Pias Gäste (Reizwortgeschichte)

Amtsschimmel, Schreck, salzig, vergessen, überlegen
Das sind die Reizwörter für die heutige Geschichte. Bitte lest auch bei meinen Kolleginnen:
Lore
Martina
Eva
Christine

Pias Gäste

„Du hast mir einen heftigen Schreck eingejagt, mit deiner Aussage „Der Amtsschimmel wiehert schon früh genug“!“ Pia schaut ihre Freundin entgeistert an. Wie kann sie sich erlauben, ihr solche Angst einzujagen. Sie wollte helfen und das ist schließlich nicht verboten, oder?
„Das war nicht meine Absicht, aber du musst dir darüber im Klaren sein, dass das was du tust illegal ist. Mag es auch noch so gut gemeint sein!“ Clara verteidigt ihren Standpunkt und möglicherweise hat sie recht mit dem, was sie sagt. Man hört da so manches!
„Überleg mal: wenn einer von denen, die du täglich mit Mittagessen versorgst, eine Allergie hat, oder aus irgendeinem Grund schleichen sich Salmonellen in deine Küche. Alle, die dein Essen „genießen“ werden krank und landen im Krankenhaus. Man wird dich zur Verantwortung ziehen!“ Clara holt aus: „Eine Nussallergie kann verheerende Folgen haben, Spuren von Nüssen können einem Allergiker den Atem rauben!“
„Um Himmels Willen, darüber habe ich nicht nachgedacht. Das hört sich ja alles schrecklich an. Was soll ich denn nur tun? Dann kann ich meine Hilfsaktion wohl vergessen!“ Pia hat Tränen in den Augen. Dabei war sie so glücklich, dass sie helfen konnte.
„Wie machen die das denn in den Suppenküchen? Die kochen doch auch für die Armen und die Obdachlosen!“, fragt Pia die Freundin.
„Das weiß ich auch nicht. Frag doch einfach einmal dort nach. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Einrichtungen vom Gesundheitsamt überprüft werden!“ Clara schiebt sich ein Stück Kuchen in den Mund und kaut genüsslich.
Pia überlegt. Es kann doch nicht sein, dass man einem Fremden, der Not leidet nichts zu essen geben darf. Ihr ist klar, dass sie Verantwortung übernimmt, aber das will sie ja auch. Sie kocht nicht anders, als sie für ihre Familie oder für Freunde kochen würde. Damit würde sie niemandem schaden, im Gegenteil. Sie hilft und das völlig ohne Hintergedanken.
Sie hat sich das auch richtig gut überlegt, sogar Achim ist einverstanden mit den „Gästen“, wie Pia immer sagt.
Das kam so: Anna-Lena fragte eines Tages, ob sie eine Schulfreundin mitbringen durfte zum Essen. Pia hatte nichts dagegen, sie fand es gut, die Kinder kennenzulernen, mit denen Anna-Lena zu tun hatte. So kam Dilara am nächsten Tag nach der Schule mit. Pia erfuhr, dass das Kind mit seinen Eltern in einem der Schwedenhäuser lebte, die dort für die Flüchtlingsfamilien aufgebaut wurden.
Dilara, die aus Syrien geflüchtet war, war sehr bescheiden und höflich. Am nächsten Tag brachte sie ihren Bruder mit, der schon ein wenig mehr Deutsch sprechen konnte. So ergab es sich, dass Pia einiges erfuhr von den Flüchtlingsfamilien und deren Problemen. Sie erlaubte Dilara, immer jemanden zum Essen mitzubringen. Das ging nun schon seit ein paar Wochen so und alle waren zufrieden. Anna-Lena und Pia hatten viele Menschen kennengelernt und das Miteinander tat ihnen allen gut. Wäre da nicht die liebe Clara gewesen, die Zweifel streute, ob die Sache denn wirklich rechtens sein konnte.
„Du weißt auch nicht, wer da an deinem Tisch sitzt!“, sagt Pia. „Hinterher wirst du noch bestohlen, oder Schlimmeres!“
„Jetzt hör aber auf! Diese Menschen sind dankbar und für mich ist es der direkte Weg um zu helfen. Reden tun alle, aber handeln …“ Pia wendet sich dem Herd zu und rührt die Gemüsesuppe um, die dort vor sich hin köchelt. Sie nimmt einen Löffel und probiert.
„Mmh, ich glaube, die ist ein wenig zu salzig geworden!“, sagt sie und bittet die Freundin, doch einmal zu probieren.
„Sie ist perfekt!“, sagt Clara und bindet sich eine Schürze um. „Wo kann ich helfen?“, sagt sie und knufft Pia in die Seite.
„Vergiss, was ich eben gesagt habe, ich möchte mitmachen in deinem Küchenteam!“, sagt sie. Pia strahlt. So kennt sie ihre Freundin und ein wenig recht hat sich ja auch mit den Einwänden, aber nur ein wenig. Pia wird sich erkundigen, wie die Suppenküchen das machen. Solange kocht sie einfach – und die Gäste essen. Punkt!

