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Archive for the ‘Tagebucheinträge’ Category

Eierkauf

Einmal wöchentlich gingen wir Kinder zu Frau H., die mit ihrem Mann, der bei uns Kindern ‚der mit den großen Füßen‘ hieß, einen Hof betrieb. Eigene Kinder hatten sie nicht, hatten aber einen Jungen angenommen. Der durfte uns ein Stückchen begleiten, wenn wir wieder nach Hause gingen. Die Eier wurden sorgfältig in unserem Korb verstaut, das Geld ging in die Spardose des Ziehsohnes. Wir durften nicht gehen, bevor wir ein großes Glas Milch getrunken hatten. Zum einen wurde die Küche, die direkt neben dem Stall lag, von unzähligen Fliegen bevölkert und die Milch war roh. Ich ekelte mich sehr davor.

100 Wörter

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10. Jahrestag

WordPress hat mich gerade darauf hingewiesen, dass ich heute vor 10 Jahren angefangen habe zu bloggen. Kinder, wie die Zeit vergeht, unglaublich! Allerdings hatte ich vorher schon Blogs bei Blog.de und auch ein Blogspot-Blog. Ich denke aber, dass ich jetzt hier bei wordpress bleiben werde, mir gefällt es hier ganz gut!

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Photo by cottonbro on Pexels.com

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etwas verspätet …

Das falsche Gesangbuch

Einen Kindergarten habe ich nie besucht, meine Geschwister auch nicht. Warum? Wir hatten das falsche Gesangbuch. Braucht man denn im Kindergarten ein Gesangbuch, könnte man sich jetzt fragen, aber ich bin sicher, dass der ein- oder andere diesen Ausspruch noch kennt. Es gab halt nur kirchliche Kindergärten in unserer Heimatstadt und die waren katholisch. Wir aber nicht und so sagte man unserer Mutter: Tut uns leid! Ich habe nichts vermisst, wusste ja nicht, wie das so ist, in einem Kindergarten und außerdem wurde ich später entschädigt, denn die evangelische Dietrich-Bonhoeffer-Grundschule war die beste Schule ever! Sagen meine Geschwister auch, isso!

100 Wörter

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Leichenschau

Eine Oma aus der Nachbarschaft war gestorben. Früher wurden die Verstorbenen zu Hause aufgebahrt und blieben dann bis zur Beerdigung in den Familien. Meine Freundin Anne und ich hatten davon gehört, wir waren damals so ungefähr acht Jahre alt. Wir haben unsere Fahrräder genommen und sind zu dem Hof geradelt, um uns die tote Oma anzuschauen. Wir haben geklingelt, man ließ uns gucken. Mich hat es nachhaltig beeindruckt, wie friedlich sie da lag, mit gefalteten Händen und völlig entspannten Gesichtszügen. Mama hat sehr geschimpft, als wir heimkamen. „Sowas tut man nicht!“, hat sie gesagt. Also ich schon, ich tu sowas.

100 Wörter

 

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Tante Guste und der Bohnerwachs

Heute hatte ich einen seltsamen Geruch in der Nase. Ich habe ihn lange nicht wahrgenommen, Bohnerwachs.
Tante Guste bohnerte ihre Holzdielen früher. Sie war eine Nachbarin, die für uns drei Kinder eben viel mehr war als eine Nachbarin.
Ich sehe ihr Gesicht deutlich vor mir, ihr Lächeln, ihre weißen Haare, mit stets frischer Dauerwelle. Ich sehe ihre Hände und höre ihre Stimme.
Toll war es, wenn ich auf dem Bohnerbesen saß, während sie die Dielen polierte. Sie sagte, dass es deutlich besser geht, wenn ich draufsitze. Der Fußboden wurde viel blanker poliert und es roch im ganzen Haus nach Sauberkeit.

