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Posts Tagged ‘Sumsinella’

Die Elfe Sumsinella und das kranke Mädchen (10)

Das Licht des Mondes, das sich im See spiegelte, wurde zu Silberpünktchen, die auf dem Wasser schaukelten. Sumsinella betrachtete dieses Schauspiel und konnte sich nicht satt sehen.
„Eigentlich ist es gar nicht schlimm, dass ich nicht schlafen kann“, erzählte sie Ortrud, der Grille, die es sich neben ihr gemütlich gemacht hatte.
„Warum kannst du denn nicht schlafen?“, fragte Ortrud interessiert.
„Ich mache mir Sorgen“, antwortete Sumsinella.
„Weißt du, ich muss immer darüber nachdenken, dass es der kleinen Anna drüben im Haus nicht gut gehen könnte. Ich habe sie lange nicht im Garten gesehen und immer wenn ihre Mutter nach draußen kommt, dann schaut sie traurig aus.“
„So, so!“, sagte Ortrud und dann noch einmal: „So, so!“
„Wenn ich doch nur wüsste, was mit ihr los ist.“
„Ja, ja!“, seufzte die Grille und strich über ihre langen Fühler.
Sumsinella sprang auf und funkelte Ortrud böse an.
„Hast du nicht mehr zu sagen als immer nur ‚So, so’ oder ‚Ja, ja’? Ich dachte, dass du meine Freundin bist.“
Ortrud schwieg, Sumsinella schwieg auch.
Eine dicke Wolke hatte sich vor den Mond geschoben, die Lichtfunken waren verschwunden und kühler war es auch geworden. Sumsinella gähnte.
„Ich werde dann mal mein Bettchen aufsuchen. Tut mir Leid, dass ich dich so beschimpft habe!“ Sie reichte Ortrud die Hand.
„Schon gut, schon gut!“, sagte Ortrud und dann fügte sie hinzu: „Ich habe eine Idee!“
Sofort war Sumsinella wieder hellwach.
„Sag schon, was für eine Idee ist es denn?“, drängte sie die Freundin.
„Du solltest mal ins Haus fliegen, irgendwo ist doch sicher ein Fenster offen und du kannst hinein schlüpfen. Frag die kleine Anna, was mit ihr los ist.“
„Das kann ich doch nicht machen. Sie würde Angst bekommen und außerdem versteht sie mich doch gar nicht.“
„Dummchen!“, schimpfte Ortrud. „Sie ist doch ein Kind, oder?“
„Ja, aber …“
„Kinder verstehen die Sprache der Elfen, oder nicht?“
Sumsinellas Augen leuchteten. Dass sie daran gar nicht gedacht hatte!
„Ich versuche es sofort“, rief sie und schon flog sie auf das Haus zu, um nach einem geöffneten Fenster Ausschau zu halten. Sie wusste, wo Annas Zimmer war und hatte Glück, das Oberlicht des Fensters war geöffnet und Sumsinella konnte ungehindert ins Zimmer gelangen.
Anna lag in ihrem Bett und schlief. Ihre Wangen waren gerötet. Immer wieder drehte sie den Kopf hin und her. Sie stöhnte im Schlaf und plötzlich rief sie nach ihrer Mutter.
