18.11.2016

Ich habe das Ende der Woche herbeigesehnt, endlich Freitag! Am Wochenende werde ich hoffentlich ein wenig mehr schreiben können. Aber auch heute gibt es ein etwas längeres Stückchen von Claras Geschichte. Vorhin habe ich ein Kind gesehen, das meiner Clara sehr ähnlich ist, jedenfalls so, wie ich sie mir vorstelle. Vielleicht kann ich mal versuchen, sie auf irgendeine Weise dazustellen, also bildlich meine ich.

Teil 18
Lange tat sich gar nichts. Clara bekam Hunger. Sie ließ sich auf dem Waldboden nieder und packte ihr Proviantkörbchen aus. Hilda hatte wieder leckere Sachen eingepackt, Brot, Käse und Obst, sowie eine Kanne mit Tee. Clara probierte zuerst den Tee, der schmeckte köstlich. Noch nie hatte sie einen solchen Tee getrunken. Sie musste später Hilda fragen, aus welchem Kraut sie ihn gebraut hatte. Clara legte sich zurück ins Gras und schloss die Augen.
Plötzlich hörte sie seltsame Geräusche, die klangen, als ob ein Baby weinte. Die Geräusche wurden immer lauter und wie aus dem Nichts stand auf einmal ein kleiner Igel neben ihr.
„Na du“, sprach Clara ihn leise an. Der Igel antwortete nicht, begann nur noch lauter zu jammern.
„Was ist denn nur los?“, fragte Clara und streckte die Hand aus, um ihn zu streicheln.
„Halt, lass das“, kreischte der Igel und richtete seine Stacheln auf. Bedrohlich sah das aus, Clara erschrak.
„Ist schon gut, du kannst ja nichts dafür“, lenkte der Igel ein. „Ich habe meine Mutter verloren, sicher hat sie sich schon zum Winterschlaf hingelegt und ich wollte nur noch ein wenig spielen. Jetzt finde ich sie nicht mehr“, jammerte er. „Ich bin so dumm, so dumm!“
„Ach was, kleiner Igel, du bist doch nicht dumm. Du bist ein Kind und Kinder können die Zeit mal vergessen. Das kenne ich, bin ja auch ein Kind.“
„Und wo ist deine Mama?“, fragte der Igel mitleidig, er glaubte wohl, dass Clara auch nach ihrer Mutter suchte.
„Die ist zu Hause und schon bald bin ich wieder bei ihr. Aber zuerst müssen wir mal deine Mama suchen. Wo könnte sie denn sein, was meinst du?“
Der Kleine erklärte Clara, dass Igel einen Winterschlaf machen, und dass seine Mutter schon sehr müde gewesen sei, als er sie das letzte Mal gesehen hatte. Wo genau das war, das wusste er nicht mehr.
„Dann lass uns losgehen und sie suchen. Weit kann sie ja nicht sein, nicht wahr?“
Der Igel war verzweifelt, es kam ihm so vor, als habe er schon Stunden nach der Mutter gesucht.
„Aber … aber ich weiß doch nicht, wo sie ist.“
„Kannst du dich nicht an irgendein Merkmal erinnern, einen Baum, einen Strauch oder irgendetwas, das auffällig ist?“
„Nein, kann ich nicht!“ Jetzt begann der Igel wieder zu schreien und zu kreischen. Furchtbar hörte sich das an, Clara hielt sich die Ohren zu.
„Still jetzt, so kommen wir auch nicht weiter!“, ordnete sie an und überlegte, was sie nun tun sollten. Wenn doch nur Hermann da wäre, oder Hilda. Die könnten ihr sicher helfen. Doch es war ihre Aufgabe, die sie erfüllen musste und die Pfeife sollte sie nur im alleräußersten Notfall benutzen.
Der kleine Igel gähnte, so müde war er vom vielen Suchen und Jammern und außerdem stand ja auch der Winterschlaf bevor.
Kurzentschlossen legte Clara den Proviantkorb auf die Seite und ließ den kleinen Igel hineinkrabbeln.
„Ich habe viel länger Beine als du, die Suche wird also viel schneller gehen, wenn du mir sagst, wohin ich laufen soll. Wir werden deine Mutter schon finden, da bin ich ganz sicher“, tröstete Clara den Kleinen, der freudig zustimmte.
