Round Robin

Eine Freundin verschickt in jedem Jahr zu Weihnachten einen Round Robin, einen Weihnachtsbrief, in dem sie kurz schildert, wie das vergangene Jahr gelaufen ist, was es an Höhepunkten gab und auch, was es an Kümmernissen und Sorgen gegeben hat. Ich finde diese Briefe so schön und immer wieder habe ich mir vorgenommen, es ihr gleich zu tun und auch einen solchen Brief zu schreiben.
Also habe ich mich mit dem Blöckchen aufs Sofa verzogen und auf dem Stift hgerumgekaut und gekritzelt, verworfen und wieder aufgeschrieben und ich habe eine Menge Dinge zusammenbekommen. Leicht ist es mir gefallen, da ich das Ganze erstmal einfach so, völlig unzensiert aufgeschrieben habe – abschicken kann ich das so nicht. Es sind mehr oder weniger wirre Gedanken, manchmal angstvolle Gedanken und die Kümmernisse diesen Jahres überwiegen, leider ist das so.

Ich versuche nun, das alles zu sortieren und zu filtern – was darf ich sagen, was lieber nicht. Und ab da wird es schwieriger. Was nützt ein „Sich Beklagen“, niemand will das lesen und es ändert ja auch nichts. Es ist wie beim Bloggen, man will nicht herumjammern, aber für fröhlich-vergnügte Einträge fehlen die Ereignisse und einfach nur was hinzuschreiben, damit da etwas steht, das ist nicht mein Ding, absolut nicht.

Beim Geschichten schreiben ist das anders, man taucht in eine ANDERE Welt ab, nicht in die eigene. Das tut gut und es gibt kein verstellen und sortieren und filtern. (Schon auch, wenn alles mal wieder viel zu lang geraten ist, weil ich eine alte Schwafeltante bin). Trotzdem ist es anders, besser fühlt es sich für mich an. Ich denke an ein Gespräch mit meiner Freundin Elke, die sagte, dass sie mit den Fingern denkt und das ist bei mir auch so. Wenn ich am PC sitze und die Tastatur spüre, dann schreibe ich einfach los. Wenn ich den Kopf ausschalte und einfach „reinhaue“ kommen die besten Sachen dabei heraus, viel besser als lang geplante und konstruierte Geschichten, Gedichte oder Briefe.

Womit wir wieder beim Round Robin wären. Soll ich einen schreiben? Wie ehrlich soll ich darin sein? Und: ist jammern erlaubt?
Schwere Frage.

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Über Regina (klatschmohnrot)

Autorin
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15 Antworten zu Round Robin

  1. mausi61 schreibt:

    Die Idee ist nicht schlecht,aber muss man alles schreiben an Freunden schicken mit Höhen und Tiefen im Alttag.Da suche ich mir eine Freundin und rede persönlich über dies und das was war.
    Das hilft mir viel mehr Ruthi 🙂

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  2. Manfred Konradt schreibt:

    Doch, jammern darf man und ein paar Leser finden sich immer, manchmal mehr als man denkt.

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  3. Anna-Lena schreibt:

    Ich bekomme so einen Brif auch jährlich, aber schreiben würde ich so einen nicht. Erstens mag ich keine Massenbrife und zweitens sieht man doch so manches in einem anderen Licht, wenn eine gewisse Zeit vergangen ist. Darüber hinaus muss ich nicht jedem alles erzählen.
    Für mich persönlich käme das nicht in Frage. Das wird dir sicher nicht bei deiner Entscheidung helfen, oder?

    Einen lieben Gruß
    Anna-Lena

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    • Märchenfrau schreibt:

      So sehe ich es auch, Regina.
      Aufschreiben ist immer gut. Nur, weiterleiten an Dritte, das sollte gut überlegt sein.
      Man könnte/kann Erlebtes auch wunderbar literarisch verarbeiten. Das hat seine Vorteile …
      Lieber Gruß
      Elke

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  4. Regula schreibt:

    Ich lese diese Briefe gerne. Wenn nur Gutes drin steht, denke ich, dass die Leute eine rosa Brille tragen. Ich finde es schön, wenn jemand schreibt, was nicht gut gelaufen ist. Das ist nicht jammern.
    Ich habe schon daran gedacht, einen Brief zu schreiben und den Leutchen, die ihn kriegen zu danken, dass es sie gibt. Aber das kann ich auch in einer Rede tun, an meinem nächsten Geburtstag. So jedenfalls ist der Plan. Also auch dieses Jahr keinen Brief zum Neuen Jahr.
    Ich wünsche dir die richtigen Worte für dein rundes „Rotkehlchen“.

