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Archive for the ‘Kindheitserinnerungen’ Category

Raus mit dem Weihnachtsbaum

 

„Ach bitte, lass ihn doch noch ein wenig stehen“, bittet Anja und setzt ihr liebstes Lächeln auf.

„Er stört mich aber und ich finde, dass er nun lange genug Platz in unserem Wohnzimmer hatte“, antwortet Harry und holt die Kiste für den Weihnachtsschmuck aus dem Schrank.

„Komm, wir schmücken ihn gemeinsam ab!“

Das will Anja nicht. Sie versucht es weiter: „Wenigstens bis zum Dreikönigstag kann er doch bleiben, das war bei uns früher auch immer so!“

Harry kennt das schon. Am Dreikönigstag sagt Anja dann sicher wieder, dass man nun auch bis zum Wochenende warten könnte.

„Harry, wir haben so lange nach einem schönen Baum gesucht und nun soll er schon wieder raus. Das finde ich blöd, oberblöd!“

„Komm mir jetzt nicht wieder mit dem Argument, dass deine Eltern den Baum bis zum 2. Februar im Wohnzimmer ließen!“

„Das war aber so bei uns. Bis zu Lichtmess blieb er und dann musste er raus. Ich finde diesen Brauch ganz schön.“

Harry kratzte sich am Kopf. Anja grinste, sie merkte, dass sie gewonnen hatte.

„Ich schlage dir einen Kompromiss vor“, begann Harry. „Er bleibt bis zum nächsten Wochenende, denn der am Dreikönigstag müssen wir ja beide wieder arbeiten und haben keine Zeit zum Abschmücken.“

„Damit kann ich leben und bin einverstanden!“, ruft Anja und drückt ihren Harry mal feste. Vielleicht bekommt der Baum ja eine weitere Chance, man wird sehen!

© Regina Meier zu Verl

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Heute bin ich mal im Jahr 1960 unterwegs. Eine Erinnerung aus dieser Zeit ist in unserer Weihnachtsmärchenhütte zu finden.
Ich staune, wie gut mir dieses Erlebnis noch im Gedächtnis ist, damals war ich immerhin erst fünf Jahre alt. Wenn ich daran denke, sehe ich meine Großeltern vor mir und der Geruch von Bratäpfeln steigt mir in die Nase. Dabei fällt mir ein, dass ich irgendwann mal eine Geschichte über den Duft von Bratäpfeln geschrieben habe – wo kann sie nur sein, ich werd mal buddeln.

In der oben erwähnten Kindheitserinnerung geht es um eine Weihnachtsfeier in einem Lokal, das ich gestern zufällig beim googlen auch gefunden habe. Es steht seit vielen Jahren nicht mehr, aber es gibt ein liebevoll gestaltetes Blog, das Märchen aus Bielefeld erzählt. Wer mal gucken möchte: Donnerburg Bielefeld.

So, jetzt suche ich die Bratapfelgeschichte.

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Wieder packt mich die Sehnsucht,
den Weg meiner Kindheit zu gehen.
Dorthin, wo wir gespielt haben,
unbefangen, ohne Angst,
mit kindlicher Fantasie und Freude.

Steht sie noch, die alte Eiche,
die uns Schutz bot mit ihrem Blätterkleid,
wenn ein leichter Sommerregen
nicht zum Heimgehen bewegen konnte?

Leuchtet die untergehende Sonne noch
im gleichen, warmen Orange,
wenn es Zeit ist, den Weg zurück zu gehen,
nach Hause?

Die Faszination der Erinnerung –
neu gespürte kindliche Freude,
einfach nur noch einmal den Weg gehen,
den Weg der Kindheit.

Immer wieder sind es die Bäume, bei denen ich lande, wenn ich an vergangene Zeiten denke und auch in der Gegenwart sind sie es, mit denen ich mich vergleiche. In dem Gedicht Lebensherbst kommt das auch zum Ausdruck. Ich war so ein richtiges Waldkind und das bin ich wohl heute noch!
Elke teilt die Liebe zu den Bäumen und zum Wald mit mir, mir gefällt ihre Geschichte „Windkind und der kitzlige Nussbaum“ sehr.

