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Posts Tagged ‘Omageschichten’

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Irgendwo da muss es sich aufgehalten haben, das Biest …

Oma Betty und das verflixte Biest

Ich lag gerade so schön mit Opa auf dem Sofa, als plötzlich ein lauter Schrei aus dem Badezimmer zu hören war.
„Ach herrjemine!“, rief Opa. „Oma Betty!“ Er sprang so schnell auf, dass sein Weinglas auf dem Tisch umkippte. Dann rannte er ins Bad, ich hinterher.
„Betty, was ist passiert?“, fragte er durch die geschlossene Tür. Ich wäre ja sofort reingegangen, aber Opa ist eben höflich. Er stört nicht, wenn eine Dame duscht.
„Mich hat eine erwischt!“, kreischte Oma. „Kommt rein, ihr müsst gucken!“
„Wer hat dich erwischt?“, fragte ich aufgeregt. Es konnte doch gar niemand reingekommen sein.
Vorsichtig öffnete Opa die Tür. Oma hatte sich ein großes Badehandtuch umgelegt und sie machte ein sehr verschrecktes Gesicht.
„Hier!“, sagte sie und stellte ihr Bein auf den Badewannenrand.
„Ich sehe nichts!“, sagte Opa. „Philip, hol bitte schnell meine Brille!“
Das war ja mal wieder typisch. Immer wenn es spannend wurde, dann schickte man mich weg. Ich sauste so schnell ich konnte ins Wohnzimmer und hastete dann mit der gewünschten Brille wieder ins Bad.
„Dann lass mich mal gucken!“ Opa setzte die Brille auf und nickte. „Stimmt, da hat dich eine angefallen!“, sagte er. Angefallen? „Ich will auch mal sehen!“, rief ich und schaute mir Omas Oberschenkel genauer an. Dann sah ich sie, eine dicke Zecke hatte sich dort festgebissen. Die hätte Opa nun auch ohne Brille erkennen können. Also wirklich.

„Und jetzt?“, fragte ich. „Müssen wir ins Krankenhaus?“
„Quatsch mit Soße!“, lachte Opa. „Hol den Zeckenhaken, der liegt auf dem Schrank neben dem Hundekörbchen.
Als ich zurückkam, erfolgte die Operation „Zecke“ umgehend. Konzentriert setzte Opa den Haken an und zog. Oma hatte wohl die Luft angehalten, sie war schon ganz weiß im Gesicht. Der Zeckenhaken rutschte ab und die Zecke steckte noch immer in Omas Bein.
„Dieses verflixte Biest!“, kreischte Oma. Opa versuchte es erneut. Es funktionierte, das Tier war raus. Es zappelte noch mit den Beinen und wie es aussah, war es noch vollständig. Das war gut, denn wenn noch etwas in Omas Bein geblieben wäre, das wäre schlecht gewesen.
Oma atmete nun wieder, sie war froh, dass sie den kleinen Vampir los war.
„Ich desinfiziere das ein bisschen und dann ist alles wieder gut!“, sagte sie und schickte uns wieder ins Wohnzimmer zurück. Opa ließ schnell das Weinglas verschwinden, das beim Umkippen kaputt gegangen war und ich wischte die Weinflecken weg, so gut es ging.
Jetzt könnte man meinen, es sei alles gut ausgegangen – stimmt leider nicht. Am nächsten Morgen war Omas Bein geschwollen und es tat ihr weh.
„Morgen gehe ich zum Arzt!“, beschloss sie. Es war ja Sonntag und in die Notaufnahme wollte sie nun auch nicht.
Am Montagmorgen war die Schwellung noch gewachsen, in der Mitte war ein roter Flatschen und außen rum war es weiß und geschwollen. Eine Wanderröte nennt sich das. Hat der Arzt Oma erklärt und ihr eine Medizin verschrieben, die sie nun 21 Tage lang einnehmen muss. Oma gefällt das nicht, aber sie fügt sich und sie schimpft auf diese verflixten Biester jeden Tags aufs Neue. Kann ich verstehen, ihr auch?

© Regina Meier zu Verl

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2017-02-16-10-23-50
Tulpen für Oma Betty

Meine Oma Betty liebt Tulpen. Jedes Jahr im Herbst versteckt sie Tulpenzwiebeln im Garten und dann kann sie es kaum erwarten, dass der Frühling kommt.
„Das Schöne ist“, sagt Oma immer, „dass ich nicht weiß, wo ich sie versteckt habe. Die Überraschung ist dann viel größer!“
Das verstehe ich, denn mir geht das auch so, wenn ich unerwartet in meiner Hosentasche noch einen Euro finde, den ich völlig vergessen hatte.

Erst neulich ist es mir passiert, dass ich beim Aufräumen sogar einen Fünfeuroschein gefunden habe. War das eine Freude!
Nun war es so, dass mir dieser Schein praktisch in der Tasche brannte, ich meine, dass ich ihn unbedingt sofort ausgeben wollte. Ich habe hin und her überlegt, was ich damit anstellen könnte. Ich entschied mich dafür, für Oma Tulpen zu kaufen, im Supermarkt, da sind die nämlich ziemlich billig. Also holte ich mein Fahrrad aus der Garage und steuerte den nächsten Supermarkt an. Knapp zwei Euro kosteten zehn Tulpen. Ich rechnete nach, mir blieben noch drei Euro. Also kaufte ich auch für Mama zehn Tulpen und für den letzten Euro genehmigte ich mir ein Eis. Noch besser als das Eis schmeckte aber die Vorfreude, meinen beiden Lieblingsfrauen etwas zu schenken.
Die würden Augen machen!

