3.11.2016

Teil 3

Der Versuch, Clara in einem Kindergarten anzumelden, scheiterte Nachdem die Familie recht schnell einen Platz gefunden hatte, ging Clara mit ihrer Mutter zur Eingewöhnung täglich hin, aber das Alleinbleiben klappte gar nicht. Sie mochte nicht mit anderen Kindern spielen. Ließ man sie in Ruhe und sie durfte einfach nur zuschauen, dann ging es, aber die anderen Kinder wollten Kontakt aufnehmen und sie in ihr Spiel einbeziehen. Das wollte Clara nicht, sie schrie und weinte so lange, bis man die Mutter anrief, die sie dann wieder mit nach Hause nahm. Clara war wohl noch nicht so weit. Die Erzieherinnen rieten den Eltern, doch einmal einen Psychologen aufzusuchen. Sie hielten Claras Verhalten für bedenklich und unsozial. „So geht das nicht!“, sagten sie. „Wie soll das Kind in der Schule zurechtkommen, sie wird untergehen!“ Claras Eltern ärgerten sich über die gut gemeinten Ratschläge der Erzieherinnen. Schließlich kannte sie ihre Tochter gar nicht und konnten deshalb auch nicht beurteilen, dass sie „unsozial“ sein sollte. Dieser Begriff ärgerte Claras Mutter am heftigsten. Noch fester stellte sie sich auf die Seite ihrer Tochter und nahm sie wieder aus dem Kindergarten. Trotzdem nagten die Zweifel an ihr.
„Es ist doch nicht normal, dass sie zwölf Stunden oder länger schläft“, meinte sie und der Vater gab ihr Recht. „Vielleicht sollten wir doch einmal zu einem Spezialisten gehen und unsere Tochter untersuchen lassen. Dann sind wir wenigstens beruhigt, wenn nichts sein sollte.“, meinte er. Manchmal war er genervt, weil sich alles nur noch um das Kind drehte.
Die Mutter sah das allerdings gar nicht ein. Ihr kleines Mädchen war völlig in Ordnung, das wusste sie genau und wenn sie sich richtig erinnerte, dann war sie selbst auch ein Kind gewesen, das eher zurückgezogen groß geworden war. Sie hatte Angst davor, einen Psychologen aufzusuchen, man wusste ja nie, an wen man da geriet und vielleicht würde es nur weitere Probleme bringen oder Clara würde in ihrer Entwicklung gestört. Sie nahm sich vor, einmal mit ihrer eigenen Mutter darüber zu sprechen, die am anderen Ende Deutschlands lebte und so sahen sie sich selten.
So kam es also, dass Clara sich einigermaßen ungestört entwickeln durfte, ohne dass Ärzte oder Erzieher eingriffen oder eingreifen mussten. Clara war kerngesund. Sie fühlte sich wohl und war ein wenig anders als andere Kinder. Clara war eben ein ganz besonderes Kind.

2. Kapitel

Im Wald

„Hast du alle Schlösser noch einmal kontrolliert?“, fragte Hilda ihren Mann und schaute ihn mit strengem Blick an. Immer musste sie ihn an alle wichtigen Dinge erinnern und das ging ihr manchmal ganz schön auf die Nerven. Lange genug hatten sie Zeit gehabt, sich auf die Ankunft des kleinen Mädchens vorzubereiten. Dass immer alles auf die letzte Minute passieren musste, war nichts Neues, aber Hilda fehlte die Gelassenheit, die Hermann an den Tag legte. Hektisch lief sie durch ihre Wohnung, die in einer Wurzelhöhle unter der dicken Buche war, sie putzte hier und da, räumte auf und machte Pläne, wie sie das Kind empfangen wollte und vor allem, was sie ihm zu essen anbieten wollte. Hermann behielt die Ruhe.
Er saß in aller Seelenruhe auf der Bank vor der alten Eiche und rauchte sein Pfeifchen. Was Hilda nur immer hatte. Alles war perfekt und die Schlösser konnte er auch am nächsten Tag noch kontrollieren. Noch war es ja nicht soweit, die Eule würde ihnen früh genug mitteilen, wann die neue Bewohnerin das erste Mal persönlich auftauchen würde und dann wäre alles bereit für sie, da war Hermann ganz sicher.

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Über Regina (klatschmohnrot)

Autorin
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