Gehst du aufmachen, Philip!“, rief Papa, der gerade eine Lasagne in den Backofen schob und zum Schutz für seine Kleidung Mamas rosa Rüschenschürze umgebunden hatte.
Vor der Haustür stand Herr Frisch mit zwei riesigen Tulpensträußen, so richtig schön vom Gärtner gebunden.
„Wow!“, rief ich aus. „Die sind aber schön!“
„Sie sind für deine Mama und Oma, weil ich doch mit meiner Vollbremsung deine schönen Tulpen ruiniert habe!“, sagte er und reichte mir die Blumen.
„Gibst du die für mich weiter, bitte? Und dann habe ich hier noch etwas für dich!“ Er drückte mir einen Umschlag in die Hand. „Ich hoffe, du magst Fußball! Das sind zwei Freikarten für das Spiel am Samstag!“

Das Wort Fußball trieb nun auch Papa aus der Küche, er vergaß sogar, die rosa Schürze abzulegen.
„Cool!“, sagte er und drückte Herrn Frisch die Hand. „Damit machen Sie uns eine große Freude, stimmt’s, Philip?“
Ich weiß, was sich gehört, deshalb sagte ich brav: „Ja, vielen Dank!“ Dabei kann ich Fußball eigentlich nicht leiden, aber da die Damen Blumen bekommen würden, sollte auch Papa seine Freude haben.
Es wurde dann ganz nett beim Spiel und gewonnen haben wir auch!
Mama und Oma Betty blieben zu Hause, sie konnten sich gar nicht sattsehen an ihren tollen Blumensträußen.

© Regina Meier zu Verl

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Oma Betty und der Giraffenhals

Oma Betty und der Giraffenhals

„Das darf doch wohl nicht wahr sein!“, schimpft Oma Betty. Diesen Spruch kenne ich und ich weiß genau, dass da meist etwas Unangenehmes folgt. Heute auch!
„Das zahlt man viel Geld für eine Zahnreinigung und dann das!“ Sie streckt ihre Zunge raus und ich bekomme einen tüchtigen Schreck. Die Zunge ist blau.
„Oh je!“, rufe ich. „Musst du jetzt sterben, Oma?“ Natürlich weiß ich, dass sie nicht sterben muss. Ich wüsste jedenfalls nicht, dass ich schon einmal gehört hätte, dass jemand an der Blauzungenkrankheit gestorben wäre. Aber ich möchte Oma mein höchstes Mitgefühl zukommen lassen. Das ist das Mindeste.
„Nein“, sagt Oma Betty da auch schon. „Sterben muss ich wohl nicht, das Schlimmste, was mir passieren könnte wäre, dass mein Hals wächst und wächst und wächst, wie bei einer Giraffe!“, verkündet sie.
„Häh?“, frage ich. „Wie kommst du darauf?“
„Giraffen haben blaue Zungen!“, sagt Oma. „Wusstest du das nicht?“
„Nö, woher? Ich weiß, dass es Hunde gibt, die blaue Zungen haben. Sie heißen Chow-Chow, oder so. Linos Eltern haben so einen!“, fällt mir ein.
„Ach, die sind niedlich, so kuschlig wie Teddybären, stimmt’s?“, Oma lächelt. Es würde ihr offensichtlich besser gefallen, wenn sie zum Chow-Chow würde.
„Was aber hat die Zahnreinigung damit zu tun?“, will ich nun wissen.
„Ganz einfach: Die Zähne werden eingefärbt, um die Beläge sichtbar zu machen. Danach werden sie dann gereinigt, Zahnstein wird entfernt und anschließend werden sie poliert. Bei mir haben sie wohl die Zunge mit eingefärbt!“
„Ach so! Hattest du denn deine Zähne nicht ordentlich geputzt, Oma? Mich zwingst du jeden Abend, sie zu putzen, bei dir habe ich das aber noch nie gesehen!“, meckere ich. Ist doch ungerecht, aber jetzt habe ich sie ja erwischt!
„Ich putze sogar dreimal am Tag!“, behauptet Oma. „Aber man kommt eben nicht an jede Stelle und da färbt sich dann der Belag blau ein. Hat man das bei dir noch nie gemacht?“
Ich erinnere mich, dass die Zahnärztin bei mir auch schon einmal Farbe auf die Zähne geschmiert hat, die war aber quietschpink. Das verrate ich Oma aber nicht, denn auch bei mir gab es ungesunde Beläge und anschließend ein Donnerwetter von Mama, die meinte, dass es meine Schuld war und ich einfach nicht gründlich genug putzen würde.
„Ach Oma, dein Hals wird nicht wachsen und sicher wirst du auch nicht zum Kuschelhund“, versuche ich sie zu trösten und füge ein ganz leises „Leider“ hinzu. Das hat sie aber nicht gehört, Gott sei Dank!
Am nächsten Tag war dann alles wieder gut und seit gestern putze ich meine Beißerchen wieder etwas intensiver – mal sehen, wie lange das anhält.

