Der Tag fing so gut an

Heute habe ich einen wunderbaren Morgenspaziergang gemacht und das Herbstwetter und die herrliche Sonne genossen.
Wieder zu Hause schrieb ich an meiner aktuellen Geschichte, die fast fertig war. Mittlerweile war ich bei der dritten Überarbeitung angekommen und bis auf ein paar Kleinigkeiten ganz zufrieden. Es fehlte lediglich noch eine Prise Gewürz, welches weiß ich nicht, deshalb ließ ich sie offen und kochte meinem Mann erstmal sein Mittagessen. Vergnügt werkelte ich in der Küche, putzte noch hier und da und summte leise vor mich hin.
Gestern Abend hatte ich noch ein Strickwerk beendet und mir kam der Gedanke, dass ich das schnell noch in die Waschmaschine geben könnte, damit ich es nachher noch in der Sonne trocknen konnte.
Da noch etwas Zeit bis zum Mittagessen blieb, wollte ich noch einmal meine Geschichte lesen. Leider hatte mein Computer in dieser Zeit ein Update gemacht und wenn sonst die ungespeicherten Dateien immer wiederhergestellt werden konnten, so war es dieses Mal nicht so. Ich hatte die Datei nicht gespeichert und ich habe dann wirklich alles versucht, ich fand sie nicht mehr! Verflixt und zugenäht!

Da mir der Inhalt aber noch sehr geläufig war durch die vielen Überarbeitungen, tröstete ich mich mit dem Gedanken, dass ich sie nachmittags ja ganz leicht wieder aufschreiben konnte. Es waren auch nur ca. drei Seiten. Das würde ich verschmerzen.

Mittlerweile war die Waschmaschine mit dem Wollprogramm fertig. Ich holte voller Stolz drei Schals und das neu gestrickte Dreiecktuch aus der Maschine, alles roch schön frisch! Ich wollte die Teile auf dem Wäschereckchen ausbreiten, als ausgerechnete das neue Tuch an einer Schraube hängenblieb und … ein Faden zerriss. Malheur Nummer zwei für diesen Tag! Verflixt und zugenäht, im wahrsten Sinne des Wortes, da werde ich flicken müssen, wenn das Teil trocken ist. (Foto mache ich später, sonst lasse ich noch das Handy fallen oder es passiert sonstwas.)

So, die Geschichte steht wieder und oh Wunder: das Gewürz, das noch fehlte, ist nun wie von selbst mit hineingeflossen. Überhaupt ist sie doch etwas anders geworden, als ich sie in Erinnerung hatte. Das kann ja kein Zufall sein, nicht wahr?
Heute Abend flicke ich dann mein Strickwerk und zeihe folgenden Schluss aus meinen Erlebnissen:

Nie wieder werde ich meinen Schreibtisch verlassen, ohne die Arbeitsdatei gespeichert zu haben!
Und: ich werde mir ein neues Wäschereck besorgen!

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Gegen die Traurigkeit

Ein hagebuttenrotes Kleid
und feine schwarze Schuh,
dann bin ich für den Ball bereit,
ich trage Gold dazu.
Kastanienbraun schimmert mein Haar,
es glänzt im Sonnenlicht,
doch dort, wo sonst ein Lächeln war,
find ich es heute nicht.
Ich übe und ich lach mich an,
zuerst fällt es noch schwer,
doch etwas später klappt es dann,
fast konnt ich es nicht mehr.
Die allerschönste Jahreszeit,
die ist der Herbst für mich,
dann trage ich mein rotes Kleid
und lach mir ins Gesicht.
© Regina Meier zu Verl
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Baumgeflüster

