Zwischenwelt

Wie von selbst
gleitet die Feder übers Papier,
schreibt Worte, Sätze, Gefühle auf,
die sie nicht vergessen möchte.
Einst schrieb er diese Gedanken für sie
mit schwarzer Tinte auf weißem Büttenpapier.
Wie ihren Augapfel hat sie gehütet,
was ihr von ihm blieb.
Dann fing sie an,
seine Worte abzuschreiben,
so als habe sie Angst,
dass die Tinte verblassen könnte
und die Gedanken,
seine Gedanken
mitnähme in die Ewigkeit
des Vergessens.
Sie erinnert sich an nichts mehr,
weiß nicht, dass sie Mutter ist,
hat vergessen,
dass die Kinder in die Welt zogen
und sie allein zurückblieb.
Wenn man sie bei ihrem Namen nennt,
schaut sie erstaunt aus großen traurigen Augen
und lächelt mechanisch.
Sie ist längst nicht mehr hier
bei uns.
Sie ist bei ihm
und ihre Hände halten die Feder,
die seine Worte schreibt
Tag für Tag

© Regina Meier zu Verl

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Über Regina (klatschmohnrot)

Autorin
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7 Antworten zu Zwischenwelt

  1. autorchristoph schreibt:

    Ich finde dieses Gedicht hat sehr viel Größe. Man kann sich lange damit beschäftigen. Und es ist traurig. Sehr. Doch das eine schließt das andere nicht aus.

    Gefällt 1 Person

    • Guten Morgen,
      willkommen in meinem Blog und herzlichen Dank für Deinen Kommentar, über den ich mich sehr freue. Das Gedicht ist traurig, das stimmt. Es behandelt ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt und entstand aus Beobachtungen, die ich gemacht habe, wenn ich mit Menschen zu tun hatte, die in dieser Zwischenwelt angekommen sind, in der sie festhalten an alten Erinnerungen, da die neueren Erlebnisse nach und nach aus ihren Köpfen verwschwinden.
      Viele Grüße
      Regina (die dir nun in deinem Blog folgt)

      Gefällt 1 Person

  2. Ich gebe Christoph recht. Du hast viel Herzblut in das Gedicht gelegt. Es berührt! Mich vielleicht besonders, weil ich auch mit einem Menschen zu tun hatte, der in dieser Zwischenwelt lebte.
    – Und nun schaukel man schön weiter! Anschwung hast du ja genug! 🙂 LG Martina

    Gefällt 2 Personen

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