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Posts Tagged ‘Regina Meier zu Verl’

Der Fremde in der Hütte

Jana hatte das schönste Zimmer im Haus. Oben unter dem Dach lag es und zum Giebel hinaus zeigte das Fenster. Einen weiten Blick hatte man von dort, bis hinunter ins Tal konnte man schauen. Papa hatte eine hohe Sitzbank gebaut, die über dem Heizkörper stand. Von Oma hatte sie bunte Sitzkissen bekommen. Auf der Bank saß Jana gern, wenn sie las oder einfach träumte. Gemütlich war das und schön warm.
Es war Advent und Jana hatte das Fenster mit Strohsternen geschmückt. Rundherum leuchtete eine Lichterkette, denn Mama erlaubte keine echten Kerzen im Kinderzimmer.
In der Schulbibliothek hatte Jana einige Bücher mit Weihnachtsgeschichten ausgeliehen und jeden Abend las sie eine Geschichte bevor sie ins Bett ging. So auch an diesem Abend.
Von Maria und Josef las sie und von deren vergeblicher Suche nach einer Herberge. Jana fand das so ungerecht, wo doch Maria das Jesuskind unter ihrem Herzen trug. Ob die Menschen damals dem Paar Unterschlupf gewährt hätten, wenn sie gewusst hätten, dass dieses Kind kommen würde, um Gottes Wort zu verkünden? Sie kam zu dem Schluss, dass auch das nichts geholfen hätte, denn die meisten Menschen glaubten nur das, was sie sahen oder was sich beweisen ließ. Jana seufzte. Sie war ja auch nicht besser. Immer hinterfragte sie alles und in die Kirche ging sie auch nur, weil die Eltern es wollten.
Nachdenklich klappte Jana das Buch zu und zog den Stecker der Lichterkette aus der Dose. Sie schaute in den Himmel, an dem heute kein einziger Stern zu sehen war. Dann wanderte der Blick ins Tal. Jana erschrak. War da nicht ein Licht in der Hütte des alten Hinnerk? Wie konnte das sein? Der Hinnerk war doch im letzten Jahr gestorben und seitdem stand die Hütte leer. Aufgeregt lief Jana die Treppe hinunter und stürmte ins Wohnzimmer.
„Mama, Papa, bei Hinnerk brennt Licht, kommt schnell. Das müsst ihr sehen, sonst glaubt ihr mir nicht!“
„Langsam, junge Dame, sicher hast du dich getäuscht. Hast wohl wieder zu lange gelesen und siehst Dinge, die nicht sein können!“
Papa legte aber trotzdem sein Buch zur Seite und erhob sich.
„Dann lass uns mal gucken!“
Zu dritt gingen sie nach oben und schauten aus dem Fenster.
„Tatsächlich, ich sehe es auch. Das ist ja seltsam!“, rief Mama und auch Papa bestätigte die Entdeckung.
„Ich werde morgen mal runtergehen und schauen, was da los ist. Jetzt ist es zu spät und was soll schon passieren. Vielleicht hat sich dort nur jemand einquartiert, der in den Bergen unterwegs war und nicht mehr rechtzeitig nach Hause gekommen ist, bevor es dunkel wurde. Jetzt geh schlafen, Jana. Ich kümmere mich morgen drum!“, versprach er.
Jana konnte lange nicht einschlafen, immer wieder schlüpfte sie aus dem Bett und schaute nach dem Licht. Es war weit nach Mitternacht, als es erlosch.
Am nächsten Morgen, gleich nach dem Frühstück, machte sich Janas Vater auf den Weg zur Hütte. Trotz Betteln und Drängen durfte Jana nicht mitgehen, wo doch Sonntag war und sie nicht zur Schule musste. Es blieb ihr also nichts anderes übrig, als oben am Fenster zu sitzen und zu schauen, wie der Vater ins Tal wanderte und bald darauf schon wieder zurückkam.
Schnell zog Jana die dicken Stiefel an und ihre Jacke und dann lief sie ihm entgegen.
„Und?“, rief sie schon von Weitem.
Doch Papa wehrte ab. „Gleich!“, rief er. Jana konnte es kaum erwarten. Völlig außer Atem kam sie bei ihm an und sah ihn fragend an.
„Die Hütte war verschlossen. Ich habe geklopft und an der Tür gerüttelt, es tat sich nichts. Dann habe ich durch jedes Fenster geschaut und ich glaube, dass drinnen alles unverändert ist. Wenn ich nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, dass da Licht war, dann wäre alles in Ordnung, aber so weiß ich nicht, was wir unternehmen sollten!“
Jana zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es auch nicht, vielleicht sollten wir einfach abwarten, ob heute Abend wieder Licht dort ist und dann können wir ja überlegen, was zu tun ist.“
Mama erwartete die beiden gespannt und ließ sich auch erzählen, was der Vater festgestellt hatte. Gemeinsam beschlossen sie, den Abend in Janas Zimmer zu verbringen, damit sie die Hütte im Auge behalten konnten.
Am Abend versammelten sie sich dann im Dachzimmer. Es gab Kakao und Kekse. Papa las eine Weihnachtsgeschichte vor. Sie handelte vom kleinen Schneemann, der sich so allein fühlte. Jana kamen die Tränen, so leid tat er ihr.
„Es ist ja auch ganz schrecklich, wenn man niemanden hat“, schluchzte sie und umarmte ihre Eltern. „Wie froh bin ich, dass ich euch habe und Oma und Opa und die Freunde und alle eben …“
„Da!“, rief Papa plötzlich. „Da ist es wieder, das Licht!“
Gebannt starrten die Drei in die Dunkelheit und sahen ein schwaches Licht an der Stelle, wo Hinnerks Hütte lag.
„Ob Hinnerks Geist zurückgekommen ist?“, flüsterte Jana.
„Na, das glaube ich weniger. Vielleicht ist es ein Obdachloser, der sich nachts dort versteckt. Wir sollten die Polizei rufen!“, meinte Papa, erntete aber gleich Protest von seinen beiden Frauen.
„Und wenn schon, dann ist es eben so!“, sagte Mama besänftigend. „Er tut uns doch nichts!“
Das fand Jana auch, trotzdem war sie noch immer beunruhigt.
„Aber er hat doch gar nichts zu essen dort und kalt ist es auch.“
„Ihr meint doch nicht etwa, dass wir ihn noch füttern sollten und ihm Feuerholz bringen?“, fragte Papa ärgerlich.
„Warum denn nicht? Es ist bald Weihnachten!“ Mama hatte ein großes Herz und war in Gedanken schon dabei, einen Korb mit Leckereien zu packen. „Aber zuerst mal müssen wir wissen, ob sich dort wirklich jemand versteckt. Ich denke, dass wir morgen noch einmal nachschauen sollten und vielleicht kann ich einfach mal ein paar Kekse hinstellen und dann sehen wir ja, ob jemand da war, der Hunger hatte.“
Am nächsten Tag gingen die Eltern gemeinsam zur Hütte. Jana musste ja in die Schule, was sie sehr ärgerte. Zu gern hätte sie ihre Eltern begleitet. Ein Korb mit Keksen und einer Thermoskanne Kaffee wurde mitgenommen. Eine Kerze und ein Päckchen Streichhölzer legte Papa noch dazu. Für den Abend verabredeten sich alle wieder in Janas Zimmer, um die Sache aus der Ferne zu beobachten.
Und siehe da, wieder erschien das Licht, diesmal sogar etwas heller als an den beiden vergangenen Tagen.
„Er hat die Kerze gefunden!“, sagte Papa.
„Dann wird er auch die Plätzchen essen“, meinte Mama und ärgerte sich insgeheim, dass sie nicht den Rest des Sonntagsbratens dazu gepackt hatte.
Am nächsten Morgen, die Familie saß beim Frühstück, klopfte jemand am Küchenfenster. Mama erschrak so heftig, dass sie sich am Kaffee verschluckte. Ein Mann schaute durch die Scheibe, einer mit weißem Bart und langen Haaren. Er lächelte freundlich und hob den Picknickkorb hoch, den die Eltern am Vortag in der Hütte hatten stehen lassen.
„Der Nikolaus!“, stammelte Jana und wurde ganz blass.
Papa deutete dem Mann, ums Haus herum zu kommen, er wollte ihm die Tür öffnen. Das tat er dann auch. Eine tiefe Stimme erklang und bald darauf lachten die beiden Männer herzlich.
„Das gibt es doch nicht!“, rief Papa immer wieder. „Dass ich das noch erleben darf!“
„Er ist’s wirklich“, flüsterte Jana und Mama, die sich ein wenig erholt hatte von dem Schrecken nickte. „Ja, er ist’s!“
In diesem Moment betrat Papa die Küche und ihm folgte der Mann. Jana wäre am liebsten unter die Eckbank gekrochen, aber sie traute sich nicht von der Stelle.
„Darf ich vorstellen?“, sagte Papa. „Das ist Johann, der Sohn vom alten Hinnerk. Wir haben früher oft zusammengespielt. Als wir älter waren, haben wir uns aus den Augen verloren, denn Johann ist nach Amerika ausgewandert. Nun ist er zurückgekommen und hat die letzten Nächte in der Hütte seines Vaters verbracht.“
„Ich habe den lieben Gruß von Ihnen gestern Abend vorgefunden, dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken!“ Johann reichte Mama die Hand und dann Jana, die mittlerweile wieder etwas Farbe im Gesicht bekommen hatte.
„Das ich das noch erleben durfte!“, sagte Papa zum wiederholten Male. Alle lachten und am lautesten lachte Papa selbst.