Hier kannst du die Geschichte auch anhören: KLICK
Baumgeflüster

„Weißt du eigentlich, dass die dicke Eiche auf unserem Hof reden kann, Opa?“, fragt Jan seinen Opa, der gerade hinter dem Schuppen eine Zaunlatte repariert.
„Klar, weiß ich das. Ist ein richtiges Plappermäulchen, die Dicke!“, sagt Opa und grinst übers ganze Gesicht.
„Du glaubst mir wohl nicht!“ Jan kennt diesen Tonfall und das dazugehörende Grinsen.
„Wieso? Ich habe doch gesagt, dass sie plappert!“
„Ja, aber das sagst du nur so. In Wirklichkeit denkst du, dass ich spinne!“ Jan kickt mit dem Fuß einen dicken Ast zur Seite. „Aua!“ Der Ast war härter als gedacht.
„Hast du dir was getan?“, fragt Opa besorgt. Er lässt den Hammer fallen und geht auf Jan zu. Doch der ist verärgert. Schnell läuft er davon.
„Nun warte doch, Junge! Was hat sie denn nun gesagt, die Eiche?“, ruft Opa.
„Sie sagt, dass Erwachsene blöd sind!“, antwortet Jan ohne sich umzuschauen. Im gleichen Moment tut es ihm schon wieder leid. Er wollte Opa doch erklären, wie Bäume miteinander reden, denn die plappern natürlich nicht so wie die Menschen. Aber soweit ist er ja gar nicht gekommen, gleich hat Opa das ins Lächerliche gezogen und das findet Jan blöd, sehr blöd sogar.
Jan setzt sich auf die Bank vorm Haus, zieht seinen Schuh und den Strumpf aus und reibt seinen schmerzenden Zeh. Als Opa am Haus angekommen ist, setzt er sich zu Jan auf die Bank.
„Tut mir leid!“, sagt Opa.
„Mir tut es auch leid!“, sagt Jan und dann grinsen sie beide.
„Ist dein Zeh verletzt?“, will Opa wissen.
„Nein, ich glaube nicht, sehen kann man nichts. Ist ja meine eigene Schuld!“, sagt Jan und streckt Opa den Fuß hin. „Guck du doch mal!“
Vorsichtig bewegt Opa Jans Zeh hin und her.
„Scheint alles in Ordnung zu sein!“, sagt er dann. „Vielleicht sollten wir trotzdem ein wenig mit Eis kühlen“, schlägt er vor und macht sich auf den Weg ins Haus. „Bin sofort zurück!“
Als er mit einem leckeren Eis zurückkommt, das zwar nicht den Zeh kühlt, aber Jans Zunge, ist die Welt wieder in Ordnung.

„So, und jetzt erzähl mir mal, was die dicke Eiche gesagt hat!“, bittet Opa.
„Na ja, so richtig gesprochen hat sie nicht, also so mit Worten wie wir, meine ich. Aber Bäume reden miteinander“, erklärt Jan seinem Großvater. „Heute war ein Förster in unserer Schule, der hat uns erzählt, dass die Bäume so eine Art Netzwerk haben, in dem sie sich miteinander verständigen können!“
„Wie im Internet?“, fragt Opa.
„Ja, ganz ähnlich, sie brauchen dafür aber keinen Computer, sie machen das mit Gerüchen, Geschmäckern und mit ihren Wurzeln!“, erzählt Jan.
Opa ist beeindruckt und will mehr wissen.
„Hat der Förster euch auch erklärt, wie das geht?“
„Ja, alles habe ich nicht behalten, aber gemerkt habe ich mir, die Sache mit den Raupen!“
„Igitt, ich mag keine Raupen!“, meint Oma, die gerade aus dem Haus kommt.
„Setz dich zu uns, der Jan erklärt mir gerade wie die Bäume miteinander reden!“, sagt Opa und klopft mit der flachen Hand auf die Bank. „Komm!“
Jan erzählt weiter: „Wenn eine Raupe an einem Blatt knabbert, dann ist das für den Baum eine Verletzung. Es tut ihm weh. Also wehrt er sich!“
„Ach ja? Was macht er denn? Schüttelt er sich?“, fragt Oma lachend.
„Du sollst den Jungen ernst nehmen!“, schimpft Opa. „Rede weiter, Jan!“
„Er schüttelt sich nicht, das kann er gar nicht, dazu braucht er Wind. Bäume, die sich von sich selbst aus schütteln können, gibt es nur im Märchen!“ Jan erinnert sich, dass der Förster das auch gesagt hat. „Auch kann ein Baum keine Geräusche machen von sich selbst aus. Er muss zu anderen Mitteln greifen. Passt auf: Die Raupe knabbert und solange es ihr schmeckt, wird sie weiter knabbern. Also verändert der Baum den Geschmack seiner Blätter. Das dauert ein wenig, aber so ungefähr nach einer Stunde schmeckt das Grün so widerlich für die Raupe, dass sie von ihm ablässt. Und um die anderen Bäume zu warnen, verändert sich auch der Duft des Baumes!“