Sumsinella erschrak. Hoffentlich entdeckte die Mutter sie nicht, wenn sie gleich das Licht anknipsen würde. Auf der Fensterbank standen einige Spielzeuge, darunter auch kleine Blumenelfen aus Porzellan. Sumsinella stellte sich zu ihnen.
Schon wurde es hell im Zimmer. Die Eltern hatten den Raum betreten. Annas Mutter legte die Hand auf die Stirn der Tochter.
„Sie hat wieder Fieber!“, sagte sie. Der Vater nickte.
„Ich werde ihr Wadenwickel machen, bleib du solange bei ihr. Ich hole kaltes Wasser und Wickel.“
Der Vater setzte sich auf die Bettkante und nahm Annas Hand.
„Schätzchen, du musst gesund werden, hörst du. Wir brauchen dich doch!“, sagte er mit leiser Stimme.
Sumsinellas Herz klopfte wie wild, so dass sie dachte, dass jeder es hören konnte.
Die Mutter kam zurück, schlug die Bettdecke zur Seite und tauchte Tücher in eine Schüssel. Dann wickelte sie die nassen Lappen um Annas Beine, legte trockene Handtücher darüber und dann die Bettdecke wieder obendrauf.
„Können wir denn sonst gar nichts für sie tun?“, fragte der Vater.
„Der Doktor hat gesagt, dass wir nur für sie da sein sollen. Sie trauert und das tut ein jeder auf seine Weise. Irgendwann wird sie einen neuen Freund finden. Dann wird es ihr besser gehen. Jeder Mensch braucht einen Freund!“
Plötzlich fiel es Sumsinella wie Schuppen von den Augen. Klar, es ging um Fiete, Annas Hund. Seit Tagen hatte ihn niemand im Garten gesehen. Sicher war Fiete etwas passiert und Anna war nun krank vor Kummer. Ja, so musste es sein.
Jetzt wusste sie, wie sie Anna helfen konnte. Sie brauchte einen Freund. Sie, Sumsinella, würde Annas neue Freundin sein.
Sie konnte es kaum erwarten, dass die Eltern das Zimmer verließen. Als sich endlich die Tür hinter ihnen geschlossen hatte, flog sie auf Annas Kopfkissen, setzte sich ganz nahe an das Ohr des Mädchens und sang:
„Kleine Anna, weine nicht,
schau mir einfach ins Gesicht.
Ich bin für immer für dich da,
ja das ist wahr, ja das ist wahr.
Anna öffnete die Augen und blinzelte. Woher kam der schöne Gesang?
Sumsinella flog auf Annas Brust und setzte sich.
„Schau her, ich bin es, deine Elfenfreundin Sumsinella!“
Anna lächelte und fürchtete sich auch gar nicht.
„Singst du mir noch was vor?“, bat sie und schon bald war sie wieder eingeschlafen.
„Werde gesund, kleine Anna!“, flüsterte Sumsinella und blieb bei ihrer neuen Freundin, bis der Morgen anbrach.
„Heute Abend komme ich wieder zu dir!“, versprach sie und Anna murmelte:
„Ist gut!“ Dann drehte sie sich auf die Seite und schlief weiter.