© Regina Meier zu Verl

Die Bilder hat mir meine Freundin Marion zur Verfügung gestellt.

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Das ist nun also die vorläufig letzte Folge von Claras Geschichte. 30 Tage lang habe ich jeweils ein kleines Stückchen davon gepostet und so den Schreibmonat November mit euch zusammen durchgeführt. Es sind keine 50.000 Wörter geworden, aber das war mir von Anfang an klar. Immerhin sind es aber bis heute 18.430 Wörter, es ist doch einiges zusammengekommen, wenn man bedenkt, dass ich nebenbei noch vier Geschichten und ein Gedicht geschrieben habe, eine Lesereise gemacht habe und alles, was sonst noch so auf dem Plan stand ebenfalls geschafft habe. Claras Geschichte wird weiterwachsen, ich habe noch so viele Ideen. Wenn sie fertig ist, lasse ich euch das wissen. Danke vielmals für eure Begleitung!

Hier geht es weiter:
Die beiden Elfen, deren Aufgabe es war auf das Mädchen aufzupassen, hatten vom Fenster aus das Treiben in Claras Zimmer beobachtet. Sie waren froh, dass Mama Gisela das Fenster einen Spalt geöffnet hatte, um frische Luft hereinzulassen.
„Wir müssen ihr helfen“, flüsterte Enya Rosenduft, die größere von den beiden zarten Wesen.
Aufgeregt bebten ihre duftigen Flügel. Auch die Freundin Nelli Himmelstreu war ihrer Meinung.
„Lass uns schnell zur alten Elli fliegen und etwas Balsam holen, damit Clara recht schnell wieder gesund wird.“
Die alte Elli war die Frau, die von den Leuten im Ort als Hexe bezeichnet wurde. Sie kannte sich in der Kräuterheilkunde aus wie keine zweite. Die Menschen, oder nur wenige von ihnen, wussten das nicht mehr zu schätzen.
Sie konnte, wie die kleine Clara auch, die Wesen des Waldes sehen und mit ihnen sprechen. Vor vielen Jahren war sie selbst nämlich bei Hilda und Hermann gewesen und hatte die Kräuterheilkunde erlernt. Doch nicht nur die Kräuter waren es, die bei Krankheiten halfen. Vor allem waren es die Selbstheilungskräfte, die sich nur entwickeln konnten, wenn ein Mensch im Einklang mit der Natur war und ein gutes Herz hatte. Davon war nicht nur die alte Elli überzeugt, denn immer wieder hatte sie erlebt, wie diese Dinge wirkten. Das heißt nicht, dass alles mithilfe eines guten Herzens und einiger Kräuter geheilt werden konnte, aber es gab viele Krankheiten, die man so heilen konnte.
Die Elfen trafen die alte Elli in ihrem Waldhäuschen an, die Eule hatte sie bereits besucht und davon erzählt, dass Clara krank war. Also hatte Elli sich schon an die Arbeit gemacht und eine Salbe hergestellt, die dem Kind Linderung und Heilung verschaffen sollte. Gerade, als Enya und Nelli bei ihr eintrafen, füllte sie ein wenig davon in ein Tiegelchen ab.
„Nehmt, ihr Elfen und tragt es zu der kleinen Clara. Reibt ein wenig davon an ihre Schläfen und ebenfalls nur wenig auf ihre Brust. Ihr werdet sehen, dass sich das Kind schnell erholen wird.“, sagte sie. Die Elfen dankten ihr und machten sich auch gleich wieder auf den Weg. Glücklicherweise war das Fenster noch immer geöffnet, so dass sie ungehindert wieder in Claras Zimmer gelangen konnten.
Vorsichtig rieben sie dem Kind die Schläfen ein, doch wie sollten sie es anstellen, auch ein wenig Salbe auf die Brust zu reiben, ohne Clara zu wecken?
„Das schaffen wir niemals“, sagte Enya verzweifelt. Doch ihre Freundin machte sich weniger Sorgen. „Sie kennt uns und wird nicht erschecken, wir sollten sie kurz aufwecken. Das schadet ihr sicher nicht!“ Vorsichtig zupfte sie an Claras Ohrläppchen und sofort war das Kind wach und schaute erstaunt auf die Elfen.
„Was macht ihr denn hier, oder träume ich?“, fragte sie. „Und was riecht denn hier so gut?“
Nelli kicherte. „Das ist die Salbe, die wir an deinen Schläfen gerieben haben und nun würden wir gern noch ein wenig davon auf deinen Brustkorb reiben, ist das in Ordnung, Clara? Du sollst doch schnell wieder gesund werden!“
Clara schlug die Decke zur Seite und zog das T-Shirt aus, Liebevoll massierten die Elfen die Salbe auf Brust und Rücken. Schnell zog clara sich wieder an und ließ sich in die Kissen sinken.
„Mmh, das duftet so gut!“, sagte sie noch und dann schlief sie umgehend wieder ein. Zufrieden verließen die beiden Elfen das Zimmer. Clara würde nun schlafen und sicher war schon morgen alles wieder gut.
Später kam die Mutter noch in Claras Zimmer und sah ihre Tochter glücklich lächelnd schlafen. Sie schloss das Fenster, drückte der Tochter behutsam einen Kuss auf die Stirn, schnupperte … und wunderte sich über den herrlichen Duft, der von Clara ausging. Nach Rosen duftete es, nach Veilchen und Lavendel, betörend. Mama Gisela konnte sich das zwar nicht erklären, aber mittlerweile nahm sie die Dinge so hin, wie sie waren. Ändern konnte sie sie ja doch nicht und außerdem erschien es immer eher hilfreich als gefährlich.