„Ja, so machen wir es. Ich erinnere mich an eine feine Birke, unter der eine Menge herrlich duftendes Laub lag. Vielleicht sollten wir diesen Baum zuerst finden und dann von da aus weitersuchen“, schlug er vor.
„Das hört sich gut an und es klingt schon viel hoffnungsvoller. Weißt du, man muss einfach daran glauben, dass etwas klappt, dann wird das auch was!“
Die Beiden liefen los, der Igel sagte Clara, in welche Richtung sie gehen sollte und zwischendurch rief er immer wieder nach seiner Mama. Das klang so durchdringend, dass auch andere Tiere des Waldes aufmerksam wurden und sich an der Suche beteiligten. Schließlich fanden sie die Birke und dann regte sich plötzlich etwas im Laubhaufen darunter.
„Wer macht denn hier so einen Lärm?“ Die Igelmutter steckte ihr Näschen in die Luft und schnupperte verschlafen.
„Ich bin es, Mama. Endlich haben wir dich gefunden!“, rief der kleine Igel voller Freude und plötzlich rollten die Tränen der Erleichterung.
„Ich habe mich verlaufen, aber Clara und die Tiere des Waldes haben mir geholfen, dich zu finden und da bin ich!“
„Danke schön, ihr Lieben“, die Igelmutter war glücklich, doch die Augen fielen ihr schon wieder zu, so müde war sie. „Komm jetzt schnell zu mir ins Laubbett!“, ordnete sie an, dann rollte sie sich zusammen und schlief augenblicklich wieder ein.
„Und wie soll ich jetzt einschlafen?“, klagte der Kleine, der daran gewöhnt war, dass seine Mutter ihm eine Geschichte erzählte vor dem Schlafengehen.
„Leg dich hin und ich erzähle dir das Märchen vom Hasen und dem Igel, die wird dir gefallen!“ Clara kannte glücklicherweise viele Geschichten, sie würde den kleinen Igel schon zum Einschlafen bringen. Doch kaum hatte sie die ersten Sätze gesprochen, da vernahm sie ein leises Schnarchen aus dem Laubhaufen. Er war eingeschlafen.
Die Tiere des Waldes, die sich rundum den Blätterberg versammelt hatten, wollten jedoch das Ende des Märchens noch hören und sie freuten sich über das Abenteuer und die Klugheit der beiden Igel in der Geschichte, bei der der Hase nicht ganz so gut wegkam. Aber die Waldkaninchen hatten Humor und konnten trotzdem gut mitlachen.
„Pst, nicht so laut, sonst wachen die beiden wieder auf!“, flüsterte Clara und dann löste sich die Versammlung der Igelretter auf, jedes Tier suchte seinen Bau oder sein Nest wieder auf und auch Clara wanderte zurück zu der Baumtür, die schon weit geöffnet war. Hilda erwartete sie sehnsuchtsvoll und an Hermann breitem Grinsen erkannte Clara, dass sie auch ihre zweite Aufgabe wieder gut erfüllt hatte. Es war so einfach gewesen, Clara war zufrieden und glücklich. Sie legte sich in den Sessel ihres Baumhauses und als sie erwachte, war es Morgen und sie lag in ihrem Bett, zuhause bei den Eltern und es duftete nach frischem Brot. Schnell hüpfte sie aus dem Bett und gesellte sich zu ihrer Mutter und Großmutter in der Küche. Sie behielt ihr nächtliches Abenteuer für sich und gleich nach dem Frühstück ging sie wieder hinaus in den Garten und sammelte Eicheln für Hildas Eichelkaffee. Die wollte sie in der nächsten Nacht mit in den Traumwald nehmen. Ob das glückte?

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Über Regina (klatschmohnrot)

Autorin
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2 Antworten zu 18.11.2016

  1. Eva Voigt schreibt:

    Gut, dass der kleine Igel wieder bei seiner Mama gelandet ist. Mal sehen, was Clara morgen erlebt. Liebe Grüße Eva

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