Als die Mutter am Morgen das Zimmer betrat, war Anna schon wach.
„Ich habe eine neue Freundin!“, rief sie glücklich. „Sie heißt Sumsinella und kommt am Abend wieder zu mir. Sie ist eine Elfe.“
„Das ist ja wunderbar“, sagte die Mutter, die nicht an Elfen glaubte. Vielleicht hatte das Kind geträumt. Das war aber ganz gleich, die Hauptsache war doch, dass es ihr besser ging.

Nach zwei Tagen durfte Anna sogar schon wieder in den Garten und wenn sie ganz allein war, dann zeigte Sumsinella sich ihr auch tagsüber und sie hatten gemeinsam viel Spaß.
Ortrud betrachtete die beiden von weitem und nickte freudig.
„Ja, ja!“, sagte sie. „Ja, ja!“

© Regina Meier zu Verl

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Die Elfe Sumsinella tröstet Bienchen (8)

„Sumsinella, ich wäre auch so gern eine Elfe!“ Bienchen seufzte und ließ sich neben Sumsinella nieder, die es sich gerade im Körbchen der Sonnenblume gemütlich gemacht hatte.
„Warum denn das? Jeder ist doch auf seine Weise wichtig. Was wäre, wenn alle Bienen Elfen sein wollten, dann gäbe es doch keinen Honig“, antwortete Sumsinella und wunderte sich. Sie war noch niemals auf die Idee gekommen, jemand anders sein zu wollen.
„Das stimmt, aber manchmal wünsche ich mir, dass ich so ein schönes Kleid tragen könnte wie du und deine Haare gefallen mir so sehr.“
„Mmh“, machte Sumsinella und dann lächelte sie geheimnisvoll.
„Eigentlich bist du ja eine Elfe, Bienchen!“
Bienchen sah Sumsinella fragend an. Sie sollte eine Elfe sein, mit ihrem schwarz-gelb gestreiften Trikot und den viel zu kleinen Flügeln?
„Wie meinst du das?“, fragte sie neugierig.
„Pass auf, ich erzähle dir die Geschichte!“, begann Sumsinella. Bienchen lauschte.
„Vor langer Zeit, als die Aufgaben im Zwergen und Elfenreich neu verteilt wurden, beschloss die Elfenkönigin, dass einige Elfen dafür sorgen mussten, dass der Nektar der Blüten geerntet werden konnte. Auch der Blütenstaub musste verteilt werden, damit es Früchte geben konnte. Die Elfen, die dazu bestimmt wurden, taten ihr Bestes, aber es war eine beschwerliche Arbeit, denn du weißt ja, wie anstrengend es ist, den ganzen Tag von Blüte zu Blüte zu fliegen und dann zwischendurch zu Hause den gesammelten Nektar abzuliefern.“
Bienchen nickte.
„Klar, das weiß ich nur zu gut!“
„Die Elfenkönigin war sehr klug und sie überlegte sich, dass die Sammlerinnen ganz anders ausgestattet sein müssten, als die anderen Elfen. Sie brauchten einen Rüssel und zum Transport des Blütenstaubes wäre es ja viel besser gewesen, wenn kein Eimer oder ein anderes Gefäß mitgeschleppt werden musste, nicht wahr?“
„Das sehe ich ein!“, stimmte Bienchen nachdenklich zu. Sie ahnte bereits, dass ihre Herkunft irgendetwas mit den Gedanken der Elfenkönigin zu tun haben konnte.
„Die Elfenkönigin nahm also ihren Zauberstab und hielt ihn über die Nektarsammelelfen!“
„Und dann?“, stotterte Bienchen aufgeregt. „Erzähl schon!“
„Sie sagte einen Zauberspruch.“
„Und wie ging der?“
„Genau weiß ich das auch nicht, aber so ähnlich muss er geklungen haben: Lichtwesen werde klein, von goldener Farbe sollst du sein.“
„Ach so war das!“ Bienchen gefiel es, ein Lichtwesen aus Gold zu sein und wichtig war sie auch, das hatte Sumsinella ja schon gesagt. Wozu brauchte sie also ein Kleid oder Haare, die wären doch nur hinderlich bei ihrer Aufgabe.
„Du bist die beste Freundin der Blumen und auch der Elfen, Trolle und sogar der Menschen.“ Sumsinella staunte über sich selbst. Woher wusste sie das alles nur? Eines war aber sicher, wenn Sumsinella etwas erzählte, dann war es immer ein kräftiges Körnchen Wahrheit darin.
„Du musst ja nicht gleich so übertreiben“, wisperte die Frau Fliege, die sich heimlich zwischen den Blütenblättern der Sonnenblume versteckt hatte.
„Wenn sie die Freundin der ganzen Welt ist, warum hat die Elfenkönigin ihr dann einen Stachel gegeben?“
„Damit sie sich wehren kann, wenn mal jemand nicht weiß, wie wichtig sie ist!“, antwortete Sumsinella. Dann verabschiedete sie sich schnell.
„Ich muss jetzt los. Macht es gut, ihr Zwei!“
Das war wohl besser so, bevor die kluge Fliege noch weitere Fragen stellte, auf die Sumsinella vielleicht doch keine Antwort gefunden hätte.

© Regina Meier zu Verl

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Die Elfe Sumsinella, Familie Drossel und das Kuckucksei

