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Posts Tagged ‘Freundschaftsgeschichte’

2017-09-09 14.53.26
Aus Omas Wollkorb

„Oma, in meiner Klasse ist einer, der sagt jedes Mal, wenn wir unsere Schuhe an der Klassentür ausziehen: So schöne Socken hätte ich auch gern mal!“, erzählt Philip.
„Ja? Dann mag er wohl selbst gestrickte Socken auch so gern wie du?“ Oma freut sich. Sie strickt für ihr Leben gern Socken und besonders gern für Philip, der das zu schätzen weiß. Seit er klein war, hat sie für ihn gestrickt und er trägt die bunten Fußwärmer fast das ganze Jahr.
„Er hat aber keinen, der ihm welche stricken kann, sagt er!“, erzählt Philip weiter.
„Der Arme!“, bedauert Oma den Unbekannten.
„Ja, finde ich auch. Dabei hat er immer so kalte Füße und neulich hatte er sogar ein Loch im Socken.“

Philip sortiert die Wollknäuel in Omas Handarbeitskorb nach Farben.
„Ein Loch in der Socke ist unangenehm!“, meint Oma.
„Sehr!“, sagt Philip und fischt ein neongrünes Restknäuel aus dem Korb. „Wenn ich stricken könnte, dann würde ich ihm wohl ein Paar stricken, Oma. Ich mag ihn sehr gern!“
Oma schweigt und klappert mit den Nadeln.
„Weißt du seine Schuhgröße?“, will sie dann von Philip wissen.
Der schüttelt den Kopf. „Nee, weiß ich nicht, aber ich könnte ihn fragen. Allerdings …“
„Ja?“
„Dann wäre es ja keine Überraschung mehr. Ich würde ihn gern überraschen, weißt du?“
Oma grinst. Längst hat sie gemerkt, worauf das Gespräch hinauslaufen wird, aber sie lässt den Philip noch ein wenig zappeln.
„Ich könnte dir das Stricken beibringen!“, schlägt sie vor. Philips Mundwinkel wandern nach unten. So hat er sich das nicht vorgestellt.
„Ja, das könntest du, aber es wird eine Ewigkeit dauern, bis ich ein Paar gestrickt hätte. Sicherlich wäre dann schon Sommer und dann ist er nicht mehr da, er zieht nämlich um!“
Oma legt das Strickzeug zur Seite. Viel zu gern würde sie ein Paar Strümpfe für Philips Freund stricken. Der arme Junge soll doch nicht weiterhin mit löchrigen Socken im Unterricht sitzen.
„Sag doch einfach, was du willst, Philip! Das spart Zeit!“, schlägt sie vor und wartet ab.
„Würdest du mir ein Paar stricken, Oma?“
„Na bitte, geht doch!“ Oma lacht. „Dann müssen wir nur noch die Schuhgröße herausbekommen und es kann losgehen!“
„Oma, du bist die Beste. Gleich morgen schaue ich unter seine Schuhe, da steht doch immer die Größe, stimmt’s?“
Oma nimmt ihr Strickzeug wieder auf. In Gedanken sortiert sie schon ihre Wollreste. So ein Paar Kindersocken sind ja schnell gestrickt. Wenn sie sich beeilt, dann kann Philip seinen Freund schon nächste Woche damit erfreuen.
„Sag mal Philip, wie heißt denn dein Freund eigentlich?“, will Oma noch wissen.
„Er heißt Herr Müller und ist unser Sportlehrer!“, sagt Philip fröhlich.

Oma sieht einen jungen, riesigen Mann vor sich, der mindestes Schuhgröße 46 haben wird und da liegt sie gar nicht so falsch. Aber: versprochen ist versprochen, denkt sie sich und das ist ja auch richtig so.

© Regina Meier zu Verl

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Hier war wohl das Mäuschen schneller.