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Wieder mal ein kleiner Auszug aus meinen Kindheitserinnerungen …

1060-1970 Neische

Das war eine wahre Festwoche, wenn Fräulein Hollenhorst zu uns kam. Wer ihr den Spitznamen die „Neische“ verpasst hat, weiß ich nicht mehr.

Während ich an sie denke, sehe ich sie deutlich vor mir, mit frisch dauergewellter, blonder Kurzhaarfrisur und Korallen-Ohrringen, die bei jeder Kopfbewegung so herrlich hin- und her wackeln. Zwischen die Lippen hatte sie drei, vier Stecknadeln geklemmt, damit diese immer griffbereit waren.

Schneiderin war sie und sie fuhr mit ihrem Fahrrad von Haus zu Haus, blieb dort ein paar Tage und nähte die neueste Saisonkollektion für die gesamte Familie. Selbstverständlich wurde der Stoff vorher im Sonderangebot eingekauft und so konnte es sein, dass alle drei Kinder Kleidung aus dem gleichen Stoff bekamen, meine Schwester und ich Trägerröcke, meine Bruder eine Latzhose, oft kariert, immer superchic.

Selbst als einmal der Riemen der Singer-Tretnähmaschine riss, behielt sie die Ruhe. Es wurde kurzerhand ein Riemen bei Tante Strothmann, der Nachbarin ausgeliehen.

Aber das war nicht das Wichtigste, für uns Kinder, dass wir neue Kleidung bekamen, viel bedeutsamer war, dass es nach jedem Mittagessen auch einen Nachtisch gab und das war sonst nur am Sonntag der Fall.

Meine Mutter gab sich natürlich ganz besonders große Mühe beim Kochen, weil sie den Gast ja ordentlich bewirten wollte.

Wenn man Fräulein Hollenhorst eine Frage stellte, antwortete sie meist kurz und bündig, doch ein einfaches Ja gab es bei ihr nicht, sie „sagte“ stattdessen Hö-ö-hö und nickte salbungsvoll mit dem Kopf.

Nach dem Mittagessen las sie in Ruhe die Tageszeitung und trank eine Tasse Kaffee, um nach einer Dreiviertelstunde wieder an ihre Arbeit zu gehen.

Ich habe ihr gern zugesehen und wenn ich nicht damals den Entschluss gefasst gehabt hätte, Lehrerin zu werden, dann wäre ich sicher Damenschneiderin geworden, so sehr habe ich sie bewundert. Auch dachte ich mir, dass ich dann sicher wunderbare Sachen zum Mittagessen vorgesetzt bekommen hätte, ein weiteres Argument für diesen Beruf.

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Ein Wort, das ich lange nicht gehört habe lief mir gestern über den Weg. Mein Großvater hat es oft benutzt, z.B. wenn er zur Arbeit fuhr sagte er: „Schönen Tag und macht mir bloß keine Fisimatenten!“ (Blödsinn/Dummheiten machen)

HIER findet man jede Menger solcher Wörter, die in Vergessenheit geraten sind oder einfach nicht mehr benutzt werden. Ich werde einige von ihnen retten … 🙂

