Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Weihnachtsgeschichte’

Zum Plätzchen backen bin ich in diesem Jahr gar nicht gekommen. Aber das macht nichts, ich habe nämlich immer mal wieder ein Tütchen Selbstgebackene geschenkt bekommen und die landen nun alle auf unserem Weihnachtsteller. So einfach von der Hand, wie dem Zauberer in der nächsten Geschichte geht es mir nämlich nicht, besser gesagt: mir fehlte die Zeit in diesem Jahr.

Der Zauberer Theodosius

„Ich bin ein Zauberer!“, rief der Weihnachtsmanngehilfe Theodosius und sprang einen halben Meter in die Höhe. „Ein großer Zauberer bin ich, jaja!“
Die anderen Gehilfen kicherten.
„Jetzt fängt er wieder mit diesem Blödsinn an!“, schimpfte Ambrosia, die das schon aus den vergangenen Jahren kannte. „Gleich zaubert er Weihnachtsgebäck und wir dürfen die Sache dann wieder ausbaden, weil wir, wie immer, in Verzug geraten werden!“
„Nun lass ihn doch, vielleicht hat er das Zaubern ja gelernt mittlerweile und wenn das so wäre, dann würde er uns jede Menge Arbeit ersparen“, meinte Klarina, die ein bisschen verliebt in Theodosius war.
Dankbar schaute Theodosius zu ihr hin und lächelte sie strahlend an und Klarina war hin und weg.
„Ihr nun wieder!“ Das war Ambrosia, die kopfschüttelnd die Backstube verließ. Sicher wollte sie wieder beim Weihnachtsmann petzen.
„Dann lass doch mal sehen!“, schlug Klarina vor und klopfte Theodosius aufmunternd auf die Schulter. „Was zauberst du uns zuerst?“
„Ja, ja!“, riefen auch die anderen. „Zeig, was du kannst!“
„Okay, dann mal los!“, sagte Theodosius. „Man stelle fünf Schüsseln auf den Tisch, alle müssen die gleiche Größe haben!“, ordnete er an.
Sogleich stellten die neugierigen Gehilfen fünf Schüsseln bereit. Dann sahen sie Theodosius erwartungsvoll an.
Der murmelte ein paar unverständliche Worte, hielt die Hände über jede Schüssel und wartete.
Dann rief er: „Okay, nun brauche ich eine riesige Schüssel, viel größer als die fünf anderen!“
Klarina holte eine große Schüssel aus dem Regal und stellte sie zu den anderen.
„Danke, du Liebe!“, schmeichelte Theodosius. „Nun werden die kleinen Schüsseln befüllt, in eine kommt viel Butter, in die nächste viel Zucker, in die nächste doppelt so viel Mehl, in die vierte gemahlene Mandeln und in die fünfte eine Prise Salz, ein wenig Vanillemark, etwas Zimt und Kardamom!“, ordnete er an.
„Der schmiert uns doch an!“, flüsterte Bella, eine der Kleinsten.
„Pst!“, machte Klarina und legte den Zeigefinger auf die Lippen. „Stör ihn nicht!“
Als alle Zutaten verteilt waren, die Gehilfen hatten sich echt beeilt, murmelte Theodosius ein paar Worte in die leere Riesenschüssel, hob die Hände, schloss die Augen und rief dann:
„Vereinigt euch, ihr leckeren Dinge, dass euer Geschmack uns Freude bringe!“
Dann wurde es ganz still, man hätte eine Stecknadel fallen hören können, so still wurde es. Aber – es geschah nichts.
„Und jetzt?“, fragte Klarina in die Stille hinein.
Theodosius kratzte sich am Kopf. „Mmh, da muss ich wohl eine wichtige Zutat vergessen haben!“, murmelte er und ging die Zutatenliste im Kopf noch einmal durch.
„Ich hab’s, alles muss nun in die große Schüssel!“, rief er.
„Klar, das hätte ich dir auch sagen können!“ Klarina schüttelte den Kopf. Wollte er sie etwa für dumm verkaufen? So viel Frechheit hatte sie ihm nun doch nicht zugetraut und ein Fünkchen Hoffnung, dass der Zauber noch käme, wenn erst alle Zutaten in der Riesenschüssel wären, blieb noch. Also füllte sie alles, Butter, Zucker, Mehl, Mandeln und Gewürze in die Riesenschüssel und wartete.
Und sie wartete und wartete, nichts tat sich. Wie auch?
Klarina fing an, den Teig zu kneten, dann formte sie kleine Kugeln und die anderen Gehilfen gingen ihr zur Hand. Sie rollten den Teig aus, stachen Sterne aus und legten die Teigstücke auf die großen Backbleche. Der Ofen wurde angeheizt und nach und nach wurden die Bleche in den heißen Ofen geschoben. Ein köstlicher Duft breitete sich aus, der weit bis über die Backstube hinaus zu riechen war.
Während alle zusammen mit dem Verzieren der Plätzchensterne beschäftigt waren, kam auch Theodosius zurück.
„Es hat funktioniert!“, rief er begeistert aus. „Plätzchen backen, ohne einen Finger zu bewegen! Ich bin ein großer Zauberer!“

