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Posts Tagged ‘Jahresrückblick’

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Oma Betty und der Jahresrückblick

„Jetzt ist es mir wieder eingefallen!“, rief Oma Betty am Neujahrstag und ihre Augen strahlten.
„Was denn, Oma“, wollte ich wissen.
„Schau mal hier, dieses Buch habe ich mir im letzten Jahr gekauft und hatte ganz vergessen, was ich damit vorhatte.“ Liebevoll strich sie über den Einband des wiedergefundenen Notizbuches. Mir gefiel es auch, vor allem, weil es leer war. Sicher würde Oma Betty wieder einige Geschichten drin aufschreiben, oder aber ihr Sammelbuch für Wörter war voll.
„Was schreibst du da hinein, Oma?“
„Ich schreibe ja jedes Jahr am Neujahrstag einen Jahresrückblick und im letzten Jahr hatte ich doch Mühe, mich an einige Dinge zu erinnern, die da gut hineingepasst hätten. Da habe ich mir dieses Buch gekauft, um immer wieder Dinge drin festzuhalten, die ich für den nächsten Jahresrückblick verwenden könnte. Leider habe ich das vergessen, aber jetzt werde ich das Buch mit Ereignissen und Glücksmomenten füllen. Ich darf es nur nicht zu weit weglegen!“ Oma lachte und wandte sich wieder ihrem Computer zu. Sie tippte ein paar Wörter und lächelte zufrieden.
„Der Anfang ist gemacht!“, verkündete sie.
„Was machst du dann mit diesem Rückblick?“, fragte ich.
„Den versende ich an alle meine Freunde, so als Neujahrsgruß.“, bekam ich zur Antwort. „Willst du mir ein bisschen helfen?“
Klar, das wollte ich gern tun.
„Du könntest über unseren Urlaub an der Nordsee schreiben, oder vom Ausflug in den Tierpark, weißt du noch?“, fing ich an aufzuzählen.
„Ja, und über meine Augenoperation!“, rief Oma und setzte ihre Lesebrille ab. „Ich kann ja jetzt wieder viel besser sehen als vorher!“
„Genau! Und noch was: Schreib über deine Enkelkinder!“, schlug ich vor. Dabei wusste ich, dass Oma das eigentlich immer machte. „Meine Enkelkinder sind meine Goldschätze!“, sagte sie immer und das fand ich natürlich ganz großartig. Wer ist nicht gern ein Goldschatz?
„Lies mal vor, was du schon geschrieben hast“, bat ich Oma Betty.
„Also gut: Liebe Freunde, heute bekommt ihr wieder meinen Jahresrückblick. Viele schöne Dinge sind im vergangenen Jahr passiert, aber auch Traurige. Von vielen Weggefährten mussten wir uns verabschieden …“
„Ach Oma, das ist viel zu traurig. Darüber freut sich doch keiner“, redete ich dazwischen.
„Darum geht es nicht!“, meinte Oma. „Es geht darum, dass wir sie nicht vergessen, die Menschen und auch die Tiere, die ein Stück unseres Weges gemeinsam mit uns gegangen sind!“
Klar, das verstand ich auch und natürlich wollte ich sie auch nicht vergessen.
„Es ist gut, sich zu erinnern!“, sagte ich deshalb. „Lass uns eine Kerze anzünden für die, die nicht mehr bei uns sind!“
Das machten wir dann auch und es hat so richtig gutgetan.
Später schrieb Oma weiter an ihrem Rückblick und ich war der erste, der ihn lesen durfte. Ich habe laut vorgelesen und wir haben gekichert, gelacht und auch etwas geweint – alle Gefühle auf einmal sozusagen.
‚Wir wünschen allen ein frohes neues Jahr 2019‘, beendeten wir unseren Neujahrsgruß und das wünschen wir auch allen, die Omas Geschichten immer lesen.
Eure Oma Betty und ich!

© Regina Meier zu Verl

Noch ist es nicht soweit, Oma Betty hat sich aber mit dem persönlichen Jahresrückblick befasst und verabschiedet sich bis zum neuen Jahr. (Regina ist noch da und macht das dann persönlich, heute kommt erstmal die gesammelte Familie angereist. Ich freu mich schon!)

Oma Bettys Geschichten haben nun eine eigene Seite, siehe oben, dort findet ihr alle Betty-Geschichten gesammelt.

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Eine Freundin verschickt in jedem Jahr zu Weihnachten einen Round Robin, einen Weihnachtsbrief, in dem sie kurz schildert, wie das vergangene Jahr gelaufen ist, was es an Höhepunkten gab und auch, was es an Kümmernissen und Sorgen gegeben hat. Ich finde diese Briefe so schön und immer wieder habe ich mir vorgenommen, es ihr gleich zu tun und auch einen solchen Brief zu schreiben.
Also habe ich mich mit dem Blöckchen aufs Sofa verzogen und auf dem Stift hgerumgekaut und gekritzelt, verworfen und wieder aufgeschrieben und ich habe eine Menge Dinge zusammenbekommen. Leicht ist es mir gefallen, da ich das Ganze erstmal einfach so, völlig unzensiert aufgeschrieben habe – abschicken kann ich das so nicht. Es sind mehr oder weniger wirre Gedanken, manchmal angstvolle Gedanken und die Kümmernisse diesen Jahres überwiegen, leider ist das so.

Ich versuche nun, das alles zu sortieren und zu filtern – was darf ich sagen, was lieber nicht. Und ab da wird es schwieriger. Was nützt ein „Sich Beklagen“, niemand will das lesen und es ändert ja auch nichts. Es ist wie beim Bloggen, man will nicht herumjammern, aber für fröhlich-vergnügte Einträge fehlen die Ereignisse und einfach nur was hinzuschreiben, damit da etwas steht, das ist nicht mein Ding, absolut nicht.

Beim Geschichten schreiben ist das anders, man taucht in eine ANDERE Welt ab, nicht in die eigene. Das tut gut und es gibt kein verstellen und sortieren und filtern. (Schon auch, wenn alles mal wieder viel zu lang geraten ist, weil ich eine alte Schwafeltante bin). Trotzdem ist es anders, besser fühlt es sich für mich an. Ich denke an ein Gespräch mit meiner Freundin Elke, die sagte, dass sie mit den Fingern denkt und das ist bei mir auch so. Wenn ich am PC sitze und die Tastatur spüre, dann schreibe ich einfach los. Wenn ich den Kopf ausschalte und einfach „reinhaue“ kommen die besten Sachen dabei heraus, viel besser als lang geplante und konstruierte Geschichten, Gedichte oder Briefe.

Womit wir wieder beim Round Robin wären. Soll ich einen schreiben? Wie ehrlich soll ich darin sein? Und: ist jammern erlaubt?
Schwere Frage.

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