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Ich melde mich ab bis Freitag, da ich keine Gelegenheit haben werde zu posten oder ins Internet zu schauen. Hier kommt Teil 29 von Claras Geschichte.

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Als Clara am Morgen erwachte, kratzte es im Hals und die Nase lief. Sie fühlte sich gar nicht wohl und mochte das Bett nicht verlassen. So blieb sie einfach liegen, bis die Mutter nach ihr schaute.
„Clara, du kleine Schlafmütze. Willst du gar nicht aufstehen?“
Clara versuchte etwas zu sagen, aber die Stimme klang nur wie ein Krächzen. Da hatte sie sich wohl eine Erkältung eingefangen.
„Ach je, auch das noch. Du arme Maus, ich hole mal das Fieberthermometer und koche dir einen schönen Tee, mit viel Honig drin, dann wird es sicher bald besser werden.“
Nach ein paar Minuten kam sie zurück und steckte Clara das Fieberthermometer unter die Zunge, bis es zu piepen anfing.
„Ach herrjeh, 39 Grad, das ist Fieber. Du musst schön im Bett bleiben, mein Kind.“
Clara gefiel das nicht, sie musste gesund werden, heute Nacht wollte sie doch wieder in den Wald und das nächste Türchen öffnen. Das konnte sie der Mutter natürlich nicht verraten, also schwieg sie und ergab sich in ihr Schicksal. Tapfer trank sie ihren Tee und ließ es sich gefallen, dass Mama ihr Wadenwickel anlegte. Dann setzte sie sich zu Clara ans Bett und las ihr eine Geschichte vor. Clara lauschte der beruhigenden Stimme ihrer Mama und schlief irgendwann ein. Sie träumte nicht, jedenfalls konnte sie sich nicht daran erinnern, als sie am späten Nachmittag wieder erwachte. Das Fieber war etwas gesunken und sie fühlte sich etwas besser. Sogar ein wenig Hunger machte sich bemerkbar.
„Ich habe einen großen Topf Hühnersuppe gekocht, davon bekommst du jetzt etwas, das wirkt wahre Wunder!“, erklärte die Mutter und verschwand nach unten, um die Suppe zu holen, die Clara anschließend in kleinen Schlucken trank. Das tat gut, wohlig legte Clara sich zurück in die Kissen und schlief augenblicklich wieder ein. Alles würde gut werden, vielleicht schon morgen, dachte sie noch und dann schlief sie sich gesund.

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Heute kommt Folge 28, das Internet scheint weitgehend wiederhergestellt zu sein. Gut so! Der Schreibmonat ist nun fast geschafft, die Geschichte geht aber noch weiter, vielleicht nicht mehr täglich, aber doch in kurzen Abständen.
Ab Mittwoch bin ich dann auf Reisen und melde mich erst am Freitag wieder. Also, morgen noch einmal eine Folge und dann gibt es eine Pause!

