Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for November 2018

 

Die Wohnung in meinem Kopf

Manchmal herrscht in meinem Kopf die Unordnung. Hört sich komisch an, aber es ist wirklich so. Ich stelle mir das so vor: in meinem Kopf sind, wie in einem großen Haus, viele kleine Zimmer. Jedes hat seine Berechtigung und ist wichtig. In manchen Räumen liegt oder steht alles schön ordentlich an seinem Platz, in anderen herrscht das Chaos. Gern verlasse ich so ein Zimmer und wandere ins nächste. Doch die Tür bleibt geöffnet und immer, wenn ich daran vorbeikomme, werfe ich einen Blick hinein und so bleibt im nächsten Zimmer etwas liegen, das dann dort wieder für Unordnung sorgt.

Es ist so, als seien dann plötzlich alle Türen geöffnet und das raubt Energie. Verzweifelt versuche ich aufzuräumen, Türen zu schließen und stelle dann entsetzt fest, dass das gar nicht so einfach ist. Wie beim Computer: sind zu viele Fenster geöffnet, dann wird der PC langsamer und immer träger. So ist das bei mir wohl auch.

Am meisten nervt das Büro in meinem Kopf, das Zimmer mit dem Papierkram, der geordnet werden will. Das sollte mir eigentlich keine Sorgen machen, einmal richtig durchgreifen und sortieren sollte Besserung bringen – ist aber nicht so. Ich lasse mich ablenken, immer wieder.

Andere Zimmer müssten mal gründlich durchgeputzt werden. Dicke Staubschichten liegen auf den Regalen, die ich nicht berühren mag, um den Staub nicht aufzuwirbeln. Es könnte ja sein, dass darunter etwas zum Vorschein kommt, das mich aus der Bahn wirft. Verdrängen nennt man das wohl … also raus aus dem Raum und in den nächsten wandern. Die Tür bleibt geöffnet und die Gedanken kreisen. Das schlechte Gewissen macht Bauchschmerzen und da kommt dann auch schon das Sofa ins Spiel. Hinlegen und den Schmerz pflegen, das ist keine Lösung. Tausend Mal probiert, immer gescheitert.

In meinem Schreibzimmer geht es mir gut, aber nur dann, wenn ich die Tür hinter mir schließe und alles draußen lassen, was mich belastet. Ich schlüpfe in eine Rolle und bin eine Weile frei von Chaos und Unordnung – bis die Geschichte geschrieben ist oder ich keine Zeit mehr habe. Im Schreibzimmer gibt es keine Uhr, aber es ist nicht schalldicht. Es dringen Geräusche zu mir durch, die Türklingel, das Telefon, das Hundegebell, das einen Besucher ankündigt, oder den Postboten, den Schornsteinfeger oder wen auch immer. Noch schaffe ich es nicht, das alles zu ignorieren. Aber mit zunehmendem Alter gelingt es besser. Das mag daran liegen, dass ich nicht mehr so gut höre wie früher. Das Altwerden hat auch seine Vorteile, aber das ist ja schon wieder eine ganz andere Geschichte.

Toll ist es auf dem Dachboden in meinem Kopf, da liegen die Erinnerungen. Manche verstecken sich in alten Schachteln, andere in Dingen, die ich aufbewahrt habe, damit ich mich erinnere, beispielsweise an meine Großeltern, meinen Vater, Menschen, die nicht mehr da sind. Sie haben eigene Gästezimmer, ein jedes ist liebevoll eingerichtet.

Oft halte ich mich dort stundenlang auf und dann bin ich froh, dass ich sie habe, diese Erinnerungen an meine Lieben. Gestärkt steige ich dann die Treppe hinunter, räume unterwegs ein wenig auf und komme wieder an in meinem Wohnzimmer, das einladend ist trotz der Unordnung, die mich aber nicht belastet. Da steht ein Trecker unter dem Tisch, den Lukas da vergessen hat. Die Kissen liegen teils auf, teils hinter dem Sofa und zeugen von der letzten Kissenschlacht. Ein Glas vom Vorabend steht auf dem Tisch, in dem ein guter Tropfen Wein den Tag abgerundet hat und unter der Sofadecke ist die Wärme, die ich brauche, um wieder in eine Rolle zu schlüpfen, um eine neue Geschichte zu ersinnen. Gedanklich schließe ich all die Türen, mache die Augen zu und träume.

 

Ach, wie gut es mir doch geht heute. Für Ordnung werde ich schon noch sorgen, irgendwann.

