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Posts Tagged ‘Lebensdrabble’

Djungelbuch

Ich war dreizehn. Wir besuchten meine Großeltern in Bielefeld, in deren Haus zwei Cousinen wohnten. Petra, war ein Jahr älter als ich. Da sie in der Stadt aufgewachsen war, ich auf dem Land, war sie mir nicht ein Jahr, sondern um Längen voraus. Selbstbewusst ging sie zur Sonntagsnachmittagsdiskothek. An diesem Sonntag sollte ich mitgehen. Das wollte ich nicht, denn es war verboten. Wir hatten lediglich die Erlaubnis ins Kino zu gehen. Vorm Kino, setzte mich Petra ab. „In zwei Stunden hole ich dich ab!“, sagte sie. Ratet, wer nicht kam! Wütend fuhr ich zurück zu den Großeltern, mit dem Bus.

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Eierkauf

Einmal wöchentlich gingen wir Kinder zu Frau H., die mit ihrem Mann, der bei uns Kindern ‚der mit den großen Füßen‘ hieß, einen Hof betrieb. Eigene Kinder hatten sie nicht, hatten aber einen Jungen angenommen. Der durfte uns ein Stückchen begleiten, wenn wir wieder nach Hause gingen. Die Eier wurden sorgfältig in unserem Korb verstaut, das Geld ging in die Spardose des Ziehsohnes. Wir durften nicht gehen, bevor wir ein großes Glas Milch getrunken hatten. Zum einen wurde die Küche, die direkt neben dem Stall lag, von unzähligen Fliegen bevölkert und die Milch war roh. Ich ekelte mich sehr davor.

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etwas verspätet …

Das falsche Gesangbuch

Einen Kindergarten habe ich nie besucht, meine Geschwister auch nicht. Warum? Wir hatten das falsche Gesangbuch. Braucht man denn im Kindergarten ein Gesangbuch, könnte man sich jetzt fragen, aber ich bin sicher, dass der ein- oder andere diesen Ausspruch noch kennt. Es gab halt nur kirchliche Kindergärten in unserer Heimatstadt und die waren katholisch. Wir aber nicht und so sagte man unserer Mutter: Tut uns leid! Ich habe nichts vermisst, wusste ja nicht, wie das so ist, in einem Kindergarten und außerdem wurde ich später entschädigt, denn die evangelische Dietrich-Bonhoeffer-Grundschule war die beste Schule ever! Sagen meine Geschwister auch, isso!

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Leichenschau

Eine Oma aus der Nachbarschaft war gestorben. Früher wurden die Verstorbenen zu Hause aufgebahrt und blieben dann bis zur Beerdigung in den Familien. Meine Freundin Anne und ich hatten davon gehört, wir waren damals so ungefähr acht Jahre alt. Wir haben unsere Fahrräder genommen und sind zu dem Hof geradelt, um uns die tote Oma anzuschauen. Wir haben geklingelt, man ließ uns gucken. Mich hat es nachhaltig beeindruckt, wie friedlich sie da lag, mit gefalteten Händen und völlig entspannten Gesichtszügen. Mama hat sehr geschimpft, als wir heimkamen. „Sowas tut man nicht!“, hat sie gesagt. Also ich schon, ich tu sowas.

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Tante Guste und der Bohnerwachs

Heute hatte ich einen seltsamen Geruch in der Nase. Ich habe ihn lange nicht wahrgenommen, Bohnerwachs.
Tante Guste bohnerte ihre Holzdielen früher. Sie war eine Nachbarin, die für uns drei Kinder eben viel mehr war als eine Nachbarin.
Ich sehe ihr Gesicht deutlich vor mir, ihr Lächeln, ihre weißen Haare, mit stets frischer Dauerwelle. Ich sehe ihre Hände und höre ihre Stimme.
Toll war es, wenn ich auf dem Bohnerbesen saß, während sie die Dielen polierte. Sie sagte, dass es deutlich besser geht, wenn ich draufsitze. Der Fußboden wurde viel blanker poliert und es roch im ganzen Haus nach Sauberkeit.

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#Lebensdrabble

Meine Mutter und ich beim Großelternbesuch in Bielefeld

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