Die feinen Zweige der Birke wiegten sich im Wind. Auf dem Teich drehte eine Entenfamilie ihre Runden. Sumsinella saß auf einer Baumwurzel und kaute auf einem Grashalm.
„Na, kleines Elfenkind! Bist du etwa traurig?“
„Nö, aber du hast mich erschreckt. Mach das nicht noch einmal!“ Pieps lachte, es machte ihm große Freude, kleine Elfenmädchen zu erschrecken. Es gab sonst kaum jemanden, der sich vor einem Spatzenkind fürchtete, im Gegenteil, überall lauerten Gefahren.
„Habe ich doch nicht böse gemeint, du kennst mich doch!“
„Ja, ich kenne dich und ich weiß genau, wie gern du dich leise anschleichst.“ Sumsinella kicherte. Pieps war einer ihrer besten Freunde und sie konnte ihm nicht lange böse sein.
„Hast du schon gehört, dass es die Drossel erwischt hat?“, fragte Pieps.
„Nein, was ist denn mit ihr?“
„Man hat ihr ein Kind untergeschoben. Herr Drossel ist völlig außer sich und beschimpft seine Frau heftig. Die Arme weiß schon gar nicht mehr, was sie machen soll.“
„Wie, ein Kind untergeschoben, ich verstehe das nicht!“ Sumsinella war entsetzt, sie kannte die Drosselfamilie gut und wusste, dass die Vogeleltern auf ihren Nachwuchs warteten.
„Ja also, das war so: Im Nest waren vier Eier, die bebrütet wurden. Immer abwechselnd saßen die Eltern auf dem Nest. Vor ein paar Tagen, als die Eltern gerade wieder wechseln wollten, stellte Herr Drossel fest, dass es plötzlich fünf Eier waren.“
Sumsinellas Augen wurden immer größer.
„Ja, und dann? Was ist dann passiert?“
„Frau Drossel hat hoch und heilig geschworen, dass sie kein weiteres Ei gelegt hat, während Herr Drossel auf Nahrungssuche war.“ Pieps nahm einen kleinen Schluck Wasser, seine Kehle war schon ganz rau vom vielen Piepsen.
„Sind die Jungen denn schon geschlüpft?“, wollte Sumsinella wissen, doch Pieps schüttelte den Kopf.
„Nein, aber es muss bald soweit sein. Allerdings weigert sich das Drosselmännchen beharrlich, seiner Frau beim Brüten behilflich zu sein und er füttert sie auch nicht. Ein Drama, ein echtes Familiendrama!“
Sumsinella nickte.
„Wir müssen ihr helfen!“, beschloss sie. „Wir werden sie zuallererst mal füttern und dann sehen wir weiter!“
„Okay, ich suche einen Regenwurm oder was anderes Essbares, flieg du schon zum Drosselnest und beruhige Frau Drossel!“
Der Spatz machte sich gleich auf die Suche, pickte hier und da und wurde bald fündig. Sumsinella flog unterdessen zum Nest und sprach beruhigend auf Frau Drossel ein.
„Wir kriegen das schon wieder hin, meine Liebe. Sicher war der Kuckuck der Übeltäter. Ich habe ihn schon vor ein paar Tagen rufen gehört. Er treibt sich hier in der Gegend herum.“
Während sie sprach, kam Pieps mit einem dicken Wurm und hielt ihn Frau Drossel hin, die ihn genüsslich verspeiste.
„Mit einem vollen Bauch kann ich gleich wieder besser denken!“, schwärmte sie.
Herr Drossel, der ein paar Äste über dem Nest sein Quartier bezogen hatte, schämte sich, dass so ein mickriger Spatz seine Frau füttern musste. Auf den Kuckuck war er noch gar nicht gekommen, in seiner Wut waren die Gedanken einfach nur durcheinander getanzt wie ein Mückenschwarm.
„Liebling, es tut mir so leid“, flötete er.
Doch Frau Drossel zeigte ihm die kalte Schulter, wenn die Kinder erst da waren, konnte sie ihm immer noch verzeihen. Und wie sie sich kannte, würde sie das auch tun.

© Regina Meier zu Verl

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Die Elfe Sumsinella und die Hilfe der Ameisen

