Drei Mal darfst du raten

Kneipe, Fest, glücklich, raten, folgen
Das sind die Reizwörter zur heutigen Geschichte. Schaut bitte auch bei meinen Kolleginnen:

Lore
Martina
Eva
Christine

Drei Mal darfst du raten

„Die alte Kneipe, la la la la lala …“, singt Giesbert, ein wenig schief, aber doch erkennbar. Hilda ist genervt.
„Kannst du nicht mal einen anderen Schlager singen? Dieser kommt mir bald zu den Ohren wieder raus!“, schimpft sie. Aber Giesbert lässt sich nicht beirren, munter singt er weiter.
„Aber die Kneipe in unserer Straße gefällt mir so gut, weil’s dort wunderbar ist!“
„Der Text ist aber falsch!“ Hilda schaltet das Bügeleisen ab und rollt mit den Augen.
„Es ist mein Text und der ist genau richtig – und wahr! Wir sollten heute Abend mal was trinken gehen, in unserer Kneipe, was meinst du?“, fragt er und faltet die Küchenhandtücher zusammen, die Hilda nach dem Bügeln über die Stuhllehne gehängt hat. Ganz akkurat macht er das, ganz so, wie Hilda es wünscht.
„Also gut, du hast mich überredet!“ Hilda nickt zustimmend mit dem Kopf. Es ist immer lustig, wenn sie am Abend in die Kneipe gehen und Freunde treffen und dass sie welche treffen, dafür würde Giesbert schon sorgen.
„Aber ich habe eine Bedingung!“, sagt sie. „Wir machen nicht wieder so ein weinseliges Fest daraus wie beim letzten Mal, ich habe nämlich morgen früh einen Termin und da darf ich nicht verkatert erscheinen!“
Giesbert lacht, als er sich daran erinnert, wie schlecht es Hilda nach ihrem letzten Kneipenbesuch ergangen war. Sie verträgt keinen Alkohol.
„An mir soll es nicht liegen!“, sagt er deshalb. „Was für einen Termin hast du denn?“
„Dreimal darfst du raten!“ Hilda grinst. Sie macht sich gern einen Spaß daraus, Giesbert auf die Folter zu spannen.
„Warte, ich überlege kurz – du hast einen Friseurtermin!“ Giesbert strahlt seine Hilda erwartungsvoll an. Die aber verzieht die Miene.
„Da war ich gestern bereits, hast du wieder nicht bemerkt, aber egal!“
Etwas peinlich ist es Giesbert und mit seiner zweiten Antwort lässt er sich mehr Zeit.
„Du bist mit Margot im Café verabredet?!“, fragt er unsicher.
„Nein, Margot ist doch zur Kur. Das habe ich dir letzte Woche erzählt. Hast du mir wieder nicht zugehört?“
Oh je, zielsicher ist er in das zweite Fettnäpfchen getreten. Was jetzt? Nun darf aber ein Fauxpas mehr folgen.
„Ach, Hilda, das ist blöd. Was soll ich jetzt noch sagen? Blamiert habe ich mich für heute schon genug!“, stöhnt Giesbert.
„Dann denk mal nach! Kleiner Tipp: Farbe!“
Giesbert fällt nichts zu dem Stichwort ein. Vorsichtig fragt er:
„Du gehst doch nicht etwa ins Solarium?“
„Du weißt doch genau, was ich von dieser Hautbraterei halte! Nein, ich gehe nicht ins Solarium, ich bin braun genug, findest du nicht?“
Stimmt, Giesbert weiß ja, dass Hilda gar nichts davon hält. Sie hat sogar mal gesagt, dass sie den Hautkrebs nicht herausfordern will mit so einem Blödsinn. Und wenn Hilda was meint, dann meint sie das!
„Dann sag jetzt endlich, was du für einen Termin hast, dieses blöde Raten hat mir noch nie Spaß gemacht!“
Hilda nimmt den Stapel Geschirrhandtücher und räumt ihn ins Fach über dem Kühlschrank. Anschließend klappt sie das Bügelbrett zusammen und bringt es in den Abstellraum.
„Ich geh mich mal umziehen!“, verkündet sie und als sie schon in der Küchentür steht, dreht sie sich noch einmal um.
„Ich gehe übrigens morgen früh in die Volkshochschule zum Malkurs, den du mir zum Geburtstag geschenkt hast!“, sagt sie. „Oder hast du das auch vergessen?“
Hat er nicht, wie könnte er? Es ist ihm einfach gerade nicht eingefallen, dabei war sie so glücklich über dieses Geschenk und da sie das wohl immer noch ist, nimmt sie es ihrem Giesbert auch gar nicht übel, dass er so daneben lag mit seinen Lösungen.
„Bunt, bunt, bunt sind alle meine Farben …“, singt Hilda und schließt die Tür hinter sich.
„Der Text stimmt nicht!“, ruft Giesbert ihr hinterher, aber das hört Hilda nicht mehr.