Oma und Opa staunen. Das haben sie nicht gewusst, aber wenn Jan das sagt, dann ist da sicher etwas Wahres dran.
„Das klingt sehr logisch, auch wenn ich mir das noch nicht so richtig vorstellen kann!“, meint Opa.
„Wir haben ein Arbeitsblatt bekommen, auf dem das noch einmal erklärt wird!“ Eifrig springt Jan auf, um seinen Schulrucksack zu holen.
„Guckt hier!“ er zeigt das Arbeitsblatt. Man sieht einige Bäume, die in einer Gruppe beieinanderstehen. Ihre Kronen berühren sich und unter der Erde sind ihre Wurzeln miteinander verbunden. Die gezeichneten Bäume haben fröhliche Gesichter, nur einer von ihnen schaut verärgert, in seiner Krone sitzt nämlich eine fette Raupe, die sich an dem Blattgrün sattfrisst. Im nächsten Bild schauen dann alle Bäume verärgert, sie haben mitbekommen, dass sich da ein Schädling bei ihrer Baumfreundin eingenistet hat. Im dritten Bild purzelt die Raupe auf die Erde und macht sich, so schnell sie kann, davon. Ihr schmeckt es nicht mehr. In einer Sprechblase steht „Igittigitt“.
„Das ist aber schade!“, sagt Opa und legt die Stirn in Falten.
„Was denn?“, fragen Oma und Jan gleichzeitig.
„Na, dass unsere dicke Eiche da ganz alleine steht. Sie hat niemandem, mit dem sie sich unterhalten kann und der sie vor Raupen warnen könnte. Sicher ist sie einsam!“
Das findet Jan auch, aber er hat keine Idee, wie man das ändern könnte. Schließlich sollte die Eiche auch einen Partner ihrer Art haben, oder doch nicht?
„Meinst du, wir könnten einen kleinen Baum daneben pflanzen, Opa?“, fragt er deshalb.
„Ja, das meine ich. Hat denn der Förster gesagt, ob Eichen sich auch mit anderen Bäumen vertragen?“, will Opa wissen.
Jan schüttelt den Kopf. „Nein, das hat er nicht gesagt. Gleich morgen frage ich mal nach. Wir machen nämlich mit dem Förster einen Ausflug in den Wald.“
„Das finde ich super! Ach, ich würde auch gern noch einmal zur Schule gehen“, meint Opa, doch das findet Jan völlig übertrieben. Sie gehen ja nicht jeden Tag in den Wald.
„Du kannst in die Baumschule gehen und eine Freundin für unsere Eiche aussuchen. Das ist auch schön, oder nicht?“, fragt Jan.
„Das machen wir zusammen, wenn du herausgefunden hast, was für einen Baum wir pflanzen wollen! Ich fände es gut, wenn es keine Eiche wäre.“
„Aber warum denn, Opa?“
„Weil die so langsam wachsen, dass ich gar nicht mehr erleben würde, ob die beiden sich anfreunden. Unsere Dicke ist nämlich schon älter als ich, mein Opa hat sie gepflanzt, vor mehr als siebzig Jahren.“
Jan überlegt einen Moment. Wahrscheinlich hat Opa Recht, sie sollten einen schnellwachsenden Baum aussuchen, damit sie selbst etwas davon hatten – nicht erst die Ur-Ur-Enkel. Ist doch klar!

 

© Regina Meier zu Verl

 

 

 

 

 

