Ungeschicklichkeiten

Andenken, Topflappen, werfen, rosa, berühmt

Das sind die Reizwörter zur nachfolgenden Geschichte, direkt aus dem Leben gegriffen und so oder ähnlich passiert.
Bitte lest auch bei meinen Kolleginnen:

Lore
Martina
Christine
Eva V

Ungeschicklichkeiten

Heidi warf die rosa Topflappen, ein Andenken an ihre Großmutter, auf den Küchenschrank. Verflixt, sie hatte sich trotz dieser nützlichen Teile schon wieder die Hand verbrannt. Sie drehte das kalte Wasser auf und hielt mit schmerzverzerrtem Gesicht ihren rechten Zeigefinger unter den Strahl.

Als nach einer Weile der Schmerz ein wenig nachließ schaltete sie den Backofen aus und betrachtete den Kuchen, den sie gebacken hatte. Köstlich sah er aus und er duftete ebenso köstlich. Gut, dass sie wenigstens ein Holzbrett bereitgestellt hatte, als sie ihn aus dem Ofen geholt hatte. Eine unschöne Brandstelle gab es nämlich schon auf der Küchenarbeitsplatte und die ärgerte sie seitdem.

In der letzten Zeit passierten ihr immer wieder solche Sachen. Das hatte es früher nicht gegeben. Stets hatte sie alle Arbeiten im Haushalt sehr umsichtig erledigt und nur darüber gegrinst, wenn Heinz sagte: „Die meisten Unfälle passieren im Haushalt!“

War das so? Hatte sie bisher nur Glück gehabt, oder ließ ihre Aufmerksamkeit nach? Wurde sie etwa alt?

Quatsch, Heidi hatte vor ein paar Monaten ihren Fünfundsechzigsten gefeiert. Sie war im besten Alter, wie sie gern behauptete. Trotzdem gaben ihr die kleinen Ungeschicklichkeiten zu denken. Vielleicht war es einfach die Routine, sie musste eben etwas vorsichtiger sein, dann würde sich das wieder geben.

Während sie darüber nachdachte, fiel ihr der Sturz im Badezimmer ein. Letzte Woche war sie aus der Dusche gekommen und so unglücklich ausgerutscht, dass seitdem ein dicker blauer Fleck ihren Allerwertesten zierte. Das war nochmal gut ausgegangen, sie hatte sich nichts gebrochen. Heinz hatte sie es wohlweislich verschwiegen, weil sie sich seine Schimpftirade nur zu gut vorstellen konnte.

Außerdem war es auch gar nicht ihre Schuld gewesen, sondern zurückzuführen auf das neue Duschgel mit dem berühmten Namen. Wie hieß das nochmal? Heidi fiel es nicht ein, verflixt, nun auch das noch.

Auf jeden Fall war es so eine neuartige Duschcreme, die man auf die nasse Haut auftrug, am ganzen Körper, einen Moment einwirken ließ und anschließend abspülte. Man brauche sich danach nicht mehr eincremen, sagte die Werbung, die die Beschaffenheit der Haut anschließend mit den schönsten Adjektiven beschrieb und einfach Lust auf so eine Dusche machte. Allerdings war im Anschluss nicht nur die Haut schön cremig, auch die Duschwanne bekam davon etwas mit und war glatt und seidig, besser gesagt: Sie war glitschig. Kein Scherz! Es war so gewesen und „zack“, hatte Heidi den Halt verloren und in ihrer nackten Schönheit im Badezimmer gelegen.

Die Duschcreme hatte sie ihrer Tochter geschenkt. „Für mich ist das nichts, vielleicht gefällt sie dir. Aber vorsichtig, sie macht die Duschwanne glatt!“

Heidi betrachtete die Brandwunde m rechten Zeigefinger. Das würde eine Weile schmerzen. Wie gut, dass sie Brandsalbe im Kühlschrank hatte. Sie trug die Salbe dick auf und klebte ein wasserfestes Pflaster um den Finger. Sie musste ja noch die Küche aufräumen und die Backutensilien spülen.

Heidi seufzte. Irgendwie war ihre Laune im Keller gerade. Als dann noch Heinz die Küche betrat und fragte, was es denn mittags zu essen gäbe, platzte sie.

„Andere Sorgen hast du wohl nicht?“, fragte sie bissig, öffnete den Deckel des Mülleimers und warf die Topflappen hinein.

„Sie haben ein Loch!“, behauptete sie und schob ihren Mann aus dem Raum.

„Und nun lass mich in Ruhe, sonst gibt es nämlich heute Mittag gar nichts!“, schimpfte Heidi. Es tat ihr aber sofort leid, denn Heinz konnte nun wirklich nichts dafür. Also lenkte sie ein und versprach ihm Bratkartoffeln, die würde sie sicher unfallfrei hinbekommen. Das glaubte sie jedenfalls.