© Regina Meier zu Verl

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Früher oder ganz früher? (Oma Betty)

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Früher oder ganz früher? (Oma Betty)

Oma Betty hat selten schlechte Laune und wenn, dann nur ganz kurz, fünf Minuten oder so. Bei Mama ist das anders. Sie kann auch mal eine Stunde, oder noch viel länger übellaunig durch die Gegend laufen. Ist ja klar, verstehe ich auch. Mama ist für alles zuständig, das kann einem schonmal die Laune verhageln. Sie muss sich um uns kümmern, um Papa auch; sie muss die Wäsche waschen und kochen und immer ist einer dabei, dem es nicht schmeckt. Papa kocht aus diesem Grund eher selten und Wäsche macht er auch nicht gern, weil er mal eine Maschine Wäsche verfärbt hat und das hat Mama ihm lange aufs Butterbrot geschmiert.
Wenn wir morgens alle aus dem Haus gehen, dann geht Mama auch zur Arbeit und sie kommt zurück, bevor wir alle wieder da sind. Das fällt praktisch gar nicht auf, dass sie weg war und deshalb merkt eigentlich auch keiner, dass Mama ja auch noch außer Haus arbeitet.
„Das gab es früher nicht!“, sagt Oma Betty. „Da waren die Mütter zu Hause!“
„Aber Oma, du hast doch auch immer gearbeitet!“, erinnere ich sie. Oma überlegt einen Moment, dann nickt sie. „Ich meine auch ganz früher!“
„Ganz früher?“
„Ja, als ich Kind war!“, erklärt Oma und ich glaube, dass sie nun selbst blöd findet, dass sie diesen Spruch – Das gab es früher ja nicht – verwendet hat.
Es gibt noch einen Satz, den Oma so richtig doof findet: Wir hatten ja damals gar nichts! Wenn Oma das hört, dann wird sie fuchsteufelswild.
„So ein Blödsinn!“, schimpft sie dann und das ist dann so ein Moment, der ihre Laune in den Keller sacken lässt. Ich lasse sie in Ruhe, das ist das Beste. Ich weiß auch genau, was sie sagen wird, wenn die Laune wieder die Treppe hochkrabbelt.
„Wir hatten es so gut damals. Es gab zwar nicht so viel Spielzeug, aber wir haben uns tolle Spiele ausgedacht und stundenlang haben wir Buden im Wald gebaut. Wir waren bei jedem Wetter draußen und deshalb waren wir auch selten krank!“
„War das früher, oder ganz früher, Oma?“, will ich dann wissen und dann kommt sie ins Schleudern.
„Ganz früher, als ich Kind war!“, sagt sie und grinst. „Du willst es auch immer ganz genau wissen!“
„Wer nicht fragt, bleibt dumm! Das hast du mir selbst beigebracht, Oma und nun sollten wir einen Spaziergang machen!“
„Aber es regnet doch!“ Oma schaut zweifelnd aus dem Fenster.
„Hast du nicht gerade gesagt, dass ihr bei jedem Wetter draußen wart?“
Eins zu Null für mich. Oma versucht gar nicht mehr, sich mit dem Wetter herauszureden. Emmy holt ihre Leine und ich mein Skateboard und Oma fügt sich. Geht doch!