„Hilfe, Hilfe, hört mich denn keiner?“
Die Elfe Sumsinella sprang auf. Sie hatte ein Mittagsschläfchen gehalten und die warme Sonne genossen. Phil hatte neben ihr gelegen, doch jetzt war er weg.
„Wo bist du denn?“, rief Sumsinella und schaute sich suchend um.
„Hier, bei den Heckenrosen. Ich hänge fest!“, rief Phil und zappelte hin und her.
„Es piekt und sticht, komm, hilf mir doch!“
Sumsinella war schon bei den Heckenrosen angekommen und überlegte, wie sie den Mäuserich frei bekommen könnte.
„Hör auf zu zappeln, du machst es nur noch schlimmer!“ ordnete sie an und schob die Unterlippe vor. So konnte sie besser nachdenken.
„Ich hole Hilfe“, beschloss sie schließlich.
„Nein, auf gar keinen Fall, lass mich hier nicht allein, ich sterbe vor Angst!“, kreischte Phil.
„Aber ich kann gar nichts machen, es muss jemand kommen!“
„Dann rufen wir eben gemeinsam um Hilfe, aber bitte, geh nicht weg!“, heulte Phil und Sumsinella brachte es nicht übers Herz, ihn zu verlassen.
„Also gut, dann müssen wir uns was anderes überlegen. Sei einen Moment still, damit ich besser denken kann!“
Doch Phil rief in seiner Not schon wieder um Hilfe und Sumsinella stimmte mit ein:
„Hiiiilfe, Hiiilfe!“
„Ihr habt gerufen und hier bin ich“, war auf einmal eine feine Stimme zu hören. Sumsinella schaute sich um, sah aber niemanden.
„Wo bist du und wer bist du?“ fragte sie.
„Hier unten bin ich, neben deinem rechten Fuß.“
Sumsinella ging in die Hocke und entdeckte eine Ameise, die sie freundlich anlächelte.
„Das ist lieb, dass du gekommen bist“, freute sich Sumsinella, machte aber gleich wieder ein ernstes Gesicht.
„Meinst du wirklich, dass du uns helfen kannst?“ Sie betrachtete das Tierchen und fragte sich, wie ein so kleines Wesen nützlich sein konnte, wenn es um Phils Befreiung aus den Dornen ging.
„Ja, das glaube ich. Ich habe auch schon eine Idee, wie es gehen könnte.“
„Da bin ich sehr gespannt!“
„Ich hole noch ein paar Schwestern und gemeinsam werden wir die Haare aus den Dornen zupfen. Wir sind stark und schaffen das.“
Kaum hatte die Ameise das ausgesprochen, da näherte sich schon eine Schar ihrer Schwestern. Sie kamen im Gänsemarsch und krabbelten gemeinsam auf Phils Rücken. dort zupften und zogen sie. Ab und zu lachte Phil, weil es so kitzelte, dann wieder schrie er laut:
„Aua, könnt ihr denn nicht vorsichtig sein?“
Sumsinella schaute der Hilfsaktion zu und es dauerte gar nicht lange, da war ihr Freund frei.
Er sah ein wenig zerzaust aus, strahlte aber vor Freude und bedankte sich überschwänglich bei den Ameisen.
„Ihr seid Klasse, einsame Klasse“, rief er und strich mit den Pfötchen über seinen zerrupften Schnurrbart.
Sumsinella lachte:
„Einsam sind die Ameisen ganz bestimmt nicht. Hast du nicht bemerkt, dass es mindestens fünfzig Schwestern waren, die dich gerettet haben?“
„Echt? Deshalb hat es so gekitzelt!“ Phil kicherte.
Die Ameisen kicherten auch und machten sich dann wieder auf den Heimweg.
„Los, los!“ rief die Anführerin. „Wir haben noch jede Menge Arbeit, die Königin wartet schon auf uns.“
Sumsinella und Phil begleiteten die Ameisenkolonne noch bis zu ihrem Bau und Phil versprach, demnächst besser auf sich aufzupassen.
„Aber schön war es doch, welcher Mäuserich kann schon von sich sagen, dass ihm fünfzig Frauen gemeinsam das Fell gestreichelt haben!“
Sumsinella schüttelte den Kopf.
„Männer!“ sagte sie und buffte Phil in die Seite.