Krümelkinder

„Na du, wartest du auf den Bus?“, fragt die Taube Tilli die Amsel, die sich gerade neben ihr auf dem Wartehäuschen niedergelassen hat.
„Auf den Bus? Wie kommst du darauf? Ich brauche keinen Bus, ich kann doch fliegen!“, antwortet diese und kichert. Dieses Kichern klingt wie eine schöne Melodie.
„Worauf wartest du dann?“, will Tilli wissen.
„Auf den Frühling, meine Liebe, und du?“ Die Amsel schüttelt ein paar Wassertropfen von ihrem Gefieder.
„Ich warte auf die Kinder. Sie müssen gleich aus der Schule kommen!“ Tilli späht aufgeregt von rechts nach links und wieder zurück.
„Und dann?“, fragt sie die Taube. „Was hast du vor mit den Kindern?“
„Mit ihnen habe ich nichts vor. Ich warte darauf, dass sie ihre Butterbrote auspacken und dann ist meine Zeit gekommen!“ Tilli lacht gurrend, eine gewisse Vorfreude ist ihr anzumerken. Die Amsel schaut Tilli verständnislos an.
„Wieso? Warum?“, fragt sie neugierig.
„Na, sie packen ihre Brote aus und dann krümeln sie! Ich liebe Kinder, die krümeln. Sie haben ein Herz für uns Vögel!“, erklärt Tilli. Langsam beginnt die Amsel zu verstehen.
„Aha, und dann pickst du die Krümel auf!“, lacht sie. „Aber sag: Reicht das denn für eine Mahlzeit?“
„Mal ja, mal nein. Man darf halt die Hoffnung niemals aufgeben!“ Das klingt ernst. Der Amsel tut das leid, sie selbst hat großes Glück in diesem Winter, sie hatte immer etwas zu essen gefunden.
„Wie heißt du eigentlich?“, will Tilli nun von der Amsel wissen.
„Ich heiße Alice, so wie die Alice aus dem Wunderland!“, flötet die Amsel.
„Alice, heute ist dein Glückstag!“, ruft Tilli fröhlich aus. „Ich lade dich zum Essen ein!“
In diesem Moment kommt eine Schar aufgeregt schwatzender Schüler auf die Bushaltestelle zu. Sie setzen sich auf die Bank im Unterstand und packen, genau wie Tilli es vorausgesagt hatte, ihre Pausenbrote, oder das, was davon übriggeblieben ist, aus. Ja, und sie krümeln was das Zeug hält. Tilli läuft das Wasser im Schnabel zusammen, doch noch traut sie sich nicht hinunter. Erst als der Bus alle Kinder aufgenommen hat, fliegen die beiden Vögel auf den Boden und picken die Krümel auf. Tilli findet sogar ein riesiges Stück Brotkruste, das sie mit ihrer neuen Freundin teilt.
Zum Dank dafür singt Alice ein herrliches Frühlingslied und wenn ich mich nicht irre, dann habe ich die beiden gerade in trauter Einigkeit auf meiner Terrasse entdeckt. Dort habe ich nämlich eine Handvoll Sonnenblumenkerne verstreut, wie jeden Morgen.

© Regina Meier zu Verl

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Die kleine Elfe Sumsinella und die Baumschaukel

Am dicksten Ast der Kastanie hatten die Menschen eine Schaukel aufgehängt. Die Seile waren lang, so dass die kleine Anna beinahe bis zum Himmel damit fliegen konnte. Sumsinella wünschte sich auch so eine Himmelsschaukel.
„Setz dich doch einfach auf meinen Schoß, dann nehme ich dich mit!“, hatte Anna vorgeschlagen und nur zu gern war Sumsinella dieser Aufforderung gefolgt.
„Hui, ist das herrlich!“, schwärmte sie. Anna nahm immer mehr Schwung. Höher und immer höher flogen die Beiden.
„Halt dich aber gut fest, Sumsinella!“, rief Anna und da war es auch schon passiert. Sumsinella konnte sich nicht halten und flog in hohem Bogen in die Luft. Das alles ging so schnell, dass sie ihre Flügel vergaß und immer tiefer purzelte. Sie landete aber nicht auf der Erde, sondern wurde aufgefangen von einem Spinnennetz, das Thea Spinne erst in der letzten Nacht fertig gestellt hatte. Thea selbst war gar nicht zu Hause. Vielleicht hatte sie sich auch nur versteckt und wartete auf Beute.
Richtig, da kam sie auch schon angekrabbelt und staunte nicht schlecht über ihren Fang.
„Ach, liebe Thea, hoffentlich habe ich dein schönes Netz nicht kaputt gemacht!“, rief Sumsinella.
„Das ist Nebensache. Hauptsache ist, dass dir nichts passiert ist, Kleine!“ Thea war gut gelaunt und schimpfte kein bisschen. Sie war satt und zufrieden und freute sich, dass sie der Elfe helfen konnte. Hilfe brauchte Sumsinella auch jetzt noch, denn die Spinnennetzfäden klebten und hielten sie gefangen.
„Da bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als dich mit Kraft herauszuziehen“, stellte Thea fest. „Anschließen musst du dann wohl ein Bad nehmen, die Seidenfäden sind hartnäckig!“
Mittlerweile hatte Anna die Schaukel angehalten und suchte ihre kleine Freundin. Als sie die zappelnde Sumsinella im Spinnennetz entdeckte, zupfte und zog sie behutsam so lange, bis Sumsinella frei war.
„Das Netz ist allerdings zerstört!“, stellte sie fest.
„Macht nichts, ich webe ein neues, habe sowieso gerade nichts zu tun“, sagte Thea großzügig und machte sich gleich an die Arbeit.
Vom Schaukeln hatten Anna und Sumsinella auch erst einmal genug. Sie legten sich in Gras und erholten sich von dem Schrecken.
„Weißt du was, Anna?“, fragte Sumsinella.
„Was denn?“ Anna zupfte noch einen Spinnfaden von Sumsinellas Kleid.
„Ich brauche gar keine Schaukel mehr, dieses Erlebnis hat mir gereicht!“
„Kann ich gut verstehen, ich werde auch noch etwas vorsichtiger sein, denn wenn ich mal aus der Schaukel fliege, dann fängt mich kein Netz auf.“
Später holte Anna die Badewanne aus ihrer Puppenstube. Sumsinella nahm ein Bad und hatten einen Elfenspaß an der tollen Wanne. Vorsichtig hüllte Anna die Freundin in ein Taschentuch ein und den Rest übernahm Mutter Sonne.

