11. Dezember 2019

11. Dezember

Fortsetzung 2 (Der Schatz im Schreibtisch)

Warum war ihr das niemals zuvor aufgefallen? Vorsichtig betastete Linda die Stelle. Sie nahm einen Brieföffner und versuchte behutsam, das Papier zu lösen. Das ging ganz leicht, denn der Klebstoff war schon alt und brüchig. So gelang es, unter das dickere Papier zu schauen, ohne es zu beschädigen. Zum Vorschein kam ein kleiner goldener Schlüssel. Linda wusste sofort, dass dies der Schlüssel zur Schreibtischschublade sein musste, die für sie immer verschlossen geblieben war. Sie wunderte sich, dass sie die Unebenheit im Buch noch nie gespürt hatte. So oft hatte sie es zur Hand genommen, immer wieder, Jahr für Jahr, und erst heute entdeckte sie diesen Schlüssel.
Mit klopfendem Herzen steckte sie ihn in das Schloss: Mühelos konnte Linda die Schublade öffnen. Hier fand sie eine große Zigarrenschachtel, die mit einer roten Schleife verziert war. Sie hob den Deckel ab und entdeckte Briefe, viele Briefe. Auf jedem Umschlag stand ihr Name. „Für Linda“, las sie. Hinter ihren Namen hatte der Großvater eine Jahreszahl geschrieben. So gab es von Lindas Geburt an für jedes Jahr einen Umschlag, fein säuberlich sortiert.
Linda konnte ihr Glück nicht fassen. Vierundzwanzig Briefe von ihrem Großvater, einer für jedes Jahr, das sie gemeinsam erlebt hatten. Eine magische Zahl, die sie immer verbunden hatte. Vierundzwanzig Tage im Advent, vierundzwanzig musizierende Engel am Weihnachtsbaum, es war einfach unglaublich schön. Linda hatte einen Schatz gefunden.
Nachdem sie die Briefe eine Weile nur betrachtet hatte, wagte sie es, den ersten zu öffnen. Als sie die ersten Worte las, musste sie ihn aber wieder zur Seite legen, denn ihre Augen füllten sich mit Tränen, Freudentränen.
„Liebe Linda, so glücklich wie an dem Tag deiner Geburt war ich davor nur zweimal in meinem Leben, nämlich an dem Tag, als ich deine Oma Marie kennenlernte und als deine liebe Mutter geboren wurde. Nun bist du also da, und ich freue mich auf jede Minute, die wir miteinander verbringen werden …“
Linda las an diesem Abend nur einen einzigen Brief. Viel zu kostbar war der Schatz, den der Großvater ihr hinterlassen hatte, als dass man ihn an einem Abend betrachten könnte. Sie las also 24 Tage lang jeweils einen Brief. Den kleinen goldenen Schlüssel trug sie fortan an einer Kette immer bei sich.

Ende

Über Regina (klatschmohnrot)

Autorin
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