© Regina Meier zu Verl

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Die wöchentliche Teestunde mit den Freundinnen war Sumsinella heilig. Ganz gleich, wie viel Arbeit sie hatte, den Mittwochnachmittag hielt sie sich frei.
Auch heute trafen sich die drei, diesmal bei Erdbeerina, die einen leckeren Kuchen gebacken hatte, auf dem frische Walderdbeeren in herrlichem Rot prangten.
„Sieht das köstlich aus!“, schwärmte Sumsinella und leckte sich die Lippen. Sie konnte es kaum erwarten, so ein herrliches Kuchenstück auf den Teller zu bekommen.
„Zum Tee habe ich Kleeblütennektar mitgebracht.“ Sumsinella reichte ihrer Freundin ein Eichelhütchen, das mit einem Birkenblatt abgedeckt und verschlossen war.
„Ich habe auch ein Geschenk!“, rief Niesella, die gerade erst angekommen war. „Schaut mal!“
Sie öffnete ihre Hand, auf der ein Marienkäferchen saß.
„Ach, wie niedlich, ein Zweipünktchen!“, rief Erdbeerina.
Der Käfer hob seine Flügel ein wenig an und krabbelte auf Niesellas Handfläche herum. Er flog aber nicht davon.
„Kann er nicht fliegen?“, fragte Sumsinella.
„Frag ihn doch selbst!“, riet Niesella und lachte.
„Kann er denn reden?“ Erdbeerina war völlig aus dem Häuschen. Ein Marienkäfer, der sprechen konnte war etwas ganz Besonderes. Normalerweise sprachen diese Glückbringerchen nicht mit den Elfen, die sonst mit jedem Waldbewohner reden konnten.
„Hallo du, wie heißt du denn?“, fragte Sumsinella und wartete gespannt auf eine Antwort.
„I am a ladybird!“, sagte der Käfer mit leiser Summstimme.
„He? Was hast du gesagt?“ Die Elfen schauten sich verwundert an. Der Käfer sprach, aber sie verstanden kein Wort.
„I am a ladybird!“, sagte der Zweipunkt jetzt und krabbelte auf Niesellas Mittelfinger, direkt bis an die Spitze. Anscheinend hatte er von dort einen besseren Blick auf die Elfenmädchen, die er nacheinander erstaunt anschaute.
„Was spricht der für eine Sprache?“, rätselte Erdbeerina. „Das klingt ganz fremd!“
Sumsinella tippt sich auf die Brust und sagte mit lauter und deutlicher Stimme:
„Sum-si-nella!“
„Ssummssinella!“, wiederholte der Käfer und Sumsinella klatschte erfreut in die Hände.
„Klasse, er versteht mich.“ Dann deutete sie auf Erdbeerina:
„Erd-bee-rina!“
Der Käfer versuchte es auch:
„Errina …“, sagte er und rollte das R ganz seltsam dabei.
Ach, machte das Spaß, mit dem Käferchen zu plaudern. Schade war aber, dass er scheinbar nur wiederholte und gar nicht verstand, was er da sagte.
Doch der Glücksbote stellte sich auf seine Hinterbeine und tippte sich nun seinerseits auf die Brust.
„Ladybird!“, sagte er laut und deutlich.
„Das ist wohl dein Name, Leedibörd, stimmt’s?“
„Yes, yes, my name is ladybird!“ Ladybird flatterte aufgeregt mit den Flügeln und machte ordentlich Wind.
„I am from England and I speak English!“, erklärte der Käfer.
“Inglisch? Du meinst sicher Englisch, oder?” Niesella war glücklich, endlich wusste sie, woher ihr neuer Freund kam und dabei hatten ihr die beiden anderen Elfen geholfen.
„Dann kommst du direkt aus dem Himmel?“, fragte sie.
Ladybird antwortete nicht und Erdbeerina und Sumsinella sahen die Freundin erstaunt an.
„Wie kommst du darauf?“, fragten sie.
„Na, wenn er Englisch spricht, dann kommt er wohl von den Engeln, woher sonst?“
Das war einleuchtend und jetzt wussten die Freundinnen auch, warum man die Marienkäferchen als Glücksbringer bezeichnete. Sie brachten das Glück direkt von den Engeln. Ja, so war es wohl.
Ladybird krabbelte wieder auf Niesellas Handfläche, pumpte ordentlich mit den Flügeln, nahm Anlauf und startete dann seinen Flug.
„Er kann fliegen! Er kann fliegen!“, rief Niesella und verdrückte ein Tränchen, weil sie doch wusste, dass ihr neuer Freund sie jetzt verlassen würde.
„Bye, bye!“, rief Ladybird und die Elfen taten es ihm nach:
„Bei, bei, kleiner Leedibörd, pass auf dich auf!“