© Regina Meier zu Verl
 

Read Full Post »

17. Dezember

Den zweiten Teil der Geschichte des kleinen Engels hatte ich euch vorgestern versprochen. Hier ist er nun: (Teil 1 ist HIER)

Silver, der kleine Engel (Teil 2)

Hoch am Himmel flog Silver, der kleine Engel. Nach langer Zeit der Traurigkeit fühlte er sich heute richtig wohl, nachdem ihm die Begegnung mit dem Fuchs die Augen geöffnet hatte. Er schaute hinab auf die kleine Stadt unter ihm, die weihnachtlich beleuchtet war, denn es waren nur noch ein paar Tage bis zum Weihnachtsfest. Überall in den Gärten standen beleuchtete Tannenbäume und in den Fenstern strahlte heller, warmer Kerzenschein.
Silver ließ sich ein wenig mehr nach unten gleiten, weil ihm so gefiel, was er da sah. Plötzlich hörte er seinen Namen.
„Silver“, rief eine leise Stimme. „Flieg hinab zur Erde, du wirst gebraucht!“
„Aber wohin soll ich fliegen?“, fragte Silver aufgeregt. Er spürte, dass sich Gabriels Vorhersage nun bald erfüllen würde.
„Lass dich einfach fallen, dann wirst du schon wissen, was zu tun ist“, sagte die Stimme.
Silver tat, wie ihm geheißen. Langsam sank er immer tiefer und tiefer hinab und plumpste plötzlich in den weichen Schnee direkt am Rand des Marktplatzes.
War das ein Trubel, viele Menschen gab es hier, Buden mit Süßigkeiten, sogar ein Kinderkarussell. ‚Das muss ein Weihnachtsmarkt sein!‘, dachte Silver und schaute sich neugierig um.
Mitten auf dem Platz tanzten Kinder auf einer Eisfläche einen Schlittschuhtanz. Wie lustig das aussah, gern hätte Silver ein wenig mit den Kindern herumgetollt, aber er hatte auch ein wenig Angst davon, was passieren würde, wenn man ihn entdeckte.
Ein kleines Mädchen saß am Rand der Eisbahn. Es weinte. Niemand kümmerte sich um die Kleine.
Sofort spürte Silver, dass er eingreifen musste. Wo waren denn nur die Eltern des Mädchens und warum bemerkte niemand, dass es weinte?
Sanft nahm er die Hand des Mädchens und sprach es an.
„Warum weinst du? Hast du dir weh getan?“, fragte er leise.
„Nein, aber ich bin ganz allein!“, stammelte die Kleine.
Das war nicht gut, gar nicht gut. Er flüsterte dem Mädchen etwas ins Ohr, hob sich in die Luft und versuchte, die Eltern des Kindes ausfindig zu machen. Er würde sie schon erkennen, ganz bestimmt.
Er entdeckte eine Frau, die sich suchend umschaute. Silver landete neben ihr und sprach sie an, doch die Frau hörte ihn nicht. Er zupfte an ihrem Mantel. Die Frau reagierte nicht.
„Silvia!“, rief sie laut. „Wo bist du denn nur?“
„Aha!“ rief Silver. „Dann bin ich wohl Silvias Schutzengel!“ Er nahm die Hand der Frau und zog sie über den Marktplatz in Richtung Eisbahn. Die Frau folgte ihm und rief immer wieder Silvias Namen und endlich sah sie ihre Tochter, die ihr aufgeregt zuwinkte.
„Mama!“, rief sie. „Ich war hier ganz allein und wusste nicht wo du bist!“
Die Frau schloss das Kind in ihre Arme.
„Ich habe so geweint, doch dann kam dieser Engel und da wusste ich, dass alles wieder gut wird!“, sagte Silvia.
„Engel?“, fragte die Frau. „Welcher Engel denn, fantasierst du wieder?“ Sie fühlte die Stirn ihrer Tochter. „Fieber hast du aber nicht!“
„Der Engel, der da neben dir steht, du hattest ihn an der Hand, als du mich gefunden hast!“, erklärte Silvia.
Die Mutter lachte. „Engel, die gibt es nur im Märchen!“, sagte sie. „Aber jetzt ist ja alles wieder gut!“
Silver lächelte. Das Kind hatte ihn gesehen, die Mutter nicht. Das war wohl das Zeichen dafür, dass er, Silver, wirklich der Schutzengel der Kleinen war.
„Silvia und Silver!“, flüsterte er und hauchte dem Mädchen einen zarten Kuss auf die Wange.
„Ja, wir beide!“, flüsterte das Kind. „Bleibst du jetzt bei mir?“
„Ja, immer!“, versprach Silver.
„Mit wem redest du?“, fragte die Mutter verwundert.
„Das ist mein Geheimnis“, antwortete Silvia und sie hat niemandem verraten, dass von da an der Engel Silver stets an ihrer Seite war.
Ja, so war das!