100 Wörter

#Lebensdrabble

Meine Mutter und ich beim Großelternbesuch in Bielefeld

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In meinem Adventskalender hatte ich ja mit den drabbles* wieder angefangen, das hat mir eine Menge Spaß gemacht und schon im Dezember habe ich beschlossen, dass ich diese „Lebensdrabbles“ weiterschreiben möchte. Es müsste zu schaffen sein, jede Woche ein drabble zu schreiben, so dass ich am Ende des Jahres zu den 24 Weihnachtskalenderdrabbles weitere 52 hinzufügen kann. Natürlich müssen die dann alle in eine chronologische Reihenfolge gebracht werden, aber darin sehe ich kein Problem. Ich habe mir heute schonmal einen Zeitstrahl auf meine Pinwand gemalt und daran hangele ich mich dann lang.

*ein drabble ist eine kleine, in sich geschlossene, Geschichte, die genau 100 Wörter (ohne Überschrift) haben muss. Ein drabble sollte eine Pointe haben und für sich allein stehen können.

Ich habe dann heute direkt angefangen und präsentiere dann ab morgen jeden Mittwoch mein Mittwochslebensdrabble – Tusch! 🙂

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Das erste Zwölftel des Jahres liegt bereits hinter uns. Ich hatte mir so fest vorgenommen, ein Jahresprojekt zu starten, hatte es dann aber doch wieder vergessen und heute dachte ich mir:
Viele Menschen hören zu Silvester auf zu rauchen, das fand ich immer schon blöd (weil viele dann am 3. Januar bereits ihren Vorsatz brechen) und habe im letzten Jahr am 1. Februar damit aufgehört und TäTä!!!! es hat geklappt. Ich bin seit einem Jahr rauchfrei. Damit habe ich mir selbst den allergrößten Gefallen getan, aber auch meinen Mitmenschen und das macht mich besonders stolz. Ganz ehrlich: ich vermisse es nicht, der Anfang war nicht so leicht, aber nach drei Monaten war ich sicher, dass es diesmal von Dauer sein würde.
Aber ich schweife ab, wollte eigentlich sagen: dass mein Jahresprojekt im Februar starten wird und dann halt bis zum nächsten Februar andauert – was es ist verrate ich erst morgen.
Allen einen schönen Abend!

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1. Dezember 2020
In meinem diesjährigen Adventskalender geht es um Wörter. Die präsentiere ich euch fast täglich und ich freue mich über jeden Besucher und Leser. Es wird sich daran auch wohl nichts ändern, denn das bin ich, eine Quasselstrippe. Hier möchte ich euch in 24 Episoden ein wenig von mir erzählen und zwar immer genau 100 Wörter am Tag. Das sind dann so genannte Drabbles, kleine Kurzgeschichten mit genau 100 Wörtern, die eine in sich geschlossene Geschichte erzählen und eine Pointe haben. Ob meine Lebensdrabbles eine Pointe haben werden, das kann ich noch nicht versprechen, aber ich werde mich bemühen. Viel Spaß! (100 Wörter)

2. Dezember 2020

Ein Nachbar hatte für Schwesterchen Elke und mich ein „Eheschlafzimmer“ gebaut, weiß lackiert. Ehebett, Kleiderschrank, Frisierkommode und zwei Nachschränkchen gehörten dazu. Mein Bruder hatte ein eigenes Zimmer, wollte aber nicht da schlafen, sondern bei uns in der Mitte. Wir wehrten uns gern dagegen, aber Uwe gewann meist und lag dann selig in der Besucherritze. „Gina, erzählst du uns eine Geschichte?“, bat er, und ich erzählte. Immer aus dem Kopf und immer lustig. Wir lachten und kicherten um die Wette, bis unsere Mutter Einhalt gebot und wir leise weitermachten. So kommt es, dass ich schon mein ganzes Leben lang Geschichten erzähle. (100 Wörter)

Mein Rotkehlchen

3. Dezember 2020

Mein Vater machte an den Wochenenden Tanzmusik. Damit besserte er das Familieneinkommen auf. Es hieß aber für uns, dass wir am Samstag und am Sonntag leise spielen mussten, weil Papa den versäumten Schlaf nachholen musste. Früher gingen Hochzeiten noch über den ganzen Tag, dann spielte meine Mutter nachmittags ein paar Stunden Klavier zur Unterhaltung und am Abend kam dann Papa mit seiner „Kapelle“ zur Ablösung. Waren sie mal beide unterwegs, passte Tante Strothmann auf uns auf. Sie war für uns Kinder wie eine dritte Oma. Die beiden anderen Omas wohnten in Bielefeld und konnten nicht mal eben auf uns achten.

