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Posts Tagged ‘Adventsgeschichte’

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Wie die vier Kerzen zu ihren Namen kamen

„Die haben mich vergessen!“, schimpfte die vierte Kerze auf dem Adventskranz.
„Ach was, du kommst schon noch dran!“, meinten die anderen einstimmig.
„Aber es ist doch schon dunkel und wenn ich das richtig sehe, ist kein Mensch zu Hause“, sagte nun wieder die Nummer Vier.
„Wir sind denen gar nicht wichtig, sie haben uns nicht einmal einen Namen gegeben!“, sagte die Nummer Drei traurig. „Menschen geben denen, die sie lieben einen Namen. Denk mal an den Hund!“
„Du hast recht. Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, aber es stimmt. Wir sind einfach nur Nummern. Oh je, ist das traurig!“ Das war die zweite Kerze.
„Wir sind eben nur Kerzen!“, flüsterte die Nummer Eins, die immer ein wenig leiser war als die anderen. Dabei hatte sie doch das Glück gehabt, als allererste von ihnen entzündet zu werden. Sie wusste aber, dass das ein Zufall war, es hätte ebenso gut eine von den anderen sein können.
Die vier Kerzen schwiegen, jede für sich war in Gedanken versunken. Im Haus war es mucksmäuschenstill, nur das Ticken der großen Wanduhr war zu hören.
Plötzlich wurde die Tür zum Wohnzimmer geöffnet und jemand schaltete das Licht ein.
„Jetzt ist es endlich soweit!“, dachte die vierte Kerze und wagte kaum zu atmen vor lauter Aufregung. Tatsächlich, da kam Tina, die hier wohnte und setzte sich aufs Sofa.
„Schatz!“, rief sie und noch einmal: „Schahatz!“
„Was ist denn, Tina?“, rief Alex, Tinas Liebster.
„Heute ist der vierte Advent, wir wollen noch die Kerzen anzünden und ein Weihnachtslied singen!“, rief Tina.
„Boah, du bist so altmodisch! Muss das denn unbedingt jetzt sein, ich habe solchen Hunger!“, maulte Alex. Da er aber seine Tina liebte, machte er sich auf den Weg ins Wohnzimmer.
„Ich bin übrigens nicht altmodisch, man nennt das romantisch, mein Lieber und ein wenig Romantik stände dir auch ganz gut zu Gesicht!“, meinte Tina und hielt Alex die Streichhölzer hin. „Mach du!“, ordnete sie an.
Gerade wollte Alex die vierte Kerze anzünden, deren Docht noch ganz unbenutzt war, als Tina rief: „So nicht, es muss in der richtigen Reihenfolge angezündet werden, die vierte ist die letzte Kerze, fang mit der Nummer Eins an!“, schimpfte sie.
„Demnächst werden wir den Kerzen noch Namen geben und ihnen später einen Gutenachtkuss geben!“, witzelte Alex.
„Blödmann!“, schimpfte Tina und schob schmollend die Unterlippe vor.
„Das ist aber kein schöner Name, lass dir was besseres einfallen!“, konterte Alex und brachte Tina damit wieder zu lachen.
„Okay, die erste heißt Chris – nun bist du dran, mein Lieber!“
Alex zündete die erste Kerze an. „Ich taufe dich auf den Namen Chris!“, sagte er feierlich. Dann hielt er das Streichholz an die zweite Kerze. „Und du heißt … Aua!“ Alex hatte sich den Finger verbrannt, das tat ganz schön weh.
„Aua kann sie aber nicht heißen“, meinte Tina, nachdem sie Alex einen Kuss auf den schmerzenden Finger gegeben hatte. „Ich schlage vor, sie heißt Aurelia, okay?“
Zu Chris und Aurelia kamen dann noch Luke und Mara dazu.
Die Kerzen waren glücklich und strahlten heller als je zuvor. „Sie haben uns Namen gegeben“, flüsterte Mara. „Das heißt, dass sie uns lieben!“
„Ja!“, flüsterten Chris, Aurelia und Luke.
Tina kuschelte sich an ihren Alex und schaute glücklich ins funkelnde Licht der Adventskerzen.

© Regina Meier zu Verl

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Zum Plätzchen backen bin ich in diesem Jahr gar nicht gekommen. Aber das macht nichts, ich habe nämlich immer mal wieder ein Tütchen Selbstgebackene geschenkt bekommen und die landen nun alle auf unserem Weihnachtsteller. So einfach von der Hand, wie dem Zauberer in der nächsten Geschichte geht es mir nämlich nicht, besser gesagt: mir fehlte die Zeit in diesem Jahr.

