6.11.2016

Heute ging es mir wie Clara, ich hatte ein erhöhtes Schlafbedürfnis. Nachholbedarf, vermute ich und habe es einfach so geschehen lassen. Es ist ja auch Sonntag und ich darf mich ausruhen. Deshalb gibt es auch heute wieder nur ein kleines Stückchen von der Fortsetzung – aber vielleicht kommt euch das ja gelegen und ihr müsst auch ausruhen. Morgen gibt es dann ein größeres Häppchen.

Claras Mutter erzählt:

Teil 6

„Es war einmal ein kleines Mädchen, das lebte mit seinen Eltern in einem wunderschönen kleinen Haus am Waldrand. Tagsüber spielte es im Garten und unterhielt sich mit den Tieren und Pflanzen. Die Leute beobachteten das Mädchen und hielten es für außergewöhnlich, denn sie selbst verstanden die Sprache der Flora und Fauna nicht mehr. Dabei hatte es eine Zeit gegeben, da hatten alle zusammen in einer frohen Gemeinschaft gelebt. Damals konnte man noch Feen und Trolle finden, die gar keine Angst vor den Menschen hatten und auch die Menschen fürchteten sich nicht vor ihnen. Dann aber kam eine Zeit, da gerieten die Waldwesen und Waldgeister in Vergessenheit und weil sie niemand mehr sah, dachte man, dass sie alle ausgestorben seien oder gar, dass es niemals welche gegeben hatte und die, die noch davon erzählten nannte man Märchenerzähler. Einen solchen Märchenerzähler habe ich zum Vater gehabt. Es ist schade, dass du ihn nicht mehr kennen gelernt hast. Ihr hättet euch so gut verstanden, dein Großvater und du.“

Clara betrachtete ihre Mutter nachdenklich. Sollte sie etwa wissen, dass sie auserwählt war, den Zwergen zur Seite zu stehen, die von den Menschen unbemerkt ganz nah im Wald dort drüben lebten? Vielleicht mussten sie sich gar nicht trennen und die Mutter konnte sie auf ihrer Mission begleiten. Aber was war mit dem Vater, konnten sie ihn allein lassen?

Clara wusste noch nicht, dass sie sich gar nicht trennen mussten, schon bald würde sich ihr Leben sehr verändern und niemand würde etwas davon bemerken. Clara stand kurz vor dem Abenteuer, das ihr Leben völlig verändern würde und sie freute sich darauf und gleichzeitig machte es Angst.

„Ich muss jetzt schlafen, liebe Mama!“, sagte Clara und in ihren Augen schimmerten Tränen. „Erzähle mir doch morgen die Geschichte weiter, jeden Tag nur ein kleines Stück, denn wenn sie zu Ende ist, dann beginnt eine neue, eine andere Zeit!“

„Ja, mein Kind, wir werden uns die Geschichte einteilen, jeden Tag ein kleines Stück nur, mehr nicht!“, antwortete die Mutter und auch in ihren Augen schwammen Tränen. Sie erinnerte sich an den Vater, der ihr Geschichten erzählt hatte, als sie ein kleines Mädchen gewesen war und auch daran, dass er es nicht geschafft hatte, die letzte Geschichte zu Ende zu erzählen bevor er gestorben war.

Clara zog die Bettdecke hoch bis zu ihrem Gesicht. Sie hatte sich längst daran gewöhnt, aus ihrem Körper zu schlüpfen und in eine andere Welt zu fliegen. Das passierte immer ganz kurz bevor sie einschlafen wollte. Dann war sie nicht mehr die kleine Clara, sondern die Prinzessin des Waldes, die in einem alten Baum wohnte, in dessen Innerem es warm und gemütlich war und worin viele kleine Türchen darauf warteten von ihr geöffnet zu werden, um einem neuen Abenteuer auf die Spur zu kommen.

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Über Regina (klatschmohnrot)

Autorin
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2 Antworten zu 6.11.2016

  1. lifetellsstories schreibt:

    Liebe Regina,
    ich habe Clara schon jetzt in mein Herz geschlossen und freue mich auf die vielen anderen Folgen Deiner Geschichte.
    Herzlich Grüße
    Astrid

    Gefällt 2 Personen

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