Schlagzeugsolo

4. Dezember 2020
An einem Weihnachtstag kamen immer die Großeltern zu Besuch. Meine Mutter war tagelang aktiv, legte Sauerbraten und Heringe ein. Sie verteidigte die mühsam gebackenen Weihnachtsplätzchen vor uns, damit Omas und Opas die Fülle des süßen Gebäcks bewundern konnten. Nach dem Mittagessen machte Opa Erwin den obersten Hosenknopf auf und legte sich für ein Mittagsschläfchen auf die Eckbank in der Küche. Opa Wilhelm ging mit uns nach draußen, oft hatte es geschneit damals zu Weihnachten. Die Frauen spülten und brachten die Küche wieder auf Vordermann, für den Nachmittagskaffee mit Stollen. Opa Erwin machte den Hosenknopf wieder zu und trank ein Schnäppschen.
100 Wörter

5. Dezember 2020

Onkel Siegfried war einmal Bäcker gewesen, in Bethel. Dort hatte er die leckersten Stollen der Welt gebacken. Den Beruf des Bäckers hatte er zwar aufgegeben, wegen des frühen Aufstehens, denke ich. Aber Stollen hat er weiter gebacken, jedes Jahr viele davon und einen bekamen immer wir. Ich habe nie wieder einen solch köstlichen Stollen gekostet. Als Marzipanliebhaberin kam ich auf meine Kosten. noch heute habe ich den knirschenden Zucker, der außen rum war, auf der Zunge. Mein Onkel backt keinen Stollen mehr, gerade geht es ihm ganz schlecht und heute Abend wird in meinem Fenster ein Licht für ihn brennen.

100 Wörter

6. Dezember 2020

Wie groß war meine Angst vorm Nikolaus. Der kam in echt und er brachte den Knecht Ruprecht mit. Der hatte einen Sack auf dem Rücken, aus dem ein Paar Kinderbeine herausschauten. Beine mit schwarzen Strümpfen und Lederschuhen baumelten bei jeder Bewegung. Und der schwarze Knecht schwang die Rute und schaute grimmig drein. Das war grausam, ich kann die Angst noch immer spüren, die ich hatte. Mama machte dem ein Ende, indem sie mich aufklärte und mir erzählte, wer im Nikolauskostüm stecke, und dass es natürlich nicht „echt“ sei und ich keine Angst haben müsse. Ich fand’s doof, so oder so.

7. Dezember 2020

In der Schule probten wir ein Theaterstück „Mareili im Märchenwald“. Ich wurde Dornröschen. Wie jedes Mädchen freute ich mich, eine Prinzessin sein zu dürfen. Meine Mutter gestaltete mein Kostüm, das aus einem rosa Nachthemd bestand, auf das rote Rosen aus Krepp-Papier aufgenäht waren. Rote Schuhe und eine Krone aus Pappe rundeten das Bild ab. Was gäbe ich für ein Foto aus dieser Zeit, gibt es aber leider nicht. Es war 1962, da fotografiert man nicht wild in der Gegend rum, sondern musste jedes Foto gut bedenken. Die Schuhe waren zu groß, man behalf sich mit Toilettenpapier, das vorn reingestopft wurde.

