Sowas gab es früher nicht (Reizwortgeschichte)

Junggesellenabschied – Wasserbett – toben – helfen – bedenklich
Das sind die Reizwörter, die in der heutigen Geschichten unterzubringen waren.
 
Bitte lest auch bei meinen Kolleginnen:
Lore
Martina
Eva
Christine

Sowas gab es früher nicht

„Ich will ja nichts sagen, aber ich finde diese neumodischen Junggesellenabschiede doch ein wenig bedenklich!“ Maren Müller hakte sich bei ihrem Mann ein und rümpfte angewidert die Nase. Gerade waren sie auf eine Truppe junger Frauen getroffen, die auffällig gekleidet und geschminkt, bewaffnet mit einem Bauchladen, kleine Schnapsfläschchen anboten. Alex hatte natürlich eine gekauft und an Ort und Stelle ausgetrunken, unter dem Gejohle der jungen Frauen, die ihm zur Belohnung noch Küsse auf die Wangen gedrückt hatten. Unglaublich!

„Lass sie doch. Sie wollen sich noch einmal austoben, bevor es in den Hafen der Ehe geht!“ Alex grinste, sein Gesicht war lippenstiftverschmiert. Er genoss diesen Zustand sichtlich.

„War schon klar, dass du das gut findest!“, schimpfte Maren beleidigt. „Hätte noch gefehlt, dass dir eine von denen die Zunge in den Hals geschoben hätte!“

„Schatz, du übertreibst mal wieder ordentlich!“ Alex wühlte in seiner Hosentasche nach einem Taschentuch. Maren würde keine Ruhe geben, bis er die Kussspuren beseitigt hätte.

„Ich habe gelesen, dass manche Wirte derartige Gruppen gar nicht mehr in ihre Bars lassen.“, sagte Maren. „Früher gab es sowas nicht!“

Alex grinste. Das wusste er besser. Seinen Junggesellenabschied hatte er jedenfalls in lebhafter Erinnerung behalten. Allerdings wusste Maren davon nichts, die war nämlich zu dem Zeitpunkt mit ihrer Freundin in Spanien gewesen. Gott sei Dank. Wüsste sie, dass er und seine Freunde damals ordentlich die Puppen hatten tanzen lassen, wäre es wohl nicht zu einer Eheschließung gekommen. Seitdem war er seiner Maren treu geblieben und das würde auch so bleiben. Geschadet hatte es ihrer Beziehung jedenfalls nicht.

„Sollen wir einen Kaffee trinken?“, fragte Maren jetzt und steuerte ein Café an. Alex wollte sie nicht verärgern, obwohl er keine Lust auf Kaffee hatte. Er ließ sich also bereitwillig ins Café führen und nahm brav an Marens Seite Platz. Gerade hatte die Kellnerin den Kaffee gebracht und ein herrliches Stück Käsekuchen für Maren, als Jenny, Marens Freundin, das Café betrat.

Sofort hatte sie Alex und Maren entdeckt.

„Huhu!“, rief sie. „Das ist ja eine Überraschung, wir haben uns ja ewig nicht gesehen!“ Sie zog einen Stuhl vom Nebentisch heran und setzte sich. „Habt ihr auch diese verrückten Weiber gesehen, die Junggesellenabschied feiern?“, wollte sie wissen.

Margret hustete, hatte sie sich doch an diesem blöden Käsekuchen verschluckt vor Schreck. Ausgerechnet Jenny mussten sie hier treffen, und ausgerechnet dieses Thema musste präsent sein. Hoffentlich würde Jenny das nicht ausweiten, denn dann würde Alex erfahren, dass sie selbst auch ausgiebig gefeiert hatte, bevor sie ihn geheiratet hatte. Warum hatte sie auch so geschimpft auf die jungen Frauen? Das war blöd und unnötig; keine von denen hätte ihr Alex weggenommen und so ein bisschen Lippenstift im Gesicht war ja nicht wirklich schlimm gewesen.

Jenny klopfte ihr auf den Rücken. „Mensch Maren, was ist denn los? Kann ich dir helfen?“, fragte sie und zwinkerte ihr zu. „Hast du einen Geist gesehen?“

„Nein, es ist alles gut, sorry, habe mich wohl verschluckt!“, stammelte Maren. In ihrem Hinterkopf zeterte ein kleiner Kobold und er gab keine Ruhe. ‚Ich hab‘ ein knallrotes Wasserbett‘, sang er und ließ in Margrets Kopf das Bild einer schaukelnden Luftmatratze aufleuchten, auf der ein Paar innig miteinander knutschte. Sie, Maren, und dieser …, wie hieß er noch?

Jenny grinste, sie kannte ihre Freundin zu gut und wusste genau, was da gerade in ihrem Kopf vor sich ging. Aber verraten hätte sie Maren niemals.

Alex schaute irritiert von der einen zur anderen und er hoffte inständig, dass keine von beiden das leidige Junggesellenabschiedsthema noch einmal aufnehmen würde.

„Darf ich die Damen auf einen Prosecco einladen?“, fragte er geschäftig, obwohl er sich eigentlich wünschte, dass Jenny sich verabschieden würde.

Die tat ihm den Gefallen aber nicht.

„Klar, warum nicht?“, zwitscherte sie und zwinkerte Maren zu. „Trinken wir auf die Liebe!“

Maren hob ihr Glas und prostete Alex zu. „Auf die Liebe!“, sagte sie und der kleine Kobold in ihrem Kopf gab endlich Ruhe. Jedenfalls vorläufig.

 

© Regina Meier zu Verl

 

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Über Regina (klatschmohnrot)

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11 Antworten zu Sowas gab es früher nicht (Reizwortgeschichte)

  1. Elke schreibt:

    Eine tolle Geschichte ist dir da von den Tasten gehüpft. Danke für den Link und ein schönes Wochenende. Ich teile mal noch auf FB.
    LG Elke

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  2. Wie schnell man doch Dinge vergisst, die man selbst ‚verzapft‘ hat! – Eine humorvolle Geschichte, die ich gerne gelesen habe! LG Martina

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  3. lebensartnorwegen schreibt:

    Komisch, dass einige Mitmenschen, wenn sie älter werden, so spießig werden. Heutzutage sprechen Sie abwertend über junge Leute. Dabei haben sie früher nichts ausgelassen.Beide haben sich nichts vorzuwerfen.

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  4. lifetellsstories schreibt:

    Anscheinend vergessen einige Menschen mit zunehmendem Alter die eigenen Schandtaten. Das Gedächtnis scheint manche Erinnerungen ganz fest verschlossen zu halten und lässt daher manche Menschen über andere urteilen ohne an die eigenen Schandtaten zu denken.
    Wie immer hast Du uns eine schöne Geschichte vorgestellt, wie sie nur aus Deiner Feder kommen kann.
    LG
    Astrid

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  5. lores märchenzauber schreibt:

    Ja,ja, so hat doch jeder sein kleines Geheimnis, haha. LGLore

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  6. Christine R. schreibt:

    So kann es gehen … über die anderen lästern und die eigenen Schandtaten mit dem Mantel des Schweigens verhüllen … **grins**. – Vielleicht wäre so manche Ehe gar nicht geschlossen worden, wenn jeder seine vergangenen „Sünden“ vorher beichten müsste! **zwinker**
    Eine tolle Geschichte ist Dir da gelungen, liebe Regina. Es hat Spaß gemacht, sie zu lesen!
    Liebe Grüße und einen schönen Sonntagabend.
    Christine

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  7. wholelottarosie schreibt:

    Lach*
    So kanns gehen….. 🙂
    Manche Begebenheiten vergisst man eben nicht.

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