2.11.2016

Teil 1 – Einführung

Teil 2

„Andere Eltern erzählen, dass sie manchmal mehrfach nachts aufstehen müssen, weil die lieben Kleinen nicht schlafen können oder sich vor etwas fürchten. Meine Schwester Britta sagte neulich, dass ihre beiden sogar regelmäßig ins Elternbett kommen“, sagte die Mutter eines Abends, als Clara längst zu Bett gegangen war, zu ihrem Mann. „Meinst du, dass mit unserer Clara alles in Ordnung ist?“
„Was sollte denn nicht in Ordnung sein, schau sie doch an, sie ist einfach ein unkompliziertes kleines Mädchen, das ein wenig sprechfaul ist. Ansonsten ist alles okay mit ihr, glaub mir! Ich bin auch ganz froh darüber, dass sie nicht in unserem Bett schlafen möchte. Das wäre viel zu eng und unbequem“, sagte der Vater und vertiefte sich wieder in sein spannendes Buch. Die Mutter nahm ihr Strickzeug und versuchte, sich keine weiteren Sorgen zu machen. Sie erinnerte sich auch daran, dass sie selbst als Kind immer gern geschlafen hatte, ihr Bett war eine gemütliche Kuschelhöhle gewesen und ihr älterer Bruder hatte sie oft ausgelacht deswegen. Schnell hatte sie den Spitznahmen Schlafmütze weg und den behielt sie sicher ihr Leben lang. Mit dem Eintritt in die Schule war es dann allerdings mit dem Träumen vorbei gewesen. Schnell hatte sie sich daran gewöhnt, dass sie nun ganz aktiv am Leben teilnehmen musste, wenn sie den Anschluss nicht verpassen wollte und manchmal war es ja auch in der Schule ganz nett, besonders dann, wenn die Lehrerin Geschichten und Märchen aus alter Zeit erzählte und die Kinder dazu ihre Bilder malen durften.

Als Clara vier Jahre alt geworden war, wollte sie eine Weile keine Geschichten mehr hören. Mittlerweile sprach sie in ganzen Sätzen, aber eigentlich nur das Nötigste. Sie plapperte nicht wie andere Kinder und sie lachte auch nicht so viel wie andere. Trotzdem machte sie keinen unglücklichen Eindruck. Sie liebte die Natur und den Wald und natürlich die Bäume. Oft saß sie am Fenster in der Küche und starrte lange hinaus, immer in Richtung Wald. Manchmal leuchtete ihr kleines Gesichtchen auf, dann hatte sie einen Kobold gesehen, oder eine Fee, das behauptete sie jedenfalls. Die Mutter ließ sie in dem Glauben, dass sie ihr jedes Wort abnahm. Schließlich war sie ja froh über jedes Wort, das Clara von sich gab. So lange hatte sie darauf gewartet. Eine richtige Unterhaltung kam aber nicht zwischen ihnen zustande. Meist redete die Mutter und auf Fragen bekam sie nur knappe Antworten, wenn überhaupt. Clara war zufrieden, sie entwickelte sich körperlich völlig normal und war ein ganz bezauberndes Kind, das eben ein wenig eigenwillig war. Da es in der Nachbarschaft keine Kinder gab, wussten sie auch nicht, wie sie sich im Umgang mit anderen Kindern verhalten würde. Ab und zu kamen die Cousinen zu Besuch, in diesen Stunden zog sich Clara gern zurück. Sie konnte nichts mit ihnen anfangen. Doch die Eltern waren davon überzeugt, dass sich das schon mit der Zeit geben würde.

Am Abend wollte Clara immer früh zu Bett gehen und lehnte Geschichten oder Lieder ab, sie zog die Decke bis unters Kinn, bestand darauf, dass es im Zimmer immer ganz dunkel sein musste und schlief scheinbar sofort ein. Erst zwölf Stunden später wurde sie wach und kam aus ihrem Zimmer, auf Störungen reagierte sie manchmal ein wenig aggressiv. Sie wollte einfach ihre Ruhe haben und die Eltern ließen sie ihr. Längst hatten sie es aufgegeben, nach Clara zu schauen und auf ihren Atem zu lauschen. Es ging ihr gut und wenn irgendetwas sein sollte, dann würde sie sich schon bei den Eltern melden. Mittlerweile war sie groß genug und sie konnte ja auch äußern, wenn ihr etwas fehlen sollte oder ihr etwas weh tat. Das passierte jedoch niemals.

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Über Regina (klatschmohnrot)

Autorin
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2 Antworten zu 2.11.2016

  1. etoilefilante22 schreibt:

    tippfehler: in diesem Stunden zog sich Clara gern zurück.

    bis morgen!

    Gefällt mir

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