Der Zauberer Theodosius

„Ich bin ein Zauberer!“, rief der Weihnachtsmanngehilfe Theodosius und sprang einen halben Meter in die Höhe. „Ein großer Zauberer bin ich, jaja!“
Die anderen Gehilfen kicherten.
„Jetzt fängt er wieder mit diesem Blödsinn an!“, schimpfte Ambrosia, die das schon aus den vergangenen Jahren kannte. „Gleich zaubert er Weihnachtsgebäck und wir dürfen die Sache dann wieder ausbaden, weil wir, wie immer, in Verzug geraten werden!“
„Nun lass ihn doch, vielleicht hat er das Zaubern ja gelernt mittlerweile und wenn das so wäre, dann würde er uns jede Menge Arbeit ersparen“, meinte Klarina, die ein bisschen verliebt in Theodosius war.
Dankbar schaute Theodosius zu ihr hin und lächelte sie strahlend an und Klarina war hin und weg.
„Ihr nun wieder!“ Das war Ambrosia, die kopfschüttelnd die Backstube verließ. Sicher wollte sie wieder beim Weihnachtsmann petzen.
„Dann lass doch mal sehen!“, schlug Klarina vor und klopfte Theodosius aufmunternd auf die Schulter. „Was zauberst du uns zuerst?“
„Ja, ja!“, riefen auch die anderen. „Zeig, was du kannst!“
„Okay, dann mal los!“, sagte Theodosius. „Man stelle fünf Schüsseln auf den Tisch, alle müssen die gleiche Größe haben!“, ordnete er an.
Sogleich stellten die neugierigen Gehilfen fünf Schüsseln bereit. Dann sahen sie Theodosius erwartungsvoll an.
Der murmelte ein paar unverständliche Worte, hielt die Hände über jede Schüssel und wartete.
Dann rief er: „Okay, nun brauche ich eine riesige Schüssel, viel größer als die fünf anderen!“
Klarina holte eine große Schüssel aus dem Regal und stellte sie zu den anderen.
„Danke, du Liebe!“, schmeichelte Theodosius. „Nun werden die kleinen Schüsseln befüllt, in eine kommt viel Butter, in die nächste viel Zucker, in die nächste doppelt so viel Mehl, in die vierte gemahlene Mandeln und in die fünfte eine Prise Salz, ein wenig Vanillemark, etwas Zimt und Kardamom!“, ordnete er an.
„Der schmiert uns doch an!“, flüsterte Bella, eine der Kleinsten.
„Pst!“, machte Klarina und legte den Zeigefinger auf die Lippen. „Stör ihn nicht!“
Als alle Zutaten verteilt waren, die Gehilfen hatten sich echt beeilt, murmelte Theodosius ein paar Worte in die leere Riesenschüssel, hob die Hände, schloss die Augen und rief dann:
„Vereinigt euch, ihr leckeren Dinge, dass euer Geschmack uns Freude bringe!“
Dann wurde es ganz still, man hätte eine Stecknadel fallen hören können, so still wurde es. Aber – es geschah nichts.
„Und jetzt?“, fragte Klarina in die Stille hinein.
Theodosius kratzte sich am Kopf. „Mmh, da muss ich wohl eine wichtige Zutat vergessen haben!“, murmelte er und ging die Zutatenliste im Kopf noch einmal durch.
„Ich hab’s, alles muss nun in die große Schüssel!“, rief er.
„Klar, das hätte ich dir auch sagen können!“ Klarina schüttelte den Kopf. Wollte er sie etwa für dumm verkaufen? So viel Frechheit hatte sie ihm nun doch nicht zugetraut und ein Fünkchen Hoffnung, dass der Zauber noch käme, wenn erst alle Zutaten in der Riesenschüssel wären, blieb noch. Also füllte sie alles, Butter, Zucker, Mehl, Mandeln und Gewürze in die Riesenschüssel und wartete.
Und sie wartete und wartete, nichts tat sich. Wie auch?
Klarina fing an, den Teig zu kneten, dann formte sie kleine Kugeln und die anderen Gehilfen gingen ihr zur Hand. Sie rollten den Teig aus, stachen Sterne aus und legten die Teigstücke auf die großen Backbleche. Der Ofen wurde angeheizt und nach und nach wurden die Bleche in den heißen Ofen geschoben. Ein köstlicher Duft breitete sich aus, der weit bis über die Backstube hinaus zu riechen war.
Während alle zusammen mit dem Verzieren der Plätzchensterne beschäftigt waren, kam auch Theodosius zurück.
„Es hat funktioniert!“, rief er begeistert aus. „Plätzchen backen, ohne einen Finger zu bewegen! Ich bin ein großer Zauberer!“

© Regina Meier zu Verl
 

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17. Dezember

Den zweiten Teil der Geschichte des kleinen Engels hatte ich euch vorgestern versprochen. Hier ist er nun: (Teil 1 ist HIER)

Silver, der kleine Engel (Teil 2)

Hoch am Himmel flog Silver, der kleine Engel. Nach langer Zeit der Traurigkeit fühlte er sich heute richtig wohl, nachdem ihm die Begegnung mit dem Fuchs die Augen geöffnet hatte. Er schaute hinab auf die kleine Stadt unter ihm, die weihnachtlich beleuchtet war, denn es waren nur noch ein paar Tage bis zum Weihnachtsfest. Überall in den Gärten standen beleuchtete Tannenbäume und in den Fenstern strahlte heller, warmer Kerzenschein.
Silver ließ sich ein wenig mehr nach unten gleiten, weil ihm so gefiel, was er da sah. Plötzlich hörte er seinen Namen.
„Silver“, rief eine leise Stimme. „Flieg hinab zur Erde, du wirst gebraucht!“
„Aber wohin soll ich fliegen?“, fragte Silver aufgeregt. Er spürte, dass sich Gabriels Vorhersage nun bald erfüllen würde.
„Lass dich einfach fallen, dann wirst du schon wissen, was zu tun ist“, sagte die Stimme.
Silver tat, wie ihm geheißen. Langsam sank er immer tiefer und tiefer hinab und plumpste plötzlich in den weichen Schnee direkt am Rand des Marktplatzes.
War das ein Trubel, viele Menschen gab es hier, Buden mit Süßigkeiten, sogar ein Kinderkarussell. ‚Das muss ein Weihnachtsmarkt sein!‘, dachte Silver und schaute sich neugierig um.
Mitten auf dem Platz tanzten Kinder auf einer Eisfläche einen Schlittschuhtanz. Wie lustig das aussah, gern hätte Silver ein wenig mit den Kindern herumgetollt, aber er hatte auch ein wenig Angst davon, was passieren würde, wenn man ihn entdeckte.
Ein kleines Mädchen saß am Rand der Eisbahn. Es weinte. Niemand kümmerte sich um die Kleine.
Sofort spürte Silver, dass er eingreifen musste. Wo waren denn nur die Eltern des Mädchens und warum bemerkte niemand, dass es weinte?
Sanft nahm er die Hand des Mädchens und sprach es an.
„Warum weinst du? Hast du dir weh getan?“, fragte er leise.
„Nein, aber ich bin ganz allein!“, stammelte die Kleine.
Das war nicht gut, gar nicht gut. Er flüsterte dem Mädchen etwas ins Ohr, hob sich in die Luft und versuchte, die Eltern des Kindes ausfindig zu machen. Er würde sie schon erkennen, ganz bestimmt.
Er entdeckte eine Frau, die sich suchend umschaute. Silver landete neben ihr und sprach sie an, doch die Frau hörte ihn nicht. Er zupfte an ihrem Mantel. Die Frau reagierte nicht.
„Silvia!“, rief sie laut. „Wo bist du denn nur?“
„Aha!“ rief Silver. „Dann bin ich wohl Silvias Schutzengel!“ Er nahm die Hand der Frau und zog sie über den Marktplatz in Richtung Eisbahn. Die Frau folgte ihm und rief immer wieder Silvias Namen und endlich sah sie ihre Tochter, die ihr aufgeregt zuwinkte.
„Mama!“, rief sie. „Ich war hier ganz allein und wusste nicht wo du bist!“
Die Frau schloss das Kind in ihre Arme.
„Ich habe so geweint, doch dann kam dieser Engel und da wusste ich, dass alles wieder gut wird!“, sagte Silvia.
„Engel?“, fragte die Frau. „Welcher Engel denn, fantasierst du wieder?“ Sie fühlte die Stirn ihrer Tochter. „Fieber hast du aber nicht!“
„Der Engel, der da neben dir steht, du hattest ihn an der Hand, als du mich gefunden hast!“, erklärte Silvia.
Die Mutter lachte. „Engel, die gibt es nur im Märchen!“, sagte sie. „Aber jetzt ist ja alles wieder gut!“
Silver lächelte. Das Kind hatte ihn gesehen, die Mutter nicht. Das war wohl das Zeichen dafür, dass er, Silver, wirklich der Schutzengel der Kleinen war.
„Silvia und Silver!“, flüsterte er und hauchte dem Mädchen einen zarten Kuss auf die Wange.
„Ja, wir beide!“, flüsterte das Kind. „Bleibst du jetzt bei mir?“
„Ja, immer!“, versprach Silver.
„Mit wem redest du?“, fragte die Mutter verwundert.
„Das ist mein Geheimnis“, antwortete Silvia und sie hat niemandem verraten, dass von da an der Engel Silver stets an ihrer Seite war.
Ja, so war das!