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Büchersocken

2017-12-07 18.29.58

Das sind keine Büchersocken, sondern ganz einfache Füßesocken

Büchersocken

„Was strickst du, Oma?“, fragt Maila und versucht auf meinen Schoß zu krabbeln. Sofort lege ich das Strickzeug zur Seite und helfe der Kleinen hoch.
„Ich stricke Buchhüllen, Maila.“
„Ist den Büchern denn kalt?“
Ich muss lachen, dabei ist die Frage ja eigentlich clever.
„Nein, kalt ist ihnen nicht, aber es sieht doch hübsch aus, findest du nicht?“
„Ja, Oma, aber warum strickst du Socken für die Bücher? Strick doch lieber für mich, vielleicht ein Paar pinke Socken!“
„Hast du denn noch gar keine in Pink?“, frage ich und wundere mich. Sie besitzt Socken in allen Farben. Das dachte ich jedenfalls.
Heftig schüttelt Maila den Kopf.
„Nein, habe ich nicht. Die, die ich hatte sind zu klein geworden, deshalb habe ich sie Greta geschenkt, die hat winzige Füße.“
Greta ist Mailas Puppe. Sie hat tatsächlich winzige Füße, selbst Mailas Socken werden zu groß für sie sein. Deshalb schlage ich vor, dass ich, sobald ich die Buchhülle fertig gestrickt habe, für sie und Greta ein Paar Partnersocken stricken werde.
Das gefällt ihr.
„Oma, wie lange dauert es denn, bis die Buchhülle fertig ist?“
„Nicht mehr lange, es ist die letzte Hülle, dann sind alle Bücher bestrickt“, erkläre ich ihr und zeige ihr die ersten drei dicken Bücher, die wunderbare Wollkleider bekommen haben.
„Sind das Geschichtenbücher? Liest du mir etwas vor?“, bettelt sie.
„Es ist meine Lebensgeschichte, Kind und ich werde dir gern etwas vorlesen, aber nicht aus diesen Büchern. Die kannst du lesen, wenn du selbst lesen kannst und ich nicht mehr da bin.“ Meine Stimme kratzt verdächtig und meine Augen füllen sich mit Tränen.
Glücklicherweise fragt Maila nicht weiter nach. Ich müsste ihr dann erklären, dass ich meine Lebensgeschichte in vier Teilen erzählt habe. Frühling, Sommer, Herbst und Winter heißen sie und in den entsprechenden Farben habe ich die Schutzhüllen gestrickt. Gerade arbeite ich am letzten Teil, der Winterhülle.
Ich entscheide, dass ich das Thema nicht vertiefen möchte und lenke ab.
„Wollen wir gemeinsam die Wolle aussuchen?“, frage ich Maila, die sofort Feuer und Flamme ist.
Gemeinsam durchforsten wir meine riesige Wollschublade und finden eine regenbogenbunte Wolle, die Maila verzückt aus der Schublade holt.
„Die ist aber schön!“, ruft sie begeistert aus. „Die möchte ich!“
Schnell lege ich ein passendes Nadelspiel dazu und verspreche, noch heute damit zu beginnen.
„Aber zuerst noch eine Geschichte!“, bestimmt Maila und sie besteht darauf, dass ich aus dem Frühlingsbuch lese. Ich lasse mich darauf ein, denn mein Lebensfrühling war bunt und unbeschwert. Also beginne ich:

„Es war ein Dienstag, der heißeste Dienstag des Jahres 1955. Das sagte meine Mutter jedenfalls. Der Tag meiner Geburt. Alle waren zu Hause versammelt und warteten auf mich. Aber ich ließ mir lange Zeit. Mein Opa Willi lief den ganzen Tag wie ein Tiger im Käfig auf und ab. Er war nervös, denn ich war ja sein erstes Enkelkind. Oma kochte und war auch ganz aufgeregt. Meine Mama war oben im Schlafzimmer und wartete auf mich.“

Maila schaut mich mit großen neugierigen Augen an. Sie findet es spannend und fragt nach:
„Und dein Papa? Wo war der?“
„Der musste arbeiten. Er kam erst am Abend, als ich schon auf der Welt war und selig in meiner Wiege schlief.“
Ich zeige Maila ein Foto.
„Schau, das bin ich, da bin ich erst ein paar Stunden alt. Mein Papa hat das Foto gemacht.“
Meine Tochter ruft uns zum Abendessen, deshalb schließe ich das Buch und verspreche, am nächsten Tag weiter zu erzählen. Maila drückt mir einen dicken Kuss auf die Wange.
„Du warst ein süßes Baby, Oma, fast so süß wie ich!“, sagt sie und dann hüpft sie in die Küche und ermahnt mich noch, schnell nachzukommen, denn ihr Hunger sei soooooo groß. Dabei breitet sie die Arme aus und zeigt, wie groß er ist.
Wie gut ist es, dass ich mit dem Winterbuch gerade erst angefangen habe. Ich werde noch vieles erleben, das ich dort hineinschreiben möchte, sooooo vieles.

