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Löwenzahnhonig

„Kommst du mit mir in den Wald? Ich möchte Löwenzahnblüten sammeln!“, sagt Mama nach dem Mittagessen. Ich habe eigentlich keine Lust, aber ich kann Mama das nicht abschlagen, also raffe ich mich auf.
„Hier am Straßenrand wachsen doch auch Pusteblumen! Können wir die nicht nehmen?“, frage ich aber vorsichtshalber nach.
„Nein, ich möchte Löwenzahnhonig zubereiten. Die Blüten hier am Straßenrand haben zu viele Autoabgase abbekommen. Am Waldrand sind sie einfach besser!“, erklärt Mama und das leuchtet mir ein. Außerdem mag ich Löwenzahnhonig sehr gern.
„Wir nehmen uns ein kleines Picknick mit, dann macht das Ganze doppelt Spaß!“, schlägt Mama vor und da bin ich natürlich sofort dabei. Picknick klingt gut und vor allem lecker.
Mama packt einige Stück vom Topfkuchen ein, den sie am Wochenende gebacken hat. Auch etwas zu trinken nehmen wir mit und dann ziehen wir los.
„Warum heißt der Löwenzahn eigentlich so?“, frage ich Mama, denn unter den Zähnen eines Löwen stelle ich mir gefährliche Hauer vor, die stark genug sind, in der Wildnis eine Antilope auseinander zu reißen.
„Schau dir die Blätter, sie sind gesägt und sehen aus wie Zähne, findest du nicht?“
„Ja, stimmt und die Blüten sehen ein bisschen wie eine Löwenmähne!“, fällt mir ein.
„So habe ich das noch nicht gesehen, aber du hast recht, lauter kleine Löwengesichter!“, Mama lacht.
Mittlerweile sind wir am Waldrand angekommen. Die kleinen gelben Sonnen leuchten. Ich finde es fast zu schade, sie abzupflücken.
„Wir brauchen gar nicht so viele, drei Hände voll sollten genügen“, sagt Mama und ich frage mich, ob sie wieder einmal meine Gedanken gelesen hat.
Blüte für Blüte legen wir in den Korb. Wir pflücken aber nicht alle Blüten an einer Stelle ab, sondern lassen immer einige stehen. Die können dann zu Pusteblumen werden und ihre Samen weiter verteilen, damit wir auch im nächsten Jahr wieder ernten können.
„So eine Pusteblume hat ungefähr achtzig Samenschirmchen“, erzähle ich Mama, denn gerade in der letzten Woche haben wir in der Schule im Sachunterricht darüber gesprochen.
„Aha!“, sagt Mama. Sie staunt, das sehe ich ihr an. Deshalb versuche ich sie noch weiter zu beeindrucken.
„Die Federkrone der Pusteblume nennt man auch Pappus und jedes einzelne Schirmchen des Pappus trägt einen Fruchtkörper, der mit kleinen Widerhaken versehen ist, damit er sich besser am Boden festhalten kann. Klasse, nicht wahr?“
Das hat geklappt, Mama ist beeindruckt von meinem Wissen. Wie man aber Löwenzahnhonig herstellt, das weiß Mama besser. Sie schlägt vor, dass ich zu Hause ein schönes Bild vom Löwenzahn malen soll und dann das Rezept dazu könnte.
Drei Hände voll sind schnell gesammelt und den Kuchen vertilgen wir genüsslich im Gras sitzend. Dann treten wir den Heimweg an und ich setze mich gleich an den Küchentisch und male ein Rezeptbild. Mama diktiert mir die Zutaten für den Honig und morgen werde ich das Bild mit in die Schule nehmen.

Hier das Rezept: 3 (Mutter)Hände Löwenzahnblüten unter fließendem Wasser abwaschen, in einen großen Topf geben. Zwei in Scheiben geschnittene Biozitronen mit in den Topf legen, dann 2 Liter Wasser dazu. 15 Minuten kochen, dann 24 Stunden lang ruhen lassen.
Am nächsten Tag wird alles durch ein Küchenhandtuch in einen anderen Topf gegossen, so dass man eine gelbe, klare Flüssigkeit erhält. Diese wird dann mit 1,5 Pfund Zucker erwärmt und bei kleiner Hitze eingekocht. Das kann bis zu 5 Stunden dauern – immer wieder umrühren zwischendurch, das ist wichtig. Nach und nach entsteht ein Sirup, den man dann heiß in kleine Gläser füllt. Deckel drauf, kalt werden lassen, fertig!
Guten Appetit!

© Regina Meier zu Verl

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