Opa stinkt’s gewaltig

Tour de FranceKatzenpisse ringenpassenungläubig 

Das sind die Reizwörter zur heutigen Geschichte. Es war eine Herausforderung eine Geschichte dazu zu schreiben und ich habe lange nicht gewusst, was ich dazu schreiben könnte, dann fiel mir ein, dass das Leben ja die besten Geschichten schreibt und genau so eine Geschichte hat sich bei uns ereignet. Natürlich habe ich sie ein wenig ausgeschmückt und die Personen ausgetauscht, ihr wisst schon …

Bitte lest auch bei meinen Kolleginnen:

Lore

Martina
Eva

Christine

Opa stinkt’s gewaltig

„Also Vater, nun reiß dich doch mal ein wenig zusammen. Denk daran, dass hier Kinder wohnen. Deine Kraftausdrücke sind nicht angebracht!“
Nicole hob aber schnüffelnd die Nase und verzog anschließend angewidert die Miene.
„Allerdings riecht es wirklich sehr unangenehm hier!“, sagte sie und riss das Fenster auf.
„Es riecht nicht, es stinkt! Nach Katzenpisse!“, rief ihr Vater triumphierend. „Sag ich doch!“
Ungläubig sah Nicole ihren Vater an. Woher sollte der penetrante Gestank kommen? In diesem Haus gab es keine Katze. Das ginge auch gar nicht, schon wegen Peters Allergie war das undenkbar.
„Und, hast du jemals eine Katze hier gesehen?“, fragte Nicole bissig und schaute unters Bett. Anschließend zog sie jede Schublade auf, als könnte sie darin eine Katze finden.
„Vielleicht im Kleiderschrank?“, murmelte sie und öffnete die Doppeltür. Ein Stoß Unterhosen kam ihr entgegen und landete auf dem Fußboden. „Um Gottes Willen, wie sieht es denn hier aus?“, schimpfte sie.
„Das geht dich gar nichts an! Mach die Türen zu, das ist mein Schrank!“ Vater Heinz stand erbost aus seinem Sessel auf, wobei er mit dem Kopf an die Dachschräge stieß. „Verflixt und zugenäht, diese blöden Schrägen!“, maulte er und hielt sich den Schädel. Dann warf er die Kleiderschranktüren zu, drehte den Schlüssel um und zog ihn ab. Mit einem lauten Knall schloss er anschließend das Fenster.
„Es zieht!“, behauptete er.
„Das könnte dir so passen! Willst du in diesem Mief ersticken?“ Nicole rang um Fassung. Manchmal konnte ihr Vater sie echt auf die Palme bringen. Zuerst beschwerte er sich über den Gestank, dann versuchte er zu verhindern, der Sache auf den Grund zu gehen. Wer weiß, was er wieder angestellt hatte. Allerdings würde sie dem Problem schon auf die Spur kommen. Eine Katze könnte nicht die Übeltäterin sein. Das festzustellen war eine der leichtesten Übungen, sie würde einfach Peter später zu Vater schicken. Das war zwar irgendwie gemein, aber so ein kleiner Asthmaanfall würde ihn schon nicht umbringen, wenn es denn wirklich eine Katze war.
Als Peter später von der Arbeit nach Hause kam, bat Nicole ihn auch sofort, bei ihrem Vater mal nach dem rechten zu sehen. Von dem penetranten Geruch verriet sie zunächst nichts. Sie wollte den Katzentest machen.
„Du kannst ihm sagen, dass es in einer Viertelstunde Abendbrot gibt!“, trug sie Peter noch auf und machte sich daran, den Tisch zu decken.
„Mama, wann gibt’s was zu essen?“ Clara hob den Deckel der Bratpfanne an. „Oh, Frikadellen! Ich habe solchen Hunger!“
„Hilf mir beim Decken und dann rühr den Salat noch einmal durch. Papa ist gerade bei Opa und ruft ihn zum Essen.“ Nicole nahm ein Brotmesser und schnitt das Fladenbrot auf, das sie kurz im Backofen knusprig gebacken hatte.
„Wo ist dein Bruder?“, fragte sie.
„Der hängt sicher vor seinem Computer und erschießt irgendwelche Monster! Oder er guckt sich die Aufzeichnungen der Tour de France an, du kennst ihn doch!“ Clara lachte. Sie konnte Computerspielen nichts abgewinnen, und so fahrradverrückt wie Tommy war sie auch nicht. Lieber spielte sie draußen oder nebenan beim Bauern Friedrich auf dem Hof. Sie liebte Tiere über alles und wünschte sich schon lange einen Hund, noch lieber wäre ihr eine Katze, aber das kam ja nicht infrage wegen Papas Allergie.
Die beiden Männer stapften die Treppe hinunter und brachten auch Tommy mit. Peter war ein wenig blass im Gesicht, atmete aber ganz normal.
„Warst du kürzlich mal bei Vater oben?“, fragte er seine Frau. „Da stinkt es ja, als ob dort jemand verwese! Vater meint es sei Katzenpisse!“
