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Posts Tagged ‘drabble’

Leichenschau

Eine Oma aus der Nachbarschaft war gestorben. Früher wurden die Verstorbenen zu Hause aufgebahrt und blieben dann bis zur Beerdigung in den Familien. Meine Freundin Anne und ich hatten davon gehört, wir waren damals so ungefähr acht Jahre alt. Wir haben unsere Fahrräder genommen und sind zu dem Hof geradelt, um uns die tote Oma anzuschauen. Wir haben geklingelt, man ließ uns gucken. Mich hat es nachhaltig beeindruckt, wie friedlich sie da lag, mit gefalteten Händen und völlig entspannten Gesichtszügen. Mama hat sehr geschimpft, als wir heimkamen. „Sowas tut man nicht!“, hat sie gesagt. Also ich schon, ich tu sowas.

100 Wörter

 

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Tante Guste und der Bohnerwachs

Heute hatte ich einen seltsamen Geruch in der Nase. Ich habe ihn lange nicht wahrgenommen, Bohnerwachs.
Tante Guste bohnerte ihre Holzdielen früher. Sie war eine Nachbarin, die für uns drei Kinder eben viel mehr war als eine Nachbarin.
Ich sehe ihr Gesicht deutlich vor mir, ihr Lächeln, ihre weißen Haare, mit stets frischer Dauerwelle. Ich sehe ihre Hände und höre ihre Stimme.
Toll war es, wenn ich auf dem Bohnerbesen saß, während sie die Dielen polierte. Sie sagte, dass es deutlich besser geht, wenn ich draufsitze. Der Fußboden wurde viel blanker poliert und es roch im ganzen Haus nach Sauberkeit.

100 Wörter

#Lebensdrabble

Meine Mutter und ich beim Großelternbesuch in Bielefeld

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Die Qual der Wahl

Wir taten uns schwer damit, einen Namen zu finden. Mein Mann machte ständig Vorschläge, die für mich nicht tragbar waren und die Auswahl meiner Namen gefiel dem Göttergatten nicht. Also versuchten wir, eine Lösung zu finden, die beiden gerecht wurde. In einem Vornamenbuch strich jeder von uns seine Lieblingsnamen an. Freudig fing ich an, anschließend war Andreas dran. Was soll ich sagen, es gab nicht eine einzige Übereinstimmung. Wir mussten uns eine andere Möglichkeit überlegen.
„Ich schlage eine Seite auf, du tippst mit geschlossenen Augen auf einen Namen!“, schlug Andreas vor. So machten wir es. Seitdem heißt unser Wellensittich Glossar.

© Regina Meier zu Verl

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Meine Fingerabdrücke sind drauf, ich war die einzige, die im Raum war und überhaupt hat sonst niemand den Schlüssel für die Wohnung.

Das schlechte Gewissen sitzt mir im Nacken, ich habe das Beweisrelikt tief unten im gelben Sack versenkt und hoffe darauf, dass mein Vergehen nicht entdeckt wird.

Oder sollte ich besser gleich ein Geständnis ablegen, vielleicht bekomme ich dann mildernde Umstände.

Ich entscheide mich für die Geständnisvariante und schreibe eine SMS: „Habe den Fruchtzwerg aufgegessen, bitte um Milde!“

Umgehend erfolgt die Antwort: „Warte, wenn ich nach Hause komme, dann gibt es ein Donnerwetter. Hat er dir wenigstens geschmeckt? Grins.“

 

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