© Regina Meier zu Verl

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Über Regina (klatschmohnrot)

Autorin
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10 Antworten zu Drei Mal darfst du raten

  1. lores märchenzauber schreibt:

    Jaja, dass Männer nicht zu hören könnnen, hahaa, eine schöne Geschichte, vielleicht kannst du mir mal verraten wie Hilda es geschafft hat, dass Giesbert die Handtücher exakt zusammenlegt.
    Wünsche dir ein schönes Wochenende und danke, dass du mich wieder in Schreibschwung gebracht hast (schmunzeln) LGLore
    Ich sehe es gibt eine neue Sumsinella Geschcihte, muss ich gleich lesen

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  2. Herrlich!!! Ich hat breit gegrinst und gedacht: Jawoll, so machen wir das auch, wenn der Gatte in Rente geht. Ich bügle und er nimmt die Sachen zusammen. Au weia. Was da wohl bei heraus kommt? Lach!!! — ‚Meiner‘ hört auch nie zu, so dass diese Geschichte durchaus bei uns passiert sein könnte. Mit einer Ausnahme: Uns findet man nicht in einer Kneipe – weder in einer alten, noch in einer jungen :-)))! — Danke für die tolle Geschichte und auch für deinen Kommentar bei mir. Hui, jui,jui!!! 🙂 LG Martina

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Martina,
      in eine Kneipe gehen wir auch eher selten, es gibt kaum noch diese urigen Kneipen, in denen wir uns früher vergnügt haben. Und wir sind faul und bequemer geworden. Martin kann gut Wäsche falten, er hat geübt!
      Herzliche Grüße
      Regina

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  3. lifetellsstories schreibt:

    Das war ja wirklich wieder einmal aus dem Leben gegriffen. Obwohl, vielleicht auch nicht so ganz. Mein Mann hat nämlich noch nie Wäsche zusammen gefaltet und das soll er auch nicht, denn ich müsste dann wahrscheinlich alles wieder neu falten. Seine Talente liegen eindeutig nicht auf diesem Gebiet 🙂 .
    Aber das mit dem Nicht-Zuhören, könnte bei uns auch vorkommen, das ist wohl ein gemeinsames Gen, das alle Männer besitzen.
    Wenn wir in Hessen sind, dann gehen wir ab und zu in eine Eppelwein-Kneipe, weil mein Mann gerne Handkäs mit Musik isst ( davon habe ich ja schon in „Deutsche Sprache- schwere Sprache“ berichtet). Ansonsten sind wir keine Kneipengänger, aber wir gehen gerne mal in ein gutes Restaurant.
    LG
    Astrid

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  4. Christine R. schreibt:

    Liebe Regina,
    das mit dem „Nicht hinhören“ oder „nur die Hälfte hören und den Rest wieder vergessen“ kommt mir sooooo bekannt vor! Es scheint wirklich so zu sein, wie Astrid schreibt: Männer haben in dieser Hinsicht ein gemeinsames Gen … **seufz**
    Mein Mann kann und macht im Haushalt nahezu alles – aber an meiner Bügelwäsche würde er sich nicht vergreifen – das würde ich auch gar nicht zulassen!
    Naja – und in Kneipen gehen wir heutzutage ehr selten – dafür aber jede Woche zum Linedance.
    Liebe Grüße, und ein erholsames Wochenende!
    Christine

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  5. lebensartnorwegen schreibt:

    Liebe Regina, typisch Mann sagt man. Obwohl, ich muss mir da an die eigene Nase greifen. Ich höre auch oft nicht hin, weil ich was lese und total vertieft bin. Bei mir kommt oft ein hmmm, aber mein Mann nimmt es nicht krumm, Gott sei Dank. Liebe Grüße Eva

    Gefällt 1 Person

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