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12. Dezember

In einem weiteren Türchen fand Oma einen Tannenzapfen, folgende Geschichte erzählte sie dazu:

Kiefernzapfen, jede Menge

Leo und Lina haben Kiefernzapfen gesammelt. Sie tun geheimnisvoll, als Mama fragt, was sie denn mit den vielen Zapfen basteln wollen.
„Das wirst du dann schon sehen!“, sagen sie und kichern. „Auf jeden Fall wird nichts gebastelt, wir helfen der Umwelt!“, behaupten sie und ziehen sich mit ihren Zapfen ins Gartenhaus zurück.
„Mama wird staunen“, freut sich Lina. „Und Papa und Oma und Opa auch.“
Leo kichert wieder. „Alle werden sie staunen. Bald.“
Lina schüttelt entschieden den Kopf.
„Von bald kann keine Rede sein. Du hast doch gehört, was Herr Norden gesagt hat, es braucht viel Geduld!“
Jetzt kommen die Jogurtbecher zum Einsatz. Tagelang haben Lina und Leo gesammelt.
„Dann erfüllen sie wenigstens noch einen Zweck!“, hatte Leo gemeint, denn zu viele Plastikbecher sind nicht gut für unsere Umwelt und Mama war dazu übergegangen, Jogurt in großen Gläsern zu kaufen, die man wiederverwenden konnte. Gut so.
Die Geschwister haben jeden Becher, den sie noch erwischen konnten, an sich genommen, denn sie haben viele Tannenzapfen gesammelt, die verarbeitet werden wollen. Wenn sie Glück hatten, dann würde aus jedem Zapfen in den Joghurtbechern ein kleines Tannenbäumchen heranwachsen. So viele Tannen!
„Ob unsere Becher da überhaupt reichen?“ Besorgt blickt Lina auf die Bechersammlung.
Die beiden Kinder füllen die Becher mit Gartenerde und legen dann jeweils einen Tannenzapfen auf die Erde. Anschließend besprühen sie jeden Zapfen mit Mamas Blumenspritze, die sie heimlich „ausgeliehen“ haben und schon bald ist ein kleines Tannenzapfenwäldchen entstanden. Jetzt kommt das Moos zum Einsatz, das sie im Garten gefunden haben und nun liebevoll auf die Erde rundum die Zapfen legen.
„Sie sollen sich doch wohlfühlen!“, meint Lina.
„Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen“, sagt Leo und Lina grinst.
„Leo, du weißt doch, dass wir viel Geduld brauchen werden, das geht nämlich nicht so ruckzuck, es braucht Zeit!“, klärt Lina ihn nochmals auf.
„ Stimmt!“ Leo nickt und klatscht voller Vorfreude in die Hände.
„Mama wird staunen. Ein tolles Geschenk wird das sein. Ein wundertolles sogar. Ich …“ Er bricht ab, blickt über den Gartentisch, der fast ganz zugestellt ist mit Bechern, in denen auf Erde Tannenzapfen thronen, und wird blass. „Wo sollen wir die denn vor Mama verstecken? Es sind ja so viele!“
Aufgeregt blickt er seine Schwester an.
„Wir erteilen ganz einfach „Gartenhausverbot“, bis Weihnachten sind es ja noch ein paar Wochen, vielleicht zeigen sich dann schon die ersten Sprösslinge.“, sagt Lina bestimmt.
„Und du meinst, dass Mama sich einfach so an das Verbot halten wird?“ Leo ist skeptisch.
„Sie muss!“, ruft Lina. „Wir machen ein Schild an die Tür und wir bitten Opa um Hilfe, der muss aufpassen, dass Mama nicht heimlich ins Häuschen geht!“
„Puh! Das wird schwer!“ Leo blickt seine Schwester zweifelnd an. „Was, wenn Mama nochmal im Garten arbeiten will?“
„Es ist Winter! Da hat Mama nichts mehr im Garten zu tun.“ Lina ist sich sicher.
Leo ist es nicht. Er denkt an die Tulpen- und Narzissenzwiebeln, die gestern in einem Paket gekommen sind und die Mama noch „in die Erde bringen will“, wie sie selbst gesagt hat.
„Dann decken wir den Tisch einfach ab mit einer großen Plane! Ich frage mal Opa, der hat immer gute Ideen!“, sagt Lina und Leo ist stolz auf seine Schwester. Meist hat sie eine Lösung, wenn ein Problem auftritt, auch wenn die Lösung immer wieder Opa heißt!
„Bei den Blumenzwiebeln können wir ja helfen!“, beschließen die Geschwister und dann machen sie sich auf zu Opa.
„Kinder! Kinder!“, sagte Opa später. „Ihr macht Sachen! Hmm! Lasst mich nachdenken.“
Er runzelt die Stirn und denkt nach. Lange. Und Lina und Leo runzeln auch die Stirn und denken auch nochmal nach.
„Wie viele Bäumchen habt ihr nochmal gepflanzt?“, fragte Opa dann. „Und wo im Garten wollt ihr sie später, nach Weihnachten, pflanzen?“
„24 sind es!“, sagt Lina stolz.
„Hinter dem Rasen in die Blumenbeete. Dort ist Platz!“ sagt Leo.
„Hm!“ macht Opa wieder. „Und wie groß werden eure Tannen einmal sein? Übrigens sind es keine Tannen, sondern Kiefern!“
„Sehr groß!“, freut sich Lina.
„Wie ein kleiner Wald!“, ruft Leo.
„Hm!“ Mehr sagt Opa nicht mehr und Lina sieht plötzlich einen großen, dichten Wald, der hinter dem Rasen hoch und dunkel aufragt. Gigantisch sieht der aus. Ein bisschen unheimlich auch. Und plötzlich gefällt ihr die Idee mit den vielen Tannen gar nicht mehr.
„Hm!“, sagt auch sie. „Ich glaube, so viele große Tannen würden Mama keine Freude machen.“
„Aber 24 kleine schon“, wirft Leo schnell ein. „Ein paar könnten wir ja auch verschenken.“
„Das ist eine gute Idee“, findet Lina. „Da es genau 24 Zapfen sind, können wir an jedem Tag im Advent eines verschenken.“
Genauso machen es die Geschwister und viele, viele Leute in der Nachbarschaft freuen sich, als es bei ihnen klingelt und die beiden Kinder mit einem Zapfenbecher vor der Tür stehen und singen:
„Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, wie treu sind deine Blätter!“

