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Posts Tagged ‘Engelgeschichte’

17. Dezember

Den zweiten Teil der Geschichte des kleinen Engels hatte ich euch vorgestern versprochen. Hier ist er nun: (Teil 1 ist HIER)

Silver, der kleine Engel (Teil 2)

Hoch am Himmel flog Silver, der kleine Engel. Nach langer Zeit der Traurigkeit fühlte er sich heute richtig wohl, nachdem ihm die Begegnung mit dem Fuchs die Augen geöffnet hatte. Er schaute hinab auf die kleine Stadt unter ihm, die weihnachtlich beleuchtet war, denn es waren nur noch ein paar Tage bis zum Weihnachtsfest. Überall in den Gärten standen beleuchtete Tannenbäume und in den Fenstern strahlte heller, warmer Kerzenschein.
Silver ließ sich ein wenig mehr nach unten gleiten, weil ihm so gefiel, was er da sah. Plötzlich hörte er seinen Namen.
„Silver“, rief eine leise Stimme. „Flieg hinab zur Erde, du wirst gebraucht!“
„Aber wohin soll ich fliegen?“, fragte Silver aufgeregt. Er spürte, dass sich Gabriels Vorhersage nun bald erfüllen würde.
„Lass dich einfach fallen, dann wirst du schon wissen, was zu tun ist“, sagte die Stimme.
Silver tat, wie ihm geheißen. Langsam sank er immer tiefer und tiefer hinab und plumpste plötzlich in den weichen Schnee direkt am Rand des Marktplatzes.
War das ein Trubel, viele Menschen gab es hier, Buden mit Süßigkeiten, sogar ein Kinderkarussell. ‚Das muss ein Weihnachtsmarkt sein!‘, dachte Silver und schaute sich neugierig um.
Mitten auf dem Platz tanzten Kinder auf einer Eisfläche einen Schlittschuhtanz. Wie lustig das aussah, gern hätte Silver ein wenig mit den Kindern herumgetollt, aber er hatte auch ein wenig Angst davon, was passieren würde, wenn man ihn entdeckte.
Ein kleines Mädchen saß am Rand der Eisbahn. Es weinte. Niemand kümmerte sich um die Kleine.
Sofort spürte Silver, dass er eingreifen musste. Wo waren denn nur die Eltern des Mädchens und warum bemerkte niemand, dass es weinte?
Sanft nahm er die Hand des Mädchens und sprach es an.
„Warum weinst du? Hast du dir weh getan?“, fragte er leise.
„Nein, aber ich bin ganz allein!“, stammelte die Kleine.
Das war nicht gut, gar nicht gut. Er flüsterte dem Mädchen etwas ins Ohr, hob sich in die Luft und versuchte, die Eltern des Kindes ausfindig zu machen. Er würde sie schon erkennen, ganz bestimmt.
Er entdeckte eine Frau, die sich suchend umschaute. Silver landete neben ihr und sprach sie an, doch die Frau hörte ihn nicht. Er zupfte an ihrem Mantel. Die Frau reagierte nicht.
„Silvia!“, rief sie laut. „Wo bist du denn nur?“
„Aha!“ rief Silver. „Dann bin ich wohl Silvias Schutzengel!“ Er nahm die Hand der Frau und zog sie über den Marktplatz in Richtung Eisbahn. Die Frau folgte ihm und rief immer wieder Silvias Namen und endlich sah sie ihre Tochter, die ihr aufgeregt zuwinkte.
„Mama!“, rief sie. „Ich war hier ganz allein und wusste nicht wo du bist!“
Die Frau schloss das Kind in ihre Arme.
„Ich habe so geweint, doch dann kam dieser Engel und da wusste ich, dass alles wieder gut wird!“, sagte Silvia.
„Engel?“, fragte die Frau. „Welcher Engel denn, fantasierst du wieder?“ Sie fühlte die Stirn ihrer Tochter. „Fieber hast du aber nicht!“
„Der Engel, der da neben dir steht, du hattest ihn an der Hand, als du mich gefunden hast!“, erklärte Silvia.
Die Mutter lachte. „Engel, die gibt es nur im Märchen!“, sagte sie. „Aber jetzt ist ja alles wieder gut!“
Silver lächelte. Das Kind hatte ihn gesehen, die Mutter nicht. Das war wohl das Zeichen dafür, dass er, Silver, wirklich der Schutzengel der Kleinen war.
„Silvia und Silver!“, flüsterte er und hauchte dem Mädchen einen zarten Kuss auf die Wange.
„Ja, wir beide!“, flüsterte das Kind. „Bleibst du jetzt bei mir?“
„Ja, immer!“, versprach Silver.
„Mit wem redest du?“, fragte die Mutter verwundert.
„Das ist mein Geheimnis“, antwortete Silvia und sie hat niemandem verraten, dass von da an der Engel Silver stets an ihrer Seite war.
Ja, so war das!

