25.11.2016

Oh, oh, heute riecht es nach Ärger, da kann man nur hoffen, dass sich das wieder geben wird. Aber lest selbst,
die 25. Fortsetzung

Nach einer Viertelstunde waren alle startklar und sie zogen los. Oma winkte ihnen nach, sie freute sich auf eine Zeit für sich allein. So gern sie ihre Lieben auch hatte, sie war nicht daran gewöhnt, ständig Unterhaltung zu haben. Es war schön, aber es war auch anstrengend. Sie ließ sich ein Bad einlaufen und glitt dann genüsslich in das duftende Schaumbad, die Lesebrille und einen Liebesroman hatte sie sich zuvor bereit gelegt und natürlich ein paar Pralinen, die sie im Reisegepäck versteckt hatte.
So waren alle zufrieden, Oma, weil sie ihre Ruhe hatte, Papa, weil er nicht weiter Laub harken musste, Mama, weil sie endlich einmal etwas mit ihren beiden Liebsten unternehmen konnte und Clara, weil alles so lief, wie sie es sich gewünscht hatte.
Jetzt hieß es nur noch den Müll zu finden und zu entsorgen.
Während Oma ihr herrliches Bad genoss und sich die Pralinen auf der Zunge zergehen ließ, spazierte die Familie in den Wald.
Niemand ahnte, was sich in Claras Zimmer abspielte. Es wusste ja auch keiner davon.
Clara hatte am Morgen das Kinderzimmer verlassen und war auch später nicht mehr zurückgekommen, da sie bereits fertig angezogen am Frühstückstisch erschienen war. Dass sie in ihrem Rucksack einen Gast mitgebracht hatte, der dort selig geschlafen hatte, konnte Oma nicht wissen.
Schnurrli war, nachdem sie ihre Freundin nicht zu ihrer Aufgabe im Wald begleiten durfte beleidigt in den Rucksack gekrochen und hatte sich dort versteckt. Sie wartete auf Clara, die, als sie zurückgekommen war, gleich den Rucksack auf den Rücken genommen hatte und dann einschlief. Schnurrli genoss es einfach, Clara so nah zu sein und kuschelte sich weiter ein. Auf diese Weise hatte Clara sie mitgenommen in ihr Zuhause und jetzt war sie weg und Schnurrli hatte Angst. Sie kannte sich nicht aus, traute sich nicht, den sicheren Schutz des Rucksacks zu verlassen. Hunger und Durst nahmen aber immer mehr zu, so dass die kleine Katze beschloss, sich auf die Suche nach etwas Nahrhaftem zu machen.
Wie gut, dass die Zimmertür nicht geschlossen war. Unbemerkt konnte Schnurrli den Raum verlassen und schauen, was hier so los war. Im Zimmer nebenan plätscherte das Wasser in die Badewanne, Oma ließ heiß nachlaufen und weil es ihr in der Wanne so gut gefiel und sie sich so wohlfühlte, fing sie an zu singen. Zuerst ganz leise, dann immer lauter. Sie schmetterte Melodien aus ihrer Jugend und wuchs über sich hinaus.
Bei den hohen Tönen verzog Schnurrli schmerzhaft ihr kleines Gesicht. Wie scheußlich das klang, dass Menschen solche Geräusche machen konnten, hatte sie noch nie gehört. Aber, neugierig wie sie war, wollte sie auch einmal versuchen, ob sie so laute Töne machen konnte. Auch sie begann zunächst ganz leise zu miauen, wurde dann immer mutiger und schließlich klang ihre Stimme so durchdringend, dass Oma vor Angst in der heißen Wanne zu zittern und zu frieren begann. Sie wagte aber nicht, hinauszusteigen. Da draußen, das war kein Tier, das war ein Geist, davon war Oma überzeugt.
„Verschwinde sofort“, schrie Oma, „oder ich hole die Polizei!“
Das gefiel Schnurrli, sie erkannte die Angst in der Stimme der Frau und das ermutigte sie, immer weiter zu singen, zu kreischen, gar zu brüllen wie ein Löwe. Zugegeben, es war ein recht kleiner Löwe oder besser ein Tiger, aber es war einer. Das glaubte auch Oma, die sich mutig aus der Wanne erhoben hatte, nach dem Bademantel griff und sich dann mit der Klobürste bewaffnet auf den Flur traute.
Schnurrli bekam einen Riesenschreck, als sie die bewaffnete Oma erblickte. Sie schoss wie der Blitz an ihr vorbei, die Treppe hinunter und suchte verzweifelt einen Ausgang. Alle Türen und Fenster waren geschlossen, Schnurrli hatte keine Chance und sie hörte die Schritte der Menschin, die wütend schimpfte und sie als „blödes Mistvieh“ bezeichnete. Das konnte sie sich doch nicht gefallen lassen, Schnurrli ging zum Angriff über, fauchte böse und wollte gerade auf die alte Dame los, als diese ihr die Bürste direkt auf die Nase schlug.
Aua, das hatte wehgetan, Schnurrli war verdattert und geschockt und dann diese Schmerzen, sie kroch unter einen Küchenschrank und blieb dort sitzen.
„Hier bleibe ich, bis Clara mich rausholt und wenn sie nicht kommt, dann werde ich hier sterben“, dachte sie und miaute kläglich.
Oma hatte sich auf einen Küchenstuhl fallen lassen und schnappte nach Luft.
„Kann man denn nicht ein einziges Mal hier seine Ruhe haben? Ich werde abreisen, heute noch, ja, das werde ich!“
Sie ging nach oben, kleidete sich an und ihre Frisur war völlig zur Nebensache geworden. Die Küchentür hatte sie geschlossen, damit das kleine Biest nicht fliehen konnte. Sie packte ihren Koffer und wartete und während sie wartete, wurde sie müde und schlief ein.
Schnurrli saß unter dem Küchenschrank und wagte nicht, ihr Näschen drunter hervorzustecken. Die Frau mit der gefährlichen Waffe konnte jeden Moment wieder auftauchen. Ach käme doch Clara endlich heim und sicher machten sich Hermann und Hilda auch schon Sorgen um sie. Schrecklich war das, ganz schrecklich.
„Wäre ich doch nie in diesen blöden Beutel geklettert und wenn ich hier lebend rauskomme, dann will auch  niemals wieder beleidigt sein, wenn Hermann mir etwas verbietet.“ Erschöpft schlief auch sie dann ein, so ruhten im gleichen Haus zwei Damen, die nicht das Beste voneinander hielten. Die eine fürchtete sich vor gefährlich brüllenden Katzen und die andere vor Menschinnen mit furchtbaren Waffen, die zudem nach ganz furchtbar rochen.

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Über Regina (klatschmohnrot)

Autorin
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