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Posts Tagged ‘Ordnung im Kopf’

Paradies, Adlerhorst, Abenteuer, vorwitzig, laufen

Das sind die Reizwörter für den heutigen Artikel. Lore und Martina haben ebenfalls Geschichten zu den Wörtern verfasst. Damit lassen wir unsere alte Tradition der Reizwortgeschichten wieder aufleben. Monatlich, jeweils am 15. wird ein neuer Beitrag dazu erscheinen.

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Ordnung im Kopf
So viele Wörter tummeln sich In meinem Kopf. Ich muss sie sortieren, denn sonst nimmt die Unordnung In meinem Kopf überhand. Aber Ich weiß nicht, wie ich das machen soll. Man könnte die Wörter nach Fachgebieten sortiere, also zum Beispiel alle Tiere in eine Schublade oder alle Schulsachen in eine andere Schublade, alle Farben zusammen in eine Box und alle Namen, die ich so kenne in eine weitere Box. Es gäbe noch eine Schublade für Kleidung und Schuhe, eine weitere für alles, was man so zum Wohnen braucht. Dann hätte ich zwar meine Wörter schön sortiert, aber beim nächsten Satz, den ich aufschreibe, habe ich alle wieder durcheinander geworfen. Kannst du dir vorstellen wie ich das meine? Pass auf, ich erkläre es dir.
Angenommen, ich möchte einen Brief an meine Freundin Isabella schreiben. Ich möchte von meinem Urlaub erzählen, das wäre dann folgendermaßen: Die Überschrift lautet:
Liebe Isabella.
Die Isabella nehme ich aus meiner Namens-Box.
Ich habe mir ein wunderschönes rotes Kleid gekauft.
Somit musste ich aus der Farb-Box das Rot nehmen und aus der Kleidungsschublade das Kleid.
Verstehst du, was ich meine?
Ich sehe schon, du findest mich verrückt. Vielleicht hast du ja sogar ein bisschen recht damit, aber das sind eben diese Gedanken, die mich umtreiben.
Als ich mit meinem Freund Jan mal darüber diskutiert habe, hat er mich angesehen, als täte ich ihm ganz furchtbar leid. Er hatte aber auch keine Lösung für mich. Er sagte nur, dass Wörter sich immer wieder erneuern, genauso wie der Schwanz der Eidechse oder die Beine bei einigen Weberknechtarten. Ich könne die Wörter also ruhig benutzen, da sie sich nicht verbrachen, sondern immer wieder erneuern.
Lange habe ich darüber nachdenken müssen und mittlerweile bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es richtig ist, was Jan sagt. Sogar die Wörter, die ich so gar nicht mag erneuern sich und sind immer präsent. Ich sollte einmal eine kleine Geschichte mit fünf Reizwörtern schreiben. Eigentlich mache ich das sehr gern, aber die Reizwörter, die gestellt wurden, gefielen mir gar nicht so gut. Abenteuer, Paradies, vorwitzig und laufen waren gute Wörter. Dazu fiel mir auch umgehend etwas ein, das ich dazu schreiben könnte – allein das Wort Adlerhorst stellte für mich eine große Herausforderung dar. Es gefiel mir nicht, nicht auf Anhieb und schon gar nicht mehr, als ich es googelte. So ein Wort wollte ich nicht haben für meine Geschichte, denn weder hatte ich jemals ein Adlerhorst gesehen, noch gefiel mir das, was ich darüber erfuhr. Ein geschichtsträchtiges Wort, aus einer Zeit, die wir alle zwar nicht vergessen sollten, über die wir aber lieber nicht nachdenken möchten. Es wäre also für mich ein Wort, das ich gern aussortieren würde. Weg damit, für immer und ewig.
Aber, und jetzt kommt’s: Was kann der Adler dafür, dass ein Mensch mit vielen Anhängern dieses Wort benutzt hat, um sein Quartier danach zu benennen? Nichts, rein gar nichts kann er dafür. Aus diesem Grunde habe ich beschlossen, den Adlerhorst in meine Schublade „Wohnen“ einzusortieren. Da gehört es hin, genauso wie Meisennest oder Sofakissen, nicht wahr?

Und da bin ich auch schon am Ende meiner Gedankenkette angekommen. Es ist wie es ist und es bleibt auch so und ich schreibe halt Geschichten über Meisennester oder Bärenhöhlen und den Adler, den lasse ich am Himmel seine Bahnen ziehen und bewundere ihn respektvoll.

© Regina Meier zu Verl

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