 

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9. Dezember
Die folgende Geschichte ist ein wenig länger geraten. Im Adventskalender war ein kleiner Schlüssel versteckt. Was es damit auf sich hat, erfahrt ihr in den nächsten drei Tagen, denn zu viel Text in einem Kalendertürchen ist auch nicht gut, oder?
Als, hier geht es los:

Der Schatz im Schreibtisch

In Lindas Zimmer stand seit Jahren der alte Schreibtisch ihres Großvaters. Eigentlich war dieses Möbelstück viel zu groß und zu wuchtig für den kleinen Raum. Doch Linda hatte entschieden, dass er in ihr Zimmer gehörte und sie lieber auf etwas anderes verzichten wollte. Sie liebte den Schreibtisch mit seinen vielen Schubladen und Geheimfächern, beinahe so sehr, wie sie ihren Großvater geliebt hatte. Ihre Eltern sagten, dass da wohl ein Generationensprung vorliegen müsste, denn das Mädchen glich in vielen Dingen ihrem Großvater. Sie schrieb Gedichte, sie malte, sie interessierte sich für Pflanzen und Tiere und sie war eine richtige Weihnachtstante.
Großvater Josef war Zeit seines Lebens ebenfalls an all diesen Dingen interessiert gewesen und er hatte ein großes Wissen über Flora und Fauna gehabt. Das ganze Jahr über war er aktiv im Garten, oder er machte lange Spaziergänge. Er wanderte mit seiner hölzernen Staffelei zu den verschiedensten Orten und malte stundenlang Landschaften, Bäume, Pflanzen und Tiere. Dazu hatte er immer Lust, und als seine Enkeltochter ebenfalls ihre Liebe zum Malen entdeckte, nahm er sie mit. So lernte Lina schon früh, wie man einem Bild Tiefe verleihen konnte, so dass man anschließend das Gefühl hatte, mit einem Schritt in die Landschaft einzutauchen und immer wieder dort sein zu können, wo es einem besonders gut gefallen hatte.
Wenn die Abende länger wurden und es auf die Adventszeit zuging, erwachte die nächste gemeinsame Leidenschaft. Es wurde gebastelt, gemalt, gesungen und gedichtet. Während die Großmutter in der Küche Plätzchen backte, saßen Opa Josef und seine Enkelin Linda im Wohnzimmer an dem klobigen Schreibtisch und stellten die wunderbarsten Dinge her. Manchmal waren es geheime Dinge, die niemand sehen durfte, Geschenke für Oma oder für die Eltern zum Beispiel. Die wurden dann in den Schubladen des Schreibtisches versteckt. Andere Basteleien wiederum kamen sofort zum Einsatz, etwa für die Weihnachtsdekoration in den Fenstern des gesamten Hauses. Immer wieder hatten die beiden neue Ideen, und wenn dann das Weihnachtsfest gekommen war, dann glitzerte und strahlte das ganze Haus. Ach, wie gemütlich das war.
Wenn Linda später, als sie längst erwachsen war, mal wieder ein paar Tage bei den Eltern verbrachte, saß sie oft an dem Schreibtisch und erinnerte sich an die glückliche Zeit mit den Großeltern. Auch in diesem Jahr hatte sie wieder ein paar Tage im Haus ihrer Kindheit eingeplant. Mit ihren Eltern hatte sie einen gemütlichen Abend verbracht. Die Mutter hatte den alten Weihnachtsschmuck aufgehängt und alles war so wie früher, als Linda noch ein Kind gewesen war. Nur die Großeltern fehlten.

Fortsetzung folgt morgen …

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8. Dezember
Nachdem ich die Geschichte von Willi angehört hatte, dachte ich darüber nach, dass auch meine
Oma Betty eines Tages nicht mehr bei mir sein würde. Kein schöner Gedanke, aber so ist das Leben, irgendwann müssen wir uns verabschieden, auch wenn es noch so weh tut.
Aber ich will jetzt gar nichts Trauriges hier sagen, denn schließlich freuen wir uns auf Weihnachten und Oma Betty hat noch jede Menge zu erzählen. Ich bin gespannt, was heute passieren wird!
Ein Päckchen befand sich im Adventskalender, na dann!