© Regina Meier zu Verl 2017

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Über Regina (klatschmohnrot)

Autorin
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13 Antworten zu Ungeschicklichkeiten

  1. Elke schreibt:

    Das passiert, aber nicht nur im Alter. Aber wenn sich solche Vorkommnisse häufen, macht man sich natürlich Gedanken. Ab einem gewissen Alter denkt man sofort an Demenz und Alzheimer, wenn man etwas vergessen hat. In jungen Jahren hätte man die Vergesslichkeit auf den Stress und zu viel Arbeit geschoben. Magst du deine Geschichten auch bei mir in der Linkparty verlinken? Martina macht das schon und ich würde mich freuen.
    http://ein-kleiner-blog.blogspot.de/2017/02/linkparty-froh-und-kreativ-jeden-monat.html
    LG Elke

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  2. lebensartnorwegen schreibt:

    Liebe Regina, Deine Geschichte spricht mir aus der Seele. Ich hätte das nie gedacht, dass es so kommt. Ich habe meine Mutter immer belächelt. Wirklich, man muss vorsichtiger sein wenn man älter wird. Liebe Grüße Eva

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  3. Oh ja, Ungeschicklichkeiten, die kennen wir wohl alle und besagte Duschcreme auch :-). Ich hab mir mal ein Duschöl geleistet. Das machte den Duschboden auch richtig glatt. Passiert ist Gott sei Dank nichts. – Deine Geschichte hätte sich wirklich genauso zutragen können. Herrlich – nur leider nicht für Heidi! 🙂 — Bei uns geht im Moment die Grippe um. Mich hat es erwischt – Mann und Tochter auch. Bis gestern hab ich nur gelegen. Heute schaffe ich es zumindest schon mal an den PC. Es geht wohl aufwärts. Das hoffe ich zumindest! LG Martina

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  4. lifetellsstories schreibt:

    Liebe Regina,
    Deine Geschichte ist wieder einmal so richtig aus dem Leben gegriffen. Wer kennt diese Missgeschicke nicht. Ich verbrenne mich auch häufig, wenn ich etwas aus dem Backofen holen will. Wenn ich in Hektik bin und mich beeile, dann geht ganz sicherlich etwas schief. Man passt dann eben nicht so genau auf. Erst neulich ist mir etwas aus der Hand gerutscht. 🙂
    LG
    Astrid

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    • Liebe Astrid,
      dann müssen wir eben noch ein wenig besser auf uns aufpassen! Allerdings ist mir auch häufig etwas misslungen, als ich jünger war. Verbrannt habe ich mich eindeutig früher öfter. Heute gehe ich viele Dinge mit mehr Ruhe an, weil ich einfach mehr Zeit habe.
      Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende dir
      Regina

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  5. Christine R. schreibt:

    Liebe Regina,
    woher kennst Du mich eigentlich so genau? Das könnte nämlich durchaus MEINE Geschichte sein …
    Ich finde es aber sehr tröstlich, dass es ganz offensichtlich nicht nur MIR so geht! Ich hatte nämlich schon Angst, ich bin die einzige, der dauernd irgend etwas hinunterfällt, die Gläser umwirft, Namen und Orte vergisst, und mit dem Kopf gegen Hängeschränke rennt …
    Vielen Dank – Du hast mich gerettet, BEVOR ich anfange, an mir selber zu zweifeln! **lach**
    Liebe Grüße, und noch eine schöne restliche Woche für Dich!
    Christine

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  6. lores märchenzauber schreibt:

    Musste jetz über Christines Kommentar lächeln.
    Eine schöne Geschcihte und direkt aus dem Leben, aber solche Missgeschicke sind mir auch in jungen Jahren passiert.
    Einmal habe ich mich an dem Backblech verbrannt und ließ es vor Schreck fallen, meine tageskinder damls haben sich kaputt gelacht.
    Liebe Regina ich wünsche dir ein schönes Wochenende, LGLore

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  7. angelface schreibt:

    oh je liebe Regina, wenn ich dir jetzt erzählte dass ich es sogar schaffe, in meinen „Schlappen“ die Treppe hochzufallen!!!“ dann lachst du darüber(weil mir nix passiert ist und sagst, „siehste“!!°
    andere, weitaus „Jüngere hatten nicht so viel Glück und mehr als nur „blaue Flecken am Allerwertesten bekommen, nein, einer hat sich beim runtertorkeln sogar das Hälschen fast gebrochen und musste damit ins KH!!°
    auch nicht schön und gar nicht so lustig, passiert aber, da kann man noch so sehr aufpassen, ich würde zu manch Stürzen sagen; Miss „Ungeschick“ grüßt, man ist einfach zu „schnell“…
    schöne Geschichte von dir wieder und zwar eine mit ernstem Hintergrund…
    herzlichst Angel

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