100 Wörter

8. Dezember 2020

Im Krippenspiel spielte ich die Maria. Das habe ich sogar drei Mal gemacht, einmal mit neun, später dann zwei Mal als Erwachsene in der Waldorfschule in niederdeutscher Sprache. Eine ganz neue Erfahrung war das. Als Kind saß ich mit meinem Josef hinter der Krippe und sollte eine Kerze anzünden, wenn Richard anfing zu singen: Ich steh an deiner Krippen hier. Tagelang habe ich geübt, ein Streichholz anzuzünden. Bei der Aufführung hatte ich nur Augen und Ohren für Richard, der wunderbar singen konnte. Das mit dem Zündholz klappte nicht. Richard, ich schicke dir einen Gruß in den Himmel, du bist unvergessen.

100 Wörter

9. Dezember 2020

Das Haustier unserer Kindheit war „Hansi“, ein Kanarienvogel. Er passte gut zu uns, denn es wurde bei uns zu Hause immer gesungen und musiziert. Hansi war dann voll in seinem Element. Er gab sein Bestes, um uns zu übertönen. Manchmal reichte es auch, einfach den Wasserhahn aufzudrehen, damit er vom Plätschern animiert wurde. Er nahm dort auch gern mal eine Dusche, war überhaupt sehr zutraulich und gar nicht menschenscheu. Er pickte auch gern am Butterbrot mit Leberwurst, das wir alle gern zum Abendbrot aßen. Hier füge ich ein Stilleben unseres Abendbrottisches ein. Von links nach rechts, Mama, Ich, Elke, Uwe.

100 Wörter

altes Dia, ca. 1964

10. Dezember 2020

„Gina, sing mal!“, sagte meine Mutter und ich sang: „Kommet ihr Hirschen, ihr Männer und Frau’n“. Davon gibt es eine Tonbandaufnahme. Ich habe immer gesungen und das war wohl der Anfang, damals muss ich vier gewesen sein. Etwas später dann kam der erste Auftritt bei einer Weihnachtsfeier auf der Donnerburg in Bielefeld. Dazu gibt es hier eine kleine Erinnerungsgeschichte. Das Lied vom kleinen Apfel habe ich seitdem sicher hunderte von Malen gesungen, zuerst als Kind, dann mit Kindern, heute mit den Enkelkindern. So war das! Ich habe zwanzig Jahre in der Folkband Quietschfidel gespielt. Das fehlt mir manchmal, sehr sogar.

100 Wörter

Die Enten laufen Schlittschuh

11. Dezember 2020

Im Stadttheater in Bielefeld sahen meine Oma, Cousine Petra und ich das Weihnachtsmärchen, das dort in jedem Jahr aufgeführt wurde. Ich kann mich gut erinnern, wie aufgeregt ich war. Mein erster Theaterbesuch. Ich war so begeistert, dass ich an einer Stelle, die nicht für Applaus vorgesehen war, klatschte und sehe noch Oma vor mir, die den Finger auf die Lippen legte, damit ich damit aufhörte. Ich habe mich dann so geschämt, dass ich den Rest der Vorstellung nicht mehr richtig genießen konnte, weil ich mich darauf konzentrieren musste, wann ich wieder klatschen durfte. Der Applaus ist das Brot des Künstlers!

100 Wörter

Meine Geschwister, Uwe, Elke und ich

12. Dezember 2020

Wir sind eine musikalische Familie. Beide Eltern spielten Klavier, es lag nahe, dass ich Klavierunterricht bekommen sollte. Mit Mama klappte das nicht gut, mit Papa aber auch nicht, weil der einfach zu wenig Zeit hatte. Also beschloss die kleine Regina, ein anderes Instrument zu erlernen, eines, das die Eltern nicht konnten und somit auch nicht dazwischen reden würden. Eine Geige musste her. Die fand sich auf dem Dachboden eines guten Freundes meiner Eltern und wurde für mich restauriert. Mein Bruder wollte auch, deshalb teilten wir uns das Instrument eine Weile. Darauf komme ich noch zurück, 100 Wörter reichen hier nicht!