 

© Regina Meier zu Verl 2017

 

 

 

 

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Über Regina (klatschmohnrot)

Autorin
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14 Antworten zu Pias Gäste (Reizwortgeschichte)

  1. Wunderbar! – Ich fürchte auch, dass es damit Probleme geben könnte. Aber jetzt wird erst einmal gekocht. Punkt!! 🙂 LG Martina

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  2. lifetellsstories schreibt:

    Eine tolle Idee! Allerdings schließe ich mich auch der Reihe der Bedenkenträger an. Ich hätte wahrscheinlich keine Angst, dass sich Salmonellen einschleichen, aber mit einer Allergie, von der man nicht weiß, ob sie jemand besitzt, ist auch nicht zu spaßen. Ja, da will man Gutes tun und bekommt auch noch ein schlechtes Gewissen gemacht.
    LG
    Astrid

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Astrid,
      wenn man es sich recht überlegt, dann dürfte man ja niemandem etwas zu essen anbieten, der nicht unterschrieben hat, dass er diese und jene Allergie nicht hat. Ich habe lange darüber nachgedacht, ob man Pia tatsächlich einen Vorwurf machen könnte, wenn etwas derartiges passieren würde. Ich mache mich mal weiter schlau darübwer.
      Liebe Grüße und danke schön
      Regina

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  3. lebensartnorwegen schreibt:

    Ja zu Helfen ist wirklich schwer. Was man da alles beachten muss, da wird einem schlecht und man kann gleich die Flinte ins Korn werfen. Und man muss gut versichert sein. Liebe Grüße Eva

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  4. Elke schreibt:

    Ich denke, privat darf ich einladen, wen ich möchte, auch Fremde. Dann dürfte es auch die diversen Kochsendungen mit den Wettbewerben nicht geben, wo bestimmte Gruppen kochen und die teilnehmenden Personen gegenseitig eingeladen werden. Außerdem sollte man sowieso eine Privathaftpflichtversicherung haben.
    LG Elke

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  5. Christine R. schreibt:

    Ja, bei uns scheitern so viele gute Pläne und Vorsätze an Gesetzen, Vorschriften und dem Wiehern des Amtsschimmels …
    Wer anfängt, sich darüber Gedanken zu machen, kann gleich einpacken.
    Ebenso diejenigen, die versuchen, sich vorher abzusichern. Die werden alt und grau, bis sie ENDLICH auch das allerletzte Formular ausgefüllt haben … 😢
    Deine Nachforschungen zu diesem Thema würden mich auch interessieren!
    Liebe Grüße
    Christine

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  6. summerruby schreibt:

    Hallo Regina, eine sehr schöne Geschichte, ich kann die beiden Frauen richtig vor mir sehen. Ich hätte Schwierigkeiten, überhaupt das Wort „Amtsschimmel“ einzubauen 🙂
    Zwei Kleinigkeiten sind mir aufgefallen: Zeile 1 und 3: eingejagt und einzujagen – Wiederholung.
    Und an dieser Stelle: … fragt Pia die Freundin. „Das weiß ich auch nicht. Frag doch einfach … – auch Wiederholung, weil es direkt hintereinander ist.
    Wenn ich mit solchen Kleinigkeiten nerve, sag‘ es mir bitte. Mir fällt es während des Lesens auf und es ist für mich kein Akt, das kurz aufzuschreiben. Aber wirklich nur, wenn’s für dich OK ist 🙂
    LG, Ruby

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    • Liebe Ruby,
      es freut mich, dass dir die Geschichte gefällt. Danke schön für die Hinweise zu den Wortwiederholungen, ich nehme das gern an. Für die eigenen Texte ist man immer ein wenig betriebsblind, während man (ich auch) in fremden Texten oft auf Fehlerchen oder Wortwiederholungen stößt. Wenn sich dann jemand die Mühe macht, das aufzulisten, sollte man eher dankbar als genervt sein. Also danke!
      Ich habe gestern übrigens dein buch auf meinen kindle geladen, werde berichten!
      Liebe Grüße
      Regina

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      • summerruby schreibt:

        Hallo Regina, ja, ich kenne die Betriebsblindheit einerseits, aber auch die Empfindlichkeit, was den eigenen Text angeht, deswegen wollte ich lieber fragen 🙂
        Ich freue mich, dass du Interesse an meinem Roman hast und bin gespannt, wie er dir gefällt.
        LG, Ruby

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  7. lores märchenzauber schreibt:

    Liebe Regina eine herrliche Geschichte und eine gute Idee, zur Nachahmung empfohlen (zwinkern) Ich bin der Meinung wenn man helfen kann, dann soll man das tun ohne wenn und aber. Sie essen doch dasselbe wie Pias Familie, und diese wird ja ihre Familie gut bekochen. Allergien kann man erfragen, und bei Syrern viellicht Schweinfleisch achten.
    Auf jeden Fall hattest du einen guten Einfall und wie immer super geschrieben.
    Schönes Wochenende und herzliche Grüße Lore.
    PS: Seit vorgestern ist Claudia da und bleibt bis nächstes Wochenende, freu, freu

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