17. Kapitel

Clara und Schnurrli hatten den Weg zu Hilda und Hermann gefunden. Natürlich gab es von Hermann eine Standpauke.
„Ich dachte, dass wir uns klar ausgedrückt hatten, von hier darf nichts mitgenommen werden. Es ist einfach zu gefährlich, ihr hättet uns verraten können und dann wäre es vorbei gewesen mit den Traumbesuchen. Hilda und ich, wir kennen das zu Genüge.“
Schnurrli strich Hermann zärtlich um die Beine und ließ auch Hilda nicht aus. Die kleine Katze hatte ein schlechtes Gewissen, wusste sie doch, dass Clara rein gar nichts dafür konnte. Aber so ist das eben, als Freund steckt man immer mit im Schlamassel, wenn der andere Dummheiten macht. Clara schien es aber gar nicht so viel auszumachen. Sie entschuldigte sich bei den beiden Kobolden und die konnte auch gar nicht lange böse sein. Hilda hatte sogar wieder einen leckeren Kuchen gebacken, den sie sich nun schmecken ließen. Dazu gab es Pfefferminztee mit Waldblütenhonig.
„Du Hilda, wie machst du eigentlich diesen leckeren Tee? Zu Hause habe ich noch nie so herrlichen Tee bekommen, obwohl Mama auch immer Pfefferminztee zum Abendessen kocht“, schmeichelt Clara der mütterlichen Freundin und traf damit genau Hildas Nerv.
„Weißt du Clara, es ist ein großer Unterschied, ob man die frische Waldminze für den Aufguss nimmt oder Teebeutelchen, wie es sie bei euch gibt. Das ist einfach kein Vergleich.“
„Das schmeckt man ja deutlich! Wo findet man denn die Waldminze?“
„Na, im Wald, wo sonst?“, brummte Hermann dazwischen. Alle lachten, selbst Schnurrli kicherte schon wieder, langsam aber sicher verzog sich das schlechte Gewissen und die Unternehmungsfreude zurück.
„Wisst ihr, dass meine Oma abgereist ist?“, fragte Clara kauend, sie hatte sich bereits das zweite Stückchen Kuchen vorgenommen. „Sie hat sich vor diesem niedlichen Kätzchen gefürchtet, ob man es glaubt oder nicht!“
Hilda lachte und auch Hermann konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
„Seid ihr jetzt alle traurig?“, fragte er.
Clara schüttelte den Kopf. „Nein, nicht so richtig traurig. Oma ist anstrengend, obwohl ich sie doch sehr lieb habe. Sicher kommt sie bald mal wieder oder wir besuchen sie einfach.“
„Ja, ja, das macht ruhig. Alte Leute soll man ehren, sie haben das verdient!“ Hermann ging raus zum Rauchen. Hilda konnte den Rauch nicht vertragen, deshalb musste er seine Pfeife immer auf der Bank vor der Wohnung anzünden.
„Warte, Hermann, ich komme mit“, Clara erhob sich und folgte dem Alten, auch Schnurrli schloss sich an. Hilda blieb zurück, sie räumte den Tisch ab und kümmerte sich um das Feuer im Ofen, es war schon sehr kühl geworden und bald kam die ungemütliche Zeit des Jahres.
„Hermann, soll ich heute die nächste Tür öffnen?“, fragte Clara neugierig.
Hermann schüttelte den Kopf.
„Heute nicht, Clara, es ist kein guter Tag für Abenteuer. Schau nur, es wird immer dunstiger, der Nebel wird sich bald wie eine dichte Decke über den Wald legen, da mag ich dich nicht allein dort draußen wissen!“
„Ich kann doch mitgehen, ich bin eine gefährliche Raubkatze!“, rief Schnurrli.
„Du bist vorläufig mal still, hast du etwas schon vergessen, was du angestellt hast?“ Hermann war nun ehrlich verärgert. So eine freche Katze war ihm ja lange nicht mehr begegnet.
„Wir plaudern noch ein wenig, dann gibt es Pilzsuppe zum Abendbrot und anschließend schicken wir Clara wieder nach Hause, sie muss mal ausschlafen. Morgen ist auch noch ein Tag.“
Wenn Clara damit auch nicht so recht einverstanden war, so wagte sie nicht, Hermann zu widersprechen. Sie wusste doch, was sich gehörte und alte Leute sollt man ehren, das hatte Hermann selbst gesagt vorhin und daran wollte sie sich halten. Morgen wollte sie Mama vorschlagen, dass sie für die Oma etwas Schönes basteln könnten und einen langen Brief würden sie dazu schreiben und ein Bild malen, eines vom Wald, aber ohne Katze.

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Teil 27
Heute muss ich schnell die Zeit nutzen, solange das Internet läuft, wer weiß, wie lange das andauert!

Nachdem sie eine Runde „Mensch ärgere dich nicht“ gespielt hatten, wollte Mama das Abendessen vorbereiten.
„Ich gehe mal in die Küche und schaue, was der kleine Tiger macht“, sagte sie und erhob sich.
„Das kann ich doch machen.“ Clara sprang auf und lief zur Küche. Sie öffnete vorsichtig die Tür, schob sich durch den Spalt und schloss sie gleich wieder hinter sich.
„Schnurrli?“, flüsterte sie und siehe da, die kleine Katze schaute unter dem Schrank hervor.
„Was machst du denn hier, hat dir jemand erlaubt, mit mir mitzukommen?“ Clara versuchte, mit Schnurrli zu schimpfen, hatte aber gleichzeitig ein schlechtes Gewissen, denn sie war ja nicht unschuldig an der Sache. Sie hätte einfach besser aufpassen müssen. Aber was passiert war konnte man nicht ungeschehen machen, jetzt konnte nur noch der Schaden begrenzt werden und das versuchte Clara.
„Du musst zurück in den Rucksack, damit ich dich später wieder mit zu Hilda und Hermann nehmen kann, hörst du?“
„Ja, ja, ist schon klar. Also, lass mich raus, ich springe dann schnell nach oben in dein Zimmer und verschwinde in dem furchtbaren Beutel!“
Die Küchentür wurde geöffnet, Schnurrli verschwand schnell wieder unter dem Schrank und Clara tat so, als habe sie die ganze Zeit nach dem gefährlichen Tier gesucht.
„Mit wem redest du denn eigentlich?“, fragte Mama erstaunt.
„Ich rede mit mir selbst, Mama. Das machst du doch auch manchmal, stimmt’s?“
Mama lachte, ja, sie redete auch manchmal mit sich selbst. Das schärfte die Sinne, zum Beispiel wenn man nach etwas suchte und konnte es nicht finden. Dann sagte sie zu sich: „Ich weiß ganz genau, dass ich meine Brille da hingelegt habe. Ich werde jetzt noch einmal den ganzen Weg zurückgehen, den ich gegangen bin, als ich sie noch hatte, irgendwo muss sie doch sein, ich bin doch nicht blöd!“
Also machte sie sich keine weiteren Gedanken über Claras Selbstgespräche, fühlte sich aber ein wenig ertappt und nahm sich vor, demnächst nur noch ganz leise mit sich selbst zu reden oder möglicherweise gar nicht mehr.
„Ich sag noch schnell Papa Bescheid, dass wir gleich essen wollen.“ Sie verließ die Küche und ließ die Tür offen stehen. Diese Gelegenheit nutzte Schnurrli, um wie vom Blitz geölt das Zimmer zu verlassen und nach oben zu sprinten. Dort kroch sie sofort in den verhassten Beutel und gab keinen Mucks mehr von sich.
Beim Abendessen machte Papa Witze über die Großmutter, doch Mama konnte darüber gar nicht lachen. So verärgert wie heute hatte sie ihre Mutter noch nie gesehen, es würde eine Weile dauern, bis man wieder normal miteinander umgehen konnte. So schwieg Mama Gisela und Papa hörte auf, Witze zu machen und Clara wurde plötzlich sehr müde.
„Uaaah“, gähnte sie. Ich glaube ich muss in mein Bett, die viele frische Luft und die ganze Aufregung, das macht ganz schön schlapp.“
Die Erwachsenen sahen das ein, Mama Gisela brachte Clara noch nach oben, doch vor der Zimmertür verabschiedete sich Clara: „Ich bin ja schon groß, Mama, ich kann allein ins Bett!“
„Also gut, dann schlaf gut, meine Große und träum was Schönes!“
„Sicher, Mama, ich träume doch immer was Schönes!“, Clara zwinkerte der Mutter zu und verschwand in ihrem Zimmer.
„Zähne putze ich gleich auch noch, geh ruhig schon runter!“, rief sie und dann fiel ihr ein, dass Schnurrli sicher Hunger und Durst haben würde.
„Kann ich noch ein Glas Milch haben?“
„Bringe ich dir gleich hoch“, versprach die Mutter und kam nach einer Minute mit einem Glas zurück.
„Bitte sehr, die Dame“, sie reichte Clara das Glas durch den Türspalt. Gleich darauf verschwand Clara wieder im Zimmer.
„Nachti“, rief sie noch. Mama wunderte sich immer mehr. Was war das für ein seltsamer Tag gewesen. Zuerst die Müllsammelaktion, dann das gefährliche Tier im Badezimmer mit der ängstlichen Oma, die es mit einer Toilettenbürste in Schach gehalten hatte. Dann die Tochter, die mit sich selbst sprach und mit einem Mal freiwillig ein Glas Milch trinken wollte. Gisela musste laut lachen, so dass Rolf, der sich zu einem kleinen Nickerchen niedergelassen hatte erschreckt vom Sofa hochfuhr und rief: „Was ist los, ist das Raubtier wieder aufgetaucht?“
Gisela lachte und lachte bis ihr die Tränen kamen.
„Das Raubtier sitzt sicher noch unterm Küchenschrank, ich werde ihm mal ein Schälchen Milch hinstellen und dann warten wir mal bis morgen ab, ob es sich daran bedient hat. Und du, möchtest du ein Schälchen Bier, mein Lieber?“
Diese Idee gefiel Rolf und so saßen Gisela und er noch ein paar Stunden im Wohnzimmer und sprachen über den Tag und sie machten Pläne für die Zukunft und überhaupt waren sie guter Dinge, auch wenn die Großmutter nun wieder zu Hause war, oder gerade deswegen. Wer weiß das schon?