© Regina Meier zu Verl

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Die Elfe Sumsinella und das kranke Mädchen (10)

Das Licht des Mondes, das sich im See spiegelte, wurde zu Silberpünktchen, die auf dem Wasser schaukelten. Sumsinella betrachtete dieses Schauspiel und konnte sich nicht satt sehen.
„Eigentlich ist es gar nicht schlimm, dass ich nicht schlafen kann“, erzählte sie Ortrud, der Grille, die es sich neben ihr gemütlich gemacht hatte.
„Warum kannst du denn nicht schlafen?“, fragte Ortrud interessiert.
„Ich mache mir Sorgen“, antwortete Sumsinella.
„Weißt du, ich muss immer darüber nachdenken, dass es der kleinen Anna drüben im Haus nicht gut gehen könnte. Ich habe sie lange nicht im Garten gesehen und immer wenn ihre Mutter nach draußen kommt, dann schaut sie traurig aus.“
„So, so!“, sagte Ortrud und dann noch einmal: „So, so!“
„Wenn ich doch nur wüsste, was mit ihr los ist.“
„Ja, ja!“, seufzte die Grille und strich über ihre langen Fühler.
Sumsinella sprang auf und funkelte Ortrud böse an.
„Hast du nicht mehr zu sagen als immer nur ‚So, so’ oder ‚Ja, ja’? Ich dachte, dass du meine Freundin bist.“
Ortrud schwieg, Sumsinella schwieg auch.
Eine dicke Wolke hatte sich vor den Mond geschoben, die Lichtfunken waren verschwunden und kühler war es auch geworden. Sumsinella gähnte.
„Ich werde dann mal mein Bettchen aufsuchen. Tut mir Leid, dass ich dich so beschimpft habe!“ Sie reichte Ortrud die Hand.
„Schon gut, schon gut!“, sagte Ortrud und dann fügte sie hinzu: „Ich habe eine Idee!“
Sofort war Sumsinella wieder hellwach.
„Sag schon, was für eine Idee ist es denn?“, drängte sie die Freundin.
„Du solltest mal ins Haus fliegen, irgendwo ist doch sicher ein Fenster offen und du kannst hinein schlüpfen. Frag die kleine Anna, was mit ihr los ist.“
„Das kann ich doch nicht machen. Sie würde Angst bekommen und außerdem versteht sie mich doch gar nicht.“
„Dummchen!“, schimpfte Ortrud. „Sie ist doch ein Kind, oder?“
„Ja, aber …“
„Kinder verstehen die Sprache der Elfen, oder nicht?“
Sumsinellas Augen leuchteten. Dass sie daran gar nicht gedacht hatte!
„Ich versuche es sofort“, rief sie und schon flog sie auf das Haus zu, um nach einem geöffneten Fenster Ausschau zu halten. Sie wusste, wo Annas Zimmer war und hatte Glück, das Oberlicht des Fensters war geöffnet und Sumsinella konnte ungehindert ins Zimmer gelangen.
Anna lag in ihrem Bett und schlief. Ihre Wangen waren gerötet. Immer wieder drehte sie den Kopf hin und her. Sie stöhnte im Schlaf und plötzlich rief sie nach ihrer Mutter.
Sumsinella erschrak. Hoffentlich entdeckte die Mutter sie nicht, wenn sie gleich das Licht anknipsen würde. Auf der Fensterbank standen einige Spielzeuge, darunter auch kleine Blumenelfen aus Porzellan. Sumsinella stellte sich zu ihnen.
Schon wurde es hell im Zimmer. Die Eltern hatten den Raum betreten. Annas Mutter legte die Hand auf die Stirn der Tochter.
