Die Elfe Sumsinella und das Sommerkonzert (9)

Die Elfe Sumsinella und das Sommerkonzert (9)

Sumsinella lag auf einem Blütenboot und schaute in den Himmel. Strahlendes Blau erfreute ihre Augen, kein Wölkchen war zu sehen.
„Ach, wie herrlich das ist!“, seufzte Sumsinella und räkelte sich. Sie schloss die Augen und lauschte dem Gesang der Amsel, die auf der Spitze einer riesigen Tanne saß. Die Melodie gefiel dem Elfenmädchen so gut, dass es sich aufsetzte und in das Singen einstimmte.
Das hörte auch Goldi, er schwamm an die Oberfläche, ließ ein paar Blasen blubbern und beteiligte sich ebenfalls an dem Konzert.
„Hey, Goldi, du kannst ja singen!“, lachte Sumsinella.
„Na ja, als Gesang würde ich das nicht bezeichnen, ich bin wohl eher für den Rhythmus zuständig, richtige Töne gelingen mir nicht. Die Menschen sagen sogar, dass Fische stumm sind.“
„Menschen sind manchmal dumm, sie hören einfach nicht richtig zu. Lass uns noch ein Lied anstimmen“, schlug Sumsinella vor und ihre helle Stimme erklang aufs Neue. Nun waren sie schon zu dritt und es dauerte gar nicht lange, da gesellten sich weitere Gartenbewohner hinzu. Vater Quak ließ seinen Brummbass schnarren und die Froschkinder, die den Text noch nicht kannten, quakten mit lauten Stimmen dazu.
„Was ist denn das für ein Krach hier!“, ertönte plötzlich eine unfreundliche Stimme.
Sumsinella erschrak und schaute sich um. Sie konnte aber niemanden entdecken.
„Das ist ja nicht auszuhalten, wer stört da meine Ruhe?“, zeterte der Unsichtbare jetzt.
„Krach?“, fragte Sumsinella. „Das ist doch kein Krach, wir musizieren!“ Sie war empört, dass jemand ihr wunderbares Konzert als Lärm bezeichnete.
„Wenn du schon meckern kannst, dann zeig dich wenigstens, damit wir wissen, mit wem wir es zu tun haben!“
„Ich meckere gar nicht, bin doch keine Ziege“, schimpfte der Fremde und jetzt sah Sumsinella ihn auch. Er saß auf einem Hügel am Teichrand.
„Ach du bist es, Maulwurf!“, rief Sumsinella fröhlich.
„Ich habe auch einen Namen, Elfe!“, sagte der Maulwurf beleidigt. Sumsinella lachte jetzt hell auf.
„Gestatten, mein Name ist Sumsinella! Und wer bitte sind Sie?“, fragte sie.
„Ich heiße Herbert und du kannst ruhig Du sagen.“ Das klang schon freundlicher. Sumsinella war davon überzeugt, dass Maulwürfe eigentlich ganz nette Gesellen waren. Vielleicht war Herbert auch nur so mürrisch, weil er den herrlichen Sommertag gar nicht so richtig wahrnehmen konnte. Für ihn war es immer dunkel und der blaue Himmel blieb ihm verborgen.
„Sing doch einfach mit, Herbert. Das macht Spaß.“
„Ich kann nicht singen, aber warte mal, ich bin gleich zurück.“ Erdkrumen flogen in die Höhe, als sich Herbert in die Erde buddelte und es dauerte gar nicht lange, da kam er zurück. Er hatte eine Flöte mitgebracht, die setzte er jetzt an und eine liebliche Melodie erklang.
„Das klingt ja herrlich!“, rief Sumsinella und klatschte begeistert in die Hände.
„Dürfen wir mitsingen?“
Der Maulwurf räusperte sich und nickte dann mit dem Kopf.
„Also gut, dann also auf vier: eins, zwei, drei, vier!“, ordnete er an und alle folgten ihm.
Sie sangen bis spät in die Nacht, Glühwürmchen gesellten sich zu ihnen und spendeten Licht. Später kamen die Grillen mit ihren Fiedeln dazu.
Rundherum in ihren Nestern und Nachtlagern lauschten die Gartenbewohner der nächtlichen Symphonie und auch die Menschen im Haus spürten, dass es sich um eine ganz besondere Nacht handelte.
„Weißt du noch?“, fragte Annas Mutter und kuschelte sich an ihren Mann.
„Wie könnte ich das vergessen, in einer solchen Sommernacht habe ich dich gefragt, ob du mich heiraten möchtest“, seufzte er.
„Stimmt, ist schon lange her, nicht wahr?“
„Ja, lange her …“ antwortete der Mann und gleich darauf war er eingeschlafen und schnarchte leise im Takt der Sommermusik.

© Regina Meier zu Verl
botanisch 006

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Über Regina (klatschmohnrot)

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