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Da hat Schnurrli ja was angerichtet in der letzten Folge, Oma is not amused, sie … lest selbst in  neuen Teil 26 von Claras Geschichte

„Ich geh durch einen grasgrühünehen Wald und höre die Vögelein singen“, sang Mama Gisela. Clara schaute sie staunend an.
„Der Wald ist doch gar nicht grasgrün, er ist noch etwas bunt und schon bald werden alle Blätter weg sein“, bemerkte sie.
„Also gut“, Mama setzte neu an: „Ich ging durch einen herbstbuhunten Wald und hörte die Vögelein singen, sie sangen so jung, sie sangen so alt, die kleinen Vögelein in dem Wald …“ Clara unterbrach sie schon wieder.
„Mama, ich höre keine Vögelein!“
„Du nimmst es aber auch ganz genau, es ist doch nur ein Lied“, Mama zog eine Schnute und stellte den Gesang ein. Clara lauschte.
„Hört doch mal, die Spatzen, sie zirpen ganz aufgeregt!“
Die Eltern hörten es auch und gemeinsam gingen sie in die Richtung, von wo der Lärm kam. Clara wusste natürlich, dass es ihre Freunde waren, die ihr den Weg weisen wollten und tatsächlich, als sie weiter herangekommen waren, sahen auch die Eltern den Berg von Müll, den Clara in der letzten Nacht schon entdeckt hatte.
„Das ist ja wohl die Höhe“, schimpfte Papa Rolf. „Da hat doch jemand seinen Unrat abgeladen, mitten im Wald“, er war entrüstet und trat mit dem Fuß nach dem Müll.
„Rolf, das hilft auch nicht, wir laden einfach alles auf, gut, dass wir den Bollerwagen mitgenommen haben“, schlug Mama vor und die drei machten sich an die Arbeit. Im Nu war alles vom Waldboden aufgelesen und das war eine Freude für die Waldbewohner, die im sicheren Abstand zu den Menschen alles beobachtet hatten.
„So, ihr Lieben“, rief Clara. „Jetzt ist der Wald wieder aufgeräumt!“
Rolf und Gisela schauten sich an und grinsten. Ihre Tochter hatte wirklich eine rege Fantasie, aber das war in Ordnung. Sie hatte auch einen ausgeprägten Sinn dafür, die Natur zu schützen und das gefiel den Eltern sehr.
Fröhlich singend zogen sie den Bollerwagen nach Hause und oben auf dem Müll thronte Clara und sang aus vollem Herzen mit.
Als das Haus in Sichtweite kam, ahnten sie noch nicht, was sie darin gleich erwarten würde. Sie hatten ein paar wundervolle Stunden gehabt und der weite Weg machte ihnen auch gar nichts aus. Er hatte einen Sinn gehabt und das fühlte sich einfach wunderbar an.
„Oma, wir haben den Wald aufgeräumt“, rief Clara und stürmte ins Haus. „Oma, warum sitzt du da auf der Treppe und was ist mit deinem Koffer?“
Schlagartig sprang Oma auf. „Rolf, hol sofort den Wagen aus der Garage und bring mich zum Bahnhof, ich bleibe keine Minute mehr in diesem verrückten Haus und nur zur Kenntnis: in der Küche ist eine wilde Katze, die faucht und brüllt und beißt. Ich habe sie eingesperrt, sie hat mich zu Tode erschreckt!“ Vorwurfsvoll klang das, so, als habe Rolf eine Katze auf seine Schwiegermutter gehetzt. Ratlos schauten sich Clara und ihre Eltern an.
„Beruhige dich doch, Mutter!“ Gisela wollte die Mutter umarmen, doch die ließ das nicht mit sich machen.
„Lass das doch, ich will weg und daran kannst du nichts mehr ändern!“
Claras Magen grummelte, sie fühlte sich schuldig, denn ihr war klar, dass es Schnurrli gewesen sein musste, die Oma so erschreckt hatte. Erst jetzt fiel ihr ein, dass sich das Kätzchen in ihrem Rucksack versteckt hatte und wohl darin geblieben war, als sie sich zurückgeträumt hatte in ihr Bett. Verflixt, sie musste demnächst besser aufpassen, sonst würde irgendwann auffallen, dass sie zwei Leben hatte, eines am Tag und eines in der Nacht, wenn sie in ihrem Wald war. Dort warteten noch viele Aufgaben auf sie und Hermann und Hilda wären enttäuscht, wenn sie nicht mehr zu ihnen kommen könnte.
Jetzt verstand Clara, dass es ihr Geheimnis bleiben musste und irgendwie würde sie es sicher schaffen, Schnurrli wieder mit zurückzunehmen, die hatte sich bestimmt auch gefürchtet, arme kleine Katze.
Oma reiste tatsächlich noch am gleichen Abend ab, die Eltern und Clara waren traurig. Aber irgendwann würde sie sich wieder beruhigen und dann würden sie alle zu ihr fahren und dann wäre alles wieder gut.
Vorher gab es aber noch einige Aufgaben zu lösen und Clara freute sich darauf, Hermanns und Hildas Gesicht zu sehen, wenn sie später von der Müllsammelaktion berichten würde. Stolz würden sie sein, ja, und auch Clara war stolz auf ihre Eltern und auf sich selbst und auch wenn sie traurig war, dass Oma abgereist war, so hatte der Tag doch den Erfolg gebracht, den Clara sich gewünscht hatte.
„Jetzt wollen wir uns mal duschen und dann machen wir es uns im Wohnzimmer gemütlich“, schlug Mama vor und das machten sie dann auch. Die kleine Katze saß noch immer unter dem Küchenschrank und traute sich nicht raus.