Clara kicherte und Tommy lachte laut auf. „Papa!“, rief er und imitierte dann die Stimme seiner Mutter: „Doch nicht vor den Kindern!“
Opa grinste. „Ich habe übrigens meinen Kleiderschrank aufgeräumt, keine Viecher drin, alles im grünen Bereich!“
Vater Peter schaltete sich ein. „Eine Katze kann es offensichtlich nicht sein, die diesen Gestank verursacht hat. Das hätte ich gemerkt, ihr wisst ja, die Allergie!“
Nach dem Abendessen machte sich dann die ganze Familie auf, Opas Zimmer mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Doch sie fanden die Ursache für den widerlichen Geruch nicht
„Wir denken mal nach und suchen morgen weiter!“, beschloss Peter, der gern die Tagesschau anschauen wollte. Nicole folgte ihm und Tommy verkroch sich auch wieder in seinem Zimmer.
„Opa, du kannst bei mir schlafen, wenn du willst.“, bot Clara an. „In diesem krassen Mief kann es ja keiner aushalten!“
Doch Opa lehnte dankend ab. „Lass mal, meine Kleine“, sagte er.
Clara verabschiedete sich, wünschte noch ihren Eltern eine gute Nacht und legte sich dann in ihr Bett. Sie hatte sich ein spannendes Buch aus der Bibliothek geholt und wollte lesen.
Auch Opa nahm sein Buch und da er nicht mehr so gut sehen konnte, machte der die volle Festbeleuchtung an, die eingebauten Deckenstrahler, die Stehlampe und wegen des Miefs zündete er noch die Kerze im Windlicht an. Er hatte gerade mal ein paar Seiten gelesen, als er in seinem Sessel einschlummerte, wie gesagt, bei voller Beleuchtung.
Auf einmal schreckte er hoch. Der Gestank hatte sich bis zur Unerträglichkeit verstärkt. Und da war noch etwas, Opa horchte. Da war doch jemand auf dem Dachboden! Verflixt noch einmal, das hörte sich an, als sei ein großes Tier dort unterwegs. Immer wieder jagte da etwas über die Decke, rutschte dann die Dachschräge hinunter und war gleich darauf wieder aktiv auf der Decke unterwegs.
Wie gebannt schaute Opa Heinz zur Decke, so, als könnte er durch sie hindurchsehen. Und dann sah er es!
Neben einem der Deckenstrahler waren Flecken auf der ansonsten blütenweißen Raufaser, gelbe Flecken, riesige Flecken. Opa schob einen Stuhl unter die Lampe, kletterte drauf und besah sich die Schweinerei aus der Nähe. Es war wirklich gut, dass Opa hart im Nehmen war, sonst wäre er sicher ohnmächtig von Stuhl gefallen, denn je näher er seine Nase zur Decke hob, desto unerträglicher wurde der Geruch. Mit dem Zeigefinger befühlte Opa die Flecken, die sich ein wenig feucht anfühlten. Dann roch er an seinem Finger und dann schrie er los: „Dieses verdammte Schwein! Warte, wenn ich dich kriegen, dann ist was los!“
Es dauerte nur Sekunden, da versammelte sich die ganze Familie in Opas Zimmer.
„Ein Schwein?“, fragte Tommy aufgeregt und versteckte sich hinter dem Sofa.
„Vater, was ist denn nur los?“ Nicole hielt sich die Nase zu, auch sie suchte Schutz hinter dem Sofa.
Papa Peter war mutiger, er half seinem Schwiegervater vom Stuhl und kletterte dann selbst drauf.
„Das ist ein Marder!“, behauptete er. „Der hat da seine Pinkelecke gefunden!“
„Meinst du?“, fragte Opa skeptisch.
„Na, ein Schwein ist es sicher nicht!“, Papa lachte, obwohl ihm eigentlich gar nicht zum Lachen war. Dieser verflixte Marder trat nämlich nicht das erste Mal in Erscheinung. Gerade letzte Woche hatte er die Kabel in seinem Auto durchgeknabbert.
Das fiel Opa nun auch wieder ein. „Du hast recht, Peter. Es wird ein Marder sein. Hatten wir früher schon mal, aber lange habe ich ihn nicht mehr gehört und fast vergessen, dass er mal da war.“
Nicole kam hinter dem Sofa hervor. Ins Zimmer konnte dieser Marder ja nicht kommen. Schlimm genug, dass er Schaden anrichtete, aber Angst brauchte sie wohl nicht haben.
„Vater, komm erstmal mit uns runter, du kannst im Wohnzimmer schlafen und morgen untersuchen wir mal den Dachboden, dafür ist es jetzt zu spät.“
Dann kehrte endlich Ruhe ein, der Gast auf dem Dachboden war wohl auf Brautschau und Clara hatte von dem ganzen Theater nichts mitbekommen, sie hatte selig geschlafen.