Geteilte Freude ist doppelte Freude

In der Schule gibt es einen Adventskalender. Vierundzwanzig Kästchen hängen an einem dicken Seil direkt über der Tafel. Jeden Tag darf eines der Kinder ein Päckchen öffnen und nach dem Wochenende sind es sogar drei Schüler, die an der Reihe sind.
Die Reihenfolge wurde ausgelost. Gut ist, dass es in der zweiten Klasse genau 24 Kinder gibt, schlecht ist, dass Michel die 24 gezogen hat und das ärgert ihn, wo er doch so neugierig ist. Aber da hilft nichts, er muss sich gedulden, eine gute Übung.
„Dafür ist dann gleich danach Heiligabend!“, tröstet ihn Jenny, die schon am zweiten Tag dran ist. Sie hat gut reden, denkt Michel und zieht eine Schnute. Oh, wie süß Jenny das findet, wenn Michel eine Schnute zieht. Zum Verlieben süß, Jennys Herz macht lauter kleine Hüpfer.
„Du, Michel“, flüstert sie.
„Ja, was denn?“, fragt der und er ärgert sich immer noch und es ärgert ihn auch, dass Jenny gar nicht mit dem Thema aufhören will.
„Wir könnten tauschen!“, schlägt Jenny vor und plötzlich hüpft Michels Herz so komisch. Diese Jenny ist eine Wucht, er fand sie vom ersten Tag an super.
„Das würdest du für mich tun?“, fragt er und wird ein bisschen rot im Gesicht, das steht ihm gut.
„Klar!“ Jenny grinst, für Michel würde sie alles tun.
„Perfekt – aber dann musst du ja so lange warten, das wäre nicht nett von mir.“ Jenny drückt Michel ihre Nummer zwei in die Hand.
„Nun mach schon, gib mir deine Nummer, muss ja keiner merken, nicht wahr?“ Sie tauschen und als Michel am zweiten Tag sein Päckchen öffnet und darin zwei Dominosteine, zwei Zimtsterne und zwei supersaure Kaugummikugeln findet, teilen die beiden den Schatz und dann warten sie gemeinsam auf den Tag, an dem Michel sein Adventspäckchen erhält. Sie werden wieder teilen, das steht fest.
„Geteilte Freude ist doppelte Freude, oder so ähnlich!“, lacht Jenny am letzten Schultag vor Weihnachten.
„Bingo!“, sagt Michel und dann drückt er seiner Jenny einen dicken Schmatzer auf die Wange. Dann wird er wieder ein bisschen rot und das steht ihm wirklich sehr gut.

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7. Dezember

Hinter einem weiteren Türchen im Adventskranz verbarg sich ein Engel. Wir hatte nun schon die Glocken, das Schufchen … äh, Schäfchen meine ich, die Gänse Gabriel und Günter, die kleine weiße Kerze und Oma Sockes Geheimnis, worum geht es denn heute?
Das scheint nur so

Willi war gerade mal zehn Jahre alt, als es zum ersten Mal passierte. Er maß dem keine Bedeutung bei, erst viel später erinnerte er sich daran.
Auf dem Schulhof war die kleine Grete heftig gestürzt. Ihr Knie blutete und sie weinte jämmerlich. Um sie herum stand eine Traube von Kindern. Keines wusste, was zu tun war und der Lehrer Zimmermann war gerade mit einer Rangelei der älteren Jungen beschäftigt. Willi, der Grete kannte, weil sie in seiner Nachbarschaft wohnte, trat zu ihr und beruhigte sie mit leisen Worten.
„Ist nicht so schlimm, komm, leg deine Hände um meinen Hals, dann trage ich dich zum Sekretariat. Dort wird man dein Knie versorgen.“
Grete legte die Hände auf Willis Schulter und ließ sich von ihm tragen, die anderen Kinder traten einen Schritt zurück und ließen die beiden durch. Die nette Schulsekretärin säuberte die Wunde und legte einen Verband an. Grete weinte, aber Willi wich nicht von ihrer Seite. Das tat gut!
„Danke, Willi, du bist ein Engel!“, flüsterte Grete in sein Ohr, als sie später gemeinsam zum Klassenraum gingen.
„Das scheint nur so!“, sagte Willi beschämt, aber er freute sich auch, denn Engel sind ja etwas Schönes und für Grete wollte er gern ein Engel sein und sie beschützen, wenn es nötig war.

Ein anderes Mal hatte sich die Nachbarin aus ihrer Wohnung ausgesperrt. Da stand sie mit ihrem Baby vor der Tür und wusste nicht, was sie machen sollte. Ein Handy hatte sie nicht, das gab es damals noch nicht und weit und breit war kein Mensch zu sehen, der ihr hätte helfen können. Willi kam gerade vom Fußball zurück, es war kalt und er freute sich auf ein heißes Bad, als er die Nachbarin entdeckte, die verzweifelt ausschaute und deren Baby jämmerlich weinte.
„Was ist passiert?“, rief er ihr zu und wechselte die Straßenseite, um ihr näher zu sein.
„Ich habe mich ausgesperrt und nun weiß ich nicht, was ich machen soll. Das Baby hat Hunger und mein Mann kommt erst am Abend heim. Sowas Dummes aber auch!“ Die Frau weinte nun auch, nicht so laut wie das Kind, aber doch mit dicken Tränen.
Willi lud die Frau ein, mit zu ihm zu kommen. „Meine Eltern sind zwar nicht zu Hause, aber das geht schon in Ordnung, wir kennen uns doch!“, sagte er. „Vielleicht können Sie ihren Mann anrufen!“, schlug er vor und schloss die Haustür auf.
„Danke, Willi!“, sagte die Frau, als sie kurze Zeit später in der warmen Stube von Willis Eltern saß und ihr Baby stillte. Willi war etwas verlegen, aber was sein musste, musste sein.
Als die Nachbarin nach einer Stunde von ihrem Mann abgeholt wurde, sagte sie: „Willi, du bist ein Engel!“ Verlegen antwortete er: „Das scheint nur so!“

So zogen sich kleine Hilfestellungen für anderen durch Willis Leben. Er heiratete, wurde Vater und engagierte sich in Kindergarten und Schule und immer wieder gab es Ereignisse, nach denen andere zu ihm sagten: „Willi, du bist ein Engel“ und stets antwortete er: „Das scheint nur so!“

Einmal saß er in der Kirche und hörte aufmerksam den Worten des Pastors zu, der sagte: „Engel sind mitten unter uns. Man erkennt sie nicht an ihren rauschenden Goldhaaren oder weißen Gewändern. An ihren Handlungen kann man sie wahrnehmen und ihre Anwesenheit spüren. Sie sind an unserer Seite und beschützen und helfen uns.“
Willi wurde verlegen, als seine Frau seine Hand nahm und fast unmerklich nickte, so als wollte sie sagen: „Willi, du bist mein Engel!“ Willi lächelte und zum ersten Mal fühlte er keinen Widerspruch in sich. Gern wollte er ihr Schutzengel sein und er war es immer für sie und viele andere gewesen. Daran sollte sich nichts ändern.
Und das tat es auch nicht und so, wie wir alle eines Tages gehen müssen, musste auch Willi im hohen Alter diese Welt verlassen. Als er die Himmelspforte erreichte und Petrus zu ihm sagte:
„Willi, du bist ein Engel!“, widersprach er nicht. „Ja, das bin ich!“, antwortete er und macht sich auf, im Himmel nach seinen Angehörigen zu suchen, die ihm vorausgegangen waren.

