17.11.2016

Teil 17
Mehr als die Hälfte des Novembers ist vergangen, bisher hat es ganz gut mit dem Schreiben geklappt. Momentan häufen sich die Geburtstage bei uns. Heute hat nämlich mein Sohn Geburtstag, seinen 31. schon. Wo ist nur die Zeit geblieben?
Als Mutter lässt man an solchen Tagen die Zeit noch einmal vor dem inneren Auge ablaufen, ein wenig Wehmut ist auch dabei – aber auch Freude.

  1. Kapitel

Hilda hatte gewartet, aber Clara war nicht gekommen. Hermann beruhigte sie.
„Das Kind ist noch so klein. Sicher will sie sich einmal richtig ausschlafen. Ich habe ihr gesagt, dass es überhaupt kein Problem ist, wenn sie mal eine Nacht nicht zu uns kommt!“
„Na ja, vielleicht kommt sie heute, dann ist alles wieder gut. Ich habe eben schon Sehnsucht nach ihr, so, als sei sie unser eigenes Kind.“ Hilda war die geborene Mutter, leider war es ihr nie vergönnt gewesen eigene Kinder zu haben. Im Laufe der Jahre hatte sie allerdings viele Pflegekinder gehabt und das war wunderbar. Sie erinnerte sich an jedes einzelne von ihnen und war immer froh, wenn sie von irgendwem eine Nachricht bekam, dass es dem einen oder anderen gut ging. Leider hatte es aber auch viele Abschiede gegeben, denn Menschen werden nun mal nicht so alt wie Waldgeister und Hilda würde sie mit der Zeit alle überleben, das war ihr Los und sie konnte daran nichts ändern.
„Hoffentlich bleibt sie uns lange erhalten, die kleine Clara“, seufzte Hilda und wandte sich wieder ihrer Wäsche zu. Heute hatte der Herbstwind fest gepustet und alle frisch gewaschenen Bettbezüge und Tischtücher waren wunderbar trocken und frisch, so dass sie sich das Bügeln ersparen konnte.
Das war sowieso nicht ihre Lieblingsbeschäftigung, denn bis das alte Kohlebügeleisen heiß genug war, verging so viel Zeit und in dieser Zeit konnte Hilda viel wichtigere Dinge erledigen, wie Pilze sammeln und trocknen für den Winter oder Lorbeerbeeren sammeln, die sie zum Kochen und für Tee benötigte.
„Weißt du denn, welche Aufgabe hinter dem nächsten Baumtürchen wartet?“, fragte sie neugierig.
„Nein, Hilda, das weiß ich nicht. Wir können ihr sowieso nicht helfen, sie muss die Aufgaben ganz allein bewältigen. Das weißt du doch“, Hermann schüttelte den Kopf. Dass Frauen immer so neugierig sein mussten verstand er einfach nicht. Männer können abwarten und den Dingen ihren Lauf lassen. Davon war Hermann überzeugt und es stimmte ja auch, abwarten konnte er und das ganz wunderbar. Vor allem, wenn er beim Abwarten sein Pfeifchen rauchen durfte und dazu einen leckeren Wachholderschnaps trinken konnte. Ja, das war herrlich. Warten war seine Lieblingsbeschäftigung, schon immer.
Die Sonne war bereits untergegangen. Im Wald war es still geworden, alle Vögel hatten sich schon zur Ruhe begeben. Die, die im Winter in den Süden flogen, machten sich für die Abreise bereit. Manche Arten versammelten sich und warteten auf ein Zeichen zum Aufbruch. Die letzten Blätter leuchteten noch bunt auf den Bäumen und auf die kunstvollen Spinnennetze legte sich abends zeitig der Tau, so dass kleine Perlen im Licht funkelten. Schön sah das aus.
„Ist unser Leben nicht ganz wunderbar?“, seufzte Hermann voller Wohlbehagen und Hilda stimmte ihm zu.
„Hast ja Recht, ich bin undankbar und vor allem sehr ungeduldig“, gab sie zu und drückte ihrem Hermann einen dicken Schmatz auf die Wange.
Im gleichen Moment kam Clara auf die beiden zu. Wie glücklich war Hilda und sie hätte sie so gern für immer bei sich behalten, doch das durfte sie nicht. Zeit für einen Plausch war aber immer noch, bevor sich Clara wieder auf den Weg machen musste, den Weg durch das zweite Türchen, hinter dem wieder eine Aufgabe auf sie wartete.
Heute zitterten die Finger schon nicht mehr. Clara schloss auf und schaute hinter die Tür, es bot sich das gleiche Bild wie bei der ersten Aufgabe und mutig durchschritt sie die Tür, winkte Hermann und Hilda noch zu. Dann schloss sich die Tür hinter ihr.
Wie beim ersten Mal ging Clara den Waldweg entlang, schaute sich interessiert um und erwartete ihre neue Aufgabe.

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Über Regina (klatschmohnrot)

Autorin
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