27.11.2016 (verspätet wegen Internetausfall)

Teil 27
Heute muss ich schnell die Zeit nutzen, solange das Internet läuft, wer weiß, wie lange das andauert!

Nachdem sie eine Runde „Mensch ärgere dich nicht“ gespielt hatten, wollte Mama das Abendessen vorbereiten.
„Ich gehe mal in die Küche und schaue, was der kleine Tiger macht“, sagte sie und erhob sich.
„Das kann ich doch machen.“ Clara sprang auf und lief zur Küche. Sie öffnete vorsichtig die Tür, schob sich durch den Spalt und schloss sie gleich wieder hinter sich.
„Schnurrli?“, flüsterte sie und siehe da, die kleine Katze schaute unter dem Schrank hervor.
„Was machst du denn hier, hat dir jemand erlaubt, mit mir mitzukommen?“ Clara versuchte, mit Schnurrli zu schimpfen, hatte aber gleichzeitig ein schlechtes Gewissen, denn sie war ja nicht unschuldig an der Sache. Sie hätte einfach besser aufpassen müssen. Aber was passiert war konnte man nicht ungeschehen machen, jetzt konnte nur noch der Schaden begrenzt werden und das versuchte Clara.
„Du musst zurück in den Rucksack, damit ich dich später wieder mit zu Hilda und Hermann nehmen kann, hörst du?“
„Ja, ja, ist schon klar. Also, lass mich raus, ich springe dann schnell nach oben in dein Zimmer und verschwinde in dem furchtbaren Beutel!“
Die Küchentür wurde geöffnet, Schnurrli verschwand schnell wieder unter dem Schrank und Clara tat so, als habe sie die ganze Zeit nach dem gefährlichen Tier gesucht.
„Mit wem redest du denn eigentlich?“, fragte Mama erstaunt.
„Ich rede mit mir selbst, Mama. Das machst du doch auch manchmal, stimmt’s?“
Mama lachte, ja, sie redete auch manchmal mit sich selbst. Das schärfte die Sinne, zum Beispiel wenn man nach etwas suchte und konnte es nicht finden. Dann sagte sie zu sich: „Ich weiß ganz genau, dass ich meine Brille da hingelegt habe. Ich werde jetzt noch einmal den ganzen Weg zurückgehen, den ich gegangen bin, als ich sie noch hatte, irgendwo muss sie doch sein, ich bin doch nicht blöd!“
Also machte sie sich keine weiteren Gedanken über Claras Selbstgespräche, fühlte sich aber ein wenig ertappt und nahm sich vor, demnächst nur noch ganz leise mit sich selbst zu reden oder möglicherweise gar nicht mehr.
„Ich sag noch schnell Papa Bescheid, dass wir gleich essen wollen.“ Sie verließ die Küche und ließ die Tür offen stehen. Diese Gelegenheit nutzte Schnurrli, um wie vom Blitz geölt das Zimmer zu verlassen und nach oben zu sprinten. Dort kroch sie sofort in den verhassten Beutel und gab keinen Mucks mehr von sich.
Beim Abendessen machte Papa Witze über die Großmutter, doch Mama konnte darüber gar nicht lachen. So verärgert wie heute hatte sie ihre Mutter noch nie gesehen, es würde eine Weile dauern, bis man wieder normal miteinander umgehen konnte. So schwieg Mama Gisela und Papa hörte auf, Witze zu machen und Clara wurde plötzlich sehr müde.
„Uaaah“, gähnte sie. Ich glaube ich muss in mein Bett, die viele frische Luft und die ganze Aufregung, das macht ganz schön schlapp.“
Die Erwachsenen sahen das ein, Mama Gisela brachte Clara noch nach oben, doch vor der Zimmertür verabschiedete sich Clara: „Ich bin ja schon groß, Mama, ich kann allein ins Bett!“
„Also gut, dann schlaf gut, meine Große und träum was Schönes!“
„Sicher, Mama, ich träume doch immer was Schönes!“, Clara zwinkerte der Mutter zu und verschwand in ihrem Zimmer.
„Zähne putze ich gleich auch noch, geh ruhig schon runter!“, rief sie und dann fiel ihr ein, dass Schnurrli sicher Hunger und Durst haben würde.
„Kann ich noch ein Glas Milch haben?“
„Bringe ich dir gleich hoch“, versprach die Mutter und kam nach einer Minute mit einem Glas zurück.
„Bitte sehr, die Dame“, sie reichte Clara das Glas durch den Türspalt. Gleich darauf verschwand Clara wieder im Zimmer.
„Nachti“, rief sie noch. Mama wunderte sich immer mehr. Was war das für ein seltsamer Tag gewesen. Zuerst die Müllsammelaktion, dann das gefährliche Tier im Badezimmer mit der ängstlichen Oma, die es mit einer Toilettenbürste in Schach gehalten hatte. Dann die Tochter, die mit sich selbst sprach und mit einem Mal freiwillig ein Glas Milch trinken wollte. Gisela musste laut lachen, so dass Rolf, der sich zu einem kleinen Nickerchen niedergelassen hatte erschreckt vom Sofa hochfuhr und rief: „Was ist los, ist das Raubtier wieder aufgetaucht?“
Gisela lachte und lachte bis ihr die Tränen kamen.
„Das Raubtier sitzt sicher noch unterm Küchenschrank, ich werde ihm mal ein Schälchen Milch hinstellen und dann warten wir mal bis morgen ab, ob es sich daran bedient hat. Und du, möchtest du ein Schälchen Bier, mein Lieber?“
Diese Idee gefiel Rolf und so saßen Gisela und er noch ein paar Stunden im Wohnzimmer und sprachen über den Tag und sie machten Pläne für die Zukunft und überhaupt waren sie guter Dinge, auch wenn die Großmutter nun wieder zu Hause war, oder gerade deswegen. Wer weiß das schon?

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Über Regina (klatschmohnrot)

Autorin
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Eine Antwort zu 27.11.2016 (verspätet wegen Internetausfall)

  1. lifetellsstories schreibt:

    Leider bin ich erst jetzt dazu gekommen, auf Deiner Seite weiterzulesen. Noch eine Geschichte und ich bin wieder auf dem neuesten Stand;-) .
    Ich kann mir gut vorstellen, dass sich die Eltern wundern. Kleine Kinder, die ganz plötzlich müde sind und sogar bereitwillig an das Zähneputzen denken und auch noch auf die Gute Nachtgeschichte verzichten, wecken schon mal die Verwunderung der Eltern. Zumindest dann, wenn es der üblichen Prozedur widerspricht. 🙂
    LG
    Astrid

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