14.11.2016

Claras erste Aufgabe, ob sie die meistern wird? 

14. Teil

Clara hatte sich an ihr neues Leben gewöhnt. Das Zusammensein mit den Waldfreunden tat ihr gut, da sie doch bisher immer eher zurückgezogen gelebt hatte und nur mit ihren Eltern zusammen war.
In den ersten Nächten hatte sie sich erst einmal vertraut gemacht mit dem Wald und seinen Bewohnern. Viele neue Freunde hatte sie gefunden und das tat ihr so richtig gut.
Dann öffnete sie mit Hermanns Hilfe ihr erstes Baumtürchen. Sie war sehr gespannt, was sich dahinter verbarg. Ihre Finger zitterten leicht, als sie den Schlüssel umdrehte.
Mit einem feinen Glockenton sprang die Tür auf.
„Jetzt musst du hindurchgehen“, erklärte Hermann. „Ich kann dich nicht begleiten. Was deine Aufgabe sein wird, das wirst du schon selbst herausfinden.“
Er bat sie, sich hinunter zu beugen, damit er Clara eine Kette umhängen konnte, an der eine silberne Pfeife hing.
„Nimm diese Pfeife, wenn du in Not geraten solltest. Dann wird sofort jemand zu Hilfe kommen.“
Clara nickte, ein wenig mulmig war ihr zumute. Noch nie hatte sie etwas ganz allein machen müssen. Aber sie vertraute ihren Freunden und trat durch die Tür, die sich gleich darauf hinter ihr schloss. Hilda hatte ihr ein Proviantpaket mitgegeben, ihr konnte also gar nichts passieren und die Pfeife gab ihr noch mehr Sicherheit. Guten Mutes lief Clara los, schaute nach links und rechts und freute sich an den herrlichen Bäumen, durch die sogar die Sonne lachte, obwohl es ja eigentlich mitten in der Nacht war. Es war eben ein Zauberwald und da war alles möglich.
Als sie schon eine ganze Weile gegangen war, hörte sie ein feines Stimmchen rufen: „Hilfe, zur Hilfe, hört mich denn niemand? Hilfe, zur Hilfe!“
Verdutzt schaute sich Clara um, doch sie konnte niemanden entdecken.
„Wo bist du und was ist dir passiert?“, rief sie und wartete lauschend.
„Ich bin hier oben und kann nicht mehr hinunter, hilf mir bitte!“ Clara schaute nach oben, sah aber nichts als die Bäume und den blauen Himmel.
„Ich sehe dich nicht, wo bist du?“
„Hier, direkt auf dem Baum vor dir, mach schnell, ich kann mich nicht mehr halten!“
Jetzt entdeckte Clara das Kätzchen, ganz klein war es und es hielt sich krampfhaft an einem Zweig fest, hoch oben in einer Buche.
Fieberhaft überlegte Clara, wie sie dem Kätzchen helfen konnte. Auf den Baum steigen, das ging nicht, denn er war unten kahl und Clara hätte erst einmal so hoch gelangen müssen bis die ersten Zweige da waren. Das schied also aus. Die glatte Rinde der Buche bot auch keinen Halt. Sie musste sich etwas Anderes überlegen.
„Keine Angst, kleine Katze, mir fällt schon was ein. Halt dich gut fest!“
Clara fiel ein, dass ihre Mutter einmal erzählt hatte, dass Katzen angeblich sieben Leben haben und dass sie sogar in der Lage waren, von einem Hausdach zu springen, ohne sich zu verletzen. Sie können sogar an glatten Dachrinnen hinauf klettern und wenn sie das könnten, dann dürfte doch dem kleinen Kätzchen auch nichts passieren, wenn es sich fallen ließ. Clara wollte ihm ein weiches Polster machen, damit es sich nicht zu sehr fürchtete.
Sie trug Laub zusammen und Moos und polsterte den Platz unter der Buche aus. Dann zog sie ihre Strickjacke aus und legte sie auf das Moos- und Laubbett.
„Komm, kleine Katze, lass dich fallen. Es wird dir nichts passieren!“ Zuerst konnte sich das Kätzchen noch nicht entschließen, sich fallen zu lassen, zu groß war die Angst. Doch Clara redete mit so beruhigender Stimme auf die Kleine ein, dass sie schließlich die Augen zukniff und sich fallen ließ.
Es geschah genauso, wie Clara es gewünscht hatte. Die Katze landete im weichen Haufen, mitten auf Claras Strickjacke, blieb zuerst still liegen, erkannte dann, dass nichts passiert war und auch nichts weh tat. Sie öffnete die Augen und sah Clara dankbar an.
„Das werde ich dir niemals vergessen!“, sagte sie und richtete sich auf. Alles war heil geblieben, kein Schmerz, keine Wunde.
Clara war glücklich.
„Willst du mich nach Hause begleiten, kleine Katze? Wie heißt du eigentlich?“
„Ich habe noch keinen Namen, kleine Clara, ich habe auf dich gewartet, weil ich wusste, dass du eines Tages kommen würdest, um mich zu retten. Gib du mir einen Namen, dann will ich dich nach Hause begleiten.“
Clara überlegte, sie streichelte das weiche Fell ihrer neuen Freundin und kraulte sie hinter den Ohren. Zum Dank schnurrte die Katze vor Wohlbehagen.
„Ich möchte dir den Namen Schnurrli geben. Gefällt er dir?“, fragte Clara.
„Wenn du es sagst, dann ist es so!“, antwortete Schnurrli.
Clara hatte ihre erste Aufgabe gelöst. Hermann war mächtig stolz auf sie, als sie, Schnurrli hatte sie mitgebracht, wieder in der Baumwohnung erschien.
„Das hast du gut gemacht, mein Kind. Ich wusste doch, dass ich mich auf dich verlassen kann. Wollen wir noch einen leckeren Tee trinken, bevor du zurück nach Hause in dein Bett musst?“
Das wollte Clara gern und die herrlichen Plätzchen, die Hilda gebacken hatte, ließ sie sich auch schmecken. Mmh, waren die wieder lecker.

 

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Über Regina (klatschmohnrot)

Autorin
Dieser Beitrag wurde unter Schreibprojekt 2016 abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu 14.11.2016

  1. Eva Voigt schreibt:

    Regina, herzlichen Glückwunsch zu Deiner neuen Seite. Gefällt mir sehr gut! Wenn ich wieder in Frankfurt bin, werde ich mir das auch überlegen. Ging das gut, die Sachen von Blogger hinüber zu bringen? Deine Geschichte mit Clara hat mir gut gefallen. Liebe Grüße Eva

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Eva,
      dieses Blog ist schon älter als das andere, ich bin nicht umgezogen mit allen Beiträgen, evtl. hole ich noch ein paar sachen rüber. Deshalb weiß ich nicht, wie man mit dem kompl. Blog umziehen kann – so weit ich weiß geht das aber irgendwie. Ich lasse das andere Blog erstmal stehen, werde dort aber nicht weiter schreiben.
      Danke und liebe Grüße
      Regina

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  2. wholelottarosie schreibt:

    Eine süße Geschichte!

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