Read Full Post »

7. Dezember

Hinter einem weiteren Türchen im Adventskranz verbarg sich ein Engel. Wir hatte nun schon die Glocken, das Schufchen … äh, Schäfchen meine ich, die Gänse Gabriel und Günter, die kleine weiße Kerze und Oma Sockes Geheimnis, worum geht es denn heute?
Das scheint nur so

Willi war gerade mal zehn Jahre alt, als es zum ersten Mal passierte. Er maß dem keine Bedeutung bei, erst viel später erinnerte er sich daran.
Auf dem Schulhof war die kleine Grete heftig gestürzt. Ihr Knie blutete und sie weinte jämmerlich. Um sie herum stand eine Traube von Kindern. Keines wusste, was zu tun war und der Lehrer Zimmermann war gerade mit einer Rangelei der älteren Jungen beschäftigt. Willi, der Grete kannte, weil sie in seiner Nachbarschaft wohnte, trat zu ihr und beruhigte sie mit leisen Worten.
„Ist nicht so schlimm, komm, leg deine Hände um meinen Hals, dann trage ich dich zum Sekretariat. Dort wird man dein Knie versorgen.“
Grete legte die Hände auf Willis Schulter und ließ sich von ihm tragen, die anderen Kinder traten einen Schritt zurück und ließen die beiden durch. Die nette Schulsekretärin säuberte die Wunde und legte einen Verband an. Grete weinte, aber Willi wich nicht von ihrer Seite. Das tat gut!
„Danke, Willi, du bist ein Engel!“, flüsterte Grete in sein Ohr, als sie später gemeinsam zum Klassenraum gingen.
„Das scheint nur so!“, sagte Willi beschämt, aber er freute sich auch, denn Engel sind ja etwas Schönes und für Grete wollte er gern ein Engel sein und sie beschützen, wenn es nötig war.

Ein anderes Mal hatte sich die Nachbarin aus ihrer Wohnung ausgesperrt. Da stand sie mit ihrem Baby vor der Tür und wusste nicht, was sie machen sollte. Ein Handy hatte sie nicht, das gab es damals noch nicht und weit und breit war kein Mensch zu sehen, der ihr hätte helfen können. Willi kam gerade vom Fußball zurück, es war kalt und er freute sich auf ein heißes Bad, als er die Nachbarin entdeckte, die verzweifelt ausschaute und deren Baby jämmerlich weinte.
„Was ist passiert?“, rief er ihr zu und wechselte die Straßenseite, um ihr näher zu sein.
„Ich habe mich ausgesperrt und nun weiß ich nicht, was ich machen soll. Das Baby hat Hunger und mein Mann kommt erst am Abend heim. Sowas Dummes aber auch!“ Die Frau weinte nun auch, nicht so laut wie das Kind, aber doch mit dicken Tränen.
Willi lud die Frau ein, mit zu ihm zu kommen. „Meine Eltern sind zwar nicht zu Hause, aber das geht schon in Ordnung, wir kennen uns doch!“, sagte er. „Vielleicht können Sie ihren Mann anrufen!“, schlug er vor und schloss die Haustür auf.
„Danke, Willi!“, sagte die Frau, als sie kurze Zeit später in der warmen Stube von Willis Eltern saß und ihr Baby stillte. Willi war etwas verlegen, aber was sein musste, musste sein.
Als die Nachbarin nach einer Stunde von ihrem Mann abgeholt wurde, sagte sie: „Willi, du bist ein Engel!“ Verlegen antwortete er: „Das scheint nur so!“