    Regula

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  5. gsharald schreibt:

    Die Idee an sich finde ich gut. Je nach Empfänger ist der Inhalt unterschiedlich wobei ich meine, dass man an enge Fraunde auch die weniger schönen Stunden schreiben kann.

    Liebe Grüße
    Harald

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  6. mono8no8aware schreibt:

    ja
    so ehrlich wie möglich, so ehrlich wie nötig…
    ja
    liebe grüße zum 4. adventssonntagabend
    ludwig

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  7. bruni kantz schreibt:

    es ist ein guter Gedanke, liebe Regina, einen solchen Brief zu schreiben, einen ehrlichen, aber einen, der nicht zu lange ausholt, sondern sich in einer Kürze bewegt, die überschaubar ist, damit beim Lesen nicht der Weihnachtsbraten im Ofen verkohlt *lach*.
    Ich denke, Du wirst es genau richtig machen, Du wirst drauflosschreiben, mit den Fingern Buchstaben und Worte fühlen und ohne Nachzudenken einen wunderbaren, informativen und lieben Brief für alle Bekannten und Freunde verfassen. Miir geht es genau so. Haue ich einfach rein, denke nicht groß nach, dann stimmt es am Anfang und am Ende immer noch und der Spaß, den man/Frau beim Schreiben selbst hatte, den bemerken die, die aufmerksam lesen dann auch.

    Einen lieben Gruß zu Dir und nun hau rein in die Tasten, aber lasse die Tastatur ganz!

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  8. Brigitte schreibt:

    Mir fiele das schwer, so einen Brief zu schreiben. Ich käme da vom Hundersten ins Tausendste, denn alles hängt ja irgendwie zusammen. Wen n ich schreibe was nicht so gut war, worüber ich mich geärgert habe dann hole ich aus und fange mit der Begründung an, aber ob das den anderen interessiert??Mit guten Dingen das Gleiche.
    Und dann bin ich ein Typ, der Vergangenem nicht nachhängt, was war ist weg, ich schaue nach vorn.
    Ich kann Dir da schwer raten, machen tät ichs nicht.
    Liebe Grüße
    Brigitte

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  9. wolke205 schreibt:

    Ich finde die Idee gut, aber würde nie ein Jahr in einen Brief bekommen…Das würde dann wahrscheinlich ein 1000-Seiten-Roman werden 😉

    Frohe Weihnachten wünsche ich Dir & Familie schon mal 🙂

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  10. juzicka schreibt:

    was ist denn jammern meine lieblingsblume ?

    ist jammern dasselbe wie klagen ? Sagen das es mir schlecht geht ( gegangen ist ) das würde ich mir immer zutrauen , jedem geht es mal nicht gut. Das sagen zu dürfen ist wichtig .. mach nur, ich würde es lesen ♡

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  11. Silberdistel schreibt:

    Ein Freund von uns schreibt auch alljährlich solche Briefe. Ich finde das eigentlich sehr schön. Er neigt allerdings selten zum Jammern. So weiß ich also nicht, ob er alles schreibt, was ihn so das Jahr über bewegt hat. Aber diese Idee an sich mit den Weihnachtsbriefen finde ich schön, zumal man oft viel zu wenig selbst von guten Freunden hört und weiß.

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  12. april schreibt:

    Ich lese das erste Mal davon und finde es ganz interessant, ein Jahresrückblick für Freunde. Aber ich bin auch ratlos, was man da schreiben kann, sollte, oder auch nicht. Aber wenn du es nicht tust, dann hast du es schon mal für dich selber getan. Das ist doch auch was, ein single robin 😉

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  13. Anna-Lena schreibt:

    Ich wünsche dir und deinen Lieben ein gesegnetes Weihnachtsfest, ein paar Tage voller Ruhe und Muße und ein gutes Jahr 2012.

    Mit herzlichen Grüßen
    Anna-Lena

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  14. Follygirl schreibt:

    Komm gut ins neue Jahr!!! Wünsche Dir alles GUTE & LIEBE, Petra

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