© Regina Meier zu Verl 2015

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Schneemannliebe

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Gib eine Das Bild hat mir meine Freundin Marion zur Verfügung gestellt

Schneemannliebe

Vor nicht allzu langer Zeit hatte Friedrich Gärtner sein Frühstück stets allein eingenommen. Er lebte in einer Seniorenwohngruppe, konnte sich aber so recht nicht anfreunden mit dem Geplapper am Morgen, das ihm zuweilen tüchtig auf die Nerven ging.

Dann war Henriette Müller eingezogen und alles hatte sich seitdem verändert. Friedrich hatte plötzlich wieder Freude daran, sich am Morgen zu rasieren und ein frisches Hemd anzuziehen. Das war ihm lange nicht gelungen und seine Tochter hatte immer wieder mit ihm geschimpft. Sorgfältig frisierte er jetzt sein noch volles, weißes Haar und manchmal summte er sogar ein Liedchen.
Er grämte sich nicht mehr, wenn er ein paar Tage keinen Besuch von seinen Kindern erhielt und sogar seine Gitarre hatte er aus ihrem Koffer befreit, in dem sie monatelang untätig auf ihren Einsatz wartete.
„Guten Morgen, meine Liebe!“ Friedrich deutete einen Diener an. „Ist es gestattet?“, fragte er und deutete auf den freien Platz an ihrem Tisch.
„Ach Friedrich, du musst nicht jeden Morgen fragen, setz dich. Das ist dein Platz!“, antwortete Henriette. Sie lachte und schob sich dann eine Weintraube in den Mund. „Köstlich!“, schwärmte sie.
Friedrich schenkte sich Kaffee ein, nahm einen Schluck und seufzte.
„Hach, das tut gut!“
„Hast du schon aus dem Fenster geschaut heute?“, fragte Henriette und griff nach einem Körnerbrötchen.
„Ja, es hat heftig geschneit, so langsam reicht es mit dem Schnee, finde ich!“ Friedrich mochte den Winter nicht so gern. Früher schon hatte er das Frühjahr herbeigesehnt, damit er endlich wieder in seinem Garten werkeln konnte.
„Ich meinte, ob du HIER schon aus dem Fenster geschaut hast!“, sagte Henriette und deutete auf die große Terassentür.
„Sollte ich?“, fragte Friedrich mit einem Augenzwinkern.
„Solltest du! Unbedingt, am besten sofort!“ Henriette lachte wieder, in Friedrichs Ohren klang das wie Musik.
Friedrich legte die Serviette neben seinen Teller, erhob sich und machte sich auf den Weg zum Fenster. Im Garten, mitten auf der großen Rasenfläche, stand ein riesiger Schneemann. Henriette war ihm gefolgt. Sie hakte sich bei Friedrich ein.
„Ist er nicht wunderbar? Ich liebe Schneemänner, so lange habe ich keinen mehr gesehen!“
‚Der kann nicht echt sein!‘, schoss es Friedrich durch den Kopf, denn er entdeckte keine Rollspuren im Schnee.
„Wie ist er dahingekommen?“, sagte er leise, erwartete aber keine Antwort.
„Er will uns besuchen und kam in der Nacht, gestern war er ja noch nicht da, oder?“ Henriette drückte die Nase an die Scheibe wie ein junges Mädchen. „Er erinnert mich ein bisschen an dich!“
Friedrich stutzte. Er betrachtete den dicken Bauch und die überlange Karottennase des Schneemannes. Es war nicht gerade schmeichelhaft, mit ihm verglichen zu werden.
„Schau, sein Gesichtsausdruck!“, versuchte Henriette zu erklären. „Er guckt wie du, wenn ihm etwas nicht gefällt, er sollte lächeln, das stände ihm viel besser!“
Friedrich lacht laut auf. „Du kennst mich schon ganz gut, meine Liebe!“
„Sollen wir nach dem Frühstück mal zu ihm hinausgehen?“ Henriette zwinkerte Friedrich zu und der war sofort einverstanden.
„Das machen wir!“
Simon, der Praktikant, der in der Teeküche die Kaffeemaschine versorgte, hatte das Gespräch der beiden Senioren grinsend mit angehört. Es war also eine gute Idee gewesen, am Abend mit seinen Jungs den dicken Schneemann zu bauen. Sie hatten viel Freude daran gehabt und als dann später dicke Schneeflocken vom Himmel gefallen waren, die alle Spuren des Bauens zugedeckt hatten, schien ihm die Überraschung perfekt. Und das war sie ja auch!
Als er später Henriette und Friedrich sah, die Arm in Arm vor dem dicken Schneemann standen, fasste er den Entschluss, am Abend eine weitere Aktion zu starten.
„Liebe Frau Holle, lass es noch ein bisschen schneien!“, murmelte er und wenn ich euch jetzt erzähle, dass am Morgen des nächsten Tages neben dem Schneemann eine Schneefrau stand, die fröhlich lächelte, dann wisst ihr ja, wie sie dort hingekommen ist, oder?