Die beiden Tulpensträuße hatte ich auf den Gepäckträger geklemmt, da waren sie sicher verstaut. An der Fußgängerampel drückte ich auf den Knopf und wartete auf das grüne Männchen. Ich schaute noch kurz nach links und rechts, dann schob ich mein Fahrrad auf den Zebrastreifen. Plötzlich quietschten Bremsen, vor Schreck ließ ich mein Fahrrad fallen. Ein Mann stieg aus seinem Wagen.

„Junge, das war knapp!“, rief er. Ich konnte mich vor Schreck nicht bewegen, mir wurde übel und ich hatte das Gefühl, dass ich jeden Moment spucken musste.
„Geht es dir gut, Junge?“, fragte der Mann. Er hob mein Fahrrad auf und legte den Arm um meine Schulter. „Komm!“, sagte er und schob mein Fahrrad und mich auf den Bürgersteig.
„Aber …“, stotterte ich, „aber es war doch grün!“
„Du hast recht, es war meine Schuld!“, sagte der Mann. „Ist alles in Ordnung mit dir?“, wollte er wissen. Dann fragte er mich, wo ich wohne. Ich nannte ihm die Adresse und meinen Namen und er gab mir eine Karte mit seinem Namen und seiner Adresse.
„Mir ist nichts passiert, alles gut!“, sagte ich.
„Warte hier, ich parke nur den Wagen, dann bringe ich dich nach Hause. Es ist ja nicht weit!“, schlug er vor. „Wir müssen ja noch nachschauen, ob mit deinem Rad alles okay ist.“

Als wir zu Hause angekommen waren, kam auch Papa gerade nach Hause. Er muss einen Riesenschrecken bekommen haben, denn er wurde ganz weiß im Gesicht, oder grün, ich weiß es nicht mehr so ganz genau.
„Ach du liebe Güte!“, rief Papa. „Was ist passiert?“
Der Mann, Herr Frisch, schilderte Papa kurz, was los war. Nachdem Papa erleichtert war, dass mir kein Haar gekrümmt wurde, nahmen die beiden Männer mein Fahrrad in Augenschein. Auch das war auf den ersten Blick okay, aber die Blumen! Jetzt kamen mir die Tränen. Die schönen Tulpen, die meisten Tulpenköpfe hatten wir wohl unterwegs schon verloren, denn nicht eine einzige Blüte war auf ihrem Stängel geblieben, alle waren abgeknickt.
„Die waren für Oma und Mama!“, heulte ich los und konnte mich gar nicht mehr beruhigen. Fast finde ich das im Nachhinein etwas peinlich. Ein Junge heult nicht, schon gar nicht wegen ein paar abgeknickter Tulpen, oder doch?
Herr Frisch machte ein sehr betroffenes Gesicht, damit hatte er wohl nicht gerechnet.
„Ich mach das wieder gut!“, versprach er. Dann wandte er sich an Papa: „Ihr Sohn hat meine Karte, wenn noch etwas sein sollte mit dem Rad, melden Sie sich bei mir!“, sagte er und als Papa ihm sagte, dass sicher alles in Ordnung sei, zückte er einen Zehneuroschein und reichte ihn mir.
„Das ist für dich, ich melde mich aber noch!“

So richtig Freude hatte ich nicht an dem Geldschein. Ich befreite die Tulpensträuße von der Plastikfolie und warf den jämmerlichen Rest in die Biotonne. Dann wischte ich meine Tränen ab und ging in mein Zimmer. Mama war nicht zu Hause und zu Oma brauchte ich ja nun auch nicht fahren, ohne die Überraschung, die ich mir so schön ausgemalt hatte. Auch saß mir der Schreck noch ganz schön in den Gliedern.

Etwa eine halbe Stunde später schellte es an der Haustür.
„Gehst du aufmachen, Philip!“, rief Papa, der gerade eine Lasagne in den Backofen schob und zum Schutz für seine Kleidung Mamas rosa Rüschenschürze umgebunden hatte.
Vor der Haustür stand Herr Frisch mit zwei riesigen Tulpensträußen, so richtig schön vom Gärtner gebunden.
„Wow!“, rief ich aus. „Die sind aber schön!“
„Sie sind für deine Mama und Oma, weil ich doch mit meiner Vollbremsung deine schönen Tulpen ruiniert habe!“, sagte er und reichte mir die Blumen.
„Gibst du die für mich weiter, bitte? Und dann habe ich hier noch etwas für dich!“ Er drückte mir einen Umschlag in die Hand. „Ich hoffe, du magst Fußball! Das sind zwei Freikarten für das Spiel am Samstag!“

Das Wort Fußball trieb nun auch Papa aus der Küche, er vergaß sogar, die rosa Schürze abzulegen.
„Cool!“, sagte er und drückte Herrn Frisch die Hand. „Damit machen Sie uns eine große Freude, stimmt’s, Philip?“
Ich weiß, was sich gehört, deshalb sagte ich brav: „Ja, vielen Dank!“ Dabei kann ich Fußball eigentlich nicht leiden, aber da die Damen Blumen bekommen würden, sollte auch Papa seine Freude haben.
Es wurde dann ganz nett beim Spiel und gewonnen haben wir auch!
Mama und Oma Betty blieben zu Hause, sie konnten sich gar nicht sattsehen an ihren tollen Blumensträußen.

© Regina Meier zu Verl

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