 

© Regina Meier zu Verl

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Die Elfe Sumsinella und die Pünktchenkrankheit

Heftiges Kopfweh plagte Sumsinella, nachdem sie im Flug mit Hicks, dem dicken Hummelmann zusammen gestoßen war. Hicks traf keine Schuld, Sumsinella war mit ihren Gedanken ganz woanders gewesen.
„Du musst schnell zu deiner Schwester. Sie hat die Pünktchenkrankheit. Sie ist am ganzen Körper von roten Punkten übersät und ihre Flügel hängen schlaff herunter“, hatte ihr die Brieftaube überbracht.
Sumsinella war in großer Sorge um Zitronella und jetzt war auch noch dieser blöde Unfall passiert. Auf ihrer Stirn wuchs eine dicke Beule.
„So was Blödes, die eine hat rote Punkte und die andere Beulen“, jammerte sie.
Hicks hatte ein Blütenblatt der Sumpfdotterblume erbettelt, das vom frischen Tau benetzt war.
„Sei still, hicks, und leg dich hin, hicks“, befahl Hicks, der wie immer mit seinem Schluckauf kämpfte.
„Ich werde dir, hicks, die Stirn kühlen!“
Das tat gut, Sumsinella seufzte erleichtert. Nach ein paar Minuten machte sie sich erneut auf den Weg.
Kurz bevor es dunkel wurde, erreichte sie den Garten, in dem ihre Schwester lebte. Sie lag auf einem Moosbett und war tatsächlich rot gepunktet. Das sah so lustig aus, dass Sumsinella kichern musste.
„Das ist ja wohl die Höhe“, schimpfte Zitronella. „Du lachst mich doch nicht etwa aus?“
„Nein, nein, aber du siehst schon ein wenig komisch aus.“
Zitronella umarmte die Schwester.
„Schön, dass du da bist.“
„Ich hätte noch eher da sein können, wenn ich nicht diesen dummen Zusammenstoß mit Hicks gehabt hätte. Schau mal meine Stirn an!“
Sumsinella strich ihre blonden Haare zur Seite, damit die Schwester die Beule sehen konnte.
„Du Arme!“
„Ist nicht so schlimm. Wir wollen jetzt erst einmal herausbekommen, was du für eine Krankheit hast. Ich werde Kuno Troll herbitten, der soll sich das ansehen. Sicher weiß er einen Rat.“

Am nächsten Morgen flog Sumsinella los und machte sich auf die Suche nach Kuno, der allerlei gute Heilmittel wusste.
Kuno saß vor seiner Höhle. Er las in einem dicken Buch.
„Hallo Kuno Troll, ich brauche deine Hilfe, meine Schwester ist gepunktet!“
„So, so“, brummte Kuno, der sich nicht gern beim Lesen stören ließ. „Rote Punkte?“
„Ja, genau, rote Punkte hat sie, am ganzen Körper und sie fühlt sich schwach.“
„Klarer Fall von Windpocken!“, stellte Kuno fest. „Das ist nichts Schlimmes. Allerdings …“
Sumsinella bekam einen Schreck.
„Allerdings ist die Krankheit ansteckend, es wird zehn Tage dauern, dann wirst auch du mit Punkten gesegnet sein und alle, mit denen deine Schwester und du zu tun haben.“
„Ach herrjemine“, seufzte Sumsinella. „Das ist ja schrecklich!“
„Na, na, so schlimm ist es nicht. Wenn man die Windpocken gehabt hat, dann bekommt man sie nie wieder. Das ist das Gute daran!“
Kuno erhob sich und holte eine große braune Flasche.
„Damit kannst du deine Schwester einreiben, damit es nicht zu sehr juckt. Und sag ihr, dass sie sich nicht kratzen soll, das gibt Narben.“
Sumsinella bedankte sich und versprach dem Troll, dass sie sich bald wieder melden würde.

Es passierte genau so, wie Kuno es vorausgesagt hatte. Als bei Zitronella die Pusteln langsam abheilten, fing die Pünktchenkrankheit bei Sumsinella an und ob man es glaubt oder nicht – Kuno Troll erwischte es auch.

© Regina Meier zu Verl

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