© Regina Meier zu Verl

Eine weitere Schreibkick Geschichte zum Thema „Freundschaft“ findet ihr bei

NICOLE

Veronika

RINA

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Ballast abwerfen

Neulich habe ich ja schon einmal über meine „Löffelliste“ geschrieben und dass ich einen weiteren Punkt abhaken konnte. (HIER)

Beim Aufräumen meiner Dateien fiel mir dann ein Beitrag auf, der sich schon im Jahre 2015 mit dem Thema beschäftigte. Damals war es eine Reizwortgeschichte, heute ist sie aktueller denn je, denn ich habe mein Wohlfühlgewicht (mal wieder) erreicht und das soll nun auch so bleiben, damit ich den nächsten Punkt auf der Liste aktiv angehen kann. Darüber werde ich dann berichten, wenn ich mein Ziel erreicht habe. Mittlerweile habe ich 36 Pfund abgeworfen, es ist ein unglaubliches Gefühl und ich schäme mich im Nachhinein, dass ich es so weit habe kommen lassen.

Was mir auffällt, während ich dieses neue Körpergefühl genieße ist, dass sich nicht nur mein Gewicht verändert hat, sondern auch viele Dinge angegangen werden, die ich lange vor mir hergeschoben habe. So habe ich in den letzten beiden Wochen kräftig entrümpelt in unserem Heim. Endlich habe ich mich von Dingen getrennt, die ich als überflüssigen Ballast empfunden habe. Auf diese Weise werde nicht nur ich schlanker, sondern auch mein Haushalt. Das bedeutet auch, dass ich viel mehr Zeit zum Schreiben haben und weniger Zeit im Haushalt aufbringen muss, da nun (fast) jedes Ding seinen Platz hat.

Yeah!

Hier kommt also die Geschichte aus 2015, die ich euch nicht vorenthalten möchte:

 

Das Wohlfühlgewicht

Wenn ich so richtig drüber nachdenke, dann hatte ich das Kapitel meines Lebens, in dem es um Diäten geht, noch nicht abgeschlossen. Immer wieder holte es mich ein. Dann nahm ich ab, mal fünf Kilo, mal mehr, mal weniger. Und nach ein paar Wochen? Waren sie wieder da, die Kilos. Der Jo-Jo-Effekt hatte zugeschlagen, heftig!

Die einzige Konfektionsgröße, die in meinem Leben Bestand hat, ist die Schuhgröße. Aber mit den Jahren bin ich gelassener geworden. Es macht mir nicht mehr so viel aus, dass ich keine Modellfigur habe. Im Gegenteil. So dünn möchte ich gar nicht sein und ich will mich auch nicht immer nur nach Kalorien oder Fettanteilen richten. Essen ist doch auch was Schönes. Herrlich ist es, mit Freunden zusammen zu sitzen und gemeinsam zu schlemmen. Trotzdem hat sich mein Essverhalten verändert in den letzten Jahren. Ich wähle bewusster aus, achte auf die Gesundheit, meide Zucker und neuerdings auch weißes Mehl. Dafür schlemme ich mich durch die Obstregale und Gemüsestände und seitdem ich das mache, hat mein Heißhunger auf Süßes merklich nachgelassen.

Die Waage habe ich aus meinem Badezimmer verbannt. Manchmal denke ich kurz darüber nach, sie doch aus dem Keller zu holen. Dann verwerfe ich den Gedanken. Und damit lebe ich ganz gut. Ich weiß gar nicht, was ich wiege. Das verhindert Unzufriedenheit, denn wenn die Hosen kneifen, passe ich einfach ein paar Tage auf und schwupps, ist wieder alles okay mit dem Wohlfühlgewicht.