„Sie hat wieder Fieber!“, sagte sie. Der Vater nickte.
„Ich werde ihr Wadenwickel machen, bleib du solange bei ihr. Ich hole kaltes Wasser und Wickel.“
Der Vater setzte sich auf die Bettkante und nahm Annas Hand.
„Schätzchen, du musst gesund werden, hörst du. Wir brauchen dich doch!“, sagte er mit leiser Stimme.
Sumsinellas Herz klopfte wie wild, so dass sie dachte, dass jeder es hören konnte.
Die Mutter kam zurück, schlug die Bettdecke zur Seite und tauchte Tücher in eine Schüssel. Dann wickelte sie die nassen Lappen um Annas Beine, legte trockene Handtücher darüber und dann die Bettdecke wieder obendrauf.
„Können wir denn sonst gar nichts für sie tun?“, fragte der Vater.
„Der Doktor hat gesagt, dass wir nur für sie da sein sollen. Sie trauert und das tut ein jeder auf seine Weise. Irgendwann wird sie einen neuen Freund finden. Dann wird es ihr besser gehen. Jeder Mensch braucht einen Freund!“
Plötzlich fiel es Sumsinella wie Schuppen von den Augen. Klar, es ging um Fiete, Annas Hund. Seit Tagen hatte ihn niemand im Garten gesehen. Sicher war Fiete etwas passiert und Anna war nun krank vor Kummer. Ja, so musste es sein.
Jetzt wusste sie, wie sie Anna helfen konnte. Sie brauchte einen Freund. Sie, Sumsinella, würde Annas neue Freundin sein.
Sie konnte es kaum erwarten, dass die Eltern das Zimmer verließen. Als sich endlich die Tür hinter ihnen geschlossen hatte, flog sie auf Annas Kopfkissen, setzte sich ganz nahe an das Ohr des Mädchens und sang:
„Kleine Anna, weine nicht,
schau mir einfach ins Gesicht.
Ich bin für immer für dich da,
ja das ist wahr, ja das ist wahr.
Anna öffnete die Augen und blinzelte. Woher kam der schöne Gesang?
Sumsinella flog auf Annas Brust und setzte sich.
„Schau her, ich bin es, deine Elfenfreundin Sumsinella!“
Anna lächelte und fürchtete sich auch gar nicht.
„Singst du mir noch was vor?“, bat sie und schon bald war sie wieder eingeschlafen.
„Werde gesund, kleine Anna!“, flüsterte Sumsinella und blieb bei ihrer neuen Freundin, bis der Morgen anbrach.
„Heute Abend komme ich wieder zu dir!“, versprach sie und Anna murmelte:
„Ist gut!“ Dann drehte sie sich auf die Seite und schlief weiter.

Als die Mutter am Morgen das Zimmer betrat, war Anna schon wach.
„Ich habe eine neue Freundin!“, rief sie glücklich. „Sie heißt Sumsinella und kommt am Abend wieder zu mir. Sie ist eine Elfe.“
„Das ist ja wunderbar“, sagte die Mutter, die nicht an Elfen glaubte. Vielleicht hatte das Kind geträumt. Das war aber ganz gleich, die Hauptsache war doch, dass es ihr besser ging.

Nach zwei Tagen durfte Anna sogar schon wieder in den Garten und wenn sie ganz allein war, dann zeigte Sumsinella sich ihr auch tagsüber und sie hatten gemeinsam viel Spaß.
Ortrud betrachtete die beiden von weitem und nickte freudig.
„Ja, ja!“, sagte sie. „Ja, ja!“

© Regina Meier zu Verl

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