11.11.2016

Teil 11
Clara kommt endlich an und lernt die Waldwesen kennen, auf die sie sich schon so lange gefreut hat. Natürlich ist sie sehr aufgeregt und kann kaum einschlafen …
(Nebenbei: bis hier incl. sind es fast 6.000 Wörter. Hätte ich am NANOWRIMO teilgenommen, läge ich also um Längen zurück. Gut, dass ich es diesmal anders gemacht habe)

Kapitel 8

Clara hatte sich in ihr Bett gekuschelt. Die Mutter hatte noch eine Weile an ihrer Seite gesessen und dann war sie ins Wohnzimmer zu ihrem Mann gegangen. Clara hatte die Augen geschlossen, konnte aber vor lauter Aufregung nicht einschlafen.
„Lieber Mond“, bat sie im Stillen, „mach es heute Nacht schön hell, damit ich auch etwas sehen kann. Heute wird mich die große Eule aus meinem Traumland mit in den Wunderwald nehmen und endlich werde ich all die Waldwesen kennenlernen, die ich bisher nur aus meinen Träumen kenne.“
Endlich schlief sie ein. Sie träumte von Hermann und Hilda, sah, wie die beiden auf der Bank vor der Höhle saßen und miteinander auf sie warteten. Auf Hermanns Schulter saß noch immer Borki und auch Frieda, das Eichhörnchen hatte sich zur Begrüßung eingefunden. Aufgeregt flitzte es von einem zum andern. In den Zweigen der alten Buche saßen hunderte von Vögeln, die leise vor sich hin zwitscherten. Sie stimmte sich ein für das Begrüßungslied. Die fleißigen Ameisen räumten noch ein wenig den Weg vor dem Baum auf und die Mäuse hielten schon Ausschau nach der großen Eule, vor der sie ein wenig Angst hatten.
Plötzlich hörte Clara die Stimme der Eule:
„Komm, mein Kind, es ist nun soweit. Setz dich auf meinen Rücken, dann fliege ich mit dir in unseren Wald. Alle warten schon auf dich und freuen sich auf deine Ankunft.“
Clara schlang ihre Ärmchen um den Hals der Eule, sie kuschelte sich in das weiche Federkleid und dann ging es schon in die Lüfte. Hui, war das ein rasanter Flug, wie schön das war. Clara hatte gar keine Angst und es war auch gar nicht kalt. Sie flogen ganz nah am Mond vorbei, der ihnen ein „Gute Reise!“ zurief. Clara winkte ihm zu und bedankte sich für das Licht in dieser Nacht. Im Nu waren die beiden im Wald angekommen. Schon von oben sah Clara die Lichter, die den richtigen Weg wiesen. Als die große Eule auf dem Boden vor Claras neuem Heim aufgesetzt hatte, brach ein Jubel aus und dann erklang die Sinfonie des Vogelchores in einem fröhlichen Dur. Wunderschön war das, so wunderschön.
„Willkommen, liebes Kind!“, rief Hilda und eilte Clara entgegen, um sie in den Arm zu nehmen. Dabei musste sie sich ganz schön recken, denn das Kind war ein Stückchen größer als sie. „Wie groß du schon bist“, Hermann staunte auch und drückte Clara an sich. „Herzlich willkommen in deinem zweiten Zuhause“, sagte er feierlich. Borki krabbelte auf Claras Hand, machte eine Verbeugung und stellte sich vor.
„Nun lasst die Kleine doch erstmal ankommen“, empfahl die große Eule und stellte sich schützend vor Clara.
„Heute hat sie nur ein paar Stunden für uns, weil jetzt ja schon Mitternacht ist. Demnächst kann sie früher herkommen, sie kennt sich ja jetzt ein wenig aus. Ich schlage vor, dass wir sie erst einmal in ihre Wohnung führen und schauen, wie es ihr dort gefällt und ob es dort an nichts fehlt.“
„Natürlich“, Hermann machte eine Verbeugung vor Clara und bot ihr seinen Arm. „Wenn du mir bitte folgen willst, dann zeige ich dir deine Baumwohnung, die schon lange auf dich wartet. Hoffentlich wirst du dich bei uns wohlfühlen.“
Clara, die bisher noch kein einziges Wort gesagt hatte, räusperte sich: „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Es ist so schön hier bei euch und ich habe mich so sehr auf euch alle gefreut. Ich kenne euch ja schon aus meinen Träumen und weiß, dass nun bald viele Aufgaben auf mich zukommen werden. Auch darauf freue ich mich schon sehr. Danke euch allen, vielen vielen Dank!“
Dann nahm sie Hermanns Arm und ging mit ihm gemeinsam in den Baum, der ihr nun ganz allein gehören sollte.
„Baum, oh Baum!“, sagte sie, Worte, die sie so oft schon gesagt hatte, die aber ab heute eine ganz andere Bedeutung für sie bekommen hatten.
Clara war glücklich. Endlich war sie angekommen. Besonders glücklich war sie aber darüber, dass sie ihren Eltern gar nicht wehtun musste, denn die wussten nichts von den nächtlichen Ausflügen ins Land der Waldwesen. Pünktlich am Morgen würde sie wieder zurück sein in ihrem Kuschelbett.
Als sie die Wohnung in ihrem Baum betrat, bekam sie große Augen. Alles war so liebevoll hergerichtet, es gab dort ein Bett mir karierten Bettbezügen, einen Tisch mit zwei Stühlen, eine Glasvitrine mit Geschirr und Wäsche. Alles war perfekt. Seltsam waren die vielen kleinen Türchen in den
Wänden, von denen jedes mit einem Schloss versehen war.
„Was bedeutet das?“, fragte Clara vorsichtig.
„Du wirst es sehen, liebes Kind, hinter jedem Türchen wartet eine Aufgabe auf dich, aber eins nach dem anderen, jetzt essen wir erst einmal ein Stückchen Haselnusskuchen und trinken eine Tasse von Hildas gutem Eichelkaffee.“
Alle ließen es sich schmecken und feierten miteinander, viele Besucher kamen noch im Laufe der Nacht vorbei, um das Kind zu begrüßen. Clara war gar nicht müde. Hellwach erlebte sie die erste Nacht in ihrem Traumland und sie konnte sich nichts Schöneres vorstellen. Ja, Clara war glücklich, sehr glücklich.

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Über Regina (klatschmohnrot)

Autorin
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4 Antworten zu 11.11.2016

  1. etoilefilante22 schreibt:

    einfach reizend! 🙂

    Gefällt mir

  2. lifetellsstories schreibt:

    Soooo süß!!! Da wäre man gerne noch einmal Kind und würde die Geschichte vorgelesen bekommen.
    Ich wünsche Dir einen schönen und gemütlichen Freitagabend.
    Astrid

    Gefällt mir

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