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Sommerkirmes 1970

Im Dorf ist Jahrmarkt, wieder einmal. Ich denke an dich, meine nach Zimtnudeln duftende Freundin aus Kindertagen. Weißt du noch, wie vergnügt wir waren? Kinder waren wir noch und doch schon auf dem Weg erwachsen zu werden. Weißt du noch, wie wir stundenlang vorm Spiegel standen, um uns aufzuhübschen, weil uns ja der Mann unseres Lebens begegnen könnte – auf dem Jahrmarkt. Die Vorbereitung auf den Bummel durch die Straßen, in denen sich eine Bude an die andere reihte, war beinahe noch schöner, als der Kirmesbesuch selbst. Wir lachten, flochten unsere Haare zu Zöpfen, krempelten unsere Miniröcke an der Taille um, damit sich noch ein wenig kürzer waren. Der Mann unseres Lebens ist uns dort nicht begegnet, wie sollte er auch? Wir saßen zu zweit im Twister-Karussell und juchzten vor Freude, so lange, bis wir unser Taschengeld ausgegeben hatten. In der Gondel war nur Platz für zwei, für dich und für mich, liebe Freundin. Wie geht es dir heute wohl, was machst du? Sind deine Gedanken an die Kindheit auch so bunt wie meine?
Ich hebe mein Glas, in dem ein dunkler Roter funkelt. Ich hebe es und trinke auf dich und ich schaue aus dem Fenster auf die Buden der Schausteller – im Dorf ist Jahrmarkt, wieder einmal.

© Regina Meier zu Verl

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Wenn früh am Morgen das Telefon schellt, dann ist das häufig meine Mutter. Heute auch!

„Kommst du heute zum Mittagessen zu mir?“
„Gern, was gibt es denn?“
„Schnippelbohnen, die magst du doch so gerne!“

Alles klar, Mama, ich weiß zwar nicht, wie du darauf kommst, aber diese Idee hat sich wohl bei dir so fest verwurzelt, dass sie nicht mehr auszulöschen ist.
Ich mochte nie Schnippelbohnen essen. Als Kind habe ich geheult und gezetert, wenn es dieses Gericht bei uns gab. Als ich längst nicht mehr zu Hause wohnte, gab es immer, wenn ich dich besuchte Schnippelbohnen und immer wieder habe ich gesagt, dass ich die nicht mag.

Ich habe auch eine Geschichte drüber geschrieben HIER

Irgendwann hatte ich mich an die Schnippelbohnen gewöhnt und nicht mehr gezetert. Und – man glaubt es nicht: Ich habe auch mal versucht, Schnippelbohneneintopf zu kochen, ja, wirklich! Schmeckte nicht – und meine Familie hat sich bis heute keine Wiederholung dieses Versuchs gewünscht.

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Früher wurde das Krankenhaus in unserem Dorf (jetzt sind wir eine Stadt) von Ordensschwestern betrieben. Am Fronleichnamstag legten die Schwestern Teppiche aus Sommerblumen, die Kunstwerke enthielten christliche Motive . Wir sind als Kinder immer dorthin gegangen und haben die Teppiche bewundert. Tausende von Kornblumen, Margeriten, Kleeblüten und Gartenblumen wurden kunstvoll in mühevoller Arbeit auf der Straße ausgelegt. Auch die Heiligenhäuschen, von denen es hier recht viele gibt, wurden geschmückt für diesen Tag und an den Wegrändern wurden gelb-weiße Fahnen aufgestellt.

Dann gab es eine große Prozession, vorweg gingen die Messdiener und unter einem Baldachin wurde das Kreuz mitgeführt, ein kleines goldenes. Danach folgten der Priester und dann die Gemeinde. Ich habe das immer nur als Zuschauer wahrgenommen, weil ich evangelisch bin. Als Kind fand ich das ungerecht, ich wollte eigentlich gern dabei sein, denn alle meine Freundinnen waren beteiligt.

Später habe ich in dem Krankenhaus Sonntagsdienst gemacht, frühmorgens bin ich hingegangen und habe den Schwestern in der Küche geholfen, durfte auch mal Essen austragen und immer wieder habe ich bei den Patienten am Bett gesessen und mit ihnen geredet. So verbrachte ich meine Sonntage als Zwölfjährige. Eigentlich seltsam, dass ich nicht Krankenschwester oder Pflegerin geworden bin – daber das Leben nimmt manchmal Umwege und so verlor ich diese Arbeit aus den Augen, als die Schule mich mehr beanspruchte und ich in den Leistungsdruck geriet.