100 Wörter

13. Dezember 2020

Wir wohnten in einer Werkswohnung. Diese war sehr geräumig und es gab einen großen Balkon. Unsere Küchentür, sowie das Wohnzimmerfenster der Nachbarn führten auf den Balkon. Und: das Fenster der gemeinsamen und zunächst einzigen Toilette. Nun waren wir fünf Personen, die Nachbarn vier Leute. Und wenn alle mal aufs Klo mussten, dann konnte man sich keine langen Sitzungen erlauben. Die Klobrille wurde praktisch nicht kalt. Ich erinnere mich, dass ich einmal im Toilettenraum war, die Tür abschloss und dann aus dem Fenster auf den Balkon stieg und verschwand. Die Schlange vorm Klo löste sich erst, als jemand meine „Schandtat“ bemerkte.

100 Wörter

Hier wurde gespült, aber auch Körperpflege gemacht, wie man sieht

14. Dezember 2020

Da wir etwas außerhalb der Ortschaft wohnten, kam werktags ein Verkaufswagen in unsere Straße. Das war der Milchtönne, so nannte man ihn jedenfalls. Eigentlich hieß er Anton Niehüser. Er hatte neben den Molkereiprodukten aber auch andere Dinge des täglichen Bedarfs dabei, wie Zahnpasta und Klopapier. Bei uns besonders beliebt waren die Zuckerplätzchen, Mürbeteiggebäck mit Hagelzucker, was ganz vorzüglich zu einem Glas frischer Milch schmeckte. Die Milch wurde noch in eine Blechdüppe gefüllt, erst später gab es Milchtüten. Wenn unsere Eltern mal nicht da waren, kauften wir Zuckerplätzchen und Milch und ließen anschreiben. Mama und Papa fanden das später nicht so lustig.

100 Wörter

15. Dezember 2020

Ich hatte ehrlich gedacht, ich mache meiner Mutter eine Freude, wenn ich die hässlichen Luftwurzeln der großen Philodendron Pflanze abknibbele. Ich fand jedenfalls, dass sie so viel schöner aussah. Mama fand das nicht, sie liebte ihr Philodendron. Auch der Pflanze gefiel es nicht, sie reagierte nach ein paar Tagen mit gelben Blättern, die Pflanze. Mama war direkt beleidigt, auch, weil das nicht die einzige wohlgemeinte Hilfe war an diesem Tag. Elke und ich hatten feinsäuberlich die Teppichfransen im Wohnzimmer teils geflochten, teils verknotet. Mann, war das eine Arbeit gewesen und dann dieser Undank! Ich mag heute weder Teppichfransen noch Philodendren.

100 Wörter

16. Dezember 2020

In der Straße, in der wir wohnten, gab es ein Lebensmittelgeschäft und eine Gaststätte. Beides im gleichen Haus, links Lebensmittel, rechts der Gastraum. Die Kneipe hieß „Zum sanften Heinrich“, ich kann mich noch an den Geruch von Bohnerwachs und Zigarrenrauch erinnern. Auf der Theke standen zwei riesige Tontöpfe, im einen waren Heringe, im anderen saure Gurken. Auch ein Teller mit Frikadellen stand dort. Für uns Kinder waren am spannendsten die Automaten mit Erdnüssen, gesalzen oder rot kandiert. Für 10 Pfennig eine Viertelstunde Glück. Oft gab’s das nicht. Meine Eltern teilten sich lieber eine Flasche Bier zu Hause, das war billiger.

100 Wörter

17. Dezember 2020

Fast täglich spielte ich mit meiner Freundin Anneliese. Bei schlechtem Wetter durften wir auf der Ladefläche des kleinen LKW ihres Vaters spielen. Er lud uns extra Sand auf, da konnten wir nach Herzenslust Sandkuchen backen, oder Straßen für Autos bauen. Bei gutem Wetter machten wir Spaziergänge bis zum nahe gelegenen Wald und zur Sandkuhle. Dort trafen wir auch andere Kinder und alle zusammen bauten wir Buden im Wald oder kletterten auf Bäume. Jeder hatte einen eigenen Baum, ich den kleinsten, weil ich Angsthase nicht gut klettern konnte. Heute ist die Eiche so groß, da käme ich wohl nicht mehr rauf.

