Birkenschön und Tannengrün

Birkenschön und Tannengrün
Eine Herbstgeschichte

Wie goldene Taler lagen die Blätter zu Füßen der Birke. Betrübt schaute sie an sich hinunter.
„Ach, ich war so schön und jetzt? Kaum noch Blätter an den Zweigen.“, jammerte sie und schüttelte ein paar Regentränen aus ihrem Geäst.
„Jammer nicht, im nächsten Frühjahr wirst du wieder neue Blätter bekommen und auch diese niedlichen Birkenschwänzchen, die ich so an dir mag!“, versuchte die Tanne neben ihr sie zu trösten.
„Du hast gut reden. Deine Blätter bleiben erhalten und wenn die Weihnachtszeit kommt, dann besingen sie dich sogar noch und du bekommst eine Lichterkette!“  Die Birke war untröstlich.
„Ich habe gar keine Blätter, es sind Nadeln!“, kicherte die Tanne albern. „Besser gesagt Nadelblätter!“
„Ach so? Das habe ich ja noch nie gehört. Die Menschen singen doch immer „wie treu sind deine Blätter“!“, wandte die Birke ein.
„Sie wissen es nicht besser, oder es passt nicht in den Reim!“, erklärte die Tanne. „Macht aber nichts, ist eben so!“
„Mich besingt keiner!“, beklagte sich die Birke nun. Ihre Laune besserte sich einfach nicht. Kein Wunder, denn schon wieder fing es an zu regnen.
Die Tanne fing an zu singen: „Es stehn drei Birken auf der Heide, valleri und vallera!“
„Hör sofort auf!“, kreischte die Tanne. „Das ist so traurig und am Ende sind die Birken auch kahl, so wie ich!“
„Entschuldige, ich kenne nur die erste Strophe und die ist lustig!“, verteidigte sich die Tanne. Die Birke war aber auch empfindlich. Die beiden schwiegen, jeder für sich in seinen eigenen Gedanken. Sie bemerkten nicht, dass es gerade aufgehört hatte zu regnen und die Sonne mit einem breiten Lächeln durch die Wolken schaute.
Ein Regenbogen hatte sich über den beiden Bäumen gebildet, wunderschön anzusehen.
„Was für ein schönes Paar!“, schmunzelte die Sonne. Die Kinder plantschten lachend durch Pfützen und riefen: „Schaut mal der Regenbogen über den beiden Bäumen, wie schön das aussieht!“
Sie nahmen die goldenen Blätter der Birke und warfen sie in die Höhe, immer und immer wieder.
„Birkenschön und Tannengrün!“, sagen sie dazu. „Valleri und Vallera!“ Sie hatten wohl der Tanne gelauscht.
Die Birke war glücklich. „Tanne, du bist meine beste Freundin!“, sagte sie. „Du hast mir die Fröhlichkeit zurückgegeben!“
Die Tanne wehrte bescheiden ab. Sie hatte ja eigentlich gar nichts gemacht.

 © Regina Meier zu Verl 2017

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Über Regina (klatschmohnrot)

Autorin
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3 Antworten zu Birkenschön und Tannengrün

  1. E schreibt:

    Eine schöne Geschichte von Zweifel, Bescheidenheit und Freundschaft
    LG Elke

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  2. ellilyrik schreibt:

    Eine sehr schöne Geschichte, liebe Regina,
    DANKE dafür und liebe Grüße, herzlichst Elke

    Gefällt mir

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