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Oh, oh, heute riecht es nach Ärger, da kann man nur hoffen, dass sich das wieder geben wird. Aber lest selbst,
die 25. Fortsetzung

Nach einer Viertelstunde waren alle startklar und sie zogen los. Oma winkte ihnen nach, sie freute sich auf eine Zeit für sich allein. So gern sie ihre Lieben auch hatte, sie war nicht daran gewöhnt, ständig Unterhaltung zu haben. Es war schön, aber es war auch anstrengend. Sie ließ sich ein Bad einlaufen und glitt dann genüsslich in das duftende Schaumbad, die Lesebrille und einen Liebesroman hatte sie sich zuvor bereit gelegt und natürlich ein paar Pralinen, die sie im Reisegepäck versteckt hatte.
So waren alle zufrieden, Oma, weil sie ihre Ruhe hatte, Papa, weil er nicht weiter Laub harken musste, Mama, weil sie endlich einmal etwas mit ihren beiden Liebsten unternehmen konnte und Clara, weil alles so lief, wie sie es sich gewünscht hatte.
Jetzt hieß es nur noch den Müll zu finden und zu entsorgen.
Während Oma ihr herrliches Bad genoss und sich die Pralinen auf der Zunge zergehen ließ, spazierte die Familie in den Wald.
Niemand ahnte, was sich in Claras Zimmer abspielte. Es wusste ja auch keiner davon.
Clara hatte am Morgen das Kinderzimmer verlassen und war auch später nicht mehr zurückgekommen, da sie bereits fertig angezogen am Frühstückstisch erschienen war. Dass sie in ihrem Rucksack einen Gast mitgebracht hatte, der dort selig geschlafen hatte, konnte Oma nicht wissen.
Schnurrli war, nachdem sie ihre Freundin nicht zu ihrer Aufgabe im Wald begleiten durfte beleidigt in den Rucksack gekrochen und hatte sich dort versteckt. Sie wartete auf Clara, die, als sie zurückgekommen war, gleich den Rucksack auf den Rücken genommen hatte und dann einschlief. Schnurrli genoss es einfach, Clara so nah zu sein und kuschelte sich weiter ein. Auf diese Weise hatte Clara sie mitgenommen in ihr Zuhause und jetzt war sie weg und Schnurrli hatte Angst. Sie kannte sich nicht aus, traute sich nicht, den sicheren Schutz des Rucksacks zu verlassen. Hunger und Durst nahmen aber immer mehr zu, so dass die kleine Katze beschloss, sich auf die Suche nach etwas Nahrhaftem zu machen.
Wie gut, dass die Zimmertür nicht geschlossen war. Unbemerkt konnte Schnurrli den Raum verlassen und schauen, was hier so los war. Im Zimmer nebenan plätscherte das Wasser in die Badewanne, Oma ließ heiß nachlaufen und weil es ihr in der Wanne so gut gefiel und sie sich so wohlfühlte, fing sie an zu singen. Zuerst ganz leise, dann immer lauter. Sie schmetterte Melodien aus ihrer Jugend und wuchs über sich hinaus.
Bei den hohen Tönen verzog Schnurrli schmerzhaft ihr kleines Gesicht. Wie scheußlich das klang, dass Menschen solche Geräusche machen konnten, hatte sie noch nie gehört. Aber, neugierig wie sie war, wollte sie auch einmal versuchen, ob sie so laute Töne machen konnte. Auch sie begann zunächst ganz leise zu miauen, wurde dann immer mutiger und schließlich klang ihre Stimme so durchdringend, dass Oma vor Angst in der heißen Wanne zu zittern und zu frieren begann. Sie wagte aber nicht, hinauszusteigen. Da draußen, das war kein Tier, das war ein Geist, davon war Oma überzeugt.
„Verschwinde sofort“, schrie Oma, „oder ich hole die Polizei!“
Das gefiel Schnurrli, sie erkannte die Angst in der Stimme der Frau und das ermutigte sie, immer weiter zu singen, zu kreischen, gar zu brüllen wie ein Löwe. Zugegeben, es war ein recht kleiner Löwe oder besser ein Tiger, aber es war einer. Das glaubte auch Oma, die sich mutig aus der Wanne erhoben hatte, nach dem Bademantel griff und sich dann mit der Klobürste bewaffnet auf den Flur traute.
Schnurrli bekam einen Riesenschreck, als sie die bewaffnete Oma erblickte. Sie schoss wie der Blitz an ihr vorbei, die Treppe hinunter und suchte verzweifelt einen Ausgang. Alle Türen und Fenster waren geschlossen, Schnurrli hatte keine Chance und sie hörte die Schritte der Menschin, die wütend schimpfte und sie als „blödes Mistvieh“ bezeichnete. Das konnte sie sich doch nicht gefallen lassen, Schnurrli ging zum Angriff über, fauchte böse und wollte gerade auf die alte Dame los, als diese ihr die Bürste direkt auf die Nase schlug.
Aua, das hatte wehgetan, Schnurrli war verdattert und geschockt und dann diese Schmerzen, sie kroch unter einen Küchenschrank und blieb dort sitzen.
„Hier bleibe ich, bis Clara mich rausholt und wenn sie nicht kommt, dann werde ich hier sterben“, dachte sie und miaute kläglich.
Oma hatte sich auf einen Küchenstuhl fallen lassen und schnappte nach Luft.
„Kann man denn nicht ein einziges Mal hier seine Ruhe haben? Ich werde abreisen, heute noch, ja, das werde ich!“
Sie ging nach oben, kleidete sich an und ihre Frisur war völlig zur Nebensache geworden. Die Küchentür hatte sie geschlossen, damit das kleine Biest nicht fliehen konnte. Sie packte ihren Koffer und wartete und während sie wartete, wurde sie müde und schlief ein.
Schnurrli saß unter dem Küchenschrank und wagte nicht, ihr Näschen drunter hervorzustecken. Die Frau mit der gefährlichen Waffe konnte jeden Moment wieder auftauchen. Ach käme doch Clara endlich heim und sicher machten sich Hermann und Hilda auch schon Sorgen um sie. Schrecklich war das, ganz schrecklich.
„Wäre ich doch nie in diesen blöden Beutel geklettert und wenn ich hier lebend rauskomme, dann will auch  niemals wieder beleidigt sein, wenn Hermann mir etwas verbietet.“ Erschöpft schlief auch sie dann ein, so ruhten im gleichen Haus zwei Damen, die nicht das Beste voneinander hielten. Die eine fürchtete sich vor gefährlich brüllenden Katzen und die andere vor Menschinnen mit furchtbaren Waffen, die zudem nach ganz furchtbar rochen.