© Regina Meier zu Verl

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Oma Betty in der Schule

Oma Betty in der Schule

Ich bin etwas aufgeregt heute. Oma Betty wird mich gleich abholen und dann gehen wir gemeinsam in die Schule.
Meine Lehrerin hat gesagt, dass ich Oma doch mal einladen soll. Ich habe ihr nämlich von dem Buch mit den gesammelten Wörtern erzählt, ihr wisst schon. Diese Idee fand Frau Sommer ganz toll und nun möchte sie, dass Oma uns ihr Buch einmal zeigt.
Es haben auch andere Kinder schonmal was mitgebracht. Neulich zum Beispiel hatte der Florian seinen Goldhamster dabei und Mareike durfte uns ihre Geige vorstellen. Aber eine Oma, die hatte noch nie einer mitgebracht. Hach, ich bin so aufgeregt.
Da klingelt es auch schon.
„Moin, mein Junge!“, ruft Oma schon im Flur. Sie hat sich schick gemacht heute, extra für mich. Das gefällt mir. Blitzschnell springe ich die Treppe runter.
„Toll siehste aus, Oma!“ Es ist nie falsch, einer Dame ein Kompliment zu machen, sagt Opa immer und das habe ich mir gemerkt. Oma scheint das auch zu gefallen, sie bekommt nämlich ganz rote Wangen. Vielleicht ist es aber auch die Aufregung.
„Können wir los?“, fragte sie und schaut noch schnell in die Küche, wo Mama und meine Schwester noch beim Frühstück sitzen. „Ich bringe ihn dir heute Mittag zurück!“, sagt sie zu Mama.
Ich sitze hinten in meinem Kindersitz. Nach vorn darf ich noch nicht, weil ich noch keinen Meterfuffzig groß bin. Aber das wird nicht mehr lange dauern, ich esse nämlich sehr oft Spinat. Davon wächst man – glaube ich.
Nach ein paar Minuten sind wir an der Schule angekommen und dann ist es endlich soweit: Ich kann meine Oma zeigen. Mann, bin ich aufgeregt.
„Ich habe noch eine Bitte, Oma!“, sage ich ihr leise ins Ohr.
„Was denn?“, will Oma wissen.
„Bitte nicht küssen vor den Leuten hier, okay!“ Oma lacht und hebt ihre Hand. „Indianerehrenwort!“, sagt sie und ich klatsche ab. Oma ist cool.
Da kommt uns auch schon Frau Sommer entgegen. Sie begrüßt Oma herzlich.
„Philip, darf ich deine Oma entführen? Ich bringe sie dann gleich mit in die Klasse, wenn der Unterricht beginnt, okay?“
Damit bin ich einverstanden.
„Wer ist die alte Frau?“, fragt mich Hannes. Ich erkläre ihm, dass sie nicht alt ist und dass es meine Oma ist, die coolste Oma von allen. Hannes ist schwer beeindruckt und nimmt das ‚alt‘ zurück.
Dann ist es soweit, wir alle sitzen in der Klasse und als Frau Sommer hereinkommt, springen wir auf und rufen: „Guten Morgen Frau Sommer und guten Morgen Oma von Philip!“
Oma grinst, Frau Sommer auch. Dann ist Oma dran. Sie erzählt von ihrem Buch und hat auch ein paar lustige Beispiele für uns: Wonneproppen für ein süßes Baby mit dicken Backen, Tropfenfänger und damit ist nicht das Taschentuch gemeint, sondern ein Gebilde aus etwas Schaumstoff mit einem Gummiband, das um die Tülle einer Kaffeekanne gelegt wird, damit es nicht auf die Tischdecke tropft. Ich kann die Wörter hier nicht alle aufschreiben, aber ich habe einen Tipp für euch: Legt euch selbst so ein Buch an, denn nun kommt der Hit der Stunde. Jedes Kind bekommt von Frau Sommer ein kleines Sammelbüchlein; von nun an sind wir eine Wörtersammelklasse und wenn wir erstmal einige Wörter gefunden haben, dann laden wir Oma wieder ein und tauschen uns aus. Ja, so machen wir das!

© Regina Meier zu Verl

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