So zogen sich kleine Hilfestellungen für anderen durch Willis Leben. Er heiratete, wurde Vater und engagierte sich in Kindergarten und Schule und immer wieder gab es Ereignisse, nach denen andere zu ihm sagten: „Willi, du bist ein Engel“ und stets antwortete er: „Das scheint nur so!“

Einmal saß er in der Kirche und hörte aufmerksam den Worten des Pastors zu, der sagte: „Engel sind mitten unter uns. Man erkennt sie nicht an ihren rauschenden Goldhaaren oder weißen Gewändern. An ihren Handlungen kann man sie wahrnehmen und ihre Anwesenheit spüren. Sie sind an unserer Seite und beschützen und helfen uns.“
Willi wurde verlegen, als seine Frau seine Hand nahm und fast unmerklich nickte, so als wollte sie sagen: „Willi, du bist mein Engel!“ Willi lächelte und zum ersten Mal fühlte er keinen Widerspruch in sich. Gern wollte er ihr Schutzengel sein und er war es immer für sie und viele andere gewesen. Daran sollte sich nichts ändern.
Und das tat es auch nicht und so, wie wir alle eines Tages gehen müssen, musste auch Willi im hohen Alter diese Welt verlassen. Als er die Himmelspforte erreichte und Petrus zu ihm sagte:
„Willi, du bist ein Engel!“, widersprach er nicht. „Ja, das bin ich!“, antwortete er und macht sich auf, im Himmel nach seinen Angehörigen zu suchen, die ihm vorausgegangen waren.

Read Full Post »