Neulich musste ich zum Gesundheitscheck beim Hausarzt. Dort werden alle Daten aufgenommen und dazu gehört natürlich auch der Gang auf die Waage. Nun wiegen Waagen bei Ärzten ja gemeinerweise sowieso immer anders, als die zu Hause. So meine Erfahrung aus der Vergangenheit. Diesmal hatte ich jedoch keinen Vergleich und ich gebe es zu: ich war etwas nervös. Schon am Tag vorher hatte ich so ein flaues Gefühl im Bauch. Scheinbar ist es mir doch nicht so ganz egal, was ich wiege.

Ich atmete noch einmal aus und stieg dann in Unterwäsche auf das magische Gerät. Die Sprechstundenhilfe schob die kleinen Gewichte hin und her, legte sich fest und trug mein Gewicht auf einem Fragebogen ein. Mein Herz machte einen kleinen Hüpfer, als ich ihr über die Schulter schaute und entdeckte, dass ich zehn Kilo weniger wog als beim letzten Check vor zwei Jahren. Mit einem breiten Grinsen saß ich dann im Sprechzimmer und wartete auf meinen Arzt.

„Na, Sie strahlen ja so! Wie geht es Ihnen?“, fragte er und reichte mir die Hand.

„Es ging mir lange nicht so gut!“, antwortete ich und die kleinen Zipperlein, die mich ab und an plagen, hatte ich in diesem Moment völlig vergessen. Trotzdem, oder genau aus diesem Grund, werde ich meine Waage nun zum nächsten Sperrmüll geben. Ich habe ja mein Wohlfühlgewicht erreicht.

 

© Regina Meier zu Verl 2015

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Das Konzept steht

Wie unromantisch das klingt, dabei geht es doch um die schönste Zeit des Jahres, den Advent. Aber egal – ich habe heute viel nachgedacht, weil ich doch diesmal wieder etwas ganz anderes schreiben will. Was hatten wir denn schon so?

1. Ich habe 24 Gedichte geschrieben – eigens für meinen ersten Adventskalender
2. Ich habe eine 24-teilige Geschichte über ein Kind geschrieben, das am Heiligabend ein besonders wertvolles Geschenk erhält – eine Schwester. (nicht mehr im Internet zu finden) Ich habe es aber noch ausgedruckt hier liegen und werde es mal abtippen, wenn ich mehr Zeit habe.
3. 24 Weihnachtsgeschichten, ohne Zusammenhang
4. In einem Forum habe ich mal 24 Beiträge geschrieben, die auf die Mitglieder bezogen waren, das Forum gibt es allerdings schon lange nicht mehr
5. Für meinen ältesten Enkel habe ich einmal 12 Paar Socken gestrickt und in jeden einzelnen eine Minigeschichte gelegt
6. Im vorletzten Jahr habe ich einen Adventskalender für Senioren geschrieben, der in Altenheimen vorgelesen wurde.
7. Im letzten Jahr gab es hier im Blog die 24-teilige Geschichte „Weihnachten im Stall“ (ist hier noch zu finden)
8. Wird nicht verraten – es wird anders werden, soviel kann ich schon sagen

Ich mach mich dann mal an den ersten Tag! 🙂

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Soll ich, oder soll ich nicht?

Sobald die Lebkuchen in die Supermärkte eingezogen sind, stellt sich mir die Frage, ob ich, wie in den letzten sieben Jahren, wieder einen Adventskalender schreiben soll/will? Ich ziere mich dann immer ein paar Tage „Regina, dieses Jahr nicht!“, sage ich mir dann und dann kommt doch wieder diese Lust, es doch zu tun.

Also gebe ich meinen Gelüsten nach, Lebkuchen esse ich ja nicht mehr, also schreibe ich Adventskalendergeschichten … los geht’s

Heute habe ich allerdings erstmal ein Gedicht geschrieben, ein Liebesgedicht für einen Kürbis: Schaut hier DICKERCHEN

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Goldenes Jubiläum

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Am Sonntag durfte ich das 50-jährige Jubiläum meiner Konfirmation feiern. Es war ein schöner Tag, den ich mit einigen der damaligen Weggenossen verbracht habe. Ein wunderbarer Gottesdienst, dem sich viele Gespräche anschlossen, wird mir lange in Erinnerung bleiben.
Besonders die Leute wiederzusehen, die man in diesen 50 Jahren niemals getroffen hat, hat mich gefreut. Es ist interesssant, wie viele Erinnerungen plötzlich erwachen, an die man gar nicht mehr gedacht hat. Eine tolle Erfahrung, ich bin sehr dankbar, dass ich das erleben durfte.
Von Seiten der Kirche wurden wir praktisch den ganzen Tag mit Leckereien verwöhnt. Ich habe das sehr genossen!
Auch war ich erstaunt darüber, wie viele Leute mich kennen (oder in Erinnerung behalten haben), weil sie hier und da etwas von mir gelesen haben. Das tut gut und motiviert ungemein!