© Regina Meier zu Verl

Read Full Post »

2017-09-09 14.55.33

Bockermänner

Kennst du das? Du hast ein Paar Lieblingssocken und glaubst, dass du ohne diese Socken nicht leben kannst. Deine Oma hat sie gestrickt, mit viel Liebe und Mühe. Dann passiert folgendes: du hast Kartoffeln reingepflanzt! Kennst du nicht? So sagen wir bei uns, wenn sich die große Zehe, oder gleich beide, durch die Spitze den Weg nach draußen verschaffen und vorwitzig ins Freie schauen. Natürlich ziehst du diese Socken an, solange das Loch noch klein genug ist. Du denkst drüber nach, ob es im Laufe des Tages passieren könnte, dass du die Schuhe ausziehen musst. Zum Beispiel beim Arzt. Dann geht das natürlich nicht. Nichts ist peinlicher, als Löcher in den Socken zu haben. Gut, es gibt noch Peinlicheres, aber die Lochsocken sind schon in Kategorie Eins der Dinge, die man vermeiden sollte.

Irgendwann stellst du entsetzt fest, dass der große Bockermann sich völlig durchgekämpft hat.  Dann ist die Zeit gekommen, etwas zu unternehmen. Wenn man nicht stopfen kann, hilft es eine Weile, eine dünne Socke drunter zu ziehen. Aber das ist keine Dauerlösung.

Du bewaffnest dich also mit Stopfnadel und Garn und wagst den ersten Stopfversuch. Wie hat Oma das gemacht? Ach, wenn man sie doch fragen könnte.

So schwer kann es aber nicht sein. Einmal den Vorgang in Gedanken durchgespielt, dann geht es los. Zuerst schaffst du ein Gitter, dafür wird Faden neben Faden über das Loch gespannt. Der zweite Schritt folgt sogleich, in der anderen Richtung wird dann die Wolle durch das Gitter gewebt, oben – unten – oben – unten und so weiter. Wie ein feiner Stoff spannt sich das Gewebte über das gerade noch klaffende Loch und schon ist der Schaden behoben. War doch ganz leicht und der Bockermann hat nun keine Chance mehr. Lieblingssocke gerettet!

Oma wäre stolz, sehr stolz. In Gedanken höre ich ihre Stimme:

„Und als nächstes lernen wir das Sockenstricken, nicht wahr?“

Ich nicke zur Bestätigung und schreibe in mein Tagebuch: Socken gestopft, hat Spaß gemacht. Morgen kaufe ich Wolle und ein Nadelspiel.

 

© Regina Meier zu Verl

 

 

Read Full Post »

Niemand weiß, wie ich mich fühle.

Lächelnd geh ich durch den Tag,

selbst im Kaufhaus im Gewühle

tu ich so, als ob ich’s mag.

Doch ich sage euch ganz ehrlich,

ab und zu wird’s mir zu viel.

Mancher Weg wird mir beschwerlich

und dann werde ich ganz still.

 

Wünsche mir ganz einfach Ruhe,

Stille und ein wenig Zeit,

denn, auch wenn ich’s lächelnd tue,

bin ich oft noch nicht bereit,

meinen Weg bedacht zu gehen,

meist bin ich so sehr in Eile,

kann das Schöne gar nicht sehen,

weil ich niemals lang verweile.

 

Doch wenn ich ’ne Schnute ziehe,

ändert das den Zustand nicht,

deshalb gebe ich mir Mühe

trag mein Lächeln im Gesicht.

Und sieh da, es tut so gut,

mancher lächelt lieb zurück.

Das gibt wieder frischen Mut

sogar Kraft, ein kleines Stück.

 

© Regina Meier zu Verl

Read Full Post »

Eigentlich sind ja alle Monate des Jahres Schreibmonate für mich, aber der November nimmt nochmal einen ganz besonderen Stellenwert für mich ein. Früher habe ich beim NANOWRIMO mitgemacht, 50.000 Wörter in einem Monat. Davon habe ich mich aber verabschiedet, denn außer ganz viel „heißer Luft“, ist bei mir nie viel dabei herausgekommen. Seit dem letzten Jahr nutze ich diesen Monat verstärkt dafür, einen Adventskalender zu schreiben und der muss keine 50.000 Wörter haben, denn das will ja niemand lesen. Im letzten Jahr war es der Tieradventskalender „Weihnachten im Stall“, der ca. 10.000 Wörter verbraten hat. Lang genug, finde ich.

Heute geht es also wieder los. Ich habe ja schon erzählt, dass mein Konzept bereits steht, ab heute geht es asns Schreiben und pünktlich zum 30.11. werde ich dann fertig sein und euch meinen Kalender präsentieren dürfen.

Heute, als kleiner Vorgeschmack, mein erstes Mindmap dazu. Ich arbeite gern mit Mindmaps, weil ich da so schön meine Gedanken fließen lassen kann. Die Methode hat sich für mich bewährt.

IMG_20181101_100700

Mindmap Dezember RMzV

Read Full Post »

« Newer Posts