Der Fremde in der Hütte

Jana hatte das schönste Zimmer im Haus. Oben unter dem Dach lag es und zum Giebel hinaus zeigte das Fenster. Einen weiten Blick hatte man von dort, bis hinunter ins Tal konnte man schauen. Papa hatte eine hohe Sitzbank gebaut, die über dem Heizkörper stand. Von Oma hatte sie bunte Sitzkissen bekommen. Auf der Bank saß Jana gern, wenn sie las oder einfach träumte. Gemütlich war das und schön warm.
Es war Advent und Jana hatte das Fenster mit Strohsternen geschmückt. Rundherum leuchtete eine Lichterkette, denn Mama erlaubte keine echten Kerzen im Kinderzimmer.
In der Schulbibliothek hatte Jana einige Bücher mit Weihnachtsgeschichten ausgeliehen und jeden Abend las sie eine Geschichte bevor sie ins Bett ging. So auch an diesem Abend.
Von Maria und Josef las sie und von deren vergeblicher Suche nach einer Herberge. Jana fand das so ungerecht, wo doch Maria das Jesuskind unter ihrem Herzen trug. Ob die Menschen damals dem Paar Unterschlupf gewährt hätten, wenn sie gewusst hätten, dass dieses Kind kommen würde, um Gottes Wort zu verkünden? Sie kam zu dem Schluss, dass auch das nichts geholfen hätte, denn die meisten Menschen glaubten nur das, was sie sahen oder was sich beweisen ließ. Jana seufzte. Sie war ja auch nicht besser. Immer hinterfragte sie alles und in die Kirche ging sie auch nur, weil die Eltern es wollten.
Nachdenklich klappte Jana das Buch zu und zog den Stecker der Lichterkette aus der Dose. Sie schaute in den Himmel, an dem heute kein einziger Stern zu sehen war. Dann wanderte der Blick ins Tal. Jana erschrak. War da nicht ein Licht in der Hütte des alten Hinnerk? Wie konnte das sein? Der Hinnerk war doch im letzten Jahr gestorben und seitdem stand die Hütte leer. Aufgeregt lief Jana die Treppe hinunter und stürmte ins Wohnzimmer.
„Mama, Papa, bei Hinnerk brennt Licht, kommt schnell. Das müsst ihr sehen, sonst glaubt ihr mir nicht!“
„Langsam, junge Dame, sicher hast du dich getäuscht. Hast wohl wieder zu lange gelesen und siehst Dinge, die nicht sein können!“
Papa legte aber trotzdem sein Buch zur Seite und erhob sich.
„Dann lass uns mal gucken!“
Zu dritt gingen sie nach oben und schauten aus dem Fenster.
„Tatsächlich, ich sehe es auch. Das ist ja seltsam!“, rief Mama und auch Papa bestätigte die Entdeckung.
„Ich werde morgen mal runtergehen und schauen, was da los ist. Jetzt ist es zu spät und was soll schon passieren. Vielleicht hat sich dort nur jemand einquartiert, der in den Bergen unterwegs war und nicht mehr rechtzeitig nach Hause gekommen ist, bevor es dunkel wurde. Jetzt geh schlafen, Jana. Ich kümmere mich morgen drum!“, versprach er.
Jana konnte lange nicht einschlafen, immer wieder schlüpfte sie aus dem Bett und schaute nach dem Licht. Es war weit nach Mitternacht, als es erlosch.
Am nächsten Morgen, gleich nach dem Frühstück, machte sich Janas Vater auf den Weg zur Hütte. Trotz Betteln und Drängen durfte Jana nicht mitgehen, wo doch Sonntag war und sie nicht zur Schule musste. Es blieb ihr also nichts anderes übrig, als oben am Fenster zu sitzen und zu schauen, wie der Vater ins Tal wanderte und bald darauf schon wieder zurückkam.
Schnell zog Jana die dicken Stiefel an und ihre Jacke und dann lief sie ihm entgegen.
„Und?“, rief sie schon von Weitem.
Doch Papa wehrte ab. „Gleich!“, rief er. Jana konnte es kaum erwarten. Völlig außer Atem kam sie bei ihm an und sah ihn fragend an.
„Die Hütte war verschlossen. Ich habe geklopft und an der Tür gerüttelt, es tat sich nichts. Dann habe ich durch jedes Fenster geschaut und ich glaube, dass drinnen alles unverändert ist. Wenn ich nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, dass da Licht war, dann wäre alles in Ordnung, aber so weiß ich nicht, was wir unternehmen sollten!“
Jana zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es auch nicht, vielleicht sollten wir einfach abwarten, ob heute Abend wieder Licht dort ist und dann können wir ja überlegen, was zu tun ist.“
Mama erwartete die beiden gespannt und ließ sich auch erzählen, was der Vater festgestellt hatte. Gemeinsam beschlossen sie, den Abend in Janas Zimmer zu verbringen, damit sie die Hütte im Auge behalten konnten.
Am Abend versammelten sie sich dann im Dachzimmer. Es gab Kakao und Kekse. Papa las eine Weihnachtsgeschichte vor. Sie handelte vom kleinen Schneemann, der sich so allein fühlte. Jana kamen die Tränen, so leid tat er ihr.
„Es ist ja auch ganz schrecklich, wenn man niemanden hat“, schluchzte sie und umarmte ihre Eltern. „Wie froh bin ich, dass ich euch habe und Oma und Opa und die Freunde und alle eben …“
„Da!“, rief Papa plötzlich. „Da ist es wieder, das Licht!“
Gebannt starrten die Drei in die Dunkelheit und sahen ein schwaches Licht an der Stelle, wo Hinnerks Hütte lag.
„Ob Hinnerks Geist zurückgekommen ist?“, flüsterte Jana.
„Na, das glaube ich weniger. Vielleicht ist es ein Obdachloser, der sich nachts dort versteckt. Wir sollten die Polizei rufen!“, meinte Papa, erntete aber gleich Protest von seinen beiden Frauen.
„Und wenn schon, dann ist es eben so!“, sagte Mama besänftigend. „Er tut uns doch nichts!“
Das fand Jana auch, trotzdem war sie noch immer beunruhigt.
„Aber er hat doch gar nichts zu essen dort und kalt ist es auch.“
„Ihr meint doch nicht etwa, dass wir ihn noch füttern sollten und ihm Feuerholz bringen?“, fragte Papa ärgerlich.
„Warum denn nicht? Es ist bald Weihnachten!“ Mama hatte ein großes Herz und war in Gedanken schon dabei, einen Korb mit Leckereien zu packen. „Aber zuerst mal müssen wir wissen, ob sich dort wirklich jemand versteckt. Ich denke, dass wir morgen noch einmal nachschauen sollten und vielleicht kann ich einfach mal ein paar Kekse hinstellen und dann sehen wir ja, ob jemand da war, der Hunger hatte.“
Am nächsten Tag gingen die Eltern gemeinsam zur Hütte. Jana musste ja in die Schule, was sie sehr ärgerte. Zu gern hätte sie ihre Eltern begleitet. Ein Korb mit Keksen und einer Thermoskanne Kaffee wurde mitgenommen. Eine Kerze und ein Päckchen Streichhölzer legte Papa noch dazu. Für den Abend verabredeten sich alle wieder in Janas Zimmer, um die Sache aus der Ferne zu beobachten.
Und siehe da, wieder erschien das Licht, diesmal sogar etwas heller als an den beiden vergangenen Tagen.
„Er hat die Kerze gefunden!“, sagte Papa.
„Dann wird er auch die Plätzchen essen“, meinte Mama und ärgerte sich insgeheim, dass sie nicht den Rest des Sonntagsbratens dazu gepackt hatte.
Am nächsten Morgen, die Familie saß beim Frühstück, klopfte jemand am Küchenfenster. Mama erschrak so heftig, dass sie sich am Kaffee verschluckte. Ein Mann schaute durch die Scheibe, einer mit weißem Bart und langen Haaren. Er lächelte freundlich und hob den Picknickkorb hoch, den die Eltern am Vortag in der Hütte hatten stehen lassen.
„Der Nikolaus!“, stammelte Jana und wurde ganz blass.
Papa deutete dem Mann, ums Haus herum zu kommen, er wollte ihm die Tür öffnen. Das tat er dann auch. Eine tiefe Stimme erklang und bald darauf lachten die beiden Männer herzlich.
„Das gibt es doch nicht!“, rief Papa immer wieder. „Dass ich das noch erleben darf!“
„Er ist’s wirklich“, flüsterte Jana und Mama, die sich ein wenig erholt hatte von dem Schrecken nickte. „Ja, er ist’s!“
In diesem Moment betrat Papa die Küche und ihm folgte der Mann. Jana wäre am liebsten unter die Eckbank gekrochen, aber sie traute sich nicht von der Stelle.
„Darf ich vorstellen?“, sagte Papa. „Das ist Johann, der Sohn vom alten Hinnerk. Wir haben früher oft zusammengespielt. Als wir älter waren, haben wir uns aus den Augen verloren, denn Johann ist nach Amerika ausgewandert. Nun ist er zurückgekommen und hat die letzten Nächte in der Hütte seines Vaters verbracht.“
„Ich habe den lieben Gruß von Ihnen gestern Abend vorgefunden, dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken!“ Johann reichte Mama die Hand und dann Jana, die mittlerweile wieder etwas Farbe im Gesicht bekommen hatte.
„Das ich das noch erleben durfte!“, sagte Papa zum wiederholten Male. Alle lachten und am lautesten lachte Papa selbst.