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5. Dezember

„Es liegt nahe“, sagte Oma Betty, „dass ich in dem Adventskalender auch das Bild einer Kerze gefunden habe. Kerzen gehören ja zum Advent und zu Weihnachten unbedingt dazu. Es gibt viele Kerzengeschichten, aber diese hier kennst du sicher noch nicht, also hör gut zu:“

Jeder ist schön auf seine Art

„Rot!“, sagte die kleine Kerze. „Rot ist die schönste aller Farben. So gern wäre ich rot, aber ich bin nur einfach weiß. Das ist doch keine Farbe, ich bin so traurig!“, jammerte sie.
„Du bist eine schöne weiße Kerze, die niedlichste, die ich je gesehen habe. Ich weiß gar nicht, warum du so jammerst. Weiß ich doch schön.“, meinte die dicke Kerze, die größer war als alle anderen in dem kleinen Laden. Auch sie war weiß und war dazu bestimmt, eine Altarkerze zu sein. Irgendwann würde sie in einer Kirche auf dem Altar stehen. Darauf freute sie sich schon sehr.
Die Honigkerzen kicherten. „Wir sind die schönsten Kerzen, weil wir so herrlich duften!“, sagte eine von ihnen und die anderen stimmten ihr zu. „Ja, ja, wir durften herrlich. Gerade gestern noch hat eine Dame an uns geschnuppert und genau das gesagt!“
„Streitet nicht!“, rief eine Glitzerkerze, die im Licht funkelte. „So schön wie ich es bin ist keine von euch!“, fügte sie noch hochnäsig hinzu. „Glitzer ist voll in Mode!“
„Leute, genießt euer Leben. Seid einfach froh, dass ihr da seid. Eines Tages zündet man uns an und dann sind unsere Tage gezählt. Wir brennen ein paar Stunden oder Tage und dann bleibt von uns nichts mehr als ein kläglicher Wachsrest. Ja, so ist das!“ Die Stimme kam aus dem Karton mit den Teelichtern.
Plötzlich klingelte die Türglocke des kleinen Ladens. Kunden betraten das Geschäft und auch die Besitzerin, Frau Klein, kam aus ihrem Büro.
„Guten Tag, die Herrschaften!“, sagte sie. „Kann ich helfen?“
„Wir möchten eine Kerze kaufen“, sagte eine feine Dame, die ein Mädchen an der Hand hatte.
„Schauen Sie sich gern um“, sagte Frau Klein freundlich und führte die Kunden zum Kerzenregal. „Hier sind unsere Kerzen!“
Die Kerzen verhielten sich mucksmäuschenstill. Keine von ihnen wollte gekauft werden, denn, wie hatte das Teelicht gesagt? Dann sind unsere Tage gezählt!
Die Kundin nahm eine von den Honigkerzen und schnupperte daran.
„Oh, wie wunderbar sie duften!“, rief sie aus und hielt ihrer Tochter die Kerze unter die Nase. „Riech mal!“
Das Kind roch kurz daran und verzog das Gesicht.
„Gefällt mir nicht!“, sagte es und griff nach der Glitzerkerze. „Die ist schön!“, rief es aus. „Die möchte ich haben.“
Die Mutter wollte ihrer Tochter die Kerze abnehmen, doch das wollte das Kind nicht. Es gab ein kurzes Gerangel, wodurch die Glitzerkerze zu Boden fiel. Rumms!
Frau Klein bückte sich und hob die Kerze, die nun eine dicke Macke bekommen hatte, auf. „Oh!“, sagte sie.
„Mir gefällt sie sowieso nicht!“, sagte die Kundin, statt sich zu entschuldigen. „Guck mal Liebling, die kleine weiße Kerze ist doch schön. Die nehmen wir!“
„Die ist unverkäuflich!“, rief Frau Klein schnell. „Und die dicke weiße Kerze kommt demnächst auf den Altar und die Honigkerzen sind schon alle reserviert. Die Glitzerkerze ist nun beschädigt, die kann ich auch nicht mehr verkaufen. Ich kann also nichts weiter für Sie tun!“
„Komm!“, sagte die Frau und zog ihre Tochter am Arm. „Wir gehen!“
„Gott sei Dank“, flüsterte Frau Klein, aber nur ganz leise. Dann stellte sie die Glitzerkerze liebevoll auf ihren Platz zurück. „Du bist noch immer schön!“, sagte sie zu ihr und an die anderen gewandt: „Und ihr auch, eine jede auf ihre Weise!“
Fortan stritten die Kerzen nicht mehr und sie freuten sich über jeden Tag, den sie in Frau Kleins kleinem Laden verbringen durften und wenn sie jemals jemand anzünden würde, dann sollte es ein Mensch sein, der sie wertschätzte, so wie Frau Klein das tat.

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Weiter geht es mit der Geschichte:
In einem anderen Türchen des Adventskalenders fanden wir Kinder ein Schaf, zu dem uns unsere Mutter die folgende Geschichte erzählte:

Das Schäfchen mit dem Sprachfehler

„Muh“, machte das Schäfchen.
„Hey, du, du bist ein Schaf, Schafe machen nicht „Muh“, sie machen „Mäh“!“, sagte der Esel, der auf dem Weg nach Bethlehem schon seit Stunden neben dem Schaf hertrottete.
„Muh! Das weiß ich doch, aber es gelingt mir nicht!“, antwortete das Schäfchen traurig.
„Du musst üben“, meinte der Esel und machte es dem Schaf noch einmal vor. „Mäh, Mäh, Mäh, ist doch ganz einfach!“ Er lachte.
„Du hast gut lachen. Dir fullt es scheinbar nicht schwer, das Wort zu sagen. Ich übe doch schon immer, hör: Muh, Muh, Muh!“
Der Esel lachte noch immer, aber er dachte darüber nach, wie er dem Schaf helfen könnte.
„Sag mal ‚Schaf‘!“ Das Schäfchen gehorchte. „Schaf!“, sagte es brav. „Das ist einfach!“
„Und wie heißt ein kleines Schaf?“, fragte der Esel hinterlistig.
„Schufchen!“, blöckte das Schaf und es ärgerte sich, dass auch dieses Wort nicht gelang. „Siehst du, ich kann es einfach nicht.“
„Da muss doch was zu machen sein“, überlegte der Esel. „Es kann ja nicht sein, dass wir in Bethlehem ankommen und du sagst zur Begrüßung ‚Muh‘. Was soll das Christkind denn von uns denken?“ Traurig ließ er seine langen Ohren hängen, doch plötzlich stellte er sie wieder auf.
„Ich hab’s!“, rief er begeistert. „Du sagst ganz einfach keine Wörter mehr, in denen ein Ä vorkommt, denn das Ä ist ja wohl das Problem, oder?“
„Muh, ich glaube wohl“, antwortete das Schäfchen.
„Machen wir noch einen Test“, schlug der Esel vor. „Sag mal ‚Bär‘!“
Das Schäfchen begann zu zittern. „Muh, das sage ich nicht, vor dem habe ich Angst!“
„Ach ja, dann sag mal ‚Käse‘!“
„Kuse, verflixt nochmal!“
„Dann sag ‚Täter‘!“
„Nee, mach ich nicht, du lachst mich ja wieder aus“, das kleine Schaf verzweifelte mehr und mehr.
Sie hatten aber schon wieder ein langes Stück ihres Weges zurückgelegt. Eine Weile schwiegen beide, dann rief der Esel fröhlich:
„Jetzt weiß ich, wie wir’s machen!“
Dem Schaf gefiel dieses WIR sehr, es fühlte sich plötzlich nicht mehr allein mit seinem Problem und es tat ihm gut, dass der Esel zum Freund wurde und es ernst nahm.
„Pass auf“, sagte dieser jetzt. „Sag mal Esel!“
„Esel“, rief das Schaf, ohne jegliches Problem.
„Jetzt: Kerze rufen!“, befahl der Esel.
„Kerze!“, rief das Schaf.
„Bethlehem!“, schlug der Esel vor. Auch das klappte gut. Das Schaf wurde immer mutiger und posaunte die E-Wörter nur so raus.
„Tee!“, war das nächste Wort.
„Tee!“, rief auch das Schaf.
„Meh!“, das war wieder der Esel.
„Meh!“, blökte das Schaf begeistert. „Meh, Meh, Meh!“
„Na siehste!“, rief der Esel. „Ich bin stolz auf dich, Schaf!“
„Und ich bin auch stolz auf mich, denn nun weiß ich endlich, wie ich diesen blöden Buchstaben umgehen kann. Ich nehme einfach das E und weißt du was, lieber Esel?“, fragte das Schaf glücklich.
„Erzähle!“, meinte der Esel gespannt.
„Ich weiß nun auch, was eine Eselsbrücke ist!“ Das Schaf lachte und konnte sich kaum mehr einkriegen vor Lachen.
Ja, so war das!

Oma Betty lachte auch, sie fand die Geschichte selbst witzig und ich konnte hören, wie sie Tränen lachte. Ob sie diese kleine Geschichte selbst ausgedacht hatte, das weiß ich nicht, vermute es aber stark und wisst ihr was? Ich bin nun schon mächtig gespannt auf die nächste Geschichte, ihr auch?