Wie es weiterging möchtet ihr wissen? Na, das wüsste ich auch gern, aber das erzähle ich dann, wenn das Problem gelöst ist, versprochen!

© Regina Meier zu Verl

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Über Regina (klatschmohnrot)

Autorin
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18 Antworten zu Opa stinkt’s gewaltig

  1. lores märchenzauber schreibt:

    Was für eine herrliche Geschichte, musste lachen und habe kurzzeitig an ein Stinktier gedacht, wusste nicht, dass auch Marder stinken, hahaa. Lore

    Gefällt 1 Person

  2. Als unsere Tochter so ca. 7 Jahre alt war, rief sie mich in einer Nacht völlig panisch, weil sie ein furchtbares Geräusch vernommen hatte. Ich setzte mich auf ihr Bett und versuchte, sie zu beruhigen: Du wirst geträumt haben. Doch dann erschrak ich auch, denn es hörte sich an, als würde jemand über uns die Schräge herunter rutschen. – Seither weiß ich, wie laut so ein Marder sein kann. Gerochen hat es Gott sei Dank nicht, denn wir fanden schnell seinen Einstieg und verwehrtem ihm einen weiteren Besuch. — Du hast eine tolle Geschichte geschrieben, die ich sehr gerne gelesen habe! — LG Martina

    Gefällt 1 Person

  3. Christine R. schreibt:

    Liebe Regina,
    die Marder stehen zwar meines Wissens unter Naturschutz – aber es sind trotzdem Mistviecher! 😦 An meinem neuen Auto hat so ein Vieh ein großes Loch in die Innenverkleidung der Motorhaube hineingefressen und die Füllmasse herausgerupft … ich kann ja noch von Glück reden, dass er sich nicht an irgendwelchen Schläuchen oder Dichtungen vergriffen hat!
    Deine Geschichte hat mir prima gefallen – sie erinnert mich an so manche Nacht, die wir früher auf unserem Wochenendgrundstück zugebracht haben. Marder gab es zwar dort nicht – aber Siebenschäfer und Mäuse können auch ganz schön Krawall machen! 😦
    Ich wünsche Dir einen schönen, erholsamen Sonntag!

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  4. Katrin - musikhai schreibt:

    Igitt! Ich konnte die Marderpi… förmlich riechen! Eine schöne Geschichte ist dir da gelungen! Ich bin gespannt, wie es weitergeht! 🙂

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  5. lebensartnorwegen schreibt:

    Regina, das ist ja noch schlimmer als Katzenpisse. Oh je! Bin gespannt wie es weiter geht. Liebe Grüße Eva

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  6. lifetellsstories schreibt:

    Oh je!!! Das ist ein echtes Problem.
    Wir hatten vor einigen Jahren einen ähnlichen Fall. Nachts hörten wir Geräusche über unseren Köpfen, so als liefe jemand hin und her. Von innen und außen konnte man nichts entdecken. Nacht für Nacht um die selbe Uhrzeit die selben Geräusche. Irgendwann entdeckten wir am Dach eine winzige Öffnung und holten den Dachdecker. Die Geräusche waren inzwischen weg. Ja und der Dachdecker entdeckte dann auch den Grund und das Ausmaß der nächtlichen Besuche. Marder, vermutlich eine ganze Marderfamilie hatte die Dämmung zerfressen. Also mussten die Ziegel, zumindest in diesen Bereichen herunter und neue Dämmung darauf. Das war kein kleiner Schaden.
    Wollen wir hoffen, dass sie nie wieder kommen.
    LG
    Astrid

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  7. Jens schreibt:

    Und, haben sie das Problem mit Mardern gelöst?

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    • Ja, vorläufig ist mal Ruhe. Das war aber immer so, eine Weile war Ruhe und dann irgendwann, wenn man schon gar nicht mehr damit rechnete, dann war wieder ein Marder eingezogen bei uns. Gute Erfahrungen haben wir mit Hundehaaren gemacht, die wir in den Motorraum unserer Autos verteilt haben, seitdem haben wir kein angefressenes Kabel mehr gehabt.

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