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7. Dezember

Hinter einem weiteren Türchen im Adventskranz verbarg sich ein Engel. Wir hatte nun schon die Glocken, das Schufchen … äh, Schäfchen meine ich, die Gänse Gabriel und Günter, die kleine weiße Kerze und Oma Sockes Geheimnis, worum geht es denn heute?
Das scheint nur so

Willi war gerade mal zehn Jahre alt, als es zum ersten Mal passierte. Er maß dem keine Bedeutung bei, erst viel später erinnerte er sich daran.
Auf dem Schulhof war die kleine Grete heftig gestürzt. Ihr Knie blutete und sie weinte jämmerlich. Um sie herum stand eine Traube von Kindern. Keines wusste, was zu tun war und der Lehrer Zimmermann war gerade mit einer Rangelei der älteren Jungen beschäftigt. Willi, der Grete kannte, weil sie in seiner Nachbarschaft wohnte, trat zu ihr und beruhigte sie mit leisen Worten.
„Ist nicht so schlimm, komm, leg deine Hände um meinen Hals, dann trage ich dich zum Sekretariat. Dort wird man dein Knie versorgen.“
Grete legte die Hände auf Willis Schulter und ließ sich von ihm tragen, die anderen Kinder traten einen Schritt zurück und ließen die beiden durch. Die nette Schulsekretärin säuberte die Wunde und legte einen Verband an. Grete weinte, aber Willi wich nicht von ihrer Seite. Das tat gut!
„Danke, Willi, du bist ein Engel!“, flüsterte Grete in sein Ohr, als sie später gemeinsam zum Klassenraum gingen.
„Das scheint nur so!“, sagte Willi beschämt, aber er freute sich auch, denn Engel sind ja etwas Schönes und für Grete wollte er gern ein Engel sein und sie beschützen, wenn es nötig war.

Ein anderes Mal hatte sich die Nachbarin aus ihrer Wohnung ausgesperrt. Da stand sie mit ihrem Baby vor der Tür und wusste nicht, was sie machen sollte. Ein Handy hatte sie nicht, das gab es damals noch nicht und weit und breit war kein Mensch zu sehen, der ihr hätte helfen können. Willi kam gerade vom Fußball zurück, es war kalt und er freute sich auf ein heißes Bad, als er die Nachbarin entdeckte, die verzweifelt ausschaute und deren Baby jämmerlich weinte.
„Was ist passiert?“, rief er ihr zu und wechselte die Straßenseite, um ihr näher zu sein.
„Ich habe mich ausgesperrt und nun weiß ich nicht, was ich machen soll. Das Baby hat Hunger und mein Mann kommt erst am Abend heim. Sowas Dummes aber auch!“ Die Frau weinte nun auch, nicht so laut wie das Kind, aber doch mit dicken Tränen.
Willi lud die Frau ein, mit zu ihm zu kommen. „Meine Eltern sind zwar nicht zu Hause, aber das geht schon in Ordnung, wir kennen uns doch!“, sagte er. „Vielleicht können Sie ihren Mann anrufen!“, schlug er vor und schloss die Haustür auf.
„Danke, Willi!“, sagte die Frau, als sie kurze Zeit später in der warmen Stube von Willis Eltern saß und ihr Baby stillte. Willi war etwas verlegen, aber was sein musste, musste sein.
Als die Nachbarin nach einer Stunde von ihrem Mann abgeholt wurde, sagte sie: „Willi, du bist ein Engel!“ Verlegen antwortete er: „Das scheint nur so!“

So zogen sich kleine Hilfestellungen für anderen durch Willis Leben. Er heiratete, wurde Vater und engagierte sich in Kindergarten und Schule und immer wieder gab es Ereignisse, nach denen andere zu ihm sagten: „Willi, du bist ein Engel“ und stets antwortete er: „Das scheint nur so!“

Einmal saß er in der Kirche und hörte aufmerksam den Worten des Pastors zu, der sagte: „Engel sind mitten unter uns. Man erkennt sie nicht an ihren rauschenden Goldhaaren oder weißen Gewändern. An ihren Handlungen kann man sie wahrnehmen und ihre Anwesenheit spüren. Sie sind an unserer Seite und beschützen und helfen uns.“
Willi wurde verlegen, als seine Frau seine Hand nahm und fast unmerklich nickte, so als wollte sie sagen: „Willi, du bist mein Engel!“ Willi lächelte und zum ersten Mal fühlte er keinen Widerspruch in sich. Gern wollte er ihr Schutzengel sein und er war es immer für sie und viele andere gewesen. Daran sollte sich nichts ändern.
Und das tat es auch nicht und so, wie wir alle eines Tages gehen müssen, musste auch Willi im hohen Alter diese Welt verlassen. Als er die Himmelspforte erreichte und Petrus zu ihm sagte:
„Willi, du bist ein Engel!“, widersprach er nicht. „Ja, das bin ich!“, antwortete er und macht sich auf, im Himmel nach seinen Angehörigen zu suchen, die ihm vorausgegangen waren.

