10.11.2016

Oh, diese Männer! Mit Hermann geht es weiter.

Teil 10

  1. Kapitel

Sorgen machte sich auch Hermann, viel zu lange hatte er sich auf der Feenwiese aufgehalten und langsam wurde es immer dunkler. Er hatte Angst, sich zu verlaufen an diesem so wichtigen Tage, denn seine Laterne hatte er nicht mitgenommen. Um Hilfe bei den Feen zu bitten, das ließ sein Stolz nicht zu. Also machte er sich allein auf den Weg. Irgendwie würde er schon heimkommen, außerdem war ja heute Vollmond, es würde nicht allzu dunkel werden. Auch hatte seine liebe Hilda darauf bestanden, die Bienen um etwas Wachs zu bitten, damit sie für die Ankunft der Kleinen Kerzenlichter aufstellen konnten und die Laterne im Baumhaus anzünden konnten, damit sich das Kind nicht fürchtete. Tagelang hatten sie Kerzen gerollt und ganz stolz war Hilda gewesen, als die große Eule sie dafür gelobt hatte.

Insgeheim betete Hermann, dass Hilda bereits ein paar Kerzen angezündet hatte, damit er den Weg besser finden konnte. Unterwegs traf er nicht einen einzigen Waldbewohner. Sicher waren alle beschäftigt und bereiteten sich auf die Ankunft der kleinen Clara vor. Hermann seufzte. „Ich bin aber auch ein unverbesserlicher Dummkopf!“, schalt er sich selbst und stapfte wütend auf.

„Hey, Freundchen, sei doch vorsichtig“, fiepte eine feine Stimme. Hermann bückte sich, sah aber nichts.

„Wer bist du und wo bist du?“, fragte er.

„Ich bin hier auf dem Waldboden und stell du dich doch nicht so dumm. Du kennst mich ganz genau“, antwortete die Stimme. Hermann überlegte, fand aber keine Antwort.

„Nun sag schon“, bat er.

„Ich bin dein alter Freund Borki, kennst du mich denn nicht mehr?“

Erleichtert atmete Hermann auf. Natürlich, Borki, der Borkenkäfer. Er erinnerte sich.

„Wir haben uns ja lange nicht mehr gesehen“, bemerkte er und versuchte auszumachen, wo der Käfer sich befand. Er konnte ihn aber nicht sehen.

„Ich sitze hier, auf deinem linken Schuh, fast hättest du mich zertreten. Warum stapfst du denn so wütend durch den Wald, heute ich doch der große Tag, oder etwas nicht?“, fragte Borki.

Kleinlaut antwortete Hermann: „Ich glaube … ich glaube, dass ich mich verlaufen habe. Ich war auf der Feenwiese und habe dem Vogelorchester bei der Probe zugehört und dann wurde es plötzlich dunkel und immer dunkler und nun weiß ich nicht mehr, wie ich nach Hause kommen soll. Kannst du mir helfen?“

Borki kicherte. „Klar kann ich das, warte, ich setze mich auf deine Schulter und dann sage ich an, wo es langgeht, okay?“

So machten sie es dann, Borki gab Anweisungen und Hermann befolgte sie:

„Rechts, rechts, rechts, weiter, weiter, weiter, stop und linksrum, weiter, weiter, weiter!“

Gemeinsam erreichten sie nach einiger Zeit Hermanns Höhle, die feierlich beleuchtet war und auch aus dem Fenster im dicken Baum, der Claras Zuhause sein sollte, schien ein warmes Licht. Hilda hatte an alles gedacht und sie war auch gar nicht mehr böse auf ihren Hermann. Sie war einfach nur froh, dass er gerade noch rechtzeitig wieder nach Hause gekommen war. Sie drückte ihn an sich und aller Ärger war vergessen.

„Wie gut, dass du wieder da bist, mein Lieber!“, flüsterte sie. „Es wäre ja nicht auszudenken, wenn du nicht zeitig heimgekommen wärest, nicht auszudenken!“

 

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Über Regina (klatschmohnrot)

Autorin
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2 Antworten zu 10.11.2016

  1. lifetellsstories schreibt:

    Ohje, der arme Herman. Ich musste allerdings schmunzeln, denn ich habe ein ähnliches Orientierungsvermögen wie Hermann. Naja, vielleicht nicht ganz so. Aber ich muss mich in einer fremden Stadt immer an bestimmten Häusern, Denkmälern, Straßennamen, Kirchen… orientieren. Allerdings habe ich bisher immer wieder zurück gefunden. Zum Glück. Es wäre ja nicht auszudenken, wenn… 😉
    LG
    Astrid

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