100 Wörter

18. Dezember 2020

„Braves Hündchen!“, soll ich gesagt haben, als ich mich, ungefähr vierjährig, in die Hütte des angeketteten, sehr gefährlichen Schäferhundes begeben hatte, um ihn mit meiner Liebe zu überschütten. Der Hund gehörte zu der Gaststätte. Ich selbst kann mich daran nicht mehr erinnern, aber Mama erzählte, dass ihr fast das Herz stehen geblieben ist, denn alle hatten furchtbare Angst vor dem Hund. Mit leisen Worten versuchte man mich dann aus der Hütte zu locken, was erst nach langem Hin und Her gelang. Mit hat’s da wohl gefallen. Angst vor fremden Hunden habe ich erst später entwickelt, hält sich aber in Grenzen.

100 Wörter

19. Dezember 2020

Unser Vater kam in der Frühstückspause und Mittagspause nach Hause. Es war ja nicht weit, einmal über den Hof und dann die Treppe rauf. Wenn wir Ferien hatten, fanden wir das besonders toll, denn er brachte für uns drei Kinder jeweils eine Halbliterflasche Kakao mit. Lecker! Mittags füllte meine Mutter sein Essen um Punkt 12.30 Uhr auf den Teller, damit es passend von der Temperatur war, wenn er fünf Minuten später erschien. Meine Mutter kochte wirklich sehr leckeres Essen, außer Bratkartoffeln, die konnte ich nicht essen, weil fetter Speck dran war, da knödelt‘s mir heute noch den Hals zu. Igitt!

100 Wörter

20. Dezember 2020

Im Lebensmittelgeschäft von Tante Käthe wurde die Ware nicht per LKW angeliefert. Es war ja nur eine kleine Verkaufsfläche. Anlieferung erfolgte über PKW oder auch Bullis. Ein Bulli der Firma Vox Kaffee parkte vor dem Laden, als meine Freundin Anneliese und ich auf dem Weg davor mit Rädern unterwegs waren, Anne fuhr, ich schob das Rad. Der Bulli war braun und ziemlich schmutzig, so dass die Beschriftung kaum zu erkennen war. Fand ich nicht gut und schrieb deshalb groß „Putzfrau gesucht“ auf die Rückseite. Der Fahrer kam raus, drohte mit der Polizei – nie zuvor bin ich so gerannt vor Angst.

100 Wörter

21. Dezember 2020

Am Heiligabend fuhr Papa mit uns nach Bielefeld zu Oma und Opa. Mama blieb zu Hause und bereitete den Abend vor, kümmerte sich um das Festmenü der nächsten Tage, wischt nochmal durch, bügelte das Lametta (Scherz) damit es schön ordentlich am Baum hing. Das sah tatsächlich so aus, alles schön ordentlich. Natürlich gab es echte Kerzen am Baum, die dann jeden Tag des Festes für eine halbe Stunde angezündet wurden und mit Argusaugen bewacht wurden. Da die Großeltern uns ordentlich mit Süßigkeiten gefüttert hatten, hielt sich unser Hunger in Grenzen, wenn wir nach Hause kamen. Aber etwas Kartoffelsalat ging immer.

100 Wörter

Ein Geschenk

22. Dezember 2020

Süßigkeiten spielten für mich eine große Rolle. Bei den Großeltern bekamen wir am Heiligabend eine riesige Tüte mit all den Leckereien, die unser Herz erfreuten. Jeder von uns! Wir fühlten uns wie im Schlaraffenland. Auch zu Hause unter dem Weihnachtsbaum, standen drei bunte Teller für uns mit Schokolade, Nüssen, Plätzchen und Mandarinen. Am tollsten fand ich das recht groß ausfallende Marzipanstück, mal war es ein Marzipanapfel, auch mal eine Banane oder ein niedliches rosa Schweinchen. Eigentlich zu schade zum Essen, aber lecker, saulecker sozusagen. Schokozigaretten rauchend lag ich später auf dem Fußboden und las glücklich in meinen neuen Büchern, herrlich!