Erst vor ein paar Jahren holte mich das wieder ein und ich arbeitete über ein Jahr lang als Nachtwache in einem Altenheim. Nebenbei betreute ich mehrere alte Menschen zu Hause – ohne eine entsprechende Ausbildung, aber mit viel Herzenswärme und Freude. Manchmal vermisse ich das, auch wenn es anstrengend war. Warum ich das nicht mehr mache?
Die vielen Abschiede haben mir zu schaffen gemacht, immer wieder stand der Tod in der Tür und holte einen Menschen zu sich, dem meine Aufmerksamkeit galt. Ich habe mich daran nicht gewöhnen können und immer sehr gelitten.

Heute war ich wieder Zuschauer der Fronleichnamsprozession, aus meine Dachfenster heraus und ohne Blütenteppiche auf der Straße. Die Kirchenglocken läuten schon den ganzen Vormittag und ich erinnere mich an das, was ich oben geschrieben habe …

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Gestern habe ich versucht, einen Zeitstrahl zu erstellen, in dem ich alles festhalte, was zu den verschiedenen Abschnitten meines Lebens gehört. Später werde ich mich mit den einzelnen Abschnitten eingehender befassen. Mir fällt auf, dass ich mich am liebsten in den Episoden meiner Kindheit aufhalte. Ich erinnere mich an so viele Dinge und Ereignisse, dass ich damit schon ein dickes Buch füllen könnte. Es fällt mir sowieso schwer, mich zu beschränken. Das gilt aber nur fürs Schreiben, ansonsten kann ich das schon, wie ich sehe, wenn ich mal einen Blick in meinen Kühlschrank werfe. Seitdem meine Tochter in Schweden ist, kaufe ich wenig ein und komme lange damit aus.

Der Zeitstrahl hängt jetzt hier an der Wand neben meinem Schreibtisch, so dass ich jederzeit etwas einfügen kann und nach und nach werde ich die einzelnen Punkte in Texte umsetzen. Das hat den Vorteil, dass ich nicht chronologisch vorgehen muss, sondern schreiben kann, was immer ich gerade möchte. Momentan ist mir nach Harmonie und Freude, also werde ich mich zunächst mit diesen freudigen Dingen beschäftigen. Das tut mir gut. Eine kleine Kindergeschichte ist gestern nebenbei entstanden – eine ganz kleine … wird heute Abend überarbeitet.

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Gestern erinnerte ich mich an eine Übung, die ich einmal während eines Sommerseminars kennen gelernt habe. Wir beschäftigten uns mit der Arbeit an der eigenen Biographie. Dabei wurden die Märchen zur Hilfe genommen. Ich habe jetzt nicht die Zeit, die Übung eingehender zu beschreiben, nur so viel: Am Ende der Übung hatte sich jeder Teilnehmer sein „Lebensmärchen“ zugeordnet und das begleitet mich nun immer mal wieder in meiner Schreibarbeit. Gestern hat es dazu beigetragen, dass ich nach langer Zeit mal wieder einen handschriftlichen Eintrag in mein Lebenstagebuch machen konnte. Es floss wie von selbst und während des Schreibens sind mir Dinge eingefallen, die ich seit vielen Jahren nicht mehr gedacht (gewusst) habe. Spannend ist das, überaus spannend und wenn ich es schaffe, diesen Fluss aufrecht zu erhalten, dann werden wieder einige Lücken in meiner Lebensgeschichte geschlossen werden können.
Heute möchte ich mich auf die Suche nach einem Kinderspiel machen, dessen Worte mir einfach nicht einfallen wollen. Man spielt es zu dritt, zwei Kinder bilden eine Brücke und ein drittes geht drunter her oder setzt sich auf die Schaukel, die die Hände der beiden anderen bilden. Es ist aber nicht „Dornröschen war ein schönes Kind“, das ist zwar ähnlich, aber doch anders. Na, es wird mir schon einfallen, vielleicht erinnert sich ja jemand anders dran und hilft mir auf die Sprünge.

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