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Posts Tagged ‘Verlust’

Nichts bleibt wie es ist …

Das ist einerseits gut, aber manchmal stoßen uns Veränderungen von unserem sicher geglaubten Sitz. So auch hier gerade. Ich musste mich verabschieden von unserem Enkelhund, der drei Jahre bei uns wohnte, zuvor bei meiner Schwiegertochter, die Senta dann an uns abgegeben hat, als sie mit ihrem neuen Lebensgefährten ihr zweites Kind bekommen hat. Senta war fast 13 Jahre alt und zuletzt sehr krank – nun ist sie über die Regenbogenbrücke gegangen und wir sind sehr traurig.

Ich höre sie noch überall, ertappe mich dabei, dass ich die Leine hole, um mit ihr zu gehen. Liebgewordene Pflicht, belohnt mit unbändiger Liebe und Vertrauen. Ich vermisse sie so sehr!

Viele fragen, ob wir uns nicht einen neuen Hund holen wollen, es gibt ja so viele, die in den Tierheimen darauf warten, eine neue Familie zu bekommen. Doch darüber denken wir nicht nach, wir fühlen uns zu alt, um noch einmal die Verantwortung für ein Tier zu übernehmen, das uns möglicherweise überleben könnte – und dann?

Einen älteren Hund möchten wir auch nicht „adoptieren“, denn der Schmerz sitzt noch zu tief …

Mein Schreibmonat November ist also zu einem Trauermonat geworden. Erst gestern habe ich wieder angefangen ein paar Zeilen zu schreiben, nachdem am Samstag mein Computer gezickt hat und dann endgültig nicht mehr zu gebrauchen war. Jetzt habe ich ein neues Notebook und arbeite mich gerade wieder ein. Noch hält die Freude darüber sich in Grenzen.

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Alles hat ein Ende …

 

Wütend stampfte Gina mit dem Fuß auf. Das durfte doch nicht wahr sein, gerade jetzt, wo sie das Teil so dringend brauchte, ging es kaputt. Viele Jahre war es ihr ein guter Freund gewesen und nun?

Gina nahm das hässliche eiförmige Gerät und betrachtete es von allen Seiten. Dass Kunststoff nach Jahren porös werden konnte, war ihr nicht bewusst gewesen. Sie hatte es doch stets mit Sorgfalt behandelt. Drei bis vier Mal am Tag kam es zum Einsatz und nun war es kaputt. Vielleicht konnte man es kleben?

In der Krimskramsschublade fand sie keinen Kleber. Gina war den Tränen nah. Verflixt und zugenäht!

Nun würde sie doch warten müssen bis der Göttergatte nach Hause kam. Oder sollte sie doch gleich losfahren und für Ersatz sorgen? Schließlich war es ihr Geheimnis, dass sie sich auf so ein blödes Hilfsmittel verließ, wenn sie mal wieder eine Blockade hatte. Vielleicht war aber auch der Zeitpunkt gekommen neue Wege zu gehen. Das Teil entsorgen, so wie sie es mit den Schnullern ihrer Kinder gemacht hatte – im Garten beerdigen und dabei ganz fest daran glauben, dass man ohne zurechtkommen würde. Wer war sie denn, dass sie sich abhängig machte von einem hässlichen Plastikteil?

„Hund, komm her, wir machen einen Spaziergang!“, rief Gina und stand auf. Die in die Jahre gekommene Hundedame Senta sah sie fragend an. Was war das denn für ein Ton? Hund? Ich habe auch einen Namen, dachte sie, erhob sich aber gemächlich, streckte sich und wedelte verhalten mit dem Schwanz. Gina legte ihr die Leine an, steckte das Plastikteil und die kleine Gartenschüppe, die sie sonst zum Pflanzen der Blumenzwiebeln nutzte, in die Manteltasche.

Unterwegs beruhigten sich ihre Nerven. Sie sprach sich Mut zu.

„Du brauchst es nicht, du bist eine gute Autorin, die ohne solche Hilfsmittel auskommen kann!“, flüsterte sie, ein wenig überheblich, was eigentlich so gar nicht zu ihr passte. Heute brauchte sie das.

Im Garten grub sie ein kleines Grab, etwa zehn mal zehn Zentimeter groß und fünfzehn Zentimeter tief. Beinahe verächtlich, aber doch mit Tränen in den Augen ließ sie das verstorbene Plastikteil hineinfallen. Dann ließ sie die Erde in das kleine Loch fallen, harkte mit den Fingern noch kurz durch, legte ein paar Muscheln und Steine auf die frische Erde und machte sich dann mit Senta auf den Weg zur Hunderunde, die heute ein wenig länger ausfiel.

Wie sie auf diesen blöden Schlager gekommen war, der sich nun wie ein Geist in ihre Ohren und in den Kopf geschlichen hatte, wusste sie nicht. Insgeheim musste sie aber bereits wieder grinsen, als sie leise mitsang: „Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei!“

Als sie wieder zu Hause war, kochte sie sich eine Tasse Kaffee, immer noch summend, und studierte dann die Anzeigen in der Tageszeitung. Ein Superschnäppchenangebot stach ihr sofort ins Auge:

EIERUHREN heute im Angebot, nur 3,99 Euro.

Wenn das nicht Hilfe von oben war. Gerade hatte sie ihre Eieruhr beerdigt, die ihr viele Jahre gute Dienste beim Schreiben geleistet hatte, immer dann, wenn sie dreißig Minuten Powerschreiben machen wollte, eine Methode, die bei Gina immer half und zu guten Ergebnissen führte.

„Senta, geh in dein Körbchen, ich bin bald zurück, muss nur schnell zum Schnäppchenmarkt fahren, eine neue Eieruhr kaufen – dann ist die Mami wieder glücklich!“

 

© Regina Meier zu Verl

 

P.S. Alle Namen in dieser nicht erfundenen Geschichte wurden deutlich verändert, um die beteiligten Personen zu schützen.

 

 

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