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Der Fremde in der Hütte

Jana hatte das schönste Zimmer im Haus. Oben unter dem Dach lag es und zum Giebel hinaus zeigte das Fenster. Einen weiten Blick hatte man von dort, bis hinunter ins Tal konnte man schauen. Papa hatte eine hohe Sitzbank gebaut, die über dem Heizkörper stand. Von Oma hatte sie bunte Sitzkissen bekommen. Auf der Bank saß Jana gern, wenn sie las oder einfach träumte. Gemütlich war das und schön warm.
Es war Advent und Jana hatte das Fenster mit Strohsternen geschmückt. Rundherum leuchtete eine Lichterkette, denn Mama erlaubte keine echten Kerzen im Kinderzimmer.
In der Schulbibliothek hatte Jana einige Bücher mit Weihnachtsgeschichten ausgeliehen und jeden Abend las sie eine Geschichte bevor sie ins Bett ging. So auch an diesem Abend.
Von Maria und Josef las sie und von deren vergeblicher Suche nach einer Herberge. Jana fand das so ungerecht, wo doch Maria das Jesuskind unter ihrem Herzen trug. Ob die Menschen damals dem Paar Unterschlupf gewährt hätten, wenn sie gewusst hätten, dass dieses Kind kommen würde, um Gottes Wort zu verkünden? Sie kam zu dem Schluss, dass auch das nichts geholfen hätte, denn die meisten Menschen glaubten nur das, was sie sahen oder was sich beweisen ließ. Jana seufzte. Sie war ja auch nicht besser. Immer hinterfragte sie alles und in die Kirche ging sie auch nur, weil die Eltern es wollten.
Nachdenklich klappte Jana das Buch zu und zog den Stecker der Lichterkette aus der Dose. Sie schaute in den Himmel, an dem heute kein einziger Stern zu sehen war. Dann wanderte der Blick ins Tal. Jana erschrak. War da nicht ein Licht in der Hütte des alten Hinnerk? Wie konnte das sein? Der Hinnerk war doch im letzten Jahr gestorben und seitdem stand die Hütte leer. Aufgeregt lief Jana die Treppe hinunter und stürmte ins Wohnzimmer.
„Mama, Papa, bei Hinnerk brennt Licht, kommt schnell. Das müsst ihr sehen, sonst glaubt ihr mir nicht!“
„Langsam, junge Dame, sicher hast du dich getäuscht. Hast wohl wieder zu lange gelesen und siehst Dinge, die nicht sein können!“
Papa legte aber trotzdem sein Buch zur Seite und erhob sich.
„Dann lass uns mal gucken!“
Zu dritt gingen sie nach oben und schauten aus dem Fenster.
„Tatsächlich, ich sehe es auch. Das ist ja seltsam!“, rief Mama und auch Papa bestätigte die Entdeckung.
„Ich werde morgen mal runtergehen und schauen, was da los ist. Jetzt ist es zu spät und was soll schon passieren. Vielleicht hat sich dort nur jemand einquartiert, der in den Bergen unterwegs war und nicht mehr rechtzeitig nach Hause gekommen ist, bevor es dunkel wurde. Jetzt geh schlafen, Jana. Ich kümmere mich morgen drum!“, versprach er.
Jana konnte lange nicht einschlafen, immer wieder schlüpfte sie aus dem Bett und schaute nach dem Licht. Es war weit nach Mitternacht, als es erlosch.
Am nächsten Morgen, gleich nach dem Frühstück, machte sich Janas Vater auf den Weg zur Hütte. Trotz Betteln und Drängen durfte Jana nicht mitgehen, wo doch Sonntag war und sie nicht zur Schule musste. Es blieb ihr also nichts anderes übrig, als oben am Fenster zu sitzen und zu schauen, wie der Vater ins Tal wanderte und bald darauf schon wieder zurückkam.
Schnell zog Jana die dicken Stiefel an und ihre Jacke und dann lief sie ihm entgegen.
„Und?“, rief sie schon von Weitem.
Doch Papa wehrte ab. „Gleich!“, rief er. Jana konnte es kaum erwarten. Völlig außer Atem kam sie bei ihm an und sah ihn fragend an.
„Die Hütte war verschlossen. Ich habe geklopft und an der Tür gerüttelt, es tat sich nichts. Dann habe ich durch jedes Fenster geschaut und ich glaube, dass drinnen alles unverändert ist. Wenn ich nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, dass da Licht war, dann wäre alles in Ordnung, aber so weiß ich nicht, was wir unternehmen sollten!“
Jana zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es auch nicht, vielleicht sollten wir einfach abwarten, ob heute Abend wieder Licht dort ist und dann können wir ja überlegen, was zu tun ist.“
Mama erwartete die beiden gespannt und ließ sich auch erzählen, was der Vater festgestellt hatte. Gemeinsam beschlossen sie, den Abend in Janas Zimmer zu verbringen, damit sie die Hütte im Auge behalten konnten.
Am Abend versammelten sie sich dann im Dachzimmer. Es gab Kakao und Kekse. Papa las eine Weihnachtsgeschichte vor. Sie handelte vom kleinen Schneemann, der sich so allein fühlte. Jana kamen die Tränen, so leid tat er ihr.
„Es ist ja auch ganz schrecklich, wenn man niemanden hat“, schluchzte sie und umarmte ihre Eltern. „Wie froh bin ich, dass ich euch habe und Oma und Opa und die Freunde und alle eben …“
„Da!“, rief Papa plötzlich. „Da ist es wieder, das Licht!“
Gebannt starrten die Drei in die Dunkelheit und sahen ein schwaches Licht an der Stelle, wo Hinnerks Hütte lag.
„Ob Hinnerks Geist zurückgekommen ist?“, flüsterte Jana.
„Na, das glaube ich weniger. Vielleicht ist es ein Obdachloser, der sich nachts dort versteckt. Wir sollten die Polizei rufen!“, meinte Papa, erntete aber gleich Protest von seinen beiden Frauen.
„Und wenn schon, dann ist es eben so!“, sagte Mama besänftigend. „Er tut uns doch nichts!“
Das fand Jana auch, trotzdem war sie noch immer beunruhigt.
„Aber er hat doch gar nichts zu essen dort und kalt ist es auch.“
„Ihr meint doch nicht etwa, dass wir ihn noch füttern sollten und ihm Feuerholz bringen?“, fragte Papa ärgerlich.
„Warum denn nicht? Es ist bald Weihnachten!“ Mama hatte ein großes Herz und war in Gedanken schon dabei, einen Korb mit Leckereien zu packen. „Aber zuerst mal müssen wir wissen, ob sich dort wirklich jemand versteckt. Ich denke, dass wir morgen noch einmal nachschauen sollten und vielleicht kann ich einfach mal ein paar Kekse hinstellen und dann sehen wir ja, ob jemand da war, der Hunger hatte.“
Am nächsten Tag gingen die Eltern gemeinsam zur Hütte. Jana musste ja in die Schule, was sie sehr ärgerte. Zu gern hätte sie ihre Eltern begleitet. Ein Korb mit Keksen und einer Thermoskanne Kaffee wurde mitgenommen. Eine Kerze und ein Päckchen Streichhölzer legte Papa noch dazu. Für den Abend verabredeten sich alle wieder in Janas Zimmer, um die Sache aus der Ferne zu beobachten.
Und siehe da, wieder erschien das Licht, diesmal sogar etwas heller als an den beiden vergangenen Tagen.
„Er hat die Kerze gefunden!“, sagte Papa.
„Dann wird er auch die Plätzchen essen“, meinte Mama und ärgerte sich insgeheim, dass sie nicht den Rest des Sonntagsbratens dazu gepackt hatte.
Am nächsten Morgen, die Familie saß beim Frühstück, klopfte jemand am Küchenfenster. Mama erschrak so heftig, dass sie sich am Kaffee verschluckte. Ein Mann schaute durch die Scheibe, einer mit weißem Bart und langen Haaren. Er lächelte freundlich und hob den Picknickkorb hoch, den die Eltern am Vortag in der Hütte hatten stehen lassen.
„Der Nikolaus!“, stammelte Jana und wurde ganz blass.
Papa deutete dem Mann, ums Haus herum zu kommen, er wollte ihm die Tür öffnen. Das tat er dann auch. Eine tiefe Stimme erklang und bald darauf lachten die beiden Männer herzlich.
„Das gibt es doch nicht!“, rief Papa immer wieder. „Dass ich das noch erleben darf!“
„Er ist’s wirklich“, flüsterte Jana und Mama, die sich ein wenig erholt hatte von dem Schrecken nickte. „Ja, er ist’s!“
In diesem Moment betrat Papa die Küche und ihm folgte der Mann. Jana wäre am liebsten unter die Eckbank gekrochen, aber sie traute sich nicht von der Stelle.
„Darf ich vorstellen?“, sagte Papa. „Das ist Johann, der Sohn vom alten Hinnerk. Wir haben früher oft zusammengespielt. Als wir älter waren, haben wir uns aus den Augen verloren, denn Johann ist nach Amerika ausgewandert. Nun ist er zurückgekommen und hat die letzten Nächte in der Hütte seines Vaters verbracht.“
„Ich habe den lieben Gruß von Ihnen gestern Abend vorgefunden, dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken!“ Johann reichte Mama die Hand und dann Jana, die mittlerweile wieder etwas Farbe im Gesicht bekommen hatte.
„Das ich das noch erleben durfte!“, sagte Papa zum wiederholten Male. Alle lachten und am lautesten lachte Papa selbst.

© Regina Meier zu Verl

Die Bilder hat mir meine Freundin Marion zur Verfügung gestellt.

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