© Regina Meier zu Verl

Die Bilder hat mir meine Freundin Marion zur Verfügung gestellt.

Read Full Post »

2013-10-08-20-31-52

Fynns Trecker

Fynn hat vor ein paar Tagen im Schaufenster des Spielzeugladens einen Trecker gesehen, an den er immerzu denken muss.
„Hätte ich doch so einen Traktor“, denkt er, „dann könnte ich Onkel Heiner auf dem Hof helfen.“
Man kann richtig drauf sitzen und es gibt sogar ein Güllefass und einen Ladewagen dazu. Fynn hilft oft seinem Onkel nach der Schule, aber mit einem eigenen Trecker könnte er viel mehr machen.
Am Nachmittag spricht er mit Mama und erklärt ihr, welche Vorteile es hätte, wenn er den Trecker bekommen würde.
„Wünsch ihn dir zu Weihnachten!“, schlägt sie vor und geht wieder an ihre Arbeit.
Papa werkelt in der Garage und hat grad gar keine Zeit. „Lass uns später drüber reden, oder wünsch ihn dir einfach vom Christkind!“ sagt er und krabbelt wieder unter das Auto.
„Erwachsene sind blöd und schieben es immer auf andere“, denkt Fynn und beißt sich auf die Unterlippe. Dann kommt ihm Oma in den Sinn. Die schickt ihn zu Onkel Heiner und der hat Zeit für Fynn. Er kocht sich einen Kaffee und für Fynn einen heißen Kakao und dann setzen sich die beiden Männer an den Küchentisch und beratschlagen, wie Fynn zu seinem Traktor kommen könnte.
„Stimmt schon, ich kann deine Hilfe gut gebrauchen, aber die Ernte ist eingefahren und die Felder sind gepflügt. Die Arbeit die jetzt im Winter anfällt, kann ich gut allein bewältigen. Allerdings ist im Frühjahr dann wieder dein Einsatz gefragt. Das bedeutet, dass es früh genug wäre, wenn dein Wünsch zu Weihnachten erfüllt würde. Ich spreche mal mit dem Christkind.“
Damit kann Fynn etwas anfangen. Endlich mal einer, der handeln will und ihn nicht auf später vertröstet. „Wie willst du das denn machen? Hast du die Telefonnummer?“, will er von Heiner wissen.
Der Onkel kratzt sich den Kopf und denkt lange nach, bevor er antwortet: „Wir schreiben eine Email, das müsste hinhauen!“
Fynn ist zufrieden. Heiner hat ihm einen Ausdruck von der Email gemacht. Darin steht:
Liebes Christkind,
mein fleißiger Gehilfe Fynn, von Müllers nebenan, der mir immer bei der Hofarbeit hilft, braucht einen Trecker – ganz dringend braucht er ihn. Kann man da was machen?
Um Antwort wird gebeten,
dein Heiner Finkebach aus Vorderstedt
Jeden Tag fragt Fynn nun bei Heiner nach, ob das Christkind schon geantwortet hat. Nach einer Woche ist es endlich soweit:
Lieber Heiner Finkebach,
deine Email ist angekommen, ich werde schauen, was ich machen kann. Grüße an den kleinen Fynn und fröhliche Weihnachten.
Das Christkind
Am Heiligabend ist Fynn gespannt auf seine Geschenke. Natürlich rechnet er damit, einen Trecker zu bekommen, doch als er die liebevoll verpackten Pakete sieht, ist keines dabei, das auch nur annähernd die Form seines Traktors hat. Fynn ist enttäuscht und mag gar nicht anfangen mit dem Auspacken.
Als es an der Tür schellt, bleibt er ganz einfach traurig sitzen und lässt Mama hingehen. Dann hört er im Flur Onkel Heiners Stimme.
„Das ist bei mir angekommen, wir hatten wohl vergessen, die richtige Adresse anzugeben und das Christkind hat diese Kiste bei mir abgestellt!“
Wie der Wind rennt Fynn in den Flur und springt dem Onkel Heiner auf den Arm, dann küsst er seine Mutter, rennt in die Stube und knuddelt den Papa.
Alle gemeinsam packen das große Geschenk aus und als der Trecker endlich vor ihm steht, weint Fynn vor Freude ein paar Tränen.
Dann setzt er sich den Trecker und fährt direkt in die Stube, beinahe wäre er der Katze über den Schwanz gefahren.
Dieses Weihnachtsfest wird Fynn nie vergessen und er freut sich schon auf die Arbeit auf dem Bauernhof. Das Christkind ist einfach klasse!
© Regina Meier zu Verl