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Schon die 24. Fortsetzung von Claras Geschichte.

  1. Kapitel

Am nächsten Tag schlief Clara außergewöhnlich lange. Sie war erschöpft und als sie erwachte zog sie die Decke bis über die Ohren und döste ein wenig vor sich hin.
Dann fiel ihr ein, was sie in der letzten Nacht erlebt hatte und mit einem Satz sprang sie aus dem Bett, zog sich an, ging ins Bad und erschien dann unternehmungslustig in der Küche.
„Das ist ja etwas ganz Neues. Clara schläft länger als wir!“, stellte Mama fest und lächelte. Ihre Tochter veränderte sich in jeder Beziehung. Jetzt hatte sie ein Glitzern in den Augen, das darauf hinwies, dass sie etwas im Schilde führte.
„Guten Morgen, Mama! Was habt ihr denn heute so vor?“, fragte sie und füllte eine Schale mit Haferflocken, goss etwas Milch dazu und ließ einen ordentlichen Kleks Honig in das Müsli tropfen. Dann setzte sie sich an den Küchentisch und schaute ihre Mutter erwartungsvoll an.
„Bis jetzt noch nichts Besonderes, warum fragst du? Hast du einen Vorschlag?“, fragte Mama und setzte sich zu ihrer Tochter an den Tisch. Sie schenkte sich noch eine Tasse Kaffee ein und seufzte.
„Schön, dass ich dich einmal für mich allein habe, ich wollte etwas mit dir besprechen“, kündigte sie an.
Clara hörte aber gar nicht richtig zu, sie überlegte, wie sie die Eltern dazu bewegen konnte, mit ihr in den Wald zu gehen. Und dann war da ja auch noch Oma, die musste ebenfalls überzeugt werden.
„Hörst du mir eigentlich gar nicht zu?“ Die Mutter hatte Clara bereits mehrfach angesprochen, doch die reagierte nicht, schaute nur versonnen aus dem Fenster.
„Können wir in den Wald gehen? Ich hätte so Lust, einen Spaziergang mit euch zu machen.“
„Ich wollte etwas mit dir besprechen!“
„Können wir das nicht hinterher machen?“
Oma betrat die Küche. Somit war das Zuhören erstmal vom Tisch. Jetzt hieß es, die beiden Frauen zu überzeugen, einen Spaziergang in den Wald zu machen und den Bollerwagen wollte Clara ja auch unbedingt mitnehmen.
„Clara möchte einen Waldspaziergang machen. Was meinst du, Mutter, wollen wir das auch?“
„Geht ihr nur, ich möchte heute mal ein wenig lesen und dann will ich mir auch in Ruhe die Haare machen, ich sehe schon aus wie ein wild gewordener Mopp!“
Clara lachte laut auf.
„Ein Mops, meinst du wohl?“
„Nein, mein Schatz, ich meine einen Mopp, kennst du dieses Haushaltsgerät gar nicht?“ Mama schaltete sich ein:
„Das ist so eine Art Besen mit langen Fusseln dran, man kann damit den Staub vom Fußboden auffangen“, erklärte sie. „Außerdem hat ein Mops doch ganz kurze Haare und Omas Haarpracht ist ja alles andere als kurz.“
„Ach so ist das. Und Papa, wo ist der, ob er mit uns gehen würde?“
„Frag ihn, er ist im Garten und harkt die Blätter zusammen, bald sind alle Bäume kahl, dann kann der Winter kommen.“
Clara war schon aufgesprungen und machte sich auf den Weg in den Garten, um ihren Papa zu überreden, mit ihnen in den Wald zu gehen. Sie hatte es versprochen und ein Versprechen musste man halten.
Papa unterbrach seine Arbeit nur zu gern.
„Klar können wir in den Wald gehen, vielleicht haben wir Glück und finden noch ein paar Pilze. So ein leckeres Rührei mit Pilzen, das wäre was.“ Bei dem Gedanken an ein köstliches Mittagessen leckte sich Rolf die Lippen. Schnell trug er die Harke in den Schuppen und brachte den Bollerwagen mit heraus.
„Sollen wir den mitnehmen?“
„Papa, kannst du etwa Gedanken lesen? Das ist ja unheimlich.“
„Ach was, gar nicht unheimlich, ich kenne meine Tochter doch, sie will immer weiter und weiter laufen und dann werden ihre Beine müde und ich muss sie tragen. Mittlerweile ist sie mir viel zu schwer, sie ist nämlich schon ein großes Mädchen!“ Clara grinste. Papa hatte Recht, immer wenn sie von einem Spaziergang auf dem Rückweg waren, dann konnte sie nicht mehr laufen und wollte getragen werden. Diese Zeiten waren nun vorbei. Der Bollerwagen würde voll von Müll sein und sie würde wohl oder übel laufen müssen, das war klar. Sie wollte jedoch unbedingt, dass der Müll aus dem Wald verschwand, dafür war ihr keine Anstrengung zu groß.

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Eine schwere Aufgabe wartet auf Clara, ob sie es schaffen wird, diese zu lösen?

Teil 23
„Sag mal, kleiner Spatz, sind wir hier in meinem Traumwald, oder sind wir im richtigen Wald, wie bei mir zu Hause?“, fragte Clara plötzlich. Der Spatz legte sein Köpfchen auf die Seite und sah Clara verständnislos an.
„Wie meinst du das? Gibt es denn nicht nur einen Wald?“
Clara schüttelte den Kopf.
„Ach, Spatz, ich weiß das grad selbst nicht mehr. Aber eine andere Frage: Hast du schon öfter Menschen gesehen?“
„Ja sicher. Ständig sehe ich Menschen, manchmal kommen sie scharenweise in den Wald und machen eine Menge Lärm. Ab und zu sehe ich Jogger, die laufen einfach so durch die Gegend und meist haben sie Knöpfe im Ohr, seltsame Wesen sind das, aber wohl auch Menschen. Es gibt aber auch welche, die freuen sich an jedem Baum, an jedem Blümchen und an jedem Tier, das sind Menschen, die so sind wie du, kleine Clara.“
Jetzt wurde Clara bewusst, dass ihre Aufgaben im richtigen Wald stattfanden und Hilda und Hermann lebten ebenfalls im Wald, vielleicht war es sogar der, der hinter ihrem Garten anfing und sie selbst war den beiden immer schon ganz nah gewesen. Es gab gar keinen Traumwald, vielleicht veränderte er sich nur, wenn sie ihn im Schlaf besuchte. Das war nun alles ein wenig zu viel für Clara, sie war schon ganz durcheinander vor lauter Nachdenken. Trotzdem wusste sie auf einmal, wie das Problem gelöst werden könnte und das war so:
Wenn sie bei Tage in den Wald gehen würde, dann könnte sie den Müllhaufen finden und einfach alles in den großen hölzernen Bollerwagen packen, den der Papa für sie gebaut hatte. Dann würde sie den Unrat mit nach Hause nehmen, sortieren und in den Mülleimer stecken. Das war ganz einfach, sie konnte es nur nicht jetzt, in dieser Nacht erledigen.
„Passt auf, ihr Lieben. Wir machen es so. Morgen komme ich mit meinen Eltern und mit Oma hierher, dann bringen wir einen Bollerwagen mit und holen den schrecklichen Müllberg hier weg. Meine Eltern sind nett und Oma auch, sie werden es schon erlauben. Das ist die Lösung, dass ich da nicht früher dran gedacht habe.“
 