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Gestern Abend habe ich noch lange gestrickt, Wollsocken. Stricken hat für mich etwas Meditatives und so versank ich in Gedanken und irgendwann war ich so müde und zufrieden, dass ich einschlief, ganz entspannt. Heute wachte ich mit einer Geschichte auf, die mir wohl im Traum zugefallen ist. Ich habe sie schnell aufgeschrieben, damit ich sie nicht wieder vergesse. Die Namen in der Geschichte habe ich allerdings austauschen müssen. Vorsichtshalber, sonst erkennt sich noch jemand 🙂

2016-01-10-12-59-14

 

Wie Jonathan zu seinen bunten Socken kam

 

Der kleine Engel Jonathan stapfte mit nackten Füßen durch den Schnee. Ihm war kalt und seine Füßchen schmerzten. Er hatte sich verlaufen und fand den Weg zur Himmelsleiter nicht mehr. Nur einen kurzen Ausflug in den Wald hatte er machen wollen und dabei vergessen, sich die Richtung zu merken. Er hätte nun seine goldene Trillerpfeife benutzen können, die sogleich Hilfe schicken würde, aber das wollte er nicht. Bedeutete es doch für ihn, dass er noch nicht die notwendige Reife besaß, ein Schutzengel zu sein und das war sein allergrößter Wunsch. Helfen wollte er, ein Menschenkind beschützen und immer für es da sein.

Jonathan war den Tränen nahe, als er plötzlich ein jämmerliches Weinen hörte. Er legte sein Köpfchen auf die Seite und lauschte. Da, da war es wieder. Es musste ganz in der Nähe sein. Langsam ging er in die Richtung, aus der das Weinen kam. Er gelangte zu einer Holzhütte, deren Fenster erleuchtet waren. Aus dem Schornstein stieg eine dicke Rauchwolke in den Himmel. Vorsichtig näherte sich Jonathan einem der Fenster. Er schaute in eine warme Stube, in der ein Feuerchen im Kamin prasselte. In einer hölzernen Wiege lag ein Kind. Es strampelte mit den Beinen und weinte zum Herzerbarmen. Niemand kam, um das Kind zu trösten. Wo war denn nur seine Mutter? Jonathan ging um die Hütte herum und suchte nach ihr, indem er in jedes Fenster schaute. Aber da war niemand. Er musste eingreifen, jetzt!

Mit klopfendem Herzen drückte er die schwere Klinke der Tür hinunter und betrat die Hütte. Geschwind ging er auf die Wiege zu und streichelte die tränennassen Wangen des Kindes. Es erschrak, denn die Hände des kleinen Engels waren eiskalt. Doch als es in Jonathans Augen schaute, beruhigte es sich sofort, denn es erkannte seinen Engel. Sorgfältig deckte Jonathan das Kind zu und dann begann er zu singen, so, wie er es von seinen Lehrmeistern gelernt hatte. „Stille Nacht, Heilige Nacht“ sang er. „alles schläft, einsam wacht, nur das traute hochheilige Paar, holder Knabe im lockigen Haar …“ Jonathan verschluckte sich, er kicherte und dann lachte er frei heraus. Das Kind dort in der Wiege hatte gar keine Haare, geschweige denn Locken und sicherlich war es auch kein Knabe, denn es trug einen rosaroten Strampelanzug und es gluckste nun vor Vergnügen. Von Schlaf war nicht die Rede.

Knarrend öffnete sich in diesem vergnüglichen Augenblick die Tür. Eine Frau betrat die Hütte, sie trug ein Bündel Feuerholz auf dem Arm.

„Marie, du bist ja so fröhlich“, rief die Frau, legte das Feuerholz ab und trat an die Wiege. Jonathan verhielt sich ganz still, doch auch wenn er genau neben der Frau stand, so sah sie ihn doch nicht. Das glaubte er jedenfalls. „Ich wasche mir nur schnell die Hände und dann nehme ich dich!“, sagte die Frau zu Marie. „Und wir bedanken uns bei deinem Schutzengel, der so schön auf dich aufgepasst hat. Zum Dank lege ich ihm ein Paar Socken hin, denn draußen ist es kalt und etwas Anderes kann ich ihm nicht anbieten.“ Sie griff in einen großen Korb, der mit Wolle gefüllt war und beförderte ein buntes Paar Socken zutage. Das legte sie auf den Rand der Wiege, dann verließ sie das Zimmer.

Jonathan zögerte noch, dann aber zog er die bunten Wollsocken an und machte sich wieder auf den Weg. Nun würde er die Himmelsleiter sicher finden, denn er hatte bewiesen, dass er ein guter Schutzengel sein würde, für Marie!

© Regina Meier zu Verl 2016

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