Read Full Post »

IMG_20171228_100249214_HDR

Ein Licht in der Dunkelheit

Es war einmal, vor langer Zeit, als es noch kein elektrisches Licht gab und die Menschen an den Winterabenden früh zu Bett gingen, ein Mädchen, das fürchtete sich vor der Dunkelheit. Es mochte nicht allein in seinem Bett schlafen und wenn es doch einmal für eine Weile allein war, dann weinte es sich in den Schlaf.
„Wir müssen uns etwas überlegen!“, sagte die Mutter eines Tages zum Vater. „Es kann nicht angehen, dass unsere Anne jede Nacht in unserem Bett schläft. Wir brauchen doch auch unsere Ruhe, wenn wir den ganzen Tag schwer arbeiten! Außerdem müssen wir das Weihnachtsfest vorbereiten und was wäre die schönste Überraschung, wenn sie schon vor dem Heiligen Abend entdeckt würde?“
Der Vater nickte zustimmend, aber eine Idee, wie man das Problem lösen könnte, hatte er auch nicht.
„Eine Kerze können wir nicht in ihr Zimmer stellen, das wäre viel zu gefährlich“, meinte er und kratzte sich am Kinn. „Das Haus ist aus Holz gebaut und würde lichterloh brennen, wenn die Kerze umfiele oder gar Funken versprühen würde!“
„Das ist wahr, aber gibt es denn gar keine Möglichkeit, doch etwas Licht ins Zimmer der kleinen Anne zu bringen?“ Die Mutter seufzte und legte einen Scheit Holz in den Ofen, der für eine gemütliche Wärme sorgte.
Die Großmutter hatte die Unterhaltung mit angehört.
„Ihr müsst eurem Kind ein Gefühl von Sicherheit vermitteln, damit es merkt, dass es niemals allein ist. Dann wird es sich auch in der Dunkelheit nicht mehr fürchten!“, sagte sie.
„Aber wie sollen wir das machen?“, fragte die Mutter.
„Denk doch einmal daran, wie es war, als du selbst noch ein Kind warst!“, riet die Großmutter und lächelte. „Weißt du nicht mehr, wieviel Angst du selbst hattest?“
Die Mutter dachte eine Weile nach, dann ging ein Strahlen über ihr Gesicht.
„Ich weiß nun, was zu tun ist“, verkündete sie und verließ das Zimmer.
Als sie nach einer Weile das Kinderzimmer betrat, bat das Kind:
„Bitte lösch die Kerze noch nicht, ich fürchte mich so und mag nicht allein im Dunklen sein!“
Die Mutter setzte sich zur Tochter auf das Bett und erzählte:

Als ich so alt war wie du, da habe ich auch Angst vor der Dunkelheit gehabt. Eines Abends erzählte mir meine Mutter eine Geschichte, an die ich mich erst heute wieder erinnert habe. Ich werde sie dir nun erzählen, so gut ich kann, denn genau erinnere ich mich nicht mehr an den Wortlaut. Also, pass auf:
In einer kleinen Stadt lebte eine arme Familie. Der Vater war schwer erkrankt und da man nicht wusste, wie lange er noch zu leben hatte, versuchte man, ihm jeden Wunsch zu erfüllen, den er äußerte. Eines Tages wünschte sich der Vater einen Tee, der mit dem Wasser seiner Heimat zubereitet sein sollte. „Dann wird es mir schon wieder besser gehen!“, meinte er.
Da die Mutter ihren Mann nicht allein lassen konnte, beschloss der Sohn, sich aufzumachen und Wasser aus der Heimat des Vaters zu holen. Er wanderte Tag und Nacht. Es war kalt und in den Nächten fürchtete er sich. Er hatte noch nicht viel von der Welt gesehen und wusste nicht, welche Gefahren ihm begegnen könnten.
‚Hätte ich doch nur ein Licht‘, dachte er, ‚dann wäre die Angst nicht so groß!‘
Eines Nachts, er wanderte gerade durch einen Tannenwald, verließ ihn der Mut. Er war kurz davor umzukehren und er weinte bitterlich, weil das den sicheren Tod seines Vaters bedeuten würde. Die heißen Tränen liefen über sein Gesicht. Da hörte er eine Stimme:
„Junge, du bist nicht allein. Du kannst mich nicht sehen, aber ich bin immer bei dir!“, sagte diese sanfte Stimme. Sofort fiel alle Angst und Verzweiflung von dem Jungen ab.
„Wer bist du?“, flüsterte er.
„Ich bin dein Schutzengel!“, sagte die Stimme. „Ich weiß, dass du Wasser für deinen Vater holen willst, du bist schon fast am Ziel, gib nicht auf! Es wird schneien heute Nacht, warte, bis der Schnee den Boden der Lichtung vor dir bedeckt, dann nimm etwas von dem frischen Weiß und trage es nach Hause, es ist das Wasser der Heimat deines Vaters. Unter dem Schnee wirst du einen Stein finden, er ist mein Geschenk an dich!“
Es dauerte gar nicht lange, da fielen dicke weiße Flocken vom Himmel und schon bald war der Boden schneebedeckt. Der Junge füllte den frischen Schnee in einen Topf, den er mitgenommen hatte und an der Stelle, von der er genommen hatte, fand er einen glatten Kieselstein, der die Form eines Herzens hatte. Er nahm ihn und steckte ihn in seine Hosentasche, dann rief er ein lautes „Danke“ in den Wald und machte sich auf den Heimweg.

Die Mutter fasste in ihre Schürzentasche und holte einen flachen Kieselstein hervor. Den drückte sie Anne in die Hand.
„Schau, das ist der Stein, den der Junge damals von seinem Schutzengel bekommen hat. Ab jetzt soll er dir gehören!“
Fasziniert betrachtete das Kind den Stein, in dem kleine goldenen Funken eingeschlossen waren. „Er leuchtet!“, rief es. „Schau doch nur!“
Die Mutter lächelte. „Ja, er leuchtet und wenn du ihn bei dir trägst, dann kann dir nichts geschehen.“
„Und Mama, ist der Vater wieder gesund geworden?“, wollte Anne wissen.
„Das weiß ich nicht, aber ich weiß, dass er sehr glücklich war, als der Sohn nach Hause kam. Dieser hat den Stein immer bei sich getragen und irgendwann hat er ihn deiner Oma geschenkt und von der habe ich ihn bekommen. Jetzt gehört er dir und er wird immer auf dich aufpassen!“
Doch das hörte Anne nicht mehr. Mit einem seligen Lächeln, den Stein in der Hand, war sie eingeschlafen und fortan fürchtete sie sich nicht mehr in der Dunkelheit.

© Regina Meier zu Verl 2018

Read Full Post »

Gruß von Vater. einfach anklicken

Eine Weihnachtsgeschichte, da ich zum Bloggen kaum komme momentan – aber ich lese und schaue und ich freue mich auf ein paar freie Tage, bald ist es ja soweit!

Read Full Post »