100 Wörter

23. Dezember 2020

Jedes Mädchen träumt den Traum von langen Haaren. Ich auch, besonders, weil meine Mutter meinte, meine Haare seien zu dünn, zu verwirbelt. Ein wenig stimmte das, trotzdem trage ich meine Haare heute eher lang als kurz und fühle mich damit sehr wohl. Heute gibt es sogar, ich benutze sie nicht, Extensions. Damals gab es stattdessen Pelzmützen mit langen Bindebändern dran, wenn man die nicht zuband, sondern offen hängen ließ, dann sah das aus, als habe man lange Haare. Himmel, waren wir schick! Alternativ nutzten wir Strickröcke, die man auf dem Kopf tragen konnte, die „Ersatzhaare“ gingen dann bis zum Po.

100 Wörter

24. Dezember 2020

„Hey“, rief das 24. Drabble verärgert, „hast du mich vergessen? Auch, wenn ich das letzte bin in dieser Reihe, habe ich das nicht verdient!“ Natürlich hatte es das nicht verdient und vergessen hatte ich es nicht. Aber ich tu mich schwer, etwas zu beenden oder etwas gehen zu lassen, eine Schwäche von mir. Deshalb besitze ich auch tausendeinhundertfünfunddrölfzig Bücher und fünfhundertsechsundelfzig CD. Demnächst werde ich hundertundwasweißich Drabbles haben, alle werden über mein Leben erzählen und was die, die nach mir kommen, damit machen – was kümmert’s mich? Ich schreibe weiter; und CD und Bücher miste ich mal aus. Versprochen! Frohe Weihnachten!

100 Wörter

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Freitagabend

Schon wieder Freitag, die Wochen rasen. Stimmt eigentlich nicht, aber es kommt mir so vor. Mit Weihnachten hat das eher nichts zu tun, denn es geht mir seit Monaten schon so, dass die Zeit an mir vorbeifliegt. Auch das stimmt nicht, denn ich war wirklich sehr fleißig in den letzten Monaten, habe viel geschafft und bin manchmal sogar ein wenig zufrieden mit mir.

Das Geschichtenbloghaus wird nun auch schon mehr besucht, das hatte ich mir ja gewünscht. So nach und nach werden die Geschichten von hier auch umziehen und mein Klatschmohnrotblog wird eher ein digitales Tagebuch, oder ein Platz zum Plaudern über dies und das werden. Übergangsweise kündige ich mal mit an, was sich im anderen Blog gerade so tut.

Mei Hauptaugenmerk liegt gerade auf dem Vertonen von Texten, habt ihr sicher schon gemerkt, nicht wahr? Es macht mir eine unbändige Freude und Übung macht ja bekanntlich den Meister. Also übe ich weiter und stelle euch die Ergebnisse auch immer mal wieder vor.

Ich wünsche euch einen schönen Beginn des Advents am Sonntag!
Im Geschichtenblog ist heute die Geschichte vom Weihnachtsnachthemd eingezogen, diese Geschichte werde ich heute Abend noch vertonen, wenn es hier etwas ruhiger geworden ist.

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Die süßen Igel habe ich in einem Geschäft gesehen, leider war es nur Deko und ich konnte sie nicht kaufen, hätte ich gern gemacht.

Superman habe ich getroffen und natürlich musste ich ein Foto mit ihm haben, er wohnt in der Geschäftsstelle von CARL, das ist das Magazin, für das ich monatlich eine Geschichte schreibe.

Das Buch und die Beigaben auf meinem alten Klavier habe ich gewonnen, Petra Schier hat sie mir zukommen lassen und ich freue mich schon auf die Lektüre in der Weihnachtszeit, dafür lasse ich mir den Roman nämlich zur Einstimmung.

Das Vogelpaar wohnt auf meiner Terrasse, sind sie nicht putzig?

(könnte unbezahlte Werbung enthalten)

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