Oma Betty in der Schule

Oma Betty in der Schule

Ich bin etwas aufgeregt heute. Oma Betty wird mich gleich abholen und dann gehen wir gemeinsam in die Schule.
Meine Lehrerin hat gesagt, dass ich Oma doch mal einladen soll. Ich habe ihr nämlich von dem Buch mit den gesammelten Wörtern erzählt, ihr wisst schon. Diese Idee fand Frau Sommer ganz toll und nun möchte sie, dass Oma uns ihr Buch einmal zeigt.
Es haben auch andere Kinder schonmal was mitgebracht. Neulich zum Beispiel hatte der Florian seinen Goldhamster dabei und Mareike durfte uns ihre Geige vorstellen. Aber eine Oma, die hatte noch nie einer mitgebracht. Hach, ich bin so aufgeregt.
Da klingelt es auch schon.
„Moin, mein Junge!“, ruft Oma schon im Flur. Sie hat sich schick gemacht heute, extra für mich. Das gefällt mir. Blitzschnell springe ich die Treppe runter.
„Toll siehste aus, Oma!“ Es ist nie falsch, einer Dame ein Kompliment zu machen, sagt Opa immer und das habe ich mir gemerkt. Oma scheint das auch zu gefallen, sie bekommt nämlich ganz rote Wangen. Vielleicht ist es aber auch die Aufregung.
„Können wir los?“, fragte sie und schaut noch schnell in die Küche, wo Mama und meine Schwester noch beim Frühstück sitzen. „Ich bringe ihn dir heute Mittag zurück!“, sagt sie zu Mama.
Ich sitze hinten in meinem Kindersitz. Nach vorn darf ich noch nicht, weil ich noch keinen Meterfuffzig groß bin. Aber das wird nicht mehr lange dauern, ich esse nämlich sehr oft Spinat. Davon wächst man – glaube ich.
Nach ein paar Minuten sind wir an der Schule angekommen und dann ist es endlich soweit: Ich kann meine Oma zeigen. Mann, bin ich aufgeregt.
„Ich habe noch eine Bitte, Oma!“, sage ich ihr leise ins Ohr.
„Was denn?“, will Oma wissen.
„Bitte nicht küssen vor den Leuten hier, okay!“ Oma lacht und hebt ihre Hand. „Indianerehrenwort!“, sagt sie und ich klatsche ab. Oma ist cool.
Da kommt uns auch schon Frau Sommer entgegen. Sie begrüßt Oma herzlich.
„Philip, darf ich deine Oma entführen? Ich bringe sie dann gleich mit in die Klasse, wenn der Unterricht beginnt, okay?“
Damit bin ich einverstanden.
„Wer ist die alte Frau?“, fragt mich Hannes. Ich erkläre ihm, dass sie nicht alt ist und dass es meine Oma ist, die coolste Oma von allen. Hannes ist schwer beeindruckt und nimmt das ‚alt‘ zurück.
Dann ist es soweit, wir alle sitzen in der Klasse und als Frau Sommer hereinkommt, springen wir auf und rufen: „Guten Morgen Frau Sommer und guten Morgen Oma von Philip!“
Oma grinst, Frau Sommer auch. Dann ist Oma dran. Sie erzählt von ihrem Buch und hat auch ein paar lustige Beispiele für uns: Wonneproppen für ein süßes Baby mit dicken Backen, Tropfenfänger und damit ist nicht das Taschentuch gemeint, sondern ein Gebilde aus etwas Schaumstoff mit einem Gummiband, das um die Tülle einer Kaffeekanne gelegt wird, damit es nicht auf die Tischdecke tropft. Ich kann die Wörter hier nicht alle aufschreiben, aber ich habe einen Tipp für euch: Legt euch selbst so ein Buch an, denn nun kommt der Hit der Stunde. Jedes Kind bekommt von Frau Sommer ein kleines Sammelbüchlein; von nun an sind wir eine Wörtersammelklasse und wenn wir erstmal einige Wörter gefunden haben, dann laden wir Oma wieder ein und tauschen uns aus. Ja, so machen wir das!

© Regina Meier zu Verl

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Über Regina (klatschmohnrot)

Autorin
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5 Antworten zu Oma Betty in der Schule

  1. Ein-kleiner-Blog schreibt:

    Eine Oma in der Schule gibt es sicher nicht oft. Ich würde es aber gut finden, wenn Oma und Opa etwas von Ihrem Wissen an die Kleinen weitergeben dürften. Das Wörtersammelbuch finde ich auch gut. Es sollte einen Duden mit den alten Wörtern geben.
    LG Elke

  2. lifetellsstories schreibt:

    Ich kann mich noch erinnern, dass meine Mutter unserem Sohn (damals war er ein Grundschulkind) einen Brief geschrieben hat, in der sie von ihrer eigenen Schulzeit erzählt hat. Ich habe sogar schon von diesem Brief berichtet (http://lifetellsstories.de/aus-der-schulzeit-meiner-mutter/). Es ist schön, wenn die Enkel etwas aus dem Leben der Großeltern erfahren können. Vieles war anders als heute, aber manche Dinge waren auch ähnlich. So kann man Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten entdecken.
    Omas sind einfach toll, oder?!
    LG
    Astrid

  3. E schreibt:

    Herzallerliebst

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