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Oma Betty regt sich auf

Oma Betty regt sich auf

 

Wenn Oma Betty morgens ihre erste Tasse Kaffee getrunken hat, setzt sie die Lesebrille auf und macht sich über die Tageszeitung her.
Liest sie was Nettes, grinst sie, manchmal ärgert sie sich und ab und zu regt sie sich auf. Gestern zum Beispiel!
Ich dachte schon, dass etwas furchtbar Schlimmes passiert ist, noch furchtbarer als die schlechten Nachrichten, über die sich Oma sonst so ärgert. Sie wurde puterrot im Gesicht und atmete ganz schnell.
„Oma, was ist denn los?“, fragte ich vorsichtig, bekam aber keine Antwort. „Soll ich dir ein Glas Wasser holen?“, hakte ich nach, weil sie so heftig schnaufte.
„Wasser?“ Sie schrie es fast, ich bekam es so langsam mit der Angst zu tun.
„Wasser hilft nicht und Schnaps darf ich nicht, du weißt ja, mein Herz! Ich könnte jetzt aber einen gebrauchen!“ Oma nahm die Lesebrille ab, setzte sie wieder auf und las noch einmal das, was sie so aufregte.
„Das kann ja wohl nicht war sein!“, schimpfte sie. Dann hielt sie mir die Seite hin, die wohl Anlass für den Ärger war. Eine ganzseitige Werbeanzeige des Kaufhauses in der Nachbarstadt.
„Das machen die doch extra!“, schimpfte Oma Betty.
„Was denn? Ich verstehe nicht …“, warf ich ein, obwohl ich mir wirklich Mühe gegeben hatte, gleich zu erkennen, was denn so schrecklich war.
„Na da!“ Oma klopfte mit der flachen Hand auf die Anzeige. Als ich noch immer nicht reagierte, nahm sie den Zeigefinger und tippte auf einen Topf. So langsam schwante mir, was passiert sein könnte.
„Dein neuer Slow-Cooker?“, fragte ich vorsichtig.
„Genau der! Eine Unverschämtheit ist das, ich sag’s ja, die machen das extra!“
„Aber was denn, Oma?“
„Die verkaufen doch das gleiche Modell für 49 Euro und ich habe letzte Woche 79 Euro bezahlt!“ Oma war jetzt den Tränen nah.
„Aber du hast ihn doch gar nicht dort gekauft, Oma!“
„Nein, habe ich nicht. Ich wollte den unbedingt haben und da bin ich zum Haushaltswarenladen bei uns gefahren, da gab es den für 79 Euro und die Verkäuferin sagte noch, dass es ein Sonderangebot sei!“
Mir fiel nichts ein, was Oma hätte trösten können, also blieb ich lieber still. Plötzlich sprang Oma auf und rannte in den Keller. Mit der Gebrauchsanweisung des neuen Topfes kam sie zurück in die Küche. Diese studierte sie dann ganz genau, las dann noch einmal die Anzeige und endlich entspannten sich ihre Züge.
„Ich nehme alles zurück!“, sagte sie leise.
„Warum?“, wollte ich nun wissen.
„Mein Slow-Cooker ist für fünf Liter ausgerichtet, der in der Anzeige nur für drei Liter!“ Sie strahlte.
„Oma?“
„Ja, was ist denn?“
„Sagst du nicht immer zu mir, dass ich erstmal ganz genau nachdenken soll, bevor ich jemanden beschuldige?“, fragte ich sie und freute mich, dass mir das gerade eingefallen war.
„Das ist ja ganz was anderes …“, sagte sie. „Aber …“
„Aber?“
„Aber du hast doch ein bisschen recht, nein, du hast hundertprozentig recht, entschuldige!“, sagte sie und die Entschuldigung habe ich natürlich angenommen. Auch Omas können sich mal vertun, nicht wahr?“

© Regina Meier zu Verl

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