Den Spatzen gefiel dieser Vorschlag, endlich hatten sie jemanden gefunden, der sich kümmern würde und dass Clara ihr Versprechen halten würde, das wussten sie von Hilda und Hermann, die gute Freunde von ihnen waren.
Clara verabschiedete sich.
„Bis morgen, liebe Freunde!“
Der Spatz, der ihr den Weg gewiesen hatte, begleitete sie noch zurück zu ihrem Baum. Die Tür war weit geöffnet und Hermann und Hilda nahmen das Kind in Empfang.
„Gut gemacht, kleine Clara“, Hermann war mächtig stolz. Die Aufgabe war gelöst und wenn Clara morgen wieder bei den Eltern war, dann würde sie dafür sorgen, dass der Müllberg aus dem Wald verschwand.
„Nun leg dich schnell schlafen, Clara, du musst zurück in dein warmes Kuschelbett“, ordnete Hilda liebevoll an. Clara zog die Socken aus und die Strickjacke. Sie legte den Rucksack an, Hilda deckte sie noch zu und im Nu war Clara eingeschlafen und träumte sich zurück in ihr Bett. In ihrem Rucksack träumte noch jemand, Schnurrli!

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Oh, ich bin soooo müde heute. Ich lasse mich nun auf mein Sofa plumpsen, nichts geht mehr heute!

 

Teil 22

Kaum hatte sie den Waldweg betreten, gesellte sich ein Vogel zu ihr. Er flatterte aufgeregt mit den Flügeln und flog ein Stück vor, kam wieder zurück und dann setzte er sich auf Claras Schulter.
„Da bist du ja endlich, Menschenkind. Wir haben auf dich gewartet. Du musst uns helfen, bitte. Es gibt ein Problem, ein Problem, ein riesiges Problem.“, piepste er mit aufgeregter Stimme.
„Beruhige dich erst einmal, was ist denn nur los?“, fragte Clara und streichelte dem kleinen Spätzchen sanft übers Gefieder. Sie spürte, dass das kleine Herzchen aufgeregt klopfte, doch Angst hatte er nicht vor ihr. Die Vögel in Claras Garten flogen immer davon, wenn sie einen von ihnen berühren wollte, so scheu waren sie.
„Ich fliege vor und du kommst einfach hinter mir her. Willst du das für mich tun?“, fragte der Spatz eindringlich und Clara nickte.
„Natürlich will ich das, dafür bin ich ja da, dass ich dir helfe, wenn du in Not bist.“
„Das ist ein großes Glück, ich bin sehr dankbar und werde es dir nicht vergessen, aber jetzt komm, es wird Zeit, allerhöchste Zeit.“
Sie machten es so, wie der Spatz vorgeschlagen hatte. Er flog ein Stück, setzte sich dann auf einen Ast, bist das Kind aufgeholt hatte und so ging es weiter und immer weiter in den Wald hinein.

Beinahe eine Viertelstunde lief Clara hinter dem Spatzen her. Völlig aus der Puste kamen sie dort an, wo schon von Weitem das Unglück, das angekündigt war, zu sehen war. Ein Müllberg, fast so hoch wie das Mädchen selbst war dort aufgetürmt worden und obendrauf saß eine ganze Schar von Spatzen. Alle schimpften und das war ein lautes Getöse.
„So eine Unverschämtheit!“, schimpfte Clara gleich mit ihnen. Die Vögel wurden allmählich leiser, als sie das Kind entdeckten.
„Wer hat denn hier den Müll abgeladen, das darf ja wohl nicht wahr sein!“, schimpfte Clara, die es von zu Hause kannte, dass man einen Abfalleimer besaß und wenn der voll war, dann kam die Müllabfuhr. Mama ärgerte sich sogar immer darüber, wenn mal jemand etwas in den Garten geworfen hatte, ein Bonbonpapier, eine leere Flasche oder solches Zeug, das eben nicht dort hingehörte.
„Wir wissen es nicht, wer das war“, piepste ein Spätzchen aufgeregt. „Aber es spielt auch keine Rolle. Die Frage ist wie wir das hier wieder wegbekommen. Unter dem Müll sind nämlich auch Lebewesen, die Maus hat den Eingang zu ihrem Bau dort und die Ameisen laufen hier stets entlang, wenn sie Material für ihren Ameisenhaufen holen wollen. Dann sind da noch die Kräuter und das Moos, alles wird eingehen, wenn dieser Unrat hierbleibt. Was machen wir denn nur?“
Clara überlegte. Alle waren mucksmäuschenstill, um das Kind nicht zu stören. Dann kam ihr plötzlich eine Idee. Ihr war klar, dass sie diese Aufgabe nicht allein bewältigen konnte. Die silberne Pfeife wollte sie aber auch nicht benutzen, obwohl es schon ein ziemlich großer Notfall war, der hier eingetreten war. Es gab sicher eine andere Lösung und dazu brauchte sie die Hilfe der größeren Waldtiere. Die kleinen Spatzen waren nicht stark genug, um die Sachen abzutransportieren. Da mussten stärkere Gesellen her. Clara war zuversichtlich bis zu dem Moment, in dem ihr einfiel:
Alles gut und schön, wenn wir Hilfe finden, aber wo sollen wir hin mit dem ganzen Müll?
Ein schwieriges Problem, das es zu lösen galt.
Einen Müllwagen gab es nicht im Wald, dafür könnten ihr die Tiere helfen, die stark genug waren. Aber wohin brachte denn der Müllwagen zu Hause eigentlich seine Ladung? Clara wusste es nicht und darüber hatte sie sich nie Gedanken gemacht. Gleich morgen würde sie die Mutter fragen, doch das half ihr heute nicht. Sie wollte ihre Aufgabe lösen und stand vor einem mächtig großen Problem.
„Kommt, wir suchen uns jetzt Hilfe“, schlug Clara vor. Sie war voller Tatendrang, auch wenn ihr im Moment noch nicht klar war, wie sie das Problem aus der Welt, besser gesagt aus dem Wald schaffen sollte.

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